Überblick über die Befunderhebung von Fuß und Sprunggelenk

Originale Autorin Shala Cunningham

Top-Beitragende Ewa Jaraczewska, Stacy Schiurring und Vidya Acharya

Einleitung(edit | edit source)

Die Strukturen von Fuß und Sprunggelenk sind komplex und bestehen aus vielen Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln.(1) Die Fähigkeit eines Klinikers, die anatomischen Strukturen des Fußes und des Sprunggelenks zu verstehen, ist entscheidend für die Befunderhebung und Behandlung, insbesondere für Kliniker, die mit Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen arbeiten. Eine gründliche Befunderhebung gewährleistet eine genaue Diagnose, eine angemessene Behandlungsplanung und optimale Ergebnisse für den Patienten.(2)

Diese Physiopedia-Seite befasst sich mit den wesentlichen Komponenten der Befunderhebung von Fuß und Sprunggelenk in der physiotherapeutischen Praxis. Sie folgt einem systematischen Ansatz, der von der subjektiven Untersuchung über die allgemeine objektive Untersuchung bis hin zu speziellen Tests für häufige Pathologien reicht.

Subjektive Untersuchung ( edit | edit source )

Die Merkhilfe L-M-N-O-P-Q-R-S-T gewährleistet eine umfassende Ermittlung der Anamnese und hilft bei der Entwicklung von Hypothesen zur Diagnose sowie beim Ausschluss von Begleiterkrankungen.(3)

L: Lokalisation der Symptome und Grad (Level) der funktionellen Beeinträchtigung

Die Lokalisation der Symptome kann dabei helfen, die Differenzialdiagnosen einzugrenzen, je nachdem, welche Gewebe betroffen sind. Wenn die Lokalisation der Symptome das vordere Schienbein (anteriore Tibia) umfasst, sollte ein mediales tibiales Stresssyndrom (MTSS) in Betracht gezogen werden. (4) Wadenschmerzen bei Dehnung des M. gastrocnemius können zur Diagnose einer Achillessehnen-Tendinopathie führen, insbesondere wenn die Schmerzen während der Push-off-Phase des Gangzyklus zunehmen. (5) (6) Eine Plantarfasziitis kann durch Fersenschmerzen gekennzeichnet sein, die typischerweise bei den ersten Schritten am Morgen stärker sind.(7) (6) Parästhesien entlang der Fußsohle deuten auf ein Tarsaltunnelsyndrom hin. (8) Die Morton-Neuralgie äußert sich durch Schmerzen zwischen dem 3. und 4. Mittelfußknochen.(9)

M: Medizinische Faktoren (Medikamente) und Mechanismus der Verletzung

Wir müssen herausfinden, welche Medikamente der Patient einnimmt (einschließlich Nahrungsergänzungsmittel und solche, die von Ärzten oder anderen Fachkräften verschrieben wurden) und welche Begleiterkrankungen er möglicherweise hat. Außerdem möchten wir feststellen, wann und wie die Verletzung entstanden ist, einschließlich der Fußstellung, sofern diese noch bekannt ist:

  • Forcierte Inversion oder Eversion: Verdacht auf Sprunggelenksdistorsion oder mögliche Fraktur(10)
  • Unfähigkeit zur aktiven Plantarflexion nach der Verletzung: Achillessehnenruptur in Betracht ziehen(11)

Red Flags: plötzliches Auftreten starker Schmerzen ohne Auslöser/Unfall, neurologische Symptome zum Zeitpunkt der Verletzung

N: Neurologische Symptome

Zu den neurologischen Symptomen zählen Taubheitsgefühl, Kribbeln, Parästhesien, stechende oder brennende Schmerzen sowie Schwäche.

Wenn neurologische Symptome vorliegen, müssen wir feststellen, ob sie eine sockenförmige Verteilung aufweisen, was auf eine Beteiligung mehrerer Dermatome oder peripherer Nerven hindeuten könnte. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass eine periphere Neuropathie (aufgrund von Diabetes, Vitamin-B12-Mangel oder bestimmten Medikamenten) ähnliche Symptome zeigen kann.(12)

Klinischer Hinweis: Überprüfen Sie die Dauer der Symptome und etwaige Veränderungen, wenn in der Anamnese eine periphere Neuropathie vorliegt.

O: Beruf (engl.: „occupation“), einschließlich Einschränkungen

Gibt es relevante arbeits- oder aktivitätsbezogene Faktoren?(13)(14) Besteht die Möglichkeit einer Überlastung?

P: Provozierende und lindernde (engl.: „palliating“) Symptome

Finden Sie heraus, was die Symptome verbessert oder verschlimmert. Beurteilen Sie die Irritierbarkeit des Gewebes, indem Sie feststellen, wie lange es dauert, bis die Symptome nach einer Reizung nachlassen, und dokumentieren Sie Positionen, Aktivitäten oder , die Linderung verschaffen.(15)

Red Flag: konstante, unablässige Symptome, die sich durch keine Intervention verbessern oder verschlimmern

Q: Qualität der Symptome/Schmerzen

Beschreiben Sie den Charakter der Symptome sowie das Muster und die Art der Schmerzen. Finden Sie heraus, ob die Symptome scharf, dumpf, stechend, ziehend oder stromschlagartig sind und ob Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein Gefühl von Schwäche/Ungeschicklichkeit vorliegen.(3)

R: Ausstrahlung (engl. „radiation“) der Symptome

Dokumentieren Sie Ausstrahlungsmuster sorgfältig. Stellen Sie die folgenden Fragen zu den ausstrahlenden Symptomen:(6)

  • Wo genau strahlen die Symptome aus?
  • Wie lange halten die ausstrahlenden Symptome an?
  • In welchem Zusammenhang stehen die Symptome mit einer bestimmten Aktivität oder Körperhaltung?
  • Hatten Sie Symptome wie einen elektrischen Schlag, Taubheit oder Kribbeln?

Red Flag: Ausstrahlende Symptome entlang mehrerer Dermatome

S: Schweregrad der Symptome

Bewerten Sie den Schweregrad anhand der visuellen Analogskala (VAS) oder der numerischen Rating-Skala (NRS), beurteilen Sie jedoch auch die Auswirkungen auf die täglichen Aktivitäten, funktionelle Einschränkungen und die Beeinträchtigung der Lebensqualität.(3)

Red Flag: Plötzliches Auftreten von starken Schmerzen ohne Auslöser oder Trauma.

T: Zeitlicher Verlauf (engl. „timing“) der Symptome

Dokumentieren Sie das 24-Stunden-Verhalten der Symptome und deren Zusammenhang mit Aktivitäten. Zu den Symptomen gehören Morgensteifigkeit, nächtliche Schmerzen und ein aktivitätsabhängiges Muster.(16)

Red Flag: Schmerzen, die den Schlaf unterbrechen, die nachts stärker sind (nicht im Zusammenhang mit der Schlafposition) oder konstante Symptome über 24 Stunden.

Screening auf systemische Symptome

Führen Sie stets ein Screening auf systemische (konstitutionelle) Red Flags durch, wie z. B. unerklärlichen Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß, allgemeines Unwohlsein, kürzlich aufgetretene Infektionen und Krebs in der Vorgeschichte.(3)

Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) (edit | edit source)

Standardisierte Fragebögen helfen dabei, Beeinträchtigungen zu quantifizieren, Fortschritte zu verfolgen und Behandlungsziele festzulegen. Wählen Sie Fragebögen, die die spezifischen Einschränkungen und funktionellen Ziele Ihres Patienten am besten erfassen.(17) Prüfen Sie jedes Instrument, um zu verstehen, welche Beeinträchtigungen damit erfasst werden, und stellen Sie sicher, dass es auf das Krankheitsbild Ihres Patienten abgestimmt ist.

Die folgenden Instrumente werden empfohlen:

  • Lower Extremity Functional Scale (LEFS)
    • Umfassende Bewertung der Funktion der unteren Extremitäten
    • Erfasst eine Vielzahl von funktionellen Aktivitäten
  • Foot and Ankle Ability Measure (FAAM)
    • Spezifisch für Fuß- und Sprunggelenkerkrankungen
    • Besitzt eine hohe Änderungssensitivität für diesen Bereich
  • Olerud-Molander Ankle Score
    • Bewertet die Symptome und die Funktion eines Patienten nach einer Sprunggelenksfraktur
    • Verwendet das Format einer summierten Bewertungsskala und besteht aus 9 Fragen
    • Die höchstmögliche Punktzahl beträgt 100, wobei höhere Punktzahlen auf bessere Ergebnisse hinweisen

Objektive Untersuchung (edit | edit source)

Inspektion
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Ganganalyse: Beobachten Sie das Gangbild sorgfältig und achten Sie dabei besonders auf die Fußstellung beim initialen Kontakt, in der Stoßdämpfungsphase und in der terminalen Standphase sowie antalgische Bewegungsmuster.(6)

Inspektion im Stand: Bewerten Sie die Haltung hinsichtlich Gewichtsverteilung, Fersensymmetrie, Fußgewölbe und allgemeiner Ausrichtung.(18)

Überprüfung des Schuhwerks: Abriebmuster an den Schuhen liefern wertvolle Hinweise auf Überpronation (verstärke Abnutzung der Innenkante der Sohle) oder Übersupination (stärkere Abnutzung der Außenkante), bevorzugte Belastungsbereiche und asymmetrische Abnutzung zwischen den Füßen.(19)(20)

Spezifische Inspektion der Füße: Dazu gehören die Höhe des Kahnbeins (Os naviculare), die Ausrichtung und Position des Vorfußes sowie die Varus-/Valgus-Position des Fersenbeins (Calcaneus).(3)

Umfangmessung (edit | edit source)

  • Bei der klassischen zirkulären Umfangmessung werden knöcherne Landmarken verwendet, um eine einheitliche Messung zu gewährleisten:(3)
    • 3cm proximal der Mittelfußköpfchen
    • auf Höhe der Malleolen
    • 10cm proximal der Malleolen
  • Bei der Figure-of-Eight-Methode (Messung in einer Achtertour) können Schwellungen an den Mittelfußknochen oder Bereiche proximal der Knöchel übersehen werden:(3)
    • Messung mit der Figure-of-Eight-Methode

      Das Maßband beginnt an einem Punkt zwischen M. tibialis anterior und Malleolus lateralis

    • Der Verlauf geht nach inferior und medial zur Fußsohle; plantar verläuft das Band in Richtung Fußaußenkante zum Metatarsale V
    • Dann verläuft das Maßband wieder nach oben und überkreuzt das anteriore Sprunggelenk in Richtung Malleolus medialis; von dort geht es nach posterior um den Unterschenkel und wieder zum Ausgangspunkt

Klinischer Tipp: Wenn die Schwellung über den Bereich der Achtertour hinausgeht, verwenden Sie stattdessen lieber die klassische Umfangmessung anhand der knöchernen Landmarken.

Funktionelles Screening (edit | edit source)

Beurteilen Sie die funktionelle Leistungsfähigkeit anhand von belasteten Aktivitäten, darunter:(3)(21)

  • Einbeinstand zur Beurteilung von Gleichgewicht und Stabilität
  • Kniebeuge/Hocke zur Beurteilung der Dorsalextension unter voller Belastung (Tiefe je nach Toleranz des Patienten anpassen)
  • Aufstehen aus dem Sitzen oder eine Alternative dazu für Patienten mit starken Schmerzen
  • Sportspezifische Bewegungen für Sportler, sofern angemessen

Sicherheitshinweis: Stellen Sie sicher, dass die Aktivitäten den aktuellen Symptomen und dem Funktionsniveau des Patienten angemessen sind.

Palpation(edit | edit source)

Die wichtigsten Palpationspunkte an Fuß und Sprunggelenk sind in Tabelle 1 aufgeführt.

Tabelle 1. Wichtige Palpationspunkte für Fuß und Sprunggelenk(21)
Knochenvorsprünge (auf Druckempfindlichkeit testen)
  • Innen- und Außenknöchel (Malleolus medialis et lateralis)
  • Talus
  • Kahnbein/Navikulare (Os naviculare)
  • Kuboid (Os cuboideum)
  • Keilbeine (Ossa cuneiformia)
  • Mittelfußknochen mit Mittelfußköpfchen (Ossa metatarsalia)
Weichteile und Muskeln (auf Druckempfindlichkeit testen und auf mögliche Atrophie achten)
  • Mm. peronei (Mm. fibulares)
  • M. extensor hallucis longus
  • M. tibialis anterior
  • M. tibialis posterior
  • Plantarfaszie (Aponeurosis plantaris)

Untersuchung der Beweglichkeit (edit | edit source)

Es ist wichtig, das aktive und passive Bewegungsausmaß zu beurteilen, auch mit Überdruck (wenn angemessen). Weitere Informationen über die Messung des Bewegungsausmaßes finden Sie unter: Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit.

Tabelle 2 zeigt Normwerte für das Bewegungsausmaß von Fuß und Sprunggelenk und das typische Endgefühl.

Tabelle 2. Bewegungsausmaß von Fuß und Sprunggelenk und Endgefühl
Bewegungsrichtung Aktives Bewegungsausmaß Typisches Endgefühl
Dorsalextension 0-25 Grad Fest
Plantarflexion 0-50 Grad Fest
Supination* 0-20 Grad Fest
Pronation* 0-5 Grad Fest
Inversion* 0-30 Grad Fest
Eversion* 0-18 Grad Fest
*In der Literatur werden sehr unterschiedliche Werte für das Subtalargelenk angegeben, die von 5° bis 65° reichen.(22)
Abduktion ein paar Grad Fest
Adduktion 0-11 Grad Fest
Flexion (Interphalangealgelenke) 0-45 Grad Fest
Extension (Interphalangealgelenke) 0-70 Grad Fest

Die Kinematik des Sprunggelenks kann von Person zu Person variieren. Zu den Faktoren, die sich auf das Bewegungsausmaß des Sprunggelenks auswirken, gehören die Aktivitäten des täglichen Lebens (mit geografischen und kulturellen Unterschieden), das Alter, das Geschlecht und die Methode, die zur Beurteilung des Bewegungsausmaßes verwendet wird.

Untersuchung der Muskelkraft (edit | edit source)

Beurteilen Sie die Muskelkraft der vier Kompartimente des Unterschenkels (oberflächliche und tiefe Flexorenloge, Peroneusloge und Extensorenloge) sowie der dorsalen und plantaren Muskeln des Fußes.(23)

Weitere Informationen zu manuellen Muskeltests finden Sie unter Untersuchung der Muskelkraft. Ausführliche Informationen zu den Muskeln des Fußes und des Sprunggelenks finden Sie unter Funktionelle Anatomie des Fußes und Funktionelle Anatomie des Sprunggelenks.

Klinischer Tipp: Die Dorsalextension unter Belastung liefert mehr funktionelle Hinweise als eine Untersuchung unter Entlastung. Führen Sie den Test durch, wenn der Patient die Belastung toleriert.

Neurovaskuläre Tests ( edit | edit source )

Ein umfassendes neurologisches Screening beinhaltet die Untersuchung der Myotome bzw. Kennmuskeln, Dermatome (Sensibilität) und Reflexe sowie neurodynamische Tests.(21)

Akzessorische Bewegungen/Zusatzbewegungen (edit | edit source)

Die Untersuchung der akzessorischen Bewegungen (Zusatzbewegungen) dient der Beurteilung des Gelenkspiels und hilft dabei, Restriktionen zu identifizieren, die zu funktionellen Beeinträchtigungen führen können. Die Untersuchung sollte in der Ruhestellung (Status perlaxus) des Gelenks durchgeführt werden. Die linke und die rechte Seite müssen hinsichtlich der Bewegungsqualität und des Endgefühls verglichen werden. Die Dokumentation sollte die Reaktion des Patienten auf die Mobilisation enthalten.(24)

Tabelle 3 zeigt, welche Zusatzbewegungen Sie an Fuß und Sprunggelenk überprüfen können:(24)

Tabelle 3. Akzessorische Bewegungen an Fuß und Sprunggelenk
Art der Bewegung Wann zu testen/verwenden Technik
Inversion und Eversion des Kalkaneus
  • zur Verbesserung der Beweglichkeit des Subtalargelenks
  • zur Linderung von Schmerzen im Subtalargelenk
Calcaneal inversion.png
Calcaneal eversion.png
Gleiten nach posterior im oberen Sprunggelenk (OSG)
  • zur Untersuchung und Verbesserung der Dorsalextension des Sprunggelenks
Tibiotalar posterior glide.png
Gleiten in den Metatarsophalangealgelenken (MTP-Gelenke)
  • zur Untersuchung der Extension (Gleiten nach dorsal)
  • zur Untersuchung der Flexion (Gleiten nach plantar)
  • zur Wiederherstellung der normalen Beweglichkeit im MTP-Gelenk
Metatarsophalangeal dorsal glide.png
Metatarsophalangeal plantar glide.png
Gleiten in den Interphalangealgelenken (PIP- und DIP-Gelenke)
  • zur Untersuchung der Extension (Gleiten nach dorsal)
  • zur Untersuchung der Flexion (Gleiten nach plantar)
Interphalangeal dorsal glide.png
Interphalangeal plantar glide.png

Weitere zu untersuchende Gelenke sind das distale Tibiofibulargelenk, das Subtalargelenk und die Mittelfußgelenke.(24)

Untersuchung bei häufigen Krankheitsbildern an Fuß und Sprunggelenk (edit | edit source)

Spezielle Tests helfen, die klinischen Hypothesen zu bestätigen, die während der subjektiven und objektiven Untersuchung entwickelt wurden.

Pathologie der Achillessehne (edit | edit source)

Palpationstest der Achillessehne

  • Hinweis auf eine Achillessehnen-Tendinopathie
  • Ausgangsstellung: Bauchlage, Füße hängen über die Bankkante
  • Technik:
    • Palpieren Sie vorsichtig die Achillessehne im gesamten Verlauf
    • Kneifen Sie die Sehne zwischen Daumen und Zeigefinger zusammen
  • Positiver Test: Reproduziert den Schmerz des Patienten

Arc Sign für die Achillessehne

  • Hinweis auf eine Achillessehnen-Tendinopathie
  • Ausgangsstellung: Bauchlage, Füße hängen über die Bankkante
  • Technik:
    • Palpieren Sie die Achillessehne, um den Bereich der maximalen Schwellung (Verdickung) zu identifizieren
    • Der Patient führt eine aktive Dorsalextension und Plantarflexion im Sprunggelenk durch
    • Halten Sie den verdickten Bereich zwischen den Fingern und beobachten Sie, ob er sich mit der Sehne bewegt oder statisch bleibt
  • Positiver Test: Der verdickte Bereich bewegt sich während der Bewegung mit der Sehne nach proximal und distal

Royal London Hospital Test

  • Hinweis auf eine Achillessehnen-Tendinopathie
  • Ausgangsstellung: Bauchlage, Füße hängen über die Bankkante
  • Technik:
    • Palpieren Sie die Achillessehne, um den druckempfindlichsten Abschnitt zu identifizieren
    • Der Patient führt eine maximale Dorsalextension im Sprunggelenk aus und hält diese Position
    • Palpieren Sie den empfindlichsten Abschnitt erneut
  • Positiver Test: Nachlassen oder Fehlen der Schmerzen in der maximalen Dorsalextension im Vergleich zur entspannten Position

Matles-Test

  • Hinweis auf eine Achillessehnenruptur
  • Ausgangsstellung: Bauchlage
  • Technik:
    • Der Patient wird gebeten, das Knie aktiv um 90 Grad zu beugen
    • Das Sprunggelenk bleibt entspannt
  • Positiver Test: Der betroffene Fuß fällt in die neutrale Position oder sogar in die Dorsalextension. Der Test ist negativ, wenn der Fuß in leichter Plantarflexion bleibt (Achillessehne intakt).

Thompson-Test

  • Hinweis auf eine Achillessehnenruptur
  • Ausgangsstellung: Bauchlage
  • Technik:
    • Der Therapeut komprimiert mit der Hand die Wadenmuskulatur des Patienten
  • Positiver Test: Keine Bewegung im Sprunggelenk (keine Plantarflexion). Der Test ist negativ, wenn eine Plantarflexion im Sprunggelenk stattfindet, während die Wade zusammengedrückt wird (Achillessehne intakt).

Bandinstabilität am Sprunggelenk (edit | edit source)

Vorderer Schubladentest

  • Zur Untersuchung der anterioren Stabilität des oberen Sprunggelenks (OSG) und der lateralen Bänder
  • Ausgangsstellung: Rückenlage oder Sitz (alternativ: Bauchlage, Füße hängen über die Bankkante)
  • Technik:
    • Der Therapeut fixiert mit einer Hand Tibia und Fibula
    • Das Sprunggelenk wird in 20 Grad Plantarflexion gebracht
    • Der Therapeut fasst mit der anderen Hand die Ferse und zieht den Talus nach anterior zu sich
    • Alternative Technik in Bauchlage: Der Therapeut führt einen Schub auf die Ferse in Richtung Boden aus, um den Talus nach anterior zu verschieben
  • Positiver Test: Schmerzen oder deutlicher Talusvorschub

Talar-Tilt-Test (Inversions- oder Varusstresstest)

  • Zur Beurteilung der lateralen Stabilität des Sprunggelenks
  • Ausgangsstellung: Rückenlage
  • Technik:
    • Der Therapeut fixiert die distale Tibia und Fibula mit einer Hand
    • Das Sprunggelenk wird in neutraler Position gehalten
    • Der Therapeut führt dann mit der anderen Hand eine Inversionsbewegung (Varusstress) am Rückfuß aus
  • Positionsspezifische Betonung auf einzelne Bänder:
    • Nullstellung: Lig. calcaneofibulare
    • Plantarflexion: Lig. talofibulare anterius
    • Dorsalextension: Lig. talofibulare posterius
  • Positiver Test: Schmerzen oder übermäßige Aufklappbarkeit im Vergleich zum nicht betroffenen Sprunggelenk

Eversionsstresstest

  • Zur Beurteilung der medialen Stabilität des Sprunggelenks (Integrität des Lig. deltoideum)
  • Ausgangsstellung: Rückenlage
  • Technik:
    • Der Therapeut fixiert mit einer Hand Tibia und Fibula
    • Das Sprunggelenk wird in neutraler Position gehalten
    • Der Therapeut führt dann mit der anderen Hand eine Eversionsbewegung (Valgusstress) am Rückfuß aus
  • Positionsspezifische Betonung auf einzelne Anteile des Lig. deltoideum:
    • Nullstellung: Pars tibionavicularis und Pars tibiocalcanea
    • Plantarflexion: Pars tibiotalaris anterior
    • Dorsalextension: Pars tibiotalaris posterior
  • Positiver Test: Schmerzen oder übermäßige Aufklappbarkeit im Vergleich zum nicht betroffenen Sprunggelenk

Hohe Sprunggelenkdistorsion (Syndesmoseverletzung) (edit | edit source)

Crossed-Leg-Test(25)

  • Hinweis auf hohe Sprunggelenksdistorsion / Beurteilung der Integrität der Syndesmose
  • Ausgangsstellung: Sitzend, das betroffene Bein über dem nicht betroffenen Bein gekreuzt
  • Technik:
    • Der Übergang vom mittleren zum distalen Drittel des Unterschenkels liegt auf dem kontralateralen Oberschenkel/Knie auf und dient als Drehpunkt
    • Der Patient übt eine leichte Abwärtskraft auf das mediale Knie des betroffenen Beins aus
  • Positiver Test: Schmerzen im Bereich der distalen Syndesmose

Dorsalextensions-Kompressionstest

  • Hinweis auf hohe Sprunggelenksdistorsion / Beurteilung der Integrität der Syndesmose
  • Ausgangsstellung: Stand in Schrittstellung, nicht betroffenes Bein vorne
  • Technik:
    • Der Patient bewegt sich im Ausfallschritt nach vorne, wodurch das Sprunggelenk des hinteren (betroffenen) Beins in Dorsalextension bewegt wird
    • Die Bewegung wird dann wiederholt, während der Therapeut mit den Händen eine Kompression im distalen Tibiofibulargelenk ausübt (Tibia und Fibula auf Höhe der Malleolen zusammendrücken)
  • Positiver Test: deutliche Zunahme des Bewegungsausmaßes im Sprunggelenk und/oder Verringerung der Schmerzen in der endgradigen Position bei zusätzlicher Kompression

Squeeze-Test

  • Hinweis auf hohe Sprunggelenksdistorsion / Beurteilung der Integrität der Syndesmose
  • Ausgangsstellung: Rückenlage mit angestellten Beinen oder Sitz
  • Technik:
    • Der Therapeut drückt Tibia und Fibula zusammen
    • Die Kompression wird mit beiden Händen oberhalb des Mittelpunkts der Wade angewandt
  • Positiver Test: Schmerzen über der distalen tibiofibularen Syndesmose

Tarsaltunnelsyndrom ( edit | edit source )

Dorsalextensions-Eversionstest

  • Hinweis auf Tarsaltunnelsyndrom oder Kompression des N. tibialis
  • Ausgangsstellung: Rückenlage mit 20 Grad Flexion des Knies
  • Technik:
    • Das Sprunggelenk wird in maximale Dorsalextension und Eversion gebracht
    • Alle Zehengrundgelenke werden gestreckt
    • Die Position wird für 5-10 Sekunden gehalten, während der Therapeut den Tarsaltunnel palpiert
  • Positiver Test: Druckempfindlichkeit bei der Palpation oder Reproduktion lokaler neurologischer Symptome

Tinel-Zeichen für den Tarsaltunnel

  • Hinweis auf Tarsaltunnelsyndrom oder Kompression des N. tibialis
  • Ausgangsstellung: Rückenlage
  • Technik:
    • Der Therapeut klopft wiederholt auf den N. tibialis posterior des Malleolus medialis
  • Positiver Test: Schmerzen oder Kribbeln im Versorgungsgebiet des N. tibialis

Plantarfasziitis ( edit | edit source )

Windlass-Test

  • Hinweis auf Plantarfasziitis
  • Entlastete Position: Sitz oder Rückenlage
    • Technik:
      • Der Therapeut fixiert den Kalkaneus mit einer Hand
      • Mit der anderen Hand wird das Großzehengrundgelenk in Extension gebracht
  • Belastete Position: Der Patient steht auf einer Stufe, die Zehen hängen über die Kante
    • Technik:
      • Der Therapeut bringt das Großzehengrundgelenk maximal in die Extension
  • Positiver Test: Reproduktion der plantaren Schmerzen des Patienten in der Nähe des Kalkaneus

Zusammenfassung(edit | edit source)

  1. Die Befunderhebung an Fuß und Sprunggelenk erfordert einen systematische Ansatz, der von der subjektiven Anamnese über objektive Untersuchungen bis hin zu speziellen Tests reicht. Die Verwendung der Merkhilfe L-M-N-O-P-Q-R-S-T gewährleistet eine umfassende Sammlung von Informationen, und standardisierte Ergebnismessungen quantifizieren funktionelle Einschränkungen.
  2. Eine gründliche Dokumentation sollte eine klare Beschreibung des Verletzungsmechanismus, der genauen Lokalisation und Art der Symptome, der funktionellen Einschränkungen und Ziele, objektiver Messungen im Vergleich zur kontralateralen Seite, der Ergebnisse spezieller Tests, des klinischen Reasonings für die Diagnose sowie des Behandlungsplans und der Prognose umfassen.
  3. Während der Befunderhebung sollten Kliniker wichtige Faktoren berücksichtigen, darunter Red-Flag-Symptome, die eine sofortige Überweisung gerechtfertigen; periphere Neuropathien, die die Zuverlässigkeit der Untersuchung beeinträchtigen können; den Belastungsstatus des Patienten bzw. dessen Toleranz für die Belastung; sowie die Auswahl geeigneter Tests für den Schweregrad der jeweiligen Verletzung.

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

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