Der neuropathische Fuß – Untersuchung

Originale Autorin Stacy Schiurring basierend auf dem Kurs von Diane MerwarthTop ContributorsStacy Schiurring, Jess Bell und Kim Jackson

Untersuchung bei Neuropathien ( edit | edit source )

Diabetes ist weltweit die häufigste Ursache für eine periphere Neuropathie.(1) Periphere Neuropathien können verheerende Folgen haben, darunter (1) Fußulzera, (2) schwere Amputationen, (3) Stürze, (4) intrakranielle Verletzungen und (5) verminderte Lebensqualität. Etwa einer von vier Menschen mit Diabetes entwickelt ein diabetisches Fußulkus.(2)

Neuropathie, Fußfehlstellung und Trauma bilden die häufigste „Triade von Ursachen, die zusammenwirken und schließlich zur Ulzeration führen“.(1) Die adäquate Untersuchung und Identifizierung von Patienten, bei denen ein Risiko für die Bildung von Ulzera besteht, ist für die Wundprävention und das Komplikationsmanagement von entscheidender Bedeutung.(1) Dieser Artikel gibt einen Überblick über eine systematische Methode zur Untersuchung bei Fußneuropathien. Er enthält auch Einzelheiten zur selbständigen Pflege der Füße und zur Aufklärung über die Prävention.

Eine Übersicht über die Arten der Fußneuropathie finden Sie in diesem Artikel. In diesem Artikel finden Sie eine Liste der gebräuchlichen Terminologie für die Wundversorgung.

Häufigkeit der Screenings ( edit | edit source )

Die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt in ihren Standards of Medical Care in Diabetes, alle Patienten mit Diabetes auf diabetische periphere Neuropathie zu screenen, und zwar:

Je nach dem Risiko eines Patienten für die Bildung eines Fußulkus kann es jedoch erforderlich sein, ihn häufiger erneut zu untersuchen.(4) Die International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) hat ein evidenzbasiertes System zur Risikostratifizierung entwickelt, das Empfehlungen dazu gibt, wie oft diabetische Patienten mit hohem Ulzerationsrisiko erneut untersucht werden sollten. Die Risikozuweisung basiert auf dem Vorliegen von:(5)

  1. Verlust der schützenden Empfindung (Loss of Protective Sensation – LOPS)
  2. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  3. Fußfehlstellung
  4. andere Hochrisikodiagnosen und -faktoren (siehe Tabelle 1 für Einzelheiten)
Tabelle 1. IWGDF Risikostratifizierungssystem für Fußulzera
Kategorie Ulkusrisiko Eigenschaften Häufigkeit der Screening-Untersuchungen
0 Sehr niedrig
  • Kein LOPS
  • Keine pAVK
Einmal im Jahr
1 Niedrig LOPS oder pAVK Einmal alle 6-12 Monate
2 Mäßig
  • LOPS und pAVK
  • ODER LOPS und Fußfehlstellung
  • ODER pAVK und Fußfehlstellung
Einmal alle 3-6 Monate
3 Hoch LOPS oder pAVK und eine oder mehrere der Folgenden:

  • Fußulkus in der Vorgeschichte
  • Jegliche Amputation der unteren Extremität
  • Nierenerkrankung im Endstadium
Einmal alle 1-3 Monate

Die obige Tabelle wurde an die Informationen in der Aktualisierung des IWGDF 2023 angepasst.(5)

Leitlinien für die Untersuchung bei Neuropathien ( edit | edit source )

Die Verwendung von Untersuchungsleitlinien oder -checklisten wird empfohlen, um einheitliche objektive Untersuchungen zu ermöglichen, insbesondere wenn ein Patient über mehrere Besuche und über einen längeren Zeitraum hinweg kontrolliert wird.

Zu den Vorteilen einer Untersuchungscheckliste gehören:(4)

  1. die Fähigkeit, Tendenzen zu erkennen und Veränderungen im Laufe der Zeit zu identifizieren, um Interventionen zu steuern
  2. die Erleichterung der Kommunikation zwischen den behandelnden Fachkräften durch objektive und klare Informationen mit einheitlicher Terminologie
  3. die klare Erkennung der Ulzerationsrisiken für eine geeignete Intervention und Überwachung
  4. die Möglichkeit, eine auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Edukation zur Risikominderung anzubieten

Identifizierung des gefährdeten Fußes ( edit | edit source )

Jede Person mit Diabetes gilt als „gefährdeter Fuß“ oder „diabetisches Fußsyndrom“, wenn bei ihr das Risiko besteht, dass sie ein Fußulkus und/oder eine Infektion entwickelt.(6) Anzeichen dafür, dass bei einer Person mit Diabetes ein Ulzerationsrisiko vorliegt, sind (1) LOPS und (2) die Diagnose einer pAVK.(5) Durch das Screening auf Veränderungen des LOPS kann eine Fachkraft das Risiko eines Patienten für die Entwicklung von diabetischen Fußulzera überprüfen. Die Prävention von Fußulzera ist klinisch und finanziell effizienter als die Behandlung und der Verschluss von bereits entstandenen Wunden. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt über die Prävention von Fußulzera.

Patienten mit einem sehr niedrigen Ulzerationsrisiko (IWGDF-Risiko 0, siehe Tabelle 1) sollten mindestens einmal jährlich untersucht werden.(5)(4)

Jährliches Fußscreening:(5)

  • Untersuchung auf Vorhandensein eines neuen oder wiederkehrenden Fußulkus
  • Untersuchung des LOPS mit einer der folgenden Methoden:
    • Druckwahrnehmung: Semmes-Weinstein 5,07-(4) oder 10-Gramm-Monofilament(4)(5)
    • Vibrationswahrnehmung: 128-Hz-Stimmgabel(4)
    • Wenn kein Monofilament oder keine Stimmgabel zur Verfügung steht, wird die leichte Berührung getestet: Berühren Sie die Zehenspitzen des Patienten für 1-2 Sekunden leicht mit der Spitze Ihres Zeigefingers(5)
  • Aktueller Gefäßstatus: Claudicatio intermittens in der Anamnese, Palpation der Fußpulse

Primäre und Sekundäre Hautareale zum Monofilament-Test

Das folgende optionale Video demonstriert einen Monofilament-Test am Fuß.

(7)

Das folgende optionale Video demonstriert einen Stimmgabeltest am Fuß.

(8)

Leitlinien/Checkliste für die umfassende Untersuchung ( edit | edit source )

Wenn ein Patient entweder ein LOPS und/oder eine pAVK hat, besteht ein Ulkusrisiko (IWGDF-Risiko 1-3, siehe Tabelle 1), und eine umfassendere Untersuchung ist indiziert.(5)

Ausführliche medizinische und soziale Anamnese ( edit | edit source )

In der folgenden Tabelle sind die von der IWGDF empfohlenen fußspezifischen Anamnesefragen aufgeführt. Wie immer sollten Sie Ihr klinisches Urteilsvermögen walten lassen und bei Bedarf weitere Themen ansprechen.

Tabelle 2.
Thema der Anamnese Klinisches Reasoning
Frühere Ulzeration(4)(5) Die Rezidivrate bei diabetischen Fußulzera ist hoch, und Bereiche mit früheren Ulzera müssen geschützt und auf ein mögliches erneutes Ulkus überwacht werden. Die Aufklärung von Patienten und Betreuungspersonen ist für den Erhalt der Hautintegrität von entscheidender Bedeutung – weitere Einzelheiten finden Sie im Abschnitt „Patientenedukation“ weiter unten.
Frühere Amputation (Minor- oder Majoramputation)(4)(5) Eine Amputation an der unteren Extremität führt zu biomechanischen Veränderungen an der verbleibenden Extremität und verändert das Gangbild des Patienten. Das Ulzerationsrisiko verlagert sich auf andere Bereiche der verbleibenden Extremität, da sich der Druck während der Belastung und des Gehens verändert.
Nierenerkrankung im Endstadium (ESRD)(4)(5) Bei Patienten mit Nierenerkrankung im Endstadium (terminaler Niereninsuffizienz, ESRD) und Diabetes mellitus ist die Häufigkeit diabetischer Fußulzera signifikant erhöht. Fußkomplikationen treten mehr als doppelt so häufig auf, und die Amputationsrate ist 6,5 bis 10 Mal höher als bei Patienten mit Diabetes allein.(9)
Frühere Schulung zur Fußkontrolle(4)(5) Es ist wichtig, den Wissensstand eines Patienten zu beurteilen und festzustellen, in welchen Bereichen zusätzliche Schulung und Aufklärung erforderlich sind.
Fußschmerzen (in Ruhe oder bei Aktivität) oder Taubheitsgefühl(5) Sensibilitätsstörungen (Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheit usw.) in den Füßen sind das häufigste Symptom der diabetischen Neuropathie. Diese Schmerzen sind häufig in Ruhe schlimmer und bessern sich bei Aktivität.
Mobilität(4)(5) Dies sollte die funktionelle Mobilität, die Beurteilung des Gangbildes, die Untersuchung des Gleichgewichts, Empfehlungen für medizinische Hilfsmittel und das Screening des Sturzrisikos umfassen. Eine Neuropathie kann die Fähigkeit eines Patienten beeinträchtigen, die notwendige Mobilität effizient und sicher zu bewältigen, und sein Sturzrisiko erhöhen. Veränderungen in der Gangdynamik können den Patienten dem Risiko aussetzen, neue Fußwunden zu entwickeln, da sich der Druck auf die Füße verändert.
Sozialanamnese
  • Soziale Isolation(5) und Verfügbarkeit von Betreuungspersonen
  • Schlechter Zugang zu medizinischer Versorgung(5)
  • Finanzielle Einschränkungen(5)
  • Wohnsituation
  • Verfügbarkeit von Transportmitteln
Andere vorgeschlagene Themen der Anamnese
Claudicatio(4) Die Claudicatio äußert sich durch Krämpfe, Ermüdung oder Schmerzen in der Wade, im Oberschenkel oder im Gesäß nach einer bestimmten Zeit der körperlichen Betätigung, z. B. beim Gehen. Die Schmerzen bessern sich durch Ruhe und Hochlagerung der unteren Extremitäten. Die Claudicatio intermittens ist ein Symptom der arteriellen Insuffizienz und kann der erste Hinweis auf eine erhebliche arterielle Obstruktion der unteren Extremität sein.(10)
Medikamente(4) Screening der Medikamente und einer möglichen Polypharmazie, die das Gleichgewicht beeinträchtigen könnten. Weitere Informationen und optionale Literaturempfehlungen zu diesem Thema finden Sie im Abschnitt Ressourcen.

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF 2023(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Wenn Sie mehr über die Durchführung eines Screenings des Sturzrisikos erfahren möchten, lesen Sie bitte diesen optionalen Zusatzartikel.

Gefäßstatus ( edit | edit source )

Obwohl die Ischämie nicht als Hauptursache für neuropathische Wunden am diabetischen Fuß gilt, wurde sie bei über 65 % aller Personen, die ein diabetisches Fußulkus entwickeln, als Komplikation festgestellt. Fachkräfte in der Wundversorgung sollten Patienten bei Verdacht auf eine arterielle Gefährdung für eine invasivere Gefäßuntersuchung an den überweisenden Arzt zurückverweisen.(4)

Tabelle 3.
Untersuchung Verfahren Klinisches Reasoning
Fußpulse(4)(5) Beurteilen Sie alle Pulse der unteren Extremität (A. femoralis, A. poplitea, A. dorsalis pedis, A. tibialis posterior), um ein genaues klinisches Bild des peripheren Gefäßstatus zu erhalten:

  • Palpation
  • Doppler
  • 20 % der Bevölkerung haben keinen Puls der A. dorsalis pedis.
  • Beurteilen Sie die gesamte Extremität, um festzustellen, ob der Patient über einen für die Wundheilung ausreichenden Blutfluss verfügt, und um den Ort der potenziellen Gefäßgefährdung zu ermitteln.
Rekapillarisierungszeit(4)(5) Capillary Refill Test (CRT) Testet die Integrität des arteriellen Blutflusses des Patienten, der sich auf das Wundheilungspotenzial auswirkt.
Hauttemperatur(4)
  • Vergleich durch Berührung
  • Infrarot-Thermometer
  • Vergleichen Sie beide Füße.
  • Temperaturveränderungen können auf eine Infektion, eine Verschlimmerung des Charcot-Syndroms oder eine Gefäßerkrankung hinweisen.
  • Der überweisende Arzt sollte benachrichtigt werden, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Tagen eine Temperaturveränderung von 2,2 Grad Celsius oder mehr gemessen wird.
Blutdruck am Knöchel und Knöchel-Arm-Index (ABI – Ankle-Brachial Index) ODER Blutdruck an der Großzehe und Zehen-Arm-Index (TBI – Toe-Brachial-Index)(4)(5) Misst das Verhältnis zwischen dem systolischen Blutdruck der unteren Extremität und dem der oberen Extremität, um Verengungen oder Obstruktionen der Beinarterien festzustellen. Der ABI gilt bei Patienten mit chronischem Diabetes aufgrund der Versteifung der Arterienwände als nicht zuverlässig. Stattdessen wird empfohlen, den Zehen-Arm-Index zu erheben, falls verfügbar.

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Untersuchung der Haut ( edit | edit source )

Es ist wichtig, beide Füße zu untersuchen und zu vergleichen.

Tabelle 4.
Untersuchung Klinisches Reasoning
Farbe(4)(5) Autonome Veränderungen im Zusammenhang mit einer peripheren Neuropathie können zu einer Veränderung der Hautfarbe führen.
Temperatur(5) Siehe Tabelle 3 für Einzelheiten
Kallus (Schwielen)(4)(5) Eine Kallusbildung ist ein Zeichen für anormale Druckverhältnisse beim Gehen. Der Kallus muss entfernt werden, da er selbst auch als Druckquelle dienen kann. Die Entfernung des Kallus ermöglicht es dem Kliniker auch, die vitale Haut für eine angemessene Untersuchung sichtbar zu machen. Unter einem Kallus können sich Wunden bilden, die erst nach Entfernung des Kallus beurteilt und behandelt werden können.
Ödeme(5) Autonome Veränderungen im Zusammenhang mit der peripheren Neuropathie können zu Schwellungen und Ödemen in den distalen Extremitäten bzw. Füßen führen.
Präulzerative Anzeichen(4)(5) Die präulzerativen Anzeichen stehen im Zusammenhang mit der autonomen Neuropathie. Zu den Anzeichen können gehören:

  • Einblutungen(4)
  • verminderte Fähigkeit zu schwitzen(11)
  • trockene, rissige Haut(4)(11)
  • Fissuren in der Haut(4)(11)
Weiter vorgeschlagene Bereiche zur Hautuntersuchung
Zehenzwischenräume(4) Wunden können sich in diesen Bereichen „verstecken“.
Beugefalten an der Zehenbasis(4) Wunden können in diesen Bereichen auch schwer zu sehen sein, vor allem, wenn ein Patient Fußfehlstellungen aufweist. Es kann auch ein Risiko für mechanische Verletzungen bestehen, wenn der Patient aufgrund einer Neuropathie eine Beeinträchtigung der Sensibilität hat.

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Untersuchung der Knochen/Gelenke ( edit | edit source )

Untersuchen Sie den Patienten im Liegen und im Stehen und vergleichen Sie beide Seiten.

Tabelle 5.
Untersuchung Klinisches Reasoning
Fehlstellungen(4) Fußfehlstellungen (Fußdeformitäten) stellen für Patienten ein größeres Risiko für die Entwicklung von Wunden dar, da bei der Belastung und beim Gehen ein anormaler Druck entsteht. Außerdem ist es für die Patienten schwieriger, die richtigen Schuhe zu finden. Zu den Fehlstellungen können gehören:(4)

  • Krallenzehen
  • Hammerzehen
  • Reiterzehe (überkreuzte Zehen)
  • Seitliche Abweichungen der Zehen
  • Übermäßig hohes Fußgewölbe
  • Plattfuß
  • Spreizfuß
Ausgeprägte knöcherne Vorsprünge(4) Ungewöhnlich große Knochenvorsprünge können als Quelle für inneren Druck dienen. Beispiele hierfür sind:

  • Ballen am ersten Mittelfußkopf
  • Tintenlöscherfuß
Verminderte Gelenkbeweglichkeit Sehnen können durch chemische und zelluläre Veränderungen im Zusammenhang mit Diabetes steifer werden. Dies führt zu einer Einschränkung der Beweglichkeit von Fuß und Sprunggelenk. Eine verminderte Fußbeweglichkeit verändert das Gangbild des Patienten, erhöht den Druck auf die Fußsohle, verringert die Stoßdämpfungsfähigkeit und erhöht das Ulzerationsrisiko. Die primär gefährdeten Bereiche sind:

  • Verkürzte Achillessehne
  • Verkürzter M. flexor hallucis longus
  • Fußsteifigkeit

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Untersuchung der Sensibilität ( edit | edit source )

Tabelle 6.
Untersuchung Verfahren Klinisches Reasoning
LOPS kontrollieren(4) Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kasten „Jährliches Fußscreening“ unter der Rubrik Identifizierung des gefährdeten Fußes. Erneute Kontrolle des LOPS, falls zuvor festgestellt
Propriozeption(4) In der Literatur gibt es nur einen begrenzten Konsens darüber, wie die Propriozeption zu testen ist. Die Optionen umfassen:

  • aktive / passive Winkelreproduktion
  • Bewegungserkennung
  • Richtungsdiskrimination
Der propriozeptive Sinn ist für das richtige Gleichgewicht, die Gangdynamik und -abfolge sowie die Sturzprävention von entscheidender Bedeutung.

Die obige Tabelle basiert auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Psychische Gesundheit und kognitive Störungen ( edit | edit source )

Tabelle 7.
Untersuchung Klinisches Reasoning
Demenz(4) Durch eine Demenz kann es bei Patienten zu Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen und zum erhöhten Sturzrisiko kommen. Eine Demenzdiagnose kann sich auch auf die Entlassungsempfehlungen für den Patienten und den Bedarf an Unterstützung im häuslichen Umfeld auswirken.
Depression(4) Die Diagnose einer Depression kann das Gleichgewicht beeinträchtigen

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Beurteilung des Schuhwerks ( edit | edit source )

Das Schuhwerk schützt vor möglichen Verletzungen durch die Umwelt des Patienten. Schlecht sitzende Schuhe können Schmerzen verursachen, das Sturzrisiko des Patienten erhöhen und ein wichtiger Faktor bei der Bildung diabetischer Fußulzera sein. Die Beurteilung des Schuhwerks ist ein wichtiger Teil der klinischen Untersuchung, da es eine präventive Rolle bei der Wundbildung spielt und die allgemeine Fußgesundheit verbessern kann.(12)

Tabelle 7.
Untersuchung Klinisches Reasoning
Unpassend(4)(5)
  • Zu eng: häufig bei Patienten mit diabetischer Neuropathie; kann Druckverletzungen verursachen, die zu Wundbildung führen können(4)
  • Zu locker: kann zu einem Rutschen des Fußes und der Ferse im Schuh führen, was zu Reibungs- und Schürfverletzungen und zur Wundbildung führen kann(4)
Ungeeignet(4)(5) Beschädigte oder kaputte Schuhe können das Sturzrisiko erhöhen und ähnliche Probleme für die Hautintegrität verursachen wie schlecht sitzende Schuhe. Auch ein unsachgemäßer Verschluss durch fehlende Schnürsenkel oder nicht funktionierende Klettverschlüsse kann zu ähnlichen Problemen führen.(4)
Unzureichend(4)(5) Die Füße der Patienten sind nicht vor Umwelteinflüssen geschützt, so dass ein erhebliches Risiko für Verletzungen und Wundbildung besteht.(4)

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Beurteilung der Fußhygiene ( edit | edit source )

Die Beurteilung der Fähigkeit eines Patienten, seine Füße selbst zu pflegen, ist für die Erhaltung der Fußgesundheit und die Wundprävention von entscheidender Bedeutung. In diesem Teil der Fußuntersuchung wird die Fähigkeit des Patienten bewertet, seine Füße und Nägel zu erreichen, zu untersuchen und zu pflegen. Die beurteilende Fachkraft sollte alle körperlichen Einschränkungen des Patienten beachten, die seine Fähigkeit zur selbständigen Pflege des Fußes einschränken könnten.

Zu den körperlichen Einschränkungen mit Auswirkungen auf die selbständige Fußpflege gehören:(4)(5)

  1. vermindertes Sehvermögen
  2. Adipositas
  3. eingeschränkte Beweglichkeit
Tabelle 8.
Untersuchung Klinisches Reasoning
Zustand der Zehennägel(4)(5) Patienten mit Diabetes können dicke, raue Nägel haben, die auf krankheitsbedingte Veränderungen des Keratins und auf vaskuläre Veränderungen zurückzuführen sind:

  • Integrität oder Zustand der Nägel
  • falsch geschnittene Zehennägel(4)
Sauberkeit der Füße und Socken(4)(5) Die körperlichen Einschränkungen eines Patienten (z. B. vermindertes Sehvermögen, Adipositas, eingeschränkte Beweglichkeit) können seine Fähigkeit zur angemessenen Selbstpflege und Hygiene beeinträchtigen.(5) Ungewaschene Füße und Socken, insbesondere feuchte Socken, können ein Umfeld für unerwünschtes Bakterienwachstum bieten und Hautmazerationen verursachen.
Oberflächliche Pilzinfektion(4)(5) Oberflächliche Pilzinfektionen sind eine Folge der Aufrechterhaltung eines feuchten Milieus am Fuß, z. B. durch feuchte Socken und Schuhe. Pilzinfektionen sind bei Patienten mit diabetischen Fußulzera häufig und können zu nicht heilenden Wunden führen. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer Pilzinfektion kann die Wundheilung der Patienten verbessern und Amputationen vermeiden.(13)

Die obige Tabelle basiert auf Informationen aus der Aktualisierung des IWGDF(5) und auf Angaben von Diane Merwarth PT.(4)

Sonderthema: Pflege der Zehennägel ( edit | edit source )

Die Pflege der Zehennägel kann für Patienten mit Diabetes eine Herausforderung sein. Die Krankheit kann dazu führen, dass die Nägel verdickt werden und das Schneiden ohne spezielle Nagelinstrumente schwierig ist. Darüber hinaus können körperliche Einschränkungen wie ein vermindertes Sehvermögen, eingeschränkte Beweglichkeit und Schwierigkeiten beim Zugang zu den Füßen die Patienten daran hindern, ihre Nagelpflege selbst zu übernehmen. Infolgedessen können die Zehennägel von Patienten mit Diabetes in Länge und Dicke wachsen, was Druck auf das umliegende Gewebe ausübt und das Risiko der Wundbildung erhöht.(14)

Risiken einer unsachgemäßen diabetischen Nagelpflege: Bakterien- oder Pilzinfektion der Nägel oder des umgebenden Weichteilgewebes.(15)

Wer darf die Nagelpflege durchführen: Nur qualifiziertes und entsprechend geschultes medizinisches Fachpersonal sollte die Zehennägel eines Patienten mit Diabetes schneiden.(4) Der Patient sollte seine Zehennägel nicht selbst schneiden. Familienmitglieder/Betreuungspersonen sollten ebenfalls keine Nagelpflege durchführen, es sei denn, sie wurden speziell geschult und für kompetent befunden.

Auf die Form der Nägel kommt es an: Schneiden Sie die Zehennägel gerade und glätten Sie alle scharfen Kanten mit einer Nagelfeile.

Patientenedukation/Schulung von Betreuungspersonen ( edit | edit source )

  • Wissen über die Fußpflege. Das Wissen von Patienten und Betreuungspersonen und eine kontinuierliche Schulung sind von entscheidender Bedeutung, um das Risiko der Entwicklung eines diabetischen Fußulkus zu verringern. Es hat sich gezeigt, dass die Bereitstellung von Informationsbroschüren und Flugblättern für die Patienten die Beibehaltung der Schulungsinhalte verbessert und die Zahl der nicht wahrgenommenen Termine verringert.(16)

Zu den Themen der Edukation und Schulung von Patienten und Betreuungspersonen sollten gehören:(17)

  1. tägliche Kontrolle der Füße und der Zehenzwischenräume
  2. tägliche Fußhygiene
  3. Vermeiden von Barfußlaufen im Haus und im Freien
  4. Tragen von gut sitzendem, geeignetem Schuhwerk
  5. wer die Zehennägel des Patienten schneiden kann und soll
  6. richtige Ernährung
  7. Blutzuckerüberwachung
  8. körperliche Aktivität
  9. Raucherentwöhnung
  • Edukation zur Prävention von Fußulzera

Nach der IWGDF-Präventionsleitlinie gibt es fünf Schlüsselelemente zur Prävention der Entstehung von Fußulzera:(5)

  1. Identifizierung der Person mit einem gefährdeten Fuß
  2. Regelmäßige Kontrolle und Untersuchung der Füße einer Person mit Ulzerationsrisiko
  3. Strukturierte Edukationsmaßnahmen für Patienten, deren Angehörige und Gesundheitsfachkräfte
  4. Förderung des regelmäßigen Tragens von geeignetem Schuhwerk
  5. Behandlung der Risikofaktoren für Ulzerationen

Ressourcen(edit | edit source)

Klinische Ressourcen ( edit | edit source )

Ressourcen zur Überprüfung der Medikation:

Klinische Untersuchungen:

Bitte sehen Sie sich dieses optionale 5-minütige Video an, in dem die Untersuchung bei Fußneuropathie demonstriert wird.

(18)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 Boulton AJ, Armstrong DG, Albert SF, Frykberg RG, Hellman R, Kirkman MS, Lavery LA, LeMaster JW, Mills Sr JL, Mueller MJ, Sheehan P. Comprehensive foot examination and risk assessment: a report of the task force of the foot care interest group of the American Diabetes Association, with endorsement by the American Association of Clinical Endocrinologists. Diabetes care. 2008 Aug 1;31(8):1679-85.
  2. Hicks CW, Wang D, Windham BG, Matsushita K, Selvin E. Prevalence of peripheral neuropathy defined by monofilament insensitivity in middle-aged and older adults in two US cohorts. Scientific reports. 2021 Sep 27;11(1):19159.
  3. American Diabetes Association Professional Practice Committee; 12. Retinopathy, Neuropathy, and Foot Care: Standards of Medical Care in Diabetes—2022. Diabetes Care 1 January 2022; 45 (Supplement_1): S185–S194.
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  7. YouTube. Monofilament Assessment of the Foot – OSCE Guide | Geeky Medics. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=aQHDIkNSyxk (last accessed 01/September/2023)
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  18. YouTube. Diabetic Foot Examination – OSCE Guide | Geeky Medics. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=_BQdeaEHfZc (last accessed 01/September/2023)


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