Es wird davon ausgegangen, dass eine wirksame Kommunikation in der Gesundheitsversorgung spezifische Vorteile für die Patienten hat, wie z. B. die Verringerung von Schmerzen und Ängsten, die Erhöhung der Zufriedenheit, die Verbesserung der Vitalparameter und der Behandlungsergebnisse sowie eine stärkere Beteiligung an den Interventionen.(1) In einem erfolgreichen zweiseitigen Dialog zwischen Leistungserbringer und Patient sprechen beide Parteien frei und werden ohne Unterbrechung gehört. Beide Parteien sollten in der Lage sein, Fragen zur Klärung zu stellen und gleichzeitig offen ihre Meinung zu äußern.
Da eine patientenzentrierte Kommunikation positive gesundheitliche Ergebnisse fördern kann, müssen Leistungserbringer auf jeden Patienten eingehen und seine individuellen Bedürfnisse berücksichtigen. Es ist notwendig, unterschiedliche Kulturen, Sprachen, Werte und Überzeugungen im Umgang mit Patienten anzuerkennen und zu berücksichtigen. Leistungserbringer müssen auf persönliche Werte und Überzeugungen achten, die die Kommunikation mit den Patienten behindern könnten(2) sowie über ihre impliziten Biases nachdenken, die die Patientenversorgung und -kommunikation beeinträchtigen könnten.
„Implizite Biases sind Assoziationen auf unbewusster Ebene, die zu einer negativen Bewertung einer Person aufgrund irrelevanter Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlecht führen.“(3)
Implizite Biases (aus dem Englischen „implicit bias“, etwa: unbewusste Voreingenommenheit) sind unbewusst und können sich auf die Kommunikation mit dem Patienten und das Niveau der Versorgung auswirken. Da wir uns dieser kognitiven Verzerrungen nicht bewusst sind, brauchen wir Selbstreflexion, Selbstbeobachtung und Bewusstheit, um sie anzugehen. (4)
Die implizite Biases eines Klinikers können sich negativ auf die Patientenversorgung auswirken(5) indem sie die zwischenmenschliche Kommunikation und die Behandlungsentscheidungen beeinflussen, was wiederum zu Misstrauen und mangelndem Engagement des Patienten führt, was wiederum eine schlechte Therapietreue und weniger erfolgreiche Ergebnisse zur Folge hat.(6)
Werte werden beschrieben als „abstrakte, kontextunabhängige und stabile Ziele, die Menschen im Leben anstreben“.(7) Sie sind grundlegende Überzeugungen, die die Einstellungen, Verhaltensweisen, Interessen und Bedürfnisse eines Menschen prägen. Sie definieren, was wir für richtig, gut, moralisch und wünschenswert halten.(8)
Werte bestimmen die Wahrnehmung, das Verhalten und die Einstellung der Menschen. Sie sind zwar mit Normen, Einstellungen und Überzeugungen verbunden, unterscheiden sich aber auch von ihnen.(7) Werte sind relativ stabil, aber wie Russo et al.(9) bemerken, können sie sich im Laufe der Zeit spontan oder freiwillig als Reaktion auf eine bestimmte Intervention ändern.
Beispiele für Werte sind Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Stolz, finanzielle Stabilität, Altruismus, Gesundheit, Transparenz, Respekt usw.(8)
Shalom Schwartz hat in seiner „Theory of Basic Human Values“ zehn grundlegende Wertetypen ermittelt, die jeweils durch ein anderes Motivationsziel gekennzeichnet sind.(8)(9)
Aus diesen zehn Wertetypen entwickelte Schwartz vier Unterkategorien.(8)
Während Werte festlegen, was Menschen für wichtig halten und welche Ziele sie verfolgen wollen, bestimmen Überzeugungen, was Menschen für wahr halten und wie sie ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Überzeugungen bieten eine „kausale Erklärung für beobachtetes Verhalten und wahrgenommene individuelle Unterschiede“.(7) Stereotype und Vorurteile sind spezifische Verhaltensweisen und kognitive Tendenzen, die mit Überzeugungen verbunden sind.(7)
Leistungserbringer im Gesundheitswesen müssen sich darüber im Klaren sein, dass ihre Wertvorstellungen und Überzeugungen einer effektiven Patientenkommunikation im Wege stehen können. Leistungserbringer, die ihre persönlichen Eigenschaften und Perspektiven durch Selbstreflexion untersuchen und erforschen, erhalten Einblicke, wie sie sich in Zukunft verbessern können.(10)
Um den Prozess der Reflexion zu beginnen, müssen wir uns an unsere eigenen Erfahrungen erinnern, sie überdenken und neu bewerten.(1) Die bewusste Reflexion von Handlungen, Emotionen und Erfahrungen ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, unsere Wissensbasis zu erweitern und kontextbezogene Veränderungen vorzunehmen.(10) Reflektierendes Denken sollte erlernt und kontinuierlich als Teil des professionellen Verhaltens und der Professionalität bei der klinischen Leistung eingesetzt werden.(1)
Neben der Selbstreflexion über Werte und Überzeugungen sollten sich Leistungserbringer im Gesundheitswesen auch anderer physiologischer Signale bewusst sein, die sie möglicherweise zeigen und die die Interaktion mit einem Patienten beeinflussen könnten. Leistungserbringer sollten auf ihre aktuellen Emotionen, Gedanken und nonverbalen und physiologischen Signale achten, die eine gute Kommunikation mit dem Patienten unterbrechen könnten. Die folgende Tabelle enthält Beispiele für reflektierendes Denken, das Leistungserbringer im Gesundheitswesen vor einer Patienteninteraktion ausprobieren können.
| Reflektierte Praxis | |
| Gefühle und Emotionen |
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| Gedanken |
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| Nonverbale Hinweise |
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| Physiologische Auslöser |
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| Umweltbedingte Auslöser |
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Kliniker können verschiedene Methoden anwenden, um zu lernen, wie sie Selbstreflexion in ihre Praxis einbauen können. Die folgenden Maßnahmen können bei der Selbstreflexion helfen: