Originale Autorinnen – Naomi O’Reilly und Tarina Van Der Stockt
Top-Beitragende – Naomi O’Reilly, Jess Bell, Ewa Jaraczewska, Tarina van der Stockt und Stacy Schiurring
Eine angemessene Gelenkbeweglichkeit ist entscheidend für eine effiziente Bewegung. Sie ermöglicht es dem Körper auch, besser auf verschiedene Belastungen zu reagieren.(1) Das artikuläre Bewegungsausmaß ist der Bewegungsbogen, der an einem einzelnen Gelenk oder einer Reihe von Gelenken zur Verfügung steht. Es ist die anguläre Beweglichkeit, die dem Gelenk von der anatomischen Position bis zur äußersten Grenze in eine bestimmte Richtung zur Verfügung steht.(2) Im Wesentlichen handelt es sich um das Ausmaß, in dem ein Körperteil um ein Gelenk oder einen festen Punkt bewegt werden kann.
Eine freie, volle Gelenkbeweglichkeit ist für die funktionelle Mobilität von entscheidender Bedeutung. Eine Dysfunktion des neuralen oder muskuloskelettalen Systems kann zu einer Hypomobilität oder Hypermobilität der Gelenke führen. Die Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit hilft uns festzustellen, ob es Einschränkungen der knöchernen Struktur oder des Bindegewebes, wie Sehnen, Bänder und die Gelenkkapsel, die das Gelenk umgeben, gibt. Sie ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Befunderhebung des Patienten.(3)
Die aktive Beweglichkeit ist das Bewegungsausmaß, das erreicht werden kann, wenn sich jeweils antagonistische Muskeln kontrahieren und entspannen, was zu einer Gelenkbewegung führt. Es handelt sich um den Bewegungsbogen, den ein Patient bei einer willkürlichen, nicht unterstützten Muskelkontraktion erzeugt. Die Art und Weise, wie der Patient diese Bewegung ausführt, gibt dem Kliniker Aufschluss über die Bereitschaft zur Bewegung, die Fähigkeit, Anweisungen zu befolgen, die Aufmerksamkeitsspanne, die Koordination und die Muskelkraft. Der Kliniker kann dadurch auch Bewegungen identifizieren, die Schmerzen verursachen, sowie die Fähigkeit zur Ausführung von funktionellen Aktivitäten beurteilen.(3)(4)(5)
Die aktive Beweglichkeit wird vom Patienten selbständig durchgeführt. Der Patient muss in der Lage sein, die Muskulatur willkürlich zu kontrahieren, die Bewegung zu kontrollieren und zu koordinieren. Beispiel: Um den Ellbogen zu beugen (Flexion), muss der M. biceps brachii kontrahieren, während der M. triceps brachii entspannt. Das aktive Bewegungsausmaß ist in der Regel geringer als das passive Bewegungsausmaß, da jedes Gelenk einen passiven physiologischen Reserveraum besitzt, der nicht unter willentlicher Kontrolle steht.
Beobachtungen während der Untersuchung der aktiven Beweglichkeit
- Bereitschaft des Patienten, das Gelenk zu bewegen
- Wann und wo Schmerz auftritt
- Ob Bewegung die Intensität und Qualität der Schmerzen verändert
- Reaktion des Patienten auf den Schmerz
- Ausmaß und Art der beobachtbaren Einschränkung
- Muster der Bewegung
- Rhythmus und Qualität der Bewegung
- Bewegung assoziierter Gelenke(6)
Die aktiv-assistive Beweglichkeit ist das Bewegungsausmaß, das erreicht werden kann, wenn das Gelenk teilweise durch eine äußere Kraft unterstützt wird. Es ist der Bewegungsbogen, den ein Patient während einer willkürlichen Muskelkontraktion ausführen kann, wenn eine äußere Kraft manuell, mechanisch oder mit Hilfe der Schwerkraft hinzugefügt wird.(3)
Die aktiv-assistive Beweglichkeit wird in der Regel beurteilt, wenn ein Patient aufgrund von Schwäche, Schmerzen oder Veränderungen des Muskeltonus Unterstützung bei einer Bewegung durch eine externe Kraft benötigt. Der Muskel, der als primärer Beweger gilt, braucht Unterstützung, um die Bewegung zu vollenden. Beispiel: Ein Patient benutzt seinen linken Arm, um seinen rechten Arm zu flektieren.(7)
Die passive Beweglichkeit ist das Bewegungsausmaß, das erreicht wird, wenn ausschließlich eine äußere Kraft die Gelenkbewegung verursacht. Es handelt sich um den Bewegungsbogen, den der Therapeut ohne Hilfe des Patienten ausführt. Die passive Beweglichkeit liefert Informationen über die Integrität der Gelenkflächen, die Dehnbarkeit der Gelenkkapsel und der umgebenden Bänder, Muskeln, Faszien und Haut.(3)(5)
Die passive Beweglichkeit wird in der Regel genutzt, wenn der Patient nicht in der Lage ist oder nicht die Möglichkeit hat, den Körperteil aktiv zu bewegen.(8) Die Bewegung entsteht bei muskulärer Inaktivität oder wenn die muskuläre Aktivität maximal reduziert ist.(9) Das passive Bewegungsausmaß ist in der Regel größer als das aktive Bewegungsausmaß, was auf die Dehnung des das Gelenk umgebenden Gewebes und den geringeren Widerstand durch die entspannten Muskeln im Vergleich zum Widerstand der kontrahierenden Muskelbäuche bei der aktiven Bewegung zurückzuführen ist.(3)
Beobachtungen während der Untersuchung der passiven Beweglichkeit
- Wann und wo Schmerz auftritt
- Ob Bewegung die Intensität und Qualität der Schmerzen verändert
- Muster der Einschränkung
- Endgefühl
- Bewegung assoziierter Gelenke
Für jedes Gelenk gibt es einen typischen oder normativen Bereich für das Bewegungsausmaß. Individuelle Faktoren beeinflussen das Bewegungsausmaß, das jeder Patient erreicht. Die allgemein akzeptierten Werte für das Bewegungsausmaß der einzelnen Gelenke sind hier aufgeführt.
Die Gelenkbeweglichkeit variiert von Person zu Person und kann durch verschiedene Faktoren wie Alter, Geschlecht, körperliche Konstitution (z. B. Body-Mass-Index), berufliche und freizeitliche Aktivitäten sowie das Testverfahren an sich beeinflusst werden.(1)(3)(4)(10)
Die Auswirkungen des Alters auf die Gelenkbeweglichkeit sind umfassend untersucht worden. So neigen Säuglinge im Alter von 0 bis 2 Jahren zu einer stärkeren Flexion, Abduktion und Außenrotation der Hüfte, Dorsalextension des Sprunggelenks und Beweglichkeit des Ellbogens als Jugendliche und Erwachsene. Sie haben jedoch auch Einschränkungen bei der Extension der Hüft- und Kniegelenke sowie der Plantarflexion des Sprunggelenks. Dies hängt mit den Auswirkungen der Positionierung in der Gebärmutter zusammen und verändert sich in der Regel erst mit dem Wachstum.(3)
Ein höheres Alter ist signifikant mit einer geringeren Gelenkbeweglichkeit verbunden. Bei älteren Erwachsenen sind Außenrotation und horizontale Adduktion der Schulter, passive Flexion des Ellbogens, Pronation und Supination des Unterarms,(11) Volarflexion und Dorsalextension des Handgelenks im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen reduziert. Diese Veränderungen können Männer und Frauen unterschiedlich betreffen.(3)(10) Die Beweglichkeit der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule nimmt in jedem Jahrzehnt ab; die größten Veränderungen treten bei der thorakolumbalen Beweglichkeit auf, mit einer Verringerung des Bewegungsausmaßes um bis zu 8 Grad pro Jahrzehnt.(3)
Die Auswirkungen des Geschlechts auf die Gelenkbeweglichkeit scheinen gelenk- und bewegungsspezifisch zu sein. Es wird berichtet, dass Frauen eine größere Gelenkbeweglichkeit haben als Männer. Diese Unterschiede sind bei Jugendlichen und Erwachsenen stärker ausgeprägt. Die Gelenkbeweglichkeit von männlichen und weiblichen Säuglingen bis zum Alter von 2 Jahren unterscheidet sich jedoch in der Regel nicht. Im Allgemeinen haben Frauen eine deutlich größere Beweglichkeit in den Gelenken der oberen Extremitäten,(12) einschließlich Flexion, Innenrotation und horizontale Adduktion der Schulter, Flexion und Extension des Ellbogens sowie die Beweglichkeit des Handgelenks.(12) An den unteren Extremitäten weisen Frauen eine größere Gelenkbeweglichkeit in der Flexion, Adduktion und Innenrotation der Hüfte auf als Männer. Männer haben jedoch eine größere Gelenkbeweglichkeit bei Extension und Außenrotation der Hüfte, Rumpfbeugung und -rotation.(10)
Eine höhere magere Körpermasse steht in Zusammenhang mit einer geringeren Gelenkbeweglichkeit bei der Außenrotation und der horizontalen Abduktion der Schulter, während das Bewegungsausmaß bei der Volarflexion des Handgelenks und der Hüftadduktion zunimmt.(10) Umgekehrt wurde ein erhöhter Körperfettanteil mit einer verminderten Außenrotation und horizontalen Adduktion der Schulter sowie Flexion und Extension des Ellbogens in Verbindung gebracht.(10) Negative Korrelationen zwischen dem Körperfettanteil und verschiedenen Gelenkbewegungen können auf ein physisches Hindernis zurückzuführen sein, d. h. auf Fettgewebe, das die Bewegung zwischen den Knochen, die das Gelenk bilden, behindert.(10)
Personen mit durchschnittlichem Gewicht haben eine signifikant größere aktive Beweglichkeit in der Flexion, Extension und Abduktion der Hüfte als übergewichtige und adipöse Personen. Ein höherer BMI stand in positivem Zusammenhang mit einer geringeren Rumpfbeugung und -rotation, Extension und Außenrotation der Hüfte und der Beweglichkeit des Sprunggelenks.(13) Eichinger et al.(14) untersuchten die Gelenkbeweglichkeit bei Personen, die sich der Implantation einer anatomischen oder inversen Schultertotalendoprothese unterzogen. Sie fanden heraus, dass der BMI negativ mit dem Ausmaß der Innenrotation der Schulter korrelierte.(14) Sie stellten auch fest, dass ein höherer BMI die Fähigkeit eines Patienten beeinträchtigt, Aktivitäten des täglichen Lebens durchzuführen, die eine Innenrotation der Schulter erfordern.(14)
Moromizato et al.(10) stellten fest, dass es signifikante Unterschiede in der Gelenkbeweglichkeit zwischen der dominanten und der nicht dominanten Seite gibt. Sie fanden heraus, dass die Probanden auf der nicht dominanten Seite ein erhöhtes Bewegungsausmaß der Innenrotation der Schulter, der Abduktion der Hüfte und der Plantarflexion des Sprunggelenks aufwiesen und auf der dominanten Seite ein erhöhtes Bewegungsausmaß der Außenrotation der Schulter, der Volarflexion des Handgelenks und der Adduktion der Hüfte. Dies deutet darauf hin, dass tägliche Aktivitäten zu einer gewissen Veränderung der Beweglichkeit führen können.(10)
Die Ausgangsstellung eines Gelenks kann das verfügbare Bewegungsausmaß aufgrund der Muskellänge der antagonistischen Muskulatur stark beeinflussen.(15) Eingelenkige Muskeln kreuzen ein Gelenk und beeinflussen daher nur die Bewegung in diesem Gelenk. Sowohl das passive als auch das aktive Bewegungsausmaß werden beeinflusst, wenn ein eingelenkiger Muskel verkürzt ist.
Zwei- und mehrgelenkige Muskeln kreuzen und beeinflussen mehrere Gelenke. Ein zwei- oder mehrgelenkiger Muskel ist in der Regel nicht lang genug, um an allen Gelenken, die er kreuzt, gleichzeitig ein volles Bewegungsausmaß zu ermöglichen. Dies wird als passive Insuffizienz bezeichnet.(16) Bei der Messung des Bewegungsausmaßes ist die passive Insuffizienz stets zu berücksichtigen.
Über die Anzahl der Wiederholungen der Messung oder Aufwärmprotokolle, die vor einer Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit verwendet werden sollten, besteht nur wenig Konsens. Evidenz zum Dehnen hat gezeigt, dass die Beweglichkeit, die Dehnungstoleranz und das passive Drehmoment während einer akuten Dehnungseinheit nach nur wenigen Wiederholungen einer Dehnung zunehmen.(17)(18)(19)(20) Dieses Phänomen tritt auch bei der Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit auf. Daher können unterschiedliche Messprotokolle in Bezug auf die Wiederholungen der Messung und Aufwärmübungen zu unterschiedlichen Messergebnissen von bis zu 6 Grad führen.(21) Um den Auswirkungen der Testverfahren auf das Bewegungsausmaß entgegenzuwirken, müssen Rehabilitationsfachleute ein einheitliches, standardisiertes Protokoll für das Aufwärmen, das verwendete Messinstrument, die Anzahl der Wiederholungen der Messung und die Art der gemessenen Bewegung verwenden.
Eine Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit ist in der Regel kontraindiziert, wenn eine Muskelkontraktion oder Bewegung des betreffenden Körperteils den Heilungsprozess stören oder zu einer Verletzung oder Verschlechterung des Zustands führen könnte.
Einige Beispiele für Zustände und Erkrankungen, bei denen die Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit kontraindiziert sein kann, sind:(3)(22)
- Verdacht oder bestätigt:
- Subluxation oder Luxation des Gelenks
- Nicht verheilte oder instabile Frakturen
- Sehnen- oder Bänderriss
- Infektiöser oder akut entzündlicher Prozess
- Myositis ossificans oder heterotope Ossifikation
- Postoperativ:
- Wenn der Heilungsprozess des Gewebes dadurch gestört werden kann
- Osteoporose:
- Forcierte Messungen können iatrogene Verletzungen verursachen
Es gibt Zustände und Erkrankungen, bei denen eine Messung des Bewegungsausmaßes angebracht sein kann, jedoch mit zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen, da Bewegung den Zustand verschlimmern könnte.
Beispiele hierfür sind:(3)
- Schmerzen
- Periartikuläre Infektion oder Entzündung
- Hypermobilität
- Instabilität
- Hämophilie
- Knöcherne Ankylose
- Nach längerer Ruhigstellung
Es gibt verschiedene Instrumente zur Messung des Bewegungsausmaßes. Die Wahl des Instruments hängt von der zu messenden Bewegung, der Größe der Extremität, der Genauigkeit, der Verfügbarkeit, den Kosten, der Benutzerfreundlichkeit sowie der Gültigkeit (Validität) und Zuverlässigkeit (Reliabilität) des Instruments ab.(23) Die Validität und Reliabilität wird durch die Art des Messinstruments, die Unterschiede der Gelenkfunktionen und Körperregionen, passive oder aktive Messungen, ob die Messungen von demselben Untersucher („intrarater“) oder von verschiedenen Untersuchern („interrater“) durchgeführt werden, sowie von den verschiedenen Patiententypen beeinflusst.(24)
Die visuelle Schätzung liefert subjektive Informationen im Vergleich zu objektiven goniometrischen Messungen und wird daher nicht empfohlen. Visuelle Schätzungen, die vor goniometrischen Messungen vorgenommen werden, können jedoch dazu beitragen, Fehler zu verringern, die auf falsche Ablesungen des Goniometers zurückzuführen sind. Es hat sich auch gezeigt, dass eine vorausgehende Schätzung die goniometrischen Messergebnisse beeinflussen kann.
Zur Messung des Bewegungsausmaßes wird in der Regel ein Goniometer (Winkelmesser) verwendet. Der Begriff „Goniometrie“ kommt aus dem altgriechischen γωνία (gōnia) für „Winkel, Ecke“ und μέτρον (métron) für „Maß, Messwerkzeug“ und bezieht sich in der Rehabilitation auf die Messung von Winkeln in jeder Ebene an den Gelenken des Körpers. Es gibt nur wenige Validitätsstudien zur Goniometrie, aber es wurde festgestellt, dass sie eine hohe Kriteriumsvalidität bei der Messung von Kniegelenkswinkeln im Vergleich zur röntgenologischen Winkelmessung hat.(25) Die Reliabilität hängt von dem zu beurteilenden Gelenk und der Bewegung ab, aber im Allgemeinen hat sich gezeigt, dass das Universalgoniometer eine gute bis ausgezeichnete Reliabilität aufweist und zuverlässiger ist als die visuelle Schätzung, insbesondere bei unerfahrenen Untersuchern.(26)(27)
Untersuchungen haben gezeigt, dass das universelle Goniometer eine hohe Intra- und Interrater-Reliabilität aufweist. Die Reliabilität bei unerfahrenen Untersuchern wurde durch klare Anweisungen zur Ausrichtung des Goniometers verbessert.(28)(29)(30) Die Reliabilität und Genauigkeit verbesserten sich, wenn derselbe Therapeut alle Messungen durchführte. Es gibt uneinheitliche Evidenz über die Anzahl der Messungen oder darüber, ob ein Durchschnitt von wiederholten Messungen die Bewertung verbessert. Eine höhere Reliabilität wird erreicht, wenn der Kliniker eine standardisierte Methode mit demselben Messinstrument und zur selben Tageszeit anwendet.(3)(24)(28)(31)
Fehlerquellen bei der Anwendung der Goniometrie können sich aus den Erwartungen des Untersuchers an die Beweglichkeit, dem Ablesen der falschen Seite der Skala auf dem Goniometer und aus Änderungen in der Motivation des Patienten, aufeinanderfolgende Messungen zu verschiedenen Tageszeiten durchzuführen oder vorzunehmen, ergeben.(6)(32)
Die goniometrische Messung weist die folgenden Merkmale auf:
- Vielseitigkeit: Messung der Gelenkstellung und des Bewegungsausmaßes an fast allen Gelenken des Körpers
- Aufbau: Ein medizinisches Goniometer besteht typischerweise aus Kunststoff oder Metall, einem Körper und zwei Armen oder Schenkeln
- Ausrichtung: Die Schenkel des Goniometers werden an den proximalen und distalen Segmenten des Gelenks ausgerichtet
- Kosten: Variabel, etwa von 5 € bis 20 €
Weitere Informationen über andere Instrumente zur Goniometrie, einschließlich Inklinometer und Smartphone-Apps, finden Sie hier.
Das Endgefühl ist die Qualität des Gewebewiderstandes bei der Bewegung am Ende des passiven Bewegungsausmaßes. Bei der Untersuchung der passiven Gelenkbeweglichkeit ist das Endgefühl die Barriere für die Bewegung, die der Kliniker spürt, wenn am Ende der Gelenkbewegung ein leichter Überdruck ausgeübt wird. Diese Prüfung erfordert Übung und Sensibilität, um die Fähigkeit zu entwickeln, die Qualität des Endgefühls zu bestimmen.(33)
Jedes Gelenk hat eine einzigartige Struktur, die seine passive Beweglichkeit bestimmt. In einigen Gelenken schränkt die Gelenkkapsel die Bewegung in bestimmte Richtungen ein, während in anderen Gelenken die Bänder oder Knochen die Bewegung begrenzen.(1) Das Endgefühl gilt als anormal, wenn andere Strukturen als die normale Anatomie die Bewegung des Gelenks stoppen – das passive Bewegungsausmaß in diesen Gelenken kann normal oder verändert sein.(4)
| Endgefühl | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Weich | Weichteilgewebe trifft aufeinander
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Knieflexion: Kontakt zwischen den Weichteilen des posterioren Unterschenkels und des posterioren Oberschenkels |
| Fest | Muskuläres Endgefühl
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Hüftflexion mit gestrecktem Knie (Straight Leg Raise): Passive elastische Spannung der ischiokruralen Muskulatur |
Ligamentäres Endgefühl
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Supination des Unterarms: Spannung im Ligamentum radioulnare palmare des distalen Radioulnargelenks, der Membrana interossea antebrachii und der Chorda obliqua | |
Kapsuläres Endgefühl
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Extension der Metakarpophalangealgelenke: Spannung der volaren Kapselanteile | |
| Hart | Knochen auf Knochen
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Ellbogenextension: Kontakt zwischen dem Olecranon der Ulna und der Fossa olecrani des Humerus |
| Endgefühl | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Leer |
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| Weich |
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| Fest |
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| Hart |
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| Federnd |
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| Spasmus |
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| Lose |
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Die Prüfung des Endgefühls muss langsam erfolgen, um das Ende des Bewegungsausmaßes zu erkennen und zwischen den verschiedenen normalen (physiologischen) und anormalen (pathologischen) Endgefühlen unterscheiden zu können. Sie erfordert außerdem wiederholtes Üben.(3)(6)
Neben der Prüfung des Endgefühls sollte der Untersucher auch das Muster der Bewegungseinschränkung berücksichtigen. Bei einer Bewegungseinschränkung ist es wichtig, das Muster der Restriktionen zu beurteilen, um festzustellen, ob es sich um ein kapsuläres oder nicht kapsuläres Muster handelt.(4)
Kapselmuster: Liegt eine Läsion der Gelenkkapsel oder eine Reaktion im gesamten Gelenk vor, kommt es zu einem charakteristischen Einschränkungsmuster in der passiven Beweglichkeit. Die Einschränkung zeigt sich als Schmerz und Bewegungseinschränkung in einem gelenkspezifischen Verhältnis. Dies tritt in der Regel bei Arthrose oder nach längerer Ruhigstellung auf. So unterscheidet sich beispielsweise das Kapselmuster des Ellbogengelenks von dem des Sprunggelenks. Traditionell werden Kapselmuster für hauptsächlich muskelgeführte Synovialgelenke beschrieben. Gelenke, die hauptsächlich auf die Stabilität der Bänder angewiesen sind, wie beispielsweise das Iliosakralgelenk, weisen nach gängiger Auffassung keine Kapselmuster auf. Einige Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass man sich nicht so sehr auf Kapselmuster verlassen sollte, wie bisher angenommen.(34)(35)
Nicht kapsuläres Muster: Ein nicht kapsuläres Muster ist eine artikuläre Bewegungseinschränkung in einem anderen als dem Kapselmuster. Es kann auf ein Derangement, eine Restriktion eines Teils der Gelenkkapsel oder eine extraartikuläre Läsion hinweisen, die die Gelenkbewegung behindert. Ein nicht kapsuläres Muster deutet in der Regel auf das Fehlen einer Reaktion des gesamten Gelenks hin.
Weitere Informationen über kapsuläre und nicht kapsuläre Muster finden Sie hier.
Für die Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit gibt es einige allgemeine Prinzipien. Bei der Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit wird in der Regel die betroffene Seite mit der nicht betroffenen Seite verglichen. Wenn möglich, messen wir zuerst das aktive Bewegungsausmaß der nicht betroffenen Extremität. Auf diese Weise kann der Untersucher die Bereitschaft des Patienten zur Bewegung feststellen und einen Ausgangswert für die normale Bewegung des zu untersuchenden Gelenks erhalten. Außerdem wird dem Patienten gezeigt, was er zu erwarten hat, was sein Vertrauen stärkt und seine Ängste vor der Untersuchung der betroffenen Seite verringert. Schmerzhafte Bewegungen sollten zuletzt ausgeführt werden, um das Risiko einer Verstärkung und Übertragung der schmerzhaften Symptome zu minimieren.(1)(6)
Vorbereitung: Stellen Sie fest, ob es Kontraindikationen oder Vorsichtsmaßnahmen gibt und welche Gelenke und Bewegungen getestet werden müssen. Organisieren Sie die Testsequenz nach Körperposition, um Positionsänderungen des Patienten zu minimieren.
Kommunikation: Erklären Sie dem Patienten kurz das Verfahren zur Messung des Bewegungsausmaßes. Erklären und demonstrieren Sie die Rolle des Untersuchers und des Patienten und bestätigen Sie das Verständnis und die Bereitschaft des Patienten zur Teilnahme.
Legen Sie den Bereich frei: Erklären und demonstrieren Sie anatomische Landmarken und warum sie freigelegt werden müssen. Legen Sie den Bereich angemessen frei und decken Sie den Patienten wie erforderlich ab.
Positionierung: Sorgen Sie dafür, dass der Patient bequem liegt und gut gestützt wird. Das zu untersuchende Gelenk sollte sich in der anatomischen Position befinden und sich über den gesamten verfügbaren Bereich bewegen können, ohne behindert zu werden. Wenn die zu prüfende Bewegung eine Verlängerung oder Dehnung eines zwei- oder mehrgelenkigen Muskels bewirkt, stellen Sie sicher, dass dieser Muskel sich auf Höhe des anderen, nicht zu testenden Gelenks in angenäherter Position befindet. Dadurch wird verhindert, dass eine passive Insuffizienz das artikuläre Bewegungsausmaß einschränkt. Wenn die Ausgangsstellung des Patienten anders als üblich ist, sollten Sie dies in Ihrer Dokumentation festhalten. Wenn beispielsweise der Ellbogen eines Patienten keine volle Extension erreichen kann, ist dies bei der Messung des Bewegungsausmaßes der Flexion zu notieren.(24) Beachte: Dies entfällt in Ländern/Regionen, die die Neutral-Null-Methode zur Notierung des Bewegungsausmaßes nutzen, da diese Art der Dokumentation stets beide Bewegungsrichtungen umfasst.
Stabilisierung und Fixierung: Beschränken Sie die Bewegung so weit wie möglich auf ein Gelenk. Stellen Sie sicher, dass das proximale Gelenksegment fixiert ist, um weiterlaufende Bewegungen zu minimieren.(24) Ohne angemessene Stabilisierung können weiterlaufende Bewegungen an anderen Gelenken auftreten, was die Ergebnisse verfälscht.(10) Um die Genauigkeit zu erhöhen, sollten Therapeuten die weiterlaufenden Bewegungen an jedem Gelenk, das sie untersuchen, kennen und erkennen.
Beurteilung des Endgefühls und des Einschränkungsmusters: Bewegen Sie das distale Gelenksegment bis zum Ende des passiven Bewegungsausmaßes und üben Sie leichten Überdruck aus, um das Endgefühl zu prüfen. Schätzen Sie die passive Beweglichkeit visuell ein, notieren Sie das Endgefühl und bringen Sie den Körperteil in die Ausgangsstellung zurück. Bestimmen Sie, ob ein Kapselmuster vorliegt oder nicht.
Ausrichten des Messinstruments: Das Goniometer wird zunächst ausgerichtet, um die definierte Nullstellung für das Bewegungsausmaß zu messen. Ist es nicht möglich, die Nullstellung oder anatomische Position zu erreichen, wird das Gelenk so nahe wie möglich an der Nullstellung positioniert und dieser Winkel gemessen. In der Regel werden knöcherne Landmarken zur Ausrichtung der Messinstrumente verwendet. Üblicherweise müssen Sie drei Landmarken finden, um ein Goniometer auszurichten:
Dokumentation: In der Regel wird das verfügbare Bewegungsausmaß mit Hilfe von numerischen oder bildlichen Tabellen dokumentiert, wobei die Ausgangs- und Endstellung notiert werden. Zum Beispiel: Ellbogenflexion 0-150 Grad. Wenn es nicht möglich ist, die Bewegung von der Nullstellung aus zu beginnen, wird das Bewegungsausmaß notiert, indem die Anzahl der Grad angegeben wird, um die das Gelenk zu Beginn des Bewegungsausmaßes von der Nullstellung abweicht. Zum Beispiel: Ellbogenflexion 10-150 Grad. Beachte: diese Art der Dokumentation gilt nicht für Länder/Regionen, die die Neutral-Null-Methode verwenden.
Nach Abschluss der Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit sollte der Therapeut die Auswirkungen der vorliegenden Defizite auf das tägliche Leben des Patienten berücksichtigen. Die Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit liefert eine Vielzahl von klinischen Informationen. Sie hilft dabei: festzustellen, welche Strukturen oder Gewebe die Bewegung beeinträchtigen können; Bewegungseinschränkungen vor Beginn der Behandlung zu quantifizieren; die klinische Entscheidungsfindung in Bezug auf das Management und die Auswahl spezifischer therapeutischer Interventionen zu unterstützen; die Ergebnisanalyse nach Anwendung einer bestimmten Intervention zu verbessern; und die Wirksamkeit verschiedener Interventionen zu vergleichen.
Eine uneingeschränkte Gelenkbeweglichkeit ermöglicht eine optimale Bewegung. Daher ist die Untersuchung des Bewegungsausmaßes ein wichtiger Teil des klinischen Puzzles. Die Fähigkeit, das Bewegungsausmaß zu messen, wird durch Übung erworben. Es ist wichtig, die Techniken an so vielen Menschen wie möglich zu üben, um sich mit den Unterschieden zwischen den einzelnen Personen vertraut zu machen.(4)
Bitte beachten Sie bei der Durchführung Ihrer Untersuchung Folgendes:
- Die Ausgangsstellung eines Gelenks kann das verfügbare Bewegungsausmaß aufgrund der Muskellänge der antagonistischen Muskeln stark beeinflussen.
- Wenn die zu prüfende Bewegung einen zwei- oder mehrgelenkigen Muskel verlängert oder dehnt, stellen Sie sicher, dass sich der Muskel an dem/den nicht zu prüfenden Gelenk(en) in einer verkürzten Position befindet.
- Wenn wir Veränderungen des Bewegungsausmaßes feststellen, müssen wir unsere Ergebnisse immer im Kontext der übrigen Befunderhebung betrachten, einschließlich Haltung, Muskellänge, Muskelkraft, Tonus, neuraler Tests, Bewegungsanalyse und mehr, und unser klinisches Reasoning auf das anwenden, was wir finden.