Originale Autorin – Naomi O’Reilly.
Top-Beitragende – Naomi O’Reilly, Arnold Fredrick D’Souza, Stacy Schiurring, Kim Jackson, Jess Bell, Admin, Abbey Wright, Tarina van der Stockt, Rucha Gadgil und Olajumoke Ogunleye
Hinweis: Auf dieser Seite wird die digitale rektale Untersuchung mit tiefem analen Druck und willkürlicher Analkontraktion beschrieben. Es handelt sich hierbei um eine invasive und anspruchsvolle Untersuchungstechnik, die nur nach entsprechender Ausbildung in Präsenz und Kompetenznachweis durchgeführt werden sollte.
Eine traumatische Rückenmarksverletzung (RMV) ist ein lebensveränderndes Ereignis, das sich sowohl physisch als auch emotional auf die Patienten auswirken kann. Die weltweite Inzidenz traumatischer Rückenmarksverletzungen liegt bei etwa 10,5 Fällen pro 100.000 Personen. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Inzidenz traumatischer Rückenmarksverletzungen in Ländern mit unterem mittleren Einkommen (13,69 pro 100.000 Einwohner) höher ist als in Ländern mit hohem Einkommen (8,72 pro 100.000 Einwohner).(1) In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts erlitten etwa 20 bis 45 Millionen Menschen eine traumatische Rückenmarksverletzung und 25 bis 35 Millionen eine nicht traumatische Rückenmarksverletzung.(2)
Für eine Übersicht über Rückenmarksverletzungen lesen Sie bitte diesen Artikel.
Eine Rückenmarksverletzung kann die Weiterleitung sensibler und motorischer Signale sowie die Funktionen des vegetativen Nervensystems stark beeinträchtigen oder ganz zum Erliegen bringen. Durch eine systematische Untersuchung von Dermatomen und Myotomen können Kliniker die betroffenen Segmente des Rückenmarks bestimmen.(3)
Die International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury (ISNCSCI), allgemein als ASIA-Untersuchung bezeichnet, wurden von der American Spinal Injury Association (ASIA) entwickelt.(4)(5)
Die ASIA-Untersuchung ist eine standardisierte körperliche Untersuchung, bestehend aus:
Nach Abschluss dieser drei Komponenten werden ein Verletzungsgrad und ein Verletzungsniveau zugewiesen. Diese Einstufung kann dann für die Rehabilitationsprognose, als Leitfaden für Behandlungsmaßnahmen und als Hilfsmittel für die multidisziplinäre Kommunikation verwendet werden.
Das Ziel der ASIA-Skala besteht darin,
Es sollte beachtet werden, dass Patienten mit einer akuten Rückenmarksverletzung einen spinalen Schock aufweisen, der „ein akuter Zustand verminderter spinaler Funktion ist, der durch den Verlust aller sensomotorischen Funktionen kaudal der Verletzungsstelle gekennzeichnet ist“. Der spinale Schock ist ein vorübergehender Zustand.(7) Daher kann die erste neurologische Untersuchung irreführend sein. Eine kontinuierliche und fortlaufende Untersuchung in den Tagen nach der ersten Verletzung ist unerlässlich, um das wahre Ausmaß der Rückenmarksverletzung eines Patienten zu bestimmen(8)
Die sensiblen Kennzonen lassen sich leicht in Bezug auf knöcherne anatomische Landmarken in den Dermatomen C2 – S5 lokalisieren. Sie werden bilateral mit leichter Berührung und Nadelstich (zur Unterscheidung zwischen spitz und stumpf) getestet. Es wird die in klinischen Einrichtungen übliche Ausrüstung verwendet, wie z. B. ein Wattestäbchen für die leichte Berührung und entweder ein Pinprick oder eine Sicherheitsnadel für den Nadelstich. Die Empfindungen bei leichter Berührung und Nadelstich an jeder der Kennzonen werden mit der Empfindung auf der Wange des Patienten verglichen, die ein normales Bezugssystem bietet.(6)
Für die sensible Untersuchung wird eine Drei-Punkte-Skala verwendet:
| 0 | = | Fehlend |
| 1 | = | Eingeschränkt – gestörte oder partielle Empfindung, einschließlich Hyperästhesie |
| 2 | = | Normal oder intakt – ähnlich wie an der Wange |
| NT | = | Nicht prüfbar |
„Nicht prüfbar“ wird vermerkt, wenn eine wichtige sensible Kennzone aus irgendeinem Grund nicht beurteilt werden kann, z. B. bei einem Gipsverband, einer Verbrennung oder einer Amputation. In diesem Fall können die sensiblen Werte für diese Körperseite und der gesamte sensible Score nicht bestimmt werden. Das neurologische Verletzungsniveau sollte dennoch so genau wie möglich bestimmt werden, der sensible Score und der Grad der Störung (siehe unten) sollten jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erneut getestet und bestimmt werden.
Bitte beachten Sie den Abschnitt „Ressourcen“ am Ende dieses Artikels, in dem Videobeispiele für Dermatomtests an allen sensiblen Kennzonen zu finden sind.
| Segment |
Beschreibung der Kennzonen für die Prüfung der Sensibilität |
|---|---|
| C2 | 1 cm lateral der Protuberantia occipitalis externa |
| C3 | Fossa supraclavicularis an der Medioklavikularlinie |
| C4 | Über dem Akromioklavikulargelenk |
| C5 | Laterale Seite der Fossa antecubitalis, unmittelbar proximal der Ellenbeugefalte |
| C6 | Dorsalfläche der proximalen Phalanx des Daumens |
| C7 | Dorsalfläche der proximalen Phalanx des Mittelfingers |
| C8 | Dorsalfläche der proximalen Phalanx des kleinen Fingers |
| T1 | Mediale Seite der Fossa antecubitalis, unmittelbar proximal des Epicondylus medialis humeri |
| T2 | Apex axillae |
| T3 | Medioklavikularlinie und 3. Interkostalraum |
| T4 | Medioklavikularlinie und 4. Interkostalraum auf Höhe der Brustwarze |
| T5 | Medioklavikularlinie und 5. Interkostalraum auf halber Strecke zwischen T4 und T6 |
| T6 | Medioklavikularlinie und 6. Interkostalraum auf Höhe des Processus xiphoideus |
| T7 | Medioklavikularlinie und 7. Interkostalraum auf halber Strecke zwischen T6 und T8 – Viertelabstand zwischen der Höhe des Processus xiphoideus und des Nabels |
| T8 | Medioklavikularlinie und 8. Interkostalraum auf halber Strecke zwischen T6 und T10 – halbe Distanz zwischen Processus xiphoideus und Nabel |
| T9 | Medioklavikularlinie und 9. Interkostalraum auf halber Strecke zwischen T8 und T10 – dreiviertel Distanz zwischen Processus xiphoideus und Nabel |
| T10 | Medioklavikularlinie und 10. Interkostalraum auf Höhe des Nabels |
| T11 | Medioklavikularlinie und 11. Interkostalraum auf halber Strecke zwischen T10 und T12 – auf halber Strecke zwischen Nabelhöhe und Lig. inguinale |
| T12 | Medioklavikularlinie über dem Mittelpunkt des Lig. inguinale |
| L1 | Auf halbem Weg zwischen dem sensiblen Punkt an T12 und L1 |
| L2 | Anteromedialer Oberschenkel am Mittelpunkt, der die Mitte des Lig. inguinale mit dem medialen Femurkondylus verbindet |
| L3 | Medialer Femurkondylus oberhalb des Knies |
| L4 | Malleolus medialis |
| L5 | Fußrücken am 3. Metatarsophalangealgelenk |
| S1 | Laterale Seite des Kalkaneus |
| S2 | Mittelpunkt der Kniekehle |
| S3 | Über dem Tuber ischiadicum oder der infraglutealen Falte |
| S4 – 5 | Perianalbereich < 1 cm lateral des mukokutanen Übergangs |
Die Informationen in der obigen Tabelle stammen aus der Version 2011 der International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury.(6)
Der behandschuhte und mit Gleitmittel versehene Zeigefinger des Untersuchers übt einen sanften Druck auf die innere anorektale Wand aus, die von den somatosensorischen Komponenten des Nervus pudendus S4/5 innerviert wird. Der wahrgenommene Druck wird als nicht vorhanden („nein“) oder vorhanden („ja“) eingestuft. Jedes reproduzierbare Druckgefühl, das während dieses Teils der Untersuchung im Analbereich wahrgenommen wird, deutet darauf hin, dass der Patient eine sensibel inkomplette Läsion hat. Bei Personen mit Empfindung von leichter Berührung oder Nadelstich auf Höhe S4-5 ist eine Beurteilung des tiefen analen Drucks (DAP, deep anal pressure) möglicherweise nicht erforderlich, da sie bereits als Personen mit einer sensibel inkompletten Läsion eingestuft werden.(6)
Sonderthema: Digitale rektale Untersuchung (DRU) in der Forschung
Es gibt immer mehr Evidenz dafür, dass die DRU bei der Beurteilung traumatischer Rückenmarksverletzungen keine ausreichende Gültigkeit und Zuverlässigkeit aufweist. Eine systematische Überprüfung von Docimo et al. aus dem Jahr 2022(9) ergab, dass die Sensitivität der DRU bei der Erkennung von Rückenmarksverletzungen und Harnröhrenverletzungen bei erwachsenen Traumapatienten zwischen 0 und 50 % lag. Diese Überprüfung kam zu dem Schluss, dass die Verwendung der DRU bei Traumapatienten nur eine begrenzte oder keine Gültigkeit und Zuverlässigkeit bei der Beurteilung von Rückenmarks- und Harnröhrenverletzungen hat und letztlich keinen Einfluss auf die Behandlung dieser Verletzungen hat.(9)
Eine weitere Studie von Beeton et al.(10) ergab, dass die DRU eine geringe Sensitivität und Spezifität für Rückenmarksverletzungen aufweist, und empfiehlt sie nicht als Instrument für das Screening dieser Patientengruppe.
Derzeit wird in der Version 2019 der ASIA-Untersuchung die DRU weiterhin als Teil der Untersuchung und Klassifikation von Rückenmarksverletzungen verwendet.
Das sensible Niveau eines Patienten wird als das kaudalste intakte Dermatom für leichte Berührung und Nadelstich definiert. Das sensible Niveau wird durch eine Untersuchung der sensiblen Kennzonen innerhalb jedes der 28 Dermatome auf jeder Körperseite bestimmt, wie oben erläutert. Das sensible Niveau ist das intakte Dermatomniveau, das sich unmittelbar über dem ersten Dermatomniveau mit eingeschränkter oder fehlender Empfindung von leichter Berührung oder Nadelstich befindet. Es sollte für jede Körperseite bestimmt werden, da die rechte und die linke Seite verschieden sein können.
Für jedes Dermatom können bis zu vier sensible Niveaus ermittelt werden:
Das allgemeine sensible Niveau entspricht der am weitesten kaudal gelegenen intakten sensiblen Kennzone.(6)
Die sensiblen Werte jedes Dermatoms für leichte Berührung (gelb im Bild oben) und Nadelstich (grün im Bild oben) können über Dermatome und Körperseite (rechts und links) hinweg summiert werden, um zwei sensible Gesamtscores zu erstellen.
Die motorische Untersuchung umfasst die Einstufung von fünf spezifischen Muskelgruppen in den oberen Extremitäten und fünf spezifischen Muskelgruppen in den unteren Extremitäten (sog. Kennmuskeln). Die bewerteten Muskeln stellen die wichtigsten zervikalen und lumbalen Myotome dar.
Die Kennmuskeltests der 10 paarigen Myotome werden bilateral durchgeführt. Eine fehlerhafte Positionierung und/oder Stabilisation (Fixierung) können zu einer Kompensation durch andere Muskeln und somit zu einer Verzerrung der Bewertung der Muskelfunktion führen.(6)
Sonderthema: Vorsichtsmaßnahmen bei Wirbelsäulenverletzungen
- Bei allen Patienten, die eine akute traumatische Verletzung erlitten haben, sollten Vorsichtsmaßnahmen für die Wirbelsäule getroffen werden, bis eine Fraktur der Wirbelsäule ausgeschlossen werden kann. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehört die Begrenzung der Flexion, Extension, Rotation und weiteren Bewegungen der Wirbelsäule, um eine Verschlimmerung einer Rückenmarksverletzung zu vermeiden.(11)
- Die Verwendung von Halskrausen bei Verdacht auf Frakturen der Halswirbelsäule ist ein Standard-Schema für Notfälle. Untersuchungen zeigen, dass die Verwendung von Halskrausen den Hirndruck oder den Druck der zerebrospinalen Flüssigkeit erhöhen, zu Hautschädigungen führen und das Aspirationsrisiko bei älteren Menschen erhöhen kann. Es ist wichtig, Verletzungen der Halswirbelsäule so schnell wie möglich auszuschließen, um eine sichere Entfernung der Halskrause zu ermöglichen.(12)
- Bei Patienten mit Verdacht auf eine akute traumatische Verletzung unterhalb des knöchernen Niveaus von T8 sollte die Hüfte aufgrund der erhöhten kyphotischen Belastung der Lendenwirbelsäule nicht aktiv oder passiv über 90° gebeugt werden. Stattdessen sollte eine einseitige, isometrische Untersuchung durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die kontralaterale Hüfte zur Stabilisation des Beckens gestreckt bleibt.(6)
Für die Bewertung der Motorik wird eine Sechs-Punkte-Skala verwendet:
| 0 | = | Vollständige Lähmung |
| 1 | = | Tastbare oder sichtbare Kontraktion |
| 2 | = | Aktive Bewegung, volles Bewegungsausmaß unter Minimierung der Schwerkraft |
| 3 | = | Aktive Bewegung, volles Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft |
| 4 | = | Aktive Bewegung, volles Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft und mäßigen Widerstand in muskelspezifischer Position |
| 5 | = | Normale aktive Bewegung, volles Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft und vollen Widerstand in einer muskelspezifischen Position, wie sie von einer nicht beeinträchtigten Person erwartet wird |
| 5* | = | Normale aktive Bewegung, volles Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft und ausreichenden Widerstand, um als normal zu gelten, wenn keine identifizierten hemmenden Faktoren, d. h. Schmerzen, Nichtgebrauch, vorliegen |
| NT | = | Nicht prüfbar, d. h. aufgrund von Immobilisierung, starken Schmerzen, sodass der Patient nicht eingestuft werden kann, Amputation einer Extremität oder Kontraktur von >50 % des Bewegungsausmaßes |
Bitte beachten Sie den Abschnitt „Ressourcen“ am Ende dieses Artikels, in dem Videobeispiele für die motorische Untersuchung aller 10 Myotome zu finden sind.
| Segment |
Hauptmuskelfunktion und Muskeln | Beschreibung der Position für Muskelfunktionstests der Grade 4 und 5 |
|---|---|---|
| C5 | Flexion des Ellenbogens
|
90 Grad Flexion des Ellenbogens, Unterarm in Supination |
| C6 | Dorsalextension des Handgelenks
|
Volle Dorsalextension des Handgelenks |
| C7 | Extension des Ellenbogens
|
Schulter in neutraler Rotation und Adduktion bei 90 Grad Flexion mit Ellenbogen in 45 Grad Flexion |
| C8 | Flexion des Mittelfingers
|
Distale Phalanx in voller Flexion mit Stabilisation des proximalen Fingergelenks in Extension |
| T1 | Abduktion des kleinen Fingers
|
Volle Abduktion der Finger |
| L2 | Hüftflexion
|
Hüfte in 90 Grad Flexion |
| L3 | Extension des Knies
|
Knie in 15 Grad Flexion |
| L4 | Dorsalextension des Sprunggelenks
|
Volle Dorsalextension |
| L5 | Lange Extensoren der Zehen
|
Volle Extension der Großzehe |
| S1 | Plantarflexion des Sprunggelenks
|
Hüfte neutral mit voller Extension des Knies und voller Plantarflexion des Sprunggelenks |
Die Informationen in der obigen Tabelle stammen von Burns et al.(6)
Der externe Analsphinkter wird durch die somatischen motorischen Komponenten des Nervus pudendus (S2-4) innerviert. Der Untersucher führt einen behandschuhten und mit Gleitmittel bestrichenen Finger in den externen Analsphinkter ein und weist den Patienten an, „zu kneifen, als ob er den Stuhlgang zurückhalten wollte“. Eine Kontraktion wird als fehlend (0) oder vorhanden (1) bewertet.
Das motorische Niveau wird durch die kaudalste Muskelfunktion definiert, die einen Grad von mindestens 3 aufweist (in Rückenlage), vorausgesetzt, die Muskelfunktionen der Segmente oberhalb dieses Niveaus werden als intakt beurteilt (mit Grad 5 bewertet). Wie oben beschrieben, wird das motorische Niveau durch die Untersuchung der Kennmuskeln in jedem der zehn Myotome auf jeder Körperseite bestimmt. In Regionen, in denen es keine klinisch testbaren Myotome gibt (d. h. C1 bis C4, T2 bis L1 und S2 bis S5), wird davon ausgegangen, dass das motorische Niveau dem sensiblen Niveau entspricht, wenn die testbare motorische Funktion oberhalb dieses Niveaus ebenfalls normal ist.(6)
Die motorischen Werte für jedes Myotom können über Myotome und Körperseiten, rechts und links, hinweg summiert werden, um einen einzigen motorischen Score für jede der oberen Extremitäten und unteren Extremitäten zu ermitteln.
Das neurologische Verletzungsniveau wird bestimmt, indem das kaudalste Rückenmarksegment mit intakter Sensibilität und Muskelkraft gegen die Schwerkraft (Grad 3 oder mehr) auf beiden Körperseiten ermittelt wird, vorausgesetzt, dass rostral davon eine normale/intakte sensible und motorische Funktion (Grad 5) vorliegt.
Rückenmarksverletzungen werden allgemein als neurologisch „komplett“ oder „inkomplett“ klassifiziert, basierend auf der sakralen Aussparung („sacral sparing“). Sakrale Aussparung bezieht sich auf das Vorhandensein einer sensiblen oder motorischen Funktion in den kaudalsten sakralen Segmenten, was durch die Untersuchung festgestellt wird (d. h. Erhaltung der Sensibilität für leichte Berührung oder Nadelstich am Dermatom S4-5, tiefer analer Druck/DAP oder willkürliche Kontraktion des Analsphinkters).“(6)(13)
Komplette Läsion („komplette Querschnittlähmung“): „keine sakrale Aussparung, d. h. keine sensible und motorische Funktion auf Höhe S4-5
Inkomplette Läsion („inkomplette Querschnittlähmung“): sakrale Aussparung, d. h. teilweise Erhaltung der sensiblen und/oder motorischen Funktion auf Höhe S4-5
Sensibel inkomplett: sakrale Aussparung der sensiblen Funktion
Motorisch inkomplett: sakrale Aussparung der motorischen Funktion oder sakrale Aussparung der sensiblen und motorischen Funktion mehr als 3 Niveaus unterhalb des Verletzungsniveaus
| Grad | Art der Verletzung |
Beschreibung der Verletzung |
|---|---|---|
| A | Komplett | Keine sensible oder motorische Funktion in den sakralen Segmenten S4–S5 erhalten, keine sakrale Aussparung (sacral sparing) |
| B | Sensibel inkomplett | Die sensible Funktion, aber nicht die motorische, ist unterhalb des neurologischen Niveaus und in den sakralen Segmenten S4 und S5 erhalten, UND
es ist keine motorische Funktion über mehr als 3 Segmente unterhalb des motorischen Niveaus auf jeglicher Seite erhalten |
| C | Motorisch inkomplett | Die motorische Funktion ist unterhalb des neurologischen Niveaus erhalten, UND
die Mehrzahl der Kennmuskeln unterhalb des neurologischen Verletzungsniveaus hat einen Muskelkraftgrad von weniger als 3 (Grad 0-2) |
| D | Motorisch inkomplett | Die motorische Funktion ist unterhalb des neurologischen Niveaus erhalten, UND
die Mehrzahl der Kennmuskeln unterhalb des neurologischen Verletzungsniveaus hat einen Muskelkraftgrad von ≥ 3 |
| E | Normal | Die sensiblen und motorischen Funktionen sind normal in allen Segmenten, UND
der Patient hatte bereits zuvor Defizite im Zusammenhang mit einer Rückenmarksverletzung *Personen ohne Rückenmarksverletzung erhalten keinen AIS-Grad. |
| Die Informationen in der obigen Tabelle stammen aus der Version 2011 der International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury.(6) | ||
In früheren Versionen wurde die Zone des partiellen Funktionserhalts („zone of partial preservation“, ZPP) nur für komplette RMVs (AIS A) bestimmt.(6) Mit der Überarbeitung von 2019 gilt die ZPP nun jedoch für alle Fälle, unabhängig des AIS-Grades.(4)
Die Zone des partiellen Funktionserhalts bezieht sich auf die Dermatome und Myotome kaudal des sensiblen oder motorischen Niveaus, die noch teilweise innerviert sind. Das Ausmaß der sensiblen oder motorischen ZPP wird durch das kaudalste Segment mit einer gewissen sensiblen bzw. motorischen Funktion bestimmt und sollte sowohl für die rechte als auch für die linke Seite und für die sensible und motorische Funktion notiert werden.(6)
Die sensiblen und motorischen Untersuchungen der ISNCSCI sind zuverlässig (reliabel), wenn sie von einem geschulten Untersucher durchgeführt werden.(14) Sowohl die Interrater- als auch die Intrarater-Reliabilität wurden als ausgezeichnet befunden.(15)(16) Die Korrelationskoeffizienten für die Interrater- und Intrarater-Reliabilität der motorischen und sensiblen Untersuchung liegen bei 0,90 oder höher. Dies zeigt eine hohe Übereinstimmung zwischen den Bewertungen. Bei inkompletten Läsionen sind die Korrelationskoeffizienten tendenziell schwächer als bei kompletten Läsionen.(17)
Es hat sich gezeigt, dass eine formale Schulung in der Anwendung der ISNCSCI-Standards die Genauigkeit der Klassifikation des Untersuchers verbessert.(18)
Die ASIA-Skala hat starke prognostische Werte, die sich in mehreren funktionellen Ergebnissen zeigen, und kann dabei helfen, die Wiederherstellung autonomer Funktionen wie Darm/Blase, Herz-Kreislauf, Atmung und reproduktive Funktionen sowie das zukünftige Potenzial für das Gehen vorherzusagen.
Videos zu Dermatomtests
Videos zu Myotomtests
Obere Extremität
Untere Extremität
International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury: Assessmentbögen
International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury: Leitfäden für Sensibilität und Motorik
ASIA E-Learning Centre InSTeP: International Standards
ASIA E-Learning Centre ASTeP: Autonomic Anatomy & Function