Bei Kindern sind Pathologien der unteren Extremitäten und des Gangbildes ein häufiger Grund für Besuche bei Kinderärzten und Therapiediensten.(1)(2)(3)(4)(5) Sie können bis zu 16 % aller neuen Überweisungen von Kinderorthopäden ausmachen.(6) Eltern machen sich häufig Sorgen, dass ihr Kind aufgrund von Problemen der unteren Extremitäten oder des Gangs die Entwicklungsziele nicht erreichen könnte.(1) (2)(4) Das „in-toeing“ (Innenrotationsstellung des Fußes beim Gehen) verschwindet in der Regel mit der Reifung des Skeletts. Ein „out-toeing“ (Füße zeigen nach außen) kann jedoch ein länger anhaltendes Problem darstellen.(6) Daher ist es wichtig, dass Rehabilitationsfachleute die typische und atypische Entwicklung der unteren Extremitäten verstehen und wissen, wann sie eine Überweisung an einen Kinderarzt oder Orthopäden veranlassen sollten.
Die Torsion der unteren Extremität wird beschrieben wie folgt: „Die Summe von Neigung oder Rotation der anatomischen Transversalebene zwischen den Knochenenden, Kapsellaxität oder -straffheit und muskulärer Kontrolle während des Wachstums.“(2)
Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Pathophysiologie, das klinische Bild und die Befunderhebung bei Torsionsfehlern der unteren Extremitäten sowie über grundlegende Interventionen.
Bei Neugeborenen kann eine femorale Innentorsion von bis zu 40° als typisch angesehen werden. Eine femorale Außentorsion kann ebenfalls ausgeprägt sein und als typisch für die Geburt gelten.(7)
Sonderthema: Was ist der Unterschied zwischen femoraler Torsion und femoraler Version? ( edit | edit source )
Version und Torsion sind nicht identisch, können aber beide gleichzeitig auftreten.(3)(8)
Torsion ist ein „struktureller, knöcherner Zustand der Verdrehung eines Knochens entlang seiner Längsachse.“(8)
- Femorale Antetorsion (femorale Innentorsion): wenn der Femur eine Verdrehung nach innen seines distalen Endes im Verhältnis zum proximalen Ende aufweist.
- Femorale Retrotorsion (femorale Außentorsion): Fehlstellung, die von einer fehlenden typischen femoralen Innentorsion bis zu einer echten Verdrehung nach außen des distalen Endes im Verhältnis zum proximalen Ende des Femurs reicht.
Version beschreibt „eine Position im Raum relativ zu einer Bewegungsebene“(8) und bezieht sich auf die Rotation des Femurhalses im Verhältnis zu den Femurkondylen in Höhe des Knies.(3)
- Femorale Anteversion: vergrößerter Winkel zwischen dem Femurhals und den Femurkondylen. Die normale Anteversion des Femurhalses beträgt etwa 15°. Die femorale Anteversion ist häufiger als die femorale Retroversion.(3)
- Femorale Retroversion: verkleinerter Winkel zwischen dem Femurhals und den Femurkondylen.(3)
| Merkmal | Femorale Anteversion | Femorale Retroversion |
|---|---|---|
| Definition | Vergrößerter Winkel zwischen der Achse des Femurhalses und der Achse der Femurkondylen (transkondyläre Achse) | Verringerter (oder negativer) Winkel zwischen der Achse des Femurhalses und der Achse der Femurkondylen |
| Normaler Referenzwert | ~15° (Durchschnitt bei Erwachsenen); höher im Säuglingsalter (bis zu ~30–40°), mit zunehmendem Wachstum abnehmend | Unter ~15° oder negativ |
| Position des Femurkopfes im Acetabulum | Weiter anterior | Weiter posterior |
| Unkorrigiertes klinisches Erscheinungsbild | Knie/Füße scheinen nach außen zu zeigen, wenn der Femurkopf nicht im Acetabulum neu positioniert wird | Knie/Füße scheinen nach innen zu zeigen, wenn der Femurkopf nicht im Acetabulum neu positioniert wird |
| Selbstkorrigiertes klinisches Erscheinungsbild (häufigste Erscheinungsform) | Knie zeigen nach innen → „in-toeing“ beim Gehen | Knie zeigen nach außen → „out-toeing“ beim Gehen |
| Befunde zum Bewegungsausmaß der Hüftrotation | Erhöhte Innenrotation im Vergleich zur Außenrotation | Erhöhte Außenrotation im Vergleich zur Innenrotation |
| Bevorzugte Sitzposition | W-Sitz (bequemer aufgrund erhöhter Innenrotation) | Ring- oder Schneidersitz ist bequemer; W-Sitz ist weniger wahrscheinlich |
Ein leichtes „in-toeing“ oder „out-toeing“ kann bei Kindern mit normaler Entwicklung beobachtet werden. Daher ist es wichtig, bei der Beurteilung der unteren Extremitäten zwischen typischen und atypischen Formen zu unterscheiden. Wenn sich herausstellt, dass das „in-toeing“ oder „out-toeing“ atypisch ist, besteht der nächste Schritt darin, festzustellen, welche Komponenten der unteren Extremität die Ursache für die Verdrehung sind, und auf dieser Ebene einzugreifen.(3)
Komponenten, die zum „in-toeing“ beitragen können:
Komponenten, die zum „out-toeing“ beitragen können:
Die Befragung / subjektive Untersuchung bei Torsionsfehlern ist ähnlich wie bei den meisten orthopädischen Problemen der unteren Extremitäten.(3) Sie sollte die folgenden Bereiche abdecken:
Klinischer Tipp: Kann die Sitz- und Schlafposition eines Kindes Torsionsfehler verschlimmern? ( edit | edit source )
Literaturübersichten zeigen, dass bestimmte „Mythen in der Kinderorthopädie“ noch hartnäckig zu Themen wie Ein- und Auswärtsgang („in-“ und „out-toeing“), W-Sitzen und Zehengang bestehen. Diese Positionen kommen häufig vor und können durchaus normale Varianten im Wachstum und in der Entwicklung von Kleinkindern darstellen.(9) Honig et al.(9) stellen Folgendes fest:
- „Femorale und tibiale Torsion bessern sich typischerweise in den ersten 10-14 Lebensjahren.“(9)
- „Das W-Sitzen (Zwischenfersensitz) ist eine bequeme Sitzposition für Kinder mit einer femoralen Anteversion(3)(9) und vermehrter Hüftinnenrotation. Das W-Sitzen verursacht keine Hüftdysplasie, und es gibt auch keine Evidenz für die Befürchtung, dass es spätere funktionelle Defizite verursachen könnte.“(9)
Positionen wie das W-Sitzen können jedoch bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten die femorale Anteversion verstärken. Dies ist auf die Bodenreaktionskräfte zurückzuführen, die durch diese Position entstehen. Dies ist ein wichtiger Faktor, der berücksichtigt werden muss, da die Hüfte in den frühen Modellierungsphasen der Entwicklung „auf der Grundlage dieser Bodenreaktionskräfte geformt wird“.(3)
Eine Überweisung ist gerechtfertigt, wenn der Patient eine mittelschwere bis schwere Fehlstellung aufweist, die sich nicht von selber auflöst oder sich mit der Zeit verschlimmert, Schmerzen oder funktionelle Beeinträchtigungen verursacht.(9)(5)
Die allgemeine Untersuchung sollte Folgendes umfassen:(3)
Bei der Beurteilung der Ursachen für Torsionsfehler ist es wichtig, Faktoren zu berücksichtigen, die die Ausrichtung des unteren Quadranten beeinflussen könnten.(3)
Fußprogressionswinkel (FPA): die Winkeldifferenz zwischen der Fußlängsachse und der Progressionslinie während des Gangs (siehe Abbildung).(3)
Femorale Version: Rotation des Femurhalses im Verhältnis zu den Femurkondylen in Höhe des Knies. Manchmal ist die femorale Version mit einer femoralen Torsion (einer physischen Torsion oder Verdrehung des Femurschaftes) kombiniert. Die femorale Torsion führt auch zu einer Veränderung des Winkels zwischen dem Femurhals und den Femurkondylen.(3)
Bewegungsausmaß der Hüftrotation (3)
Fuß-Oberschenkel-Winkel (Thigh-Foot Angle – TFA): ein Mittel zur Messung der tibialen Torsion.(3)
Transmalleoläre Achse (TMA): eine weitere Möglichkeit zur Messung der tibialen Torsion.(3)
Ausrichtung des Vorfußes(3): Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Vorfußwinkel und der Stellung des Rückfußes. Das Verhältnis des Vorfußes zum Rückfuß wird gemessen, um den Vorfußvarus oder -valgus zu bestimmen.(13)
Orthesen mit Derotations- bzw. Torsionsbandagen und Kompression:
Fördern Sie die Sitzposition des Ringsitzes und vermeiden/entmutigen Sie das W-Sitzen. Das Ringsitzen ist dem Schneidersitz ähnlich. In beiden Positionen sitzt das Kind mit Unterstützung am Rücken, die Hüften sind gebeugt und nach außen gedreht und die Knie sind gebeugt, so dass die Füße zueinander zeigen. Dies schafft eine breite und stabile Basis für das Sitzen. Beim Ringsitz zeigen die Füße zueinander oder berühren sich an den Fußsohlen, während beim Schneidersitz die Füße übereinander gekreuzt werden.
Chirurgische Korrektur: Eine femorale Derotationsosteotomie wird in Erwägung gezogen, wenn bei Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren noch eine signifikante femorale Anteversion vorhanden ist. Dabei handelt es sich um einen hochinvasiven Eingriff, der nur dann in Betracht gezogen werden sollte, wenn das Kind häufig stolpert, stürzt, wenn Sicherheitsbedenken bestehen, wenn das Kind nicht mit Gleichaltrigen mithalten kann, starke Hüft- und/oder Knieschmerzen hat oder Anzeichen eines femoroazetabulären Impingements (FAI) aufweist.
Eine tibiale Torsion kann als Teil der typischen Entwicklung auftreten, aber bei einem kleinen Prozentsatz der Kinder tritt keine Besserung ein, was zu erheblichen funktionellen Defiziten führen kann.(3)
Anmerkung: Die meisten Fälle von tibialer Torsion bilden sich bis zum 4. Lebensjahr spontan zurück.
Schienen und/oder Orthesen: Wenn die tibiale Innentorsion nach dem 18. Lebensmonat fortbesteht, könnte ein Versuch mit Orthesen oder Spezialschuhen für etwa 6 Monate in Betracht gezogen werden.(3)
Chirurgische Korrektur: Außenrotationsosteotomie der Tibia und Fibula. Eine chirurgische Behandlung kann bei Kindern im Alter von mehr als 6 bis 8 Jahren angezeigt sein, die funktionelle Probleme und einen Fuß-Oberschenkel-Winkel von mehr als 15° aufweisen.(3)