Originaler Autor – Evan Thomas
Top-Beitragende – Evan Thomas, Amrita Patro, Jess Bell, Robin Tacchetti, Laura Ritchie, Kim Jackson, Amanda Ager, Carina Therese Magtibay, Sehriban Ozmen, 127.0.0.1, Oyemi Sillo , Naomi O’Reilly und WikiSysop
Das Gross Motor Function Classification System – Expanded & Revised (GMFCS – E&R) wurde 2007 entwickelt. Es baut auf der Originalversion des Gross Motor Function Classification System von 1997 auf.(1) Es stuft Kinder mit Zerebralparese nach ihrer selbstinitiierten grobmotorischen Funktion ein.(2)
Dieses fünfstufige Klassifikationssystem konzentriert sich auf die Rollstuhlmobilität, das Gehen und das Sitzen. Ein Kind wird auf der Grundlage seiner Fähigkeit, bestimmte funktionelle Aktivitäten auszuführen, und seines Bedarfs an Hilfsmitteln (wie Stöcke, Krücken oder Rollatoren) oder Rollstuhlmobilität klassifiziert.(2) Das GMFCS – E&R betrachtet auch die Bewegungsqualität, jedoch weniger detailliert.(2)(3)
Das GMFCS – E&R konzentriert sich darauf, zu bestimmen, welche der fünf Stufen die „aktuellen Fähigkeiten und Einschränkungen in der grobmotorischen Funktion“ des Kindes am besten widerspiegelt.(3) Es berücksichtigt übliche Aktivitäten, wie z. B. die Leistung eines Kindes in der Schule, zu Hause und in der Gemeinschaft, und nicht, was es im besten Fall leisten kann. Es geht also darum, was das Kind tut, und nicht um seine Fähigkeiten. Die Klassifikation basiert auf der aktuellen Leistung in der Grobmotorik und sollte keine Prognosen berücksichtigen.(3)
Diese Klassifikation ist für Kinder und Jugendliche mit Zerebralparese (CP) gedacht. Die überarbeitete Version (GMFCS – E&R) umfasst fünf Altersgruppen: unter 2 Jahren, 2-4 Jahre, 4-6 Jahre, 6-12 Jahre und 12-18 Jahre. (3) Das GMFCS – E&R ist in 22 Sprachen verfügbar und wurde in vielen verschiedenen Ländern validiert. Es dient der Klassifikation der Funktion und ist kein diagnostisches Instrument.(4)
Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzte und andere Leistungserbringer im Gesundheits- und Rehabilitationswesen, die mit den Bewegungsfähigkeiten von Kindern mit Zerebralparese vertraut sind, können das GMFCS-E&R verwenden. Auch Eltern/Betreuungspersonen von Kindern mit Zerebralparese können ihre Kinder mithilfe einer angepassten Version, dem GMFCS Family Report Questionnaire, klassifizieren.(3)
Gesundheitsdienstleister, die mit einem Kind vertraut sind, können es in der Regel innerhalb von 5 Minuten mithilfe des GMFCS-E&R klassifizieren. Bei Kindern, mit denen sie nicht vertraut sind, kann die Klassifikation 15 bis 20 Minuten dauern, da mehr Beobachtungen erforderlich sind.(3)
Die Unterscheidung zwischen den Stufen des GMFCS-E&R ist in der Regel recht eindeutig. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es in manchen Altersstufen schwieriger ist, zwischen angrenzenden Stufen zu unterscheiden, sodass mehr Zeit erforderlich sein kann, um ein Kind zu klassifizieren(3)
Die Einstufung lautet wie folgt:(5)(6)
- Stufe I: freies Gehen ohne Einschränkungen möglich
- Stufe II: Gehen mit Einschränkungen möglich (z.B. Beeinträchtigungen des Gleichgewichts oder der Ausdauer)
- Stufe III: Gehen mit einer Gehhilfe möglich (für längere Strecken im Freien kann eine zusätzliche Unterstützung nötig sein, wie z. B. ein Rollator)
- Stufe IV: eingeschränkte selbständige Mobilität – der Transport kann mithilfe eines Aktiv-Rollstuhls oder elektrischer Mobilität erfolgen
- Stufe V: ausschließlicher Transport im Rollstuhl
Reid et al.(7) weisen darauf hin, dass ein Kind, das als Stufe I eingestuft wird, in der Lage ist, die gleichen Aktivitäten wie seine Altersgenossen auszuführen, wobei jedoch seine Geschwindigkeit, sein Gleichgewichtssinn oder seine Koordination beeinträchtigt sein können. Ein Kind, das als Stufe V eingestuft wird, hat jedoch Schwierigkeiten, eine willentliche Bewegungskontrolle zu erreichen, und seine Kopf-/Rumpfkontrolle ist in vielen Positionen beeinträchtigt.(7)
Es gibt starke Evidenz für die Zuverlässigkeit und Konstruktvalidität des GMFCS-E&R, sowohl bei der Verwendung durch Angehörige der Gesundheitsberufe als auch durch Familien/Betreuungspersonen,(8) was darauf hindeutet, dass es in der Forschung und in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann.(2)
- Verschiedene Studien haben gezeigt, dass seine Intrarater- und Interrater-Reliabilität „nahezu ausgezeichnet“ sind und einen hohen Intraklassen-Korrelationskoeffizienten aufweisen.(2)
- Palisano et al.(9) verwendeten Delphi-Konsensverfahren (wobei Konsens als „Zustimmung zu einer Frage durch mindestens 80 % der Teilnehmer“ definiert wurde,(9) um die Inhaltsvalidität des GMFCS-E&R zu bestätigen.
- Das GMFCS-E&R kann nicht zur Erkennung von Veränderungen im Laufe der Zeit verwendet werden.(8) Towns et al.(10) weisen darauf hin, dass es nicht als Ergebnismessung zur Überprüfung des Verlaufs oder von Veränderungen nach der Behandlung verwendet werden kann und nicht für andere Erkrankungen als Zerebralparese vorgesehen ist.
- Obwohl das GMFCS-E&R als stabile Messung angesehen wurde, wurde festgestellt, dass sich die Stufe eines Kindes ändern kann.(2) Die Forschung zur Stabilität des GMFCS-E&R ist noch nicht abgeschlossen.(3)
- Gorter et al.(11) stellten fest, dass Säuglinge nach zwei Jahren möglicherweise neu eingestuft werden müssen.
- Palisano et al.(12) stellten fest, dass das GMFCS eine höhere Stabilität aufweist als das Manual Ability Classification System und das Communication Function Classification System.(12) Sie empfehlen jedoch auch eine wiederholte Klassifikation im Laufe der Zeit und stellen fest, dass jüngere Kinder eher eine Neueinstufung benötigen.(12)
- ↑ Morris C. Development of the gross motor function classification system (1997). Developmental Medicine & Child Neurology. 2008 Jan 1;50(1):5-.
- ↑ 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 Nylén E, Grooten WJA. The stability of the Gross Motor Function Classification System in children with cerebral palsy living in Stockholm and factors associated with change. Phys Occup Ther Pediatr. 2021;41(2):138-49.
- ↑ 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 Can Child. GMFCS – E&RGross Motor Function Classification System – Expanded & Revised. Available from: https://canchild.ca/en/resources/42-gross-motor-function-classification-system-expanded-revised-gmfcs-e-r
- ↑ Versfeld, P. Family-Centred Intervention and Early Diagnosis Course. Plus , 2021.
- ↑ CanChild. GMFCS-ER Resources. Last Accessed July 17, 2016 from https://canchild.ca/en/resources/42-gross-motor-function-classification-system-expanded-revised-gmfcs-e-r
- ↑ Paulson A, Vargus-Adams J. Overview of four functional classification systems commonly used in cerebral palsy. Children (Basel). 2017 Apr 24;4(4):30.
- ↑ 7.0 7.1 Reid SM, Carlin JB, Reddihough DS. Using the Gross Motor Function Classification System to describe patterns of motor severity in cerebral palsy. Developmental Medicine & Child Neurology, 2011 Nov 1;53(11):1007-12.
- ↑ 8.0 8.1 Piscitelli D, Ferrarello F, Ugolini A, Verola S. Pellicciari, L. Measurement properties of the Gross Motor Function Classification System, Gross Motor Function Classification System-Expanded & Revised, Manual Ability Classification System, and Communication Function Classification System in cerebral palsy: a systematic review with meta-analysis. Dev Med Child Neurol. 2021;63:1251-61.
- ↑9.0 9.1 Palisano RJ, Rosenbaum P, Bartlett D, Livingston MH. Content validity of the expanded and revised Gross Motor Function Classification System. Developmental Medicine & Child Neurology. 2008 Oct 1;50(10):744-50.
- ↑ Towns M, Rosenbaum P, Palisano R, Wright FV. Should the Gross Motor Function Classification System be used for children who do not have cerebral palsy?. Developmental Medicine & Child Neurology. 2018 Feb;60(2):147-54.
- ↑ Gorter JW, Ketelaar M, Rosenbaum P, Helders PJ, Palisano R. Use of the GMFCS in infants with CP: the need for reclassification at age 2 years or older. Dev Med Child Neurol. 2009 Jan;51(1):46-52.
- ↑ 12.0 12.1 12.2 Palisano RJ, Avery L, Gorter JW, Galuppi B, McCoy SW. Stability of the Gross Motor Function Classification System, Manual Ability Classification System, and Communication Function Classification System. Dev Med Child Neurol. 2018 Oct;60(10):1026-32.