Moderne Lebensstile und das Unterrichtsethos in der Entwicklung im frühen und mittleren Kindesalter

Originale Autorin Jess Bell basierend auf dem Kurs von Tracy Prowse
Top-Beitragende Jess Bell, Kim Jackson, Naomi O’Reilly, Cindy John-Chu und Wanda van Niekerk

Einführung – Kinder in der modernen Zeit ( edit | edit source )

Im Allgemeinen bewegen sich Kinder heute weniger und verbringen mehr Zeit am Bildschirm. Die durchschnittliche Bildschirmzeit von Kindern im Alter von 0 bis 8 Jahren beträgt mehr als zwei Stunden pro Tag(1), und bei Kindern über 10 Jahren sind es 6 bis 7 Stunden (einschließlich der Bildschirmzeit in der Schule und bei den Hausaufgaben)(2) In Südafrika verbringen Kinder durchschnittlich 3 Stunden am Bildschirm und 6 Stunden im Sitzen. Das bedeutet, dass sie sich 9 Stunden am Tag weder bewegen noch Sport treiben.(2)

Außerdem spielen Kinder heute seltener frei und treiben eher formellen Sport. Allerdings brechen 70 Prozent der Kinder den formellen Sport bis zum Alter von 13 Jahren ab.(3) Infolgedessen sinkt die Zahl der Kinder, die die Richtlinien für körperliche Aktivität erfüllen.(4) 81 Prozent der Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren bewegen sich nicht ausreichend.(5)(6)

Die hohen Abbrecherquoten im Sport können folgende Gründe haben:(2)

  • Aufdringliche Eltern und Trainer
  • Burnout
  • Überlastungsverletzungen (7)
  • Unreife Knochen(7)
  • Unzureichende Erholung nach einer Verletzung
  • Mangelhaftes Training oder Konditionierung / Muskelkraft
  • Spezialisierung auf nur eine Sportart
    • Junge Sportler spezialisieren sich viel früher auf eine Sportart, obwohl Untersuchungen zeigen, dass es besser ist, vielfältige Erfahrungen zu sammeln und verschiedene Sportarten auszuprobieren(7)
  • Ganzjährige Teilnahme
  • Ethos des Sports und die „Spektakularisierung des Sports“
  • Weniger Zeit zum Spielen und mehr Zeit zum Üben
  • Allgemeine Veränderungen in der Gesellschaft

Bei der Betrachtung des Aktivitätsniveaus von Kindern ist es auch wichtig, den Begriff des „shrinking backyard“ (etwa: „schrumpfender Hinterhof“) zu berücksichtigen. Im Allgemeinen haben Kinder heute weniger Zugang zu Spielraum. Aufgrund realer oder potenzieller Gefahren spielen sie nicht mehr auf der Straße, im Park oder im Wald. Es gibt also weniger unstrukturiertes, freies Spielen.(2)

Zunahme von Schwierigkeiten in der Entwicklung ( edit | edit source )

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Kinder, bei denen eine Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde, um über 17 Prozent gestiegen. Es gibt eine Reihe von Gründen / Theorien für diese Veränderung:(2)

  • Verstärktes Bewusstsein
  • Erbliche Faktoren
  • Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
  • Höhere Raten von Frühgeburten / Fruchtbarkeitsstörungen
  • HIV-Medikamente und ADHS
  • Potenzielle chemische Toxizität(8)
  • Hoher Stresspegel bei Säuglingen und Müttern
  • Die Zeit bis zur Schwangerschaft

Es wurde auch ein Zusammenhang zwischen Unterernährung und Ergebnissen der Entwicklung in Entwicklungsländern festgestellt.(9)(10) Die ersten fünf Lebensjahre eines Kindes sind für das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns entscheidend. Schätzungen zufolge erreichen jedoch mehr als 200 Millionen Kinder unter fünf Jahren aufgrund von Unterernährung und anderen Faktoren wie Armut, fehlendem Zugang zu angemessener Kinderbetreuung und/oder Kindesmissbrauch nicht ihr Entwicklungspotenzial.(9) Saleem und Kollegen(9) stellen fest: „Mangelernährung behindert die rasche Entwicklung des Gehirns, indem sie seine strukturelle und funktionelle Kapazität beeinträchtigt, was bei den Kindern zu Entwicklungsdefiziten in allen Bereichen führt.“

Vorteile der körperlichen Aktivität ( edit | edit source )

Forschungen haben Folgendes festgestellt:

  • Körperliche Aktivität wurde mit kognitiven Leistungen in der Schule in Verbindung gebracht, einschließlich Wahrnehmungsfähigkeit, IQ, Leistung, verbale und mathematische Testergebnisse, Schulfähigkeit, insbesondere bei Kindern im Alter von 4 bis 7 Jahren(11)
  • 26 Minuten mäßig bis höher intensive Bewegung vor der Schule können die Lese- und Matheergebnisse verbessern und die exekutiven Funktionen bei Kindern mit ADHS steigern (12)
  • 30 bis 40 Minuten mäßig bis höher intensive Bewegung kann die exekutiven Funktionen, die Kognition und die Gesundheit des Gehirns bei gesunden Kindern verbessern (13)
  • 30 Minuten aerobe Aktivität vor der Schule können die Symptome von ADHS verringern(14)
  • Kinder mit ADHS-Symptomen nutzen motorische Aktivitäten, um sich zu konzentrieren
  • Bewegung und Stehen im Klassenzimmer kann die Konzentration und den Fokus fördern. Außerdem hilft es bei allen Kindern, Kalorien zu verbrennen(15)

Es ist daher offensichtlich, dass Kinder Bewegung und Sport als normalen Bestandteil ihres Schultages brauchen.(2)

Das Unterrichtsethos ( edit | edit source )

“Kinder lernen, indem sie sich bewegen und spielen, und sie BEWEGEN SICH UND SPIELEN, um zu lernen.”(2)

High Five ( edit | edit source )

High Five („Gib mir fünf“) ist ein von dem Pädagogen Gavin Keller geprägter Begriff, der sich auf das Ethos und das Umfeld einer Grund- bzw. Primarschule, insbesondere in den ersten Jahren, bezieht. Kellers ursprüngliche Version enthielt fünf Schlüsselelemente: Körperhaltung, Platz im Raum, Kommunikation, Selbstständigkeit und Fertigkeiten.(16) Tracy Prowse hat Kellers Version dahingehend modifiziert, dass sie körperliche Aktivität als dritten Finger anstelle von Kommunikation einbezieht:(2)(16)

  • Körperhaltung (Posture)
    • Wenn der Körper eines Kindes gut ausgerichtet ist, müssen die Muskeln nicht so hart arbeiten, um für Stabilität zu sorgen
    • So bleibt mehr Energie für Aufmerksamkeit und Lernen
  • Platz im Raum (Place in Space)
    • Die Kinder sollten sich an ihrem Platz im Klassenzimmer und auf dem Spielplatz (während der Aktivitäten und auf den Spielgeräten) wohlfühlen.
    • Sie sollten experimentieren und sowohl die Umgebung als auch ihre körperlichen Möglichkeiten erforschen.
    • Je mehr „Unbekannte“ es in diesem Raum gibt, desto besser ist es für die Plastizität des Gehirns und das Lernen
  • Körperliche Aktivität
    • Bewegung und Aktivität sind wesentlich für das Lernen
  • Selbstständigkeit (Independence)
    • Je häufiger Kinder sich selbständig an Aktivitäten beteiligen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Aufgabe erfolgreich bewältigen.
  • Fertigkeiten (Skills)
    • Zu den wichtigen Fertigkeiten gehören:
      • Sich anbahnende Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten
      • Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Einfühlungsvermögen, Freundlichkeit, Selbstkontrolle (d. h. prosoziale Fähigkeiten)

Es ist wichtig, dass die gesamte Schule das High-Five-Konzept übernimmt und dass der Schulleiter das Ethos vorantreibt, indem er sich Zeit für „Wake ’n Shake“-Aktivitäten nimmt.(2) Der Schulleiter sollte auch:(2)

  • Alternative Methoden zur Gestaltung des Klassenzimmers fördern
  • Bewegungspausen ermutigen
    • Die Verwendung einer Schulglocke als Erinnerung für Lehrer und Schüler, diese Pausen einzulegen, in Betracht ziehen
  • Informationen an die Eltern über die Förderung von Bewegung und Spiel weitergeben

Das folgende Video bietet einige zusätzliche Informationen über das Lernen von Kindern.

(17)

Die Kernbereiche der Bewegungskompetenz ( edit | edit source )

Mit dem Canadian Assessment of Physical Literacy (CAPL) wurde erstmals ein Protokoll entwickelt, mit dem ein breites Spektrum von Fertigkeiten und Fähigkeiten, die zur Bewegungskompetenz eines Kindes beitragen und diese charakterisieren, zuverlässig und genau bewertet werden kann.(18)(19)(20)

Die Bewegungskompetenz umfasst nicht nur Fitness, motorische Fertigkeiten und Motivation. Aus diesem Grund wurde das CAPL entwickelt, um die verschiedenen Komponenten der Bewegungskompetenz zu bewerten, darunter:(18)

  • Tägliches Verhalten
  • Motivation und Selbstvertrauen
  • Wissen und Verständnis
  • Körperliche Kompetenz

(21)

Die folgenden miteinander verbundenen Faktoren können die Bewegungskompetenz eines Kindes beeinflussen:(22)

  • Familie
  • Freies Spielen
  • Kind
  • Gemeinschaft
    • Sport und Freizeitgestaltung
  • Gleichaltrige
  • Schule
    • Schulsport
    • Klassenzimmer
  • Sportunterricht

Wer profitiert am meisten? ( edit | edit source )

Die folgenden Kinder profitieren am meisten von organisierter, strukturierter körperlicher Aktivität:(2)

  • Kinder, die Schwierigkeiten mit der Koordination, der Ballfertigkeit, dem Springen und Hüpfen haben
    • d. h. Kinder, die allgemein ungeschickt sind
  • Kinder, die schnell ermüden und häufig versuchen, den Sportunterricht, unstrukturierte körperliche Aktivitäten oder formellen Sport zu vermeiden
    • Diese Kinder sind in der Regel unmotiviert, haben ein geringes Selbstwertgefühl und es fehlt ihnen an Selbstvertrauen und Fertigkeiten
  • Kinder, die sehr „biegsam“ sind und oft Schmerzen zu haben scheinen
    • Diese Kinder neigen auch dazu, den Sportunterricht regelmäßig zu meiden.
  • Kinder, die sich nicht 60 Minuten pro Tag körperlich betätigen
  • Kinder, die sich nur schwer konzentrieren können, eine schlechte Handschrift haben und zum Zappeln neigen
  • Kinder unter 5 Jahren (d. h. Kindergarten, Vorschule)

Fazit(edit | edit source)

  • Das Aktivitätsniveau sinkt und die Bildschirmzeit nimmt bei Kindern zu
  • Eine Steigerung der körperlichen Aktivität kann sich positiv auf das Lernen von Kindern auswirken.
  • Eine bewegungsfördernde Atmosphäre im Klassenzimmer kann für Kinder von Vorteil sein.
  • Die Beurteilung und Behandlung von Kindern, insbesondere von Kindern mit Entwicklungsstörungen, wird hier erörtert.

Referenzen(edit | edit source)

  1. Madigan S, Browne D, Racine N, Mori C, Tough S. Association between screen time and children’s performance on a developmental screening test. JAMA Pediatr. 2019;173(3):244-50.
  2. 2.00 2.01 2.02 2.03 2.04 2.05 2.06 2.07 2.08 2.09 2.10 Prowse, T. The Social, Cognitive and Emotional Development of Children – Modern Lifestyles and Classroom Ethos Course. Plus , 2021.
  3. Gadient W, Hawili R, Strand B. Athlete drop outs, sport specialization, and sport diversification: an argument for late specialization in youth sport. 2020.
  4. Frömel K, Groffik D, Mitáš J, Madarasová Gecková A, Csányi T. Physical activity recommendations for segments of school days in adolescents: support for health behavior in secondary schools. Front Public Health. 2020;8:527442.
  5. Chaput JP, Willumsen J, Bull F, Chou R, Ekelund U,Firth J et al. 2020 WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour for children and adolescents aged 5–17 years: summary of the evidence. Int J Behav Nutr Phys Act. 2020;17:141.
  6. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S, Borodulin K, Buman MP, Cardon G et al. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 2020;54:1451-62.
  7. 7.0 7.1 7.2 Bergeron MF, Mountjoy M, Armstrong N, Chia M, Côté J, Emery CA et al. International Olympic Committee consensus statement on youth athletic development. Br J Sports Med. 2015;49(13):843-51.
  8. Grandjean P, Landrigan PJ. Neurobehavioural effects of developmental toxicity. Lancet Neurol. 2014;13(3):330-8.
  9. 9.0 9.1 9.2 Saleem J, Zakar R, Bukhari GMJ, Fatima A, Fischer F. Developmental delay and its predictors among children under five years of age with uncomplicated severe acute malnutrition: a cross-sectional study in rural Pakistan. BMC Public Health. 2021;21(1):1397.
  10. van den Heuvel M, Voskuijl W, Chidzalo K, Kerac M, Reijneveld SA, Bandsma R, Gladstone M. Developmental and behavioural problems in children with severe acute malnutrition in Malawi: A cross-sectional study. J Glob Health. 2017;7(2):020416.
  11. Sibley B, Etnier J. The relationship between physical activity and cognition in children: a meta-analysis. Pediatric Exercise Science. 2003;15(3):243-56.
  12. Smith AL, Hoza B, Linnea K, McQuade JD, Tomb M, Vaughn AJ et al. Pilot physical activity intervention reduces severity of ADHD symptoms in young children. J Atten Disord. 2013;17(1):70-82.
  13. Hillman CH, Pontifex MB, Castelli DM, Khan NA, Raine LB, Scudder MR et al. Effects of the FITKids randomized controlled trial on executive control and brain function. Pediatrics. 2014;134(4):e1063-71.
  14. Hoza B, Smith AL, Shoulberg EK, Linnea KS, Dorsch TE, Blazo JA et al. A randomized trial examining the effects of aerobic physical activity on attention-deficit/hyperactivity disorder symptoms in young children. J Abnorm Child Psychol. 2015;43(4):655-67.
  15. Benden ME, Zhao H, Jeffrey CE, Wendel ML, Blake JJ. The evaluation of the impact of a stand-biased desk on energy expenditure and physical activity for elementary school students. Int J Environ Res Public Health. 2014;11(9):9361-75.
  16. Keller. High Five Kids – Is my child ready for school? Available from: https://keller.education/high-five-kids-is-my-child-ready-for-school/ (accessed 30 July 2021).
  17. Fast ForWord Reading Program. Dr. Michael Merzenich on the Ability to Learn. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=bfgpHWPlYo4 (last accessed 30/7/2021)
  18. 18.0 18.1 Canadian Assessment of Physical Literacy. About. Available from: https://www.capl-eclp.ca/about/ (accessed 30 July 2021).
  19. Longmuir PE, Boyer C, Lloyd M, Yang Y, Boiarskaia E, Zhu W et al. The Canadian Assessment of Physical Literacy: methods for children in grades 4 to 6 (8 to 12 years). BMC Public Health. 2015;15:767.
  20. Longmuir PE, Gunnell KE, Barnes JD, Belanger K, Leduc G, Woodruff SJ et al. Canadian Assessment of Physical Literacy Second Edition: a streamlined assessment of the capacity for physical activity among children 8 to 12 years of age. BMC Public Health. 2018;18:1047.
  21. Canadian Assessment of Physical Literacy. A Practitioner’s Guide to Doing the CAPL. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=NOgQPSou3VM (last accessed 30/7/2021)
  22. Kainz K, Vernon‐Feagans L. The ecology of early reading development for children in poverty. The Elementary School Journal. 2007;107(5):407-27.


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