Befunderhebung und Behandlung der Brustwirbelsäule

Subjektive Untersuchung ( edit | edit source )

Detaillierte Informationen über die Befunderhebung der Brustwirbelsäule finden Sie hier, aber zu den spezifischen Fragen, die bei der subjektiven Untersuchung zu berücksichtigen sind, gehören:(1)

  • Wie hat das Problem begonnen? Wie lange besteht das Problem schon?
  • Wie hat sich der Schmerz im Laufe der Zeit entwickelt?
  • Gibt es eine Vorgeschichte von Überlastung oder Trauma?
  • Hat der Patient Schmerzen beim Atmen? Und wenn ja, in welchem Teil des Atemzuges geschieht dies?
  • Welche Auswirkungen hat Husten und/oder Niesen?
  • Kann der Patient nachts auf der betroffenen Seite liegen?
  • Wie verhalten sich die Schmerzen und wie hoch ist die Irritierbarkeit?
    • Besteht morgens über einen längeren Zeitraum eine Steifigkeit?
    • Gibt es Enthesiopathien in der Vorgeschichte?
      • NB: Enthesiopathien sind Erkrankungen, die die Enthesen (d. h. die bindegewebigen Ansatzstellen von Sehnenund Bändern an Knochen) betreffen.(2)
    • Eine solche Anamnese könnte auf eine seronegative Spondyloarthropathie hinweisen(1)(3)
  • Welche funktionellen Beeinträchtigungen hat der Patient?
  • Wie sieht die medizinische Vorgeschichte des Patienten aus?
    • Es ist wichtig, frühere Diagnosen genau zu erfassen, da es eine Reihe von Erkrankungen gibt, die sich als muskuloskelettale Thoraxschmerzen „tarnen“ (maskieren) können
  • Gibt es psychosoziale Faktoren, die zu den Schmerzen beitragen?
  • Gibt es irgendwelche Red Flags?(4)

Subjektive Informationen können recht spezifische Hinweise auf die mögliche Schmerzursache (d. h. entzündlich, mechanisch oder nicht mechanisch) geben:(1)

  • Nervenwurzel- oder Facettenschmerzen können als stechend / übelkeitserregend beschrieben werden. Sie können ausstrahlen und dem Rippenverlauf folgen
  • Die Costochondritis wird in der Regel als ein tiefer, bohrender, nagender Schmerz in der Brustwand beschrieben, der ausstrahlen kann (oft nach hinten oder in den Hals)
  • Eine Rippenfraktur oder eine Zerrung der Interkostalmuskeln wird typischerweise als plötzlicher, stechender Schmerz beschrieben, der sich durch Lachen, Niesen, Husten, tiefes Atmen oder jede Art von Belastungsmanöver verschlimmert.
  • Konstanter, brennender Schmerz kann ein Zeichen für eine Entzündung sein
    • Diese kann durch eine Autoimmunerkrankung, ein stark gereiztes Gelenk oder durch eine andere Struktur bedingt sein (z. B. kann ein Ulcus duodeni einen ständigen, brennenden Schmerz in der Brustregion verursachen)
  • Wenn Patienten immobil sind, neigen sie dazu, über Steifigkeit, eingeschränkte Bewegung oder ein Gefühl des „Steckenbleibens“ zu berichten.

Objektive Untersuchung ( edit | edit source )

Die objektive Untersuchung orientiert sich an den Erkenntnissen aus dem subjektiven Gespräch. Erinnern Sie sich:(1)

  • Es ist wichtig zu verstehen, welche Strukturen bei jedem Test belastet werden
  • Beschränken Sie die Tests auf ein Minimum
    • „Weniger ist mehr“, um die Symptome des Patienten nicht zu verschlimmern
    • Kombinationen von Tests in Betracht ziehen
  • Der beste „Spezialtest“ ist der, den der Patient Ihnen vorführt
  • Berücksichtigen Sie das Zwerchfell

Objektive Tests ( edit | edit source )

Abbildung 1. Häufige Haltungsdysfunktionen.

Die folgenden Tests sollten in eine objektive Untersuchung der Brustwirbelsäule einbezogen werden:(1)

  • Statische und dynamische Haltungsanalyse:
    • Beobachten Sie, wie der Patient sich bewegt, ob er Verschiebungen oder Neigungen aufweist
    • Berücksichtigen Sie die verschiedenen Arten von Haltungsdysfunktionen(5) (siehe Abbildung 1)
    • Handelt es sich bei der Haltungsänderung um ein primäres oder sekundäres Problem (z. B. eine lumbopelvine Dysfunktion)?
  • Mechanik der Atmung

Abbildung 2. Dermatome.

Bewegungsausmaß aus der Neutralstellung heraus

  • Suche nach intersegmentalen Einschränkungen
  • Beurteilen Sie die Bewegung von posterior
  • Palpation zwischen den thorakalen Ringen und artikuläre Palpation während der Bewegung
  • Motorische Kontrolle und Krafttests
    • Sitz
    • Unterarmstütz
    • Vierfüßlerstand
  • Neurodynamische Tests
    • Upper Limb Tension Test (ULTT) bei Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS) (siehe Videos unten)(6)(7) – Beachte: Dieser Test ist bei TOS-Patienten nicht immer positiv, sollte aber untersucht werden.(1)
  • Neurologisch
  • Palpation, einschließlich Klavikula und erste Rippe

Aktive Bewegungstests der Brustwirbelsäule ( edit | edit source )

Während der aktiven Bewegungstests:(1)

  • Untersuchen Sie den Patienten im Sitzen, um die Brustwirbelsäule (BWS) zu isolieren (diese Position verriegelt die Lendenwirbelsäule)
  • Beurteilung der Asymmetrie der Bewegung und eventueller segmentaler Einschränkungen
    • Denken Sie daran, dass im thorakalen Bereich auch die motorische Kontrolle wichtig ist, nicht nur die Beweglichkeit.

Thorakale Flexion und Extension ( edit | edit source )

  • Flexion: Spüren Sie, ob die Rippen nach vorne gekippt sind (anterior tilt).
  • Extension: Spüren Sie, ob die Rippen nach hinten geneigt sind (posterior tilt).
  • Beachte: Die Extension ist die am meisten eingeschränkte Bewegung der Brustwirbelsäule.(10)

Thorakale Rotation ( edit | edit source )

Die Rotation ist einer der nützlichsten Tests für die Brustwirbelsäule. Während der Rotationsbewegungen ist es möglich, Folgendes zu erkennen:(1)

  • Steifigkeit
  • Ablauf der Bewegung

Thorakale Lateralflexion / Lateral Shift ( edit | edit source )

Beurteilen Sie den Patienten von posterior – eine Beurteilung von vorne ist nur dann erforderlich, wenn Sie speziell die Rippen in dieser Position untersuchen wollen. Bei der Lateralflexion der BWS findet Folgendes statt:(1)

  • Ipsilaterale Approximation der Rippen
  • Kontralaterale Separation der Rippen
  • Kontralaterale Translation der Rippen

Behandlung(edit | edit source)

Schlaf(edit | edit source)

Schlaf ist das stärkste Antioxidans.(1) Es ist bekannt, dass es eine bidirektionale Beziehung zwischen Schmerz und Schlaf gibt.(11)

Manipulation der Brustwirbelsäule ( edit | edit source )

Es ist noch nicht bekannt, ob bzw. warum die Manipulation der BWS wirkt, aber es wurde festgestellt, dass thorakale Manipulationen Schmerzen lindern, die Beweglichkeit verbessern und das Gesundheitsgefühl des Patienten steigern können.(12)

  • Es gibt jedoch keine Evidenz dafür, dass eine Art der Manipulation besser ist als eine andere.
  • Es gibt keine Evidenz dafür, dass die Manipulation der BWS einen Langzeiteffekt hat, daher sollte sie in Kombination mit einer spezifischen Übungstherapie angewandt werden.
  • Gelenkposition, Richtung, Geschwindigkeit und Kraft sind alles Variablen, die berücksichtigt werden sollten(1)

Haltungskorrektur und motorische Kontrolle ( edit | edit source )

Die Korrektur der Körperhaltung eines Patienten kann sich ebenfalls positiv auf seine Schmerzen auswirken.(1)

Release des M. iliocostalis ( edit | edit source )

Der M. iliocostalis ist der am weitesten lateral gelegene Muskel der Rückenstrecker.(13) Bei Patienten mit ausgeprägter thorakaler Kyphose und lumbaler Lordose kann die Aktivität des M. iliocostalis erhöht sein. Dieser Muskel kann unter der 10. und 11. Rippe durch ein Release behandelt werden.(1)

Posteroanteriores Gleiten ( edit | edit source )

Patienten mit einer Umkehrung der BWS-Krümmung, rotierter Wirbelsäule und/oder verstärkter Kyphose empfinden das posteroanteriore (PA) Gleiten der Dornfortsätze wahrscheinlich als unangenehm, da sie stark nozizeptiv sind.(1)

Stattdessen kann es von Vorteil sein, ein PA-Gleiten am Rippenwinkel durchzuführen (was zu einer Mobilisation von gleichzeitig 13 Gelenken pro thorakalem Ring führt). Bei Personen mit Umkehrung der BWS-Krümmung führt dies zu einer anteroposterioren (AP) Bewegung des Dornfortsatzes.(1) Bei Patienten mit verstärkter Kyphose kann ein PA-Gleiten am Rippenwinkel bei gleichzeitigem AP-Gleiten an der vorderen Schulter/Korakoid wirksam sein. Bei Patienten mit Kyphose kann eine Rotationstechnik wirksam sein.(1)

Übungstherapie ( edit | edit source )

Eine Umfrage zu Trends in der Behandlung der Brustwirbelsäule im Vereinigten Königreich ergab, dass trotz begrenzter Evidenz die Bewegungstherapie als Behandlungsmethode weit verbreitet ist.(14) Geschwindigkeit, Ausgangsstellung, Dosierung und Progression wurden nicht untersucht, aber Übungen, die auf die Dehnung, Mobilisation und Stabilisation der Brustwirbelsäule abzielen, können in der klinischen Praxis von Nutzen sein.(1)

Arten von Übungen ( edit | edit source )

Dehnungen für die Brustwirbelsäule sind in Abbildung 3 dargestellt. Abbildung 4 zeigt Dehnungen, die speziell für eine umgekehrte BWS-Krümmung geeignet sind.

Abbildung 3. Dehnungen der Brustwirbelsäule. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Abbildung 4. Thoraxdehnung aus der umgekehrten Position. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Die Abbildungen 5 und 6 zeigen Übungen zur Mobilisation der Brustwirbelsäule, während sich Abbildung 7 speziell auf Übungen zur Rotation der Brustwirbelsäule konzentriert.

Abbildung 5. Übungen zur Mobilisation der Brustwirbelsäule. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Abbildung 6. Übungen zur Mobilisation der Brustwirbelsäule – Lateralflexion nach Rechts, laterale Translation nach Rechts, Rechtsrotation und Extension. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Abbildung 7. Übungen zur Rotation der Brustwirbelsäule. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Übungen zur Stabilisation der Brustwirbelsäule sind in den Abbildungen 8, 9 und 10 dargestellt. Zu Beginn ist es von Vorteil, Übungen in der geschlossenen kinetischen Kette durchzuführen (Abbildungen 8 und 9), bevor man versucht, die Kraft über den gesamten Bewegungsbereich zu steigern (Abbildung 10).

Abbildung 8. Übungen zur motorischen Kontrolle. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Abbildung 9. Übungen zur motorischen Kontrolle. (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Abbildung 10. Übungen für die Kräftigung durch den gesamten Bewegungsbereich (Mit freundlicher Genehmigung von Grooviphysiosoftware)

Vieles ist noch unbekannt ( edit | edit source )

  • Das meiste, was als „Wissenschaft“ über dieses Thema genannt wird, besteht aus anedoktischer Evidenz oder Inhalten aus den sozialen Medien / aus YouTube.
  • Informationen aus anderen Regionen der Wirbelsäule werden einfach auf die Brustwirbelsäule „übertragen“
    • Die besonderen Merkmale der Brustwirbelsäule werden oft nicht erkannt
  • Es gibt viele tiefe thorakale Muskeln, deren Beitrag zur motorischen Kontrolle des Brustkorbs nicht ausreichend bekannt ist, wie z. B. der M. semispinalis thoracis und die Mm. rotatores thoracis
  • Es ist auch nicht bekannt, welche Rolle die Brustwirbelsäule bei der Propriozeption spielt

Fazit(edit | edit source)

Befunderhebung:(1)

  • Es ist von Vorteil, anatomisches Wissen und biomechanische Erkenntnisse zu nutzen, um ungeeignete Bewegungsgewohnheiten zu beurteilen
  • Konzentrieren Sie sich nicht auf kleine Fehler

Behandlung:(1)

  • Es kann hilfreich sein, bestimmte manuelle Techniken anzuwenden, um unbewegliche Bereiche zu mobilisieren, aber dies führt kaum zu Makroveränderungen
  • Haltungsanpassungen können jedoch dazu genutzt werden, Systeme zu verändern und Makroveränderungen zu erreichen
  • Die thorakale Rotation ist für Bewegung, Sport und Leistung unerlässlich
    • Übungen zur Förderung von Rotation, Stabilität (motorische Kontrolle) und Kraft können genutzt werden
  • Übungstherapie sollte in Verbindung mit manueller Therapie eingesetzt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen
  • Die Behandlung sollte sich nicht nur auf die Steifigkeit des Brustkorbs konzentrieren – es ist vielleicht wichtiger, die motorische Kontrolle des Brustkorbs und die Stabilität der Segmente anzugehen

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 Bell-Jenje T. Assessment and Treatment of the Thoracic Spine Course. Plus , 2021.
  2. Alvarez A, Tiu TK. Enthesopathies. (Updated 2021 Jul 18). In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2021 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK559030/
  3. Martey C. Co-morbidities within Spondyloarthritis Course. Plus , 2020.
  4. Finucane LM, Downie A, Mercer C, Greenhalgh SM, Boissonnault WG, Pool-Goudzwaard AL et al. International framework for red flags for potential serious spinal pathologies. J Orthop Sports Phys Ther. 2020;50(7):350-72.
  5. Czaprowski D, Stoliński Ł, Tyrakowski M, Kozinoga M, Kotwicki T. Non-structural misalignments of body posture in the sagittal plane. Scoliosis Spinal Disord. 2018;13:6.
  6. Jones MR, Prabhakar A, Viswanath O, Urits I, Green JB, Kendrick JB et al. Thoracic outlet syndrome: a comprehensive review of pathophysiology, diagnosis, and treatment. Pain Ther. 2019;8(1):5-18.
  7. Li N, Dierks G, Vervaeke HE, Jumonville A, Kaye AD, Myrcik D et al. Thoracic outlet syndrome: a narrative review. J Clin Med. 2021;10(5):962.
  8. John Gibbons. Upper Limb Tension Test (ULTT) for the Median Nerve (C5-T1 Brachial plexus). Available from: https://www.youtube.com/watch?v=fhsrNKWVh0s (last accessed 4/9/2021)
  9. John Gibbons. Upper Limb Tension Test – Radial Nerve (C5-T1 Brachial Plexus). Available from: https://www.youtube.com/watch?v=VngRTMhAlGE (last accessed 4/9/2021)
  10. Wilke HJ, Herkommer A, Werner K, Liebsch C. In vitro analysis of the segmental flexibility of the thoracic spine. PLoS One. 2017;12(5):e0177823.
  11. Haack M, Simpson N, Sethna N, Kaur S, Mullington J. Sleep deficiency and chronic pain: potential underlying mechanisms and clinical implications. Neuropsychopharmacology. 2020;45(1):205-16.
  12. Takatalo J, Leinonen T, Rytkönen M, Häkkinen A, Ylinen J. The effect of thoracic spine manipulation on thoracic spine pain and mobility – Preliminary results of RCT. Manual Therapy. 2016;25:e161.
  13. Henson B, Kadiyala B, Edens MA. Anatomy, Back, Muscles. (Updated 2021 Aug 10). In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2021 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK537074/
  14. Heneghan NR, Gormley S, Hallam C, Rushton A. Management of thoracic spine pain and dysfunction: A survey of clinical practice in the UK. Musculoskelet Sci Pract. 2019;39:58-66.


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