Das Bewegen und die Bewegungsunterstützung von Menschen gehören für die meisten Rehabilitationsfachleute zu ihren wichtigsten Tätigkeiten. Patienten, die sich nur schwer selber bewegen können, benötigen möglicherweise Hilfe, die von der verbalen Ermutigung bis hin zur Verwendung von elektrischen Liftern reicht. Jedes Bewegen birgt ein gewisses Risiko für den Patienten und die unterstützende Person.
Entscheidungen über die am besten geeigneten Techniken und Maßnahmen werden nach einem individuellen Risikoassessment des Patienten in Übereinstimmung mit den jeweiligen professionellen Leitlinien für das Bewegen und die Bewegungsunterstützung getroffen. Eine angemessene Ausbildung ist zwar ein Schlüsselelement für das sichere Bewegen, aber auch ein klares Verständnis der verschiedenen Faktoren, die sich auf das manuelle Bewegen auswirken können, ist für die Schaffung einer sicheren Umgebung von entscheidender Bedeutung.
Dieser Artikel befasst sich mit den Faktoren, die sich direkt auf den Patienten auswirken und Rehabilitationsfachleuten dabei helfen, die Sicherheit des Patienten beim Bewegen und bei der Bewegungsunterstützung zu gewährleisten.
Abbildung. 1 Kommunikationsbarrieren: Sprechfähigkeit; Fremdsprache; Dysphonie; Zeitmangel seitens des Patienten oder des Personals; Krankheit; mentaler Status; Wirkungen von Arzneimitteln; psychologischer/emotionaler Status; Genderunterschiede; Ethnizität/Kultur
Kommunikation ist ein: „Ein wechselseitiger Prozess des gegenseitigen Verstehens, bei dem die Teilnehmer nicht nur Informationen, Nachrichten, Ideen und Gefühle austauschen, sondern auch Bedeutung schaffen und teilen.“(1) Wir können Informationen durch verbale Kommunikation, wie Sprechen und Zuhören, nonverbale Kommunikation, wie Körpersprache, Augenkontakt, Gestik und Mimik, (2) und visuelle Kommunikation, wie Diagramme, Illustrationen und Tabellen weitergeben.(3) Wirksame klinische Kommunikationsfähigkeiten können die Gesundheitsergebnisse verbessern und sind wichtig für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung.(4)
Die Kommunikation kann die Interaktion einer medizinischen Fachkraft mit ihren Patienten auf verschiedene Weise beeinflussen. Schlechte Kommunikation kann zu negativen Ergebnissen für den Patienten und zu einer geringeren Therapietreue führen. Umgekehrt führt eine effektive Kommunikation zu produktiven gesundheitlichen Veränderungen und einer höheren Zufriedenheit der Patienten.(5)
Der Kommunikationszyklus kann durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst werden.(6)
Für Patienten:
- Sprachbarrieren
- Kulturelle Barrieren
- Körperliche und kognitive Beeinträchtigungen, einschließlich Hör- oder Sehverlust
- Umweltfaktoren, einschließlich einer lauten Umgebung oder eines Mangels an Privatsphäre(7)
- Wirkung von Arzneimitteln
- Emotionaler Status, d.h. Angst, Schmerz und körperliches Unbehagen
Für medizinische Fachkräfte:(8)
- Zeitmanagement
- Unfähigkeit, eine Beziehung zu den Patienten aufzubauen
- Hohe Patientenlast
- Emotionaler Status, d.h. Stress und Ängste
- Wissensunsicherheit, Mangel an angemessener fachlichen Ausbildung
Bevor Sie mit dem Bewegen eines Patienten beginnen, sollten Sie unbedingt feststellen, ob er Probleme hat, sich auszudrücken oder Ihre Aufforderungen zu verstehen. Sie müssen die speziellen Kommunikationsbedürfnisse jedes Patienten ermitteln, einschließlich des Zugangs zu Dolmetschern oder Hilfsmitteln. Wenn Sie besondere Bedenken hinsichtlich der Kommunikation haben, kann eine Überweisung an die Logopädie oder Psychologie gerechtfertigt sein, um die Kommunikationsschwierigkeiten des Patienten und ihre Ursachen besser zu verstehen.
Weitere Informationen zu den Kommunikationsarten finden Sie unter Formen der Kommunikation.
Wir müssen den kognitiven Status berücksichtigen, wenn wir entscheiden, ob ein Patient sicher an Interventionen teilnehmen kann, die seine Bewegung umfassen. Es ist wichtig herauszufinden, ob der Patient Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren, Anweisungen zu verstehen und Aufgaben in der richtigen Reihenfolge auszuführen oder ob er Elemente der Aufgabe übersieht oder vergisst.
Das Assessment des kognitiven Status ist eine schnelle und einfache Methode, um das Orientierungsniveau eines Patienten zum Zeitpunkt der ersten Befunderhebung und während Aufgaben mit manueller Bewegung zu bestimmen. Es liefert einige grundlegende Informationen über seine Fähigkeit, Fragen zu beantworten und möglicherweise Anweisungen zu befolgen.(9)
Die Beurteilung der Orientierung kann wie folgt erfolgen:
- Stellen Sie dem Patienten eine Reihe von Standardfragen:
- Person – „Können Sie mir Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum nennen?
- Ort – „Können Sie mir sagen, wo Sie gerade sind?“ oder „Können Sie mir sagen, in welcher Stadt wir uns befinden?
- Zeit/Datum – „Können Sie mir das heutige Datum sagen?“ oder „Welcher Wochentag ist heute?“ oder „Welches Jahr haben wir?
- Situation – „Können Sie mir sagen, warum Sie im Krankenhaus sind?“ oder „Welche Operation wurde bei Ihnen durchgeführt?“
- Durchführen eines Mini-Mental Status Tests (MMST):
- Wird in erster Linie zum Screening auf kognitive Störungen bei älteren Erwachsenen verwendet, um den Schweregrad der kognitiven Beeinträchtigung zu einem bestimmten Zeitpunkt abzuschätzen und eine Reihe von Teilbereichen des kognitiven Status zu beurteilen, darunter Aufmerksamkeit, Sprache, Gedächtnis, Orientierung und visuell-räumliche Fähigkeiten.(10)(11)
- Ein Wert von 0 – 17 beim Mini-Mental State bedeutet eine schwere kognitive Störung. Sie kann die Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen beeinträchtigen.(12)
Emotionen sind physisch und instinktiv und können zu unmittelbaren körperlichen Reaktionen führen.(13) Die folgenden Zeichen und Symptome können auf Veränderungen des emotionalen Status eines Patienten hinweisen:
- Verwirrung, Unruhe oder Depression
- Euphorie oder Weinerlichkeit
- Unangemessenes Verhalten (verbal und/oder physisch)
- Mangelnde Kooperation bei der Untersuchung
In jeglichen dieser Situationen sollte das Rehabilitationspersonal:
- Sich mit den zuständigen Mitgliedern des multidisziplinären Teams in Verbindung setzen, um eine umfassendere Beurteilung zu gewährleisten, mit der festgestellt werden kann, ob bestimmte Faktoren den emotionalen Status beeinflussen, und/oder
- Ergebnismessungen wie die Richmond Agitation-Sedation Scale (RASS) anwenden – die RASS wurde entwickelt, um den Grad der Wachsamkeit und des agitierten Verhaltens bei kritisch erkrankten Patienten zu bewerten(14)
- Ein RASS-Wert zwischen -1 und +1 deutet im Allgemeinen darauf hin, dass der Patient ausreichend wach ist, um an der Rehabilitation mit minimalem Risiko für unerwünschte Wirkungen teilzunehmen(15)
Assessing Emotional Status – Suggestions of Questions to Ask about a Person with Cognitive Impairment ist ein nützliches Hilfsmittel, um Ihr Assessment des kognitiven Status zu unterstützen.
Die gesundheitlichen Folgen eines Verlusts des Sehvermögens gehen über das Auge und das visuelle System hinaus. Es ist erwiesen, dass der Verlust des Sehvermögens sich negativ auf die Lebensqualität,(16)(17) die Unabhängigkeit(18)(19) und die Mobilität auswirkt. Sehdefizite wurden bereits mit Stürzen,(20)(21) Verletzungen(21)(22) und eine Verschlechterung des Status in Bereichen der psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht, sowie mit Beeinträchtigungen(23) der Kognition,(24)(25) sozialen Funktion, Beschäftigung und Bildung.(26)(27)
Die Beurteilung des Sehvermögens ist ein wichtiger Bestandteil des Assessments vor dem Bewegen eines Patienten. Sie könnten die folgenden Fragen als Teil Ihres Assessments stellen:
- Wann haben Sie das letzte Mal einen Sehtest gemacht?
- Tragen Sie eine Brille? Wenn ja, ist Ihre Brille kürzlich überprüft worden?
- Wozu tragen Sie Ihre Brille?
- z.B. Lesen/Entfernung/Alles (Bifokal-/Trifokalbrille)
- Haben Sie Ihre Brille dabei?
- Haben Sie irgendwelche Augenkrankheiten? Wenn ja, nehmen Sie rezeptpflichtige Medikamente?
- z.B. Augentropfen bei Glaukom
- Können Sie den Fernseher zu Hause gut sehen? Können Sie beschreiben, was auf diesem Bild zu sehen ist?
- Sind Sie in der Lage, eine Zeitung zu lesen? Und die Verpackung von Medikamenten? Können Sie bitte den folgenden Absatz lesen…
Die folgenden Ressourcen können bei der Beurteilung des Sehvermögens durch medizinisches Fachpersonal helfen:
- „Look out! Bedside Vision Check for Falls Prevention“, erstellt vom Royal College of Physicians. Diese Ressource bietet einen detaillierten Plan mit visuellen Ressourcen für die Durchführung einer Sehprüfung am Krankenbett. Das Tool zielt darauf ab, das Risiko von Stürzen beim Bewegen von Patienten zu verringern.
- VISIBLE (Vision Screening to Improve Balance & Prevent Falls) erstellt von Health Innovation Network (HIN) South London. Diese Ressource bietet einen schrittweisen Ansatz zur Durchführung von Sehtests in der Gemeinde.
Hörverluste gehen mit einem veränderten Gleichgewicht(28) und mit einem erhöhten Risiko für Stürze einher,(29)(30)(31) insbesondere bei älteren Menschen.(32) Einige sich abzeichnende Evidenz deutet darauf hin, dass Hörgeräte die posturale Kontrolle bei Menschen mit Hörverlust verbessern und damit möglicherweise das Sturzrisiko verringern können, auch wenn noch weitere Forschung erforderlich ist.(32)(33)
Das Hören sollte während der subjektiven Untersuchung beurteilt werden. Grundlegende Fragen, die Sie im Rahmen Ihres Assessments vor dem Bewegen des Patienten stellen sollten (in mündlicher oder schriftlicher Form), sind:
- Tragen Sie ein Hörgerät?
- Sind Ihre Hörgeräte eingesetzt und eingeschaltet?
Wenn ein Patient keine Hörgeräte benutzt, sollte das medizinische Personal prüfen, ob diese von Nutzen sein könnten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass sich Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsschwierigkeiten bei einigen Personen ähnlich wie ein Hörverlust äußern können.
Vitalparameter sind Messungen der grundlegendsten Körperfunktionen, mit denen medizinische Probleme erkannt oder überwacht werden können. Typischerweise liefern die von Rehabilitationsfachleuten überwachten Vitalparameter Informationen über den kardiovaskulären und respiratorischen Status und umfassen die folgenden Punkte:
- Puls und Herzfrequenz
- Blood Pressure
- Respiratory Rate
- Sauerstoffsättigung
Diese Vitalparameter können gemessen werden, um Ziele festzulegen und die Reaktion des Patienten auf Aktivitäten zu beurteilen. Zu den klinischen Indikatoren, die eine Überprüfung der Vitalparameter erforderlich machen, gehören Dyspnoe, Bluthochdruck, Müdigkeit, Synkope, Thoraxschmerzen, unregelmäßiger Herzschlag, Zyanose, Claudicatio intermittens, Übelkeit, anormale Schweißbildung und Fußödeme.
Kardiovaskulärer Status ( edit | edit source )
Die Puls- oder Herzfrequenz ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute. Der Puls bezieht sich auf die Welle des Blutes in einer Arterie, die durch die Kontraktion der linken Herzkammer während eines Herzzyklus entsteht.
Periphere Pulse können in der Peripherie des Körpers palpiert werden, indem man eine Arterie über einem knöchernen Vorsprung abtastet. Beispiele für die oberen Extremitäten sind der Radialispuls, der Ulnarispuls und der Brachialispuls. Beispiele für die unteren Extremitäten sind der Puls der A. tibialis posterior, der Fußpuls der A. dorsalis pedis und der Femoralispuls. Kliniker können auch den Karotispuls am Hals messen.
Der Radialispuls wird in der klinischen Praxis am häufigsten verwendet. Er kann proximal des Handgelenks, auf der radialen Seite des Unterarms, palpiert werden.
- Atemfrequenz:(34)
- Eine normale Herzfrequenz im Ruhezustand liegt bei Erwachsenen zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute.
- Tachykardie = Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute
- Bradykardie = Herzfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute
- Rhythmus:(34)
- Bei der Überprüfung müssen wir die zeitliche Abfolge der Pulsschläge feststellen, d.h. ob der Puls regelmäßig (rhythmisch), unregelmäßig (arrhythmisch) oder wiederkehrend unregelmäßig ist
- Sinusarrhythmie = Pulsfrequenz ändert sich mit der Atmung – d.h. die Pulsfrequenz wird während der Inspiration schneller und verlangsamt sich während der Exspiration
- ein wiederkehrendes (paroxysmales) unregelmäßiges Muster deutet oft auf Vorhofflattern oder Vorhofflimmern hin
- Volumen:(34)
- Wir können auch das Volumen des Pulses berücksichtigen
- Die Gewebeperfusion zeigt den Gesundheitszustand des Gewebes an und wird durch „das Blutvolumen, das durch eine Einheitsmenge des Gewebes fließt“ gemessen.(35) Ein Puls mit geringem Volumen kann auf eine unzureichende Gewebeperfusion hinweisen.(36)
- Bei der manuellen Messung kann das Volumen / die Stärke des Pulses mit einer Skala von 0-4+ beschrieben werden (bitte beachten Sie, dass einige Autoren eine Skala von 0-3+ verwenden):
- 0 = kein fühlbarer Puls; 1 + = schwacher, aber erkennbarer Puls; 2 + = Puls leicht vermindert im Vergleich zu normal; 3 + = normaler Puls; und 4 + = hart schlagender Puls.(37)
- Symmetrie:(34)
- Es ist wichtig, auf die Symmetrie der Pulse zu achten
- asymmetrische Pulse können bei Aortendissektion, Aortenisthmusstenose, Takayasu-Arteriitis und Subclavian-Steal-Syndrom auftreten
- Amplitude und Anstiegssteilheit:(34)
- Niedrige Amplitude und niedrige Anstiegssteilheit können bei Erkrankungen wie Aortenstenose auftreten
- Hohe Amplitude und hohe Anstiegssteilheit könnten auf Aortenregurgitation, Mitralregurgitation und hypertrophe Kardiomyopathie hindeuten(34)
Wenn die Herzfrequenz deutlich über den für den Patienten optimalen Wert hinaus ansteigt oder abfällt und der Patient Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust oder Ohnmacht verspürt, sollte die Aktivität zu diesem Zeitpunkt beendet werden.
Vorgehen: Beenden Sie die Aktivität, bringen Sie den Patienten zur Ruhe und überwachen Sie die Herzfrequenz, bis sie sich stabilisiert.
Bitte beachten Sie, dass die optimale Herzfrequenz in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich sein kann und bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen vom medizinischen Team festgelegt werden kann. Interdisziplinäre Kommunikation ist daher der Schlüssel.
Der Blutdruck ist „die Kraft des zirkulierenden Blutes auf die Wände der Arterien“,(38) hauptsächlich in den großen Arterien des Körperkreislaufs. Der Blutdruck umfasst zwei Messungen:
- Systolischer Druck(39)
- Beschreibt den maximalen Druck in den großen Arterien, wenn sich das Herz zusammenzieht, um das Blut durch den Körper zu pumpen
- Gemessen im Moment des Herzschlags
- Diastolischer Druck(39)
- Beschreibt den niedrigsten Druck in den großen Arterien, wenn sich das Herz zwischen den Schlägen entspannt
- Gemessen zwischen den Herzschlägen
Der Blutdruck wird in der Regel durch Auskultation und dem Einsatz eines Sphygmomanometers (mechanisches Blutdruckmessgerät) nach der Riva-Rocci-Methode ermittelt, aus welcher die Abkürzung für den Blutdruck (RR) entstammt. Das Ergebnis der Blutdruckmessung wird in Millimeter Quecksilber (mmHg) angegeben. Der Blutdruck wird als systolischer Druck durch den diastolischen Druck notiert, z. B. 120/60.(39) Halbautomatische und automatisierte Geräte, die die Oszillometrie verwenden, bei der die Amplitude der Blutdruckschwankungen an der Arterienwand erfasst wird, werden heute häufig in der klinischen Praxis eingesetzt. Die A. brachialis ist die häufigste Messstelle für den Blutdruck.
Blutdruckreaktion auf Bewegung bei gesunden Personen:
- Anfänglicher Anstieg des systolischen Blutdrucks, gefolgt von einem linearen Anstieg bei zunehmender Trainingsintensität
- Der diastolische Blutdruck bleibt tendenziell stabil oder steigt bei höherer Trainingsintensität nur leicht an.
In einer klinischen Umgebung sind die jüngsten Blutdruckveränderungen am wichtigsten, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob es sicher ist, mit der Mobilisation fortzufahren. Ein akuter Anstieg oder Abfall des Blutdrucks um mindestens 20% deutet auf eine hämodynamische Instabilität hin und verzögert wahrscheinlich die Mobilisation.
Zwei Aspekte sollten besonders beachtet werden:
- Ein übermäßiger Anstieg des systolischen oder diastolischen Blutdrucks während der Mobilisation, insbesondere wenn er länger anhält, kann den Fortschritt der Mobilisation einschränken.
- Ein ausbleibender Anstieg des systolischen Blutdrucks oder ein anhaltender Blutdruckabfall während der Mobilisation kann Ausdruck einer orthostatischen Intoleranz oder der Unfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems des Patienten sein, den erhöhten Anforderungen der Aufgabe gerecht zu werden.
Vorgehen: Beenden Sie die Mobilisation oder erleichtern Sie die Aufgabe auf ein weniger anspruchsvolles Niveau, bei dem der Blutdruck stabil gehalten werden kann.
Tabelle.1 Normative Blutdruckwerte
| Blutdruckkategorien |
Systolisch |
Diastolisch |
| Hypotonie |
<90 |
<60 |
| Normal |
90 – 129 |
60 – 79 |
| Leichte Hypertonie (Grad 1) |
130 – 139 |
80 – 89 |
| Mittlere Hypertonie (Grad 2) |
140 – 179 |
90 – 109 |
| Schwere Hypertonie (Grad 3) |
>180 |
>110 |
„Die Atemarbeit ist die Menge an Energie oder (Sauerstoff-)Verbrauch, die von den Atemmuskeln benötigt wird, um eine ausreichende Belüftung (Ventilation) und Atmung zu erzeugen, die den metabolischen Anforderungen des Körpers gerecht wird“.(40)
Die Atemfrequenz (AF) ist die Anzahl der Atemzüge pro Minute. Jeder Atemzug = die Bewegung von Luft in und aus der Lunge.
Die durchschnittliche Atemfrequenz bei Erwachsenen beträgt etwa 12 bis 20 Atemzüge pro Minute.(34) Die Atemfrequenz bei Kindern kann höher sein als bei Erwachsenen,(41) aber sie variiert je nach Alter. Hier erfahren Sie mehr über die Atemfrequenz bei verschiedenen Altersgruppen.
Es gibt Evidenz dafür, dass die Atemfrequenz eines der ersten Vitalparameter ist, das sich verändert, wenn der Körper ein Problem hat. Daher ist es wichtig, die Atmung während einer Intervention in der Rehabilitation genau zu überwachen und dabei Aspekte wie Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemmuster zu berücksichtigen.
- Atemfrequenz:(34)
- Tachypnoe: Die Atemfrequenz beträgt mehr als 20 Atemzüge pro Minute
- Physiologische Ursachen: Bewegung, emotionale Veränderungen, Schwangerschaft usw.
- Pathologische Ursachen: Schmerzen, Lungenentzündung, Lungenembolie und Asthma usw.
- Bradypnoe: Die Atemfrequenz beträgt weniger als 12 Atemzüge pro Minute
- Zu den Ursachen gehören: Verschlimmerung der zugrundeliegenden Atemwegserkrankung und Medikamente/Substanzen, die zur Depression des zentralen Nervensystems führen, wie Alkohol, Narkotika, Benzodiazepine usw.
- Apnoe: „Vollständige Unterbrechung des Luftstroms zur Lunge für mindestens 15 Sekunden“(34)
- Zu den Ursachen gehören: Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemwegsobstruktion, Überdosierung von Narkotika und Benzodiazepinen.
- Atemtiefe:(34)
- Hyperpnoe: Zunahme der Atemtiefe
- Hyperventilation: Zunahme der Atemfrequenz und -tiefe
- Hypoventilation: Abnahme der Atemfrequenz und -tiefe
- Achten Sie auch darauf, welche Muskeln der Patient einsetzt – d.h. akzessorische Atemmuskeln (z.B. M. sternocleidomastoideus und Bauchmuskeln)- und prüfen Sie die Symmetrie der Brustwandbewegungen(42)
- Denken Sie auch daran, dass eine Unfähigkeit, in ganzen Sätzen zu sprechen, oder eine erhöhte Anstrengung beim Sprechen auf Probleme beim Atmen hinweisen kann.(43)
Viele Erkrankungen können das Atemmuster eines Menschen beeinflussen:(44)(34)
- Biot-Atmung: Perioden, in denen die Atemfrequenz und -tiefe erhöht sind, gefolgt von Perioden, in denen keine Atmung stattfindet / Apnoe
- Cheyne-Stokes-Atmung: Perioden, in denen die Tiefe der Atmung zunimmt, gefolgt von Perioden ohne Atmung/Apnoe
- Kussmaul-Atmung: Die Atemfrequenz ist regelmäßig, aber die Tiefe der Atmung nimmt zu
- Orthopnoe: Die Person leidet unter Atemnot im Liegen, die sich jedoch bessert, wenn sie sich aufrichtet oder steht
- Paradoxe Atmung: Einwärtsbewegung der Bauch- oder Brustwand bei der Einatmung und Auswärtsbewegung bei der Ausatmung. Tritt auf bei: Zwerchfelllähmung, Muskelermüdung, Brustwandtrauma
Die Sauerstoffsättigung ist ein entscheidendes Maß dafür, wie gut die Lunge arbeitet. Es ist ein wichtiges Vitalparameter, das beim Assessment und der Überwachung eines Patienten für die Positionierung, den Transfer oder die Mobilisation zu überprüfen ist. Die Sauerstoffsättigung bezieht sich auf den Prozentsatz des Sauerstoffs, der im Blut einer Person zirkuliert.
„Es gibt keinen festen Standard für die Sauerstoffsättigung bei Hypoxämie.“(45) Es wird jedoch in der Regel akzeptiert, dass eine Sauerstoffsättigung in Ruhe von weniger als 95% „anormal“ ist.(45) Bei körperlicher Anstrengung kommt es zu einem vorübergehenden Absinken der Sättigung, aber die Sättigung steigt schnell wieder an, wenn die Atemfrequenz zunimmt.(42)
Die Pulsoximetrie ist eine schmerzfreie, nichtinvasive Methode zur Messung der Sauerstoffsättigung im Blut einer Person.(46) Die meisten Pulsoximeter haben eine Genauigkeit von 2-4% der tatsächlichen Blutsauerstoffsättigung (SaO2). Das bedeutet, dass der Pulsoximeterwert (SpO2) um 2-4% höher oder niedriger sein kann als der tatsächliche SaO2-Wert. Zum Beispiel kann ein SpO2 von 92% einem SaO2 von 88-96% entsprechen, je nach Genauigkeit des Pulsoximeters. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Genauigkeit der Pulsoximetrie abnimmt, wenn die arterielle Sauerstoffsättigung (d.h. SaO2) unter 90% liegt.(47)
Faktoren, die die Genauigkeit der Pulsoximetrie beeinträchtigen können:(45)(48)
- Kalte Hände
- Schlechte Durchblutung oder niedriger Durchblutungszustand
- Tragen von künstlichen Nägeln
- Tragen von Nagellack (insbesondere dunkle Farben wie Schwarz, Blau oder Lila)
- Sehr niedrige Sauerstoffsättigung (d.h. <80%)
- Hautpigmentierung – die Genauigkeit nimmt bei Personen mit dunklerer Hautpigmentierung ab
- Dicke der Haut
- Blutarmut (Anämie)
- Bewegungsartefakte – übermäßige Bewegung oder Erschütterung der Sonde
- Intravaskuläre Farbstoffe
- Rauchen
Möglichkeiten zur Verbesserung der Genauigkeit der Pulsoximetrie:(45)(48)
- Haut vorwärmen
- Topischen Vasodilatator anwenden
- Die Hand des Patienten unter Herzhöhe legen
- Position der Sonde (z. B. Ohr oder Finger)
- Sondentyp – Transmission vs. Reflexionssonde
- Sondengröße – Pädiatrie vs. Erwachsene
Sie müssen den Bereich oder die Umgebung berücksichtigen, in der Sie die Aufgaben der Bewegung des Patienten ausführen werden. Überlegen Sie insbesondere, wie dieser Raum die Aufgabe in irgend einer Form unsicher machen könnte. Eine Assessment der Umgebung identifiziert alle Probleme und bietet Lösungen für Risiken. (49)
Zu den Fragen, die Sie beim Assessment vor dem Bewegen des Patienten berücksichtigen sollten, gehören:
- Gibt es irgendwelche Platzprobleme?
- Ist der Boden rutschig oder uneben?
- Gibt es eine ausreichende Beleuchtung?
- Gibt es Stolperfallen?
- Gibt es Sonden, Katheter, Schläuche oder sonstige Anschlüsse, die am Patienten befestigt sind?
Katheter, Sonden und Anschlüsse(edit | edit source)
Patienten haben im Krankenhaus oft verschiedene Anschlüsse, Kabel und Schläuche, darunter EKG-Ableitungen, arterielle und venöse Zugänge, zentrale Venenkatheter, Urinkatheter, Pulsoximetrie und Drainagen mit Wasserschloss (z.B. Pleuradrainage).
Sprechen Sie mit dem Pflegepersonal, bevor Sie den Patienten bewegen, um herauszufinden, welche Kabel und Schläuche für diese Aktivität sicher abgetrennt werden können. Anschlüsse, die lebenswichtige physiologische Daten liefern, wie EKG-Ableitungen und Pulsoximetrie, müssen aus Sicherheitsgründen oft angeschlossen bleiben, insbesondere wenn der Patient zum ersten Mal mobilisiert wird.
Bei der Mobilisation muss darüber hinaus vorsichtig vorgegangen werden, um zu vermeiden, dass sich Kabel oder Schläuche lösen. Es ist wichtig, Knicke und Verdrehungen in den Schläuchen zu entfernen oder zu vermeiden und darauf zu achten, dass Drainagen (z.B. Harnkatheter oder Thoraxdrainagen) immer unterhalb der Ebene der Eintrittsstelle in den Körper bleiben. Vor und nach der Behandlung sollte geprüft werden, ob übermäßige Flüssigkeit gefördert wird oder während der Atmung die normalen Druckschwankungen in den Wasserständen ausbleiben, da diese Faktoren auf eine Beeinträchtigung der Leistung der Drainage hinweisen können.(42) Ebenso muss vermieden werden, dass Thoraxdrainagen mit Wasserschloss während der Mobilisation gekippt oder gar auf das Patientenbett gelegt werden, da dies ihre Funktion erheblich beeinträchtigen kann.
Schmerzen können ein erhebliches Hindernis darstellen, das beim Assessment vor dem Bewegen eines Patienten berücksichtigt werden muss. Bei der Beurteilung der Schmerzen sollten Rehabilitationsfachleute folgende Faktoren beachten:
- Schmerzassessment:(44)
- Es ist wichtig, den Unterschied zwischen akuten und anhaltenden Schmerzen und die Auswirkungen auf das Assessment und Management des Patienten zu erkennen.
- Schmerz ist eine subjektive Erfahrung, und die Selbsteinschätzung von Schmerzen ist der zuverlässigste Indikator für die Erfahrung eines Patienten.
- Wenn ein Patient über ausreichende kognitive und kommunikative Fähigkeiten verfügt, können die Schmerzen mit einem Standard-Tool für die Selbsteinschätzung wie einer numerischen Schmerzskala (NRS) oder einer visuellen Analogskala (VAS) beurteilt werden.
- Diese Skalen sind jedoch für viele Patienten auf der Intensivstation aufgrund von Sedierung oder mechanischer Beatmung nicht geeignet. In diesen Fällen haben sich verschiedene objektive Instrumente zum Schmerzassessment (siehe unten) als gültig und wirksam erwiesen.
- Beurteilen Sie zu Beginn jeder körperlichen Untersuchung immer den Schmerz, um das Wohlbefinden des Patienten und den möglichen Bedarf an Schmerzlinderung zu ermitteln, bevor Sie den Patienten bewegen.
Instrumente zum Schmerzassessment ( edit | edit source )
Critical Care Pain Observation Tool (CPOT): Das CPOT ist eine 8-Punkte-Messung, die 4 grundlegende Verhaltensweisen (Gesichtsausdruck, Körperbewegungen, Muskelspannung und Adaptation an die Beatmung/intubierte Patienten oder Lautäußerungen/extubierte Patienten) zur Beurteilung von Schmerzen verwendet.(44)
Behavioral Pain Scale (BPS): Die BPS ist für die Verwendung bei Patienten bestimmt, die mechanisch beatmet werden. Die BPS ist eine 12-Punkte-Skala, die 3 grundlegende Verhaltensweisen (Gesichtsausdruck, Bewegung der oberen Extremitäten und Adaptation an das Beatmungsgerät) zur Beurteilung von Schmerzen verwendet.(44)
Rehabilitationsfachleute sollten sich über die Medikamente des Patienten im Klaren sein, da diese die Sicherheit des Patienten bei der manuellen Bewegung beeinflussen können. Obwohl das Medikationsmanagement nicht zu den Aufgaben der meisten Rehabilitationsfachleute gehört, kann es sehr wertvoll sein, die möglichen Auswirkungen einiger Medikamente zu verstehen. Das Assesment und die Interventionen im Rahmen der Rehabilitation sollten zeitlich so abgestimmt werden, dass sie mit dem Höhepunkt der Wirksamkeit der Medikamente zusammenfallen.(50)
Die folgenden Medikamentenklassen können das Risiko von Stürzen erhöhen, da sie das Gehirn, das Herz und den Kreislauf beeinflussen können:
- Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem wirken, z.B. Psychopharmaka
- Drogen oder andere Substanzen, die sich auf das Gehirn auswirken, können Veränderungen der Stimmung, der Gedanken, der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Wachsamkeit, der Reflexe, der Reaktionszeit, des Muskeltonus, des Gleichgewichts usw. bewirken.
- Medikamente, die auf das Herz-Kreislauf-System wirken
- Medikamente, die zur Behandlung verschiedener Herzerkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz, Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen) oder Gefäßerkrankungen (z.B. Bluthochdruck) eingesetzt werden, können Hypotonie, orthostatische Hypotonie, Synkope, Bradykardie, Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe als Folge einer Hyponatriämie verursachen.
- Medikamente, die die Blutzuckerkontrolle beeinflussen
- Hypoglykämie und Hyperglykämie werden mit einem erhöhten Risiko von Stürzen bei Krankenhauspatienten in Verbindung gebracht.
Diese Assessments zur Sicherheit sollten vor und während jedem Bewegen eines Patienten berücksichtigt werden, um die Sicherheit zu maximieren und das Risiko sowohl für den Patienten als auch für das beteiligte Rehabilitationspersonal zu minimieren. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass wir nicht unbedingt jede Überprüfung bei jedem Assessment durchführen müssen. Stattdessen müssen wir den Patienten, seinen Zustand und seine Umgebung sorgfältig berücksichtigen und unser klinisches Reasoning und Urteilsvermögen einsetzen, um die am besten geeigneten Überprüfungen zu wählen, damit die Sicherheit des Patienten während des Bewegens gewährleistet wird.
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