Behandlung von Verbrennungswunden – Wundreinigung

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Diane Merwarth

Top-BeitragendeStacy Schiurring und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Die Versorgung von Patienten mit Verbrennungsverletzungen ist ein komplexes Unterfangen und erfordert ein kollaboratives Management durch ein interdisziplinäres Team. Die Fachkraft für Wundmanagement, die die Versorgung am Krankenbett übernimmt, muss den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigen, einschließlich: (1) Immunsuppression, (2) Ausmaß der Verbrennungswunde und (3) medizinische Komorbiditäten.(1)

„Die Reinigung von Verbrennungswunden ist ein wesentlicher Schritt in jedem Schema zum Wundmanagement. Viele dieser Praktiken basieren jedoch eher auf Mythen als auf einer echten wissenschaftlichen Grundlage.“(2)

Infektionsprävention, Ödemmanagement und eine effektive Wundversorgung durch qualifizierte Fachkräfte tragen alle zur erfolgreichen Heilung einer Verbrennungswunde bei. Die Wundreinigung ist ein wichtiger Teil der Wundbettvorbereitung.(3) Leider gibt es nicht besonders viel Evidenz, die eine bestimmte Art der Wundreinigung bei Verbrennungswunden unterstützt.(4) In diesem Artikel werden die verfügbare Literatur untersucht und die beste verfügbare Evidenz für das Wundmanagement bei Verbrennungen sowie Empfehlungen zur Wundreinigung gegeben.

Reinigung von Verbrennungswunden (edit | edit source)

Unter Wundreinigung versteht man die Entfernung von Verunreinigungen der Oberfläche, loser Partikel, Belägen, aufgeweichter Nekrose, Mikroben und/oder Resten früherer Auflagen von der Wundoberfläche und der umgebenden Haut.(3)

Die Überlegungen hinter diesem Flowchart-Entscheidungsbaum für die Wundbettvorbereitung chronischer Wunden können auch auf Verbrennungswunden angewendet werden.(5) Quelle.

Verbrennungswunden sind im Vergleich zu anderen Wundtypen viel empfindlicher.
Neu gebildetes Epithel und neu wachsendes Epithel an den Wundrändern können leicht verletzt werden. Daher ist bei der Reinigung einer Verbrennungswunde eine sanftere mechanische Kraft erforderlich.(4)

Eine Infektion in einer Verbrennungswunde kann sich auch negativ auf das wachsende Epithel und Granulationsgewebe auswirken und den Heilungsprozess stoppen. Wenn eine Verbrennungswunde sichtbar infiziert ist oder eine Infektion durch Laborbefunde bestätigt wird, ist es angebracht, einen etwas aggressiveren Ansatz bei der Wundreinigung und bei topischen Mitteln zu wählen. Sobald die Infektion jedoch unter Kontrolle ist, sollte zu einer schonenderen Reinigung und weniger zytotoxischen topischen Mitteln zurückgekehrt werden, die den Heilungsprozess der Verbrennungswunde fördern.(4)

Das Schmerzmanagement der Patienten ist für eine effektive und gründliche Wundreinigung unerlässlich.(4) Die Angst vor Schmerzen während der Wundversorgung ist oft eine der wichtigsten Sorgen der Patienten.

Jeder Patient hat das Recht auf ein angemessenes Schmerzmanagement. Dies kann mithilfe der „sechs Cs“ in Erinnerung gerufen werden. Jeder Patient hat das Recht:(5)

  1. auf eine Überprüfung der Schmerzen vor, während und nach der Behandlung (Check)
  2. auf eine Feststellung der Ursache seiner Schmerzen (Cause)
  3. auf eine Erklärung der Auswirkungen der Behandlung (Consequences)
  4. auf eine angemessene Schmerzkontrolle (Control)
  5. auf die Möglichkeit, während des Eingriffs eine Unterbrechung zu verlangen (Call)
  6. auf Komfort (Comfort)

Es ist wichtig, das Schmerzmanagement und die Schmerzwerte in der Krankenakte ordnungsgemäß zu dokumentieren(5) Wenn Sie mehr über Schmerzmechanismen erfahren möchten, lesen Sie bitte diesen Artikel. Wenn Sie mehr über allgemeine Techniken des Schmerzassessments erfahren möchten, lesen Sie bitte diesen Artikel.

Ziele der Wundreinigung(4) (edit | edit source)

  1. Minimierung des Risikos einer Wundinfektion durch Entfernung potenzieller Kontaminationsquellen von der Wundoberfläche
  2. Entfernung von Rückständen topischer Mittel und Exsudat, die sich seit dem letzten Verbandswechsel auf der Wundoberfläche angesammelt haben, da sie eine Umgebung für mikrobielles Wachstum schaffen können
  3. Entfernung von Schmutz oder losem, nicht lebensfähigem Gewebe von der Wundoberfläche, um das Infektionsrisiko zu verringern. Das Vorhandensein von avitalem Gewebe kann auch den Heilungsprozess verlangsamen
  4. Schaffung einer sauberen Umgebung für zuverlässigere Probeentnahmen für Wundkulturen oder Biopsien
  5. Befeuchtung der Wundoberfläche, was dazu beitragen kann, die Lebensfähigkeit des Gewebes zu erhalten und die weitere Wundheilung zu fördern

Überlegungen zur Wundreinigung (edit | edit source)

  • Sterile versus unsterile Lösung. In der Literatur gibt es keine eindeutige Empfehlung für die Verwendung von sterilen oder unsterilen Lösungen zur Reinigung der Wunde. Die Entscheidung sollte vielmehr auf dem Wundassessment und dem klinischen Urteil des Wundexperten basieren.
  • Menge. Zur effektiven Reinigung einer Verbrennungswunde muss eine angemessene Menge an Lösung verwendet werden. In der Literatur wird jedoch kein definiertes Volumen angegeben. Es sollte jedoch ausreichend Lösung verwendet werden, um die Wundoberfläche gründlich zu reinigen.
  • Kraft. Bei der mechanischen Reinigung einer Verbrennungswunde, entweder manuell oder mit einem Gerät, ist darauf zu achten, dass der Kraftaufwand für die jeweilige Wunde angemessen ist. In der Literatur wird nicht definiert, wie viel Kraft für die wirksame Reinigung einer Verbrennungswunde erforderlich ist.
  • Temperatur. Lösungen sollten auf Raumtemperatur oder etwas wärmer erwärmt werden. Normalerweise liegen die Temperaturen zwischen 32 und 35oC (90oF).
  • Aseptische Technik. Es sollte eine aseptische (saubere) Technik mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) angewendet werden.
  • Wundumgebung. Es ist wichtig, den Bereich um die Wunde herum gründlich zu reinigen, da sich unerwünschte Bakterien über die Haut unter der Auflage in die Verbrennungswunde ausbreiten können. Eine gründliche Reinigung und der Schutz durch eine Barriere gegen Feuchtigkeit verhindern auch eine Mazeration und Reizung der Wundumgebung.

Das folgende optionale Video bietet eine einfache Demonstration der aseptischen Technik am Krankenbett.

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Strategien zur Wundreinigung: Hydrotherapie (edit | edit source)

Wasser kann auf viele verschiedene Arten zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) umfasst die Hydrotherapie „die Verwendung von Wasser zur Schmerzlinderung und Behandlung bestimmter Krankheiten“ unter Verwendung von Geräten, deren Größe von Großraumwannen bis zu kleineren Whirlpools reicht.(7)

Die Hydrotherapie ist seit dem 17. Jahrhundert Teil der Versorgung von Verbrennungswunden. Sie kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden, z. B. durch Eintauchen, Duschen, Spülen am Krankenbett oder Ablösen/Abwischen.(8) Trotz der langjährigen Anwendung ist die optimale Methode zur Reinigung von Wunden bei Verbrennungsverletzungen nach wie vor umstritten, und es sind weitere Forschungen und klinische Studien erforderlich. Da es an Empfehlungen mangelt, die auf Evidenz basieren, orientieren sich die meisten Verbrennungszentren an der klinischen Erfahrung der Wundexperten.(9) Laut einer im Jahr 2022 veröffentlichten Studie(9) gibt es derzeit keine Empfehlungen für den täglichen Einsatz von Hydrotherapie bei der Behandlung von Verbrennungswunden. In dieser Studie wird auch darauf hingewiesen, dass einige Forschungsautoren die Hydrotherapie nicht als Teil der normalen routinemäßigen Versorgung von Verbrennungen betrachten, hauptsächlich aufgrund des Risikos einer Infektionsübertragung, wenn die Vorsichtsmaßnahmen für eine angemessene Reinigung und Vorbereitung nicht eingehalten werden.(9)

Immersion im Whirlpool (edit | edit source)

Ein Whirlpool kann zur Behandlung von Verbrennungswunden eingesetzt werden, bei denen ein umfangreiches Débridement erforderlich ist. Bei dieser Reinigungsstrategie können Wasserstrahlbewegungen eingesetzt werden. Die Zugabe von antimikrobiellen Wirkstoffen unterstützt die Reinigung und das mechanische Débridement zusätzlich. Je nach Lage der Wunde kann eine Ganzkörperwanne, z. B. eine Schmetterlingswanne („Hubbard-Wanne“), oder eine kleinere Wanne für die Extremitäten (Teilbad) gewählt werden.(10)

Vorteile:

  • reinigt die Oberfläche der Verbrennungswunde effektiv, wenn entsprechend gereinigte Geräte verwendet werden; dieser Prozess kann durch den Einsatz der Whirlpool-Turbine zur Bewegung des Wassers für ein mechanisches Débridement verstärkt werden(4)(10)
  • versorgt die Verbrennungswunde gründlich mit Feuchtigkeit(4)
  • erhöht die lokale Durchblutung(10)
  • vermindert Wundschmerzen(10)
  • senkt das Fieber(10)
  • hilft beim Aufweichen und sanften Entfernen von Auflagen(10)
  • beschleunigt letztlich die Heilung(10)

Risiken:

  • physiologisch belastend für den Patienten(4)
  • Patienten können sehr schnell unterkühlen, nachdem sie aus dem warmen Wasser kommen(4)
  • es besteht ein erhebliches Infektionsrisiko,(8) insbesondere bei vollständigem Eintauchen des Körpers, wenn nicht korrekt gereinigte Geräte verwendet werden(4)
  • Infektionsgefahr durch Geräte – Biofilme können sich auf Whirlpool-Geräten oder in Wasserleitungen bilden und es Bakterien ermöglichen, Antiseptika, antimikrobielle Mittel und selbst die strengsten Sterilisationsverfahren zu umgehen(4)(10)

Das folgende optionale Video gibt einen kurzen Überblick über die Bildung und Ausbreitung von Biofilmen.

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Duschen(edit | edit source)

Bei dieser Methode wird die Verbrennungswunde unter fließendem Wasser in einer Duschkabine abgespült. Bei dieser Methode der Reinigung von Verbrennungswunden sollte eine etwas kühlere Wassertemperatur verwendet werden. Es wird empfohlen, die Raumtemperatur warm zu halten, um den Patienten vor Unterkühlung zu schützen.(4)

Vorteile:(4)

  • weniger physiologisch belastend als das Eintauchen in einer Wanne
  • minimiert das Risiko einer Kreuzkontamination

Risiken:(4)

  • Unterkühlungsrisiko
  • aggressive Kraft des Wassers, das vom Duschkopf auf das Wundbett trifft
    • um die Kraft zu verändern, lassen Sie den Wasserstrahl auf die intakte Haut treffen und über die Oberfläche der Wunde laufen, um Verunreinigungen aus der Wunde zu spülen
  • Infektionsrisiko durch Geräte aufgrund von Biofilmen; das Risiko ist jedoch geringer als beim Eintauchen

Modifikationen und Überlegungen:

  • in Situationen, in denen nur begrenzter oder gar kein Zugang zu einer Dusche besteht, kann die Reinigungslösung aus einem gründlich desinfizierten Glas- oder Metallgefäß über die Verbrennungswunde gegossen werden(4)
  • nach einer Reinigung mittels Eintauchen (Whirlpool/Wanne) kann eine Dusche erfolgen, um mögliche Verunreinigungen zu entfernen(4)(9)
  • bei der Auswahl der Badezimmerausstattung sollte auf einfache, leicht zu desinfizierende Geräte geachtet werden. Verwenden Sie Einwegtücher und -abdeckungen(9)

Aufweichen und Ablösen (edit | edit source)

Diese Technik ist in der klinischen Praxis weit verbreitet. Beim Aufweichen wird sterile Gaze oder ein steriler Stoff mit einer Reinigungslösung getränkt und dann auf die gesamte Oberfläche der Verbrennungswunde gelegt.(9) Es gibt keine festgelegte Aufweichzeit, sondern diese basiert auf den Ergebnissen des Wundassessments des Wundexperten und dessen klinischer Einschätzung. Die Wundoberfläche wird dann abgewischt, um ein mechanisches Débridement durchzuführen. Untersuchungen haben ergeben, dass die mechanische Kraft, die erforderlich ist, um oberflächliche Rückstände von einer Wunde (ohne Verbrennungsverletzung) zu entfernen, ohne Gewebeschäden zu verursachen, zwischen 4 und 15 Pfund pro Quadratzoll (psi) liegt. Für Verbrennungsverletzungen gibt es keinen definierten Druck.(4)

Diese Methode ist sehr effektiv bei kleinen Verbrennungswunden, bei Verbrennungen des Grades 2a oder gut heilenden Verbrennungswunden, bei denen nur leichter Druck zur Reinigung erforderlich ist, um das neu heilende Epithel zu schützen.(4)

Vorteile:(4)

  • das Aufweichen versorgt die Wunde mit Feuchtigkeit
  • die Verwendung eines antimikrobiellen Mittels verringert das Risiko einer Kreuzkontamination
  • das mechanische Débridement durch Abwischen entfernt Verunreinigungen, Beläge und Ablagerungen von der Wundoberfläche

Risiken:(4)

  • es ist schwierig, beim Abwischen der Wundoberfläche eine gleichmäßige Kraft auszuüben

Lösungen und Zusätze zur Wundreinigung (edit | edit source)

Reinigungslösungen (edit | edit source)

Zu den gängigen Reinigungslösungen gehören:(4)

  • sterile Kochsalzlösung
  • steriles Wasser
  • destilliertes Wasser
  • Trinkwasser
  • handelsübliche Wundreinigungsmittel

Diese aufgeführten Reinigungsmittel gelten als nicht-antimikrobielle, inerte und nicht zytotoxische Reinigungslösungen. Sie alle erfordern eine gewisse mechanische Kraft, um die Oberfläche der Verbrennungswunde effektiv zu reinigen.(4)

Verwendung von Wasser zur Wundreinigung – Was sagt die Forschung?

Ein 2022 Cochrane-Review(12) hat versucht, die Wirkung von Wasser zur Wundreinigung zu bewerten. In dem Review wurden Studien untersucht, in denen die Wundreinigung mit Leitungswasser, gekühltem abgekochtem Wasser, destilliertem Wasser und normaler Kochsalzlösung verglichen wurde.(12)

  • Die Reinigung mit Leitungswasser macht möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Unterschied in der Wundheilung im Vergleich zu gar keiner Reinigung; es gibt keine Daten zu den Auswirkungen auf Wundinfektionen.
  • Die Auswirkungen der Reinigung mit Leitungswasser, gekühltem abgekochtem Wasser oder destilliertem Wasser im Vergleich zur Reinigung mit Kochsalzlösung sind ungewiss, ebenso wie die Auswirkungen von destilliertem Wasser im Vergleich zu gekühltem abgekochtem Wasser.
  • Die Daten für andere Ergebnisse sind bei allen betrachteten Vergleichen begrenzt und entweder ungewiss oder deuten darauf hin, dass es nur geringe oder keine Unterschiede im Ergebnis geben könnte.

Obwohl verschiedene Reinigungslösungen verfügbar sind, wird normale Kochsalzlösung oft bevorzugt, da sie den normalen Heilungsprozess nicht beeinträchtigt. In Gemeinschaftseinrichtungen und in Gebieten mit geringen Ressourcen wird jedoch häufig Leitungswasser zur Wundreinigung verwendet, da es „leicht zugänglich, effizient und kostengünstig“ ist. Leider gibt es weiterhin eine ungelöste Debatte über seine Verwendung und weitere Forschung ist erforderlich.(12)

Klinische Anwendungen: An Orten, die auf Brunnenwasser oder andere möglicherweise verunreinigte Wasserquellen angewiesen sind, ist es wichtig, das Wasser zuerst abzukochen und abkühlen zu lassen, bevor es zur Wundreinigung verwendet wird.(4) Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren im Jahr 2020 zwei Milliarden Menschen ohne sicher verwaltete Wasserversorgung betroffen, darunter:(13)

  • 1,2 Milliarden Menschen mit einer Grundversorgung, d.h. einer verbesserten Wasserquelle, die innerhalb von 30 Minuten zu erreichen ist
  • 282 Millionen Menschen mit eingeschränkter Versorgung oder einer verbesserten Wasserquelle, die mehr als 30 Minuten zum Wasserholen benötigt
  • 368 Millionen Menschen, die Wasser aus ungeschützten Brunnen und Quellen entnehmen
  • 122 Millionen Menschen, die unbehandeltes Oberflächenwasser aus Seen, Teichen, Flüssen und Bächen sammeln

Trinkwasserquellen in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen (LMICs) können eine pathogene Bakterienflora enthalten, und die Verwendung von unbehandeltem Leitungswasser zur Wundreinigung kann die Wunde Infektionsquellen aussetzen.(14)

Topische antimikrobielle Mittel (edit | edit source)

Antimikrobielle Mittel sind eine Gruppe von Wirkstoffen und Substanzen, die das Risiko von Infektionen und Sepsis verringern:(15)

  • Antibiotika sind natürlich aus anderen Mikroorganismen gewonnene oder synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die in den Körper aufgenommen werden, um Bakterien abzutöten oder ihre Vermehrung zu verhindern. Diese Substanzen können parenteral (intramuskulär, intravenös), oral oder topisch auf die Haut verabreicht werden.(15)
  • Antiseptika sind chemische Wirkstoffe, die das Wachstum von Mikroorganismen auf äußeren Körperoberflächen, einschließlich Wunden, verlangsamen oder stoppen und helfen, Infektionen zu verhindern.(16) Diese Substanzen sind für lebendes Gewebe und Haut nicht schädlich.(17) Wenn sie auf die Haut aufgetragen werden, werden Antiseptika nicht in nennenswerter Menge vom Körper aufgenommen.(15)
  • Desinfektionsmittel zerstören Mikroorganismen auf nicht lebenden Gegenständen oder Oberflächen.(15)
  • Antimykotika verlangsamen oder stoppen das Wachstum von Pilzen, einschließlich Hefen. Diese Substanzen können intravenös, oral oder topisch verabreicht werden.(15)

Der Zweck topischer antimikrobieller Mittel besteht darin, die Keimbelastung auf der Oberfläche der Verbrennungswunde zu verringern. Sie werden wegen ihrer bioziden Wirkung auf Bakterien, Pilze, Parasiten und Viren eingesetzt.(4)

Anwendungshinweise (edit | edit source)

Leitlinien für die Verwendung eines topischen antimikrobiellen oder antiseptischen Mittels:(4)

  • Patienten mit hohem Infektionsrisiko
  • Patienten, die klinische Anzeichen einer lokalen Infektion aufweisen (kann im Falle einer sich ausbreitenden oder systemischen Infektion in Kombination mit einem systemischen Antibiotikum verwendet werden)
  • Wunden mit vermuteter oder bekannter Biofilmbildung (kann auch in Kombination mit chirurgischem Débridement und systemischen Antibiotika angewendet werden)

Leitlinien für die Auswahl eines topischen antimikrobiellen Mittels:(4)

  • es sollte ein breites Wirkspektrum haben
  • es sollte eine bekannte Wirksamkeit bei der Behandlung von vermuteten oder bekannten Infektionsquellen in der Verbrennungswunde haben
  • es sollte keine oder nur eine geringe Zytotoxizität für das gesunde Wundbett aufweisen
  • es sollte den Patienten nicht reizen
  • der Patient sollte keine bekannte Allergie gegen einen der Wirkstoffkomponenten haben
  • es sollte schnell wirken und lange anhalten
  • es sollte keine oder nur eine geringe bekannte bakterielle Resistenz gegen den Wirkstoff vorliegen
  • es muss lokal verfügbar sein
  • Leitlinien für die Verwendung in der klinischen Praxis müssen verfügbar sein

Die Verbrennungswunde sollte bei jedem Verbandswechsel (Wechsel der Auflage) neu beurteilt und der Behandlungsplan für die Versorgung entsprechend angepasst werden.(4)

Sonderthema: Zytotoxizität bezieht sich auf die Fähigkeit einer Substanz oder eines Prozesses, Zellen zu schädigen und zum Zelltod zu führen, einschließlich des Absterbens gesunder Zellen und lebensfähigen Gewebes in einem Wundbett.

Bei der Behandlung einer schweren Infektion kann es wichtiger sein, die eindringenden Bakterien zu töten, auch wenn dabei gesunde Zellen verloren gehen, bevor sich die Infektion festsetzen kann. Eine Infektion in einem Wundbett stört den erwarteten Wundheilungsprozess, zerstört gesundes, lebensfähiges Gewebe im Wundbett und führt zu einer Verschlechterung des Wundzustands.
Der Wundexperte muss in der Lage sein, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der anfänglichen Schädigung des lebensfähigen Gewebes aufgrund der Zytotoxizität des topischen antimikrobiellen Mittels und der Möglichkeit, dass sich die Infektion etabliert, Schäden verursacht und die Wundheilung und den Wundverschluss verzögert.(4)

Liste der topischen Mittel (edit | edit source)

Nachfolgend finden Sie eine nicht abschließende Liste gängiger topischer Wirkstoffe.

Reinigungslösungen für Verbrennungswunden:(4)

Name der Lösung
Beschreibung Indikationen/Anwendungen Kontraindikationen/Risiken
Mafenidacetat (Sulfamyalon) 5%ige Lösung
  • Es hat ein breites Wirkspektrum gegen gramnegative Bakterien, insbesondere Pseudomonas aeruginosa sowie anaerobe Bakterien.
  • Nicht wirksam gegen grampositive Bakterien
  • Nicht wirksam gegen Pilze
Seine Anwendung ist mit dem Risiko der Entwicklung einer metabolischen Azidose verbunden, insbesondere bei Patienten mit Atemnot
Povidon-Iod (Betadine)(18)
  • Erhältlich in mehreren verschiedenen Lösungsstärken
  • Auch als Peeling-Version erhältlich, die perioperativ oder präoperativ zur Reinigung der Haut verwendet werden kann
  • Die Peeling-Version wird aufgrund der zytotoxischen Lösungszusätze nicht zur Reinigung von Verbrennungswunden empfohlen
  • Betadine hat ein breites Wirkspektrum
  • Es ist wirksam gegen Bakterien, Pilze, Protozoen und Viren
  • Es ist einer der wenigen antimikrobiellen Wirkstoffe, die in Biofilme eindringen und dort wirksam sein können
  • Es gibt keine bekannte Resistenz von Mikroben gegen Betadine
  • Es ist kontraindiziert bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen
  • Es gibt eine dosisabhängige Zytotoxizität im Zusammenhang mit der Verwendung von Betadine
Essigsäure(19)
  • Sehr häufig in der Behandlung von Verbrennungen verwendet
  • Die Forschung untersucht Lösungen mit einer Konzentration von 0,5% bis 5% Essigsäure
  • Im Handel erhältliche Produkte haben in der Regel eine Essigsäurekonzentration von 0,25%, und dies ist die Konzentration, die in der klinischen Praxis häufig verwendet wird(4)
  • Wirksam gegen planktonische Bakterien (in freier Suspension)
  • Verringert bekanntermaßen die Besiedlung mit Biofilmen
  • Hat sich als wirksam gegen fast alle multiresistenten Bakterien erwiesen
  • Sehr wirksam gegen Pseudomonas aeruginosa
Hypochlorige Säure(20) Superoxidierte Lösung (d. h. sie enthält hypochlorige Säure und Natriumhypochlorit. Diese Lösungen sind aufgrund der erhöhten Wasserstoffionen von Natur aus sauer)(21)
Natriumhypochlorit (Dakin-Lösung)(18)(22)
  • Superoxidierte Lösung
  • Erhältlich in verschiedenen Konzentrationen: Dakin-Lösung in halber bis viertel Stärke (0,125% Natriumhypochlorit) und Dakin-Lösung mit einem Vierzigstel der Stärke (0,0125 % Natriumhypochlorit)
  • Die Forschung zeigt, dass die Dakin-Lösung in ganzer, halber und viertel Stärke zytotoxisch für das Gewebe ist, obwohl sie extrem antimikrobiell wirkt
  • Die 0,0125%ige Lösung ist nicht zytotoxisch, aber auch nicht als antimikrobielles Mittel wirksam
  • Heggers et al.(23) fanden heraus, dass 0,025%iges Natriumhypochlorit bei einem Kontakt von bis zu 30 Minuten äußerst wirksam gegen ein breites Spektrum von Bakterien ist, aber nicht zytotoxisch wirkt
  • 0,025 % Natriumhypochlorit ist nützlich, um eine angemessene und beherrschbare Keimbelastung auf der Wundoberfläche aufrechtzuerhalten, sowohl bei Verbrennungswunden als auch bei nicht verbrennungsbedingten Wunden
Die Originalformel der Dakin-Lösung ist extrem zytotoxisch

Andere Reinigungsmittel und Zusatzstoffe, die in Betracht gezogen werden können:(4)

Name der Lösung
Beschreibung Indikationen/Anwendungen Kontraindikationen/Risiken
Polyhexanid oder Polyhexamethylenbiguanid (PHMB)(18) Wird eher als Zusatz zu Auflagen, Mullbinden und Schaumstoffverbänden und weniger als Reinigungsmittel verwendet
  • Breites Wirkspektrum gegen gramnegative und grampositive Mikroben sowie Pilze, Viren, MRSA und Biofilme
  • Möglichkeit zur Herstellung einer Lösung, die PHMB enthält
Chlorhexidin(18)(20) Enthält ein Tensid Ermöglicht eine gute mechanische Reinigung der Wundoberfläche
  • Es gibt keine Dosierungskontrolle
  • Chlorhexidin ist in seiner formulierten Stärke extrem zytotoxisch und muss mit Wasser verdünnt werden, aber es gibt keine standardisierte Formel für die Verdünnung
  • Wenn es zur Reinigung von Verbrennungswunden verwendet wird, insbesondere im chirurgischen Umfeld, muss es gründlich gespült werden, um jegliche zytotoxische Restwirkung dieser Produkte zu entfernen
Handelsübliche Wundreinigungsmittel Die meisten enthalten ein zusätzliches Tensid Die meisten sind antimikrobiell
  • Stark zytotoxisch zu Beginn der Markteinführung
  • Aktuelle Formeln sind weniger wirksam und daher auch nicht zytotoxisch für das Wundbett
  • Besonders nützlich bei kleineren Verbrennungswunden oder im häuslichen Umfeld
Wasserstoffperoxid (18)
  • Wird seit langem zur Reinigung von Wunden verwendet, aber nicht unbedingt bei Verbrennungswunden
  • Die Standardkonzentration (3%) ist extrem zytotoxisch
  • Die sprudelnde Wirkung, die entsteht, wenn Wasserstoffperoxid mit dem Wundbett in Kontakt kommt, kann dazu beitragen, anhaftende Rückstände und andere Verunreinigungen zu lösen, die dann mechanisch abgelöst oder durch Débridement entfernt werden können
  • Effektiv für eine begrenzte Anzahl von Behandlungen in einem bestimmten Bereich
  • Muss gründlich abgespült werden, bevor ein Verband auf die Verbrennungswunde gelegt wird, um die zytotoxische Wirkung auf das Gewebe zu beseitigen
  • Nicht üblich bei Verbrennungsverletzungen
  • Seine Standardkonzentration (3%) ist extrem zytotoxisch für Fibroblasten, Keratinozyten und Makrophagen und kann die Wundheilung stoppen oder sogar verschlechtern, wenn es zu lange angewendet wird

Häufigkeit der Wundreinigung (edit | edit source)

Bei der Bestimmung der Häufigkeit der Wundreinigung sind folgende Aspekte zu berücksichtigen::(4)

  • Zeitabhängigkeit. Enthalten die topischen Mittel antimikrobielle Produkte mit kontinuierlicher oder verzögerter Freisetzung? In der Packungsbeilage finden Sie weitere Informationen.
  • Exsudat. Die Exsudatmenge bestimmt die Häufigkeit der Wundreinigung und der erforderlichen Verbandswechsel, mindestens zweimal täglich bei verstärktem Exsudat.
  • Infektion. Infektion. Infizierte Wunden erfordern häufigere Reinigungen und Verbandswechsel, mindestens zweimal täglich bei zunehmenden Anzeichen einer Infektion. Schwere Anzeichen einer Infektion erfordern häufigere Wechsel, z. B. alle 4 bis 6 Stunden
  • Lokalisation. Die Häufigkeit des Verbandswechsels kann zwischen verschiedenen Körperteilen variieren, selbst bei demselben Patienten.

Die Neubewertung der Verbrennungswunde bei jeder Reinigung und jedem Verbandswechsel bestimmt die Behandlungsmaßnahmen, die Häufigkeit der Reinigung sowie die Auswahl der topischen Mittel und Auflagen. Dieser Plan kann entsprechend dem sich mit jeder Wundversorgung verändernden Bild der Verbrennungswunde angepasst werden.(4)

Ressourcen(edit | edit source)

Klinische Ressourcen:

Optionale zusätzliche empfohlene Lektüre:

Referenzen(edit | edit source)

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