Originale Autorin – Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Alexandra Kopelovich
Top-Beitragende – Wanda van Niekerk, Jess Bell und Lucinda hampton
Die Gangkinetik untersucht die Kräfte und Momente des Gangzyklus. Dazu gehört die Untersuchung der Bodenreaktionskräfte (Ground Reaction Forces – GRFs), des Gelenk(dreh)moments, der plantaren Druckverteilung und der Muskelaktivität.(1) Der Körper sollte sich beim Gehen im Gleichgewicht befinden. Daher sollten die externen Bodenreaktionskräfte (GRFs) (externes Moment) durch die internen Muskelkräfte (internes Moment) ausgeglichen werden.(2) Verschiedene Muskeln führen in jeder Phase unterschiedliche Aktionen aus, um ein internes Moment gegen das externe Gelenkmoment zu erzeugen. Die Vektoren der Bodenreaktionskräfte erzeugen die Richtung des Moments und der Muskel wirkt in die entgegengesetzte Richtung. Wenn die Bodenreaktionskraft vor der Achse des Gelenks liegt, bewegt sich das proximale Segment des Gelenks nach anterior; wenn die Bodenreaktionskraft hinter der Achse des Gelenks liegt, bewegt sich das proximale Segment des Gelenks nach posterior. Die Muskeln können konzentrisch oder exzentrisch arbeiten, um das externe Moment zu überwinden. Bei einer konzentrischen Muskelkontraktion verkürzt sich der Muskel und es kommt zu einer Bewegung im Gelenk; bei einer exzentrischen Konraktion verlängert sich der Muskel und erzeugt dabei Kraft.
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Initialer Kontakt (Fersenauftritt / „heel strike“)
Der Moment, in dem der Fuß den Boden berührt und die erste doppelt unterstützte Standphase beginnt. Die Funktion liegt darin, Kontakt mit dem Untergrund herzustellen und die Gewichtsübernahme einzuleiten.(3)
Sagittalebene:
| Gelenk | Kinematik | Kinetik | |
|---|---|---|---|
| Externe Kräfte | Interne Kräfte / Muskelaktivität | ||
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von neutralen 0° beim Initialen Kontakt zu 5° Plantarflexion in der Stoßdämpfungsphase | GRF hinter der Drehachse des Sprunggelenks;
es entsteht ein externes Plantarflexionsmoment |
Internes Dorsalextensionsmoment;
exzentrische Kontraktion der Dorsalextensoren (M. tibialis anterior, M. extensor digitorum longus, M. extensor hallucis longus) |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 0° Extension beim Initialen Kontakt zu 15° Flexion in der Stoßdämpfungsphase | GRF vor der Drehachse des Kniegelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Knieflexoren (ischiokrurale Muskulatur/Hamstrings) Exzentrische Kontraktion der Knieextensoren (M. quadrizeps femoris) Die Veränderung des Kniegelenkwinkels (0° – 15°) führt zu einer Verlagerung der GRF von vorne nach hinten – dies führt zu einem externen Flexionsmoment, und die Knieextensoren arbeiten exzentrisch, um das Knie zu kontrollieren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 20° Flexion beim Initialen Kontakt zu 15° Flexion in der Stoßdämpfungsphase | GRF vor der Drehachse des Hüftgelenks;
es entsteht ein externes Flexionsmoment |
Internes Extensionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Hüftextensoren (M. gluteus maximus) |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Anteriore Rotation auf der rechten Seite des Beckens beim Initialen Kontakt;
linke Seite des Beckens beginnt, sich nach vorne zu bewegen *Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
|
| Hüfte | Innenrotation des Femurs im Verhältnis zum Becken | |
| Knie | Valgus-Thrust;
Innenrotation der Tibia |
M. gracilis, M. vastus medialis, M. semitendinosus; langer Kopf des M. biceps femoris zur Kontrolle der tibialen Innenrotation |
| Sprunggelenk | Valgus-Thrust mit zunehmender Pronation;
Pronation im Subtalargelenk – Höchstwert wird am Ende der Stoßdämpfungsphase erreicht Pronation im Chopart-Gelenk (Art. transversa tarsi) |
Exzentrische Kontraktion des M. tibialis posterior zur Kontrolle des Valgus-Thrust am Fuß |
Stoßdämpfungsphase („loading response“)
Beginnt mit dem Initialen Kontakt und dauert an, bis der kontralaterale Fuß den Boden verlässt. Der Fuß übernimmt weiterhin das Körpergewicht und absorbiert Stöße durch ein Abrollen in die Pronation.(3)
Sagittalebene:
| Gelenk | Kinematik | Kinetik | |
|---|---|---|---|
| Externe Kräfte | Interne Kräfte / Muskelaktivität | ||
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von 5° Plantarflexion in der Stoßdämpfungsphase zu 5° Dorsalextension in der Mittleren Standphase | GRF hinter der Drehachse des Sprunggelenks;
es entsteht ein externes Plantarflexionsmoment |
Internes Dorsalextensionsmoment;
Konzentrische Kontraktion der Dorsalextensoren Exzentrische Kontraktion der Plantarflexoren (M. gastrocnemius, M. soleus) Die Veränderung des Sprunggelenkwinkels von 5° Plantarflexion zu 5° Dorsalextension führt zu einer Verlagerung der GRF von hinten nach vorne, so dass die posteriore Muskulatur (Plantarflexoren) exzentrisch zur Kontrolle der Dorsalextension eingesetzt wird. |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 15° Flexion in der Stoßdämpfungsphase zu 5° Flexion in der Mittleren Standphase | GRF hinter der Drehachse des Kniegelenks;
es entsteht ein externes Flexionsmoment |
Internes Extensionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Knieextensoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 15° Flexion in der Stoßdämpfungsphase zu 0° in der Mittleren Standphase | GRF vor der Drehachse des Hüftgelenks;
es entsteht ein externes Flexionsmoment |
Internes Extensionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Hüftextensoren |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Rechte Seite rotiert nach posterior, um in der Mittleren Standphase eine neutrale Stellung zu erreichen;
laterale Kippung (lateral tilt) zum Schwungbein Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
Hüftabduktoren aktiv, um eine übermäßige laterale Kippung (lateral tilt) zu verhindern (M. gluteus medius und M. tensor fascia latae) |
| Hüfte | Die Innenrotation des Femurs im Verhältnis zum Becken setzt sich bis zur Neutralstellung in der Mittleren Standphase fort;
das Adduktionsmoment hält während der gesamten einfach unterstützten Standphase an |
Minimale oder keine Aktivität |
| Knie | Verringerung des Valgus-Thrusts; es beginnt die Außenrotation der Tibia | Minimale oder keine Aktivität |
| Sprunggelenk | Der Fuß beginnt sich am Ende der Stoßdämpfungsphase von der Pronation in die Supination zu bewegen;
Fuß in Neutralstellung in der Mittleren Standphase |
M. tibialis posterior hilft bei der Supination |
Mittlere Standphase
Beginnt, wenn der kontralaterale Fuß den Boden verlässt und dauert an, bis die ipsilaterale Ferse den Boden verlässt. Der Körper steht im Einbeinstand und beginnt, von der Kraftabsorption beim Auftritt zum Kraftantrieb (Propulsion) nach vorne überzugehen.(3)
Sagittalebene:
| Gelenk | Kinematik | Kinetik | |
|---|---|---|---|
| Externe Kräfte | Interne Kräfte / Muskelaktivität | ||
| Sprunggelenk | Sprunggelenk bewegt sich von 5° Dorsalextension in der Mittleren Standphase zu 0° Dorsalextension in der Terminalen Standphase („heel off“) | GRF vor der Drehachse des Sprunggelenks;
es entsteht ein externes Dorsalextensionsmoment |
Internes Plantarflexionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Plantarflexoren |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 5° Flexion in der Mittleren Standphase zu 0° Flexion in der Terminalen Standphase | GRF vor der Drehachse des Kniegelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
Exzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 0° Flexion in der Mittleren Standphase zu 10° – 20° Extension in der Terminalen Standphase | GRF hinter der Drehachse des Hüftgelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
exzentrische Kontraktion der Hüftflexoren (M. iliopsoas) |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Rechte Seite bewegt sich aus der Neutralstellung nach posterior;
*Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
Minimale oder keine Muskelaktivität |
| Hüfte | Außenrotation und Adduktion des Femurs | Inkonsistente Aktivität der Hüftadduktoren |
| Knie | Außenrotation der Tibia | Keine Aktivität |
| Sprunggelenk | Vermehrte Supination des Subtalargelenks | Konzentrische Aktivität der Plantarflexoren |
Terminale Standphase (Fersenanhebung / „heel off“)
Beginnt, wenn die Ferse den Boden verlässt und dauert an, bis der kontralaterale Fuß den Boden berührt. Diese noch einfach unterstützte Standphase dient der Stabilität und dem Antrieb (Propulsion) des Körpers nach vorne. Das Körpergewicht wird auf die Metatarsalköpfe verteilt.(3)
Sagittalebene:
| Gelenk | Kinematik | Kinetik | |
|---|---|---|---|
| Externe Kräfte | Interne Kräfte / Muskelaktivität | ||
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von 0° in der Terminalen Standphase zu 20° Plantarflexion in der Vorschwungphase („toe off“) | GRF vor der Drehachse des Sprunggelenks;
es entsteht ein externes Dorsalextensionsmoment |
Internes Plantarflexionsmoment;
konzentrische Kontraktion der Plantarflexoren |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 0° in der Terminalen Standphase zu 30° Flexion in der Vorschwungphase | GRF vor der Drehachse des Kniegelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
Konzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 10° Extension in der Terminalen Standphase zu 20° Extension in der Vorschwungphase | GRF hinter der Drehachse des Hüftgelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
exzentrische Kontraktion der Hüftflexoren |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Die linke Seite bewegt sich vorwärts bis zum Initialen Kontakt der linken Ferse (Vorschwungphase rechts);
die laterale Kippung (lateral tilt) zum Schwungbein endet, während das kontralaterale Bein in die Standphase geht und die doppelt unterstützte Standphase beginnt *Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
Exzentrische Kontrolle durch die Adduktoren |
| Hüfte | Abduktion, während das Gewicht auf die kontralaterale Extremität verlagert wird;
Außenrotation des Femurs |
|
| Knie | Außenrotation der Tibia (inkonsistente Bewegung) | |
| Sprunggelenk | Gewicht wird auf die Zehen verlagert;
Supination im Subtalargelenk |
Plantarflexoren |
Vorschwungphase („toe off“ / „pre-swing“)
Beginnt, wenn der kontralaterale Fuß den Boden berührt und dauert an, bis der ipsilaterale Fuß den Boden verlässt. Sorgt für den letzten Antriebsschub, wenn die Zehen den Boden verlassen.(3)
Sagittalebene:
| Gelenk | Kinematik | Kinetik | |
|---|---|---|---|
| Externe Kräfte | Interne Kräfte / Muskelaktivität | ||
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von 20° Plantarflexion in der Vorschwungphase zu 10° Plantarflexion in der initialen Schwungphase | GRF vor der Drehachse des Sprunggelenks;
es entsteht ein externes Dorsalextensionsmoment |
Internes Plantarflexionsmoment;
exzentrische Kontraktion der Plantarflexoren Konzentrische Kontraktion der Dorsalextensoren, um den Fuß nach oben zu bringen |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 30° Flexion in der Vorschwungphase zu 60° Flexion in der Initialen Schwungphase | GRF hinter der Drehachse des Kniegelenks;
es entsteht ein externes Flexionsmoment |
Internes Extensionsmoment;
exzentrische Kontraktion der Knieextensoren Konzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 10° – 20° Extension in der Vorschwungphase zu 20° Flexion in der Initialen Schwungphase | GRF hinter der Drehachse des Hüftgelenks;
es entsteht ein externes Extensionsmoment |
Internes Flexionsmoment;
Konzentrische Kontraktion der Hüftflexoren |
Die Bodenreaktionskräfte gelten nicht für die Schwungphase, da es keinen Bodenkontakt gibt. Die Muskeln arbeiten jedoch weiterhin konzentrisch oder exzentrisch, je nach Bedarf.(2)
Initiale Schwungphase (Beschleunigungsphase / „initial swing“, „early swing“)
Beginnt, wenn der Fuß den Boden verlässt, und dauert an, bis er mit dem kontralateralen Sprunggelenk in einer Linie steht. Diese Phase dient dazu, die Extremität nach vorne zu bringen und zu verkürzen, damit sich der Fuß vom Boden lösen kann.(3)
Sagittalebene:
| Kinematik/Gelenkbewegung | Muskelaktivität | |
|---|---|---|
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von 20° Plantarflexion in der Vorschwungphase zu 10° Plantarflexion in der Initialen Schwungphase | Konzentrische Kontraktion der Dorsalextensoren |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 30° Flexion in der Vorschwungphase zu 60° Flexion in der Initialen Schwungphase | Exzentrische Kontraktion der Knieextensoren und konzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Hüfte bewegt sich in die Flexion | Konzentrische Kontraktion der Hüftflexoren |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Laterale Beckenkippung (lateral tilt) nach rechts; rechte Seite bewegt sich nach vorne
*Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
Linker M. gluteus medius |
| Hüfte | Von der Außenrotation in die Innenrotation | |
| Knie | Von der Außenrotation in die Innenrotation | |
| Sprunggelenk | Subtalargelenk (entlastet) kehrt in eine leichte Supination zurück |
Mittlere Schwungphase („mid swing“)
Beginnt bei der Ausrichtung von Sprunggelenk und Fuß und setzt sich fort, bis die Tibia des Schwungbeins senkrecht steht. Wie in der Initialen Schwungphase dient diese Phase dazu, die Extremität nach vorne zu bewegen und zu verkürzen, damit der Fuß fern vom Boden bleibt.(3)
Sagittalebene:
| Kinematik/Gelenkbewegung | Muskelaktivität | |
|---|---|---|
| Sprunggelenk | Das Sprunggelenk bewegt sich von 10° Plantarflexion in der Initialen Schwungphase zu 0° Plantarflexion in der Mittleren Schwungphase | Konzentrische Kontraktion der Dorsalextensoren |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 60° Flexion in der Initialen Schwungphase zu 30° Flexion in der Mittleren Schwungphase | Exzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 20° Flexion in der Initialen Schwungphase zu 30° Flexion in der Mittleren Schwungphase | Konzentrische Kontraktion der Hüftflexoren |
Frontalebene:
| Gelenk | Bewegung | Muskelaktivität |
|---|---|---|
| Becken | Laterale Beckenkippung (lateral tilt) nach rechts; rechte Seite bewegt sich nach vorne
Die rechte untere Extremität wird hier als Referenz verwendet |
Rechter M. gluteus medius |
| Hüfte | Innenrotation | |
| Knie | Innenrotation |
Terminale Schwungphase (Abbremsphase / „late swing“)
Beginnt, wenn die Tibia des Schwungbeins senkrecht steht und endet mit dem Initialen Kontakt. Die Vorwärtsbewegung der Extremität verlangsamt sich in Vorbereitung auf die Standphase.(3)
| Kinematik/Gelenkbewegung | Muskelaktivität | |
|---|---|---|
| Sprunggelenk | Behält eine neutrale Position bei | Konzentrische und isometrische Kontraktion der Dorsalextensoren |
| Knie | Das Knie bewegt sich von 30° Flexion in der Mittleren Schwungphase zu 0° Flexion in der Terminalen Schwungphase | Exzentrische Kontraktion der Knieflexoren, dann konzentrische Kontraktion der Knieflexoren |
| Hüfte | Die Hüfte bewegt sich von 20°-30° Flexion in der Mittleren Schwungphase zu 30° Flexion in der Terminalen Schwungphase | Konzentrische Kontraktion der Hüftflexoren |