Originale Autorin – Clara Hildt
Top-Beitragende – Ewa Jaraczewska, Tarina van der Stockt, Kim Jackson, Rachael Lowe, Lucinda hampton, Jess Bell, Mariam Hashem, Simisola Ajeyalemi, Rucha Gadgil, Merinda Rodseth, Admin, Evan Thomas, George Prudden, Michelle Lee und WikiSysop
Auf der Welt gibt es 1,2 Milliarden Menschen mit Behinderungen. Sie machen 15 % der Weltbevölkerung aus, und 80 % der Menschen mit Behinderungen leben in Ländern mit niedrigem Einkommen.(1) In den Vereinigten Staaten haben 20 % der Bevölkerung eine Behinderung, das sind 56 Millionen Erwachsene.(2) In Australien hat 1 von 6 Menschen eine Behinderung. Eine schwere oder schwerste Behinderung, die bedeutet, dass die Person nicht in der Lage ist, die Aktivitäten des täglichen Lebens ohne Hilfe durchzuführen, betrifft ein Drittel der Personen. (3) Die Weltbank schätzt, dass ein Fünftel der Weltbevölkerung von erheblichen Behinderungen betroffen ist.(4) In der Veröffentlichung des African Disability Rights Yearbook (ADRY) 2016 wird berichtet, dass weibliche Säuglinge mit Behinderung eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, bei der Geburt getötet zu werden.(1)
Es gibt viele Arten von Behinderungen, die sich auf die Bewegung, das Sehen, das Hören, das Denken, das Gedächtnis, das Lernen, die Kommunikation, die geistige Gesundheit und die sozialen Beziehungen einer Person auswirken.(5)
Sedentäres Verhalten, das häufig mit Behinderungen einhergeht, führt zu Dekonditionierung und Gesundheitsrisiken. Das Problem ist so spezifisch, dass es als „Disability-Associated Low Energy Expenditure Deconditioning Syndrome“ (etwa zu übersetzen mit „Behinderungsbedingtes Dekonditionierungssyndrom mit niedrigem Energieaufwand“) bezeichnet wird.(6)
Bei Menschen mit Behinderungen ist die Wahrscheinlichkeit, adipös zu sein, um 57 % höher als bei Erwachsenen ohne Behinderungen.(7) Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für Erwachsene mit Behinderungen, denn die Wahrscheinlichkeit, an einer chronischen Krankheit wie Herzkrankheit, Diabetes, Schlaganfall oder Krebs zu erkranken, erhöht sich damit um 33 %.(8)
Die Auswirkungen dieser chronischen Krankheiten können durch aerobe körperliche Aktivität verringert werden, aber Erwachsene mit Behinderungen bewegen sich nur etwa halb so häufig wie Erwachsene ohne Behinderungen (12 % gegenüber 22 %).(7)(9)
Körperliche Aktivität (physical activity – PA) ist definiert als jede Bewegung der Skelettmuskulatur, die zu einer erheblichen Erhöhung des Ruhenergieaufwandes führt.(10) Aktivitäten, die während der Arbeit, beim Spielen, auf Reisen, bei der Hausarbeit und in der Freizeit ausgeübt werden, sind somit eingeschlossen. Die WHO empfiehlt, dass Erwachsene in der Woche mindestens 150-300 Minuten mäßig intensive aerobe körperliche Aktivität oder mindestens 75-150 Minuten höher intensive aerobe körperliche Aktivität oder eine gleichwertige Kombination aus mäßig intensiver und höher intensiver körperlicher Aktivität ausüben.(11) Dennoch sind etwa 25 % der Weltbevölkerung unzureichend aktiv, und diese Zahl ist in Ländern mit hohem Einkommen doppelt so hoch.(11) Im Vergleich zu Menschen, die die Aktivitätskriterien erfüllen, haben Menschen, die nicht ausreichend körperlich aktiv sind, ein um 20 bis 30 % erhöhtes Risiko für die Gesamtsterblichkeit.(12)
Das Ausmaß der körperlichen Aktivität kann in der Maßeinheit des Metabolischen Äquivalents (Metabolic Equivalent of Task – MET) gemessen werden, das als ein Vielfaches des Ruheumsatzes definiert ist. Bei der Berücksichtigung individueller Merkmale basiert der Schwellenwert für die Aktivität auf relativen Intensitäten. Ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten einer Person werden die absoluten Intensitäten zur Referenzschwelle.(14) Ein MET-Wert von 1 gibt an, wie viel Energie die Person im Ruhezustand verbraucht. Wenn in den Leitlinien für körperliche Aktivität die absolute Intensität als Referenzpunkt verwendet wird, gilt eine Aktivität als leicht, wenn die METs unter 3 liegen, während METs von 3,0 bis 5,9 als moderate oder mäßige Aktivität gelten. Wenn der MET-Wert über 6 liegt, gilt die Aktivität als höher intensiv.
Ein weiteres Instrument zur Messung des Ausmaßes der körperlichen Aktivität ist die Borg-RPE-Skala (Rating of Perceived Exertion – RPE, etwa „Einschätzung des Anstrengungsempfindens“). Sie basiert auf einer subjektiven Skala von 6 bis 20 und bietet eine gute Einschätzung der Herzfrequenz während einer Aktivität.
Weitere Methoden zur Messung körperlicher Aktivitäten sind:(15)
Eine Behinderung definiert nicht die Person. Wenn man also über Menschen mit einer Behinderung spricht oder mit ihnen arbeitet, ist es wichtig, die Person in den Mittelpunkt zu stellen. Positive Sprache stärkt und daher sollte immer eine integrative Sprache verwendet werden.(16)(17)
„Eine Behinderung ist jeder körperliche oder geistige Zustand (Schädigung), der es der betroffenen Person erschwert, bestimmte Tätigkeiten auszuführen (Einschränkung der Aktivität) und mit ihrer Umwelt zu interagieren (Einschränkung der Teilhabe).“(18)
Im medizinischen Modell der Behinderung wird der Zustand als eine medizinische und biologische Störung betrachtet. Die Behebung des Krankseins wird in den Vordergrund gestellt, anstatt dem Kranksein vorzubeugen und das Wohlbefinden zu fördern. Im Gegensatz dazu wird im sozialen Modell die Behinderung als ein Unterschied betrachtet und nicht bewertet. Dieses Modell hebt Barrieren wie strukturelle Faktoren oder diskriminierende Verhaltensweisen hervor, die körperliche Aktivität verhindern. Sowohl am medizinischen als auch am sozialen Modell wird kritisiert, dass es extreme Standpunkte hervorhebt.(19) Dies führte zur Entwicklung von sozial-relationalen Modellen, die davon ausgehen, dass sowohl Schädigungen als auch soziale und umweltbedingte Barrieren gleichzeitig wirken können.(20)
Körperliche Aktivität ist für die Lebensqualität und die Förderung der Gesundheit der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung. (19)
Für Menschen mit Behinderungen ist körperliche Aktivität noch wichtiger, da sie häufiger an chronischen Krankheiten leiden, die durch körperliche Aktivität beeinflusst werden können. Neben diesen Vorteilen für den Stoffwechsel können Menschen mit Behinderungen noch zusätzlich von körperlicher Aktivität profitieren:
Trotz des gesundheitlichen Nutzens, des sozialen Kontextes und des Vergnügens gibt es, je nach Alter und Art der Behinderung, Barrieren auf individueller, sozialer, umweltbezogener und politischer Ebene:(23)
Individuell: Mangel an Wissen darüber, wo man sich körperlich betätigen kann; Mangel an verfügbaren Kenntnissen/Informationen über körperliche Aktivität: welche Vorteile es hat, aktiv zu sein,(24) wie viel man sich bewegen sollte und wie sicher körperliche Aktivität ist; Angst vor Stürzen; die Art der Beeinträchtigung, die Schmerzen während der Aktivität verursacht; mangelnde Energie, mangelnde Motivation, Scham, behindert zu sein;(9) persönliche Sicherheitsbedenken; die Befürchtung, unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen.
Sozial: Abhängigkeit der Kinder mit Behinderungen von den Eltern; übermäßige Fürsorge anderer (Betreuer, Ehepartner, Familie); Sportlehrer sind nicht professionell genug vorbereitet oder verfügen nicht über die nötige Ausrüstung, um mit behinderten Schülern zu arbeiten; Ärzte entschuldigen Schüler mit Behinderungen aus medizinischen Gründen, um den Sportunterricht zu vermeiden; Kinder mit Behinderungen haben möglicherweise keine Freunde, mit denen sie spielen können; ungeeignete Sportarten werden ohne angemessene Anleitung angeboten; Kosten; begrenzte soziale Unterstützung; negative gesellschaftliche Einstellungen gegenüber Behinderungen seitens anderer (z. B. Kunden und Mitarbeiter von Freizeitzentren).
Umweltbezogen: Zugänglichkeit (zu schmale Türen in der Turnhalle für den Zugang mit dem Rollstuhl, unzugängliche Toiletten oder Umkleideräume); Barrieren im Außenbereich (z. B. schlecht beleuchtete oder bewaldete Gehwege, Ampeln ohne hörbare Signale);(19) unzureichende Transportmittel; ungeeignete Ausrüstung (z. B. kein Schwimmstuhl oder Armfahrräder);(25) schlechtes Wetter.
Politisch/programmbezogen: Dazu gehören Barrieren wie unzugängliche oder unangemessene oder fehlende spezifische Programme für Menschen mit Behinderungen oder Rückenmarksverletzungen. Mangel an Personal oder geschulten Freiwilligen / fehlende Anleitung durch das Personal bei der Durchführung von Übungen oder Anpassungen. Auch das Fehlen einer geeigneten Ausrüstung könnte in diese Kategorie fallen. Die Politik oder das Aktionsprogramm ist die am seltensten genannte, aber dennoch wichtige Barriere. (26)
Die meisten Untersuchungen zur körperlichen Aktivität von Menschen mit Behinderungen konzentrieren sich auf die Allgemeinbevölkerung, und fast alle Daten stammen aus Ländern mit hohem Einkommen. Das künftige Ziel muss eine verbesserte Datenerhebung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen umfassen.(28) Nach den Schätzungen der Global Burden of Disease-Studie sind Sehschädigungen ein entscheidender Faktor bei der Vorhersage der Lebensjahre mit Behinderung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Eine von der 10/66 Dementia Research Group zwischen 2003 und 2005 in sieben Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführte Studie, die unter anderem China, Indien, Kuba, die Dominikanische Republik, Venezuela, Mexiko und Peru einbezog, ergab, dass Demenz der Hauptgrund für Behinderungen war, gefolgt von Schlaganfall, Beeinträchtigung der Extremitäten, Arthrose, Depressionen, Sehschädigungen und Magen-Darm-Störungen.(29) Ein direkter Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung wurde von einer systematischen Übersichtsarbeit der in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführten Studien bestätigt.(30)
Die Partizipation (Teilhabe) an körperlichen Aktivitäten von Menschen mit Behinderungen, die in Ländern mit niedrigem Einkommen leben, ist nicht gut untersucht und die Datenlage ist sehr begrenzt.(28) Auf der Grundlage der umfassenden Studien, die in 46 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt wurden, hielten Personen mit chronischen körperlichen Erkrankungen und über 50 Jahren die Leitlinien für körperliche Aktivität seltener ein als Erwachsene ohne diese Faktoren.(31) Symptome im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Depressionen, Schmerzen und Mobilitätsprobleme wurden als Barrieren für ein aktives Leben ermittelt.(31)
Für Physiotherapeuten und andere Fachkräfte des Gesundheitswesens ist es wichtig, die allgemeinen Leitlinien für körperliche Aktivität zu kennen, da sie auch für Menschen mit Behinderungen gelten. Erwachsene mit Behinderungen sind eher bereit, sich körperlich zu betätigen, wenn dies von Ärzten empfohlen wird. Dementsprechend war die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich körperlich betätigten, um 82 % höher, wenn sie eine Empfehlung zur körperlichen Aktivität erhielten, als bei denjenigen, denen keine Empfehlung erteilt wurde.(32) Physiotherapeuten und andere Fachkräfte des Gesundheitswesens können die in der folgenden Grafik dargestellten 5 Schritte anwenden, um die körperliche Aktivität von Menschen mit Behinderungen zu steigern:
Allgemeine Punkte, die Sie beim Umgang mit Menschen mit Behinderungen beachten können:
Merkblätter zu verschiedenen Behinderungen und Gesundheitszuständen sowie zu körperlicher Aktivität, Bewegung und allgemeinen Gesundheitsüberlegungen und -empfehlungen im Zusammenhang mit den einzelnen Zuständen finden Sie hier. (In englischer Originalsprache)
5 einfache allgemeine Übungen für Menschen mit geistiger Behinderung und Entwicklungsstörungen finden Sie hier. (In englischer Originalsprache).
In den Vereinigten Staaten ist ein Inclusive Fitness Trainer (zertifiziert vom American College of Sports Medicine (ACSM) und dem National Center on Health, Physical Activity and Disability (NCHPAD)) ein Fitnessexperte, der besonders qualifiziert ist, mit Menschen zu arbeiten, die gesundheitliche Risiken und/oder körperliche Einschränkungen haben. Sie kennen die aktuellen Antidiskriminierungsgesetze und erstellen angepasste Übungsprogramme, die ein sicheres und effektives Training fördern. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen zu befähigen, ihre Fitnessziele zu erreichen.(33)
„How I Walk“ ist eine Bewegung, die das Wort „Gehen“ („Walk“) neu definieren will, indem sie individuelle und gesellschaftliche Perspektiven in Frage stellt.(2) Es ist ein Aufruf zum Handeln, um das Zu-Fuß-Gehen und begehbare Gemeinden zu fördern.(2)
Special Olympics ist die weltweit größte Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung. Es gibt Programme in 169 Ländern mit mehr als 4,7 Millionen Sportlern und über einer Million Freiwilligen. Durch die Freude am Sport will sie Leben verändern und eine neue Welt der Integration schaffen. (34)
Die Paralympischen Spiele sind eine der größten internationalen Sportveranstaltungen. Die ersten offiziellen Paralympischen Spiele fanden 1960 statt, und 23 Länder nahmen daran teil. 162 Nationen waren bei den Sommer-Paralympics 2020 vertreten.
Kampagnen zur Förderung der körperlichen Aktivität in Ländern mit niedrigem Einkommen müssen Folgendes beinhalten:
Vorgeschlagene Strategien sind: