Knöchel-Fuß-Orthesen (AFOs, auch Unterschenkelorthesen genannt) werden häufig für gehfähige Kinder mit Zerebralparese (CP) verschrieben, die gemäß dem Gross Motor Function Classification System (GMFCS) in die Stufen I bis III klassifiziert sind.
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Die Verwendung von AFOs soll verschiedene Vorteile mit sich bringen, darunter verbesserte zeitlich-räumliche Gangparameter wie eine größere Schrittlänge, eine höhere Gehgeschwindigkeit und eine geringere Schrittfrequenz.
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In diesem Artikel werden verschiedene Möglichkeiten zur Feineinstellung („Tuning“) starrer AFOs für Kinder mit Zerebralparese anhand von Fallbeispielen erläutert, um den Entscheidungsprozess zu veranschaulichen.
Der normale Gangzyklus besteht aus der Standphase (Fersenauftritt/initialer Kontakt, Stoßdämpfungsphase, mittlere Standphase, terminale Standphase und Vorschwungphase) und der Schwungphase (Beschleunigungsphase, mittlere Schwungphase und Abbremsphase).
In jeder Phase des Gangzyklus werden bestimmte Positionen der unteren Extremitäten erwartet. Beim Fersenauftritt (initialer Kontakt) sollte das Knie vollständig gestreckt sein. Während der Fuß in der Stoßdämpfungsphase auf den Boden kommt, sollte das Knie leicht gebeugt sein. Während der mittleren Standphase bewegt sich das Knie von der Extension in eine neutrale Position, wobei der Fuß in eine Dorsalextension geht. Von der terminalen Standphase geht der Fuß zur Vorschwungphase in die Plantarflexion. In der Schwungphase wird der Fuß erneut in Dorsalextension gebracht, um vom Boden fern zu bleiben. Schließlich befindet sich der Fuß während der Abbremsphase in der Dorsalextension und bereitet sich erneut auf den nächsten Fersenauftritt vor.
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Ausführliche Informationen über den Gangzyklus finden Sie in diesem optionalen Artikel: Der Gangzyklus.
Kinder mit Zerebralparese können mehrere häufige pathologische Gangmuster aufweisen. Ein solches Muster ist der „echte“ Zehenspitzengang (True equinus), der durch eine Spitzfußstellung im Sprunggelenk und eine neutrale Ausrichtung von Hüfte und Knie gekennzeichnet ist.
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Ein weiteres mögliches Gangmuster ist der „Sprunggang“ (Jump gait), bei dem sowohl eine Spitzfußstellung am Sprunggelenk als auch eine Flexion von Hüfte und Knie auftritt. Ein „scheinbarer“ Zehenspitzengang (Apparent equinus) ist auch ein mögliches Gangbild bei Kindern mit Zerebralparese. In diesem Fall befindet sich das Sprunggelenk zwar in einer neutralen Position, das Kind steht jedoch aufgrund einer übermäßigen Beugung von Hüfte und Knie auf den Zehenspitzen.(2)
Schließlich kann der Kauergang (Crouch gait) auftreten, wenn eine übermäßige Dorsalextension des Fußes mit einer Flexion von Hüfte und Knie einhergeht.
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Bei einer funktionellen Ganganalyse beurteilt der Orthetiker bzw. Orthopädietechniker den Komfort, holt das Feedback des Patienten ein und führt eine visuelle, beobachtende Ganganalyse durch, einschließlich der Überprüfung der Beinlänge.
Bei der visuellen Ganganalyse können folgende Parameter berücksichtigt werden:
Das Tuning der Kombination aus starrer AFO und Schuhwerk (AFO – Footwear Combination, AFO-FC) „kann als der Prozess definiert werden, bei dem Feinjustierungen an der Gestaltung der AFO-FC vorgenommen werden, um ihre Leistung bei einer bestimmten Aktivität zu optimieren. Die biomechanische Optimierung umfasst den gesamten Prozess der Gestaltung, Ausrichtung und Feineinstellung der AFO-FC.“
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Es ist wichtig zu beachten, dass die Dorsalextension und Plantarflexion des Sprunggelenks in einer starren AFO blockiert sind, sodass eine Kompensation der Bewegung an anderen Gelenken erforderlich ist.
Zu den wichtigsten Zielen des AFO-FC-Tunings gehören die Optimierung der Ausrichtung der unteren Extremität und die Reduzierung des Energieaufwands beim Gehen.
„Die Ausrichtung der Bodenreaktionskraft (Ground Reaction Force, GRF) relativ zu den Gelenken während des normalen Gangs ist der Schlüssel zu einem kontrollierten, energieeffizienten Gang.“
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Es gibt Evidenz dafür, dass bei Kindern mit beweglichen Hüften und Knien das Tuning der AFOs durch Zurichtung (Erhöhungen, Keile) und Schuhe die Bodenreaktionskräfte beeinflussen und die Position der Hüften und Knie des Kindes während des Gehens verbessern kann.(2)
Die folgenden Beispiele veranschaulichen, wie eine AFO-FC die Kinetik und Kinematik des Gehens eines Kindes mit CP verändern kann.(2)
AFO eingestellt in Plantarflexion: Die AFO ist nach hinten geneigt und bleibt in einem Schuh nach hinten geneigt. Wenn ein Kind diese AFO trägt und versucht zu stehen oder zu gehen, wird es in die Hyperextension des Knies gedrückt. Eine Verkürzung entweder des M. gastrocnemius oder der ischiokruralen Muskulatur verhindert jedoch, dass das Knie die überstreckte Position erreicht. Infolgedessen wird das Kind gezwungen, sich auf die Zehenspitzen zu stellen, was zu einer instabilen Standposition führt. Eine korrekte Zurichtung der AFO würde dies verhindern.
AFO eingestellt in Dorsalextension: Die AFO ist nach vorne geneigt, was sich verstärkt, wenn die AFO in den Schuh eingesetzt wird. Diese Positionierung würde zu einem Kauergang und einer Flexion des Knies führen. Eine korrekte Zurichtung (Erhöhung, Keil) würde dies verhindern.
Bei der Feineinstellung einer AFO wählt der Orthetiker bzw. Orthopädietechniker das am besten geeignete Design und Material, um den Fuß und das Sprunggelenk in drei Ebenen zu kontrollieren.
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Die wichtigsten Bereiche sind im Folgenden aufgeführt.
Sprunggelenkswinkel in der AFO („Angle of the Ankle in the AFO“ / AAAFO, innerer Winkel): der Winkel des Fußteils relativ zur Unterschenkelfassung (Schaft) in der AFO, in der Sagittalebene beobachtet
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Ausrichtung zur Werkbank („Bench Alignment“) :
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Absatzhöhe von AFO mit Schuhwerk (AFO-FC) :
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Shank-to-Vertical Angle (SVA):
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„Während der mittleren Standphase ist bei einem normalen Gang eine gewisse Neigung der Tibia erforderlich. Daher kann mit einem fixierten Sprunggelenk und einem SVA von 90° (bei vorausgesetztem Kontakt zwischen Ferse und Boden) kein optimales Gangmuster erreicht werden, da die fixierte Stellung die erforderliche tibiale Neigung verhindert. Deshalb muss erkannt werden, dass AAAFO und SVA voneinander unabhängig sind und eine individuelle Beurteilung des Patienten erfordern.“
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8-jähriges Kind mit diplegischer CP, GMFCS Stufe I:
11-Jähriger mit rechtsseitiger hemiplegischer CP, GMFCS Stufe I:
13-Jähriger mit diplegischer CP, GMFCS Stufe II, Kombination aus Kauer- und Sprunggang:
10-Jähriger mit diplegischer CP, GMFCS Stufe II, komplexes Gangbild mit Kauergang:
Bei der Arbeit mit Kindern mit Zerebralparese müssen wir uns bewusst sein, dass es sich um ein „sich ständig veränderndes Bild” handelt. Während bei Kindern im Alter von bis zu 6 bis 8 Jahren allgemeine Verbesserungen zu beobachten sind, kann es während der Wachstumsphase zu Verschlechterungen kommen. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es keine Lösung gibt, die immer funktioniert. Oftmals sind Kompromisse erforderlich. Orthetiker bzw. Orthopädietechniker müssen ständig überprüfen, neu untersuchen und anpassen.(2)