Anfertigung einer volaren Extensionsschiene für Colles-Frakturen

Originale Autorin Jess Bell Top-BeitragendeKim Jackson, Jess Bell, Admin, Tarina van der Stockt und Chelsea Mclene

Einleitung(edit | edit source)

Extensionsfrakturen des distalen Radius (auch als Colles-Frakturen bezeichnet) sind in der Regel die Folge eines Sturzes auf die ausgestreckte Hand.(1) Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist die für diese Art von Frakturen erforderliche Kraft viel höher (z. B. bei einem Sturz vom Klettergerüst oder einem Autounfall), während bei älteren Erwachsenen Frakturen des distalen Radius eher nach einem Trauma mit geringer Energie auftreten (z. B. bei einem Sturz aus dem Stand).(2)(3) In jüngeren Bevölkerungsgruppen sind Männer häufiger von dieser Art von Frakturen betroffen. In älteren Bevölkerungsgruppen treten sie häufiger bei Frauen auf.(4) Bei älteren Erwachsenen besteht auch ein Zusammenhang mit Osteopenie.(5)

Viele Frakturen des distalen Radius können konservativ behandelt werden.(6) Einige erfordern jedoch eine chirurgische Fixierung. Detaillierte postoperative Protokolle für Colles-Frakturen, die mit offener Reposition und interner Fixation (ORIF) versorgt werden, finden Sie hier (0-6 Wochen postoperativ) und hier (nach 6 Wochen postoperativ) (in englischer Originalsprache).

Da eine unzureichende Behandlung der distalen Radiusfraktur zu chronischen Handgelenksschmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit und einer Beeinträchtigung der Handfunktion führen kann,(7) ist es wichtig, dass diese Frakturen angemessen behandelt werden. Eine kürzlich durchgeführte Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu chirurgischen Behandlungen ergab keine klinisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den verschiedenen chirurgischen Optionen hinsichtlich des funktionellen Ergebnisses ein Jahr nach der Operation.(8) Die Autoren dieser Studie stellten jedoch Folgendes fest:(8)

  • Die Versorgung mit einer volaren Platte war mit weniger Komplikationen verbunden, insbesondere bei Patienten mit intraartikulären Frakturen
  • Die nicht gelenküberbrückende externe Fixation war bei Patienten mit extraartikulären Frakturen mit weniger Komplikationen verbunden
  • Nicht operative Behandlungen können bei Patienten über 60 Jahren weiterhin bevorzugt werden

Patienten, die mit ORIF versorgt werden, benötigen am ersten Tag nach der Operation eine distale volare Schiene. Diese Schienen sind einer zirkulären Schiene vorzuziehen, da sie leichter an- und abgelegt werden können.(9) Da diese Patientengruppe eine ORIF zur Stabilisierung ihrer Fraktur erhalten hat, besteht keine Notwendigkeit für eine vollständige Ruhigstellung / Immobilisierung.(10)(11) Die Schienen werden in erster Linie zum Schutz verwendet (z. B. bei einem Sturz oder einem Schlag auf das Handgelenk).(9)

Im Folgenden wird eine einfache Methode zur Herstellung einer solchen Schiene beschrieben:

Benötigte Materialien ( edit | edit source )

  1. Thermoplastisches Material in rechteckiger Grundform – die Länge richtet sich nach dem Abstand zwischen den MCP-Gelenken (Grundgelenken) des Patienten und etwa zwei Dritteln der Länge seines Unterarms
  2. Bratpfanne
  3. Lederschere
  4. Pfannenwender
  5. 3x Schlaufenbänder (Flauschbänder)
  6. 3x selbstklebendes Hakenband (kleine Stücke)

Vorgehen(edit | edit source)

Abbildung 1. Position des Daumenlochs auf dem thermoplastischen Material

  1. Legen Sie das thermoplastische Material in heißes Wasser in der Bratpfanne. Dadurch wird es weich und verformbar. Bitte prüfen Sie die Temperatur, bevor Sie das Material auf die Haut des Patienten legen, um Verbrennungen zu vermeiden.
  2. Sobald das thermoplastische Material weich genug ist, schneiden Sie den Daumenausschnitt. Stechen Sie zunächst mit der Schere in das Material ein und schneiden Sie einen kleinen Kreis aus. Als allgemeine Regel gilt, dass der Daumenausschnitt etwa 3 cm von der Oberkante des Materials und 3 cm von der Seite entfernt sein sollte (siehe Abbildung 1).
  3. Legen Sie das thermoplastische Material wieder in das warme Wasser und schlagen Sie die Ränder des Daumenausschnitts um, um sicherzustellen, dass der Bereich beim Tragen bequem und glatt ist (siehe Abbildung 2).

    Abbildung 2. Umgeschlagene Kanten der volaren Schiene

  4. Legen Sie die Schiene auf die Hand Ihres Patienten. Haken Sie den Daumenausschnitt um den Daumen und formen Sie den Kunststoff um den Unterarm und an die Wölbung der Hand. Am besten ist es, wenn Sie Ihrem Patienten gegenübersitzen, wobei der Ellbogen auf dem Tisch ruht (siehe Abbildung). Denken Sie daran, Folgendes zu überprüfen:
    • Die Schiene endet in der Handfläche proximal der Grundgelenkfalte, so dass der Patient die volle Flexion der Finger erreichen kann
    • Der Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger ist flach und dünn, so dass der Daumen bei der Adduktion keine Druckstellen bekommt
    • Der Daumenbereich ist groß genug, um sicherzustellen, dass keine Reibung am Daumensattelgelenk auftritt und um eine vollständige Opposition zwischen Daumen und kleinem Finger zu ermöglichen
    • Der Patient befindet sich beim Anlegen der Schiene in leichter Dorsalextension des Handgelenks – normalerweise 10-15 Grad

      Abbildung 3. Positionierung für das Anpassen der volaren Schiene über dem Daumen

  5. Sobald das thermoplastische Material getrocknet und ausgehärtet ist (was in der Regel sehr schnell geschieht), kann die Schiene auf die Größe des Patienten zurechtgeschnitten werden. Denken Sie daran, dass die Schiene 2/3 der Unterarmlänge erreichen sollte. Die Seiten sollten so zugeschnitten werden, dass die Schiene etwa 3/4 des Unterarmumfangs abdeckt.
  6. Den Bereich um den Processus styloideus ulnae wird etwas ausgeweitet, um Druck/Reibung in diesem Bereich zu vermeiden.

    Abbildung 4. Position der 3 Klettbänder an der volaren Schiene

  7. Legen Sie die Schiene zurück in die Bratpfanne, so dass Sie die Unter- und Oberkanten umschlagen können, um sie an den Rändern für mehr Komfort zu glätten (siehe Abbildung 2).
  8. Bringen Sie die Klettbänder an der Schiene an, beginnend mit dem distalsten Band (das mit 2 cm Breite das dünnste Band sein sollte). Dieses Band sollte in einem leicht diagonalen Winkel angebracht werden (d. h. es sollte nach von radial-distal nach ulnar-proximal verlaufen). Um die Langlebigkeit der Schiene zu gewährleisten, können Sie nach dem ankleben des Hakenband-Patches auf beiden Seiten die Befestigungen mit einer Heißluftpistole anwärmen.
  9. Fügen Sie das mittleren Band (das 3 cm breit sein sollte) gerade über die Rückseite des Handgelenks an.
  10. Das letzte Band liegt am proximalen Ende der Schiene an. Die Hakenband-Patches sollten beidseits leicht diagonal sitzen, damit das Flauschband auf dem konvexen Unterarm bequem und flach aufliegt, wenn die Schiene angelegt ist (siehe Abbildung 4).

    Abbildung 5. Korrekte Positionierung der volaren Schiene

  11. Legen Sie die Schiene am Arm des Patienten an. Vergessen Sie nicht Folgendes zu prüfen:
    • Volarer Abstand der Schiene zu den Fingergrundgelenken (genügend Raum für die Flexion)
    • Daumensattelgelenk ist frei beweglich (volle Opposition möglich)
    • Leichte Dorsalextension im Handgelenk
    • Festsitzende Bänder, ohne einzuengen (siehe Abbildung 5)
  12. Kürzen Sie die Bänder auf die Größe des Patienten. Runden Sie die Kanten der Bänder und Patches ab, damit die Klettbänder nicht an der Kleidung hängen bleiben.
  13. Oft ist es sinnvoll, einen Trikotschlauch zur Verfügung zu stellen, der unter der Schiene getragen wird, um das Reiben/Schwitzen zu verringern. Dies trägt zum Komfort bei und kann die Therapietreue beim Tragen der Schiene erhöhen.(9)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Fahy K, Duffaut CJ. Hand and wrist fractures. Curr Sports Med Rep. 2022 Oct 1;21(10):345-6.
  2. Handoll HHG, Huntley JS, Madhok R. External Fixation versus conservative treatment for distal radial fractures in adults (Review). The Cochrane Library. 2008;4:1-78
  3. Candela V, Di Lucia P, Carnevali C, Milanese A, Spagnoli A, Villani C, Gumina S. Epidemiology of distal radius fractures: a detailed survey on a large sample of patients in a suburban area. J Orthop Traumatol. 2022 Aug 30;23(1):43.
  4. Azad A, Kang HP, Alluri RK, Vakhshori V, Kay HF, Ghiassi A. Epidemiological and Treatment Trends of Distal Radius Fractures across Multiple Age Groups. J Wrist Surg. 2019;8(4):305-11.
  5. Lim JA, Loh BL, Sylvestor G, Khan W. Perioperative management of distal radius fractures. J Perioper Pract. 2021 Oct;31(10):1750458920949463.
  6. Dehghani M, Ravanbod H, Piri Ardakani M, Tabatabaei Nodushan MH, Dehghani S, Rahmani M. Surgical versus conservative management of distal radius fracture with coronal shift; a randomized controlled trial. Int J Burns Trauma. 2022 Apr 15;12(2):66-72.
  7. Zhang P, Jia B, Chen XK, Wang Y, Huang W, Wang TB. Effects of surgical and nonoperative treatment on wrist function of patients with distal radius fracture. Chin J Traumatol. 2018;21(1):30-3.
  8. 8.0 8.1 Woolnough T, Axelrod D, Bozzo A, Koziarz A, Koziarz F, Oitment C et al. What Is the Relative Effectiveness of the Various Surgical Treatment Options for Distal Radius Fractures? A Systematic Review and Network Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Clin Orthop Relat Res. 2020 Nov 3. Epub ahead of print.
  9. 9.0 9.1 9.2 Thorn, K. Introduction to distal radius fracture (VIMEO). Queensland: Physiopedia, 2019.
  10. Foster BD, Sivasundaram L, Heckmann N, Pannell WC, Alluri RK, Ghiassi A. Distal Radius Fractures Do Not Displace following Splint or Cast Removal in the Acute, Postreduction Period: A Prospective, Observational Study. J Wrist Surg. 2017;6(1):54–59.
  11. Andrade-Silva FB, Rocha JP, Carvalho A, Kojima KE, Silva JS. Influence of postoperative immobilization on pain control of patients with distal radius fracture treated with volar locked plating: A prospective, randomized clinical trial. Inquiry. 2019;50(2):386-391.


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