Top-Beitragende – Robin Tacchetti und Jess Bell
Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ist eine Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Gesundheit und mit Gesundheit zusammenhängende Domänen. Dieses Modell misst Gesundheit und Behinderung sowohl auf individueller als auch auf Bevölkerungsebene, wobei auch Umweltfaktoren berücksichtigt werden.(1) Das Modell legt den Schwerpunkt auf Funktion, Auswirkungen und Gesundheit statt auf Behinderung und Ursachen.(2) Das Verständnis der mit einem Gesundheitszustand verbundenen funktionellen Defizite fördert ein besseres Patientenmanagement. Die ICF bietet ein ganzheitlicheres Modell der Gesundheit, das die Zielsetzung, die Bewertung von Ergebnissen und die Kommunikation zwischen Kollegen fördert.(3)
Das ICF-Modell ist ein biopsychosoziales Modell, das medizinische und soziale Modelle von Behinderung miteinander verbindet. Das Modell erkennt an, dass die Gesundheit eines Menschen von umweltbedingten und persönlichen Faktoren beeinflusst wird. Die ICF kann in drei Komponenten der Gesundheit unterteilt werden:
Dann gibt es noch Kontextfaktoren, die das Leben eines Menschen beeinflussen:
Die Körperfunktionen beziehen sich auf die physiologischen Funktionen der Körpersysteme. Die Körperstrukturen beziehen sich auf die anatomischen Teile des Körpers (z. B. Organe, Gliedmaßen usw.). Aktivitäten und Partizipation (Teilhabe) beziehen sich auf die Beteiligung an Lebensereignissen und die Durchführung verschiedener Aufgaben. Umweltfaktoren sind das einstellungsbezogene, soziale und physische Umfeld, in dem Menschen ihr Leben führen und leben. Persönliche Faktoren können sich auf den Einzelnen und seine Familie beziehen.(4)(5)
Bei der physiotherapeutischen Befunderhebung ist es wichtig festzustellen, welche funktionellen Einschränkungen die Person hat. Physiotherapeuten sind insbesondere daran interessiert zu erfahren, wie die Funktionseinschränkungen der Person ihre Aktivität und Partizipation (Teilhabe) behindern oder einschränken. Aktivitäten beziehen sich auf die Fähigkeit der Person, eine Aufgabe oder Handlung auszuführen, während Partizipation (Teilhabe) die Fähigkeit ist, eine gesellschaftlich definierte Rolle zu erfüllen. Die Partizipation (Teilhabe) kann sich auf Aktivitäten in der Familie, am Arbeitsplatz und/oder im Freundeskreis beziehen. Das ICF-Modell berücksichtigt unmittelbare oder entfernte Faktoren, die die allgemeine Funktionsfähigkeit fördern oder beeinträchtigen könnten, darunter:
Ein Versorgungsplan wird erstellt, sobald die Schädigungen, funktionellen Einschränkungen und Beeinträchtigungen der Aktivität ermittelt worden sind. Die Interventionen zielen darauf ab, die Behinderung zu minimieren und die Funktion als Ergebnis zu nutzen.(3) In der pädiatrischen Population unterstreicht die ICF die Bedeutung der Umwelt eines Kindes für seine funktionellen Ergebnisse. Die Umwelt umfasst nicht nur die physische Welt, sondern auch die Werte und Einstellungen der Familie und der Gemeinschaft. Die Zugänglichkeit zu Dienstleistungen und Unterstützung wirkt sich auf das gesamte tägliche Leben eines Kindes mit funktionellen Beeinträchtigungen aus.(6)
Das ICF-Modell kann bei der Zielsetzung hilfreich sein. Es werden Ziele zur Steigerung von Aktivität und Partizipation (Teilhabe) gesetzt, die durch funktionelle Einschränkungen beeinträchtigt werden.(7)(8) Die Zielbildung begünstigt die Stärken des Kindes und konzentriert sich darauf, wie es auf diesen Stärken aufbauen kann, um neue Aufgaben zu bewältigen.(8) In der pädiatrischen Bevölkerungsgruppe wird bei der Zielesetzung ein familienorientierter Ansatz verfolgt.(7) Diese Art der Zusammenarbeit ermöglicht es dem Patienten und seiner Familie, ihre Interessen zu betonen und bei der Planung von Interventionen mitzuwirken.(4) Die Forschung hat gezeigt, dass ein familien-/patientenzentrierter Ansatz die Motivation der Patienten erhöhen und die Therapieergebnisse verbessern kann.(4)
Für die Erstellung sinnvoller funktioneller Ziele wird die SMART-Methode empfohlen. Das Akronym SMART steht für:
Mit Hilfe des SMART-Akronyms können Physiotherapeuten sicherstellen, dass sie realistische Ziele für das Kind setzen, die auch erreichbar sind. Ziele sind typischerweise als Nah- oder Fernziele ausgerichtet, je nach Aufgabe.(8)