Selbstreflexion in der Kommunikation

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Marissa Fourie
Top-Beitragende Robin Tacchetti, Jess Bell und Tarina van der Stockt

Einleitung(edit | edit source)

Es wird davon ausgegangen, dass eine wirksame Kommunikation in der Gesundheitsversorgung spezifische Vorteile für die Patienten hat, wie z. B. die Verringerung von Schmerzen und Ängsten, die Erhöhung der Zufriedenheit, die Verbesserung der Vitalparameter und der Behandlungsergebnisse sowie eine stärkere Beteiligung an den Interventionen.(1) In einem erfolgreichen zweiseitigen Dialog zwischen Leistungserbringer und Patient sprechen beide Parteien frei und werden ohne Unterbrechung gehört. Beide Parteien sollten in der Lage sein, Fragen zur Klärung zu stellen und gleichzeitig offen ihre Meinung zu äußern.

Da eine patientenzentrierte Kommunikation positive gesundheitliche Ergebnisse fördern kann, müssen Leistungserbringer auf jeden Patienten eingehen und seine individuellen Bedürfnisse berücksichtigen. Es ist notwendig, unterschiedliche Kulturen, Sprachen, Werte und Überzeugungen im Umgang mit Patienten anzuerkennen und zu berücksichtigen. Leistungserbringer müssen auf persönliche Werte und Überzeugungen achten, die die Kommunikation mit den Patienten behindern könnten(2) sowie über ihre impliziten Biases nachdenken, die die Patientenversorgung und -kommunikation beeinträchtigen könnten.

Implizite Biases ( edit | edit source )

„Implizite Biases sind Assoziationen auf unbewusster Ebene, die zu einer negativen Bewertung einer Person aufgrund irrelevanter Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlecht führen.“(3)

Implizite Biases (aus dem Englischen „implicit bias“, etwa: unbewusste Voreingenommenheit) sind unbewusst und können sich auf die Kommunikation mit dem Patienten und das Niveau der Versorgung auswirken. Da wir uns dieser kognitiven Verzerrungen nicht bewusst sind, brauchen wir Selbstreflexion, Selbstbeobachtung und Bewusstheit, um sie anzugehen. (4)

Die implizite Biases eines Klinikers können sich negativ auf die Patientenversorgung auswirken(5) indem sie die zwischenmenschliche Kommunikation und die Behandlungsentscheidungen beeinflussen, was wiederum zu Misstrauen und mangelndem Engagement des Patienten führt, was wiederum eine schlechte Therapietreue und weniger erfolgreiche Ergebnisse zur Folge hat.(6)

Werte(edit | edit source)

Werte werden beschrieben als „abstrakte, kontextunabhängige und stabile Ziele, die Menschen im Leben anstreben“.(7) Sie sind grundlegende Überzeugungen, die die Einstellungen, Verhaltensweisen, Interessen und Bedürfnisse eines Menschen prägen. Sie definieren, was wir für richtig, gut, moralisch und wünschenswert halten.(8)

Werte bestimmen die Wahrnehmung, das Verhalten und die Einstellung der Menschen. Sie sind zwar mit Normen, Einstellungen und Überzeugungen verbunden, unterscheiden sich aber auch von ihnen.(7) Werte sind relativ stabil, aber wie Russo et al.(9) bemerken, können sie sich im Laufe der Zeit spontan oder freiwillig als Reaktion auf eine bestimmte Intervention ändern.

Beispiele für Werte sind Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Stolz, finanzielle Stabilität, Altruismus, Gesundheit, Transparenz, Respekt usw.(8)

Zehn Grundwerte ( edit | edit source )

Shalom Schwartz hat in seiner „Theory of Basic Human Values“ zehn grundlegende Wertetypen ermittelt, die jeweils durch ein anderes Motivationsziel gekennzeichnet sind.(8)(9)

  1. Macht: Dominanz über Ressourcen und Personen, sozialer Status
  2. Leistung: Persönlicher Erfolg entsprechend sozialer Standards
  3. Hedonismus: Vergnügen und sinnliche Erfüllung für sich selbst
  4. Stimulation: Neues, Herausforderung oder Aufregung
  5. Selbstbestimmung: Unabhängiges Denken und Handeln
  6. Universalismus: Verständnis, Wertschätzung, Toleranz sowie Schutz des Wohlergehens aller Menschen und der Natur
  7. Humanismus: Sich dem Wohlbefinden nahestehender Menschen widmen
  8. Tradition: Verpflichtung und Respekt gegenüber Bräuche und Traditionen, die durch die eigene Kultur oder Religion vorgegeben werden
  9. Konformität: Zügelung und Einschränkung von Handlungen, die möglicherweise anderen Menschen schaden oder gegen soziale Erwartungen oder Normen verstoßen
  10. Sicherheit: Stabilität und Sicherheit für die Gesellschaft, Beziehungen und sich selbst(9)

Verhältnis der Werte zueinander ( edit | edit source )

Aus diesen zehn Wertetypen entwickelte Schwartz vier Unterkategorien.(8)

  1. Offenheit für Wandel, die Folgendes umfasst:
    • Hedonismus, Stimulation und Selbstbestimmung
  2. Bewahrung des Bestehenden, die Folgendes umfasst:
    • Sicherheit
    • Konformität
    • Tradition
  3. Selbstüberwindung, die Folgendes umfasst:
    • Universalismus
    • Humanismus
  4. Selbststärkung, die Folgendes umfasst:
    • Leistung
    • Macht

Überzeugungen(edit | edit source)

Während Werte festlegen, was Menschen für wichtig halten und welche Ziele sie verfolgen wollen, bestimmen Überzeugungen, was Menschen für wahr halten und wie sie ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Überzeugungen bieten eine „kausale Erklärung für beobachtetes Verhalten und wahrgenommene individuelle Unterschiede“.(7) Stereotype und Vorurteile sind spezifische Verhaltensweisen und kognitive Tendenzen, die mit Überzeugungen verbunden sind.(7)

  • Von Stereotypisierung spricht man, wenn wir einer Gruppe bestimmte Eigenschaften zuschreiben und zuordnen. Es ist das Bild, das einem in den Sinn kommt, wenn man an eine bestimmte soziale Gruppe denkt.(8)
  • Ein Vorurteil ist eine (häufig negative) Einstellung, die eine Gesamtbewertung einer Gruppe widerspiegelt.(8)
  • Diskriminierung ist ein vorurteilsbehaftetes Verhalten gegenüber einer Gruppe oder ihren Mitgliedern und deren Behandlung auf der Grundlage Ihrer Überzeugungen über diese Gruppe.(8)

Selbstreflexion(edit | edit source)

Leistungserbringer im Gesundheitswesen müssen sich darüber im Klaren sein, dass ihre Wertvorstellungen und Überzeugungen einer effektiven Patientenkommunikation im Wege stehen können. Leistungserbringer, die ihre persönlichen Eigenschaften und Perspektiven durch Selbstreflexion untersuchen und erforschen, erhalten Einblicke, wie sie sich in Zukunft verbessern können.(10)

Um den Prozess der Reflexion zu beginnen, müssen wir uns an unsere eigenen Erfahrungen erinnern, sie überdenken und neu bewerten.(1) Die bewusste Reflexion von Handlungen, Emotionen und Erfahrungen ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, unsere Wissensbasis zu erweitern und kontextbezogene Veränderungen vorzunehmen.(10) Reflektierendes Denken sollte erlernt und kontinuierlich als Teil des professionellen Verhaltens und der Professionalität bei der klinischen Leistung eingesetzt werden.(1)

Neben der Selbstreflexion über Werte und Überzeugungen sollten sich Leistungserbringer im Gesundheitswesen auch anderer physiologischer Signale bewusst sein, die sie möglicherweise zeigen und die die Interaktion mit einem Patienten beeinflussen könnten. Leistungserbringer sollten auf ihre aktuellen Emotionen, Gedanken und nonverbalen und physiologischen Signale achten, die eine gute Kommunikation mit dem Patienten unterbrechen könnten. Die folgende Tabelle enthält Beispiele für reflektierendes Denken, das Leistungserbringer im Gesundheitswesen vor einer Patienteninteraktion ausprobieren können.

Reflektierte Praxis
Gefühle und Emotionen
  • Denken Sie an Ihre aktuellen Gefühle: Sind Sie frustriert, wütend, traurig oder glücklich?
  • Ein Gespür für die eigenen Emotionen vor einer Interaktion mit dem Patienten kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden
Gedanken
  • Haben Sie grübelnde Gedanken?
  • Es kann schwierig sein, einen Gedanken zu stoppen, der in Ihren Kopf eindringt
  • Achten Sie auf diesen Gedanken und versuchen Sie, ihn zu unterdrücken, wenn Sie bei einem Patienten sind
Nonverbale Hinweise
  • Veranlassen Ihre aktuellen Gefühle, Emotionen und Gedanken Sie zu nonverbalen Hinweisen?
  • Achten Sie auf alle nonverbalen Signale, die Sie möglicherweise von sich geben
Physiologische Auslöser
  • Versucht Ihr Körper, Ihnen etwas zu sagen? Hunger, Traurigkeit, Müdigkeit, etc.
  • Physiologische Hinweise können Sie dazu veranlassen, nonverbale Hinweise zu geben
  • Achten Sie auf physiologische Signale und darauf, wie diese Ihre nonverbalen Signale beeinflussen können
Umweltbedingte Auslöser
  • Beeinträchtigen bestimmte Auslöser in der Umwelt Ihre Fähigkeit zuzuhören?
  • Achten Sie auf subtile Auslöser wie üble Gerüche, helles Licht und piepende Maschinen, die Ihre Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigen können

(11)

Selbstreflexion in der Praxis ( edit | edit source )

Kliniker können verschiedene Methoden anwenden, um zu lernen, wie sie Selbstreflexion in ihre Praxis einbauen können. Die folgenden Maßnahmen können bei der Selbstreflexion helfen:

  1. Nehmen Sie an einem Achtsamkeitstraining teil oder üben Sie die Achtsamkeit, um Ihre Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung zu fördern
  2. Nehmen Sie an einem Fortbildungskurs teil, bei dem Reflexion und Selbsteinschätzung im Mittelpunkt stehen
  3. Beginnen Sie mit expressivem Schreiben, um Ihr Reflexionsvermögen und Ihre Fähigkeit zur kritischen Analyse zu verbessern(12)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 Pangh B, Jouybari L, Vakili MA, Sanagoo A, Torik A. The effect of reflection on nurse-patient communication skills in emergency medical centers. Journal of caring sciences. 2019 Jun;8(2):75.
  2. Kwame A, Petrucka PM. A literature-based study of patient-centered care and communication in nurse-patient interactions: barriers, facilitators, and the way forward. BMC nursing. 2021 Dec;20(1):1-0.
  3. FitzGerald C, Hurst S. Implicit bias in healthcare professionals: a systematic review. BMC medical ethics. 2017 Dec;18(1):1-8
  4. Bouley TM, Reinking AK. Implicit Bias: An Educator’s Guide to the Language of Microaggressions. Rowman & Littlefield; 2021 Nov 14
  5. Dunn B, Mcintosh J, Ray L, McCarty D. The Prevalence of Implicit Bias in Practicing Physical Therapists. Carolina Journal of Interdisciplinary Medicine. 2022 Dec 19;2(1)
  6. Blair IV, Steiner JF, Havranek EP. Unconscious (implicit) bias and health disparities: where do we go from here?. The Permanente Journal. 2011;15(2):71.
  7. 7.0 7.1 7.2 7.3 Kesberg R, Keller J. Personal values as motivational basis of psychological essentialism: An exploration of the value profile underlying essentialist beliefs. Personality and Individual Differences. 2021 Mar 1;171:110458.
  8. 8.0 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 Fourie M. Self-Reflection in Communication Course. Plus, 2023.
  9. 9.0 9.1 9.2 Russo C, Danioni F, Zagrean I, Barni D. Changing personal values through value-manipulation tasks: a systematic literature review based on Schwartz’s theory of basic human values. European Journal of Investigation in Health, Psychology and Education. 2022 Jun 28;12(7):692-715.
  10. 10.0 10.1 Anderson B. Reflecting on the communication process in health care. Part 1: clinical practice—breaking bad news. British Journal of Nursing. 2019 Jul 11;28(13):858-63.
  11. Lapum, J., St-Amant, O., Hughes, M., Garmaise-Yee, J. and Lee, C., 2020. Introduction to communication in nursing.
  12. Medical Indemity Protection Society. AHPRA – Self-reflection is good healthcare practice. 2021. Available from: https://support.mips.com.au/home/ahpra-self-reflection-is-good-healthcare-practice


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