Überlastungsverletzungen – Ein individualisierter Ansatz

Originale Autorin Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Merike Hopkins
Top-BeitragendeWanda van Niekerk, Lucinda hampton, Kim Jackson, Tarina van der Stockt und Jess Bell

Einführung(edit | edit source)

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Überlastungsverletzungen sind ein weit verbreitetes Phänomen und eine Herausforderung für Befund und Behandlung. Verschiedene Faktoren tragen zur Entstehung dieser Art von Verletzungen bei. Die Diagnose, die Behandlung und das Verstehen der Gründe für die Verletzung sind einige der Herausforderungen, mit denen Kliniker bei der Betreuung von Sportlern mit Überlastungsverletzungen konfrontiert werden.

Definition von Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Überlastungsverletzungen zeichnen sich dadurch aus, dass es keine einzelne, identifizierbare oder traumatische Ursache gibt. Es zeigt sich ein allmählicher Beginn und die Verletzung wird durch wiederholte Mikrotraumata verursacht.(1) Die Begriffe „Überbeanspruchung“ oder „Überlastung“ werden verwendet, da das Auftreten dieser Art von Verletzungen in der Regel durch eine unangemessene Gewebebelastung ausgelöst wird, wie z. B.:(2)

  • Übermäßiges Ausmaß oder Volumen der Belastung
  • Unzureichende Erholung zwischen den einzelnen Belastungsphasen

Warum führt Überlastung zu Verletzungen? ( edit | edit source )

Eine Überlastungsverletzung wird in der Regel durch repetitive (sich wiederholende) Aktivitäten über einen längeren Zeitraum verursacht. Dieses wiederholte Mikrotrauma überlastet die Fähigkeit des Gewebes, sich selbst zu reparieren.(2) Beim Sport werden die verschiedenen Gewebe wie Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänderbelastet und erfahren übermäßigen physiologischen Stress. Nach der spezifischen sportlichen Betätigung erfolgt eine Anpassung des Gewebes, damit es gestärkt wird und in Zukunft ähnlichen Belastungen standhalten kann. Wenn die Anpassungsfähigkeit eines bestimmten Gewebetyps überschritten wird und es zu einer Verletzung kommt, handelt es sich meist um eine Überlastungsverletzung. Bei übereifrigen Sportlern, die vor dem nächsten Training oder der nächsten Trainingseinheit keine ausreichende Anpassungszeit einplanen, übersteigt daher die kumulative Gewebeschädigung schließlich die Schwelle, die das Gewebe verkraften kann, und dies verursacht Schmerzen und Funktionsstörungen.(2)

Strukturen, die von Überlastungsverletzungen betroffen sind ( edit | edit source )

Risikofaktoren für Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Trainingsbelastungen, intensive Wettkampftermine und mangelhafte oder unzureichende Erholung sind einige der Faktoren, die das Risiko einer Überlastungsverletzung bei Sportlern erhöhen. Risikofaktoren können auch in intrinsische und extrinsische Risikofaktoren unterteilt werden:(3)(4)

  • Intrinsische Risikofaktoren
    • Fehlstellungen, z. B. Genu valgum oder varum, Patella alta, Anteversion des Oberschenkelhalses
    • Beinlängendifferenz
    • Muskelungleichgewicht
    • Muskelschwäche
    • Flexibilitätsprobleme, wie z. B. allgemeine Muskelverspannungen, eingeschränktes Bewegungsausmaß der Gelenke
    • Körperzusammensetzung
  • Extrinsische Risikofaktoren
    • Fehler bei der Trainingsbelastung, wie übermäßiges Volumen, Intensität, Steigerung, unzureichende Erholung
    • Untergründe
    • Schuhe
    • Ausrüstung
    • Umweltbedingungen
    • Nutrition
    • Psychologische Faktoren

Physiotherapie und Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Physiotherapeuten sind Befürworter körperlicher Aktivität und engagieren sich stark für die Wiederherstellung eines angemessenen Funktionsniveaus ihrer Patienten. Dieses Funktionsniveau ist bei jedem Klienten oder Sportler anders, und es ist entscheidend, dass ein maßgeschneiderter und individualisierter Ansatz gewählt wird. Eine Möglichkeit, Sportlern zu helfen, ihr höchstes Funktionsniveau wiederzuerlangen und in die Aktivität zurückzukehren, besteht darin, die spezifische Sportart des Athleten gut zu kennen und die physischen und psychologischen Anforderungen und Bedürfnisse des Sports zu verstehen.(5)

Bilder, die den Umgang mit Überlastungsschäden erklären

Die Aufklärung und Beratung der Patienten ist bei der Behandlung von Überlastungsverletzungen wichtig. Außerdem ist es von großem Wert, das multidisziplinäre Team und die Trainer einzubeziehen. Der Behandlungs- bzw. Interventionsansatz basiert auf dem Management der Belastung und/oder der Kräfte, die die Verletzung verursacht haben, damit das betroffene Gewebe genügend Zeit zur Heilung hat, aber auch, um eine Widerstandsfähigkeit gegen diese Kräfte aufzubauen.(6) Ein hilfreiches Bild, um Patienten über ihre Überlastungsverletzungen aufzuklären, ist das Bild von zwei Schleppern, die gegeneinander ziehen. Der grüne Schlepper (gut) treibt die Überlastungsverletzung zur Heilung und zur Rückkehr zur Funktion oder zum Sport, während der rote Schlepper die Überlastungsverletzung von der Heilung weg in eine ernstere Pathologie zieht. Der Schlüssel liegt darin, ein Gleichgewicht zu finden. Sie müssen das grüne Boot mit allen notwendigen Maßnahmen versorgen, um die Heilung zu fördern, aber nicht auf eine Weise, die das rote Boot antreibt und die Pathologie verschlimmert.(5) Bei der Ausarbeitung eines Behandlungsplans ist es wichtig, den Klienten aufzuklären und einen multidisziplinären und ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Es sollte ein dynamischer, flexibler Zeitplan aufgestellt werden, und eine mehrstufige, evidenzbasierte und funktionelle Entwicklung sollte Teil des Interventionsplans sein.

Befunderhebung bei Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Zu den wichtigsten Faktoren, die bei der Befunderhebung einer Überlastungsverletzung zu berücksichtigen sind, gehören:(7)

  • die beteiligte Struktur
  • die Art und Schwere der Verletzung
  • die Dauer der Verletzung ab dem Auftreten der Symptome – dies hilft, das Fortschreiten der Pathologie zu verstehen

Diagnose von Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Klinische Anamnese ( edit | edit source )

  • Die klinische Anamnese ist ein wichtiges und wertvolles Instrument bei der Diagnose einer Überlastungsverletzung
  • Hören Sie auf das, was Ihr Klient, der Trainer oder anderes medizinisches Personal, das mit dem Sportler arbeitet, Ihnen sagt!
  • Ermitteln Sie spezifische ursächliche Faktoren (intrinsisch und extrinsisch)
  • Berücksichtigen Sie auch die Kräfte, die auf die Strukturen in der Zeit einwirken, in der der Sportler keinen Sport treibt (z. B. während Haus- oder Gartenarbeit) – es ist wichtig, die Gesamtmenge der Kräfte zu verstehen, die auf die betreffende Struktur einwirken.
  • Berücksichtigen Sie bestimmte Bevölkerungsgruppen, die einem höheren Risiko für Überlastungsverletzungen ausgesetzt sind, z. B:

Diagnostische Bildgebung ( edit | edit source )

Differenzialdiagnose(edit | edit source)

Ermitteln Sie die beteiligte(n) Struktur(en), die Art und den Schweregrad sowie die Dauer ab dem Auftreten der Symptome. Dies wird Aufschluss über das Fortschreiten der Pathologie geben. Eine frühzeitige Diagnose verringert die Hindernisse für einen optimalen Heilungsprozess erheblich.

Behandlung von Überlastungsverletzungen ( edit | edit source )

Für die Behandlung von Überlastungsverletzungen ist ein phasengerechtes Vorgehen erforderlich. Sportler stellen sich mit unterschiedlich fortgeschrittenem Krankheitsverlauf vor (d. h. einige zeigen schon früh eine Überlastungsreaktion, während andere vielleicht schon viel länger mit einer Verletzung zu kämpfen haben und die Pathologie der Verletzung schon viel weiter fortgeschritten ist). Zu den Behandlungszielen können gehören:(4)

  • Verletzungsursache identifizieren und angehen
  • Entzündungen und Schmerzen verringern
  • Förderung der Heilung
  • Prävention von Komplikationen
  • Wiederherstellung der normalen Funktion des verletzten Körperteils
  • Entwicklung einer Strategie zum „Return to Play“ (Wiederaufnahme des Sports), je nach Symptomen

Optimieren Sie die Gewebeheilung durch systematische, schrittweise und optimale Belastung der Strukturen, um die Wiederherstellung von Funktion und Kapazität zu gewährleisten.

Zu den Behandlungsmodalitäten können gehören:

  • Relative oder stufenweise Ruhe und Vermeidung von verschlimmernden Aktivitäten bei gleichzeitiger Erhaltung der Fitness(10)
  • Regenerationsprotokolle
  • Manuelle Therapie
  • Kräftigung und Rehabilitation(10)
    • Phasengerechte Belastung
    • Übungen zur progressiven Belastung und Konditionierung (auch zur Eindämmung der Folgen der Dekonditionierung)
  • Überweisung an entsprechende Fachrichtungen
    • Psychologen – psychologische Bereitschaft für die Rückkehr zum Sport
    • Diätassistenten – angemessene Ernährungsberatung unter Berücksichtigung des Energiebedarfs der Sportart
    • Sportarzt oder Spezialisten

Referenzen(edit | edit source)

  1. Chéron C, Le Scanff C, Leboeuf-Yde C. Association between sports type and overuse injuries of extremities in adults: a systematic review. Chiropractic & manual therapies. 2017 Dec;25(1):1-0.
  2. 2.0 2.1 2.2 Clarsen B. Overuse injuries in sport: development, validation and application of a new surveillance method.(dissertation). Oslo Sports Trauma Research Centre. Norwegian School of Sports Sciences. 2015
  3. DiFiori JP, Benjamin HJ, Brenner JS, Gregory A, Jayanthi N, Landry GL, Luke A. Overuse injuries and burnout in youth sports: a position statement from the American Medical Society for Sports Medicine. British journal of sports medicine. 2014 Feb 1;48(4):287-8.
  4. 4.0 4.1 Brukner P. Clinical Sports Medicine: Injuries. McGraw-Hill Education (Australia) Pty Limited; 2017.
  5. 5.0 5.1 Merike Hopkins. An Individualised Approach to Overuse Injuries. Plus , Course. 2021
  6. Silbernagel KG, Hanlon S, Sprague A. Current clinical concepts: conservative management of Achilles tendinopathy. Journal of athletic training. 2020 May;55(5):438-47.
  7. Aicale R, Tarantino D, Maffulli N. Overuse injuries in sport: a comprehensive overview. Journal of orthopaedic surgery and research. 2018 Dec;13(1):1-1.
  8. Wu M, Fallon R, Heyworth BE. Overuse injuries in the pediatric population. Sports medicine and arthroscopy review. 2016 Dec 1;24(4):150-8.
  9. Thein-Nissenbaum J, Hammer E. Treatment strategies for the female athlete triad in the adolescent athlete: current perspectives. Open access journal of sports medicine. 2017;8:85.
  10. 10.0 10.1 Cardoso TB, Pizzari T, Kinsella R, Hope D, Cook JL. Current trends in tendinopathy management. Best Practice & Research Clinical Rheumatology. 2019 Feb 1;33(1):122-40.


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