Beste Praktiken für die Anbahnung entwicklungsbezogener Fertigkeiten in der Frühförderung

Frühförderung ( edit | edit source )

Frühförderungsprogramme bieten Familien von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen im Alter von drei Jahren und darunter Erziehungs- und Therapieressourcen. Zu den Leistungen im Rahmen von Frühförderungsprogrammen können Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie, Orthoptik, Pflege, Audiologie und Hilfsmittel gehören. Beurteilungen werden in der Regel in einer natürlichen Umgebung des Kindes durchgeführt, z. B. zu Hause oder in einer Kindertagesstätte.(1) Sehen Sie sich das folgende Video des Allen County Board of Developmental Disabilities an, um mehr über Frühförderung zu erfahren. (In englischer Originalsprache)

Familienzentrierte Versorgung ( edit | edit source )

Abbildung.1 Säugling auf allen Vieren

Die Dienstleistungen der Frühförderung sind darauf ausgerichtet, die Familien in die Lage zu versetzen, selbst über die Ziele und Maßnahmen für ihr Kind zu entscheiden. Bei diesem familienzentrierten Ansatz arbeitet der Therapeut als Coach und Partner mit der Familie und nicht als Wissenträger, der alle Entscheidungen trifft.(1) Zu Beginn besprechen die Familie und der Therapeut die Lebensumstände der Familie und alle Schwierigkeiten, mit denen sie möglicherweise konfrontiert ist. Das Verständnis ihrer Sorgen und Erwartungen wird dazu beitragen, die Ziele und die spezifische Auswahl der Interventionsaufgaben zu gestalten. Während der Befunderhebung beobachtet der Therapeut das Kind bei der Ausführung bestimmter Aufgaben, um festzustellen, wozu es fähig ist, wo seine Stärken liegen, wie viel Unterstützung es braucht, was es an der Aufgabe hindert und welche Anpassungen vorgenommen werden können, damit das Kind erfolgreich ist. Der Therapeut und die Familie entscheiden dann gemeinsam, wie die Aufgaben im Tagesablauf des Kindes geübt werden können. Die Bereitstellung von Übungsprogrammen für zu Hause per Video oder schriftlicher Anleitung kann für die Familien eine hilfreiche Erinnerungsstütze sein.(2)

Ziele(edit | edit source)

Abbildung.2 Der Säugling zieht sich zum Stehen hoch

Dalmau et al.(3) empfehlen bei der Festlegung von Zielen für das Kind Folgendes:

  1. „Sie sind funktionell und notwendig, damit das Kind und die Familie an den Aktivitäten teilnehmen können, die für sie wichtig sind. Die Ziele werden immer auf der Grundlage dessen festgelegt, was die Familie als notwendig und funktionell für sie ansieht, und nicht auf der Grundlage dessen, was die Fachkraft für nützlich oder bedeutsam in ihrem Leben hält.“
  2. „Sie spiegeln reale Alltagssituationen und Routinen der Familien wider, wie z. B. Mahlzeiten, Bäder, Parkbesuche usw. Häufig sind die von den Entwicklungsbereichen aufgestellten Ziele weder kontextbezogen noch entsprechen sie Situationen des täglichen Lebens.“
  3. „Sie beschreiben die Teilhabe des Kindes und/oder der Familie an den Routinen, was bedeutet, dass das Kind oder die Familie die ‚Akteure‘ sind und nicht die Fachkräfte.“
  4. „Ihre Formulierung muss frei von Fachausdrücken sein und alltägliche Routinen und Aktivitäten verwenden.“
  5. „Sie betonen immer die positiven Handlungen und zeigen auf, was das Kind oder die Familie tun kann, und nicht, was sie nicht tun können.“
  6. „Die aktive Stimme wird der passiven Stimme vorgezogen; Ausdrücke, die eine Beteiligung und aktive Teilnahme des Kindes/der Familie implizieren.“

GAME-Intervention ( edit | edit source )

Ein Ansatz zur Frühförderung von Säuglingen, bei denen ein Risiko für Zerebralparese (CP) besteht, heißt GAME: zielgerichtete (G – Goal based) Aktivität (A – Activity) mit intensivem motorischen Training (M – Motor Training) in einer angereicherten Umwelt (E – Environment).(4) Dieser Ansatz besteht aus drei Komponenten:

  1. Zielgerichtetes intensives motorisches Training
  2. Edukation der Eltern
  3. Strategien zur Anreicherung der motorischen Lernumwelt des Kindes

Anfangs finden die Besuche in der Regel wöchentlich statt, aber die Häufigkeit richtet sich nach den Präferenzen, der Verfügbarkeit und den Ressourcen der Familie. Eine GAME-Interventionssitzung dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten.(2) Eine kürzlich durchgeführte systematische Literaturübersicht hat gezeigt, dass GAME-Interventionen für Säuglinge im Alter von bis zu 5 Monaten der Standardbehandlung überlegen sind.(5)

Zielorientiertes intensives motorisches Training ( edit | edit source )

Abbildung.3 Der Säugling hebt Spielzeug vom Boden auf

Die vom Therapeuten und der Familie festgelegten Ziele stehen im Mittelpunkt der Therapiesitzungen und des Heimprogramms. Die von den Eltern identifizierten Zielbereiche werden in der Therapiesitzung und in einem Heimprogramm (HP) gezielt geübt. (2)

Beim Üben der motorischen Aufgaben unterstützt der Therapeut oder die Eltern alle motorischen Aufgaben, so dass der Säugling immer zumindest einen Teil der Aufgabe aktiv ausführen kann. Wenn sich die Leistung verbessert, wird die Herausforderung erhöht, indem die Aufgabe oder die Umgebung auf einen neuen und angemessenen Schwierigkeitsgrad geändert wird.(2)

Die manuelle Unterstützung durch den Therapeuten und die Eltern erfolgt nur dann, wenn dies aus Sicherheitsgründen erforderlich ist oder um dem Säugling die „Idee“ der Bewegung zu vermitteln. „Die manuelle Unterstützung wird reduziert oder zurückgezogen, sobald der Säugling selbstinitiierte Fortschritte bei der Aufgabe zeigt; so wird sichergestellt, dass die selbst generierte motorische Aktivität im Mittelpunkt aller Übungen steht. Sobald eine motorische Fertigkeit erlernt ist, wird die Variabilität der Übung eingeführt, um die Komplexität und Generalisierbarkeit der Fertigkeit zu erhöhen.“(2)

Das Aufgabenziel ergibt sich aus dem Zusammenspiel zwischen der Aufgabenanforderung (T – Task), dem einzelnen Kind (I – Individual) und der Umwelt (E – Environment) oder „TIE-Prinzip“. Bei der Analyse der Leistung des Kindes müssen alle drei Komponenten des TIE-Prinzips berücksichtigt werden.(6) Das aufgabenspezifische Üben sollte erfolgreiche Versuche einbeziehen, da dies das Kind zu weiteren Wiederholungen motiviert. Optimale Ergebnisse werden durch Wiederholungen und intensives Üben erzielt.(7) Ziele und Aufgaben können angepasst werden, um mit der gesamten Aufgabe oder mit Teilen der Aufgabe Erfolg zu haben. Sobald der Säugling eine bestimmte Aufgabe erfolgreich bewältigt hat, wird die motorische Fertigkeit aufbauend auf der zuvor erlernten Fertigkeit weiter gefordert. Bei den Aktivitäten liegt der Schwerpunkt auf einer minimalen manuellen Führung mit der Möglichkeit, die Hilfe zurückzuziehen, sobald das Kind in der Lage ist, die vorgegebene Bewegung oder Sequenz erfolgreich zu demonstrieren.(2)

Frühe Gewichtsbelastung ( edit | edit source )

Abbildung.4 Säugling und Therapeutin in Interaktion

Die frühe Belastung mit dem eigenen Körpergewicht und das Aufstehen vom Schoß der Eltern wird im Rahmen des GAME-Ansatzes routinemäßig geübt, auch wenn dies nicht zu den festgelegten Zielen gehört. Die Forschung zeigt, dass das funktionelle Belasten bei älteren Kindern und Erwachsenen mit Hirnverletzungen ein Krafttraining ermöglichen und die motorische Kontrolle verbessern kann.(2) Die aufrechte Mobilität kann durch die frühe Aktivierung der Beinmuskulatur mit Hilfe konzentrischer und exzentrischer Übungen verbessert werden. Bei Kindern mit Zerebralparese könnten routinemäßige Stehübungen bei Beeinträchtigungen wie Schwäche und selektiver motorischer Kontrolle helfen.(2)

Greifen und Ergreifen ( edit | edit source )

Für Säuglinge, bei denen das Risiko einer Entwicklungsverzögerung besteht, gehören das Greifen und Ergreifen einer Vielzahl von Gegenständen zu den Standardaufgaben des motorischen Trainings im Rahmen des GAME-Ansatzes.

Um die Funktion der Hände zu optimieren, ist es entscheidend, ihnen viele Gelegenheiten zu bieten, Objekte mit ihren Händen zu manipulieren.(2) In Fällen, in denen eine asymmetrische Handfunktion vorliegt, kann eine modifizierte Constraint Induced Movement Therapy (CIMT) und/oder beidhändiges Training eingesetzt werden.(5)(7)

Die Forschung zeigt, dass CIMT im ersten Lebensjahr einen positiven Einfluss auf die Handfunktion von Säuglingen mit einseitiger CP hat.(8)

Üben zu Hause ( edit | edit source )

Die GAME-Intervention unterstreicht die Bedeutung der Entwicklung eines Programms für zu Hause, das dem Säugling die Möglichkeit zum selbständigen Spielen und zu gemeinsamen Aktivitäten mit der Familie bietet. Es werden schriftliche Anweisungen mit Bildern bereitgestellt, die sich auf die Ziele der Familie beziehen, sowie Aktivitäten zum Greifen und Ergreifen. Die Heimprogramme können bei Erreichen der Ziele aktualisiert werden. Der Zeitplan für das Üben sollte auch auf die zeitlichen Beschränkungen der Familie und die verfügbaren Ressourcen abgestimmt werden.(2)

Mitwirkung und Edukation der Eltern ( edit | edit source )

Die Eltern spielen eine aktive Rolle bei der Auswahl der Ziele und der Durchführung des Programms zu Hause. Die Eltern werden mit dem Wissen und den Fertigkeiten ausgestattet, die sie benötigen, um die selbst initiierten und generierten Handlungen, die Erkundung und die Beschäftigung mit motorischen Aufgaben ihres Babys zu fördern und zu unterstützen. (2)

Abbildung.5 Säugling spielt mit Spielzeug

Morgan et al. beschreiben die Elternedukation wie folgt:(2)

„Die Eltern werden darin geschult, die freiwilligen Bewegungsversuche und die Selbstregulierung ihres Kindes zu erkennen, den üblichen Verlauf der sich entwickelnden motorischen Fertigkeiten zu verstehen und zu wissen, wie sie den Fortschritt fördern können.

Die Eltern werden in der Analyse einfacher motorischer Aufgaben geschult und in geeigneten Strategien zur Förderung der Entwicklung ihres Kindes sowohl auf einer spezifischen Zielebene als auch im Hinblick auf allgemeine Prinzipien des frühen Lernens und der Entwicklung unterrichtet.

Die Eltern werden angeleitet, die Wachzeit ihrer Säuglinge und die natürlichen Lernmöglichkeiten optimal zu nutzen. Die Lernoptimierung umfasste sowohl das von den Eltern gesteuerte als auch das strukturierte Üben gewünschter motorischer Aufgaben, wobei die Rolle der Eltern integraler Bestandteil des Lernens des Kindes war (z. B. Schaffung von Wiederholungen) und Gelegenheiten zum eigenständigen Spielen geschaffen wurden (z. B. alleiniges Spielen mit motorisch bereicherndem Spielzeug, das für das Kind eingerichtet wurde).

Die Eltern werden ermutigt, den Therapeuten dabei zu beobachten, wie er dem Baby ein motorisches Verhalten entlockt, und es selbst zu versuchen. Die Eltern erhielten ein spezifisches Feedback, damit sie herausfinden konnten, warum einige Versuche für das Baby erfolgreich waren und andere nicht.

Wenn sich neue motorische Fertigkeiten herausbilden, werden die Eltern in Strategien unterwiesen, um die Herausforderung der Aufgabe zu erhöhen, z. B. indem die Unterstützung entfernt oder ein komplexeres Spielzeug eingeführt wird.

Es wird erörtert, wie wichtig es ist, beim Üben Versuch und Irrtum zuzulassen, und die Eltern werden ermutigt, ihre eigenen Aktivitäten zu entwickeln, um die Zielerreichung zu verbessern.“(2)

Umweltanreicherung ( edit | edit source )

Abbildung.6 Ein Elternteil liest dem Säugling vor

Der dritte Aspekt der GAME-Intervention ist die Schaffung eines bereichernden Umfelds, das zum aktiven Erkunden und Spielen in der Familie anregt. Es werden Spielzeuge oder Geräte verwendet, die die Familie bereits besitzt, wobei sorgfältig ausgewählt wird, was den Fähigkeiten und Interessen des Kindes entspricht.(2) Morgan et al.(2) stellen fest, dass die gesamte Umwelt berücksichtigt werden sollte, was Folgendes beinhalten kann:

  • „Evidenzbasierte frühkindliche Lernstimulation und Vorbildfunktion zur Förderung der kognitiven und sprachlichen Entwicklung (z. B. Vorlesen von Büchern, Begrenzung des passiven Fernsehens);
  • Optimierung der Schlafhygiene;
  • Ernährungsmaßnahmen (z. B. Medikamente gegen Reflux), um eine angemessene kalorische Ernährung und schmerzfreie Lernbedingungen zu gewährleisten.“

Die Mitglieder der erweiterten Familie werden ermutigt, sich an der sozialen Interaktion mit dem Kind zu beteiligen und an den Therapiesitzungen teilzunehmen, da dies dazu beiträgt, das Wissen der Familie zu erweitern und Akzeptanz und Wohlbefinden zu fördern. Wie bereits erwähnt, besuchen die GAME-Therapeuten die Familien zunächst wöchentlich, bevor sie die Häufigkeit je nach Verfügbarkeit, Ressourcen und Präferenzen der Familie ändern.(2)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Tomasello NM, Manning AR, Dulmus CN. Family-centered early intervention for infants and toddlers with disabilities. Journal of Family Social Work. 2010 Mar 24;13(2):163-72.
  2. 2.00 2.01 2.02 2.03 2.04 2.05 2.06 2.07 2.08 2.09 2.10 2.11 2.12 2.13 2.14 2.15 Morgan C, Novak I, Dale RC, Guzzetta A, Badawi N. GAME (Goals-Activity-Motor Enrichment): protocol of a single-blind randomised controlled trial of motor training, parent education and environmental enrichment for infants at high risk of cerebral palsy. BMC neurology. 2014 Dec;14(1):1-9.
  3. Dalmau M, Balcells-Balcells A, Giné C, Cañadas M, Casas O, Salat Y, Farré V, Calaf N. How to implement the family-centered model in early intervention. Anales de psicología. 2017;33(3):641-51.
  4. Gmmash AS, Effgen SK. Early intervention therapy services for infants with or at risk for cerebral palsy. Pediatric Physical Therapy. 2019 Jul 1;31(3):242-9.
  5. 5.0 5.1 Damiano DL, Longo E. Early intervention evidence for infants with or at risk for cerebral palsy: an overview of systematic reviews. Developmental Medicine & Child Neurology. 2021 Apr 6.
  6. Versfeld, P. Best Practice In Developmental Skills Training in Early Intervention. Course. Plus. 2021
  7. 7.0 7.1 Morgan C, Fetters L, Adde L, Badawi N, Bancale A, Boyd RN, Chorna O, Cioni G, Damiano DL, Darrah J, de Vries LS. Early Intervention for Children Aged 0 to 2 Years With or at High Risk of Cerebral Palsy: International Clinical Practice Guideline Based on Systematic Reviews. JAMA paediatrics. 2021 May 17.
  8. Eliasson AC, Nordstrand L, Ek L, Lennartsson F, Sjöstrand L, Tedroff K, Krumlinde-Sundholm L. The effectiveness of Baby-CIMT in infants younger than 12 months with clinical signs of unilateral-cerebral palsy; an explorative study with randomized design. Research in developmental disabilities. 2018 Jan 1;72:191-201.


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