Top-Beitragende – Stacy Schiurring, Kim Jackson, Lucinda hampton und Jess Bell
In diesem Artikel geht es um Gangabweichungen im Zusammenhang mit Schmerzsyndromen des Beckens und des Knies. Auch wenn sich diese Ausführungen auf bestimmte Körperregionen konzentrieren, sollten Sie berücksichtigen, dass der menschliche Körper innerhalb einer kinetischen Kette arbeitet. Keine Bewegung geschieht jemals völlig isoliert und ohne Auswirkungen auf eine andere.(1)
Einen Überblick über den Gangzyklus finden Sie in diesem Artikel. Einen Überblick über Gangabweichungen finden Sie in diesem Artikel. Einen Überblick über gängige Begriffe und Definitionen zum Thema Gang finden Sie in diesem Artikel.
Gangabweichungen können mit der Entwicklung von muskuloskelettalen Schmerzsyndromen zusammenhängen oder damit einhergehen. Oft sind es Schmerzbeschwerden, die einen Patienten zur Physiotherapie führen. Es ist die Aufgabe des Physiotherapeuten, den Patienten über die Ursachen seiner Schmerzen aufzuklären und gleichzeitig die festgestellte Gangabweichung zu behandeln und zu korrigieren.(1)
Eine Gangabweichung ist eine Anomalie im Gangzyklus, die den Rumpf, die Hüfte, das Knie oder das Sprunggelenk betreffen kann. Gangabweichungen können auf ein höheres Alter und / oder auf bestimmte Krankheiten zurückzuführen sein. Diese Pathologien können muskuloskelettaler oder neurologischer Natur sein.(2) Gangabweichungen können einen enormen Einfluss auf die Lebensqualität, Morbidität und Mortalität eines Patienten haben.(3)
Zu den am häufigsten festgestellten Gangabweichungen bei Schmerzsyndromen gehören:(1)
Einer Arbeit von Fritz aus dem Jahr 2009 zufolge(4) ist die Gehgeschwindigkeit (Ganggeschwindigkeit) „das nahezu perfekte Maß.“ Die vom Patienten selbst gewählte (habituelle) Gehgeschwindigkeit hat sich als zuverlässiges, valides, sensitives und spezifisches Maß erwiesen, das mit der funktionellen Fähigkeit und der sturzassoziierten Selbstwirksamkeit (bewertet anhand der Activities-Specific Balance Confidence Scale) korreliert.(4)
„Wie der Blutdruck kann auch die Gehgeschwindigkeit ein allgemeiner Indikator sein, der zukünftige Ereignisse vorhersagen kann und verschiedene zugrunde liegende physiologische Prozesse widerspiegelt. Während die Gehgeschwindigkeit allein nicht als einziger Prädiktor für funktionelle Fähigkeiten gelten kann, ist auch der Blutdruck nicht das einzige Zeichen für Herzkrankheiten; die Gehgeschwindigkeit kann als funktionelles‘Vitalzeichen‚ genutzt werden, um Ergebnisse wie den Funktionsstatus, das Entlassungsziel und die Notwendigkeit einer Rehabilitation zu bestimmen.“(4)
Anwendungen der Gehgeschwindigkeit als klinisches Maß:(4)
Laut Fritz et al. (2009) liegt die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit (selbst bei geriatrischen Erwachsenen) bei 1-1,4 Meter pro Sekunde.(4) Die bevorzugte durchschnittliche Gehgeschwindigkeit gesunder Erwachsener im Alter von bis zu 59 Jahren beträgt etwa 1,4 m/s.(5) Dies deutet darauf hin, dass eine Gehgeschwindigkeit von unter 1-1,4 m/s als abweichend gilt.(1)
Die durchschnittliche Doppelschrittlänge (stride length) liegt bei gesunden Erwachsenen zwischen 150 und 170 cm. Die durchschnittliche Kadenz junger Erwachsener liegt zwischen 115 und 120 Schritten pro Minute. Ältere Menschen bevorzugen eine um 40 % breitere Spurbreite als jüngere Menschen. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass das Altern „mit einer Abnahme der Gehgeschwindigkeit und der Schrittlänge einhergeht, während die Kadenz relativ stabil bleibt.“(5)
Sehen Sie sich das folgende Video an, um mehr über die Gehgeschwindigkeit zu erfahren und zu sehen, wie man sie in der Klinik mit dem 10-Meter-Gehtest messen kann.
Die Bodenreaktionskraft ist die Summe aller Kräfte, die vom Boden auf den Körper übertragen werden.(1) Die Bodenreaktionskraft wird aus allen Richtungen beeinflusst: vertikal, anterior-posterior und medial-lateral. Diese Kräfte werden in der Regel mit einer dreidimensionalen Kraftmessplatte gemessen und aufgezeichnet.(7)(8)
Beim Gehen ist die vertikale Bodenreaktionskraft die größte Komponente der gesamten Bodenreaktionskraft. Dadurch entstehen Kräfte, die größer sind als das gesamte Körpergewicht einer Person pro Schritt. Die aufgezeichnete Kurve der vertikalen Bodenreaktionskraft besteht aus zwei Spitzen: die erste ist die der Stoßbelastung(1) oder „passive Spitze“ (Gewichtsübernahme beim Fersenaufprall auf den Boden), während die zweite einer „aktiven Spitze“ (Abdruck / Push-off) entspricht.(7)(9) Die passive Spitze wird durch den Druck des Fußes gegen den Boden verursacht, während die aktive Spitze durch die aktive Kraft entsteht, die der Fuß ausübt, wenn er sich vom Boden wegdrückt. Die anterior-posteriore Bodenreaktionskraft umfasst eine Bremsspitze und eine Vortriebsspitze.(7) Die einzigartigen Muster dieser Spitzen veranschaulichen die Belastungskräfte an den Gelenken und Muskeln der unteren Extremität. Diese in der gesamten Extremität spürbaren Kräfte können die Entwicklung oder Verschlimmerung von muskuloskelettalen Überlastungs- oder Stressverletzungen beeinflussen.(9)(10)
Bei der Interpretation einer Bodenreaktionskurve gilt: Je steiler die Kurve, desto größer sind die Stoß- bzw. Aufprallkräfte. Die Kurve der anterior-posterioren Kurve (Bremskräfte) wird negativ sein. Im Allgemeinen gilt: Je größer die Kräfte, desto größer das Risiko von Stress- oder Überlastungsverletzungen.(1)(10)
Im folgenden Video erhalten Sie einen schnellen und dennoch detaillierten Überblick über die Bodenreaktionskräfte während des menschlichen Gangzyklus. Dieses Video veranschaulicht in hervorragender Weise, wie sich die Bodenreaktionskräfte in verschiedene Richtungen verschieben, während sich die Person durch den Raum bewegt.
| Gangabweichung | Erwartetes Bewegungsmuster | Abweichendes Bewegungsmuster | Sekundäre Zeichen im Zusammenhang mit abweichenden Bewegungen |
|---|---|---|---|
Verstärkte vertikale Oszillation des Massenschwerpunkts
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Wählen Sie eine feste Stelle, z. B. den Scheitelpunkt des Kopfes, das Kreuzbein oder die Gürtellinie. Vergleichen Sie den höchsten Punkt in der Schwungphase mit dem tiefsten Punkt in der Standphase. |
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| Verringerte vertikale Oszillation des Massenschwerpunkts | Gleich wie oben |
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| Kontralaterales Absinken des Beckens | In der Standphase sollte eine imaginäre Linie zwischen den Spinae iliacae posteriores superiores (SIPS) um nicht mehr als vier Grad nach inferior abweichen. | In der Standphase weicht die Linie zwischen den SIPS um mehr als vier Grad nach inferior ab.
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| Kontralaterale Elevation des Beckens
z.B.: Hochziehen der Hüfte oder des Beckens („hip hiking“) |
In der Standphase sollte eine imaginäre Linie zwischen den Spinae iliacae posteriores superiores (SIPS) um nicht mehr als vier Grad nach superior abweichen. | In der Standphase weicht die Linie zwischen den SIPS um mehr als vier Grad nach superior ab.
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Fehlender Abstand zwischen den Knien
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Mit Ausnahme der Fälle von Adipositas per magna sollte normalerweise zwischen den Knien und den Oberschenkeln beim Gehen von vorne oder hinten betrachtet ein Abstand oder „Tageslicht“ erkennbar sein. | Beim Gehen und in der Ansicht von anterior oder posterior fehlt der Abstand oder das „Tageslicht“ zwischen den Knien oder den Oberschenkeln.
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| Fuß überkreuzt die Mittellinie | Bei der Ansicht des Gehens von anterior oder posterior sollte der jeweils kontralaterale Fußauftritt sichtbar sein und eine vertikale Linie, die vom Bauchnabel zum Boden verläuft, nicht überschreiten.
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Bei der Ansicht des Gehens von posterior ist der entgegengesetzte Fußauftritt nicht sichtbar, da der Fuß die vertikale Linie überkreuzt.
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Schräge popliteale Hautfalte
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Bei der Ansicht der Standphase von posterior sollte die Hautfalte in der Kniekehle horizontal verlaufen | Bei der Ansicht von posterior verläuft die Hautfalte schräg von superior-lateral nach inferior-medial (was auf eine übermäßige Bewegung des Femurs in die Innenrotation schließen lässt).
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| Varus-Thrust | In der Standphase sollte, von anterior oder posterior gesehen, eine geringe bis keine laterale/mediale Abweichung oder Translation des Knies vorhanden sein. | In der Standphase kommt es in der Ansicht von posterior oder anterior zu einer schnellen, kleinen lateralen Abweichung bzw. einem „Aufklappen“ des Knies, mit schneller Rückkehr zur neutralen Ausrichtung. |
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| Gangabweichung | Assoziierte Schmerzen
und Schmerzsyndrome |
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Verstärkte vertikale Oszillation des Massenschwerpunkts
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| Verringerte vertikale Oszillation des Massenschwerpunkts |
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| Kontralaterales Absinken des Beckens |
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| Kontralaterale Elevation des Beckens |
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Fehlender Abstand zwischen den Knien
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| Fuß überkreuzt die Mittellinie |
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Schräge popliteale Hautfalte
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| Varus-Thrust |
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