Ein aufgabenorientierter Ansatz für das Assessment und Training des Sitzens bei Säuglingen

Originale Autorin Pam Versfeld
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Der Zweck des Assessments des Sitzens bei Säuglingen ( edit | edit source )

Das Assessment des Sitzens bei Säuglingen dient in der Regel einem von zwei Zwecken:

  1. Es wird festgestellt, wie weit der Säugling in der Entwicklung des Sitzens fortgeschritten ist. Zwei häufig verwendete Tests zur Beurteilung des Sitzens sind das Segmental Assessment of Trunk Control (SATCo) und die Alberta Infant Motor Scale (AIMS).
  2. Es hilft zu erkennen, was ein Säugling zum jetzigen Zeitpunkt kann und was nicht. Es zeigt auf, warum ein Säugling Schwierigkeiten beim Sitzen hat und was getan werden kann, um seine Sitzfähigkeit zu verbessern.

Segmental Assessment of Trunk Control (SATCo) ( edit | edit source )

Das SATCo ist ein klinisches Assessment der Fähigkeit eines Kindes, eine aufrechte Kopf- und Rumpfhaltung beizubehalten, während es manuell an immer niedrigeren Ebenen des Rumpfes unterstützt wird.(1)(2) Während der Säugling auf der Sitzbank sitzt, wird zur Beurteilung der Kopfkontrolle die manuelle Unterstützung zunächst am Schultergürtel gegeben, gefolgt von der Unterstützung auf Höhe der Achseln, der inferioren Scapula, der unteren Rippen, unterhalb der Rippen, am Becken und schließlich ohne Unterstützung.

Das Kind sitzt auf einer Sitzbank und sein Becken wird mit einem Gurt in einer vertikalen Position fixiert. Der Therapeut unterstützt den Rumpf auf verschiedenen Ebenen. Für jede Rumpfsegmentebene werden statische, aktive und reaktive Kontrolle als vorhanden, nicht vorhanden oder nicht getestet (NT) bewertet.

  • Die statische Kontrolle gilt als vorhanden, wenn das Kind eine neutrale Rumpfhaltung oberhalb der unterstützenden Hand aufrechterhalten kann;
  • Die aktive Kontrolle gilt als vorhanden, wenn das Kind während der Kopfbewegung eine neutrale Haltung einnehmen kann;
  • Die reaktive Kontrolle gilt als vorhanden, wenn der Rumpf oberhalb der unterstützenden Hand bei einer äußeren Störung (einem Schubs) stabil bleibt.

Das SATCo hat sich als zuverlässiges und valides klinisches Maß für die Rumpfkontrolle bei normal entwickelten Säuglingen sowie bei Kindern mit neuromotorischen Behinderungen erwiesen.

Eine vollständige Anleitung zur Verwendung des SATCo finden Sie im SATCo Clinical Workbook.

Alberta Infant Motor Scale (AIMS) ( edit | edit source )

Mit der AIMS wird die Reifung der grobmotorischen Fertigkeiten eines Säuglings von der Geburt (40 Wochen nach der Empfängnis) bis zum Alter von 18 Monaten beurteilt.

  • Die Skala besteht aus vier Subskalen: Rückenlage, Bauchlage, Sitzen, Stehen
    • Jede Subskala besteht aus einer Reihe von Items, die einen zunehmenden Reifegrad bei einer Entwicklungsaufgabe beschreiben.
  • Zu jedem Item gibt es ein Diagramm, das den prozentualen Anteil der Säuglinge in der Normstichprobe für jede Alterskategorie darstellt, die für das jeweilige Item Punkte erhalten haben.
  • Studien, in denen normative Daten des AIMS zur Bewertung ihrer Validität in verschiedenen Ländern verwendet wurden, haben einige Unterschiede im Alter gezeigt, in dem Säuglinge verschiedene Items erreichen.(3)(4)

Die Abfolge der Items in der Subskala „Sitzen“ der AIMS bietet einen nützlichen Anhaltspunkt, um die Fortschritte eines Säuglings beim freien Sitzen zu erkennen. Dazu gehören:

Leitlinien für Assessment und Intervention unter Verwendung eines aufgabenorientierten Ansatzes auf der Grundlage von dynamischen Systemen ( edit | edit source )

Das Assessment des Sitzens ist in der Regel Teil einer Therapieeinheit, die mit einem Kennenlernen und einer Begrüßung des Kindes, der Familie und anderer Betreuer sowie einem Gespräch über die Erwartungen und Ziele der Familie für die Sitzung beginnt. In diesem Gespräch zwischen Familie und Therapeut werden dann die Entwicklungsaufgaben festgelegt, die für das Assessment und das Training während der Therapieeinheit und für die Planung des Heimprogramms ausgewählt werden.(5)

Ein trainingsintensiver Interventionsansatz, der auf dynamische Systeme und Aufgabenorientierung basiert und in diesem Kurs befürwortet wird, stützt sich auf zwei Quellen:

  1. Die internationale klinische Praxisleitlinie zur Frühförderung von Kindern im Alter von 0 bis 2 Jahren mit CP (Zerebralparese) oder einem CP-Risiko(6)
  2. Das GAME-Protokoll für die Frühförderung

Das GAME-Protokoll für die Frühförderung ( edit | edit source )

Die GAME-Intervention basiert auf den Grundsätzen des aktiven motorischen Lernens, der familienzentrierten Versorgung, des Coachings der Eltern und der Umweltanreicherung. Die Intervention wird auf die Ziele und den Anreicherungsstil der Eltern sowie auf die motorischen Fähigkeiten des Kindes abgestimmt.(7)(8)

Der Interventionsansatz, der auf intensivem Training, dynamischen Systemen und Aufgabenorientierung basiert, beruht auf sechs Ideen:

  1. Eine familienzentrierte Versorgung und die Einbeziehung der Eltern in die Auswahl der Ziele und die Bereitstellung von Gelegenheiten zum Üben von Bewegungsfertigkeiten sind für den Erfolg entscheidend.(9) (10)
  2. Die Therapie sollte immer von den gegenwärtigen Fähigkeiten des Säuglings ausgehen – überlegen Sie, was der Säugling in diesem Moment kann; wie schafft dies eine Möglichkeit, mehr zu lernen?(11)
  3. Der Schwerpunkt liegt auf Training, Intensität, Wiederholung und vielen täglichen Gelegenheiten zum Üben einer Aufgabe in verschiedenen Kontexten.(6)
  4. Selbst initiiertes Handeln und das Erkunden von Handlungsmöglichkeiten unterstützen und fördern das motorische Lernen.(12)
  5. Intrinsische Motivation, Neugier und der Drang, Menschen und Gegenstände zu erkunden und mit ihnen zu interagieren, unterstützen das Erlernen neuer Bewegungsfertigkeiten.(13)
  6. Die Förderung von angenehmer und sinnvoller sozialer Interaktion und Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil der Intervention und unterstützt das Erlernen motorischer Aufgaben.

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Sangkarit N, Siritaratiwat W, Bennett S, Tapanya W. Factors Associating with the Segmental Postural Control during Sitting in Moderate-to-Late Preterm Infants via Longitudinal Study. Children. 2021 Sep 26;8(10):851.
  2. Pin TW, Butler PB, Cheung HM, Shum SL. Relationship between segmental trunk control and gross motor development in typically developing infants aged from 4 to 12 months: a pilot study. BMC pediatrics. 2019 Dec;19(1):1-9.
  3. van Iersel PA, la Bastide-van Gemert S, Wu YC, Hadders-Algra M. Alberta Infant Motor Scale: Cross-cultural analysis of gross motor development in Dutch and Canadian infants and introduction of Dutch norms. Early Human Development. 2020 Dec 1;151:105239.
  4. Gontijo AP, de Melo Mambrini JV, Mancini MC. Cross-country validity of the Alberta Infant Motor Scale using a Brazilian sample. Brazilian Journal of Physical Therapy. 2021 Jul 1;25(4):444-9.
  5. Baldwin P, King G, Evans J, McDougall S, Tucker MA, Servais M. Solution-focused coaching in pediatric rehabilitation: an integrated model for practice. Physical & occupational therapy in pediatrics. 2013 Nov 1;33(4):467-83.
  6. 6.0 6.1 Morgan C, Fetters L, Adde L, Badawi N, Bancale A, Boyd RN, Chorna O, Cioni G, Damiano DL, Darrah J, De Vries LS. Early intervention for children aged 0 to 2 years with or at high risk of cerebral palsy: international clinical practice guideline based on systematic reviews. JAMA pediatrics. 2021 Aug 1;175(8):846-58.
  7. Morgan C, Novak I, Dale RC, Guzzetta A, Badawi N. GAME (Goals-Activity-Motor Enrichment): protocol of a single blind randomised controlled trial of motor training, parent education and environmental enrichment for infants at high risk of cerebral palsy. BMC neurology. 2014 Dec;14(1):1-9.
  8. Morgan C, Novak I, Dale RC, Guzzetta A, Badawi N. Single blind randomised controlled trial of GAME (Goals⿿ Activity⿿ Motor Enrichment) in infants at high risk of cerebral palsy. Research in Developmental Disabilities. 2016 Aug 1;55:256-67.
  9. King G, Williams L, Hahn Goldberg S. Family‐oriented services in pediatric rehabilitation: A scoping review and framework to promote parent and family wellness. Child: care, health and development. 2017 May;43(3):334-47.
  10. An M, Palisano RJ, Yi CH, Chiarello LA, Dunst CJ, Gracely EJ. Effects of a collaborative intervention process on parent empowerment and child performance: A randomized controlled trial. Physical & Occupational Therapy in Pediatrics. 2019 Jan 2;39(1):1-5.
  11. Baldwin P, King G, Evans J, McDougall S, Tucker MA, Servais M. Solution-focused coaching in pediatric rehabilitation: an integrated model for practice. Physical & occupational therapy in pediatrics. 2013 Nov 1;33(4):467-83.
  12. Corbetta D, DiMercurio A, Wiener RF, Connell JP, Clark M. How perception and action fosters exploration and selection in infant skill acquisition. Advances in child development and behavior. 2018 Jan 1;55:1-29.
  13. Atun-Einy O, Berger SE, Scher A. Assessing motivation to move and its relationship to motor development in infancy. Infant Behavior and Development. 2013 Jun 1;36(3):457-69.


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