Die Zerebralparese (CP) ist zwar eine nicht progressive Erkrankung, wird aber häufig von Komorbiditäten und sekundären Komplikationen begleitet.(1) Die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten und der Unabhängigkeit, die durch diese sekundären Probleme beeinträchtigt werden, ist das Ziel des therapeutischen Managements bei der CP.(2) Interventionen für Kinder mit CP sollten möglichst aktiv sein. Sie sollten aufgaben- und zielorientiert sein (mit Blick auf die Ziele des Kindes und der Familie) und sich auf den Kontext konzentrieren, in dem das Kind aktiv spielen und arbeiten wird.(3)
Zu den häufigsten Herausforderungen bei der Behandlung von CP gehören Spastizität (Spastik), Schmerzen, Schluckbeschwerden, Ernährung und Dystonie. Es ist auch wichtig, dass die Hüfte überwacht wird, da ein erhöhtes Risiko für eine Hüftluxation besteht.(1) Eine Person mit CP kann mit einem multidisziplinären Team zusammenarbeiten, zu dem u.a. Folgende gehören:(2)
Kinder mit CP können auch den Einsatz von Hilfsmitteln erfordern.(2)
Spastizität und Dystonie führen zu Schwierigkeiten bei Koordination, Kraft und selektiver motorischer Kontrolle und sind die häufigsten Bewegungsstörungen bei CP. Die Spastizität verursacht Gelenk- und Knochenfehlstellungen, Funktionsverluste und Schmerzen und ist die größte Herausforderung bei der Behandlung der CP.(2) Zur Bewältigung der Spastik wird ein multifaktorieller Ansatz verwendet, der Arzneimitteltherapie, Physiotherapie und/oder chirurgische Eingriffe umfasst.(4)
Zu den gängigen Medikamenten gegen Spastizität gehören Baclofen, Diazepam, Clonazepam, Dantrolen und Tizanidin.(2) Diese Medikamente zielen auf die allgemeine Spastik ab.(4)
Zur Bekämpfung der fokalen Spastik ist Botulinumtoxin (Botox) eine der grundlegenden Therapien, die intramuskulär eingesetzt werden. Die Verminderung der Spastik kann 3-8 Monate anhalten. Während dieser Zeit ist eine Rehabilitation erforderlich, um die Reduktion der Spastik voll auszunutzen. Zu den Wirkungen von Botulinumtoxin gehören die Verbesserung des passiven und aktiven Bewegungsausmaßes sowie die Verringerung von Beschwerden und Schmerzen im Zusammenhang mit erhöhter Muskelspannung. Die Anwendung von Botulinumtoxin erleichtert auch die Korrektur der Körperhaltung.(4) Die optimale Wirksamkeit wurde im Alter von 1-6 Jahren bei Spastik der unteren Extremitäten und im Alter von 5-15 Jahren bei spastischer Hemiplegie nachgewiesen.(5)
Die selektive dorsale Rhizotomie ist ein chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, die Spastik zu reduzieren, die den Gang beeinträchtigt. Dieses Verfahren verbessert das Bewegungsausmaß und die Gehfähigkeit von Menschen mit CP.(2) Sie ist am effektivsten bei Kindern im Alter von 3-8 Jahren mit einem GMFCS der Stufen III und IV.
Andere chirurgische Behandlungsmöglichkeiten für CP-Kinder sind:(2)
Die Handfunktion von CP-Patienten kann entweder beidseitig oder einseitig betroffen sein. Zwei gängige Techniken zur Unterstützung der Handfunktion sind die Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT) und die Hand-Arm Bimanual Intensive Therapy (HABIT).
(2)
Die Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT) basiert auf der Idee, dass eine intensive Nutzung der betroffenen Hand anstelle der nicht betroffenen Hand die Funktion der betroffenen Hand verbessert. Die Protokolle variieren, aber der weniger betroffene Arm des Kindes wird in irgendeiner Form (z.B. Handschuh, Schlinge, Gipsschiene) für einige Stunden am Tag fixiert und es wird ein intensives strukturiertes Training durchgeführt.(6) Die Forschung hat gezeigt, dass die CIMT eine wirksame Methode zur Verbesserung der Handfunktion ist, aber ihre Auswirkungen auf den Muskeltonus sind noch nicht geklärt.(2)
Die Hand-Arm Bimanual Intensive Therapy (HABIT) ist eine weitere Technik zur Verbesserung der Handfunktion durch den Einsatz beider Hände. Es handelt sich dabei um „sich wiederholende Aufgaben, bei denen zwei Hände statt einer Hand benutzt werden, um funktionelle Aktivitäten auszuführen.“(7) Es ist eine kindgerechte Technik ohne die physische Einschränkung der weniger betroffenen Hand. HABIT wird demnach besser toleriert als CIMT.(2)
Hüftluxation, -subluxation und andere damit verbundene Probleme sind bei Kindern mit CP häufig. Es wird empfohlen, im Rahmen eines Überwachungsprogramms für die Hüfte nach Fällen von Hüftdeformitäten zu suchen.(2) Die chirurgische Behandlung von Hüftproblemen umfasst rekonstruktive Verfahren wie Osteotomie und Arthroplastik.
Orthesen können dazu beitragen, das Bewegungsausmaß der Sprunggelenke und damit das Gangbild zu verbessern. Knöchel-Fuß-Orthesen (AFOs) können Kindern mit spastischer CP helfen, ihren Energieverbrauch zu senken.(2)
Die Forschung hat gezeigt, dass Kinder mit CP von der Physiotherapie profitieren können, zumal sie Folgendes bewirken kann:(5)
Darüber hinaus kann die Physiotherapie helfen, das Gleichgewicht, die posturale Kontrolle und den Gang zu verbessern sowie Mobilität und Transfers zu unterstützen.(5)
Die Ergotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der CP-Rehabilitation, um Kindern zu helfen, die Feinmotorik ihrer oberen Extremitäten zu verbessern. Darüber hinaus können Ergotherapeuten Hilfsmittel für das Lernen und die Selbstversorgung zur Verfügung stellen und dabei helfen, die Lernumgebung eines Kindes zu verändern, um die Informationsverarbeitung und die Aufmerksamkeit zu verbessern.(5)
** Physiotherapie und Ergotherapie, die bei Kindern mit CP im Alter von 4 bis 5 Jahren begonnen werden, sind wirksamer als bei älteren Kindern.(5)
Im Jahr 2020 haben Novak et al.(9) eine aktualisierte systematische Übersicht über verfügbare Interventionen für Kinder mit Zerebralparese veröffentlicht. Dies war eine Aktualisierung des ursprünglichen Artikels aus dem Jahr 2013.(10) Novak et al.(9) ordneten Interventionen für Kinder mit Zerebralparese auf der Grundlage ihrer systematischen Überprüfung der Evidenz in ein Ampelsystem ein.
Den vollständigen Review finden Sie hier: State of the evidence traffic lights 2019: systematic review of interventions for preventing and treating children with cerebral palsy.(9)
Motorische Interventionen mit grünem Licht zur Verbesserung der Funktion und Ausführung von Aufgaben bei Kindern mit Zerebralparese:
Die Interventionen sind trainingsbasiert. Der Wirkmechanismus dieser Interventionen ist die erfahrungsabhängige Plastizität, wobei Motivation und Aufmerksamkeit als entscheidende Modulatoren der Neuroplastizität agieren:
Massage ist eine Intervention mit grünem Licht. Sie scheint bei Kindern mit Zerebralparese die Verstopfung (Obstipation) zu reduzieren.(9)
Therapeutische Strategien mit grünem Licht zur Prävention und zum Management von Kontrakturen:
Weitere Interventionen mit grünem Licht sind:
Zu den medizinischen, chirurgischen, pharmakologischen und regenerativen Therapien mit grünem Licht gehören unter anderem:
Motorische Interventionen mit gelbem Licht zur Verbesserung der Funktion und Ausführung von Aufgaben bei Kindern mit Zerebralparese:
Die Änderung der Aufgabe und der Umgebung, um die Aufgabenperformanz mit Hilfe der kontextbezogenen Therapie zu ermöglichen, wird als Intervention mit gelbem Licht betrachtet.
Die folgenden Interventionen können mit einem aufgabenspezifischen motorischen Training kombiniert werden, um die positiven Effekte des Trainings bei Kindern mit Zerebralparese zu verstärken. Sie sind als Interventionen mit gelbem Licht (schwach negativ) aufgeführt, und weitere Nachforschungen sind erforderlich.
Interventionen mit gelbem Licht zur Verbesserung der motorischen Fertigkeiten bei Kindern mit Zerebralparese:
Einige Studien deuten auf die Wirksamkeit von komplementär- und alternativmedizinischen Behandlungen mit gelbem Licht hin:
**Auch wenn Konduktive Förderung die motorischen Fertigkeiten nicht verbessert, könnte sie sich positiv auf die Lebensqualität und die sozialen Fertigkeiten auswirken.(9)
Interventionen mit gelbem Licht zur Reduzierung von Verstopfung (Obstipation): Craniosacrale Osteopathie und Reflexologie scheinen zu helfen (schwach positiv).(9)
Interventionen mit gelbem Licht zur Schmerzlinderung:
Interventionen mit gelbem Licht zum Management von Kontrakturen:
Interventionen mit gelbem Licht für die körperliche Aktivität:
Motorische Interventionen mit rotem Licht zur Verbesserung der Funktion und Ausführung von Aufgaben bei Kindern mit Zerebralparese:
Die folgenden Interventionen sind rein passive Bewegungserfahrungen durch einen therapeutischen Hands-on-Ansatz. Aus Sicht der Neuroplastizität benötigen sie keine Initiative des Kindes, um ein Problem zu lösen oder seinen motorischen Kreislauf zu aktivieren:
Interventionen mit rotem Licht für die Verbesserung der motorischen Fertigkeiten:
Interventionen mit rotem Licht zum Management von Kontrakturen: