Originale Autorin – Naomi O’Reilly
Top-Beitragende – Naomi O’Reilly, Jess Bell und Nupur Smit Shah
Körperbewusstsein ist ein Ansatz, der in der Rehabilitation von Menschen mit anhaltenden bzw. komplexen Schmerzen(1)(2) und / oder psychosomatischen bzw. psychiatrischen Erkrankungen häufig verwendet wird.(3)(4)(5)(6) Es erforscht und nutzt die Verbindung zwischen Körper und Geist, um durch die Reflexion unserer körperlichen Erfahrungen eine positivere Erfahrung des Körpers und des Selbst zu entwickeln.(7)(8)
Die Basic Body Awareness Therapie (BBAT) wurde definiert als eine Behandlung, die darauf abzielt, „sich bewusst zu machen, wie der Körper in Bezug auf Körperfunktionen, Verhalten und der Interaktion mit sich selbst und anderen eingesetzt wird.“(9) Das Körperbewusstsein kann durch unsere emotionale Regulierung (d. h. unsere Fähigkeit, unseren emotionalen Zustand zu kontrollieren) und der Interozeption (d. h. unsere Wahrnehmung von Empfindungen aus dem Körperinneren, einschließlich der Wahrnehmung von physischen Empfindungen im Zusammenhang mit der Funktion innerer Organe wie Herzschlag, Atmung, Sättigung und der Aktivität des autonomen Nervensystems im Zusammenhang mit unseren Emotionen) beeinflusst werden.(10)
Die Anwendung von Strategien und Therapien zum Körperbewusstsein zielt darauf ab, Atmung, Körperhaltung, Gleichgewicht und Muskelspannung zu normalisieren und wiederherzustellen. Störungen dieser Aspekte treten bei Menschen, die ein Trauma erlebt haben oder ihren Heimatort unfreiwillig verlassen mussten, häufig auf und sind in deren Bewegungsverhalten sichtbar.(9)(11)
Es ist jedoch zu beachten, dass die Anwendung von Techniken wie Körperwahrnehmung und Achtsamkeit (Mindfulness) viel Sorgfalt erfordert. Sie können emotionale Wunden aufreißen, die zu heilen mehr als nur achtsames Bewusstsein erfordern.(12) Treleaven und Britton stellen fest:„Wenn wir eine traumatisierte Person auffordern, ihrem inneren Erleben große und anhaltende Aufmerksamkeit zu schenken, laden wir sie ein, mit traumatischen Reizen in Kontakt zu kommen – Gedanken, Bilder, Erinnerungen und körperliche Empfindungen, die mit einem traumatischen Erlebnis in Verbindung stehen können. …. Dies kann die Symptome von traumatischem Stress verschlimmern und verstärken und in einigen Fällen sogar zu einer Retraumatisierung führen – einem Rückfall in einen intensiv traumatisierten Zustand.“(13)
Weitere Informationen über den Einsatz von Achtsamkeit finden Sie unter: Achtsamkeit für unsere Patienten.
Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein komplexes Konzept. Wenn Dienstleistungen verfügbar sind und es ein angemessenes Angebot an Dienstleistungen gibt, dann besteht die Möglichkeit, eine Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen, und eine Bevölkerung kann „Zugang“ zu Dienstleistungen haben. Die verfügbaren Dienstleistungen müssen jedoch relevant und wirksam sein, wenn die Bevölkerung „Zugang zu zufriedenstellenden Gesundheitsergebnissen“ erhalten soll. Es gibt viele Faktoren, die die Fähigkeit einer Person, eine Versorgung zu erhalten, beeinflussen können. Zu den häufig genannten Barrieren für die Gesundheitsversorgung gehören:
Die folgenden Barrieren sind nur einige derjenigen, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung im Zusammenhang mit Traumata erheblich beeinträchtigen können.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kommunikationsschwierigkeiten für Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten, die Gesundheits- und Sozialdienste in Anspruch nehmen wollen, ein entscheidendes Hindernis darstellen.(12) Die meisten neuankommenden Menschen sprechen die Sprache des Aufnahmelandes nicht und haben Angst und Schwierigkeiten, ihre medizinischen Symptome in einer zweiten Sprache auszudrücken.(15) Daher sind Menschen mit einer Sprachbarriere oft nicht in der Lage, ohne Dolmetscher oder Übersetzer eine angemessene medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, und diese Dienstleistungen sind je nach Sprache der Person möglicherweise nicht überall verfügbar.(16) Selbst wenn ein Dolmetscher zur Verfügung steht, kann es aufgrund des Mangels an qualifizierten medizinischen Dolmetschern zu Missverständnissen zwischen den Betroffenen und den Fachkräften in der Rehabilitation kommen, was zu einer unangemessenen und unzureichenden Versorgung führen kann.(14) Während eines Gesprächs in einem medizinischen oder rehabilitativen Setting kann es somit zur Verwirrung kommen, was zu Gefühlen der Entfremdung und des Misstrauens führen und den Betroffenen davon abhalten kann, weitere medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.(17)
„Kulturelle Kompetenz ist eine Reihe von kongruenten Verhaltensweisen, Einstellungen und Grundsätze, die in einer Gruppe von Menschen zusammenkommen, um in kulturübergreifenden Situationen, wie z. B. bei der Bewertung von Programmen und Dienstleistungen für Einwanderer und Flüchtlinge, effektiv zu arbeiten. Das Wort ‚Kultur‘ ist das integrierte Muster erlernten menschlichen Verhaltens, das Gedanken, Kommunikation, Handlungen, Bräuche, Überzeugungen, Werte und Institutionen einer sozialen Gruppe umfasst. Das Wort ‚Kompetenz‘ bedeutet, dass man die Fähigkeit hat, effektiv zu agieren.“(18)
Leider gibt es Evidenz dafür, dass Hautfarbe und ethnische Zugehörigkeit die Art und Weise beeinflussen können, in der Menschen über Schmerzen berichten, und auch die Art und Weise, in der Rehabilitationsfachleute die Schmerzen einer Person interpretieren. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ärzte die Schmerzen von PoC-Patienten (People of Color) doppelt so häufig unterschätzen wie die von Patienten weißer Hautfarbe. Fachkräfte in der Rehabilitation müssen sich ihrer eigenen kulturellen Identität bewusst sein, ein Verständnis für kulturelles Wissen über gängige Gesundheitsvorstellungen und -verhaltensweisen entwickeln und sicherstellen, dass sie kultursensible Verhaltensweisen an den Tag legen (z. B. Einfühlungsvermögen, Vertrauen, Akzeptanz, Respekt), um die therapeutische Allianz und die klinischen Ergebnisse zu verbessern.(19)
Ein mangelndes Wissen darüber, wie man sich in komplexen Gesundheitssystemen zurechtfindet, kann dazu führen, dass der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen erschwert wird. Die begrenzten Informationen über den Zugang zu primären Gesundheitsdiensten und die Unkenntnis darüber, wen man fragen oder wohin man sich wenden kann, können zu Frustration führen. Es kann auch dazu führen, dass die Betroffenen bei ungeeigneten Quellen Hilfe suchen.
Ein Trauma „resultiert aus einem Ereignis, einer Reihe von Ereignissen oder einer Reihe von Umständen, die von einer Person als körperlich oder emotional schädlich oder lebensbedrohlich erlebt werden und die dauerhafte negative Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit und das geistige, körperliche, soziale, emotionale oder spirituelle Wohlbefinden der Person haben“.(20) Dazu können auch Erfahrungen aus zweiter Hand gehören (z. B. hat eine Person das Trauma vielleicht nicht direkt erlebt, war aber indirekt davon betroffen).(20)
Bei manchen Menschen sind die Reaktionen auf traumatische Ereignisse vorübergehend und haben unmittelbare psychische und/oder körperliche Auswirkungen. Bei anderen kann ein Trauma dauerhafte Auswirkungen auf das Leben und das Wohlbefinden einer Person haben. Bei manchen Menschen ist die Reaktion auf ein Trauma nachhaltiger. Diese Reaktion kann chronisch oder anhaltend werden und zu schwereren, länger anhaltenden oder dauerhaften Folgen für die psychische Gesundheit (z. B. posttraumatischer Stress und andere Angststörungen, Substanzkonsum und affektive Störungen) und zu körperlichen Beeinträchtigungen (z. B. Arthritis, Kopfschmerzen, chronische Schmerzen) führen. Diese anhaltenden Symptome können zu einem Mangel an Vertrauen in den eigenen Körper führen. Ein Trauma kann auch die individuelle Biologie und das Verhalten im Laufe des Lebens verändern, was sich auf die zwischenmenschlichen und generationenübergreifenden Beziehungen auswirken kann, was oft zu einem Gefühl der Machtlosigkeit und des Verlusts des Mitspracherechts sowie zu Schwierigkeiten führt, Gedanken und Gefühle auszudrücken.(21)
Das limbische System ist eine Reihe von Strukturen, zu denen das Großhirn, das Zwischenhirn und das Mittelhirn gehören. Es beeinflusst eine Reihe von Funktionen, wie Emotionen, Verhalten, Motivation, Langzeitgedächtnis und sogar den Geruchssinn.(22) Teilbereiche des limbischen Systems regulieren letztlich wichtige Aspekte unserer bewussten und unbewussten Muster (einschließlich unserer Emotionen, Wahrnehmungen, Beziehungen, Verhaltensweisen und motorischen Kontrolle). Es ist der Teil des Gehirns, der an Verhaltensweisen beteiligt ist, die wir zum Überleben brauchen: Ernährung, Fortpflanzung und Versorgung der Nachkommen sowie Kampf- oder Fluchtreaktionen.
Das limbische System hilft uns, Emotionen wie Angst, Freude und Wut zu verarbeiten und unsere Triebe zu kontrollieren (z. B. Hunger-, Sexual- und Schlaftrieb). Es vereint auch höhere mentale Funktionen und primitive Emotionen in einem einzigen System, dem emotionalen Nervensystem. Es ist verantwortlich für unsere Emotionen und höheren geistigen Funktionen wie Lernen und Gedächtnisbildung.(23)
Das limbische System ist dynamisch und kann sich in Abhängigkeit von den Einflüssen aus der Umwelt verändern. Erfahrungen verändern diese Hirnregion – dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich die psychologischen und physiologischen Erfahrungen eines Menschen im Laufe der Zeit verändern. Das Körperbewusstsein kann eine Rolle bei der Veränderung des limbischen Systems spielen, indem das Gehirn trainiert wird, Informationen anders zu verarbeiten, alten Erinnerungen neue Emotionen zuzuordnen oder eine Person bei der Bewältigung von chronischem Stress, Schmerzen und Traumata zu unterstützen.
„Emotions Wheel“ (Emotionsrad) von Abby Vanmunijen (24)
Arbeitsbogen „Body Needs Mapping“ (Karte der Körperbedürfnisse) von Abby Vanmunijen (25)