Originale Autorin – Mariam Hashem
Top-Beitragende – Mariam Hashem, Kim Jackson , Ewa Jaraczewska, Lucinda hampton, Tarina van der Stockt und Olajumoke Ogunleye
Die Popularität des Laufsports hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen.(1) Es ist nicht ungewöhnlich, dass man hört, dass „einen Marathon zu laufen“ eines der Lebensziele von jemandem ist oder auf seiner „Löffelliste“ steht. Viele Menschen sind überzeugt davon, dass das Laufen eines Marathons ein wichtiges Lebensereignis ist. Es kann darüber hinaus erhebliche Auswirkungen auf ihre Überzeugungen, Verhaltensweisen und Einstellungen im Allgemeinen haben.(2)(3)
Bei den Hobbyläufern sind die wichtigsten Beweggründe für die Teilnahme meistens Ziele im Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit, das Erreichen persönlicher Ziele und das Selbstwertgefühl.(4)
„Wenn du laufen willst, lauf eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann lauf einen Marathon.“ – Emil Zátopek, der einzige Mensch, der jemals die 5000, 10000 m und den Marathon bei denselben Olympischen Spielen gewonnen hat
Laufen ist eine Sportart, die enorme physische und psychische Anforderungen stellt. Die Menschen laufen aus vielen Gründen: um an Wettkämpfen teilzunehmen, um fit zu werden, um sich mit anderen Läufern zu treffen. Manche laufen, um ihre psychische Gesundheit zu verbessern, und andere lieben es einfach, zu laufen.(5)
Laufbedingte Verletzungen sind Teil des Lauferlebnisses. Bei Läufern kommt es zu einer Vielzahl von muskuloskelettalen Verletzungen, unter anderem:
Bei der Beurteilung von Verletzungen empfiehlt sich ein ganzheitlicher Ansatz in der Befunderhebung, um die Bedürfnisse der Läufer zu verstehen und ihnen zu helfen, ihre Verletzungen erfolgreich zu bewältigen.
Die veröffentlichte Literatur konzentriert sich stark auf die körperlichen Aspekte des Laufens, aber auch die psychologischen Faktoren müssen gut verstanden und untersucht werden.
Persönlichkeit ist die Summe der Merkmale, die eine Person einzigartig machen.(6) Laufen ist nicht nur eine körperliche Aufgabe, sondern beeinflusst auch die Eigenschaften des Menschen, vor allem, wenn es professionell und wettbewerbsorientiert betrieben wird. Persönlichkeitsmerkmale sind die Unterschiede zwischen den Menschen, die entscheiden, wie die Person die Welt wahrnimmt und auf Situationen in einer bestimmbaren Art und Weise, die vorhergesagt werden kann, reagiert oder antwortet.(7)
Marathonläufer sind im Allgemeinen weniger introvertiert als Nicht-Sportler.(7) Verschiedene Studien, die die Persönlichkeit von Läufern untersuchten, ergaben, dass Marathonläufer kognitive Ängstlichkeit, Erregung, Selbstvertrauen, Motivation und Wahrnehmung des körperlichen Zustands zeigten.(8) Darüber hinaus wurden für eine robuste Persönlichkeit (d. h. eine Gruppe von Merkmalen, die mit der persönlichen Wahrnehmung von Kontrolle, Engagement und Herausforderungen zusammenhängen), Intelligenz und Vorstellungskraft(9) bei Marathonläufern im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung höhere Werte festgestellt.(1)
Mentale Stärke ist eine Eigenschaft von Personen, die körperliche Anstrengungen über einen längeren Zeitraum ertragen können.(10) Eine erhöhte Schmerztoleranz wurde bei Langstreckenläufern festgestellt.(11) Bei der Verwendung verschiedener psychologischer Instrumente schnitten Marathonläufer und andere Langstreckensportler in Bezug auf Depression, Angst und Neurotizismus schlechter und in Bezug auf psychische Stärke besser ab.(12) Messungen der Leistungsmotivation werden in erster Linie durch intrinsische Belohnungen bestimmt.(13) Erfolgreiche Wettbewerbsteilnehmer neigen dazu, die Persönlichkeitsmerkmale des so genannten „Eisberg-Profils“ zu zeigen, d. h. sie weisen weniger Wut, Müdigkeit, Depression und Verwirrung auf und sind emotional stabiler.(7)
Läufer erreichten hohe Werte in den Bereichen Mut, Wärme, Konformität, Sensibilität, Dominanz und hoher Antrieb mit Spannung, Selbstdisziplin und emotionaler Stabilität.(14)
Eine wichtige Frage, die man Läufern beim Assessment von Laufverletzungen stellen sollte: Warum laufen Sie?(5)
Das Verständnis der Motivation von Läufern kann dazu beitragen, ihre Persönlichkeit zu erforschen, und ist daher von entscheidender Bedeutung für die Behandlung von Laufverletzungen oder die Unterstützung von Läufern bei der Verbesserung ihrer Leistung.(5)
Motivation wurde beschrieben als eine Frage des positiven Denkens, eines hohen Erregungsniveaus oder des Vertrauens in die eigene Fähigkeit, ein Ziel zu erreichen. Es handelt sich um einen Prozess, der die Bemühungen einer Person in Bezug auf Richtung, Intensität und Beharrlichkeit zum Erreichen (oder Vermeiden) eines Ergebnisses charakterisiert. Dabei bezieht sich die Dimension der Richtung darauf, „was“ die Person erreichen möchte, während sich „Intensität“ darauf bezieht, wie viel Mühe man sich gibt, um ein Ziel zu verfolgen. Die Dimension der Beharrlichkeit wiederum bezieht sich darauf, wie lange eine Person angesichts von Herausforderungen, Schwierigkeiten oder Rückschlägen ihr Ziel weiter verfolgt.(15)
Die Gewichtskontrolle, das Gefühl der Zugehörigkeit, die Bewältigung von psychischen Belastungen oder des Alltags und das Selbstwertgefühl wurden von Marathonläuferinnen als wichtige Motivationsfaktoren angegeben. Der Aspekt des Wettkampfs mit anderen Läufern spielte als Motivation bei ihnen allerdings weniger eine Rolle.(16)
Intrinsische Motive beziehen sich auf die inhärente Freude am Laufen und werden nachweislich mit positiveren Emotionen und verbesserten sportlichen Leistungen in Verbindung gebracht. Extrinsische Gründe wie das Erreichen einer bestimmten Zeit und der Erhalt greifbarer Belohnungen sagen durchweg negativere Ergebnisse für Gesundheit und Wohlbefinden vorher.(15)
Die Motivations of Marathoners Scale (MOMS), ein Instrument zur Bewertung der individuellen Motive für das Marathontraining, umfasst vier große Kategorien oder Gründe für das Laufen:(15)
Die MOMS-Skala könnte die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass ein Läufer einen Marathon beendet. Vorzeitige Aussteiger neigten stärker zu Gewichtssorgen, dem Wunsch nach sozialer Anerkennung und der Motivation im Bezug auf Zugehörigkeit als Marathon-Finisher.
In einer Studie von Masters et al. aus dem Jahr 1993(17) erzielten wettkampfmotivierte Läufer die schnellsten Durchschnittszeiten beim Marathon.
Es ist wichtig zu bedenken, dass Laufen eine große persönliche Herausforderung ist und dem Läufer Erfolgserlebnisse verschafft.(18)Dies könnte erklären, warum es einigen Läufern schwer fällt, auf den Sport zu verzichten, wenn sie von ihren Physiotherapeuten oder Ärzten aus gesundheitlichen Gründen dazu aufgefordert werden.(5)
Auch wenn Motivation im Allgemeinen eine wünschenswerte Eigenschaft ist, kann sie in manchen Fällen übermäßig und zwanghaft werden, was zu erheblichen psychosozialen und gesundheitlichen Folgen führen kann. Der Begriff „Zwangsläufer“ (oder „zwanghaftes Laufen“) beschreibt eine Form von zwanghaftem Bewegungsverhalten und bezieht sich auf Personen, die um jeden Preis laufen, oft trotz negativer Folgen wie Verletzungen oder schädlicher Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Das Erkennen von Übertrainingsmustern in Bezug auf Kilometer, Tage und Stunden pro Woche, oft trotz einer Verletzung, kann helfen, zwanghafte Läufer zu identifizieren. Studien listeten bisher mehrere Persönlichkeitsmerkmale auf, die mit diesem Verhalten in Verbindung gebracht wurden, z. B. Angst, perfektionistische Tendenzen, ein hohes Maß an sportbezogener Identität und die Verinnerlichung des Idealbildes eines schlanken/athletischen Körpers.(19)(20) Diese Läufer hatten auch mehr Angst, Fehler zu machen, und zweifelten an der Qualität ihres Trainings.(15)
Leidenschaft ist ein anderer Begriff als Motivation, denn nicht alle Aspekte der Motivation schließen auch gesteigerte Vorlieben mit ein. Leidenschaft wird definiert als eine „starke Neigung zu einer selbstbestimmten Tätigkeit, die man liebt, schätzt und der man einen erheblichen Teil seiner Zeit und Energie widmet“. Es gibt zwei Arten von Leidenschaft: harmonische und zwanghafte. Die beiden Typen wirken sich unterschiedlich auf die Lauf- und Sportleistung aus und führen zu unterschiedlichen kognitiven, affektiven, verhaltensbezogenen, sozialen und leistungsbezogenen Ergebnissen.(15)
Die psychologischen und emotionalen Reaktionen von Läufern können im Laufe der Zeit schwanken, je nach dem Grad ihrer Teilnahme und Leistung. Anfänger im Marathonlauf sind oft nicht auf die mentalen und emotionalen Anforderungen des Trainings und des Wettkampfs vorbereitet.(21)
Die Psychologie beeinflusst die sportliche Leistung und die Verletzungshäufigkeit und spielt eine wichtige Rolle bei der Genesung. Das Modell der psychischen Gesundheit bei sportlichen Leistungen besagt, dass Psychopathologie negativ mit sportlichem Erfolg korreliert.(7) 70-85% der erfolgreichen Athleten lassen sich allein anhand der psychologischen Daten identifizieren.(12)
Angstgefühle können sich auf die Leistung und die Rückkehr zum Laufen nach einer Verletzung auswirken, indem sie das sportspezifische Selbstvertrauen des Läufers verringern und eine Angstreaktion auslösen. Daher sollte die psychologische Beurteilung während der gesamten Rehabilitation in die klinische Betreuung integriert werden. Angst vor einer erneuten Verletzung während der Phase der Rückkehr zum Sport kann das Risiko einer erneuten oder sekundären Verletzung erhöhen.(22)
Wettkämpfe erhöhen das Angstniveau erheblich. Angst ist „eine emotionale Reaktion auf eine als bedrohlich oder gefährlich empfundene Situation oder Stimulus. Angst wird sowohl als Zustand (state anxiety) und als Eigenschaft (trait anxiety) betrachtet“.(7) Es wird angenommen, dass ein niedriges bis mittleres Angstniveau für den Läufer von Vorteil ist, während einige Studien zeigten, dass ein hohes Angstniveu für Marathonläufer hilfreich ist. Die individuellen Zonen der optimalen Funktion (IZOF) besagen, dass die optimale Angstintensität für einen Athleten in jeder Sportart von sehr niedrig bis extrem hoch reichen kann. Nach Angaben des IZOF werden 30-40 % der geübten Marathonläufer bei höherem Angstniveau eine bessere Leistung erbringen.(23)
Läufer wenden verschiedene Strategien an, um mit ihrem Stress fertig zu werden. Erfahrene Marathonläufer setzen ihre Sinne aktiv ein, indem sie akkurat auf innere Anzeichen wie Muskelschmerzen, Muskelermüdung, Flüssigkeitszufuhr, Körpertemperatur und Atmung achten, um die Effizienz und das Tempo des Laufs zu optimieren. Dies wird als Strategie der „Assoziation“ im Rahmen der Aufmerksamkeitsfokussierung bezeichnet. Weniger geübte Läufer wenden die Strategie der „Dissoziation“ an, um sich absichtlich von den Unannehmlichkeiten einer intensiven körperlichen Anstrengung abzulenken. Bei dieser Methode werden verschiedene Ablenkungstechniken angewandt, wie z. B. komplizierte mathematische Berechnungen, das mentale Entwerfen und Bauen eines Hauses und das Wiedererleben vergangener Erfahrungen, um die schmerzhaften Empfindungen des Marathons zu mindern. Es wird vermutet, dass die Dissoziationsmethode das Verletzungsrisiko des Läufers erhöht; sie wurde mit niedrigeren sportlichen Leistungen in Verbindung gebracht.(7)
Das Laufen und das Leistungsniveau haben unterschiedliche Einflüsse auf die Psychologie des Läufers.(24) Phasen intensiven Trainings und unzureichender Erholung können hohe körperliche und emotionale Anforderungen an den Sportler stellen. Frauen, die einen Ultramarathon liefen, litten unter einer Reihe von Ernährungsstörungen(1) und Menstruationsunregelmäßigkeiten während intensiver Trainingsphasen aufgrund von emotionalen Belastungen, aber ihre Menstruationsmuster normalisierten sich, sobald diese Belastungen wegfielen.(25) Siehe Female Athlete Triad (athletische Triade).
Die Anwendung von Interventionen zur Bewältigung negativer psychologischer Reaktionen kann die verletzungsbedingten Ausfallzeiten verringern.(26)