Eine beträchtliche Anzahl von Menschen auf der ganzen Welt leidet im Laufe ihres Lebens an Schulterschmerzen. Sie ist die dritthäufigste muskuloskelettale Erkrankung in der medizinischen Grundversorgung.(1) Der Schultergürtel ist eine komplexe Struktur, die aus vier Gelenken, vielen Muskeln, Sehnen, Bändern und Schleimbeuteln besteht. Daher ist eine effektive subjektive und objektive Untersuchung, die die Komplexität dieser Region berücksichtigt, unerlässlich. Diese Seite bietet einen Überblick über die wichtigsten Merkmale dieser Befunderhebung.
Die Eselsbrücke L-M-N-O-P-Q-R-S-T hebt die wichtigsten Bereiche hervor, die bei der Anamnese zu berücksichtigen sind.(2)
L: Lokalisation der Symptome und Grad (Level) der funktionellen Beeinträchtigung
Die Lokalisierung der Symptome kann dem Kliniker helfen, hypothetische Diagnosen zu formulieren. Die folgende Liste führt Schmerzlokalisationen und mögliche entsprechende Ursachen auf. Bitte beachten Sie, dass diese Liste nicht vollständig ist:(2)
- Schmerzen im Bereich des Akromioklavikulargelenks (ACG): ACG-Verletzung oder -Arthrose
- oberflächliche Schmerzen im Bereich des Akromions: subakromiales Impingement / subakromiales Schmerzsyndrom usw.
- laterale Armschmerzen: Ansatz des M. supraspinatus / Frozen Shoulder
- tiefer Schmerz: Arthritis/Arthrose
- tiefer Schmerz mit Klicken: Labrum
- Schmerzen, die bis distal des Ellenbogens ausstrahlen: Pathologie der Halswirbelsäule (HWS)
Sie sollten auch berücksichtigen, wie sich die Schmerzen eines Patienten auf seine Fähigkeit auswirken, an täglichen Aktivitäten, Arbeit, Schule und Sport teilzunehmen.
M: Medizinische Faktoren (Medikamente) und Mechanismus der Verletzung
Sie sollten Ihre Patienten auf kardiale, respiratorische und obere gastrointestinale Probleme als mögliche Ursachen für übertragene Schmerzen untersuchen.(3) Erfassen Sie, welche Medikamente der Patient einnimmt, einschließlich Nahrungsergänzungsmittel, sowie alle Komorbiditäten.
Beachten Sie die folgenden Fragen, um den Mechanismus der Verletzung zu ermitteln:
- wann und wie ist die Verletzung entstanden?
- welche Kräfte waren beteiligt?
- gab es einen direkten Schlag auf die Schulter?
- in welcher Position befand sich die Hand des Patienten zum Zeitpunkt der Verletzung?
- ist der Patient auf eine ausgestreckte Hand gefallen?
- hat sich der Patient den Hals / Nacken verletzt?
Red Flags: Schmerzen ohne spezifische Verletzung oder Auslöser, Symptome im Zusammenhang mit kardiovaskulärer Aktivität und eine medizinische Vorgeschichte von Herzerkrankungen.
N: Neurologische Symptome
Zu den neurologischen Symptomen können Taubheit, Kribbeln, Parästhesien oder scharfe, brennende Schmerzen gehören, die in den Arm ausstrahlen.
Wenn diese Symptome auftreten, finden Sie heraus, ob sie konstant oder intermittierend sind und ob sie einem dermatomalen oder peripheren Nervenmuster folgen. Stellen Sie fest, ob die Symptome mit Haltungen oder Bewegungen des Nackens, der Schulter oder des Ellenbogens zusammenhängen.
O: Beruf (engl.: „occupation“), einschließlich Einschränkungen
Gibt es arbeits- oder beschäftigungsbezogene Faktoren zu berücksichtigen? Könnte es zu einer Überbeanspruchung gekommen sein? Führt der Patient wiederholte Aufgaben bzw. Bewegungen aus? Führt er Tätigkeiten über Kopf aus?
P: Provozierende und lindernde (engl.: „palliating“) Symptome
Ermitteln Sie, was die Symptome auslöst oder verschlimmert, und bestimmen Sie, wie lange es dauert, bis die Symptome abklingen, nachdem sie ausgelöst wurden. Stehen die Symptome im Zusammenhang mit Überkopf- oder Wurftätigkeiten?
Red Flags: anhaltende/konstante und unnachgiebige Symptome.
Q: Qualität der Symptome/Schmerzen
Stellen Sie fest, ob die Symptome scharf, dumpf, stechend, schmerzend oder wie ein elektrischer Schlag sind, und prüfen Sie auf Taubheit, Kribbeln oder Schwäche / Ungeschicklichkeit.
R: Ausstrahlung (engl. „radiation“) der Symptome
Beachten Sie die folgenden Fragen:
- wohin breiten sich die Symptome aus?
- werden die ausstrahlenden Symptome durch Aktivitäten oder Haltungen ausgelöst?
- Wie lange dauern die ausstrahlenden Symptome an?
Red Flags: Symptome, die sich über mehrere Dermatome ausbreiten (stellen Sie sicher, dass Sie die sensorischen Muster der peripheren Nerven überprüfen, wenn mehr als ein Dermatom betroffen ist).
S: Schweregrad der Symptome
Skalen wie die Visuelle Analogskala (VAS) oder die Numerische Rating-Skala (NRS) können verwendet werden. Berücksichtigen Sie auch, wie die Symptome die Funktion und die Aktivitäten beeinträchtigen. Muss der Patient aufgrund der Symptome Aktivitäten verändern oder einstellen?
Red Flag: Plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne Auslöser oder Unfall.
T: Zeitlicher Verlauf (engl. „timing“) der Symptome
Ermitteln Sie, wann die Symptome im Laufe des Tages auftreten und wie sie mit körperlichen Aktivitäten/Bewegungen zusammenhängen.
Red Flags: Schmerzen, die den Schlaf unterbrechen oder nachts schlimmer sind. Konstante Schmerzen.
Systemanamnese
Fragen Sie nach:
- allgemeinen Symptomen (z.B. Müdigkeit, Kurzatmigkeit)
- kardiovaskulären Risikofaktoren und Symptomen (Angina pectoris)
- obere gastrointestinale Symptome (z. B. verändern sich die Symptome beim bzw. nach dem Essen?)
Fragebögen zur Selbsteinschätzung bei Schulterschmerzen (edit | edit source)
Beurteilen Sie auf jeden Fall den gesamten oberen Quadranten (HWS, Schulter, Ellenbogen, Handgelenk und Hand) im Seitenvergleich. Wichtige Punkte an der Schulter:
- beobachten Sie die Position der Scapula; die dominante Schulter könnte tiefer stehen
- achten Sie auf die Position des ACGs – liegt eine Stufenbildung vor?
- achten Sie auf Asymmetrien, Veränderungen der Weichteile, Rötungen/Verfärbungen, Schwellungen, Blutergüsse oder Muskelatrophie
Es ist wichtig, die Scapula sowohl statisch als auch dynamisch zu beurteilen.
Die wichtigsten Punkte, auf die Sie bei der statischen Untersuchung achten sollten, sind:
- „Winging“ der Scapula (Scapula alata)
- Das „Winging“ (Abstehen) der Margo medialis scapulae geht mit einer Schwäche des M. serratus anterior einher, die häufig durch eine Lähmung des N. thoracicus longus verursacht wird(4)
- Atrophie des M. supraspinatus oder des M. infraspinatus
- Protraktion, Retraktion, Elevation oder Depression der Scapula
Denken Sie daran, die Haltung und die Schulterposition aus der hinteren, vorderen und seitlichen Perspektive zu beurteilen.
Eine Skapuladyskinesie (SD) wird definiert als: „Veränderungen der Position des Schulterblatts sowohl in Ruhe als auch bei dynamischen Bewegungen“.(5) Zu den Bewegungsvariationen gehören: verstärkte superiore Translation der Scapula nach oben mit reduzierter posteriorer Kippung, Aufwärtsrotation und Innenrotation.(5)
Die folgenden dynamischen Tests können verwendet werden, um eine Skapuladyskinesie festzustellen:
- Scapular Reposition Test (siehe Video unten)
- Scapular Flip Test (siehe Video unten)
Bitte beachten Sie, dass in der Literatur umstritten ist, inwieweit die Skapuladyskinesie mit Schulterpathologien zusammenhängt.(5)
Funktionelles Screening ( edit | edit source )
Berücksichtigen Sie beim funktionellen Screening neben der Schulter auch die Hals- und Brustwirbelsäule:
- Veränderungen der Symptome beim Bewegen der HWS können auf eine zervikale Pathologie hinweisen.
- Schmerzen beim Anheben der Schulter könnten auf subakromiale Schmerzen / subakromiales Impingement, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Schmerzen im Zusammenhang mit der Rotatorenmanschette (RM), RM-Tendinopathie oder eine Supraspinatussehnenruptur hinweisen
- Wenn ein Patient Schwierigkeiten hat, mit der Hand hinter den Rücken zu greifen, sollte eine Frozen Shoulder oder eine Pathologie der RM in Betracht gezogen werden
- Schwierigkeiten bei der horizontalen Adduktion können auf Pathologie von ACG, SCG oder Clavicula hinweisen
In der folgenden Tabelle 1 sind Bewegungen aufgeführt, die Sie bei Ihrem funktionellen Screening der Schulter berücksichtigen sollten.
Tabelle 1. Funktionelles Screening der Schulter(2)
| Bereich |
Bewegung |
| Halswirbelsäule (HWS) |
- Flexion (Kinn zur Brust)
- Extension
- Rotation (symmetrisch?)
- Lateralflexion (Ohr zur Schulter)
|
| Schulter – achten Sie auf die Symmetrie der Bewegungen |
- Horizontale Adduktion (Symptomprovokation?)
- Extension mit Innenrotation (Hand hinter dem Rücken/HHR, dann weiter in Richtung der kontralateralen Scapula )
- Flexion mit Außenrotation (Hand hinter den Nacken/HHN, dann weiter in Richtung der kontralateralen Scapula)
|
| Brustwirbelsäule (BWS) |
- Flexion
- Extension
- Rotation
|
Die wichtigsten Palpationspunkte für die Schulter sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Tabelle 2. Wichtige Palpationspunkte für die Schulter
| Arten von Strukturen |
Spezifische Bereiche zur Palpation |
| Knöcherne Punkte und Gelenke |
- Akromioklavikulargelenk (ACG, Art. acromioclavicularis)
- Tuberculum majus et minus
- Processus coracoideus
- Acromion
- Sternoklavikulargelenk (SCG)
- Margo medialis scapulae
- Zervikale Dornfortsätze (Processi spinosi)
- Spina scapulae
|
| Muskeln |
- M. biceps brachii, Caput longum
- M. supraspinatus
- M. infraspinatus
- M. subscapularis
- M. teres minor
- M. teres major
|
| Weitere |
- Achselhöhle – Lymphknoten beachten (vergrößert?)
|
Bitte sehen Sie sich das folgende optionale Video an, wenn Sie mehr über die Palpation der Schulter erfahren möchten.
Bei der Untersuchung des aktiven und passiven Bewegungsausmaßes der Schulter sollten Sie sowohl die Quantität als auch die Qualität der Bewegung berücksichtigen. Achten Sie darauf, ob es einen schmerzhaften Bogen gibt (d.h. Schmerzen zwischen 60-120 Grad Elevation der Schulter in Flexion oder Abduktion) bzw. ob der Schmerz nur endgradig auftritt. Beachten Sie die folgenden Fragen:
- wo ist der Schmerz lokalisiert?
- ist die Bewegung koordiniert?
- gibt es sichtbare Kompensationsbewegungen?
Beobachten Sie auch die Bewegungen und das Bewegungsausmaß der Scapula (d.h. den skapulohumeralen Rhythmus). Ist diese Bewegung flüssig und koordiniert? Welche Bewegung findet an der BWS statt?
Wenn Sie mehr über den skapulohumeralen Rhythmus erfahren möchten, lesen Sie bitte: Skapulohumeraler Rhythmus.
Berücksichtigen Sie, dass das Bewegungsausmaß der Schulter bei verschiedenen Populationen unterschiedlich ist:
- Männer zeigen im Durchschnitt eine größere aktive Flexion und Abduktion der Schulter, während Frauen eine größere aktive Außenrotation aufweisen
- das durchschnittliche Bewegungsausmaß nimmt mit dem Alter ab
- das durchschnittliche Bewegungsausmaß in allen Ebenen ist bei Menschen mit Diabetes reduziert
- das durchschnittliche Bewegungsausmaß der Schulter ist auf der dominanten Seite größer als auf der nicht dominanten Seite, aber Personen, die rechtsdominant sind, haben ein geringeres durchschnittliches Bewegungsausmaß als Personen, die linksdominant sind(7)
Tabelle 3 zeigt normative Werte für das Bewegungsausmaß der Schulter und typische Endgefühle. Die Angaben zum normalen Bewegungsausmaß variieren jedoch in der Literatur. Wenn möglich, verwenden Sie die nicht betroffene Seite als Vergleich für die betroffene Seite.
Tabelle 3. Bewegungsausmaß der Schulter(8)(9)
| Bewegung |
Bewegungsausmaß |
Typisches Endgefühl |
| Flexion |
- 180° (beinhaltet die Bewegung der Scapula)
- Die in der Literatur angegebenen Werte schwanken zwischen 157,1 und 161,5°(7)
|
Fest |
| Extension |
|
Fest |
| Abduktion |
|
Fest |
| Innenrotation |
- 90° (aktiv)
- 100° (passiv)
|
Fest |
| Außenrotation |
- 90° (aktiv)
- Die in der Literatur angegebenen Werte reichen von 55 bis 60,9°(7)
|
Fest |
Weitere Informationen über die Untersuchung des Bewegungsausmaßes finden Sie unter Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit.
Spezifische Punkte, die bei der Schulter zu beachten sind:
- die Innenrotation ist stärker als die Außenrotation: Verhältnis 3:2
- die Adduktion ist stärker als die Abduktion: Verhältnis 2:1
- die Extension ist stärker als die Flexion: Verhältnis 5:4(10)
Weitere Informationen über Muskelkrafttests finden Sie unter Untersuchung der Muskelkraft.
Bei der neurovaskulären Untersuchung sollten Sie den oberen Quadranten screenen, einschließlich Dermatome, Myotome (Kennmuskeln) und hier.
Achten Sie unbedingt auf die peripheren Nerven. Wenn eine einzelne Nervenwurzel betroffen ist, können Sie einen leichten Unterschied in der Kraft im Seitenvergleich feststellen. Eine periphere Nervenläsion führt jedoch in der Regel zu einer erheblichen Schwäche, da der gesamte Muskel seine Innervation verliert. In Tabelle 4 finden Sie eine Liste relevanter Tests für die peripheren Nerven der Schulter.
Tabelle 4. Tests für die peripheren Nerven(2)
| Nerv |
Innervation |
Funktion |
N. accessorius, pars spinalis
|
- M. sternocleidomastoideus
- Oberer Trapezius (OT, M. trapezius, pars descendens)
|
Unfähigkeit, den Arm um mehr als 90° zu abduzieren |
| N. musculocutaneous |
- M. biceps brachii
- M. brachialis
- M. coracobrachilais
|
Schwache Ellenbogenflexion in Supination des Unterarms |
N. thoracicus longus
|
|
Unfähigkeit, den ausgestreckten Arm zu flektieren bzw. nach vorne anzuheben („Winging“ der Scapula) |
| N. suprascapularis |
- M. supraspinatus
- M. infraspinatus
|
Schmerzen bei Flexion und/oder Abduktion der Schulter |
| N. axillaris |
- M. teres minor
- M. deltoideus
|
Unfähigkeit, den Arm zu abduzieren |
Prüfung der akzessorischen Bewegungen und der Gelenkbeweglichkeit (edit | edit source)
- Ruhestellung der Schulter: 55° Abduktion mit 30° horizontaler Adduktion und leichter Außenrotation (Skaptionsebene)(2)
- Verriegelte Stellung der Schulter: maximale Abduktion und Außenrotation(2)
- Kapselmuster des Glenohumeralgelenks: Außenrotation ist am stärksten eingeschränkt, gefolgt von Abduktion und Innenrotation (AR-ABD-IR)(11)
Akzessorische Bewegungen der Schulter (edit | edit source)
Tabelle 7 zeigt, welche akzessorischen Bewegungen (Zusatzbewegungen) an der Schulter beurteilt werden können.
Tabelle 7. Akzessorische Bewegungen der Schulter(2)
| Gelenk |
Bewegung |
| Glenohumeralgelenk (GHG) |
- Traktion nach lateral – alle Bewegungen
- Gleiten nach inferior – Abduktion
- Gleiten nach anterior – Außenrotation, horizontale Abduktion
- Gleiten nach posterior – Flexion, horizontale Adduktion
|
| Scapula |
- Traktion
- Aufwärtsrotation
- Abwärtsrotation
|
| Sternoklavikulargelenk (SCG) |
- Gleiten nach posterior – Retraktion
- Gleiten nach anterior – Protraktion
- Gleiten nach inferior – Elevation
- Gleiten nach superior – Depression
|
Häufige Schultererkrankungen und spezielle Tests (edit | edit source)
Das Glenohumeralgelenk ist unser beweglichstes Gelenk. Es verfügt über statische und dynamische Strukturen, die für Stabilität und Mobilität in mehreren Ebenen sorgen.
Aufgrund ihrer Beweglichkeit ist die Schulter anfälliger für Luxationen und Subluxationen als andere Gelenke.(12)(13) Eine Schulterinstabilität ist relativ häufig, insbesondere bei jungen Sportlern, die Kontaktsportarten ausüben.(12)(14) Sie kann durch ein Trauma, wiederholte Mikrotraumata oder eine allgemeine Gelenklaxität verursacht werden.
Arten der Schulterinstabilität:(12)(14)
- anteriore Schulterinstabilität: häufigster Typ; entwickelt sich typischerweise durch ein Trauma in Abduktion und Außenrotation (z.B. Überkopfwurf, Sturz auf den ausgestreckten Arm) → prädisponiert für eine anteriore Schultergelenksluxation
- posteriore Schulterinstabilität: entwickelt sich in der Regel durch wiederholte Traumata in Flexion, Adduktion und Innenrotation → prädisponiert für eine posteriore Schultergelenksluxation
- multidirektionale Schulterinstabilität: meist schleichender Beginn mit unspezifischen Schmerzen bei Aktivität
Patienten mit Schulterinstabilität berichten häufig über häufige Luxationen oder Subluxationen, Gelenkinstabilität und Schmerzen bei Aktivitäten.(14) Sie bemerken möglicherweise ein Gefühl des „Auskugelns“, die Schulter fühlt sich in bestimmten Positionen instabil an oder die Patienten berichten über Unsicherheit und Angst vor der Luxation.(2)
Zu den üblichen Tests für eine Schulterinstabilität gehören die folgenden:
- Testcluster (für anteriore Instabilität):
- Load-and-Shift-Test (für anteriore und posteriore Schulterinstabilität)
- Jerk-Test (posteroinferiore Instabilität)
- Posteriorer Apprehension-Test (bei posteriorer Instabilität)
- Sulcus-Zeichen (bei inferiorer Instabilität)
Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie bitte: Schulterinstabilität.
Das Labrum glenoidale ist eine faserknorpelige Struktur im Schultergelenk. Sie dient der Verankerung der Gelenkkapsel und der Schulterbänder(15) und vertieft und vergrößert die Oberfläche des Glenoids. Das Labrum wird häufig verletzt, entweder durch ein einzelnes Trauma oder durch wiederholte Traumata.(15) Zu den Ursachen für einen Labrumriss gehören: ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder die Schulter, das Ausstrecken des Arms bei einem Autounfall, das wiederholte Heben schwerer Gegenstände und das Ausführen von Tätigkeiten über dem Kopf.(2)
Zu den Symptomen, die mit Labrumläsionen einhergehen, gehören: Gefühl von Knacken, Klicken oder „Einrasten“ in der Schulter, Schmerzen bei Überkopfarbeiten oder beim Werfen eines Balls, Schwächegefühl oder Instabilität in der Schulter und diffuse Schmerzen.(2)
Labrumläsionen werden nach ihrer Position eingeteilt: superior, anterior und/oder posterior.(16) Verletzungen können auf einen Bereich beschränkt sein oder kombiniert auftreten. Kombinierte Verletzungen treten fast doppelt so häufig auf wie isolierte Verletzungen:(16)
- Superiores Labrum: SLAP-Läsionen (Superior Labrum Anterior to Posterior) sind die häufigste Verletzung des superioren Labrums. Es gibt acht Arten von SLAP-Läsionen.(15)
- Anteriores Labrum: seltenere Verletzung, oft in Verbindung mit einem Riss des Lig. glenohumerale medium.(15)
- Posteriores Labrum: weniger häufig verletzt als das anteriore Labrum.(15)
- Anteroinferiores Labrum: wird normalerweise bei Schultern mit akuter oder chronischer anteriorer Instabilität verletzt. Zu den Verletzungsarten gehören: Bankart-Läsion; Perthes-Läsion; GLAD-Läsion (glenolabral articular disruption); ALPSA-Läsion (anterior labrum periosteal sleeve avulsion).(15)
- Posteriores und posteroinferiores Labrum: relativ seltene Verletzung, mit posteriorer Instabilität verbunden. Dazu gehören die hintere Bankart-Läsion und die Kim-Läsion,(15) die posteriore GLAD-Läsion und die POLPSA-Läsion (posterior labrocapsular periosteal sleeve avulsion).
- Ausgedehnte Labrumläsion: kann bei instabilen Schultern auftreten.(15)
„Die häufigsten Labrumverletzungen sind SLAP-Läsionen Typ II bei der stabilen Schulter und Bankart-Läsionen bei der instabilen Schulter.“(15)
Zu den klinischen Tests für Labrumrisse gehören:
- Kompressions- und Rotationstest (für SLAP-Läsionen)
- Anterior-Slide-Test (für SLAP-Läsionen)
- Crank-Test (allgemein für Labrumläsionen)
- Active-Compression-Test oder O’Brien-Test (bei SLAP-Läsionen)
- Biceps-Load-Test I (für SLAP-Läsionen)
- Biceps-Load-Test II (für SLAP-Läsionen)
- Kim-Test (für posteroinferiore Labrumläsionen)
Subakromiales Impingementsyndrom / Subakromiales Schmerzsyndrom (edit | edit source)
Charles Neer prägte 1972 den Begriff „subakromiales Impingementsyndrom„. In frühen Forschungsarbeiten zum subakromialen Impingementsyndrom wurde das Impingement in der Regel als spezifische Pathologie oder Diagnose beschrieben.(17) Neer unterteilte das Impingement in drei Kategorien:(18)
- Stadium 1: Impingement durch Ödeme, Blutungen oder beides; typischerweise in Verbindung mit Überlastung
- Stadium 2: größere Fibrose und irreversible Sehnenveränderungen
- Stadium 3: Sehnenrisse können durch chronische, anhaltende Fibrose entstehen
Unser Verständnis dieser Erkrankung hat sich jedoch weiterentwickelt und das Impingement wurde als „eine Ansammlung von Symptomen und nicht als eigentliche Pathologie“ bezeichnet.(17)
„Impingement ist ein ‚Oberbegriff‘, der „eine Reihe von pathoanatomischen Veränderungen bei Patienten mit ähnlichem klinischem Erscheinungsbild umfasst.“(19)
Cools et al. weisen darauf hin, dass zwei Arten von Impingement beschrieben wurden:(17)
- subakromial (extern)
- „mechanisches Einklemmen von Weichteilen (Schleimbeutel, Sehnen der Rotatorenmanschette) im subakromialen Raum“(17)
- tritt tendenziell im mittleren Bewegungsbereich auf (schmerzhafter Bogen)
- intern
- „Einklemmen der Sehnen der Rotatorenmanschette zwischen dem Humeruskopf und dem Glenoidrand“(17)
- das Impingement kann anterosuperior oder posterosuperior sein
Ein Impingement kann auch als primär oder sekundär beschrieben werden.(17)
Es kann schwierig sein, die Symptome eines subakromialen Impingements zu beschreiben, da die Ursache der Schmerzen unterschiedlich sein kann. Zu den Symptomen gehören jedoch Schmerzen, die alltägliche Aktivitäten beeinträchtigen,(20) Schmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, Schmerzen bei Tätigkeiten über dem Kopf und Schwäche der Schultermuskulatur.(2)
Anstelle von „subakromialem Impingement“ wurden auch andere Begriffe vorgeschlagen, darunter:
- Subakromiales Schmerzsyndrom: Es wurde jedoch argumentiert, dass dieser Begriff problematisch ist, da er sich „auf eine anatomische Lokalisation bezieht, die nicht leicht zu verstehen ist, und per Definition das Akromion und das Lig, coracoacromiale ausschließt, die in direktem Zusammenhang mit den Symptomen stehen können (…) Darüber hinaus hat der Begriff ’subakromial‘ keine nennenswerte Untergrenze und ist verwirrend und ungenau.“(21)
- Rotator Cuff Related Shoulder Pain (RCRSP, etwa: „rotatorenmanschettenbedingte Schulterschmerzen“): RCRSP wurde als übergeordneter Begriff vorgeschlagen, der „ein Spektrum von Schultererkrankungen umfasst, darunter subakromiales Schmerzsyndrom (Impingementsyndrom), Rotatorenmanschetten-Tendinopathie und symptomatische partielle und komplette Risse der Rotatorenmanschettensehnen“. (22) RCRSP ist keine endgültige Diagnose, sondern eher eine klinische Hypothese. Mehr dazu finden Sie weiter unten.
Zu den spezifischen klinischen Tests, die zur Untersuchung eines Impingements verwendet werden, gehören die folgenden:(17)
- vorgeschlagener Testcluster:(23)
- Empty-Can-Test (Jobe-Test): Schmerzen beim Test = positiver Test, aber oft negativ bei posterosuperiorem Glenoid-Impingement
- Neer-Test: Die Interpretation hängt von der Lokalisation des Schmerzes ab – ein anteriorer Schmerz deutet eher auf ein subakromiales Impingement hin, während ein posteriorer Schmerz eher auf internes Impingement hinweist
- modifizierter Scapular Assistance Test
Für eine detailliertere Diskussion über unser sich entwickelndes Verständnis von „Impingement“ lesen Sie bitte:
Rotatorenmanschettenbedingte Schulterschmerzen / Rotatorenmanschettenläsion (edit | edit source)
Funktion der Muskeln der Rotatorenmanschette: Die Muskeln der Rotatorenmanschette tragen zur Stabilität des Glenohumeralgelenks bei. Die Rotatorenmanschette besteht aus den Muskeln M. subscapularis, M. supraspinatus, M. infraspinatus und M. teres minor.(24) Ihre Anatomie können Sie hier nachlesen.
Wie bereits erwähnt, gibt es anhaltende Kontroversen um die Diagnose von Erkrankungen der Rotatorenmanschette. Der Begriff „Rotatorenmanschettenbedingte Schulterschmerzen“ (RCRSP, Rotator cuff related shoulder pain) wurde vorgeschlagen, um wissenschaftlich veraltete und potenziell fehlerhafte Diagnosen wie „subakromiales Impingementsyndrom“ sowie ungewisse pathoanatomische Diagnosen wie eine Tendinitis/Tendinose der Rotatorenmanschette und partielle und komplette Risse der Rotatorenmanschettensehnen zu ersetzen.(21)
Der Begriff „Rotatorenmanschettenläsion“ bezieht sich normalerweise auf eine Tendinopathie, partielle und komplette Rupturen der Rotatorenmanschette:(2)(25)
- Rotatorenmanschettenläsionen treten häufiger bei Erwachsenen über 40 Jahren auf, insbesondere bei Personen, die Überkopfsportarten oder -berufe ausüben
- Risse sind in älteren Bevölkerungsgruppen häufiger
- Makrotraumata führen bei jüngeren Patienten tendenziell zu akuten, kompletten Rupturen
- Mikrotraumata führen bei älteren Patienten tendenziell zu degenerativen Rupturen
- bei Patienten mit starker Degeneration der Sehne kann bereits eine geringe Kraft einen kompletten Riss verursachen
Menschen mit Verletzungen der Rotatorenmanschette können über tiefe, dumpfe Schmerzen in der Schulter, Schlafstörungen (insbesondere wenn sie auf der betroffenen Schulter liegen), Schwierigkeiten, hinter den Rücken zu greifen, und Muskelschwäche berichten. Diese Symptome können ihre Fähigkeit, an den täglichen Aktivitäten teilzunehmen, erheblich beeinträchtigen.(2)
Es gibt eine Reihe klinischer Tests, die vorgeschlagen wurden, um Rotatorenmanschettenläsionen festzustellen, darunter die folgenden:(2)
- Test der Muskelkraft mit zusätzlicher Palpation der Sehne einzelner Muskeln, wie M. supraspinatus und M. infraspinatus
- Testcluster:
- speziell für die Supraspinatussehnenruptur:
- speziell für die Infraspinatussehnenruptur:
- speziell für die Teres-Minor-Sehnenruptur:
- speziell für die Subscapularissehnenruptur:
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es „nur begrenzte Evidenz für die Sensitivität oder Spezifität der üblicherweise zur Diagnose der Rotatorenmanschettenläsion verwendeten Tests“ gibt.(25)
Wenn Sie sich näher mit dem Thema Rotatorenmanschettenruptur befassen möchten, lesen Sie bitte: Rotatorenmanschettenruptur .
Eine ACG-Sprengung liegt vor, wenn der Gelenkkontakt zwischen dem distalen Ende der Clavicula und dem medialen Teil des Acromions verloren geht. Diese Trennung deutet auf eine Verletzung der stabilisierenden Bänder (z. B. des Lig. acromioclaviculare und des Lig. coracoclaviculare) hin. Die ACG-Sprengung macht etwa 10 % aller Schultergürtelverletzungen aus.(26)
Die Verletzung wird in der Regel verursacht durch: (1) eine stumpfe Verletzung des superolateralen Bereichs der Schulter oder (2) eine sekundäre Krafteinwirkung durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand oder den Ellenbogen, was zu einer nach superior gerichteten Kraft führt – dies geschieht häufig bei Kontaktsportarten.(26)
„Eine ACG-Verletzung wird leicht übersehen. Daher muss bei jedem Patienten mit einem Schultertrauma und Schmerzen im Bereich des ACGs eine ACG-Sprengung vermutet werden.“(26)
Zu den Anzeichen einer ACG-Verletzung gehören: Schmerzen direkt über dem ACG, eine Abnahme der Schmerzen beim Halten des gebeugten Arms am Körper und Schmerzen bei der horizontalen Adduktion.(2)
ACG-Verletzungen werden meist nach der Rockwood-Klassifikation eingeteilt. Dabei handelt es sich um eine erweiterte Version der früheren Klassifikationen, die von anderen Autoren, darunter Allman und Tossy et al., vorgeschlagen wurden.(27)
Zu den klinischen Tests gehören:(2)
Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie bitte den Artikel Erkrankungen des Akromioklavikulargelenks.
Frozen Shoulder / Adhäsive Kapsulitis (edit | edit source)
Frozen Shoulder, auch als „adhäsive Kapsulitis“ bezeichnet, ist eine häufige Schultererkrankung, die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursacht. Sie tritt am häufigsten bei Personen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren auf und betrifft 2-5 % der Bevölkerung.(28) Frauen haben eine höhere Rate an Frozen Shoulder als Männer.(29)
Es handelt sich um eine selbstlimitierende Erkrankung, die etwa 2–3 Jahre andauert.(30) Sie wird in der Regel in drei Phasen unterteilt, die sich überschneiden können:
- Freezing (einfrierende) Phase
- Frozen (eingefrorene) Phase
- Thawing (auftauende) Phase
Zu den Risikofaktoren gehören: Diabetes, Dupuytren-Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen (insbesondere Hypothyreose), Nephrolithiasis, Krebs, Parkinson-Krankheit, Schulterverletzungen, Rauchen, Herz- und Halsoperationen und das chronische regionale Schmerzsyndrom.(31)
Patienten klagen über:
- Schulterschmerzen
- oft am lateralen Humerus
- nächtliche Schmerzen, insbesondere beim Liegen auf der betroffenen Seite
- Steifheit / Bewegungseinschränkung (sowohl aktiv als auch passiv)
- allmählich einsetzende Steifheit / reduziertes Bewegungsausmaß in einem Kapselmuster (Außenrotation, Abduktion, Innenrotation) – die Außenrotation ist zuerst betroffen
Wenn Sie weitere Informationen über Frozen Shoulder wünschen, lesen Sie bitte: Frozen Shoulder.
- ↑ Lucas J, van Doorn P, Hegedus E, Lewis J, van der Windt D. A systematic review of the global prevalence and incidence of shoulder pain. BMC Musculoskelet Disord. 2022 Dec 8;23(1):1073.
- ↑ 2.00 2.01 2.02 2.03 2.04 2.05 2.06 2.07 2.08 2.09 2.10 2.11 2.12 2.13 2.14 2.15 Cunningham S. Overview of Shoulder Assessment Course. Plus, 2024.
- ↑ Walsh RM, Sadowski GE. Systemic Disease Mimicking Musculoskeletal Dysfunction: A Case Report Involving Referred Shoulder Pain. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2001 Dec;31(12):696–701.
- ↑ Vetter M, Charran O, Yilmaz E, Edwards B, Muhleman MA, Oskouian RJ, et al. Winged scapula: a comprehensive review of surgical treatment. Cureus. 2017 Dec 7;9(12):e1923.
- ↑ 5.0 5.1 5.2 Salamh PA, Hanney WJ, Boles T, Holmes D, McMillan A, Wagner A, Kolber MJ. Is it time to normalize scapular dyskinesis? The incidence of scapular dyskinesis in those with and without symptoms: a systematic review of the literature. Int J Sports Phys Ther. 2023 Jun 1;V18(3):558-76.
- ↑ McClure P, Tate AR, Kareha S, Irwin D, Zlupko E. A clinical method for identifying scapular dyskinesis, part 1: reliability. J Athl Train. 2009 Mar-Apr;44(2):160-4.
- ↑ 7.0 7.1 7.2 Gill TK, Shanahan EM, Tucker GR, Buchbinder R, Hill CL. Shoulder range of movement in the general population: age and gender stratified normative data using a community-based cohort. BMC Musculoskeletal Disorders. 2020 Oct 12;21(1).
- ↑ Physiopedia Range of Motion Normative Values
- ↑ Physiopedia Functional Anatomy of the Shoulder
- ↑ Ivey FM Jr, Calhoun JH, Rusche K, Bierschenk J. Isokinetic testing of shoulder strength: normal values. Arch Phys Med Rehabil. 1985 Jun;66(6):384-6. PMID: 4004537.
- ↑ Physiopedia. Glenohumeral Joint.
- ↑ 12.0 12.1 12.2 Fares MY, Boufadel P, Daher M, Koa J, Khanna A, Abboud JA. Anterior shoulder instability and open procedures: history, indications, and clinical outcomes. Clin Orthop Surg. 2023 Aug;15(4):521-33.
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