Originale Autorin – Kristin Zumo
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Das patellofemorale Schmerzsyndrom (Patellofemoral Pain Syndrome – PFPS) ist ein Überbegriff für Schmerzen, die vom Patellofemoralgelenk selbst oder den angrenzenden Weichteilen ausgehen. Es handelt sich um ein chronisches Problem, das sich bei Aktivitäten wie Hocken, Sitzen, Treppensteigen und Laufen verschlimmert.(1) (2) In der Vergangenheit wurde das PFPS als „vorderer Knieschmerz“ bezeichnet, was jedoch irreführend ist, da der Schmerz in allen Bereichen des Knies (einschließlich der Kniekehle) auftreten kann. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit langsam entwickeln oder akut auftreten.(3) In 40 % der Fälle tritt das PFPS nach 2 Jahren erneut auf. (4)
Zu den Differenzialdiagnosen des PFPS gehören die Chondromalazie der Patella und die Tendinopathie der Patellasehne. Beide werden nicht im Oberbegriff PFPS eingeschlossen, obwohl die Patienten über ähnliche Symptome klagen.(5)(6)(7) Man geht davon aus, dass die Pathophysiologie unterschiedlich ist. Daher sieht in diesen Fällen die Behandlung anders aus.(5)(7)
Das Knie (Art. genus) besteht aus zwei großen Gelenken, dem Tibiofemoralgelenk und dem Patellofemoralgelenk. In diesem Fall ist das Problem im Patellofemoralgelenk lokalisiert:
Die Patella (Kniescheibe) sitzt in der Gleitrinne des Oberschenkels; die Facies articularis patellae (posteriore Seite der Kniescheibe) ist mit Knorpel überzogen, der über den Knorpel des anterioren Teils der Oberschenkelkondylen gleitet. In diesem Synovialgelenk erzeugt die Bewegung und das Gleiten einen minimalen Widerstand aufgrund der Synovialflüssigkeit, die um das Knie herum vorhanden ist und von der Membrana synovialis, dem inneren Teil der Gelenkkapsel, während der Bewegung produziert wird. Mehrere Schleimbeutel (Bursae) produzieren auch Synovialflüssigkeit innerhalb der Kapsel. Die Kniekapsel ist rundherum um die Kniescheibe befestigt, so dass nur die Facies articularis patellae et femoris mit der Gelenkflüssigkeit in Berührung kommen. Die Seiten- oder Kollateralbänder sind mit der Kapsel verwachsen und tragen zur Stabilität des Gelenks bei. Anterior zur Patella befindet sich zwischen der Patellarsehne (die an der Patella ansetzt) und der Haut ein zusätzlicher Schleimbeutel (Bursa subcutanea praepatellaris), der normalerweise keinen Kontakt zur Kapsel des Kniegelenks hat und ein besseres Gleiten der Patellarsehne gewährleistet. Ein ähnlicher Schleimbeutel (Bursa subcutanea infrapatellaris) befindet sich auf der Höhe der Tuberositas tibiae. Wenn das Knie entzündet ist, können diese Schleimbeutel hyperproduktiv werden (anschwellen). Dies kann möglicherweise mit einer Zunahme der vorderen Knieschmerzen zusammenhängen.
Obwohl jedes Band spezifische Aufgaben in der Stützung und im Schutz des Knies übernimmt, unterstützen sich Bänder auch gegenseitig. Zwei Bänder werden jedoch am häufigsten mit PFPS in Verbindung gebracht, da sie mit der Kniekapsel verbunden sind: Mediales und laterales Seitenband (Innen- und Außenband), . Das epikondylopatellare Band und die Ligg. meniscopatellaria bilden die medialen und lateralen Anteile der patellaren Retinakula, die Teil eines Bandkomplexes sind, der für einen medialen und lateralen Ansatz der Patellasehne auf Höhe der Kniescheibe sorgt.
Das PFPS kann auf ein Trauma an der Patella zurückzuführen sein, häufiger ist es jedoch eine Kombination mehrerer Faktoren (multifaktorielle Ursachen): Überbeanspruchung und Überlastung des Patellofemoralgelenks, anatomische oder biomechanische Anomalien, Muskelschwäche, -ungleichgewicht oder -dysfunktion. Es ist wahrscheinlich, dass Verschlimmerungen bzw. Behandlungsresistenzen eines PFPS aus dem Zusammenspiel mehrerer dieser Faktoren resultieren.
** Überlastungen und eine abnorme Führung der Kniescheibe sind die Hauptgründe für PFPS-Symptome(8)
Eine der Hauptursachen für PFPS ist die Ausrichtung der Kniescheibe. (Abb.1) Durch eine Änderung der Ausrichtung der Patella gleitet sie möglicherweise mehr auf einer Seite der Facies patellaris (Femur), was eine Überlastung/einen Überdruck auf diesen Teil des Femurs zur Folge haben und Schmerzen, Beschwerden oder Reizungen erzeugen kann. Es gibt verschiedene Ursachen, die solche Abweichungen der Ausrichtung hervorrufen können.
Die Ausrichtung der Patella ist von Patient zu Patient unterschiedlich; sie kann auch bei ein und derselben Person zwischen dem linken und dem rechten Knie variieren und das Ergebnis einer anatomischen Fehlstellung sein. Eine kleine Abweichung der Patella kann muskuläre Dysbalancen und biomechanische Anomalien verursachen, die möglicherweise zu einem PFPS führen können. Umgekehrt können muskuläre Dysbalancen oder biomechanische Anomalien eine Abweichung der Patella verursachen und ebenfalls ein PFPS hervorrufen. Zum Beispiel: Wenn der M. vastus medialis obliquus (VMO) nicht kräftig genug ist, kann der M. vastus lateralis eine höhere Kraft ausüben und ein laterales Gleiten (Lateralisation), eine laterale Neigung (lateraler Tilt) oder eine laterale Rotation der Patella verursachen, was zu einer Überbeanspruchung der lateralen Fläche der Facies patellaris führen kann und Schmerzen oder Beschwerden verursacht. Das Gegenteil ist möglich, aber ein mediales Gleiten (Medialisation), ein medialer Tilt oder eine mediale Rotation sind selten. Weitere Strukturen, die eine Abweichung der Patella verursachen können, sind das Iliotibialband und das laterale Retinakulum, im Falle von Spannungsungleichgewichten. (siehe Tabelle 1)
PFPS kann auch durch Hyperextension des Knies, eine laterale Tibiatorsion, ein Genu valgum oder varus, einen erhöhten Q-Winkel, eine erhöhte Spannung des Tractus iliotibialis (Iliotibialband), der Hamstrings (ischiokrurale Muskulatur) oder des M. gastrocnemius verursacht werden.
Manchmal sind die Schmerzen und Beschwerden im Knie lokalisiert, aber die Ursache des Problems liegt woanders. Pes planus (Pronation) oder Pes Cavus (Supination) können ein PFPS hervorrufen. Die Pronation des Fußes (die bei PFPS häufiger vorkommt) verursacht eine kompensatorische Innenrotation der Tibia oder des Femurs, die den patellofemoralen Mechanismus stört. Eine Supination des Fußes bewirkt eine geringere Abfederung des Beins beim Fersenauftritt, so dass der patellofemorale Mechanismus stärker belastet wird. Die Hüftkinematik kann auch das Knie beeinflussen und ein PFPS hervorrufen. Eine Studie hat gezeigt, dass Patienten mit PFPS eine schwächere Hüftabduktorenmuskulatur aufweisen, die mit einer erhöhten Hüftadduktion beim Laufen einhergeht.
Tabelle 1
| Muskuläre Ätiologien des PFPS | |
| Ätiologie | Pathophysiologie |
| Schwäche des M. quadriceps femoris | Dies kann sich negativ auf den PF-Mechanismus auswirken. Häufig wird eine Kräftigung empfohlen. |
| Schwäche des medialen M. quadriceps femoris | Lässt zu, dass die Patella zu weit lateral gleitet. Häufig wird eine Kräftigung des VMO empfohlen. |
| Zu straffes Iliotibialband | Übt eine übermäßige laterale Kraft auf die Patella aus und kann auch die Tibia in eine Außenrotation bringen, was das Gleichgewicht des PF-Mechanismus stört. Dies kann zu einem übermäßigen lateralen Gleiten der Patella führen. |
| Erhöhte Spannung der ischiokruralen Muskulatur | Dadurch wird das Knie posterior mehr belastet, was den Druck zwischen Patella und Femur erhöht. |
| Schwäche oder Verspannung der Hüftmuskulatur | Eine Dysfunktion der Außenrotatoren der Hüfte führt zu einer kompensatorischen Fußpronation. |
| Verspannte Wadenmuskeln | Dies kann zu einer kompensatorischen Fußpronation führen und die posteriore Kraft auf das Knie erhöhen. |
Die Patienten klagen in der Regel über Schmerzen im vorderen Knie, die sich bei Tätigkeiten verstärken, die die patellofemoralen Druckkräfte erhöhen, wie z. B.: Treppensteigen, Sitzen mit gebeugten Knien, Knien und Hocken.
Verschiedene Erkrankungen können Schmerzen im vorderen Knie hervorrufen, ohne dass es sich um ein PFPS handelt:
Die Diagnose des PFPS sollte zunächst den Ausschluss anderer Erkrankungen bzw. Verletzungen beinhalten.(9)(10)(11) Die von der American Physical Therapy Association veröffentlichte klinische Praxisleitlinie für PFPS enthält folgende Diagnosekriterien:(11)
Lower Extremity Functional Scale
Anterior Knee Pain Scale (AKPS)
Subskala „Patellofemoral Pain and Osteoarthritis“ des Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS-PF)
England and Pierrynowski Questionnaire (EPQ)
Die subjektive Untersuchung ist von entscheidender Bedeutung für die Bestimmung der Ursache und der beitragenden Faktoren des PFPS.
Eine gründliche subjektive Untersuchung ermöglicht es Ihnen, Ihre körperliche Untersuchung zu optimieren und einen geeigneten Behandlungsplan zu entwickeln.
Das Stellen spezifischer Fragen zum Verhalten der Symptome und zur Krankheitsgeschichte hilft Ihnen, die Ursache der Symptome und die dazu beitragenden Faktoren klinisch zu ermitteln.
Die Identifizierung der verschiedenen intrinsischen und extrinsischen Faktoren, die zu PFPS führen, wird Ihren Behandlungsplan leiten. Es hat sich gezeigt, dass die Anzahl der beitragenden Faktoren in einer Person mit ihren Schmerzen und Funktionseinschränkungen korreliert. (12)
Eine detaillierte Anamnese gibt Ihnen eine Vielzahl von Hinweisen auf die Ursache und die beitragenden Faktoren des PFPS.(10)(13)(14)
| Subjektiver Befund | Mögliches klinisches Reasoning |
| Schleichender Beginn | Typisch für PFPS |
| Überlastungsereignis, z. B. übermäßiges Treppensteigen oder längere Laufstrecke | Typisch für PFPS |
| Traumatisches Ereignis | Unwahrscheinlich, dass es sich um PFPS handelt |
Schmerzen im vorderen Knie beim Treppensteigen und -absteigen, Schmerzen beim Sitzen mit gebeugten Knien und Schmerzen beim Hocken, Knien oder Hochkommen aus der Hocke deuten auf PFPS hin.(10)
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zu untersuchenden Strukturen, je nachdem, welcher subjektive Befund festgestellt wird(12)(13)(14)
| Subjektive Befunde | Mögliches klinisches Reasoning |
| Schmerzen beim Sitzen mit gebeugtem Knie („Kino-Syndrom“) | Verkürzter/Verspannter M. quadriceps femoris (führt zu erhöhtem Druck auf das PFG beim Sitzen) |
| Schmerzen beim Sitzen mit überkreuzten Beinen | Verkürztes/Verspanntes Iliotibialband (Erhöhte Spannung im M. gluteus maximus und/oder M. tensor fasciae latae) |
| Schmerzen beim Bergabgehen | Belastet das PFG |
| Schmerzen beim Bergaufgehen | Verkürzte/verspannte Wadenmuskulatur; Beeinträchtigte gluteale Kontrolle |
| Schmerzen beim Gehen mit hohen Absätzen | Erhöht die Belastung des PFG; Erhöht die distale Instabilität |
| Schmerzen beim Treppabgehen | Probleme der patellofemoralen Gelenkfläche; Probleme mit der Muskellänge
Exzentrische Funktion des M. quadriceps femoris |
| Schmerzen beim Treppaufgehen | Beeinträchtigte gluteale Kontrolle |
| Hocken und knien – In die Hocke gehen
In hockender Position Aus der Hocke hochkommen |
Exzentrische Funktion des M. quadriceps femoris; Muskellänge des M. quadriceps femoris
Gluteale Kontrolle |
| Schmerzen beim Beugen des Knies in enger Kleidung (z. B. Skinny Jeans) | Druckkräfte – PFPS |
| Schmerzen bei Berührung/ Reibung der Haut durch enge Kleidung | Möglicherweise eher ein Bild bei chronischen Schmerzen mit Sensibilisierung (Allodynie) |
| Subjektiver Befund | Mögliches klinisches Reasoning |
| Schmerzen nur bei Aktivität | An die Biomechanik denken |
| Schmerzen nur nach der Aktivität, besonders viel später oder am nächsten Tag | An Entzündung denken |
| Schmerzen, die sich bei Bewegung bessern | An Sehnen-/Muskellänge denken |
Cook et al. schlagen eine Diagnose des patellofemoralen Schmerzsyndroms vor, wenn:(15)
Die Überweisung an einen orthopädischen Facharzt sollte bei Vorliegen folgender Kriterien erfolgen:
Eine Überweisung an einen Schmerzspezialisten sollte in Betracht gezogen werden, wenn Folgendes vorliegt:
Nachfolgend sind gängige Interventionen zur Behandlung von PFPS aufgeführt:
Es gibt umfangreiche Evidenz für die kurz-, mittel- und langfristige Verbesserung von Schmerzen und Funktionen durch Übungstherapie. Der internationale Konsens empfiehlt, Übungen für Knie und Hüfte zu kombinieren, anstatt isoliert das Knie zu kräftigen. (17)(18)(19)(20)(21)(22)
Darüber hinaus empfehlen internationale Experten als Ergänzung zur Übungstherapie den Einsatz von Schuheinlagen, Taping oder manueller Therapie. (22)
Gang- oder Lauftraining können bei PFPS in Betracht gezogen werden, obwohl die aktuellen Erkenntnisse uneinheitlich sind. (22)
Gelenkmobilisationen und elektrophysikalische Mittel werden für die Behandlung von PFPS nicht empfohlen. (22)
Die psychosozialen Merkmale der Schmerzverarbeitung bei PFPS werden zunehmend anerkannt.(23)(24)(25) Kliniker können bei der Behandlung von PFPS Strategien in Betracht ziehen, die auf psychosoziale Faktoren eingehen.
Es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen Übungen in offener und geschlossener Kette in Bezug auf die funktionellen Ergebnisse festgestellt. (26)
Die Kräftigung des M. quadriceps ist ein wichtiger Bestandteil des Rehabilitationsprogramms(27)
Schmerzfreie Übungen sind bei der Behandlung von PFPS sehr wichtig. Isometrische Übungen bei vollständig gestrecktem Knie (bei welchen die Patella keinen Kontakt mit den Femurkondylen hat) können zu Beginn der Therapie eingesetzt werden, da sie die Belastung des Patellofemoralgelenks minimieren und gleichzeitig den M. quadriceps stärken. Beispiel (Übung): 1. Übung mit gestrecktem Bein: Der Patient liegt auf dem Rücken, ein Knie in etwa +/- 90° gebeugt (schmerzfrei, wenn dieses Knie von PFPS betroffen ist) und der Fuß steht flach auf dem Boden. Das andere Knie ist vollständig gestreckt. Der Patient hebt das gestreckte Bein an und hält es 10 Sekunden lang, bevor er es wieder entspannt (diese Übung kann auch dynamischer gestaltet werden, indem der Fokus auf den konzentrischen und/oder exzentrischen Abschnitt gelegt wird). Kontrollieren Sie, dass der Patient eine normale Lendenlordose beibehält und nicht mit seinem Becken kompensiert. 2. Kissenübung: Der Patient sitzt bequem und lehnt seinen Rumpf an. Beide Knie sind gestreckt. Legen Sie ein Kissen (oder ein zusammengerolltes Handtuch) unter ein Knie (das Knie darf leicht gebeugt sein). Der Patient drückt das Kissen/Handtuch gegen die Bank/den Boden nach unten, indem er das Knie in die Extension anspannt. (Kontraktion des M. quadriceps).
Übungen in der geschlossenen kinetischen Kette (GKK) VS Übungen in der offenen kinetischen Kette (OKK)(28)(29)
GKK sind funktioneller als OKK und führen zu einer geringeren Belastung des Patellofemoralgelenks, insbesondere in den Endbereichen der vollen Extension (0° bis maximal 40° Knieflexion). Daher sollten die Übungen innerhalb dieser Winkelgrade und schmerzfrei durchgeführt werden. Beispiel für eine Übung:
– Kniebeugen (Squats): achten Sie darauf, dass das Knie des Patienten nicht weiter als die Zehen kommt. Sobald das Knie die Zehen passiert, wird die Belastung des Patellofemoralgelenks zu hoch und kann Schmerzen verursachen.
Wenn der Patient die GKK-Übungen nicht tolerieren kann, können die OKK-Übungen eine gute Option sein, da die Belastung besser kontrolliert werden kann als bei GKK, vorausgesetzt, die Übungen sind schmerzfrei! Bei den OKK-Übungen sollte der Patient in einem schmerzfreien Bewegungsausmaß zwischen 40° und 90° Knieflexion bleiben.
M. vastus medialis obliquus (VMO)(30)
Das Training des VMO-Muskels ist bei einigen PFPS-Patienten geeignet, aber nicht bei allen. Bei der Beurteilung des VMO sollten die Kontraktionsfähigkeit, die Muskelmasse, die Ausdauerfähigkeit und die Fähigkeit, in verschiedenen Kniewinkeln zu kontrahieren, untersucht werden, um danach dementsprechend funktionell eingesetzt zu werden. Ein zu starker Schwerpunkt auf die selektive Aktivierung des VMO-Muskels sollte vermieden werden, da es keine Evidenz dafür gibt, dass er isoliert aktiviert werden kann. Der VMO ist jedoch äußerst wichtig für die Führung der Patella in der Trochlea. Obwohl er über den gesamten Bereich aktiv ist, spielt er die größte Rolle zwischen 0 und 30 Grad Flexion. Der Bedarf an einer besseren VMO-Funktion ist bei Trochleadysplasie, Patella alta, Ruptur des Lig. patellofemorale mediale oder bei Vorhandensein eines großen TTTG-Abstandes (Distanz zwischen dem anterioren Anteil der Tuberositas tibiae/TT und dem tiefsten Punkt der Trochleagrube/TG) erhöht.
Der VMO wird besonders durch Schwellungen und/oder Schmerzen beeinträchtigt. 10 ml Flüssigkeit hemmen den VMO, aber 40 ml hemmen eher den VL (M. vastus lateralis). In ähnlicher Weise verursacht Schmerz eine Verzögerung in der Aktivierung des VMO, und je mehr Schmerz, desto größer die Verzögerung. Dies hilft zu erklären, warum Patienten nach einem Trauma und/oder einer Operation, die oft mit einem Gelenkerguss einhergehen, ein PFPS zeigen. Es erklärt auch, warum der Ergussabbau ein wichtiges Ziel ist, parallel zur Vermeidung und Verringerung von Schmerzen. Schmerzhafte Übungen sind Zeitverschwendung.
Das VMO-Training kann zwar nicht den VMO isolieren, sollte aber trotzdem auf 0-30 Grad Flexion ausgerichtet sein, längere Kontraktionsdauern beinhalten und mit einer Tendenz zur tonischen Aktivität verordnet werden, um die posturale Funktion des Muskels zu berücksichtigen.
Jüngste Forschungen zeigen, dass VMO-artige Übungen eine Veränderung des Fiederungswinkels der VMO-Fasern (relativ zur Femurachse) bewirken. Der Winkel, in dem die Fasen ausgerichtet sind, kann sich von relativ vertikalen 40 Grad zu einem viel medialeren Winkel von 70 Grad verändern.(31)
Training der Hüftmuskeln(32)
Das Rehabilitationsprogramm für PFPS sollte auch Kräftigungsübungen für die Hüftabduktoren und -außenrotatoren umfassen. Es wurde nachgewiesen, dass der Schmerz bei täglichen Aktivitäten verringert und die Funktionalität vergrößert werden konnte, wenn Knieübungen mit Hüftübungen kombiniert wurden. (Tabelle 1 und 2 sowie Abbildung 2 zeigen, welche Übungen in dieser Studie verwendet wurden und sich als effizient erwiesen haben. Die Übungen wurden 4 Wochen lang durchgeführt)
In einer anderen Forschungsstudie wurde festgestellt, dass PFPS-Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen eine geringere exzentrische Aktivität der Hüftabduktoren aufweisen. Es wird daher empfohlen, exzentrische Übungen zur Kräftigung der Hüftabduktion durchzuführen.(28)
Propriozeptives Training(33)(34)
Es ist erwiesen, dass die Qualität des propriozeptiven Inputs im Knie von Patienten mit PFPS vermindert ist. Selbst bei einseitigem PFPS ist die Propriozeption in beiden Knien (betroffenes und nicht betroffenes Knie) vermindert! Daher sollte ein propriozeptives Training (schmerzfreie Übungen!) des Knies Teil des Rehabilitationsprogramms sein.
Manche Patienten leiden an PFPS, weil ein (neuromuskuläres) Ungleichgewicht zwischen VMO und VL besteht. Die Hauptursache ist eine Muskelatrophie des VMO und eine übermäßige/abnormale laterale Führung der Kniescheibe aufgrund der Restkraft des VL. Im Falle einer neuromuskulären Dysbalance zwischen VMO und VL sollte eine elektrische Stimulation des VMO als Ergänzung zur konservativen Therapie (Übungen) in Betracht gezogen werden, da sie selektiv ist und das patellofemorale Gelenk nicht belastet.
Ein Beispiel dafür, wie Sie die Stimulation durchführen können:(35)
Der Patient sitzt mit angelehntem Oberkörper und gestreckten Beinen bei leichter Kniebeugung und völlig entspannter Muskulatur der unteren Extremitäten. Folgende Parameter wurden in Studien verwendet (isometrische Kontraktion des VMO):
Mit dem EMG-Feedback können Sie die EMG-Aktivität von VMO und VL vor und nach der Therapie erfassen. Dies kann durchgeführt werden, während Ihr Patient den Funktionstest des Treppensteigens mit der von PFPS betroffenen Extremität durchführt. Dafür steht der Patient am Anfang der aufsteigenden Treppe. Er beginnt die Bewegung, indem er die Extremität mit PFPS anhebt, den Fuß auf die erste Stufe stellt und dann im einbeinigen Stand in die Extension hochsteigt. In einer kontinuierlichen Bewegung setzt er die nicht betroffene Extremität auf die zweite Stufe und beendet das Treppensteigen mit der vollen Knieextension.(32) Seien Sie sich bewusst, dass das Betreten einer Treppe für PFPS-Patienten sehr schmerzhaft sein kann. Wenden Sie deshalb diese Untersuchungstechnik nur an, wenn der Patient diesen Test schmerzfrei durchführen kann. Beginnen Sie mit einer sehr niedrigen Stufe, damit die Kompression zwischen Patella und Femur minimal ist.
Der zu beobachtende Hauptunterschied bei PFPS-Patienten besteht darin, dass der VMO-Muskel mehr Energie verbraucht, um den Test durchzuführen. → Veränderung der Fähigkeit des Muskels, Kraft zu erzeugen. Nach der Therapie sollte eine schnellere (genauere) Aktivierung des VMO-Muskels stattfinden.
Es gibt einige klinische Prädiktoren, die bei der Entscheidung helfen können, ob ein Patient eher von Einlagen profitieren wird:(36)(37)(38)
Welche Art von Einlagen? In der Forschung wurden vorkonfektionierte Einlagen aus Ethylen-Vinyl-Acetat mittlerer Dichte (Shore A 55) mit integrierter Fußgewölbestütze und 4-Grad-Varuskeil im Rückfuß verwendet. Konfektionierte Schuheinlagen verbesserten die funktionelle Leistungsfähigkeit von Personen mit PFPS nach 12 Wochen erheblich, und diese Verbesserungen waren größer als die, die unmittelbar nach dem Einsatzbeginn der Einlagen beobachtet wurden. Die Verbesserungen könnten für die Langzeitprognose und die Vorbeugung der Entwicklung von Arthrose bei einigen Personen mit PFPS wichtig sein (weitere Studien sind erforderlich).
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