Merkmale und Erkennung von Wundtypen: Arterielle und venöse Ulzera

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Dana Palmer Top-BeitragendeStacy Schiurring, Jess Bell und Tarina van der Stockt

Einleitung(edit | edit source)

Dieser Artikel enthält Informationen für Rehabilitationsfachleute, die neu in der Wundversorgung sind oder schon länger nicht mehr in der Praxis waren und einen Überblick über die Erkennung von Wundtypen benötigen. In diesem Artikel wird nicht auf Einzelheiten des Wundassessments oder der Wundbehandlung eingegangen.

Zu den fünf häufigsten Arten von chronischen Wunden gehören (1) arterielle Ulzera, (2) venöse Ulzera, (3) diabetische Wunden bzw. diabetisches Fußsyndrom, (4) Dekubitus, und (5) nicht heilende Operationswunden.

Die Begriffe „Ulkus/Ulcus“ und „Wunde“ werden in diesem Artikel synonym verwendet.(1)

Aufgrund der großen Menge an Informationen wurde dieses Thema auf drei Seiten aufgeteilt. Auf dieser Seite werden arterielle und venöse Ulzera behandelt. Mehr über das diabetische Fußsyndrom erfahren Sie in diesem Artikel. Weitere Informationen über Dekubitalulzera und nicht heilende Operationswunden finden Sie in diesem Artikel.

Arterielles Ulkus (Ulcus cruris arteriosum) ( edit | edit source )

Arteriell bedingte Ulzera (veraltet: „Raucherbein“) werden durch eine mangelnde Gewebedurchblutung der unteren Extremitäten verursacht. Diese beeinträchtigte Blutzufuhr führt zu Nährstoff- und Sauerstoffmangel und damit zu Gewebehypoxie und Zelltod. Dies führt zu einer Wundbildung in der darüber liegenden Haut und im Gewebe. Außerdem kann eine verminderte Blutzufuhr die Heilungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigen, so dass sich kleine Kratzer oder Schnitte zu Ulzera entwickeln können.(2)

  • Arterielle Wunden machen etwa 10 bis 20 % der Ulzera der unteren Extremitäten aus
  • Arteriell bedingte Ulzera sind die Folge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)(1)

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ( edit | edit source )

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird durch eine Verengung (Stenosierung) oder Verschluss (Okklusion) der Arterien verursacht, die in den meisten Fällen auf Atherosklerose zurückzuführen ist. Die pAVK kann in jeder Arterie auftreten, kommt aber in den Beinen häufiger vor als in den Armen.(3) 40 % der Menschen mit pAVK sind asymptomatisch. Wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen, können Sie eine Extremität oder ein Leben retten.(1)

  • Die pAVK tritt entlang eines Spektrums auf und verläuft progressiv
  • Sie ist symptomlos, bis sie einen Schwellenwert erreicht, bei dem der Körper nicht mehr in der Lage ist, den verminderten Blutfluss zu kompensieren, was der Fall sein kann, wenn die Arterie zu 60 % oder mehr verschlossen ist(1)

Um mehr über die pAVK und ihre Anzeichen und Symptome zu erfahren, lesen Sie bitte diesen Artikel.

pAVK-Screening ( edit | edit source )

Patienten mit pAVK haben ein höheres Risiko einer asymptomatischen koronaren Herzkrankheit (KHK) und ein größeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Daher ist es wichtig, dass Rehabilitationsfachleute in der Lage sind, eine pAVK zu erkennen. Da Fachkräfte in der Rehabilitation oft viel Zeit mit ihren Patienten verbringen und sie gut kennen lernen, sind sie möglicherweise die ersten Fachkräfte, die auf die Möglichkeit einer pAVK aufmerksam werden. Einfache und effiziente Untersuchungen am Krankenbett ermöglichen es den Fachkräften, Informationen zu sammeln und die entsprechende Überweisung zu veranlassen.(1)

Wenn diese Screening-Tests positiv ausfallen, sollte der Patient eine Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI – Ankle-Brachial Index) erhalten.(1) Damit wird der Schweregrad der arteriellen Insuffizienz der Arterienverengung beim Gehen beurteilt. Der ABI wird gemessen, indem der systolische Druck am Knöchel durch den systolischen Druck am Arm geteilt wird. Der normale ABI liegt zwischen 0,90 und 1,30. Ein niedriger Wert kann auf eine pAVK hinweisen, ein höherer Wert kann ein Zeichen für Arterienverkalkung sein.(4)
Bedeutung beim Screening Verfahren Testbeispiel (zum Vergrößern anklicken)
Puls der A. dorsalis pedis Die A. dorsalis pedis ist der Blutversorger des Fußes. Ein schwacher Dorsalis-pedis-Puls kann auf eine zugrunde liegende Durchblutungsstörung wie z. B. eine pAVK hinweisen.(5)
  • Dieser Puls ist ggf. sichtbar
  • Lokalisieren Sie den Palpationspunkt, indem Sie den Patienten bitten, den großen Zeh anzuheben; die Arterie befindet sich direkt lateral dieser Sehne.
  • Der Puls befindet sich kurz hinter dem Mittelfuß in Richtung Sprunggelenk
  • Dokumentieren Sie, welche Bewertungsskala verwendet wird(1) Siehe Tabelle unten für Details
Puls der A. tibialis posterior Die A. tibialis posterior versorgt die Flexorenloge des Unterschenkels (posteriores Kompartiment) mit Blut. Ein schwacher Tibialis-posterior-Puls kann auf eine pAVK oder ein Kompartmentsyndrom hinweisen.(6)
  • Lokalisieren Sie den Palpationspunkt in der Mitte zwischen dem Innenknöchel (Malleolus medialis) und der Achillessehne
  • Dokumentieren Sie, welche Bewertungsskala verwendet wird(1) Siehe Tabelle unten für Details
Rekapillarisierungszeit (CRT – Capillary Refill Time)
  • Die CRT ist eine körperliche Untersuchungstechnik, die eine schnelle und zuverlässige Beurteilung der adäquaten peripheren Perfusion bei Erwachsenen und Kindern ermöglicht.(7)
  • Vorteilhaft, wenn der Patient keinen oder einen verminderten Tibialis-posterior- oder Dorsalis-pedis-Puls hat
  • Üben Sie einen leichten Druck auf das distale Ende eines Fingers oder auf die Haut unmittelbar distal einer Wunde oder des zu untersuchenden Bereichs aus, bis die Farbe verschwindet (die Haut blass wird).
  • Lassen Sie den Druck los und zählen Sie, wie viele Sekunden es dauert, bis die Haut ihre ursprüngliche Farbe wieder annimmt.
  • Eine normale CRT beträgt weniger als drei Sekunden(1)
Capillary refill test.jpeg
Test der reaktiven Hyperämie (Rubor Dependency Test)(8)
  • Klinischer Test bei Verdacht auf pAVK
  • Wenn das Bein nach unten hängt, nachdem es über Herzhöhe gehalten wurde, entsteht eine reaktive Hyperämie, eine feuerrote bis dunkelrote Färbung der Haut(9)
Für weitere Informationen zu diesem Test lesen Sie bitte den nachstehenden Kasten zu diesem Thema

  • Die Extremität wird 60 Sekunden lang um 60 Grad aus der Horizontalen angehoben
  • Untersuchen Sie die Fußsohle und stellen Sie fest, ob sie blass wird Die pAVK führt dazu, dass sich die Fußsohlen bei Menschen mit heller Haut rosa bis blass und bei Menschen mit dunkler Haut grau oder aschfahl verfärben
  • Eine Blässe innerhalb von 25 Sekunden nach Anheben des Beins weist auf eine schwere Verschlusskrankheit hin. Je eher die Blässe auftritt, desto schlimmer ist die pAVK
  • Dann setzt sich der Patient an die Bettkante auf und lässt die Beine nach unten hängen
  • Eine Extremität mit normaler Perfusion nimmt innerhalb von etwa 15 Sekunden nach dem Absinken wieder eine gesunde Farbe an(9)(1)
Im folgenden Video sehen Sie ein Beispiel für die Durchführung dieses Tests.
Zwei Optionen für Bewertungsskalen zur Messung der Pulsamplitude.
Bewertungsskala Beschreibung
3-Punkte-Skala(10) 0 kein tastbarer Puls; 1+ schwacher Puls;

2+ normaler Puls;

3+ erhöhter, voller, pochender Puls;

4-Punkte-Skala(11) 0 kein tastbarer Puls; 1 + schwacher, aber erkennbarer Puls;

2 + deutet auf einen etwas schwächeren Puls als normal hin;

3 + ist ein normaler Puls;

4 + pochender Puls;

Das folgende kurze Video zeigt, wie die Rekapillarisierungszeit (CRT) und der Test für die reaktive Hyperämie durchgeführt werden.

(12)

Sonderthema: Was ist eine reaktive Hyperämie im Kontext der pAVK und wie wird sie am Patientenbett getestet?(8)

Die reaktive Hyperämie (im englischsprachigen Raum auch „depenent rubor“, also lagerungsbedingte Rötung genannt) ist ein physiologisches Zeichen im Zusammenhang mit pVK.(13) Es handelt sich um eine dunkelrote Verfärbung des Unterschenkels und des Fußes, die auftritt, wenn die Extremität nach der Hochlagerung in eine Tieflagerung unter Herzhöhe gebracht wird. Sie entsteht, weil die Arteriolen in dieser Extremität als kompensatorische Reaktion auf die vorherige Ischämie maximal erweitert sind. Die Arteriolen verengen sich nicht, obwohl der hydrostatische Druck in der Tieflagerung der Extremität hoch ist. Dies führt zu einer rötlichen Verfärbung.(14)

Wenn ein gesunder Fuß in eine Tieflagerung gebracht wird, verringert sich der kapillare Blutfluss, während das Anheben des Fußes keine Veränderung des Blutflusses bewirkt. Bei Patienten mit pAVK erhöht sich jedoch der kapillare Blutfluss in der Tieflagerung und verringert sich, sobald die Extremität hochgelagert wird.(13) Diese physiologische Veränderung ist die Grundlage für diverse Lagerungstests (z.B. Ratschow-Test, Faustschlussprobe, Bürger-Test etc.).

Die Durchführung des Bürger-Tests lautet typischerweise wie folgt:

  1. Der Patient ist in Rückenlage
  2. Das Bein wird so lange um 90 Grad gegenüber der horizontalen Ebene angehoben, bis eine Blässe festgestellt wird
  3. Das Bein wird dann langsam wieder abgesenkt, und der Winkel, in dem die Farbe zurückkehrt, wird aufgezeichnet. Dieser Winkel gilt als der, in der die zirkulatorische Funktion wieder suffizient ist.

Der Test der reaktiven Hyperämie (Rubor Dependency Test, eine Variante des Bürger-Tests) wird folgendermaßen durchgeführt:

  1. Der Patient ist in Rückenlage
  2. Das Bein wird 2 Minuten lang in einem Winkel von 60 Grad aus der Horizontalen angehoben. Auf eine eventuelle Blässe sollte geachtet werden.
  3. Der Unterschenkel wird dann für weitere 2 Minuten in eine Tieflage gebracht, wobei jede Farbveränderung notiert wird. Die Tieflagerung des Unterschenkels kann erreicht werden, indem der Patient aufgefordert wird, sich an die Bettkante zu setzen und die Beine baumeln zu lassen.(15)

Die Blässe der Extremität während dieses Tests deutet auf eine pAVK hin, ebenso wie die Rötung in der Tieflage.(13)

In der Literatur finden sich weitere Abwandlungen dieses Tests:

  • Der Winkel, in dem das Bein für die Beobachtung der Blässe angehoben wird, kann variieren(13)(15)
  • Es kann eine zusätzliche Bewegung stattfinden, z. B. kreisende Bewegungen im Sprunggelenk, wenn das Bein angehoben wird (Ratschow-Test)(16)
  • Die Beine werden über Herzhöhe angehoben und dann wird die Farbe sanft manuell aus den Füßen des Patienten „gemolken“. Eine anhaltende Blässe nach 30 Sekunden deutet bei dieser Technik auf eine schwere pAVK hin.(15)

Nach Wright et al.(13) ist der Winkel, der zur Blässe des Unterschenkels führt, wahrscheinlich wichtig, um das Ausmaß der Durchblutungsstörung und die Prognose zu bestimmen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels von Wright und Kollegen lagen jedoch noch keine Studien vor, in denen bestimmte Winkel mit dem Grad des arteriellen Verschlusses korreliert wurden.(13) Ein 2019 veröffentlichtes Lehrbuch lehrt beispielsweise, dass das Anheben eines ischämischen Beins um 15-30 Grad für 30-60 Sekunden ausreicht, um eine Blässe in der Extremität zu verursachen.(17) Weitere Untersuchungen könnten Aufschluss über den Grad der Elevation und ihre Beziehung zum Schweregrad des Arterienverschlusses geben. Dies würde Rehabilitationsfachleuten ein stärkeres Instrument zur Beurteilung am Krankenbett an die Hand geben, um eine bessere Überwachung zu unterstützen und zu entscheiden, wann eine ärztliche Überweisung erfolgen sollte.

Studien haben gezeigt, dass der Bürger-Test zwar hochsensibel für die Erkennung von Arterienverschlüssen distal der Fossa poplitea ist, aber nicht spezifisch für Arterienverschlüsse proximal der Fossa poplitea ist.(13) Dies unterstreicht, dass ein positiver Bürger-Test beim Verdacht auf pAVK hilfreich sein kann.(13)

Andere Tests, die in Betracht gezogen werden können, sind (1) der Zehen-Arm-Index, (2) die transkutane Sauerstoffdruckmessung oder (3) der segmentale Perfusionsdruck. Der Goldstandard zur Diagnose der pAVK ist die digitale Subtraktionsangiographie (DSA), eine invasive Untersuchung.(1)

Risikofaktoren für pAVK ( edit | edit source )

Risikofaktoren für pAVK und arterielle Ulzera:

  1. Rauchen. Das Zigarettenrauchen verdoppelt das Risiko einer pAVK. Das Risiko steigt kumulativ mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Anzahl der Jahre, in denen geraucht wurde.(1)
  2. Alter über 60 Jahre
    • 5-10 % der 50- bis 80-Jährigen haben eine pAVK.
    • 20-30 % der über 80-Jährigen haben eine pAVK.(1)
  3. Diabetes. Das Risiko einer pAVK ist bei Patienten mit Diabetes um das Zwei- bis Dreifache erhöht.(1)
  4. Bluthochdruck
  5. Hoher Cholesterinspiegel
  6. Atherosklerose. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nicht jede pAVK durch Atherosklerose verursacht wird.(3) Ein Gesundheits-Check-Up und die Überweisung an einen geeigneten Gesundheitsdienstleister können bei der formalen Diagnose helfen.
  7. Sedentärer Lebensstil (Bewegungsmangel)
  8. Familienvorgeschichte

Beide Geschlechter sind von der pAVK betroffen. Biologische Männer weisen jedoch eher Claudicatio-Symptome auf, während biologische Frauen eher asymptomatisch sind.(1)

Differenzialdiagnose der pAVK ( edit | edit source )

Die in der Physiotherapiepraxis häufig gesehene Spinalkanalstenose kann mit ähnlichen Symptomen wie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit einhergehen. Es ist wichtig, die Symptome dieser Erkrankungen zu unterscheiden, aber auch zu wissen, dass beide gleichzeitig auftreten können.(1)

  • Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit) bei pAVK:(1)
    • Kann im Anfangsstadium durch Ruhe (Gehpause) gelindert werden.
    • In den späteren Stadien treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf, vor allem in den Zehen und im Fuss.
  • Claudicatio spinalis bei Spinalkanalstenose:(1)
    • Typischerweise tritt eine Erleichterung ein, wenn die Kompression der Nerven innerhalb des Wirbelkanals durch einen Positionswechsel verringert wird, z. B. vom Stehen zum Sitzen oder von einer eher aufrechten Position der Wirbelsäule (Extension) in eine eher gebeugte Haltung (Flexion).
  • Ein Blick auf die anderen Zeichen und Symptome der pAVK hilft ebenfalls bei der Unterscheidung zwischen den beiden Formen.

Merkmale arterieller Wunden ( edit | edit source )

  • Treten im distalen Drittel des Beins auf.
  • Häufig lateral und distal, d. h. in der mittleren Schienbeinregion, am Außenknöchel, an den Zehen, in den Zehenzwischenräumen und an den Fersen.
  • Das Wundbett ist in der Regel blass mit gut definierten Rändern oder einem ausgestanzten Aussehen.
  • Das Wundbett ist in der Regel trocken und weist ein minimales Wundexsudat auf. Die Wunde blutet normalerweise nicht.
  • Häufig nekrotisches Gewebe, insbesondere schwarze Auflagerungen.
  • Die Haut ist blass, dunkel verfärbt oder zyanotisch.
  • Der Hautbereich um die Wunde herum ist in der Regel glänzend, spröde und unbehaart.
  • Gegebenenfalls langsam wachsende, brüchige oder harte Zehennägel.
  • Die Pulse der A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior sind vermindert oder nicht tastbar.
  • Der Unterschenkel fühlt sich oft kühl an, und in den Waden oder Füßen kann ein Muskelschwund beobachtet werden.
  • Arterielle Wunden sind in der Regel sehr schmerzhaft, und der Schmerz wird bei Hochlagerung oft schlimmer. In den späteren Stadien der pAVK treten häufig Ruheschmerzen und Brennen in den Zehen und Fußsohlen auf.

Symptome von pAVK und arteriellen Wunden:(1)

  • Langsam heilende Wunden
  • Die Füße fühlen sich meist „kalt, prickelnd oder taub“ an.
  • Muskelkrämpfe sind häufig, insbesondere bei körperlicher Anstrengung oder bei alltäglichen Aktivitäten wie Treppensteigen

Wie sich Schmerzen bei pAVK auf Befunderhebungen in der Rehabilitation auswirken können:(1)

  • Die Schmerzsymptome werden häufig einseitig angegeben. Bei etwa 80 % der Patienten liegt jedoch eine signifikante bilaterale Erkrankung vor. Wenn eine Seite stärker ausgeprägt ist, kann dies die Symptome auf der anderen Seite überdecken.
  • Die Schmerzen werden in der Regel durch eine Tieflagerung der Extremität gelindert, was jedoch zu einem Ödem führen kann. Dies ist für die Differenzialdiagnose mit Venenerkrankungen von Bedeutung.
  • Die Gehfähigkeit ist durch Schmerzen, Krämpfe oder Schwäche nach einigen hundert Metern eingeschränkt. Achten Sie auf die erwartete Besserung der Schmerzen in Ruhe, um es von anderen Arten von Schmerzen beim Gehen zu unterscheiden.

Management arterieller Wunden ( edit | edit source )

Die drei wichtigsten Faktoren beim Management arterieller Wunden:(1)

  1. Perfusion. Die Gewebedurchblutung muss so schnell wie möglich wiederhergestellt werden, damit eine Wundheilung eintreten kann. Vermeiden Sie bei diesen Patienten Kompression und Hochlagerung. Wenn die Screening-Tests auf eine schlechte Durchblutung hinweisen, sollte der Knöchel-Arm-Index (ABI) des Patienten ermittelt und dieser an einen Gefäßspezialisten überwiesen werden.
  2. Einstellen des Rauchens. Dies ist der größte modifizierbare Risikofaktor für arterielle Ulzera. Es hat sich gezeigt, dass die Entwöhnung des Rauchens die Mikroumgebung des Gewebes und die Zellfunktionen innerhalb von etwa vier Wochen wiederherstellt, und zwar umso mehr, je länger die Person auf das Rauchen verzichten kann. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“.
  3. Ernährung. Im Allgemeinen tragen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Reduzierung von Transfetten und entzündungsfördernden Lebensmitteln dazu bei, Blutdruck, Cholesterin und Entzündungen in den Griff zu bekommen.(18) Idealerweise sollte jeder Patient mit einem Ernährungsberater/Diätassistenten zusammenarbeiten, um einen maßgeschneiderten Ernährungsplan zu erhalten.

Venöses Ulkus (Ulcus cruris venosum) ( edit | edit source )

Venös bedingte Ulzera (veraltet: Unterschenkelgeschwür, „Offenes Bein“) werden durch nicht mehr richtig schließende Venenklappen verursacht, die den venösen Blutdruck erhöhen. Dies führt zum Blutstau und vermindert die Fähigkeit des Kreislaufsystems, das Blut effizient zum Herzen zurückzupumpen, was eine venöse Insuffizienz verursacht. Blutstau und venöse Hypertonie führen auch dazu, dass Blutzellen und Proteine in das umgebende subkutane Gewebe ausgelaugt werden, was zu Ödemen und schließlich zum Zusammenbruch des Gewebes und zur Wundbildung aufgrund von Sauerstoff- und Nährstoffmangel führt.(19)

  • Venöse Ulzera sind die häufigste Art von chronischen Wunden und machen mehr als 70 % aller Ulcera crurum aus.
  • Etwa ein Drittel der Erwachsenen hat eine venöse Insuffizienz, wobei die Prävalenz mit dem Alter zunimmt.
  • Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) tritt bei biologischen Frauen etwa dreimal häufiger auf als bei biologischen Männern, was in erster Linie auf die Wirkung von Östrogen und Progesteron auf die Venenfunktion zurückzuführen ist.
  • Ungefähr 25 % der Patienten mit CVI haben gleichzeitig eine arterielle Erkrankung. Verwenden Sie die oben aufgeführten pAVK-Screening-Tests, um eine gemischte Symptompräsentation (Ulcus cruris mixtum) festzustellen.(1)

Merkmale venöser Wunden ( edit | edit source )

  • Der Gamaschenbereich des Unterschenkels

    Treten am unteren Drittel des Beins, im sogenannten „Gamaschenbereich“ auf.

  • Häufiger an der medialen Seite des Unterschenkels.
  • Venöse Wunden sind in der Regel flach mit unregelmäßigen Rändern und einem granulösen oder gelatinösen, fibrotischen Wundgrund.
  • Es können gelbe Ablagerungen vorliegen; schwarze oder braune Ablagerungen sind jedoch selten.
  • Venöse Wunden neigen dazu, nass zu sein, da oft eine große Menge seröses Exsudat aus der Wunde austritt und manchmal auch aus der umgebenden Haut nässt.
  • Venöse Wunden beginnen schleichend und gehen oft mit Veränderungen der Hautfarbe und -beschaffenheit einher. Die Haut kann entzündet, verdickt, verkrustet, schuppig, glänzend oder gespannt erscheinen.
  • Es kann zu einer Stauungsdermatitis kommen: Bei helleren Hauttypen tritt eine Rötung auf, bei dunkleren Hauttypen ein violett-grauer oder aschfarbener Ton.
  • Krampfadern (Varizen)
  • Es kann zu einer Hämosiderinfärbung kommen, eine bräunlich gesprenkelte Verfärbung der Haut.
  • Es kann eine Atrophie blanche auftreten, eine weißliche Verfärbung der Haut. Diese tritt bei abgeheilten Wunden auf; andererseits ist die Atrophie blanche auch häufig ein Vorläufer für zukünftige Ulkusbildung.
  • Pulse sind vorhanden, können aber schwer zu ertasten sein, wenn der Patient starke Ödeme hat.
  • Der Unterschenkel fühlt sich typischerweise warm an.
  • Venöse Wunden sind weniger schmerzhaft als arterielle Wunden; die Patienten berichten häufig, dass die gesamte unteren Extremität „weh tut“.

Chronische Ödeme und venöse Wunden:(1)

  • Häufige Symptome bei CVI.
  • Chronische Ödeme verschlimmern sich nach längerem Stehen.
  • Zu Beginn ist das Ödem eindrückbar („Pitting oedema“), d.h. es bleibt der sichtbare Eindruck des Fingers nach dem Drücken auf die Haut.
  • Bei fortgeschrittener Erkrankung können die Ödeme fest werden und eine „holzige“ Konsistenz aufweisen. In diesem Fall liegt ein dunkles, verfärbtes, festes, nicht eindrückbares Ödem vor.
  • Im Spätstadium der CVI kann der Unterschenkel die Form einer „umgekehrten Sektflasche“ haben.
  • Zur Differenzialdiagnose: CVI-Ödeme werden in der Regel nur unterhalb des Knies beobachtet; wenn sie sich bis in den Oberschenkel ausdehnen, ist es wahrscheinlicher, dass sie auf ein Lymphödem zurückzuführen sind.
  • Zur Differenzialdiagnose: CVI-Ödeme sind in der Regel einseitig; wenn die Ödeme beidseitig und symmetrisch sind, liegt die Ursache eher bei Medikamenten oder einer anderen systemischen Erkrankung wie zum Beispiel Herzinsuffizienz.

Symptome von CVI und venös bedingten Ulzera:(1)

  • Es ist üblich, dass sich diese Wunden mehrmals verbessern und wieder verschlechtern. Bei 60-70 % der Patienten, die eine venöse Wunde hatten, tritt innerhalb von 10 Jahren ein Rezidiv auf.
  • Schmerzen oder Krämpfe im Unterschenkel.
  • Der Patient berichtet, dass sich das Bein „schwer oder müde“ anfühlt.
  • Juckreiz oder Kribbeln der Haut sind häufig, insbesondere bei Stauungsdermatitis.
  • Die Beschwerden werden durch Hochlagerung gelindert und verschlimmern sich bei Tieflagerung oder längerem Stehen.
  • Häufiges Wasserlassen in der Nacht.
  • Schmerzende Unterschenkel.

CVI-Screening und Untersuchung ( edit | edit source )

  • Beurteilung der Haut: Suche nach sichtbaren Krampfadern, Ödemen und anderen Hautveränderungen, die häufig bei CVI auftreten
  • Beurteilung der arteriellen Durchblutung durch Tasten des Tibialis-Posterior- und Dorsalis-pedis-Pulses
  • Wenn keine Pulse tastbar sind, sollte die Rekapillarisierungszeit (CRT) überprüft werden. Wenn die CRT intakt ist, ist das Fehlen der Pulse eher auf ein venöses Ödem als auf eine arterielle Insuffizienz zurückzuführen, die die Gefäße verschließt.
  • Der Brodie-Trendelenburg-Versuch und der Perthes-Test können klinisch verwendet werden, um den venösen Rückfluss zu testen.(1) Weitere Informationen zu diesen Tests finden Sie im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“.

Bitte sehen Sie sich das folgende optionale Video an, um eine kurze Demonstration einer Untersuchung der peripheren Venen zu erhalten, wie sie von einem Arzt durchgeführt wird, einschließlich des Brodie-Trendelenburg- und des Perthes-Tests.

(20)

Management venöser Wunden ( edit | edit source )

Die drei wichtigsten Faktoren für das Management venöser Wunden:

  1. Kompression. Das Ödemmanagement ist für eine gute Wundheilung unerlässlich. Die Kompression muss 24 Stunden am Tag getragen und trocken gehalten werden. Bei Patienten mit einer offenen Wunde werden die Kompressionsverbände regelmäßig gewechselt, da sich der Umfang mit dem Flüssigkeitsverlust des Ödems verändert. Sobald die Wunden verheilt sind und das Ödem stabil ist, sollte die Extremität für individuelle Kompressionsstrümpfe vermessen werden. Sie sollten den ganzen Tag über getragen werden, wenn sich das Bein des Patienten in einer Tieflage befindet, können aber zum Schlafen abgenommen werden. Der Patient kann seine alten Kompressionsstrümpfe weiter benutzen, wenn sie in gutem Zustand sind und eine angemessene Kompression bieten. Patienten sollten keine Kompressionsstrümpfe mehr tragen, die Löcher oder Laufmaschen haben. Die Strümpfe müssen in der Regel alle sechs Monate ausgetauscht werden. Wenn möglich, sollte der Patient zwei Paar besitzen, damit jeweils eines in die Wäsche gegeben werden kann.(1) Kompressionsstrümpfe dürfen nicht in den Trockner.
    • Bevor Sie eine Kompression anwenden, müssen Sie sicherstellen, dass der Patient über eine ausreichende Gewebedurchblutung verfügt und dass der Grad der Kompression für ihn angemessen ist. Dies wird mit einem ABI-Test ermittelt.(1)
  2. Ernährung. Wie bei arteriell bedingten Ulzera benötigen Patienten mit venösen Wunden eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine reduzierte Aufnahme von Nahrungsmitteln, die eine Entzündung der Blutgefäße verursachen können.(18)
  3. Bewegung. Fördern Sie Übungen, die die Muskelpumpe in den unteren Extremitäten aktivieren, um den venösen Rückfluss zu unterstützen. Beispiele hierfür sind: ein Gehprogramm, Radfahren, Wadenpumpen, Fußkreisen, mit dem Fuß das Alphabet in die Luft schreiben, Fersenheben im Sitzen und im Stehen und Übungen auf einem Kreisel. Dehnungen für den M. soleus und Übungen zur Optimierung der Beweglichkeit des Sprunggelenks können zusätzlich durchgeführt werden. Je nach Möglichkeit können die Übungen in Rückenlage durchgeführt werden, damit die Hochlagerung der Beine über Herzhöhe den venösen Rückfluss dabei unterstützt.(1)

Ressourcen(edit | edit source)

Klinische Ressourcen für die Patientenedukation:

  • Ressourcen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Raucherentwöhnung (in englischer Originalsprache)

Optionale Zusatzlektüre zu Brodie-Trendelenburg- und Perthes-Tests: (in englischer Originalsprache)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 1.19 1.20 1.21 1.22 1.23 1.24 1.25 1.26 1.27 Palmer, D. Characteristics and Identification of Wound Types. Physiotherapy Wound Care Programme. Plus. 2022.
  2. Wound Source. Arterial Ulcers. Available from: https://www.woundsource.com/patientcondition/arterial-ulcers (accessed 10/09/2022).
  3. 3.0 3.1 Centers for Disease Control and Prevention. Peripheral Arterial Disease (PAD). Available from: https://www.cdc.gov/heartdisease/PAD.htm (accessed 10/09/2022).
  4. Crawford F, Welch K, Andras A, Chappell FM. Ankle brachial index for the diagnosis of lower limb peripheral arterial disease. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2016(9).
  5. Verywell Health. Anatomy of the Dorsalis Pedis Artery. Available from: https://www.verywellhealth.com/dorsalis-pedis-artery-5097663 (accessed 11/09/2022).
  6. Verywell Health. The Anatomy of the Posterior Tibial Artery. Available from: https://www.verywellhealth.com/posterior-tibial-artery-anatomy-4707725#:~:text=The%20posterior%20tibial%20artery%20plays,connects%20to%20the%20femoral%20artery. (accessed 11/09/2022).
  7. McGuire D, Gotlib A, King J. Capillary Refill Time. InStatPearls (Internet) 2022 Apr 21. StatPearls Publishing.
  8. 8.0 8.1 Hamm, RL. Text and atlas of wound diagnosis and treatment, (2nd ed). 2019. McGraw Hill.126044046X
  9. 9.0 9.1 Woundcare Advisor. What’s causing your patient’s lower-extremity redness? Available from: https://woundcareadvisor.com/whats-causing-your-patients-lower-extremity-redness_vol2-no4/#:~:text=Dependent%20rubor%20is%20a%20fiery,is%20cool%20to%20the%20touch. (accessed 11/09/2022).
  10. Lapum JL, Verkuyl M, Garcia W. Vital Sign Measurement Across the Lifespan–1st Canadian Edition. OpenStax Anatomy and Physiology; 2017.
  11. Hill RD, Smith RB. Chapter 30: Examination of the extremities: pulses, bruits, and phlebitis. Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations. 3rd ed. Boston, MA: Butterworths. 1990.
  12. YouTube. Capillary Refill & Rubor of Dependency – Vascular Test | Klose Training. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=eJWbJ4pzX18 (last accessed 11/09/2022)
  13. 13.0 13.1 13.2 13.3 13.4 13.5 13.6 13.7 Wright WF, Rajachandran M. Buerger Test for erythromelalgia revisited. Journal of Osteopathic Medicine. 2017 Feb 1;117(2):124-6.
  14. Ijaz S, Mazhar M, Ali I, Latif F. Every red is not cellulitis: dependent rubor rare but classical finding of severe arterial insufficiency. Hospital Medicine 2018; 2018 April 8-11; Orlando, FL, USA.
  15. 15.0 15.1 15.2 Bartholomew JR. From the Masters: Lessons learned about the vascular medicine history and physical examination from the past and present. Vascular Medicine. 2021 Aug;26(4):361-6.
  16. Insall RL, Davies RJ, Prout WG. Significance of Buerger’s test in the assessment of lower limb ischaemia. Journal of the Royal Society of Medicine. 1989 Dec;82(12):729-31.
  17. Sacchidanand S, Eswari L, Shilpa K. Leg Ulcers: Diagnosis & Management. Jaypee Brothers Medical Publishers; 2019 Sep 30.
  18. 18.0 18.1 Hart MJ, Torres SJ, McNaughton SA, Milte CM. Dietary patterns and associations with biomarkers of inflammation in adults: a systematic review of observational studies. Nutrition journal. 2021 Dec;20(1):1-4.
  19. Wound Source. Venous Ulcers. Available from: https://www.woundsource.com/patientcondition/venous-ulcers (accessed 10/14/2022).
  20. YouTube. Examination of the Peripheral Venous System. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=veeEgFHmz4M (last accessed 14/09/2022)


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen