Muskuloskelettale Erkrankungen des Ellenbogens können erhebliche physische und sozioökonomische Auswirkungen auf eine Person haben.(1)(2) Viele Strukturen, darunter Knochen, Sehnen, Bänder, Schleimbeutel und Nerven, können Schmerzen im Ellenbogen verursachen.(3) Daher müssen Angehörige der Rehabilitationsberufe ein umfassendes Verständnis der Anatomie des Ellenbogens sowie der subjektiven und objektiven Untersuchung des Ellenbogens haben.
Die Eselsbrücke L-M-N-O-P-Q-R-S-T hebt die wichtigsten Bereiche hervor, die bei der Anamnese zu berücksichtigen sind.(4)
L: Lokalisation der Symptome und Grad (Level) der funktionellen Beeinträchtigung
Die Lokalisation der Symptome kann Ihnen dabei helfen, hypothetische Diagnosen zu erstellen, die darauf basieren, welche Gewebe sich in dem Bereich befinden. Denken Sie daran, zuerst zu prüfen, ob die Symptome von der Halswirbelsäule (HWS) ausstrahlen.
Sie sollten auch feststellen, wie sich die Schmerzen eines Patienten auf seine Fähigkeit auswirken, Aktivitäten des täglichen Lebens und andere Aufgaben im Zusammenhang mit Arbeit, Schule und Sport auszuführen.
M: Medizinische Faktoren (Medikamente) und Mechanismus der Verletzung
Wir müssen herausfinden, welche Medikamente ein Patient einnimmt (einschließlich Nahrungsergänzungsmittel) und welche Komorbiditäten er hat. Wir möchten auch feststellen, wann und wie die Verletzung aufgetreten ist (spezifisches Trauma, Überlastung usw.).
Red Flags: schleichender Beginn, Symptome im Zusammenhang mit kardiovaskulärer Aktivität und eine Vorgeschichte von kardiovaskulären Erkrankungen.
N: Neurologische Symptome
Zu den neurologischen Symptomen gehören Taubheit, Kribbeln, Parästhesien sowie scharfe oder brennende Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen.
Wenn neurologische Symptome vorhanden sind, müssen wir feststellen, ob sie konstant oder intermittierend sind und ob sie einem dermatomalen oder peripheren Nervenmuster folgen. Es ist wichtig festzustellen, ob die Symptome mit der Haltung oder Bewegung der HWS, der Schulter oder des Ellenbogens zusammenhängen.
O: Beruf (engl.: „occupation“), einschließlich Einschränkungen
Gibt es arbeits- oder beschäftigungsbezogene Faktoren, die von Bedeutung sind? Besteht die Möglichkeit einer Überlastung? Verrichtet der Patient irgendwelche sich wiederholenden (repetitiven) Aufgaben? Ist er ein Überkopfsportler?
P: Provozierende und lindernde (engl.: „palliating“) Symptome
Finden Sie heraus, was die Symptome verstärkt oder verschlimmert und wie lange es dauert, bis die Symptome nach einer Verschlimmerung wieder zurückgehen.
Red Flags: konstante, unablässige Symptome.
Q: Qualität der Symptome / Schmerzen
Finden Sie heraus, ob die Symptome scharf, dumpf, stechend, schmerzend oder stromschlagartig sind und ob Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein Gefühl der Schwäche / Ungeschicklichkeit auftreten.
R: Ausstrahlung (engl. „radiation“) der Symptome
Fragen, die Sie bei ausstrahlenden Symptomen stellen sollten:
- wohin strahlen die Symptome aus?
- werden die ausstrahlenden Symptome durch Aktivitäten oder eine bestimmte Haltung ausgelöst?
- Wie lange dauern die ausstrahlenden Symptome an?
Red Flags: ausstrahlende Symptome in mehreren Dermatomen (denken Sie daran, die sensorischen Muster der peripheren Nerven zu überprüfen, wenn mehr als ein Dermatom betroffen zu sein scheint).
S: Schweregrad der Symptome
Skalen wie die Visuelle Analogskala (VAS) oder die Numerische Rating-Skala (NRS) können verwendet werden, aber berücksichtigen Sie auch, wie die Symptome die Funktion und die Aktivitäten beeinträchtigen. Muss der Patient aufgrund der Symptome Aktivitäten verändern oder einstellen?
Red Flag: Plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne Auslöser oder Unfall.
T: Zeitlicher Verlauf (engl. „timing“) der Symptome
Ermitteln Sie den Zeitpunkt des Auftretens der Symptome in einem Zeitraum von 24 Stunden und im Verhältnis zur Aktivität.
Systemanamnese
- Fragen Sie nach konstitutionellen Symptomen (Müdigkeit, Kurzatmigkeit)
- Fragen Sie nach kardiovaskulären Risikofaktoren und Symptomen (Angina pectoris)
Fragebögen zur Selbsteinschätzung bei Ellenbogenschmerzen ( edit | edit source )
Beurteilen Sie den gesamten oberen Quadranten (Nacken/HWS, Schulter, Ellenbogen, Handgelenk und Hand). Beobachten Sie beide Seiten, um einen Vergleich zu ermöglichen. Die wichtigsten Punkte am Ellenbogen:
- beurteilen Sie den Tragewinkel (Kubitalwinkel, „carrying angle“) in voller Extension des Ellenbogens und Supination des Unterarms: Der in der Literatur angegebene durchschnittliche Tragewinkel variiert,(5)(6) beträgt aber bei Frauen etwa 5-16 Grad und bei Männern etwa 5-14 Grad(4)
- suchen Sie nach Asymmetrien, Weichteilveränderungen, Narben oder Schwellungen
Die wichtigsten Palpationspunkte am Ellenbogen sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1. Wichtige Palpationspunkte für den Ellenbogen
| Medialer Ellenbogen |
- Crista supracondylaris medialis (humeri)
- Epicondylus medialis humeri (medialer Epikondylus)
- Sulcus nervi ulnaris
- Nervus ulnaris
- Gemeinsame Beugesehne und M. pronator teres
|
| Lateraler Ellenbogen |
- Gemeinsame Strecksehne
- Crista supracondylaris lateralis (humeri)
- Epicondylus lateralis humeri (lateraler Epikondylus)
- Caput radii (Radiusköpfchen)
|
| Muskeln |
- M. biceps brachii
- M. brachialis
- M. brachioradialis
- Gemeinsame Beugesehne
- Gemeinsame Strecksehne
- M. triceps brachii
|
Bitte sehen Sie sich das folgende Video an, wenn Sie mehr über die Palpation des Ellenbogens erfahren möchten.
(7)
Es ist wichtig, die aktive und passive Beweglichkeit zu beurteilen, auch mit Überdruck. Weitere Informationen über die Messung des Bewegungsausmaßes finden Sie unter: Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit.
Tabelle 2 zeigt die Normwerte für das Bewegungsausmaß des Ellenbogens und typische Endgefühle. Bitte beachten Sie, dass das Bewegungsausmaß des Ellenbogens von mehreren Faktoren beeinflusst wird, darunter Alter, biologisches Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI), und dass die Angaben zum normalen Bewegungsausmaß in der Literatur variieren. Sie können oft die nicht betroffene Seite als Vergleich für die betroffene Seite verwenden.(8)
Tabelle 2. Bewegungsausmaß des Ellenbogens und Endgefühl(4)(9)
| Bewegung |
Bewegungsausmaß |
Typisches Endgefühl |
| Flexion |
- 0-145 Grad (aktiv)
- 0-160 Grad (passiv)
- Die in der Literatur angegebenen Werte schwanken zwischen 130-154 Grad(8)
|
Weich |
| Extension |
- 0-15 Grad (Hyperextension)
- Die in der Literatur angegebenen Werte liegen zwischen 6 und 11 Grad Extension(8)
|
Hart |
| Pronation |
- 80 Grad
- Die in der Literatur angegebenen Werte reichen von 75-85 Grad(8)
|
Fest |
| Supination |
- 80 Grad
- Die in der Literatur angegebenen Werte reichen von 80-104 Grad(8)
|
Fest |
Zwerus et al.(8) weisen darauf hin, dass das passive Bewegungsausmaß in der Regel 3-5 Grad größer ist als das aktive Bewegungsausmaß.
Untersuchen Sie die Kraft der Ellenbogenflexoren (M. biceps brachii, M. brachialis, M. brachioradialis) und -extensoren (M. triceps brachii, M. anconeus). Weitere Informationen über die Untersuchung der Muskelkraft finden Sie unter Untersuchung der Muskelkraft.(4)
Achten Sie als Erstes auf Veränderungen der Nägelqualität, der Farbe und der Temperatur. Führen Sie eine Nagelbettprobe durch (Farbänderung bei Druck und Entlastung). Auffälligkeiten können auf eine neurovaskuläre Beeinträchtigung hinweisen.(4)
- Brachialispuls: die A. brachialis ist proximal des Ellenbogens, zwischen dem medialen Epikondylus und der distalen Bizepssehne palpierbar(10)
- Radialispuls: die A. radialis wird am anterioren Handgelenk, proximal der Daumenwurzel palpiert(10)
- Modifizierter Allen-Test: zur Beurteilung der Durchblutung der Hand durch A. radialis und A. ulnaris(4)
- der Untersucher drückt die A. radialis und die A. ulnaris mit den Daumen ab und bittet den Patienten, 3-5 Mal die Faust zu ballen
- der Patient öffnet dann die Faust; die Handfläche sollte weniger Farbe haben (weißlicher erscheinen)
- der Untersucher löst die Kompression an einer Arterie und notiert die Zeit, die die Haut benötigt, um ihre normale Farbe wieder anzunehmen
- der Test wird dann wiederholt, wobei die andere Arterie zuerst losgelassen wird, so dass festgestellt werden kann, ob es Unterschiede in der Versorgung zwischen den Arterien gibt
Bitte sehen Sie sich die folgenden Videos an, wenn Sie mehr über die Untersuchung des Brachialis- und Radialispulses und den modifizierten Allen-Test erfahren möchten.
Akzessorische Bewegungen / Prüfung der Gelenkbeweglichkeit ( edit | edit source )
Tabelle 3 zeigt, welche akzessorischen Bewegungen Sie am Ellenbogen beurteilen können.(4)
Tabelle 3. Akzessorische Bewegungen des Ellenbogens.(4)
| Art der Bewegung |
Wann zu testen / verwenden |
| Humeroulnare Traktion/Distraktion |
- Wird getestet, wenn ein Patient eine allgemeine Einschränkung der Flexion/Extension aufweist; kann als Intervention zur Verbesserung der Flexion/Extension eingesetzt werden
- Wird getestet, wenn ein Patient eine eingeschränkte endgradige Flexion/Extension aufweist; kann zur Verbesserung der endgradigen Flexion/Extension eingesetzt werden
|
| Humeroradiale Traktion/Distraktion |
- Wird getestet, wenn ein Patient eine eingeschränkte Extension des Ellenbogens und Beweglichkeit des Radiusköpfchens aufweist; kann zur Verbesserung der allgemeinen Beweglichkeit und der Extension eingesetzt werden
|
| Humeroradiales Gleiten nach anterior (volar) und posterior (dorsal) |
- Das Gleiten nach anterior wird getestet, wenn ein Patient eine eingeschränkte Supination hat; kann zur Verbesserung der Supination verwendet werden
- Das Gleiten nach posterior, wenn ein Patient eine eingeschränkte Pronation hat; kann zur Verbesserung der Pronation verwendet werden
|
Befunderhebung bei häufigen Pathologien des Ellenbogens ( edit | edit source )
Das Kubitaltunnelsyndrom ist eine „Kompression des N. ulnaris auf seinem Weg durch den Kubitaltunnel im Bereich des Ellenbogens“.(13) Es ist die am zweithäufigsten diagnostizierte Mononeuropathie (nach dem Karpaltunnelsyndrom) und betrifft etwa 5,9 % der Allgemeinbevölkerung.(13)
Anamnese:(4)
- Taubheitsgefühl und Kribbeln im Innervationsgebiet des N. ulnaris distal des Ellenbogens
- Beschwerden in bestimmten Haltungen
- Trauma der Ellenbogenregion / Aufgaben mit repetitiver Flexion des Ellenbogens
- Valgusstress
Inspektion: Achten Sie auf eine Atrophie der vom N. ulnaris versorgten Muskeln (M. flexor carpi ulnaris, M. flexor digitorum profundus von Ring- und Kleinfinger, Hypothenarmuskulatur, M. adductor pollicis, Mm. lumbricales III und IV, Mm. interossei dorsales et palmares).
Palpation: Suchen Sie nach einer Druckempfindlichkeit im Sulcus ulnaris.
Aktives und passives Bewegungsausmaß:
- mögliche Symptome bei maximaler Flexion
- achten Sie auf die Reproduktion der Symptome während der passiven Bewegung
Manueller Muskeltest: Wahrscheinlich keine Symptome, aber suchen Sie nach Schwäche in den Muskeln, die vom N. ulnaris versorgt werden (oben bei „Inspektion“ aufgeführt).
Tests der akzessorischen Gelenkbewegungen: eher normale Befunde.(4)
Druckprovokationstest:(4)(14)
- der Ellenbogen des Patienten ist in etwa 20 Grad Flexion
- üben Sie einen Druck knapp proximal des Kubitaltunnels (Sulcus ulnaris) für maximal 60 Sekunden aus. Hören Sie früher auf, wenn der Patient Symptome entlang des Innervationsgebiets des N. ulnaris angibt.
- positiver Test = der Patient berichtet über Symptome im Innervationsgebiet des N. ulnaris
- negativer Test = die Kompression wird 60 Sekunden lang gehalten, und der Patient gibt keine Symptome an
Flexionstest des Ellenbogens:(4)(14)(15)
- beugen Sie den Ellenbogen des Patienten und üben Sie einen Überdruck aus (d.h. bei maximaler passiver Flexion des Ellenbogens)
- halten Sie diese Position für maximal 60 Sekunden und hören Sie früher auf, wenn der Patient Symptome im Innervationsgebiet des N. ulnaris angibt
- positiver Test = Reproduktion der Symptome
- negativer Test = keine Reproduktion der Symptome nach 60 Sekunden
Kombinierter Druck- und Flexionstest:(4)(14)
- eine Kombination der beiden oben genannten Tests
- üben Sie Druck auf den N. ulnaris unmittelbar proximal des Kubitaltunnels aus; dabei steht der Ellenbogen in 20 Grad Flexion
- halten Sie diesen Druck aufrecht und erhöhen Sie dann die Flexion des Ellenbogens
- positiver Test = Reproduktion der Symptome
- negativer Test = keine Reproduktion der Symptome nach 60 Sekunden
Tinel-Zeichen (Hoffmann-Tinel-Zeichen):(14)
- der Untersucher klopft 4 bis 6 Mal mit den Fingern (oder leicht mit einem Reflexhammer) auf den N. ulnaris proximal des Kubitaltunnels
- positiver Test = Reproduktion der Symptome entlang des Innervationsgebiets des N. ulnaris
- negativer Test = keine Reproduktion der Symptome
Tabelle 4 zeigt die Sensitivität, Spezifität und Likelihood Ratios (LRs) dieser Tests. Bitte beachten Sie, dass verschiedene Quellen unterschiedliche Werte für Sensitivität, Spezifität und LRs angeben. Diese Zahlen beruhen auf Untersuchungen von Novak et al.(14)
Tabelle 4. Sensitivität, Spezifität und Likelihood Ratios (LR) von speziellen Tests für das Kubitaltunnelsyndrom.(14)(4)
| Test: |
Sensitivität |
Spezifität |
Positive Likelihood Ratio (+LR) |
Negative Likelihood Ratio (-LR) |
| Druckprovokationstest |
0.89 |
0.98 |
44.5 |
0.11 |
| Flexionstest |
0.75 |
0.99 |
75 |
0.25 |
| Kombinierter Druck- und Flexionstest |
0.98 |
0.95 |
19.6 |
0.02 |
| Tinel-Zeichen |
0.70 |
0.98 |
35 |
0.31 |
Ruptur des medialen Kollateralbandes ( edit | edit source )
„Eine Zerrung des medialen Kollateralbandes des Ellenbogens (ulnares Seitenband, Lig. collaterale ulnare) tritt auf, wenn der Ellenbogen einem Valgusstress ausgesetzt wird, der die Dehnungseigenschaften der Bandstruktur übersteigt. Diese Verletzung tritt häufiger bei Wurfsportlern auf.“(16)
Anamnese:(4)
- Trauma mit Valgusstress oder repetitiver Belastung (z.B. Werfen(17))
- bei akuten Verletzungen können Patienten beschreiben, ein „Knacken“ zu hören(17)
- bei chronischen Verletzungen haben die Patienten möglicherweise bemerkt, dass ihre Genauigkeit / Geschwindigkeit beim Werfen abgenommen hat(17)
- Schmerzen entlang des medialen Ellenbogens
- Schwellung
- Hämatom
- bei einer vollständigen Ruptur klagen die Patienten über Instabilität
Inspektion: Achten Sie auf Schwellungen und mögliche Blutergüsse am medialen Ellenbogen.
Palpation: Prüfen Sie, ob der mediale Ellenbogen druckempfindlich ist.
Aktives und passives Bewegungsausmaß: eher normale Befunde.
Akzessorische Bewegungen:(4)
- ein übermäßiges mediales Gleiten der Ulna mit oder ohne Schmerzen ist wahrscheinlich, obwohl dieser Test nicht häufig durchgeführt wird
- in der Regel keine Auffälligkeit bei der Traktion
Moving-Valgus-Test:(4)
- „derzeit als klinischer Goldstandardtest akzeptiert“,(18) die Toleranz des Patienten muss bei der Auswahl dieses Tests jedoch berücksichtigt werden
- bringen Sie die Schulter des Patienten in 90 Grad Abduktion und den Ellbogen in volle Flexion
- üben Sie einen Valgusstress aus, während Sie die Schulter in 90 Grad Außenrotation bringen
- bringen Sie dann den Ellenbogen des Patienten in die Extension, während Sie diesen Valgusstress halten
- positiver Test = Schmerzen oder erhöhte Beweglichkeit im Vergleich zur anderen Seite
Valgusstresstest:(4)
- üben Sie einen Druck am proximalen lateralen Ellenbogen in Richtung Mittellinie des Körpers aus (Valgus), während der Unterarm fixiert wird
- der Test wird in 30, 60, 70 und 90 Grad Flexion des Ellenbogens durchgeführt
Wie aus Tabelle 5 hervorgeht, hat der Moving-Valgus-Test eine bessere positive und negative Likelihood Ratio als der Valgusstresstest.(4)(19)
Tabelle 5. Likelihood Ratios von Moving-Valgus-Test und Valgusstresstest.(19)
| Test: |
Positive Likelihood Ratio |
Negative Likelihood Ratio |
| Moving-Valgus-Test |
4.0 |
0.04 |
| Valgusstress-Test |
1.3 |
0.81 |
Laterale Ellenbogentendinopathie ( edit | edit source )
Die Laterale Ellenbogentendinopathie (auch bekannt als laterale Epikondylopathie, laterale Epikondylitis oder Tennisellenbogen) ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen und Funktionsstörungen des Ellenbogens,(20) mit einer Prävalenz in der Bevölkerung von 1-3 %.(21) Am häufigsten tritt sie bei Personen im Alter von 40-50 Jahren auf. „Obwohl die Krankheit selbstlimitierend ist, ist sie mit einer erheblichen Morbidität verbunden.“(21)
Anamnese:
- Schmerzen entlang des lateralen Ellenbogens, die in der Regel durch repetitive Bewegungen des Ellenbogens oder des Handgelenks verursacht werden
- Schmerzen beim Greifen (z.B. beim Händeschütteln, Drehen eines Türknaufs, Halten einer Kaffeetasse)
Inspektion:
- Patienten können zögern, die Hand zu geben
- sie tragen vielleicht bereits eine Orthese (Bandage, „Epikondylitis-Spange“)
Palpation: Druckempfindlichkeit entlang des lateralen Epikondylus und der gemeinsamen Sehne der Finger- und Handgelenkextensoren.
Aktives und passives Bewegungsausmaß:
- Schmerzen bei Volarflexion des Handgelenks mit Extension des Ellenbogens (aktiv und passiv)
- Schmerzen bei aktiver Dorsalextension des Handgelenks
Widerstandstests:
- Schmerzen bei Dorsalextension des Handgelenks gegen Widerstand
- Schmerzen bei Extension des Mittelfingers gegen Widerstand
Akzessorische Bewegungen: eher normale Befunde.(4)
Muskeltests:(4)
- Schmerzen bei der Palpation
- Schmerzen bei der Dehnung der Extensoren
- Schmerzen bei Dorsalextension des Handgelenks gegen Widerstand
Griffkraft mit Dynamometer (falls vorhanden):(4)
- im Seitenvergleich
- auf der betroffenen Seite wahrscheinlich schmerzhaft und schwächer
Mill-Test:(4)
- der Ellenbogen des Patienten ist zunächst in Flexion
- der Untersucher palpiert den lateralen Epikondylus des Patienten und bringt dann passiv den Unterarm des Patienten in Pronation, das Handgelenk in Volarflexion und den Ellbogen in Extension (wie im optionalen Video unten gezeigt)
- positiver Test = Reproduktion der bekannten Symptome, Schmerzen über dem lateralen Epikondylus
(22)
Cozen-Test:(4)
- der Untersucher legt seinen Daumen auf den lateralen Epikondylus des Patienten
- der Ellenbogen des Patienten ist in Flexion, der Unteramr in Pronation, das Handgelenk in Dorsalextension und radialer Abduktion
- der Untersucher gibt Widerstand gegen die Dorsalextension und radiale Abduktion des Handgelenks
- positiver Test = Reproduktion bekannter Symptome, plötzliche starke Schmerzen am lateralen Epikondylus
Karanasios et al.(23) stellen fest, dass der Cozen-Test eine Sensitivität von 91 % hat. „Der Cozen-Test und die Messung der Griffkraft weisen eine hohe Genauigkeit bei der Diagnose der LET (lateralen Ellenbogentendinopathie) auf, sind aber nur unzureichend untersucht.“(23)
Mediale Ellenbogentendinopathie ( edit | edit source )
Die mediale Ellenbogentendinopathie (auch bekannt als mediale Epikondylopathie, mediale Epikondylitis oder Golferellenbogen) ist weniger häufig als die laterale Ellenbogentendinopathie.(24) Sie wird „durch wiederholte Belastungen bei Aktivitäten verursacht, die häufiges Greifen mit Gewicht, Pronation des Unterarms und/oder Beugung des Handgelenks beinhalten.“(25)
Anamnese:(4)
- Schmerzen am medialen Ellenbogen bei Volarflexion des Handgelenks und Supination des Unterarms
- Schmerzen bei Tätigkeiten wie dem Gebrauch eines Schraubenziehers, beim Hämmern und bei jeder Art von kräftigem Greifen (z.B. beim Halten eines Golf- oder Baseballschlägers)
Inspektion: Patienten können zögern, die Hand zu geben.
Palpation: Druckempfindlichkeit entlang des medialen Epikondylus und der gemeinsamen Sehne der Finger- und Handgelenkflexoren.
Aktives und passives Bewegungsausmaß: Beschwerden bei der Extension des Ellenbogens und bei der Dorsalextension des Handgelenks (aktiv und passiv).
Widerstandstests: Schmerzen bei Volarflexion des Handgelenks und Pronation des Unterarms.(4)
„Distale Bizepssehnenrupturen werden meist durch eine plötzliche Extensionskraft auf den gebeugten Ellbogen verursacht. Die neuere Literatur zeigt eine steigende Inzidenz, während das Alter der Patienten mit einer distalen Bizepssehnenruptur sinkt.“(26)
Anamnese: Der Patient berichtet von einem bestimmten Vorfall, der zu einer sofortigen Abnahme der Flexionskraft im Ellenbogen führte. Er könnte anmerken, dass er zum Zeitpunkt der Verletzung einen „Knall“ gehört hat.(27)
Inspektion: Sie können den Defekt nach ein paar Tagen beobachten, wenn sich der M. biceps brachii zurückzieht.
Palpation:
- ggf. tastbarer Defekt
- ggf. Druckempfindlichkeit entlang des Bizeps
Aktives und passives Bewegungsausmaß: eingeschränktes aktives Bewegungsausmaß der Ellenbogenflexion, das passive Bewegungsausmaß bleib jedoch erhalten.
Widerstandstests: Schwäche bei Flexion des Ellenbogens gegen Widerstand.(4)
Biceps-Squeeze-Test:(4)
- der Patient sitzt mit 60-80 Grad gebeugtem Ellenbogen und leicht proniertem Unterarm (z.B. auf dem Schoß abgelegt)
- der Untersucher drückt den Bizeps des Patienten mit beiden Händen fest zusammen – eine Hand entlang des Muskelbauchs, die andere an der distalen myotendinösen Verbindung
- positiver Test = fehlende Supination des Unterarms beim Zusammendrücken des Bizeps
Biceps-Hook-Test:(4)(26)
- der Untersucher palpiert von lateral mit dem Zeigefinger die Bizepssehne in der Fossa antecubitalis, während der Patient bei 90 Grad gebeugtem Ellenbogen eine aktive Supination durchführt
- positiver Test = KEINE Sehne tastbar, unter der sich der Finger bei der Supination „einhaken“ könnte
Passive-Forearm-Pronation-Test :(4)(26)
- der Patient sitzt, der Ellenbogen ist in 90 Grad Flexion
- der Untersucher bewegt den Unterarm des Patienten passiv von der Supination in die Pronation
- positiver Test = Verlust der sicht- und tastbaren Bewegung des Muskelbauchs des M. biceps brachii
Biceps-Crease-Test:(4)(26)
- der Patient sitzt, der Ellenbogen ist in 90 Grad Flexion
- der Untersucher fixiert das Handgelenk des Patienten und legt seinen Finger auf die Fossa antecubitalis des Patienten
- der Untersucher bringt den Ellenbogen des Patienten dann passiv in die Extension und den Unterarm in die Supination. Anschließend misst er den Abstand von der Ellenbeugenfalte zum distalen Muskelbauch
- positiver Test = Abstand von mehr als 6 cm
Zwerus et al.(26) stellen fest, dass der „Biceps-Hook-Test, der Passive-Forearm-Pronation-Test, der Biceps-Crease-Test (auch Biceps-Crease-Ratio genannt), der Biceps-Squeeze-Test und der Supination-Pronation-Test für den individuellen Gebrauch untersucht wurden und eine Sensitivität von 81 % bis 100 % und eine Spezifität von 50 % bis 100 % zeigten.“ In ihrer Studie merken die Autoren an, dass die „Kombination aus einem positiven Biceps-Hook-Test und Biceps-Crease-Test am besten geeignet ist, um akute vollständige Rupturen der distalen Bizepssehne genau zu diagnostizieren.“(26)
Sieben Prozent aller Frakturen sind Ellenbogenfrakturen.(28) Extraartikuläre Frakturen treten häufiger bei Kindern auf, während intraartikuläre Frakturen (d.h. mit Gelenkbeteiligung) häufiger bei Erwachsenen über 50 Jahren vorkommen. Ellenbogenfrakturen bei jüngeren Erwachsenen werden in der Regel durch Verletzungen mit hoher Energie verursacht (z. B. Autounfälle, Sport, Stürze aus der Höhe). Bei Erwachsenen über 80 Jahren handelt es sich dagegen eher um Verletzungen mit geringer Energie (z. B. Stürze aus niedriger Höhe).(28)
Diese Tests können dazu dienen, die Notwendigkeit einer Röntgenuntersuchung festzustellen.
Vierfacher Bewegungstest (Four-way Range of Motion Test):(4)(29)
- der Patient sitzt mit dem Arm an der Seite und gestrecktem Ellenbogen
- der Patient wird aufgefordert, aktiv folgende Bewegungen durchzuführen:
- Extension bis zur verriegelten Stellung
- Flexion bis 90 Grad
- maximale Pronation in Flexion
- maximale Supination in Flexion
- positiver Test = vermindertes Bewegungsausmaß bei einem der vier Manöver
- positive Likelihood Ratio = 2,47; negative Likelihood Ratio = 0,02(29)
Ellenbogen-Extensionstest (Elbow Extension Test):(4)(30)
- der Patient sitzt mit gebeugten Ellenbogen und supinierten Unterarmen
- der Patient wird aufgefordert, die Schultern aktiv auf 90 Grad Flexion (Flexionselevation) zu bringen
- der Patient versucht dann, die Ellenbogen in die maximal mögliche Extension zu bewegen
- positiver Test = vermindertes Bewegungsausmaß des betroffenen Ellenbogens
- positive Likelihood Ratio = 1,88; negative Likelihood Ratio = 0,06(30)
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