Menschen reagieren auf Verletzungen oder Krankheiten mit einer Vielzahl von emotionalen Reaktionen. Diese Reaktionen können sich erheblich auf die Mitarbeit einer Person bei der Behandlung, ihren Fortschritt und die Ergebnisse auswirken. Das Verständnis dieser Reaktionen ermöglicht es Gesundheitsdienstleistern, eine umfassende und einfühlsame Versorgung anzubieten. Die Fähigkeit, psychologische Barrieren und Förderfaktoren der Rehabilitation zu erkennen, hilft den Angehörigen der Gesundheitsberufe, effektive therapeutische Beziehungen aufzubauen und Patienten auf ihrem möglicherweise schwierigen Weg der Rehabilitation zu unterstützen. Diese positiven Beziehungen können die Rehabilitationsergebnisse und die Lebensqualität verbessern.
Dieser Artikel stellt häufige psychologische Reaktionen auf Trauma oder Krankheit vor und untersucht, wie Rehabilitationsfachleute psychologische Unterstützung leisten können. Es werden auch spezifische psychologische Interventionen hervorgehoben, die Patienten bei der Bewältigung von Veränderungen in ihrer Lebenssituation helfen können.
Rehabilitation ist „eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, die Funktionsfähigkeit von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung zu optimieren und ihre Behinderung zu verringern”.(1)
Die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Rehabilitation „spiegelt einen ganzheitlichen Ansatz wider, der sich nicht nur mit den körperlichen Beeinträchtigungen (….) befasst, sondern auch mit den psychologischen Herausforderungen, mit denen die Patienten konfrontiert sein können“.(2)
Psychologische Betreuung und Unterstützung sind in allen Einrichtungen, die Dienstleistungen im Zusammenhang mit Rehabilitation anbieten, unerlässlich.(3) Interventionen im Rahmen einer Rehabilitation können vielfältig sein und deren Ergebnisse hängen von der psychischen Antwort einer Person auf die Behinderung oder Verletzung ab. Therapeutische Interventionen sollten sich auf die Verbesserung des Wohlbefindens ausrichten, indem sie personbezogene und Umweltfaktoren berücksichtigen und Beeinträchtigungen, Einschränkungen und Limitierungen in Bezug auf Mobilität, Aktivitäten des täglichen Lebens, Kommunikation und Kognition berücksichtigen.
„Viele Menschen, vielleicht sogar die meisten Menschen, erleben eine Reihe von emotionalen Reaktionen nach einer Verletzung oder Diagnose, die sie in eine Rehabilitationseinrichtung führt.“ — Dr. Arthur Pearce(2)
Die emotionalen Auswirkungen einer Verletzung oder Krankheit können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.(2) Die Anpassung an eine neue Situation oder eine veränderte Funktion kann eine Herausforderung darstellen.(2) Die Patienten können eine Reihe von Emotionen erleben, von Ungläubigkeit bis hin zu Erschöpfung, Verwirrung, Traurigkeit, Angst, Erregung, Taubheit, Dissoziation, Frustration, Wut usw.(4) Bei manchen Menschen können sich diese Emotionen zu komplexeren, langfristigen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Schlafmangel oder Gedächtnisproblemen entwickeln.
„Depressive Störungen (auch bekannt als Depressionen) sind eine häufige psychische Erkrankung. Sie äußern sich in einer anhaltend gedrückten Stimmung oder einem Verlust der Freude oder des Interesses an Aktivitäten über einen längeren Zeitraum.“(5)
Depressionen treten häufig bei Menschen auf, die schwere Verletzungen erlitten haben. Depressionen können die Motivation verringern, was sich auf die Mitarbeit und Beteiligung einer Person in der Therapie auswirkt. Folglich sind sie mit schlechteren Ergebnissen und einer verminderten Lebensqualität verbunden.(2)
Spezifische Beispiele:
„Niedergeschlagenheit bezeichnet in der Regel einen vorübergehenden Zustand der Traurigkeit oder Antriebslosigkeit, der als Reaktion auf Lebensereignisse oder Stress auftreten kann, denen wir alle ausgesetzt sind.“(2)
Es ist normal, dass Menschen Phasen der Niedergeschlagenheit durchleben, insbesondere wenn sie mit körperlichen Symptomen oder Rückschlägen in der Rehabilitation zu kämpfen haben. Dies tritt besonders häufig nach lebensverändernden Gesundheitsereignissen mit langfristigen Auswirkungen auf.
„Angst ist ein Gefühl, das durch Anspannung, besorgte Gedanken und körperliche Veränderungen wie erhöhten Blutdruck gekennzeichnet ist.“(9)
Angststörungen sind ein weiteres häufiges psychisches Problem.(10) Ängste können viele Formen annehmen, darunter übermäßige Sorgen um die Zukunft und eine übermäßige Angst vor erneuten Verletzungen, besonders im Rahmen der Rehabilitation.(2) Angststörungen können die Lebensqualität beeinträchtigen. Menschen mit Angststörungen können Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, und ihre Angst kann ihre Schmerzen verschlimmern.
Spezifische Beispiele:
„Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychiatrische Störung, die durch das Erleben oder Beobachten von traumatischen oder potenziell lebensbedrohlichen Ereignissen verursacht wird und die aufgrund von globalen Konflikten, Naturkatastrophen und häuslicher Gewalt immer häufiger auftritt.“(13)
Patienten, die sich von plötzlichen oder lebensbedrohlichen Ereignissen erholen, können eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Es gibt auch Evidenz für einen Zusammenhang zwischen PTBS und schweren altersbedingten Krankheiten.(14) Zu den Symptomen gehören Flashbacks, Vermeidungsverhalten, übermäßige Wachsamkeit und Gedächtnisprobleme. Diese können den Rehabilitationsfortschritt negativ beeinflussen, da emotionale Belastungen die Mitwirkung an der Therapie hemmen können. PTBS hat erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben und muss von entsprechend geschultem medizinischem Fachpersonal behandelt werden.(13)
Weitere Informationen über Faktoren, die die psychologischen Reaktionen nach einer traumatischen Verletzung oder Krankheit beeinflussen, finden Sie unter: Stressreaktion nach schwerer Verletzung oder Krankheit: Ein biopsychosozialer Ansatz.
Ausreichender Schlaf ist entscheidend für die kognitiven Funktionen, die emotionale Regulation, die körperliche Erholung und das allgemeine Wohlbefinden. Schlafmangel kann Schmerzen verstärken, die Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen und das Risiko für Depressionen und Angststörungen erhöhen. Es besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Schlaf und emotionalem Wohlbefinden bzw. psychischer Gesundheit: Schlechter Schlaf kann die psychische Gesundheit verschlechtern, und eine schlechte psychische Gesundheit kann den Schlaf verschlechtern.(15) Schlaf ist daher ein wichtiger Faktor im Gesundheits- und Rehabilitationsbereich.
Spezifische Beispiele:
Stress kann die Fähigkeit einer Person beeinträchtigen, Informationen zu verarbeiten und abzurufen. Stress kann die Fähigkeit einer Person beeinträchtigen, Informationen zu verarbeiten und abzurufen. Die durch Stress ausgelöste Ausschüttung von Cortisol wirkt sich direkt auf die Gehirnstrukturen aus, die für die Kodierung, Speicherung und den Abruf von Informationen sowie für emotionale Prozesse zuständig sind.(18) Gedächtnisprobleme sind in der Rehabilitation von Bedeutung, wo das Abrufen von Informationen wichtig ist.(2)
Medizinisches Fachpersonal spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der psychischen Gesundheit seiner Patienten. Je nach ihrem Tätigkeitsbereich können Fachkräfte folgende Aufgaben übernehmen: (1) Beurteilung psychologischer Faktoren, (2) Anerkennung des Verlustgefühls eines Patienten, (3) Umsetzung psychologischer Interventionen zur Verbesserung psychologischer Faktoren, (4) emotionale Unterstützung während des gesamten Rehabilitationsprozesses und (5) Edukation von Familienangehörigen und anderen Personen, die an der Versorgung des Patienten beteiligt sind.(2)
Die folgenden Abschnitte befassen sich mit der Rolle der Angehörigen der Gesundheitsberufe bei der Unterstützung von Patienten, die aufgrund einer Behinderung oder Verletzung mit psychischen Problemen konfrontiert sind.
Ein umfassendes psychologisches Assessment ist für die Beurteilung der psychischen Gesundheit einer Person von entscheidender Bedeutung. Zu den zu beachtenden psychologischen Faktoren gehören: Rückzug, Stress, Ess- und Schlafstörungen und in schweren Fällen Selbstverletzung. Kliniker müssen ihren Tätigkeitsbereich kennen und bei Bedarf Spezialisten hinzuziehen.(2)
Spezifisch in Bezug auf die Rehabilitation ist es wichtig, die psychologischen und emotionalen Aspekte des Schmerzerlebens eines Patienten zu identifizieren. Es ist auch wichtig, die Auswirkungen von Schmerzkatastrophisierung, Selbstwirksamkeit, Resilienz, Kontrollüberzeugung, Depression und Angst auf das Wohlbefinden einer Person zu erkennen.
Aktuelle Diagnosemethoden, Behandlungen und Gesundheitssysteme können Einfluss darauf haben, welche klinischen Skalen während des Assessments und bei der Behandlungsplanung verwendet werden.(19) Die folgenden Assessment-Tools können in der klinischen Praxis verwendet werden, um psychische Probleme zu erkennen.(2)
Der PHQ-9 (Patient Health Questionnaire-9) dient dem Screening auf Depressionen. Ein Wert von 5-9 weist auf eine leichte oder unterschwellige depressive Störung hin, 10-14 auf eine mittelschwere depressive Störung, 15-19 auf eine ausgeprägte depressive Störung und 20 oder mehr auf eine schwere depressive Störung.
Der GAD-7 (Generalised Anxiety Disorder-7) wird zur Erfassung von Angststörungen und für die Beurteilung der Symptomschwere von Ängstlichkeit verwendet. Ein Wert von 5-9 deutet auf mild ausgeprägte Angstsymptomatik hin, 10-14 auf mittelgradig ausgeprägte Angstsymptomatik und 15 oder mehr auf eine schwer ausgeprägte Angstsymptomatik.
Der IES-R (Impact of Events Scale-Revised) misst Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Wert von 24–32 weist auf leichte PTBS-Symptome hin, 33–38 auf mittelschwere Symptome und 39 oder mehr auf schwere PTBS-Symptome und wahrscheinlich klinische Bedenken.
Medizinische Fachkräfte sollten das tiefe Gefühl des Verlusts anerkennen, das Patienten empfinden können, wenn sie mit Funktionsveränderungen umgehen müssen oder einen Identitätsverlust spüren. Sie sollten Patienten während ihrer gesamten Rehabilitation verstehen und unterstützen. Soft Skills wie aktives Zuhören, Reflektieren, Fragen stellen und Empathie zeigen ermöglichen es Angehörigen der Gesundheitsberufe, die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse eines Patienten während der Genesung zu unterstützen.(2)
„In der Gesundheitsversorgung ist (aktives) Zuhören unerlässlich für gegenseitiges Engagement und andere Beziehungsergebnisse, die den Klienten dazu motivieren, seine Ziele zu verfolgen.“(20)
Aktives Zuhören verlangt vom Zuhörer, dass er dem Sprecher seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Der Zuhörer muss präsent sein und Interesse zeigen. Dies kann erreicht werden, indem man sich auf den Sprecher konzentriert, Augenkontakt herstellt, nickt, lächelt und Unterbrechungen vermeidet.(2)
Wenn wir reflektieren, paraphrasieren wir das, was der Patient gesagt hat, indem wir die wichtigsten Punkte seiner Aussage in gekürzter Form wiederholen und dabei einige seiner eigenen Worte verwenden.(21) Ein Beispiel für das Reflektieren könnte wie folgt aussehen: „Es klingt, als würden Sie sich unmotiviert fühlen, weil Sie glauben, dass Sie Ihren Arm trotz unserer Bemühungen nie wieder benutzen können.“ Das Reflektierende Zuhören zeigt dem Patienten, dass er gehört und verstanden wurde. Außerdem kann der Kliniker dadurch sein Verständnis überprüfen und sicherstellen, dass die Sorgen des Patienten richtig interpretiert wurden.(2)
Wenn Sie Patienten durch behutsame Fragen dazu ermutigen, mehr von sich preiszugeben, können Sie ihnen helfen, negative Gedanken über ihre Behandlung zu hinterfragen und ihre Beteiligung an der Rehabilitation zu fördern. Wenn Sie beispielsweise Patienten nach ihren Fortschritten fragen oder danach, was ihnen am meisten Schwierigkeiten bereitet hat, können Sie wertvolle Erkenntnisse für die medizinische Versorgung gewinnen.(2)
„Empathie in der Patientenversorgung bedeutet, die Emotionen (des Patienten) anzuerkennen und zu würdigen und eine partnerschaftliche Beziehung aufzubauen.“(22)
Empathie kann erreicht werden, indem man den Anliegen des Patienten aktiv zuhört und Verständnis zeigt, bevor man Informationen oder Ratschläge gibt.(22) Indem sie die Bedeutung der vom Patienten gestellten Fragen erkennen und respektvolle Antworten geben, können Angehörige der Gesundheitsberufe Empathie zeigen und eine starke Grundlage für die Mitarbeit und die Motivation der Patienten schaffen. Dieser patientenzentrierte Ansatz sorgt dafür, dass sich der Patient während seiner gesamten Betreuung unterstützt und gestärkt fühlt.(22)
Wenn Sie mehr über die sechs Schritte der empathischen Kommunikation erfahren möchten, lesen Sie bitte: Einsatz von Empathie in der Kommunikation.
In den folgenden Abschnitten wird eine Reihe von allgemeinen und spezialisierten Interventionen vorgestellt, die in der Rehabilitation von Nutzen sein können.
Bei der Unterstützung der psychischen Bedürfnisse eines Patienten ist stets zu beachten, dass medizinisches Fachpersonal innerhalb seines Tätigkeitsbereichs arbeiten muss. Wenn ein Patient mit Problemen konfrontiert ist, die über Ihren Tätigkeitsbereich und Ihr Fachgebiet hinausgehen, müssen Sie ihn an einen Spezialisten überweisen.(2)
Medizinische Fachkräfte können Anpassungen an der Umgebung eines Patienten vornehmen, um dessen Komfort und Schlafqualität zu verbessern. In stationären Einrichtungen können medizinische Fachkräfte die Bettwäsche eines Patienten wechseln, die Beleuchtung im Zimmer anpassen und den Geräuschpegel regulieren.(2) Die Festlegung eines regelmäßigen Schlafplans und einer entspannenden Schlafenszeitroutine ist ebenfalls entscheidend für die Schlafqualität.
Zusätzliche Ermutigung kann Patienten stärken und unterstützen. Die Ermutigung zu kleinen, erreichbaren Schritten, die Würdigung der Gefühle der Patienten, die Förderung von Selbstmitgefühl, Geduld und Verständnis können Vertrauen aufbauen, Negativität reduzieren und das Engagement der Patienten in der Therapie aufrechterhalten.
Medizinische Fachkräfte können Patienten einfache Entspannungstechniken wie tiefes Atmen und progressive Muskelentspannung beibringen, um ihnen zu helfen, sich zu entspannen und mit Stress umzugehen.
Es gibt eine Reihe spezialisierter psychologischer Interventionen, die Rehabilitationspatienten zugute kommen können. Diese Interventionen erfordern eine spezielle Ausbildung. Patienten mit erheblichen psychischen Problemen müssen von ausgebildeten Fachkräften für psychische Gesundheit untersucht werden.
Kognitive Verhaltenstherapie Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine gängige Behandlungsmethode für eine Reihe von psychischen Erkrankungen. Sie ist wirksam, um Schmerzkatastrophisierung zu reduzieren, Selbstwirksamkeit zu steigern, eine interne Kontrollüberzeugung (siehe unten) zu fördern und Schlafstörungen zu behandeln. Die KVT hilft einer Person, negative Gedanken und Verhaltensweisen anzugehen und zu ändern, emotionale Belastungen zu reduzieren und die Bewältigungsstrategien zu verbessern. Spezifische Formen der KVT zielen auf unterschiedliche Arten von Problemen ab.
Dieses optionale Video zeigt eine kurze Interaktion zwischen einem Patienten mit Depressionen und einem Therapeuten, der KVT anwendet:
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist eine Form der Psychotherapie, die Menschen dabei helfen kann, mit schwierigen Gedanken und Gefühlen nach lebensverändernden Verletzungen oder Unfällen umzugehen. Dies ist wichtig, da diese Gedanken den Fortschritt der Rehabilitation negativ beeinflussen können. Die ACT besteht aus sechs Kernaspekten, wie im folgenden Hexaflex-Modell dargestellt (siehe Abbildung 1).(24)
Das folgende optionale Video erklärt die sechs Kernprozesse der ACT:
Die emotionale Unterstützung der Patienten während des gesamten Rehabilitationsprozesses ist von entscheidender Bedeutung, insbesondere für Patienten mit psychischen Problemen wie Niedergeschlagenheit und Schmerzkatastrophisierung. Gesundheitsdienstleister sollten maßgeschneiderte Unterstützung durch aktives Zuhören anbieten, um die therapeutischen Ergebnisse zu verbessern.
Um diese individuelle Unterstützung leisten zu können, müssen sie sich der psychologischen Barrieren und Förderfaktoren bewusst sein, die sich auf die Mitarbeit ihrer Patienten bei der Rehabilitation auswirken.
Zu den Barrieren bei der Rehabilitation können Schmerzkatastrophisierung und die Auswirkungen von Traumata gehören. Zu den Förderfaktoren können Selbstwirksamkeit, Resilienz und eine interne Kontrollüberzeugung gehören.
Schmerzkatastrophisierung ist „eine übertriebene negative Einstellung, die während der tatsächlichen oder erwarteten Schmerzerfahrung zum Tragen kommt“(26) oder eine „übertriebene Einschätzung der Bedrohung durch die eigenen Symptome“.(27)
Schmerzkatastrophisierung ist gekennzeichnet durch eine Übertreibung der schmerzbezogenen Gedanken und die Unfähigkeit, diese zu bewältigen. Sie ist mit Gefühlen der Hilflosigkeit verbunden und die Patienten sagen oft negative Ergebnisse voraus oder nehmen sie vorweg. Ein hohes Maß an Schmerzkatastrophisierung ist mit einer erhöhten Schmerzintensität, emotionaler Belastung und Behinderung verbunden.(2)
Die Pain Catastrophizing Scale ist ein weit verbreitetes Instrument zur Messung des katastrophalen Denkens im Zusammenhang mit Schmerzen.(28)
Psychische Traumata, insbesondere belastende Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences, ACEs), haben erhebliche Auswirkungen auf die Rehabilitation. Ein traumainformierter Ansatz in der Versorgung ist von entscheidender Bedeutung, da er Sicherheit und Vertrauen in den Vordergrund stellt. Er fördert aktives Zuhören und berücksichtigt die Auswirkungen von Traumata. Medizinische Fachkräfte müssen sich bewusst sein, dass körperliche Berührungen bei Trauma-Überlebenden Reaktionen auslösen können. Daher ist es unerlässlich, eine informierte Einwilligung einzuholen, die Autonomie des Patienten zu gewährleisten, sensibel mit Geschlechterdynamiken umzugehen und dynamische Traumareaktionen zu verstehen. Das Nachfragen nach der Traumageschichte einer Person kann medizinischen Fachkräften helfen, eine bessere Versorgung zu bieten, ist jedoch in der Rehabilitation noch keine Standardpraxis.(2)
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie bitte: Trauma-Informed Care.
„Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Überzeugung einer Person, dass sie in der Lage ist, Verhaltensweisen auszuführen, die für die Erreichung bestimmter Leistungen oder Ziele erforderlich sind.“(2)
Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit engagieren sich eher in der Rehabilitation und erzielen bessere Ergebnisse. Sowohl positive als auch negative Erfahrungen in der frühen Kindheit können die Selbstwirksamkeit beeinflussen.
Spezifische Beispiele:
„Resilienz ist die Fähigkeit, sich angesichts von Widrigkeiten positiv anzupassen.“(2)
Verschiedene Faktoren tragen zur Resilienz einer Person bei, darunter frühere psychische Probleme, Lebenserfahrungen und belastende Kindheitserfahrungen.(2) Menschen mit einer höheren Resilienz kommen in der Regel besser mit Stressfaktoren wie Verletzungen, Krankheiten und Rehabilitation zurecht. Sie neigen weniger zu Depressionen und Angstzuständen, was zu besseren Rehabilitationsergebnissen führt. Resilienz wird mit einer erhöhten Anpassungsfähigkeit bei Menschen mit schweren Verletzungen, Krankheiten oder multiplen Komorbiditäten in Verbindung gebracht.(31)(32)(33)
Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie bitte: Resilienz in der Gesundheit.
„Kontrollüberzeugung (engl. locus of control) bezieht sich auf die Überzeugung einer Person, inwieweit sie Ereignisse, die sie betreffen, kontrollieren kann.“
Personen mit einer internen Kontrollüberzeugung glauben, dass sie ihre Gesundheitsergebnisse kontrollieren können, was zu einem verbesserten Schmerzmanagement und Rehabilitation führt. Sie verstehen, dass ihre Genesung in erster Linie in ihrer Verantwortung liegt.(2)
Menschen mit einer externen Kontrollüberzeugung haben das Gefühl, dass externe Faktoren ihre Gesundheit bestimmen. Sie verstehen vielleicht nicht ganz, welche wichtige Rolle sie bei ihrer Genesung spielen, und verlassen sich möglicherweise auf medizinische Fachkräfte, um ihre Rehabilitationsziele zu erreichen.(2)
Eine Edukation von Patienten und Angehörigen, die sich auf den Umgang mit den psychischen und emotionalen Schwierigkeiten konzentriert, die während der Rehabilitation auftreten können, kann von Vorteil sein. Durch Beratung und Unterstützung können Gesundheitsdienstleister Patienten und ihren Familien helfen, die mit der Rehabilitation verbundenen Herausforderungen zu meistern und positive Ergebnisse zu erzielen.
Die Patientenedukation sollte den Schwerpunkt auf soziale Kontakte legen und den Betroffenen helfen, negative Gedanken umzuformulieren. Die Pflege von Beziehungen und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen sind wichtig. Die Patienten sollten über Faktoren des Lebensstils aufgeklärt werden, wie z.B. regelmäßige Mahlzeiten, körperliche Betätigung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung ungesunder Substanzen. Die Aufforderung an Patienten, negative Gedanken durch Tagebuchschreiben zu identifizieren und objektiv zu bewerten, kann ebenfalls eine wertvolle psychologische Unterstützung darstellen.(2)
Medizinische Fachkräfte sollten Betreuungspersonen auch vermitteln, dass Niedergeschlagenheit kein Zeichen von Schwäche ist und dass die Genesung nach einer Krankheit oder Verletzung ein schrittweiser Prozess ist. Betreuungspersonen müssen lernen, Unterstützung anzubieten, ohne zu viel zu helfen, um die Unabhängigkeit zu fördern. Es ist wichtig, kleine Erfolge anzuerkennen und gleichzeitig auf ernsthafte psychische Probleme zu achten. Betreuungspersonen müssen auch lernen, ihrer emotionalen Gesundheit Priorität einzuräumen und bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen.(2)
Alle medizinischen Fachkräfte müssen erkennen können, wann Patienten Anzeichen extremer Belastung zeigen und wann sie zusätzliche Unterstützung benötigen. Zu diesen Warnsignalen können gehören:(2)
Wenn ein Patient sich weigert, an der Rehabilitation teilzunehmen, sollten Rehabilitationsfachleute die Möglichkeit zugrunde liegender psychologischer Faktoren in Betracht ziehen und ihn an einen Psychologen überweisen.(2)
Menschen mit körperlichen Behinderungen haben ein höheres Suizidrisiko. Depressionen sind die häufigste psychische Diagnose bei Suizidtoten.(34) Wenn Rehabilitationspatienten Selbstmordgedanken äußern, ist eine sofortige Überweisung zur psychologischen Unterstützung unerlässlich. Die Zusammenarbeit mit psychologischen Diensten gewährleistet eine umfassende und kontinuierliche Betreuung.(2)
Das SAFE-T-Konzept (Suicide Assessment Five-step Evaluation and Triage) bietet einen unterstützenden, systematischen und sicherheitsorientierten Ansatz für den Umgang mit Suizidrisiken in Rehabilitationseinrichtungen. Es umfasst fünf Schritte zur Bewertung und Einstufung des Suizidrisikos. Diese sind:
- Identifizierung von Risikofaktoren
- Identifizierung von protektiven Faktoren
- Befragung zu Suizidgedanken
- Risikoabschätzung/Intervention
- Dokumentation(35)
Wenn Sie dieses Rahmenwerk einsehen möchten, besuchen Sie bitte: SAFE-T: SuicideAssessment Five-step Evaluation and Triage.
In diesem optionalen Video spricht Dr. Christine Moutier, medizinische Direktorin der American Foundation for Suicide Prevention, über wirksame Maßnahmen zur Suizidprävention in der klinischen Praxis: