Gehstöcke

Einleitung(edit | edit source)

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Stöcke oder Gehstöcke dienen folgenden Zwecken:

Es gibt eine Vielzahl von Gehstöcken, aus denen die Benutzer wählen können. Es gibt sowohl Holz- und Metallstöcke als auch hochmoderne Stöcke aus Karbonfaser. Sie können traditionell oder in einer Reihe von modernen Farben und Mustern erhältlich sein. Es gibt faltbare Gehstöcke (Faltstöcke), die sich zusammenklappen lassen, damit sie in eine Tragetasche oder Handtasche passen, und verstellbare Stöcke, bei welchen die passende Länge leichter eingestellt werden kann.(7)

Eine Reihe von Griffvarianten(3) sind erhältlich, darunter Derbygriffe, anatomische Griffe, Fritzgriffe, Schwanenhalsgriffe und entlastende Griffe, die so gestaltet sind, dass die Auflagefläche zwischen Hand und Griff vergrößert wird.

Vierfußgehhilfen bieten eine breitere Unterstützungsfläche als der übliche Einpunktgehstock.(3) Allerdings können sie aufgrund ihrer größeren Seitenbreite auch eine potenzielle Stolperfalle darstellen.(8)

Stöcke oder Gehstöcke werden häufig eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und die Stabilität und das Gleichgewicht zu verbessern. Sie werden jedoch häufig unsachgemäß verwendet und können gefährlich sein, wenn sie nicht ordnungsgemäß gewartet werden. Es ist wichtig, die Patienten darüber aufzuklären, wie sie den größtmöglichen Nutzen aus ihren Stöcken bzw. Gehstöcken ziehen können, und sie auf die Notwendigkeit hinzuweisen, den Stock regelmäßig auf Defekte zu überprüfen, die die Sicherheit beeinträchtigen könnten.(9)

Handgriffe(edit | edit source)

Griffbeispiel Vorteil
T- Griff Gute Griffigkeit und Kontrolle
Rundhakengriff Nützlich zum Aufhängen des Stocks
Schwanenhalsgriff Der Stock fühlt sich stabiler an
Fischergriff Passt sich der Hand gut an, gut für steife oder schmerzende Hände

Arten von Gehstöcken ( edit | edit source )

Ein detailliertes Verständnis der verschiedenen Arten von Gehhilfen und ihrer Arten, Modifikationen, Anpassung, Stabilität und Indikationen ist für die Verordnung eines Gehstocks unerlässlich.(10) Die Art des Hilfsmittels hängt von der Art der Gangstörung ab.

Kategorien von Gangstörungen:(11)

  • Gleichgewicht (einschließlich sensorischer und zerebellarer Systeme),
  • Motorik (einschließlich zerebrale Initiierung des Gehens und Muskelkraft)
  • Gelenk- oder Skelettprobleme (z. B. Arthrose)

Einpunktstock ( edit | edit source )

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Standard-Gehstock ( edit | edit source )

Standard-Gehstöcke sind in der Regel aus Holz oder Leichtmetall gefertigt. Sie sind leicht und preiswert.

Standard-Gehstöcke aus Holz müssen für jeden Benutzer individuell angepasst werden, um sicherzustellen, dass sie die richtige Länge haben. Standard-Gehstöcke aus Aluminium sind mit Druckknöpfen oder Clips zur Längenverstellung versehen, so dass eine Anpassung während der Anfertigung oder eine individuelle Auswahl vor dem Kauf nicht erforderlich sind.

Standard-Gehstöcke sind nützlich für Patienten, die nur einen zusätzlichen Kontaktpunkt mit dem Boden benötigen, um das Gleichgewicht zu halten und so die Unterstützungsfläche zu vergrößern. Es geschieht nur eine geringe oder gar keine Gewichtsbelastung durch den Stock.

Diese Stöcke können für Patienten mit leichten sensorischen oder koordinativen Problemen verwendet werden, wie z. B. visuelle, auditive, vestibuläre, periphere propriozeptive oder zentrale zerebellare Erkrankungen.

Gehstock mit gebogenem Ansatz ( edit | edit source )

Gehstöcke mit gebogenem Ansatz, im Englischen „offset canes“ genannt, haben eine schwanenhalsartige Biegung unterhalb des Handgriffs und werden in der Regel aus Aluminium hergestellt. Sie sind in der Länge verstellbar, so dass eine individuelle Anpassung während der Anfertigung nicht erforderlich ist. Bei diesen Gehstöcken kann das Gewicht des Patienten besser auf das Rohr des Stocks verlagert werden.(3) Sie bieten mehr Stabilität und können zur gelegentlichen Gewichtsentlastung verwendet werden.

Zu den Personen, die von einem Gehstock mit gebogenem Ansatz profitieren können, gehören Menschen mit schmerzhaften Gangstörungen, wie z. B. einem leichten bis mittelschweren antalgischen Gang im Zusammenhang mit Kox- oder Gonarthrose.

Mehrfußgehhilfen ( edit | edit source )

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Vierfußgehhilfen ( edit | edit source )

Die Vierfußgehhilfe ist ein vierbeiniger Gehstock, der in der Regel aus Leichtmetall besteht.(3)

Diese Gehhilfe ermöglicht eine höhere Belastung durch den Schaft, vergrößert die Unterstützungsfläche und bietet dem Patienten mehr Stabilität. Sie fällt beim Loslassen auch nicht um, so dass der Patient beide Hände bei Bedarf anderweitig benutzen kann.

Ein Nachteil ist, dass alle vier Beine des Gehstocks während des Gehens den Boden berühren müssen, um Stabilität zu gewährleisten, was ein schnelles Gehen behindert.

Vierfußgehhilfen können für halbseitig gelähmte Patienten oder Patienten mit mittelschwerem bis schwerem antalgischem Gang aufgrund von Arthrose verordnet werden.

Einhand-Walker (Hemi-Walker) ( edit | edit source )

Ein Einhand-Walker, im Englischen „hemi walker“ genannt,(12) besteht aus Leichtmetall und hat eine vertikale Komponente mit einem Griff und zwei Beinen sowie eine weitere Komponente mit zwei zusätzlichen, vom Patienten abgewinkelten Beinen.

Diese Gehhilfe bietet eine breitere Unterstützungsfläche als konventionelle Gehstöcke. Sie wird von Patienten verwendet, die eine kontinuierliche Belastung durch eine obere Extremität benötigen, wie z. B. Schlaganfallpatienten mit Hemiparese, die eine mittlere bis schwere Behinderung der unteren Extremitäten haben.

(13)

Höhenanpassung von Gehstöcken ( edit | edit source )

Um die Höhe eines Gehstocks anzupassen, kann die Basis des Stocks etwa 15 cm seitlich der Außenseite des Fußes gestellt werden. Die Griffhöhe sollte auf Höhe der Handgelenksfalte eingestellt werden. Der Ellbogen des Benutzers sollte leicht gebeugt sein (im Allgemeinen zwischen 15 und 30 Grad), wenn der Stock in aufrechter Position gehalten wird.

  • Der Benutzer sollte seine alltäglichen, festen Schuhe anhaben
  • Der Benutzer sollte so gut wie möglich aufrecht stehen
  • Der Benutzer sollte die Arme ganz natürlich zur Seite fallen lassen, mit einer normalen, entspannten Ellbogenflexion
  • Um eine genaue Abmessung zu erhalten, messen Sie mit einem Maßband den Abstand vom Handgelenk (Handgelenksfalte) bis zum Boden. Runden Sie auf den nächsten halben Zentimeter auf(8)
  • Stellen Sie dann den Stock entsprechend der Messung ein

Verwendung des Gehstocks ( edit | edit source )

Gehen(edit | edit source)

Gehstöcke werden in der Regel auf der nicht betroffenen/stärkeren Seite des Körpers (dem „guten Bein“) eingesetzt. Dies kann jedoch von den individuellen Vorlieben und Fähigkeiten abhängen. Der Stock sollte gleichzeitig mit dem betroffenen Bein nach vorne gebracht werden, dann folgt das nicht betroffene Bein.

  • Bei gleichzeitiger Verwendung von zwei Stöcken kann ein Vier-Punkte-Gang verwendet werden, indem ein Stock nach vorne gebracht wird, dann das gegenüberliegende Bein, dann der andere Stock, gefolgt von dem anderen gegenüberliegenden Bein.
  • Vierfußgehhilfen mit ungleichmäßigen Füßen sollten so positioniert werden, dass die gerade Seite des Fußes dem Körper am nächsten ist. Alle Punkte der Gehhilfe sollten den Boden berühren, wenn der Stock auf den Boden gesetzt wird.

Treppensteigen(edit | edit source)

Um Stufen und Treppen hochzusteigen, heben Sie zuerst das nicht betroffene Bein hoch, dann kommen der Stock und das betroffene Bein auf die selbe Stufe nach. Um Stufen und Treppen abzusteigen, sollten zuerst der Stock und das betroffene Bein auf die untere Stufe gesetzt werden, dann kommt das nicht betroffene Bein auf die gleiche Stufe nach.(8)

Vom Sitz zum Stand ( edit | edit source )

Vom Sitz zum Stand:(14)

  1. Positionieren Sie den Gehstock auf der nicht betroffenen Seite des Benutzers
  2. Bitten Sie den Benutzer, an den vorderen Rand des Stuhls zu rutschen, den Griff des Gehstocks zu halten und das nicht betroffene Bein und den Stock zu belasten, um in eine aufrechte Position hochzukommen.
  3. Vergewissern Sie sich, dass die Höhe des Gehstocks angemessen ist.

Vom Stand zum Sitz:

  1. Weisen Sie den Benutzer an, bis zu dem Stuhl (oder Bett) zu gehen und sich über die nicht betroffene Seite zu drehen, bis der Rücken zum Stuhl oder Bett zeigt.
  2. Sichern Sie den Benutzer ab, während er sich mit dem Rücken zum Stuhl dreht, bis er den Stuhl an der Rückseite seiner Beine spüren kann
  3. Weisen Sie den Benutzer an, jeweils nach einer Armlehne zu greifen
  4. Der Benutzer lässt sich dann kontrolliert in den Stuhl sinken(14)

(15)

Sicherheitstipps ( edit | edit source )

Kontrollieren Sie den Gehstock regelmäßig. Vergewissern Sie sich, dass die Basis des Gehstocks eine unbeschädigte, sichere Gummikapsel hat, um Stöße zu dämpfen und ein Ausrutschen zu verhindern. Überprüfen Sie den Stock immer auf abgenutzte Gummikapseln und Griffe. Achten Sie immer darauf, dass der Stock die richtige Höhe hat, um ein Ungleichgewicht und eine nachteilige Haltung zu vermeiden.(16)

Fazit(edit | edit source)

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Viele Menschen haben Behinderungen und benötigen ein Hilfsmittel, um sich selbständig fortbewegen zu können. Manche Menschen „verordnen sich selbst“ einen Gehstock, da Stöcke leicht zugänglich und rezeptfrei erhältlich sind. Dies kann unter Umständen das Risiko von Stürzen erhöhen, insbesondere bei älteren Patienten. Es besteht auch die Gefahr von muskuloskelettalen Verletzungen, Schmerzen oder nachteiligen Haltungsanpassungen, wenn Personen das Hilfsmittel unsachgemäß anwenden.(3)(4)

Heutztage werden Gehhilfen in vielen Geschäften verkauft, in denen beim Kauf kein medizinisches Fachpersonal zur Seite steht, das über das nötige Wissen verfügt, um das geeignete Hilfsmittel auszuwählen oder es dem Benutzer richtig anzupassen. Einer Studie zufolge fühlen sich Apotheker beispielsweise nicht ausreichend informiert, um einem Patienten ein Hilfsmittel anzupassen.(16)

Gehhilfen sollten dort verkauft werden, wo entsprechendes medizinisches Fachpersonal die Käufer über den richtigen Gebrauch der Hilfsmittel beraten kann. Angehörige der Gesundheitsberufe wie Apotheker können in diesem Bereich unter Umständen geschult werden, da sie solche Produkte in einigen Ländern auch in ihren Apotheken verkaufen. Dies würde zur Sicherheit der Benutzer und zur wirksameren Nutzung der Hilfsmittel beitragen.

Referenzen(edit | edit source)

  1. Haddas R, Villarreal J, Lieberman IH. Kinematic comparison of the use of walking sticks versus a rolling walker during gait in adult degenerative scoliosis patients. Spine deformity. 2020 Aug;8(4):717-23.
  2. Bradley SM, Hernandez CR. Geriatric assistive devices. American family physician. 2011 Aug 15;84(4):405-11.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 Arefin, Paroma, et al. A comparison of mobility assistive devices for elderly and patients with lower limb injury: Narrative Review. Int J Aging Health Mov 2.1 (2020): 13-7.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Bateni H, Maki BE. Assistive devices for balance and mobility: benefits, demands, and adverse consequences. Arch Phys Med Rehabil. 2005 Jan;86(1):134-45
  5. Prajapati G, Sharmila K. Role of assistive devices in wellbeing of elderly: A review. Indian journal of Gerontology. 2020;34(3):394-402.
  6. Oxford health Walking Sticks Available from:https://www.oxfordhealth.nhs.uk/wp-content/uploads/2014/08/OP-103.15-Safety-information-leaflet-walking-sticks.pdf (accessed 9.4.2021)
  7. Home instead Walking sticks Available from:https://homeinstead.com.au/news/how-to-choose-and-use-a-walking-stick/ (accessed 9.4.2021)
  8. 8.0 8.1 8.2 Life mobility Walking sticks Available from:https://www.lifemobility.com.au/how-choose-walking-stick (accessed 9.4.2021)
  9. Sheehan NJ, Millicheap P. Talk the walk: the importance of teaching patients how to use their walking stick effectively and safely. Musculoskeletal care. 2008 Sep;6(3):150-4.
  10. Faruqui SR, Jaeblon T. Ambulatory assistive devices in orthopaedics: uses and modifications. JAAOS-Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons. 2010 Jan 1;18(1):41-50.
  11. Robert Lam. Choosing the correct walking aid for patients. Can Fam Physician 2007;53(12):2115–2116
  12. Van Hook FW, Demonbreun D, Weiss BD. Ambulatory devices for chronic gait disorders in the elderly. American family physician. 2003 Apr 15;67(8):1717-24.
  13. physicaltherapyvideo. Walking Canes: How to choose, measure and use. Available from: http://www.youtube.com/watch?v=8nvPeXIglI8
  14. 14.0 14.1 Visiting Nurse Associations of American (VNAA) 2010-2011 Edition Nursing Procedure Manual (NPM) Rehabilitation Therapy – Ambulation with a cane. Section 26.01. Accessed 31 January 2019.
  15. CAREGIVERSTRAINING. How to use a cane. Available from: http://www.youtube.com/watch?v=fRn8ZZJMzno
  16. 16.0 16.1 Sadowski CA, Jones CA. Ambulatory assistive devices: how to appropriately measure and safely use canes, crutches and walkers. Pharmacy Practice. 2014;1:24-31.


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