Originale Autorin – Daphne Xuan
Top-Beitragende – Daphne Xuan, Tarina van der Stockt, Ewa Jaraczewska, Kim Jackson und Jess Bell
Eine Studie aus dem Jahr 2019 ergab, dass weltweit 2,4 Milliarden Menschen mit einem Gesundheitszustand leben, der zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verlauf ihrer Krankheit oder Verletzung von einer Rehabilitation profitieren würde. Das entspricht etwa einem von drei Menschen auf der Welt sowie 310 Millionen Lebensjahren, die mit einer Behinderung verbracht werden.(1) Diese Zahlen sind seit etwa 30 Jahren bereits um 63 % gestiegen, und eine weitere deutliche Zunahme wird erwartet, da die Weltbevölkerung wächst, altert und länger lebt, häufig mit chronischen Erkrankungen und nicht übertragbaren Krankheiten.(1)(2) Die drei größten Gruppen von Gesundheitsstörungen, die zur Behinderung beitragen, sind Erkrankungen des Bewegungsapparats, sensorische Beeinträchtigungen und neurologische Störungen.(1)
Leider erhalten viele Menschen, die eine Rehabilitation benötigen, diese Maßnahmen nicht. In der Tat bekommt mehr als die Hälfte der Menschen in einigen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen kein Zugang zu einer Rehabilitation, obwohl diese indiziert wäre.(2) Im Jahr 2050 werden 80 % der Weltbevölkerung im Alter von 60 Jahren und darüber in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen leben.(3) In vielen Ländern sind die Mittel für Rehabilitationsmaßnahmen unzureichend, und sie werden nur als Notlösung betrachtet, wenn andere Maßnahmen versagen.(1) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass eines der Barrieren, mit denen wir konfrontiert sind, neben anderen Faktoren ineffiziente und nicht ausreichend genutzte Überweisungswege zur Rehabilitation sind.(2) Cieza und Kollegen(1) schlagen vor, dass Rehabilitationsleistungen besser in das Gesundheitssystem auf der Ebene der Primärversorgung integriert werden müssen.
Es gibt falsche Vorstellungen darüber, wer Rehabilitationsleistungen benötigt: dass sie nur für Menschen mit bestimmten langfristigen Beeinträchtigungen oder Behinderungen geeignet sind, dass sie eine Luxusleistung sind oder dass sie nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Maßnahmen versagen. In Wirklichkeit kann jeder irgendwann im Laufe seines Lebens eine Rehabilitation benötigen, und es handelt sich um eine zentrale Gesundheitsdienstleistung, die allen, die sie benötigen, zur Verfügung stehen sollte.(2)
Die WHO definiert Rehabilitation wie folgt:
„Eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, die Funktionsfähigkeit zu optimieren und Behinderungen bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen in Interaktion mit ihrer Umwelt zu verringern… Rehabilitation hilft einem Kind, einem Erwachsenen oder einer älteren Person, bei alltäglichen Aktivitäten so unabhängig wie möglich zu sein, und ermöglicht die Teilhabe an Bildung, Arbeit, Freizeit und sinnvollen Lebensaufgaben wie der Fürsorge für die Familie.“ (2)
Die Rehabilitation erfolgt durch die Auswahl von evidenzbasierten und personenzentrierten Maßnahmen, um Erkrankungen und Einschränkungen zu beheben, Funktionen zu verbessern und Unterstützung zu bieten. Sie kann eine wichtige Rolle bei der Gesundheitsförderung, -erhaltung und -prävention über die gesamte Lebensspanne eines Menschen spielen. Die konkreten Ziele sind von Person zu Person unterschiedlich und hängen von den jeweiligen Zielen und Vorlieben ab. (2)
Fachkräfte in der Rehabilitation durchlaufen in der Regel einen Prozess, der einige oder alle der folgenden Punkte umfasst:
Die Rehabilitation hat viele Vorteile. Auf individueller Ebene kann die Rehabilitation die Auswirkungen von Gesundheitsstörungen verringern, die Folgen chronischer Erkrankungen minimieren oder hinauszögern, die Unabhängigkeit erhöhen, die Teilhabe an Arbeit, Schule und anderen Lebensaktivitäten ermöglichen und die Lebensqualität verbessern.(1)(2)(4) Wenn zum Beispiel jeder, der an einem Hörverlust leidet und ein Hörgerät benötigt, ein solches benutzen würde, würde sich die damit verbundene Behinderung um 59 % verringern.(5)
Auf der Ebene des Systems und der Gesellschaft kann die Rehabilitation den Krankenhausaufenthalt und die Verweildauer verringern, Wiedereinweisungen verhindern und damit die Gesamtkosten senken.(2) Darüber hinaus ermöglicht sie es dem Einzelnen, so lange wie möglich in vollem Umfang zur Gesellschaft beizutragen und an ihr teilzuhaben.(4)
Nachfolgend sind acht wichtige Mitglieder des Rehabilitationsteams aufgeführt, obwohl es nicht auf diese Berufsgruppen beschränkt ist und je nach Kontext variieren kann.
Nach Angaben der American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation untersuchen und behandeln Fachärzte/Fachärztinnen für Physikalische und Rehabilitative Medizin „Patienten mit kurz- oder langfristigen körperlichen/kognitiven Beeinträchtigungen und Behinderungen, die auf Erkrankungen des Bewegungsapparats, neurologische Erkrankungen oder andere medizinische Probleme zurückzuführen sind. Ihr Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Leistungsfähigkeit ohne chirurgischen Eingriff zu verbessern“.(6)
Fachärzte/Fachärztinnen für Physikalische und Rehabilitative Medizin leiten in der Regel ein Team von anderen Fachleuten, um eine optimale und ganzheitliche Versorgung zu gewährleisten.(7)
Die Interventionen können Folgendes umfassen:
Fachkrankenpfleger/-innen für Rehabilitation und Langzeitpflege betreuen Menschen unmittelbar nach Beginn einer beeinträchtigenden Verletzung oder chronischen Krankheit und begleiten sie, bis sie ihre Ziele erreicht haben. Die Aufgabe der Fachkrankenpfleger/-innen für Rehabilitation und Langzeitpflege umfasst die persönliche Pflege, die Aktivitäten des täglichen Lebens, die kurz- und langfristige Gesundheitspflege, soziale Fragen und Fragen der Unabhängigkeit, emotionale Unterstützung sowie die Aufklärung des Patienten und seiner Familie. Sie sind oft „rund um die Uhr“ bei dem Patienten anwesend und verbringen insgesamt mehr Zeit mit ihm als die übrigen Teammitglieder.(9)
In der Rehabilitationskrankenpflege findet derzeit eine Verlagerung hin zu einem proaktiveren Ansatz statt, bei dem Pflegekräfte die Pflege mit dem Patienten und nicht nur für den Patienten durchführen und den Einzelnen ermutigen, sich so weit wie möglich an seiner eigenen Pflege zu beteiligen.(10)
Nach Angaben von World Physiotherapy bieten Physiotherapeuten / Physiotherapeutinnen „Dienstleistungen an, die die maximale Bewegung und Funktionsfähigkeit der Menschen entwickeln, aufrechterhalten und wiederherstellen. Sie können Menschen in jeder Lebensphase helfen, in der Bewegung und Funktion durch Alterung, Verletzungen, Krankheiten, Störungen, Bedingungen oder Umweltfaktoren bedroht sind,“ wobei davon ausgegangen wird, dass „funktionelle Bewegung von zentraler Bedeutung dafür ist, was es bedeutet, gesund zu sein.“(11)
Physiotherapeuten / Physiotherapeutinnen verfügen über ein umfassendes Verständnis der Struktur und Funktion des Körpers und können Leistungen im Zusammenhang mit orthopädischen, neurologischen, respiratorischen, kardiovaskulären, sexuellen, visuellen und vestibulären Funktionen anbieten.(12)(13) Physiotherapeuten / Physiotherapeutinnen verfolgen in der Therapie einen aktiven Ansatz der funktionellen Rehabilitation.(12)
Die Interventionen können Folgendes umfassen:
Wenn Sie mehr über die Aufgaben eines Physiotherapeuten / einer Physiotherapeutin erfahren möchten, lesen Sie bitte diese Seite.
Die World Federation of Occupational Therapists definiert Ergotherapie als „einen klientenzentrierten Gesundheitsberuf, der sich mit der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden durch Betätigung zu fördern. Das vorrangige Ziel der Ergotherapie ist, Menschen zu befähigen, ihre Alltagsaktivitäten wahrzunehmen. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten erreichen dieses Resultat, indem sie mit Menschen und Gemeinschaften daran arbeiten, deren Fähigkeiten in jenen Betätigungen einzusetzen, die sie tun wollen, tun müssen oder von denen erwartet wird, dass sie sie tun. Darüber hinaus können Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten die Betätigung oder das Umfeld verändern, um die Durchführung der Betätigung besser zu fördern.“(14) In diesem Zusammenhang bezieht sich der Begriff „Betätigung“ auf die Tätigkeiten, die Menschen jeden Tag alleine oder mit anderen Menschen ausüben.(14)
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten haben eine breit gefächerte Ausbildung in Medizin, Psychologie, Verhaltens-, Sozial- und Betätigungswissenschaften und arbeiten mit einem breiten Spektrum von Erkrankungen, die jedoch meist mit körperlichen, geistigen, affektiven und kognitiven Problemen zusammenhängen.(15)
Die Interventionen können Folgendes umfassen:
Wenn Sie mehr über die Rolle eines Ergotherapeuten / einer Ergotherapeutin erfahren möchten, lesen Sie bitte diese Seite.
Logopäden / Logopädinnen und Sprachtherapeuten / Sprachtherapeutinnen beurteilen und behandeln Menschen aller Altersgruppen mit Sprach-, Sprech-, Kommunikations-, Ess-, Trink- und Schluckproblemen. Kommunikation bezieht sich auf Prozesse, die mit dem Verstehen und der Produktion von Sprache verbunden sind, unabhängig davon, ob es sich um mündliche, schriftliche, nonverbale oder alternative Formen der Kommunikation handelt. Sie umfasst auch die sozialen und kognitiven Aspekte der Kommunikation. Logopäden / Logopädinnen und Sprachtherapeuten / Sprachtherapeutinnen verfügen über umfassende Kenntnisse des Kopf-, Hals- und Atmungssystems.(17)
Die Interventionen können Folgendes umfassen:
Wenn Sie mehr über die Rolle eines Logopäden / einer Logopädin erfahren möchten, lesen Sie bitte diese Seite.
Audiologen / Audiologinnen erbringen Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Beurteilung, Behandlung und Vorbeugung von Hörverlusten sowie Beeinträchtigungen und Störungen des Gehörs und des Gleichgewichtsorgans. Dazu gehören Tinnitus, Schwindel, Ototoxizität, auditive Verarbeitungsstörungen und verschiedene Arten von Hörverlust. Audiologen / Audiologinnen verschreiben und passen auch Hörgeräte sowie Hör- und Alarmierungshilfen an.(18)(19)
Die Interventionen können Folgendes umfassen:
Wenn Sie mehr über die Rolle eines Audiologen / einer Audiologin erfahren möchten, lesen Sie bitte diese Seite.
Orthopädietechniker/-innen und Prothetiker/-innen versorgen Menschen durch die Herstellung und Anwendung von Orthesen und Prothesen, um die Funktion zu optimieren.(21) Eine Orthese ist eine Vorrichtung, die von außen am Körper angebracht wird, um strukturelle und funktionelle Eigenschaften zu verändern, wie z. B. Sprunggelenksorthesen, Korsetts oder Schienen.(21) Eine Prothese ist eine Vorrichtung, die von außen am Körper angebracht wird, um ein fehlendes oder mangelhaftes Körperteil ganz oder teilweise zu ersetzen, wie z. B. ein künstliches Bein.(21) Zu den orthopädischen und prothetischen Hilfsmitteln können auch Mobilitätshilfen, wie Gehhilfen, gehören.(22)
Zu den Klienten gehören Kinder mit angeborenen Gliedmaßenfehlern oder Zerebralparese, Menschen mit Amputationen, Menschen mit Muskelschwäche und viele mehr.(23)
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Klinische Psychologen und Psychologinnen beurteilen und behandeln Menschen mit einer Reihe von psychologischen Problemen, die sowohl mit der psychischen als auch mit der physischen Gesundheit zusammenhängen. Zu den Erkrankungen können Angstzustände, Depressionen, Psychosen, Essstörungen, Süchte usw. gehören.(24)
Die Behandlung zielt darauf ab, den Leidensdruck und die Symptome zu verringern, die Bewältigung und die Funktionsfähigkeit zu verbessern, damit die Betroffenen an ihren Beziehungen und Aktivitäten teilnehmen können.(24) (25) Dazu gehören verschiedene Psychotherapieansätze wie Verhaltenstherapie, kognitive Therapie, Familientherapie und andere.(25)
Ärzte und Ärztinnen haben eine wichtige Rolle und Verantwortung innerhalb des interdisziplinären Rehabilitationsteams.
Die Begriffe „interdisziplinär“ und „multidisziplinär“ werden manchmal als Synonyme verwendet, aber es gibt einen Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen. In einem multidisziplinären Team arbeiten alle Mitglieder parallel zueinander.(26) Sie haben aufgrund ihrer Berufe spezifisch definierte Rollen und es gibt eine Hierarchie der Autorität. Der Arzt oder die Ärztin ist für die Leitung des Teams und die Koordinierung der durchgeführten Versorgung verantwortlich, aber jedes Teammitglied entwickelt seine eigenen Ziele für den Klienten oder Patienten. Der Arzt / die Ärztin kommuniziert mit allen Teammitgliedern, die anderen Teammitglieder jedoch kommunizieren nicht unbedingt miteinander.(26)
In einem interdisziplinären Team hingegen kann der Arzt oder die Ärztin immer noch für die Leitung des Teams verantwortlich sein, die Teammitglieder arbeiten aber gemeinsam und mit dem Patienten an der Festlegung der kollektiven Ziele und Behandlungspläne.(26) Es sollte keine Hierarchie geben, da alle auf der gleichen Stufe stehen. Das Team trifft sich regelmäßig, um zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren. Korner stellt fest, dass die Kommunikation in einem interdisziplinären Team „kontinuierlich und multilateral“ ist.(26)
Wie Hooker und Emery-Tiburcio hervorgehoben haben, „ist es unwahrscheinlich, dass eine einzelne Fachkraft allein optimale Ergebnisse erzielt“.(27) Die vorliegende Evidenz deutet auf zahlreiche Vorteile des interdisziplinären Ansatzes hin, darunter verbesserte Ergebnisse bei Patienten mit chronische Schmerzen, Schädel-Hirn-Trauma, in der Lungenrehabilitation, nach Rückenschmerzen und Schlaganfall.(7)(27) Kürzere Verweildauern, geringere Krankenhauskosten und eine höhere Zufriedenheit von Patienten, Angehörigen und Personal wurden ebenfalls festgestellt.(27) Singh et al.(7) führt die Wirksamkeit dieses Ansatzes auf die Akzeptanz unscharfer Grenzen zwischen verschiedenen Teammitgliedern zurück. Dies ermöglicht einen effizienteren Informationstransfer sowie frühere Interventionen und Entlassungen.
Für den Erfolg des Teams sind zwar alle Teammitglieder verantwortlich, doch in den meisten Einrichtungen des Gesundheitswesens sind es Ärzte und Ärztinnen, die die Teams leiten.(7) In diesem Sinne haben sie die Aufgabe, die Zusammenarbeit des Teams zu koordinieren. Außerdem liegt in vielen Ländern die rechtliche Verantwortung für den Patienten und die für den Patienten getroffenen Entscheidungen oft beim ärztlichen Personal, so dass dieses über die getroffenen Entscheidungen Bescheid wissen und sie verteidigen können muss.(7)(28)
Der Arzt oder die Ärztin sollte sicherstellen, dass die geeigneten medizinischen Fachkräfte im Team sind, um den Versorgungsbedarf des Patienten zu decken, dass es eine wirksame Koordination und Kommunikation des Teams gibt und dass das Team mit einem einheitlichen Ziel arbeitet, um letztendlich die Ergebnisse für den Patienten zu optimieren.(7) Darüber hinaus haben die Menschen vielerorts in der Welt immer noch keinen direkten Zugang zu Rehabilitationsfachleuten. Das bedeutet, dass ihr erster Ansprechpartner ein Arzt oder eine Ärztin sein wird, der/die dann die Befugnis hat, Überweisungen an andere Fachleute oder zur Bildgebung auszustellen. Dementsprechend ist es äußerst wichtig, dass Ärzte und Ärztinnen genau wissen, wer die Mitglieder des Rehabilitationsteams sind und welche Kenntnisse und Fähigkeiten jeder von ihnen hat. Der Arzt oder die Ärztin sollte dafür sorgen, dass das entsprechende Rehabilitationsteam gleich zu Beginn der Behandlung als Teil des Primärversorgungsteams eingesetzt wird. Durch die Zusammenarbeit mit dem Team ist das ärztliche Personal auch in der Lage, die entsprechenden Untersuchungen und laufenden Behandlungen für den Patienten anzuordnen.(29)
Ein erfolgreiches interdisziplinäres Rehabilitationsteam sollte die folgenden Merkmale aufweisen: