Einsatz von Mobiltelefonen bei Katastrophen, Konflikten und Vertreibung

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Sue Piché
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Die Nutzung von Mobilgeräten hat stetig zugenommen, und rund 95 % der Weltbevölkerung haben Zugang zu Mobilfunknetzen. Für marginalisierte Menschen tragen mobile Technologien dazu bei, die Resilienz in Katastrophensituationen zu verbessern. Zu den marginalisierten Gruppen gehören Menschen mit Behinderungen, die bei Katastrophen mit viermal höherer Wahrscheinlichkeit ums Leben kommen, und Frauen, die nachweislich im Kontext von Katastrophen besonders gefährdet sind.(1) In Ländern mit niedrigem Einkommen ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen ein Mobiltelefon besitzen, um 10 % geringer. Dieser Ausschluss von der digitalen Welt wirkt sich negativ auf die Chance der Frauen aus, in gefährlichen Situationen gerettet zu werden.(2)

Humanitäre Krise ( edit | edit source )

In humanitären Notsituationen können Mobiltelefone eingesetzt werden, um die Öffentlichkeit über den Notfall aufzuklären und Informationen zu verbreiten.(1) Gemeinschaften, die unter schwierigen Bedingungen leben, können ihre Mobiltelefon-Apps oder -Plattformen nutzen, um:

  • auf aktuelle Informationen zuzugreifen;
  • miteinander in Kontakt zu bleiben;
  • über lebensbedrohliche Zustände zu berichten, die Notfallhilfe erfordern;
  • eine Verbindung zu humanitären Einrichtungen herzustellen.(2)

Mobiltelefone sind für Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten zu unverzichtbaren Hilfsmitteln geworden, um „sich auf ihrer Migrationsreise (…) und in den komplexen Lebensumständen während des Resettlement (Neuansiedlung) zurechtzufinden“.(3)

Menschen im Kontext von Flucht, Vertreibung und Migration ( edit | edit source )

Für Menschen, die aus ihrem Land fliehen oder es zwangsweise verlassen müssen, kann die moderne Kommunikation ein gewisses Maß an emotionaler Unterstützung bieten.(4) Der Besitz von Mobiltelefonen erspart den Betroffenen auch das Mitführen von Karten, Bargeld, Dokumenten, Taschenlampen und Wörterbüchern.(5) Mobiltelefone ermöglichen es Menschen außerhalb ihrer Heimatregionen nicht nur, mit ihrer Familie zu Hause in Kontakt zu bleiben, sondern liefern auch logistische Informationen während gefährlicher und stressiger Reisen.(4) Oft ist eine spezielle logistische Anleitung erforderlich, was die zu überquerenden Grenzen, die zurückzulegenden Entfernungen, die Verpflegung, den Transport und die Unterkunft betrifft.(3) Neben der Logistik und der Kommunikation kann die Nutzung von Mobiltelefonen den Betroffenen Informationen, Überwachung, Unterhaltung und Ablenkung auf ihrer Reise bieten.(6) Für Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten im Allgemeinen sind der Besitz eines Mobiltelefons und die Konnektivität von entscheidender Bedeutung für ihre Sicherheit.(3)

Das folgende Video von Ars Technica zeigt, wie wichtig Mobiltelefone für Flüchtlinge sind:

Kommunikation(edit | edit source)

Durch den mobilen Zugang können Menschen auf der Flucht aus ihrem Heimatort ihre Freunde und Familien über ihre Reise auf dem Laufenden halten. Eine SMS oder ein Anruf bei den Angehörigen bietet emotionale Unterstützung auf ihrem Weg. Einige Flüchtlinge verschieben die Kommunikation bis zum Erreichen ihres endgültigen Ziels. In diesem Fall könnten Mobiltelefone dazu verwendet werden, Erinnerungen an ihre Erlebnisse zu dokumentieren, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu teilen.(3)

Soziale Eingliederung ( edit | edit source )

Für Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten, die ein Resettlement durchleben, wurde die Nutzung mobiler Technologien mit sozialer Eingliederung und Möglichkeiten des Zugangs zu Informationen, die das tägliche Leben unterstützen, in Verbindung gebracht.(3) Die Möglichkeit, mit geliebten Menschen in der Heimat in Kontakt zu treten und gleichzeitig neue Beziehungen in den Aufnahmegemeinschaften zu knüpfen, trägt dazu bei, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen. Ein Mobiltelefon fungiert als virtueller Raum für die Entwicklung transkultureller Verbindungen und überbrückt die kulturelle Kluft zwischen der einheimischen Kultur und der neuankommenden Person.(7)

Soziales Netzwerk ( edit | edit source )

Die Kommunikation in den sozialen Medien kann Migranten mit anderen Flüchtlingen in den Aufnahmeländern in Verbindung bringen und sie mit logistischen Informationen über Routen, Transportmöglichkeiten und Unterkünfte versorgen. Darüber hinaus bieten diese Netze allgemeine Informationen, die Neuankommenden helfen sollen, mit den folgenden Bereichen vertraut zu werden:

  • angemessenes Verhalten;
  • Kleidungsstil;
  • Rechte;
  • Staatsbürgerschaft;
  • Unterstützungsdienste;
  • Arbeit und Beschäftigung;
  • soziales Wohnen;
  • Angebote zur Sprachförderung.(7)(3)

Gesundheit(edit | edit source)

Mobile Technologien können auf vielfältige Weise eingesetzt werden, um die gesundheitliche Integration zu erleichtern. Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten nutzen Online-Plattformen, um auf Gesundheitsinformationen zuzugreifen, Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufzunehmen und mit Gesundheitsdienstleistern zu kommunizieren.(7) Anschließend können verschiedene Apps den Gesundheitsdienstleistern helfen, den Gesundheitszustand der Betroffenen virtuell nachzuverfolgen.(3)

Politik(edit | edit source)

Der Einsatz von Mobiltelefonen kann es Flüchtlingen ermöglichen, ihr Recht auf politische Diskussion wahrzunehmen. Über die sozialen Medien können sie ihre Meinung äußern, sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzen, Einfluss auf Politik und Gesellschaft nehmen und sich sowohl offline als auch online engagieren.(7)

Probleme(edit | edit source)

Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, mögen behaupten, dass Mobiltelefone eine „Rettungsleine“ sind, aber ihre Benutzung während der Reise zur Neuansiedlung ist mit Risiken verbunden.(5) Im Exil können Betroffene mit Problemen der Konnektivität und Überwachung konfrontiert sein.(6)

Konnektivität(edit | edit source)

Der Zugang zu Internet (WLAN), SIM-Karten und Akkuladevorrichtungen ist unberechenbar und anfällig.(6) Die Möglichkeit, ein Telefon während der Migration aufzuladen, kann zu einer Frage von Leben und Tod werden. Viele Flüchtlinge berichten, dass sie ständig Batterien untereinander austauschen, um die Verbindungsmöglichkeit nicht zu verlieren.(5) In einer Neuansiedlungsgemeinde können Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten aus folgenden Gründen Schwierigkeiten haben, ihre Mobiltelefone zu benutzen:

  • begrenzte finanzielle Mittel, was den Zugang zu einem zuverlässigen/stabilen Mobilfunknetz beeinträchtigt;
  • die Schwierigkeit, eine SIM-Karte aufgrund eines unsicheren Rechts-/Einwanderungsstatus zu erhalten;
  • lokale Kommunikationsinfrastruktur im Gastland / in der Gemeinschaft.(7)

Überwachung(edit | edit source)

Mit Hilfe von Smartphones kann eine digitale Überwachung von Flüchtlingen, Vertriebenen und Migranten erfolgen. Die Betroffenen können von den Ländern, die sie verlassen haben, oder den Ländern, in die sie gehen, und/oder von Menschenhändlern verfolgt werden.(5) Um dieser Überwachung entgegenzuwirken, verwenden Flüchtlinge nach eigenen Angaben Pseudonyme und Avatare, um ihre Identität und ihre geplanten Routen und Ziele vor der Regierung ihres Heimatlandes oder anderen Gruppen zu schützen.(6)(3)

Zusammenfassung(edit | edit source)

Der Einsatz von Mobiltelefonen bietet Flüchtlingen, Vertriebenen und Migranten die Möglichkeit, pädagogische, soziale, sprachliche und digitale Fähigkeiten zu entwickeln. Vor allem aber fördern Smartphones die soziale Eingliederung durch eine virtuelle Doppelbindung mit der eigenen Kultur und der neuen Gesellschaft.(5)

Dieses Video von BBC Media Action fasst die Vorteile und Risiken der Handynutzung während der Migration zusammen:

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Paul JD, Bee E, Budimir M. Mobile phone technologies for disaster risk reduction. Climate Risk Management. 2021 Jan 1;32:100296.
  2. 2.0 2.1 Akhmatova DM, Akhmatova MS. Promoting digital humanitarian action in protecting human rights: hope or hype. Journal of International Humanitarian Action. 2020 Dec;5(1):1-7.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 Alencar A. Mobile communication and refugees: An analytical review of academic literature. Sociology Compass. 2020 Aug;14(8):e12802.
  4. 4.0 4.1 Eide E. Mobile flight: Refugees and the importance of cell phones. Nordic Journal of Migration Research. 2020 May 28;10(2).
  5. 5.0 5.1 5.2 5.3 5.4 Mancini T, Sibilla F, Argiropoulos D, Rossi M, Everri M. The opportunities and risks of mobile phones for refugees’ experience: A scoping review. PloS one. 2019 Dec 2;14(12):e0225684.
  6. 6.0 6.1 6.2 6.3 Alencar A, Kondova K, Ribbens W. The smartphone as a lifeline: An exploration of refugees’ use of mobile communication technologies during their flight. Media, Culture & Society. 2019 Sep;41(6):828-44.
  7. 7.0 7.1 7.2 7.3 7.4 Dasuki S, Effah J. Mobile phone use for social inclusion: the case of internally displaced people in Nigeria. Information Technology for Development. 2022 Jul 3;28(3):532-57.


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