Kompensationsstrategien zur Sturzprävention – Fallbeispiele

Originale Autorin Yara Peterko Top-Beitragende Ewa Jaraczewska und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Kompensationsstrategien werden von Ergotherapeuten häufig eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit und Partizipation (Teilhabe) an alltäglichen Aufgaben oder Aktivitäten aufrechtzuerhalten oder zu verbessern.(1) Kompensatorische Ansätze konzentrieren sich auf die Modifikation von Aufgaben, die Umweltanpassung oder die Einführung von Hilfsmitteln, um die Unabhängigkeit zu fördern. Die folgenden zwei Fallbeispiele veranschaulichen, wie Kompensationsstrategien zur Sturzprävention eingesetzt werden können. Obwohl die Patienten in diesen Beispielen fiktiv sind, spiegeln sie Szenarien wider, die in der klinischen Praxis häufig vorkommen.

Fallbeispiel Nr. 1 (edit | edit source)

Dieses Szenario befasst sich mit Strategien zur Modifikation von Aufgaben, darunter die Vereinfachung von Bewegungen, die Einplanung von Ruhepausen und die Verringerung der körperlichen Belastung, um die Unabhängigkeit zu fördern, mit Ermüdung umzugehen und das Sturzrisiko zu verringern.

Merkmale der Klientin (edit | edit source)

Frau Thompson ist 80 Jahre alt. Sie lebt selbstständig in einer ebenerdigen Wohnung. Sie leidet an Arthrose und hat seit kurzem Probleme mit dem Gleichgewicht, vor allem bei alltäglichen Aufgaben wie Anziehen, Kochen und Bewegen in der Wohnung. Sie macht sich Sorgen, dass sie stürzen könnte, vor allem, wenn sie müde wird. Frau Thompson zögert, Hilfsmittel zu benutzen und zieht es vor, ohne zusätzliche Ausrüstung auszukommen.

Probleme der Klientin und Lösungen des Rehabilitationsteams (edit | edit source)

Frau Thompson hat aufgrund von Gleichgewichtsstörungen und eingeschränkter Beweglichkeit Probleme beim Anziehen.

Mögliche Lösung: Vereinfachung der Bewegungen beim Anziehen. Das Rehabilitationsteam könnte Frau Thompson ermutigen, Kleidung mit größeren Öffnungen und einfach zu handhabenden Verschlüssen zu tragen. Sie könnte beispielsweise Oberteile mit weitem Halsausschnitt und elastischem Bund tragen. Dadurch müssten sie sich beim Anziehen nicht mehr so stark bücken oder drehen.

Frau Thompson findet Tätigkeiten, die langes Stehen erfordern, wie Kochen und Putzen, ermüdend.

Mögliche Lösung: Ruhepausen einlegen. Das Rehabilitationsteam kann Frau Thompson raten, regelmäßig Pausen einzulegen, während sie eine Mahlzeit zubereitet. Sie könnte beispielsweise Gemüse schneiden, sich dann ein paar Minuten hinsetzen und anschließend weitermachen. So könnte sie ihre Energie über den Tag hinweg besser einteilen. Sie könnte auch Reinigungs- und andere Arbeiten in mehrere kleinere Einheiten aufteilen. Sie könnte jeweils einen Raum nach dem anderen reinigen und zwischen den Räumen eine Pause einlegen, um Ermüdungserscheinungen zu vermeiden und somit ihr Sturzrisiko zu verringern.

Frau Thompsons Gleichgewicht ist beim Übergang vom Sitzen zum Stehen beeinträchtigt.

Mögliche Lösung: Techniken für einen sicheren Transfer. . Das Rehabilitationsteam kann Frau Thompson ermutigen, sich an den Armlehnen ihres Stuhls oder Sofas abzustützen, statt sich nur auf ihre Beine zu verlassen, langsam aufzustehen und vor dem Gehen kurz innezuhalten, um ihr Gleichgewicht zu überprüfen. Dieser schrittweise Ansatz kann das Risiko von Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen verringern.

Mögliche Lösung: Aufteilung von Bewegungsabläufen. Frau Thompson sollte dazu ermutigt werden, sich Zeit zu nehmen, wenn sie vom Bett aufsteht. Zuerst kann sie sich aufsetzen und dann einen Moment innehalten, um sich zu stabilisieren. Anschließend kann sie aufstehen und ihr Gleichgewicht finden, bevor sie losgeht. Dieses schrittweise Vorgehen kann das Risiko eines Sturzes minimieren.

Mögliche Ergebnisse (edit | edit source)

Durch eine Anpassung der Aufgaben, z. B. durch Vereinfachung der Bewegungen, Einlegen von Pausen und Verringerung der körperlichen Belastung, kann Frau Thompson ihren täglichen Aktivitäten nachgehen und gleichzeitig ihre Müdigkeit und ihr Sturzrisiko kontrollieren. Durch die Aufteilung von Aufgaben in überschaubare Schritte, die Förderung von Ruhepausen und die Änderung der Art und Weise, wie sie sich in ihrer Wohnung bewegt, kann das Sturzrisiko von Frau Thompson ohne zusätzliche Hilfsmittel verringert werden.

Fallbeispiel Nr. 2 (edit | edit source)

Dieses Szenario befasst sich mit Strategien zur Modifikation von Aufgaben, Wohnraumanpassung und Hilfsmitteln, um das Sturzrisiko zu verringern.

Merkmale des Klienten (edit | edit source)

Herr Choi ist 78 Jahre alt. Vor sechs Monaten erlitt er einen Schlaganfall und hat seitdem Probleme mit dem Gleichgewicht und der Mobilität. Seine Familie hat Bedenken wegen seines Sturzrisikos geäußert, was seine Ergotherapeutin Emily dazu veranlasste, einen umfassenden Plan zu entwickeln, der Modifikationen bei den Aufgaben, Wohnraumanpassung und Hilfsmittel umfasst.

Probleme des Klienten und Lösungen der Ergotherapie (edit | edit source)

Herr Choi hat Schwierigkeiten beim Anziehen. Es fällt ihm schwer, Socken und Hosen anzuziehen und er verliert dabei oft das Gleichgewicht.

Mögliche Lösung: Modifikation der Aufgaben. Emily könnte Herrn Choi empfehlen, einen Anziehhaken zu verwenden, um seine Hosen anzuziehen, anstatt sich zu bücken, um sie hochzuziehen. Dies würde dazu beitragen, sein Sturzrisiko bei dieser Tätigkeit zu verringern. Sie könnte ihm auch vorschlagen, Kleidung mit elastischen Bündchen zu tragen, so dass er sich nicht mehr bücken oder verdrehen muss, um Knöpfe oder Reißverschlüsse zu schließen.

Die Ergotherapeutin von Herrn Choi hat mehrere Sicherheitsrisiken in seiner Wohnung festgestellt.

Mögliche Lösung: Wohnraumanpassung. Aufgrund ihres Assessments könnte Emily empfehlen, auf beiden Seiten der Treppe Handläufe anzubringen, um mehr Halt zu bieten. Im Badezimmer könnte sie Herrn Choi vorschlagen, rutschfeste Matten und einen erhöhten Toilettensitz zu verwenden, um die Sicherheit zu erhöhen. Zu den Anpassungen in der Küche könnte gehören, häufig verwendete Gegenstände in Hüfthöhe zu platzieren, damit sich Herr Choi weniger bücken oder strecken muss. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, könnte sie empfehlen, alle Böden frei von Gegenständen zu halten und Nachtlichter anzubringen, damit Herr Choi nachts besser zurechtkommt.

Herr Choi hat Probleme mit dem Gleichgewicht und der Beweglichkeit.

Mögliche Lösung: Hilfsmittel. Emily könnte Herrn Choi dazu ermutigen, einen Rollator zu verwenden, um ihm zusätzliche Unterstützung und Stabilität beim Gehen zu bieten, einen Duschstuhl zu benutzen, um die Rutschgefahr beim Duschen zu verringern, und Haltegriffe anzubringen, um für zusätzliche Stabilität im Badezimmer zu sorgen. Weitere Hilfsmittel könnten ein Sturzmelder (d. h. ein tragbarer Anhänger, der bei einem Sturz den Notdienst alarmiert) und ein sprachgesteuerter Assistent zur Steuerung von Licht und Geräten sein.

Mögliche Ergebnisse (edit | edit source)

Durch die Modifikation von Aufgaben, Wohnraumanpassungen und Hilfsmittel könnte das Sturzrisiko von Herrn Choi verringert und seine Unabhängigkeit und Sicherheit zu Hause verbessert werden. Dieser umfassende Ansatz zeigt, wie wichtig es ist, alle Aspekte der Umgebung und der täglichen Aktivitäten einer Person zu berücksichtigen, um Stürze wirksam zu verhindern.

Referenzen(edit | edit source)

  1. Fisher AG. Occupational Therapy Intervention Process Model: A model for planning and implementing top-down, client-centred, and occupation-based interventions. Ft. Collins, CO: Three Star Press; 2009.


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen