Originale und Hauptautoren – Holly Pulket, Hilary Zachary, Angela Dempski, Dana Williams, Shannon Davis als Teil des Texas State University’s Evidence-based Practice project space
Top-Beitragende – Angela Dempski, Shannon Davis, Dana Williams, Holly Pulket, Jess Bell, Hilary Zachary, Kim Jackson, Mariam Hashem, Tarina van der Stockt, Candace Goh, Shaimaa Eldib, Evan Thomas, Deconinck Mathieu, Fasuba Ayobami, Ewa Jaraczewska, Stuart Wildman, WikiSysop, 127.0.0.1, Vidya Acharya, Admin, Rachael Lowe, Claire Knott, Amanda Ager, Lucinda Hampton und Anas Mohamed
Der schnellende Finger, auch Tendovaginitis stenosans, Schnapp- oder Triggerfinger genannt, ist eine häufige Ursache für Handschmerzen und Funktionseinschränkungen bei Erwachsenen.(1)(2)(3) Die Beugesehnen der Hand verlaufen durch einen Tunnel aus Bindegewebe und Knochen, der von einer Reihe von Umlenkrollen (Retinacula) gebildet wird, welche die Sehnen nahe am Knochen halten und eine effiziente Flexion ermöglichen.(4) Es gibt fünf Ringbänder (Ligg. anularia, A1-A5) und drei Kreuzbänder (Ligg. obliqua, C1-C3) an jedem Langfinger der Hand.(5) Der schnellende Finger wird häufig durch eine mechanische Fehlanpassung zwischen der Beugesehne und dem Ringband verursacht, meist das A1-Ringband, das sich auf Höhe des Köpfchens des Mittelhandknochens auf der Handinnenseite befindet.(2) (6)(7) (8)(9) Die Erkrankung kann auch am Daumen auftreten und wird dann als „schnellender Daumen“ bzw. „Schnappdaumen“ bezeichnet.(10)
Frauen haben ein bis zu sechsmal höheres Risiko, einen schnellenden Finger zu entwickeln als Männer(11) Die Erkrankung tritt typischerweise im 5. oder 6. Lebensjahrzehnt auf, mit einem Durchschnittsalter von etwa 58 Jahren.(8)(12) Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung wird auf 2-3 % geschätzt, bei Diabetikern steigt sie jedoch auf 10 %.(13)(14)(15) Der schnellende Finger kann gemeinsam mit anderen Erkrankungen der Hand und des Handgelenks auftreten, darunter das Karpaltunnelsyndrom, die Tendovaginitis stenosans de Quervain und die Dupuytren-Kontraktur.(6) Er steht auch im Zusammenhang mit verschiedenen systemischen Krankheiten, darunter Diabetes mellitus, Hypothyreose, rheumatoide Arthritis, Nierenerkrankungen, Amyloidose und das metabolische Syndrom.(16)(9)(17)(18)(19) Die genaue Ätiologie ist nach wie vor unklar und wird allgemein als multifaktoriell angesehen. Es wurde ein beruflicher Zusammenhang vermutet, wobei Aktivitäten, die eine die eine längere kräftige Beugung der Finger erfordern (wie die Verwendung von Handwerkzeugen oder das Tragen schwerer Lasten) als Mitursachen genannt werden, obwohl die Evidenz hierfür uneinheitlich ist.(9)
Schnellender Finger und Diabetes
Es wird angenommen, dass chronische Hyperglykämie die Vermehrung von Kollagen-Crosslinks in der Sehnenscheide stimuliert, was zu einer Verdickung der Beugesehnen führt. Es bleibt unklar, ob eine strengere Blutzuckerkontrolle das Risiko für die Entwicklung eines schnellenden Fingers verringert.(20)
Im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes weisen Patienten mit schnellendem Finger und Diabetes häufiger eine beidseitige oder multiple Beteiligung der Finger auf, zeigen bei der Erstvorstellung schwerwiegendere Symptome und sprechen weniger gut auf Kortikosteroidinjektionen an (etwa 66 % Erfolgsquote gegenüber 90 % bei nicht diabetischen Patienten).(20)
Der schnellende Finger hat eine Reihe von klinischen Erscheinungsformen. Anfänglich können die Patienten ein schmerzloses Klicken bei der Bewegung des Fingers bemerken. Dies kann zu einem schmerzhaften Schnappen oder „Hängenbleiben“ führen, typischerweise an den Metacarpophalangealgelenken (MCP-Gelenken) oder den proximalen Interphalangealgelenken (PIP-Gelenken). Mit fortschreitender Erkrankung kann der Finger zeitweise in Flexion blockieren und eine passive Kraft in die Extension erfordern, um gelöst zu werden. In fortgeschrittenen Fällen kann der Finger in einer gebeugten Position fixiert sein.(9)
Patienten zeigen häufig folgende Symptome:(9)
Bei rezidivierendem schnellendem Finger klagen Patienten möglicherweise über Schmerzen in den Strecksehnen über dem proximalen Interphalangealgelenk (PIP-Gelenk) oder, im Falle des Daumens, dem Interphalangealgelenk (IP-Gelenk), die auf die Anstrengung beim Strecken des Fingers zurückzuführen sind.(22)
Es gibt mehrere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie der schnellende Finger aufweisen und bei der Differenzialdiagnose berücksichtigt werden sollten, darunter:(2)
Die in Tabelle 1 dargestellte Quinnell-Klassifikation kann zur Bewertung des Schweregrads eines schnellenden Fingers herangezogen werden.
| Grad | Klinisches Bild |
|---|---|
| 0 | Normale Bewegung |
| I | Ungleichmäßige Bewegung (sporadisches Schnappen) |
| II | Aktiv korrigierbar |
| III | Passiv korrigierbar |
| IV | Fixierte Fehlstellung |
Die Quinnell-Klassifikation wurde von Green modifiziert, wie in Tabelle 2 dargestellt.
| Grad | Klinische Merkmale |
|---|---|
| I (Prätrigger) | Schmerzen; Blockierung in der Vorgeschichte; druckempfindlich bei Palpation oberhalb des A1-Ringbands |
| II (aktiv) | Nachweisbare Blockierung, aber der Patient kann den Finger aktiv strecken |
| III (passiv) | Nachweisbare Blockierung; erfordert passive Extension (Grad IIIA) zum Lösen oder der Patient ist nicht in der Lage, den Finger aktiv zu beugen (Grad IIIB) |
| IV (Kontraktur) | Fixiert mit Flexionskontraktur des PIP-Gelenks |
Handfunktionstests können ebenfalls zur Untersuchung der Geschicklichkeit und Kraft herangezogen werden:(24)
Zu den relevanten Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) gehören:
Die Diagnose eines schnellenden Fingers stützt sich in erster Linie auf die Anamnese und die klinischen Befunde. In der subjektiven Untersuchung schildern Patienten häufig Symptome wie Schmerzen und/oder ein Schnappen bzw. Blockieren im MCP-Gelenk, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Gegenstände zu greifen und zu halten.(8)(22)
Beobachten Sie die Ruhehaltung der Finger. Der betroffene Finger kann im Vergleich zu den benachbarten Fingern eine veränderte Haltung aufweisen (in stärkerer Flexion oder Extension). Auch sollte notiert werden, ob sich Hinweise für eine Schwellung im Verlauf der Beugesehnenscheide auf Höhe der Handinnenfläche oder der proximalen Phalanx finden.(22)
Palpieren Sie auf Druckempfindlichkeit über dem A1-Ringband an der Grundgliedfurche bzw. an der Furche des Daumengrundgelenks. Bei der Palpation kann eine knotige Verdickung festgestellt werden.(8) Palpieren Sie außerdem das A1-Ringband, während der Patient langsam eine Faust macht und sie wieder öffnet, und achten Sie dabei auf knotige Verdickungen oder Krepitation.(22)
Achten Sie auf ein Schnappen oder eine fixierte Beugekontraktur im PIP-Gelenk, während der Patient die Finger aktiv beugt und streckt. Achten Sie auf ein „Hängenbleiben“, Knacken oder ein plötzliches „Ploppen“, wenn der Finger in die Extension schnappt. Beachten Sie, dass die Symptome morgens oft stärker sind und sich im Laufe des Tages bessern. Bleibt der Finger in der Flexion blockiert, muss er möglicherweise passiv bewegt werden, um wieder in die Extension zu kommen, was schmerzhaft sein kann. Beachten Sie, dass sich in chronischen Fällen eine Kapselkontraktur des PIP- und/oder MCP-Gelenks entwickeln kann.(8)(22)
Die folgenden Videos zeigen zwei Kliniker bei der Untersuchung des schnellenden Fingers:
Mithilfe von Ultraschall lassen sich die Stelle der Einklemmung bestimmen sowie etwaige pathologische Veränderungen der Beugesehne, der Sehnenscheide und des Ringbands feststellen. Häufige Befunde sind: Verdickung des A1-Ringbands, Flüssigkeitsansammlung und Hypertrophie der Sehnenscheide sowie knotige Verdickungen der Beugesehnen.(8) Mithilfe des dynamischen Ultraschalls lässt sich ein Schnappen oder „Hängenbleiben“ zwischen Sehne und Ringbandsystem in Echtzeit feststellen.(8)
Die konservative Behandlung ist die empfohlene Therapie der ersten Wahl für die meisten Patienten mit einem schnellenden Finger, insbesondere bei Fällen im Frühstadium oder seit kurzem bestehenden Fällen.
Im Mittelpunkt der anfänglichen Behandlung steht die Ermittlung und Anpassung von Alltagsaktivitäten, die die Symptome verschlimmern (z. B. Greifen, starke Flexion oder repetitive Bewegungen).(8) Zu den praktischen Empfehlungen gehören Pacing, die Reduzierung von wiederholten Greifbewegungen und der Einsatz ergonomischer Hilfsmittel wie gepolsterte Griffe und Werkzeuge mit größeren Griffen. Auch ein Aufgabenwechsel („Task Rotation“) kann von Vorteil sein.
Schienen bzw. Orthesen sind eine wirksame kurzfristige konservative Behandlung des schnellenden Fingers, die Symptomlinderung und eine funktionelle Verbesserung bewirkt.(28)
Die Schiene zielt darauf ab, die Bewegung der Beugesehne und der Sehnenscheide durch das A1-Ringband zu begrenzen. Schienen für den schnellenden Finger immobilisieren ein Gelenk des betroffenen Fingers (z. B. das MCP-, PIP- oder distale Interphalangealgelenk (DIP-Gelenk)).(29) Am häufigsten werden Schienen verwendet, um das MCP-Gelenk zu blockieren,(29) entweder in neutraler Position oder in leichter Flexion (10–15°).(28) Es besteht jedoch kein Konsens darüber, welches Gelenk eher blockiert werden sollte. In der Praxis kann eine selektive Blockierung jedes einzelnen Gelenks ausprobiert werden, um die Schiene zu ermitteln, die das symptomatische Einklemmen am besten reduziert und gleichzeitig für den Patienten akzeptabel ist.(8)
Die vorgeschlagenen Schemata zur Schienenversorgung variieren, von der ganztägigen bis zur ausschließlichen nächtlichen Anwendung. In den meisten Protokollen wird empfohlen, Schienen mindestens 6 Wochen lang zu tragen, und es gibt Evidenz dafür, dass sich die funktionellen Ergebnisse verbessern, wenn Schienen über einen längeren Zeitraum verwendet werden.(28)
Aktive Sehnengleitübungen und passive Dehnungen sind ein wichtiger Bestandteil der konservativen Behandlung zur Erhaltung der Funktion, können jedoch akute Schmerzen oder Blockierungen allein kaum beheben.(8)
Zu den häufig verordneten Übungen gehören die kleine Faust oder „Haken“ (Handfläche und Fingergrundgelenke werden gestreckt gehalten, der Patient beugt Mittel- und Endgelenke) und das Place-and-Hold (der betroffene Finger wird von der nicht betroffenen Hand passiv in die volle Flexion gebracht).(8)
Manualtherapeutische Ansätze – einschließlich der Weichteilmobilisation der Beugesehnen und der Unterarmmuskulatur, der Gelenkmobilisation und sanfter Dehnungen – können die Übungen ergänzen. Die Dosierung sollte an die Symptome angepasst werden.(8)
Wärme, Ultraschall und Wechselbäder werden manchmal als ergänzende Maßnahmen eingesetzt, um Steifheit zu lindern und die Dehnbarkeit des Gewebes zu verbessern:(8)
Kortikosteroidinjektionen sind eine wirksame Erstbehandlung beim schnellenden Finger.(32) Sie werden in der Regel empfohlen, wenn die Symptome nach 4–6 Wochen konservativer Behandlung nicht abgeklungen sind. Es wird angenommen, dass Kortikosteroidinjektionen die Schwellung des Weichgewebes verringern und so eine verbesserte Beweglichkeit der Beugesehnen ermöglichen. Sie können entweder mit oder ohne Ultraschallführung durchgeführt werden.(8)
Zu den möglichen Komplikationen zählen:(8)
.(8)
Eine Operation ist in der Regel angezeigt, wenn der schnellende Finger nicht erfolgreich konservativ behandelt werden kann. Es besteht jedoch kein Konsens über das optimale Operationsverfahren (z. B. offen, perkutan oder endoskopisch).(33)
Das offene Release gilt nach wie vor als Goldstandard. Dabei wird ein kleiner Schnitt in der Grundgliedfurche, unmittelbar proximal des A1-Ringbands des betroffenen Fingers, vorgenommen. Das A1-Ringband, das während dieses Eingriffs vollständig sichtbar ist, wird gespaltet, und die Sehnen des M. flexor digitorum superficialis und M. flexor digitorum profundus werden entlastet.(34)
Das perkutane Release ist eine minimalinvasive Technik, bei der das A1-Ringband mit einer Nadel oder einer Spezialklinge durch die Haut hindurch durchtrennt wird. Es kann mit oder ohne Ultraschallführung durchgeführt werden, wobei letztere eine Echtzeit-Visualisierung der Sehne und der neurovaskulären Strukturen ermöglicht.(35) Der minimalinvasive Ansatz ist mit einem geringeren Risiko für Wundversagen und Infektionen, einer schnelleren Heilung und einer rascheren Rückkehr zu den gewohnten Aktivitäten verbunden.(36)
Beim endoskopischen Release werden kleinere Schnitte und ein Endoskop zur Darstellung des Gewebes verwendet. Die Genesung nach einem endoskopischen Release kann schneller erfolgen und die Narbenbildung ist geringer.(37)
Die postoperative Nachbehandlung konzentriert sich auf die Wiederherstellung des Bewegungsausmaßes, die Behandlung der Operationsnarbe und die schrittweise Wiederaufnahme der Aktivitäten.
Sobald die Wunde vollständig verschlossen ist, können Maßnahmen zur Narbenbehandlung, wie beispielsweise das nächtliche Tragen von Silikon-Narbenpflastern und sanfte Narbenmassagen, eingeführt werden.
Aktive Bewegungsübungen tragen dazu bei, die Seilengleitfähigkeit aufrechtzuerhalten und Steifheit zu verhindern. Die Dosierung sollte individuell angepasst werden, muss jedoch stets den Vorgaben des Operateurs entsprechen. Zu den häufig angewendeten Übungen gehören:(12)