Gehgestelle, Gehwägen und Rollatoren

Einleitung(edit | edit source)

Moderner Rollator

Gehgestelle, Gehwägen und Rollatoren, die aus dem Englischen zu der Gruppe der „Walker“ gehören, sind Gehhilfen, die jeweils vier Kontaktpunkte mit dem Boden haben. Sie haben in der Regel eine dreiseitige Struktur, während die dem Patienten zugewandte Seite offen bleibt. Sie bieten eine breitere Unterstützungsfläche als ein Gehstock und werden daher eher zur besseren Stabilisation von Patienten mit Gleichgewichts- und Mobilitätsstörungen oder Beeinträchtigungen der unteren Extremitäten eingesetzt.(1) Paradoxerweise wird die Verwendung von Gehgestellen, Gehwägen oder Rollatoren mit einem erhöhten Sturzrisiko in Verbindung gebracht, und zwar sowohl bei Menschen, die in der Gemeinschaft leben, als auch bei solchen, die in einer Pflegeeinrichtung untergebracht sind.(2)(3) Trotz des positiven Zusammenhangs zwischen der Verwendung dieser Hilfsmittel und Stürzen stellen Betreuungspersonen fest, dass Gehhilfen die unabhängige Mobilität von Menschen mit Behinderungen fördern,(4) und die Nutzer berichten, dass Gehhilfen die Möglichkeiten für soziale Interaktionen verbessern.(5) Die Verwendung einer Gehhilfe kann auch die Anforderungen an den Stoffwechsel und das muskuloskelettale System erhöhen. Daher sind Verordnungen und Training der Schlüssel, um dem Benutzer zu helfen, sein Gleichgewicht zu halten, sein Sturzrisiko zu minimieren und sein Aktivitätsniveau zu optimieren.(6)(7)

Menschen können aufgrund von sozialer Stigmatisierung und Gruppenzwang, insbesondere in Minderheitengruppen, dem Gebrauch von Gehhilfen ablehnend gegenüberstehen.(8) Positive Vorbilder, mehr ärztliche Beratung, optisch ansprechendere Gehhilfen, kostengünstigere Gehhilfen und benutzerfreundliche Gehhilfen würden zu einer größeren Akzeptanz beitragen.(9)

Im Jahr 2009 betrug in Australien der Anteil der Menschen mit Behinderungen, die solche Hilfsmittel benutzten, 15 % (6,6 % nutzten Walker, 6,7 % nutzten Gehstöcke).(10)

Eine Studie in den USA fand heraus, dass 11,6 % der über 65-Jährigen Gehgestelle benutzen. Es wurde auch festgestellt, dass die Verwendung von Gehhilfen in den 10 Jahren vor 2015 um 50 % gestiegen ist.(11)

In einer kanadischen Studie, für die Daten aus dem Jahr 2012 verwendet wurden, benutzten 4,1 % der Bevölkerung im Alter von 15 Jahren und älter ein Gehgestell, einen Stock oder eine Gehstütze. Etwa 50 % von ihnen benutzten einen Walker. Seit 2004 ist die Nutzung von Gehhilfen in der Gemeinschaft um 2 % gestiegen.(12)

Gehgestelle, Gehwägen und Rollatoren ( edit | edit source )

Es gibt viele Gehhilfen aus der Gruppe der „Walker“ (Gehgestelle, Gehwägen und Rollatoren) auf dem Markt, aber Physiotherapeuten sind gut in der Lage, bei der Auswahl der richtigen Gehhilfe auf der Grundlage der unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer zu helfen.(13)

Rollatoren ( edit | edit source )

  • Radgröße: große Räder für den Außenbereich, kleine Räder für den Innenbereich.
  • Fahrbremse (Heranziehen des Bremshebels) und Feststellbremse (Herunterdrücken des Bremshebels).
  • Faltbar, mit Faltsicherung (verhindert ungewolltes Zusammenklappen).
  • Hergestellt aus leichtem Material wie Karbonfaser oder Aluminium, das das Reisen mit dem Rollator erleichtert.
  • Es können Tabletts, Sitze, Stockhalter und Körbe angebracht werden.
  • Möglichkeiten für weitere Komponenten, wie z. B. ein Licht, das eine rote Linie auf den Boden projiziert, um die Schrittlänge bei Menschen mit Parkinson zu steuern

(14)

  • Rollator und Transportstuhl in einem

(15)

Gehwägen ( edit | edit source )
  • (Hohe) Gehwägen sind für Benutzer gedacht, die mehr Unterstützung benötigen. Der Benutzer stützt sein Gewicht mit den Unterarmen auf Unterarmauflagen, wobei die Ellbogen in einem Winkel von etwa 90 Grad gebeugt sind

(16)

Gehgestelle mit zwei Rollen ( edit | edit source )

  • Die zwei vorderen Beine haben Rollen, die zwei hinteren Beine haben keine Rollen
  • Hergestellt aus Aluminium oder Stahl
  • In der Regel flach faltbar für Transport und Lagerung
  • Keine Bremsen

Standard-Gehgestell / Gehrahmen / Gehbock ( edit | edit source )

  • Vier Beine, keine Rollen

Innovative Gehhilfen ( edit | edit source )

Eine Designtechnikstudentin der Brunel University entwickelte in ihrem Abschlussprojekt einen modularen Bausatz mit austauschbaren Teilen zur Herstellung von Gehgestellen und anderen Mobilitätshilfen. Das innovative Produkt zielt darauf ab, Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre eigenen Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen aus modularen Komponenten herzustellen. Das System ist nachhaltiger und kosteneffizienter, da sich die Gehhilfe schrittweise mit dem Benutzer weiterentwickelt, anstatt dass bei jeder Veränderung des Zustands ein komplett neues Hilfsmittel angeschafft werden muss.(17)

Verordnung(edit | edit source)

Es gibt keine Gehhilfe, die grundsätzlich besser ist als eine andere.(18)

Die Wahl der Gehhilfe ist abhängig von:

  • Für welche Aktivitäten der Benutzer sie verwenden wird
  • Wo die Gehhilfe eingesetzt werden soll
  • Wie viel Unterstützung der Benutzer benötigt
  • Das Vertrauen des Benutzers in eine Gehhilfe
  • Die Kostenübernahme – wenn die Gehhilfe aus staatlichen Mitteln finanziert werden kann, gibt es möglicherweise ein festes Angebot, aus dem man wählen kann

Jüngste, vorläufige Evidenz deutet darauf hin, dass die Stabilität eines Benutzers und seiner Gehhilfe „als Einheit“ gemessen werden kann. Bei der Methodik wurden ein kombinierter Druckmittelpunkt (Benutzer mit Gehhilfe) und eine kombinierte Unterstützungsfläche (ebenfalls Benutzer mit Gehhilfe, nicht zwei separate Unterstützungsflächen) berücksichtigt.(19) Dies mag für Physiotherapeuten nicht so praktisch sein, vor allem nicht für diejenigen, die Benutzer zu Hause beurteilen, aber die Physik hinter der Methodik ist nützlich zu berücksichtigen.

Gehhilfen mit vier Kontaktpunkten sollten in der Höhe verstellbar sein, die auf die gleiche Weise gemessen wird wie bei einem Gehstock.(18) Bei der Verordnung sollten auch die Schuhe berücksichtigt werden, da die Schuhhöhe die Benutzung der Gehhilfe erheblich beeinflussen kann.(18)

Faktoren, die bei der Verordnung eines Gehgestells zu berücksichtigen sind:(18)

  • Höhe des Rahmens
  • Gewicht des Rahmens, wenn der Benutzer ihn antreibt und manövriert
  • Grundfläche
  • Manövrierfähigkeit, einschließlich Raddesign, z. B. feststehend oder schwenkbar
  • Platzierung der Räder
  • Design der Handgriffe
  • Design der Unterarmauflage
  • Falten versus Entfalten
  • Anbauteile, z. B. Tabletts und Sitze

Das Assessment eines Benutzers mit seiner Gehhilfe sollte anhand geeigneter Ergebnismessungen wie dem 10-Meter-Gehtest oder dem Timed Up and Go erfolgen.

Die Benutzung von Gehgestellen, Gehwägen und Rollatoren kann zu einem verminderten Armschwung und einer schlechteren Kontrolle des Gleichgewichts nach hinten führen.(1)

Benutzung(edit | edit source)

Der Benutzer sollte ein gleichmäßiges Gangbild haben, das nicht durch die Gehhilfe behindert wird. Es sollte ausreichend Platz für die Schritte vorhanden sein. Benutzer sollten niemals versuchen, an einem Gehgestell, Gehwagen oder Rollator zu ziehen, sei es beim Hinsetzen oder Aufstehen.(20)

Standard-Gehgestell / Gehrahmen / Gehbock ( edit | edit source )

Gehgestell (Gehrahmen, Gehbock)

Der Benutzer sollte:(20)

  • Das Gehgestell anheben
  • Das Gehgestell eine Schrittlänge nach vorne bewegen
  • Das Gehgestell so auf den Boden stellen, dass alle vier Beine gleichzeitig den Boden berühren
  • Falls erforderlich, sich auf das Gehgestell abstützen, indem die Schultern in Depression und die Ellbogen in Extension gehen, um einen Teil des Körpergewichts über die Arme und die Gehhilfe zu tragen
  • In das Gehgestell hineingehen

Gehgestell mit zwei Rollen ( edit | edit source )

  • Ähnlich wie bei der Verwendung des Standard-Gehgestells, nur dass die Gehhilfe anstatt des Aufhebens nach vorne geschoben wird.(20)
  • Beim kontinuierlichen Gehen sollte das Gehgestell mit einer konstanten Geschwindigkeit nach vorne geschoben werden, die der Geschwindigkeit des Gehens entspricht.(20)

Rollator ( edit | edit source )

Der Benutzer sollte:(21)

  • Sich vergewissern, dass der Rollator vollständig geöffnet ist und dass die Scharniere verriegelt sind
  • Sich immer nah am Rahmen halten, in der Nähe der Hinterräder
  • Bei der Benutzung von Abfahrtsrampen die Bremsen immer leicht angezogen halten
  • Sich vergewissern, dass die Bremsen festgestellt sind, bevor er sich auf den Sitz des Rahmens setzt, wobei der Rollator auf ebenem Boden stehen sollte, vorzugsweise mit einer Wand oder einem Zaun dahinter.

Wartung(edit | edit source)

  • Bremsen – sollten regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.
  • Räder – sollten regelmäßig überprüft werden und auch dann, wenn der Benutzer Probleme mit der Spurhaltung meldet, z. B. wenn der Rahmen zu einer Seite zieht. Die regelmäßige Überprüfung der Räder ist auch deshalb nötig, weil manchmal harte und wiederholte Bremsungen die Form des Rades verändern können, so dass es seine Rundheit verliert.
  • Gummikappen – sollten regelmäßig überprüft und bei Verschleiß ersetzt werden. Wenn die Gehhilfe im Freien benutzt wird, kann der Verschleiß schneller eintreten.(18)
  • Höhe des Rahmens – sollte regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass er die optimale Höhe für die Körperhaltung des Benutzers hat. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn sich der Benutzer in einer Rehabilitationsphase befindet und Veränderungen des Gleichgewichts, der Kraft und der Körperhaltung zu erwarten sind oder bei der Beurteilung beobachtet werden.

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Arefin P, Habib MS, Arefin A, Arefin MS. A comparison of mobility assistive devices for elderly and patients with lower limb injury: Narrative Review. Int J Aging Health Mov. 2020 May 17;2(1):13-7.
  2. Deandrea S, Lucenteforte E, Bravi F, Foschi R, La Vecchia C, Negri E. Risk factors for falls in community-dwelling older people:“ a systematic review and meta-analysis“. Epidemiology. 2010 Sep 1:658-68.
  3. Deandrea S, Bravi F, Turati F, Lucenteforte E, La Vecchia C, Negri E. Risk factors for falls in older people in nursing homes and hospitals. A systematic review and meta-analysis. Archives of gerontology and geriatrics. 2013 May 1;56(3):407-15.
  4. Hunter SW, Meyer C, Divine A, Hill KD, Johnson A, Wittich W, Holmes J. The experiences of people with Alzheimer’s dementia and their caregivers in acquiring and using a mobility aid: a qualitative study. Disabil Rehabil. 2021 Nov;43(23):3331-3338.
  5. Bertrand, K et al. Walking Aids for Enabling Activity and Participation, American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation: December 2017 – Volume 96 – Issue 12 – p 894-903
  6. Prajapati G, Sharmila K. Role of assistive devices in wellbeing of elderly: A review. Indian journal of Gerontology. 2020;34(3):394-402.
  7. Bateni H, Maki BE. Assistive devices for balance and mobility: benefits, demands, and adverse consequences. Archives of physical medicine and rehabilitation. 2005 Jan 1;86(1):134-45.
  8. Borade N, Ingle A, Nagarkar A. Lived experiences of people with mobility-related disability using assistive devices. Disability and Rehabilitation: Assistive Technology. 2021 Oct 3;16(7):730-4.
  9. Resnik L, Allen S, Isenstadt D, Wasserman M, Iezzoni L. Perspectives on use of mobility aids in a diverse population of seniors: Implications for intervention. Disability and health journal. 2009 Apr 1;2(2):77-85.
  10. Australian Bureau of statistics ( 4446.0) Disability, Australia,2009. Available from: http://www.abs.gov.au/ausstats/[email protected]/Lookup/4446.0main+features82009 (accessed 19.2.2019).
  11. Tech times. Use of walking aids going up for elder. Available from: https://www.techtimes.com/articles/51335/20150507/use-of-walking-aids-going-up-for-elder-americans.htm(accessed 20.2.2019)
  12. Charette C, Best KL, Smith EM, Miller WC, Routhier F. Walking aid use in Canada: prevalence and demographic characteristics among community-dwelling users. Physical therapy. 2018 Jul 1;98(7):571-7.
  13. Reviews vid. Best walkers 2018-best rollator walkers with a seat. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=azig88E770k&feature=youtu.be (last accessed 24/6/2018)
  14. AccessibleDesign. U step Parkinsons walker with Laser. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=J6g-OjBJ5c0 (last accessed 18/2/2019)
  15. Physical Therapy Video. Genius! a 4 WW and transport chair in one. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=EP_0w20Kb9M&t=258s (last accessed 6.2.2016)
  16. CEC. Falls prevention-safe use of mobility aides -forearm support frame . Available from: https://www.youtube.com/watch?v=ZV01-lwNwng (last accessed 17/6/2016)
  17. Science News. Brunel University. Modular disability aids for world’s poorest May 2015. Available from: https://www.sciencedaily.com/releases/2015/01/150127104921.htm (accessed 19/2/2019)
  18. 18.0 18.1 18.2 18.3 18.4 Hall J, Clarke AK, Harrison R. Guide lines for prescription of walking frames. Physiotherapy. 1990 Feb 10;76(2):118-20.
  19. Costamagna E, Thies SB, Kenney LPJ, Howard D, Liu A, Ogden D. A generalisable methodology for stability assessment of walking aid users. Med Eng Phys. 2017. 47:167–175.
  20. 20.0 20.1 20.2 20.3 Duesterhause Minor M, Duesterhause Minor S. Patient Care Skills. Seventh Edition. Boston: Pearson. 2014.
  21. Government of South Australia. Department for communities and social services. January 2013. Available from https://www.des.sa.gov.au/_data/assets/word_doc/0011/19595/4-wheeled-walkers-fact-sheet.doc Last accessed 17/2/2019


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