Einführung in die Orthetik

Originale Autorin Carin Hunter basierend auf dem Kurs von Donna Fisher
Top-BeitragendeCarin Hunter, Tarina van der Stockt , Lucinda hampton, Kim Jackson , Rucha Gadgil, Jess Bell und Cindy John-Chu

Einleitung(edit | edit source)

Das Ziel der Orthetik ist es, die Effizienz in der Funktionsfähigkeit bei akuten oder langfristigen Verletzungen zu erhöhen. Dies gilt sowohl für Weichteil- und Knochenverletzungen als auch für Umstellungen infolge neurologischer Veränderungen. Sie können eine wirksame Ergänzung zu physiotherapeutischen Techniken wie Muskelkräftigung und -dehnung, Gang- und Gleichgewichtstraining sowie Reich- und Greifstrategien darstellen.

Vor der Entscheidung über die Art der benötigten Orthese müssen eine Reihe von Überlegungen angestellt werden:

  • Was sind die Ziele des Patienten?
  • Welche spezifischen Schädigungen wirken sich auf die Funktionsfähigkeit des Patienten aus (von Kopf bis Fuß denken inkl. Ganganalyse)?
  • Sind die Schädigungen das Ergebnis von Weichteilveränderungen? Können diese durch Therapiemaßnahmen verändert werden?
  • Ist eine Gehhilfe erforderlich?
  • Muss die verletzte Stelle vor bestimmten Bewegungen geschützt werden?
  • Kann eine Orthese die Effizienz einer Tätigkeit verbessern?
  • Kann der Patient mit den gegebenen Hilfsmitteln zurechtkommen?

Orthesen können je nach den Bedürfnissen des Patienten vorkonfektioniert sein oder nach Maß angefertigt werden.

Was ist eine Orthese? ( edit | edit source )

Eine Orthese ist in der Regel eine individuell gestaltete oder angefertigte Vorrichtung, die an der Außenseite des Körpers angebracht wird, um diesen bestimmten Bereich des Körpers zu stützen und zu schützen. Sie nutzt biomechanische Prinzipien, um Gelenke neu auszurichten und Schmerzen zu lindern. Der Entwurf, die Materialien und die Funktion der Orthese basieren auf der Befunderhebung des Patienten, einschließlich seiner Krankengeschichte, der biomechanischen Prinzipien und der individuellen Bedürfnisse des Benutzers.

Zu den häufig verordneten Orthesen gehören:

  • Fußorthese (Foot Orthosis – FO): Für verschiedene Fuß-, Bein- oder Haltungsprobleme; es gibt eine große Vielfalt in Bezug auf Design und Herstellungsmethoden(1)
  • Sprunggelenkorthese (Ankle Orthosis – AO) und Knieorthese (Knee Orthosis – KO): Zum Schutz der Gelenke, zur Schmerzlinderung oder zur Unterstützung nach Operationen
  • Knöchel-Fuß-Orthese / Unterschenkelorthese (Ankle Foot Orthosis – AFO) und Knie-Knöchel-Fuß-Orthese / Oberschenkelorthese (Knee Ankle Foot Orthosis – KAFO): Zur Verbesserung der Mobilität und zur Unterstützung von Rehabilitations- und biomechanischen Zielen
  • Verschiedene Orthesen für die obere Extremität, um die Position und Funktion der oberen Extremitäten zu unterstützen
  • Frakturorthesen, moderne Alternative zu Gips- oder Glasfasergipsverbänden
  • Wirbelsäulenorthesen, zur Korrektur oder Kontrolle von Wirbelsäulendeformitäten und -verletzungen sowie zur Ruhigstellung oder Unterstützung von Wirbelsäulenverletzungen(2)

Orthesen „von der Stange“ ( edit | edit source )

Viele Patienten können auf konfektionierte Orthesen zurückgreifen, die häufig an ihre Größe angepasst werden können. Diese gibt es in kleinen, mittleren und großen Größen und sie können oft auf den Patienten zugeschnitten und z. B. mit Klettverschlüssen angepasst werden. Sie bestehen oft aus leichteren Materialien. Sie eignen sich auch als Test, um eine Annahme zu bestätigen oder zu verwerfen, bevor eine individuelle Maßorthese angefertigt wird.

Individuell angefertigte Orthesen ( edit | edit source )

Manche Menschen haben komplexere Verletzungen / Veränderungen an einer der zahlreichen Gelenkstrukturen und benötigen daher eine Orthese nach Maß. Dies kann insbesondere bei neurologischen Erkrankungen wie Zerebralparese (CP), Parkinson-Krankheit oder nach Hirnverletzungen wie Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder Schlaganfall der Fall sein. In diesen Fällen kann sich die Spastizität der Muskeln auf die Funktionsfähigkeit des Patienten auswirken. Orthesen können sowohl im Ruhezustand als auch während der Bewegung eingesetzt werden, um die Auswirkungen der Spastik zu verbessern oder das Risiko von Kontrakturen zu verringern. In diesem Fall wird die Orthese speziell auf die jeweilige Person zugeschnitten und muss wahrscheinlich neu angefertigt werden, wenn die Person wächst (in der Pädiatrie) oder wenn sich die Gelenkstrukturen verändern.

Warum wird eine Orthese verwendet? ( edit | edit source )

Eine Orthese bietet Unterstützung und Schutz für Gelenke oder Körperteile. Sie kann ein Gelenk optimal in eine bessere Funktionsstellung bringen, sei es die Stellung einer Hand oder eines Ellbogens, eines Knies oder eines Fußes.(3) Sie wird häufig zur Schmerzlinderung eingesetzt. Eine gute Orthese kann auch eine funktionelle Stellung des Gelenks beibehalten, und wir können eine Orthese entweder dynamisch oder statisch einsetzen, um diese funktionelle Stellung zu erreichen.

Wo kann eine Orthese eingesetzt werden? ( edit | edit source )

Eine Orthese kann an jedem Teil des Körpers angebracht werden, vom Kopf, z. B. bei Helmen, bis zu den Füßen und Zehen mit Einlagen und Schuhen.(4)

3 Schritte zur Orthesenversorgung ( edit | edit source )

Position, Struktur, Design und Anpassung der Orthese basieren auf der Befunderhebung des Patienten und den klaren Zielen, die der Therapeut und der Patient erreichen wollen.(5) Dies kann durchaus ein komplexer Prozess und eine Übung in Problemlösung sein.(6) Alle Orthetiker müssen gute Fähigkeiten zur Problemlösung haben.(7)

Die drei wichtigsten Schritte sind Befunderhebung, Entwurf und Herstellung sowie Anpassung und Beurteilung.

1. Befunderhebung ( edit | edit source )

2. Entwurf und Herstellung ( edit | edit source )

  • Materialien
  • Anfertigung
  • Aufhängung/Befestigung
  • Kosmetik

3. Anpassung und Beurteilung ( edit | edit source )

  • Gute anatomische Passform
  • Gute biomechanische Funktion
  • Leichtes An- und Ausziehen
  • Angenehmer Tragekomfort

Vorteile(edit | edit source)

Untere Extremitäten: Beeinflusst sowohl die Schwung- als auch die Standphase des Gangs. (9).

  • Vorbeugung oder Korrektur von Deformitäten und Verringerung von Schmerzen bei der Gewichtsbelastung
  • Verbesserung der Effizienz des Gehens und Erhaltung des Gleichgewichts
  • Verbesserung der Unterstützungsfläche / der seitlichen Unterstützung
  • Verringerung des Kompensationsbedarfs der ipsilateralen und kontralateralen Extremität und der sekundären Schmerzen
  • Erleichterung des Trainings von Fertigkeiten

Obere Extremitäten: Kann nach einer Verletzung eingesetzt werden, um weiteren Verletzungen vorzubeugen oder Schmerzen durch Unterstützung einer verletzten Extremität zu verringern.

  • Vorbeugung oder Korrektur von Deformitäten zur Schmerzreduzierung und Maximierung der Funktion bei Reich- und Greifaufgaben.
  • Verbesserung der Effizienz von Reich- und Greifaufgaben
  • Entlastung einer verletzten Extremität, um die Heilung zu ermöglichen
  • Verringerung des Kompensationsbedarfs der ipsilateralen und kontralateralen Extremität und der sekundären Schmerzen
  • Verbesserung der Rolle der oberen Extremitäten bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts

Wirbelsäule: Stabilisierung von Wirbelsäulenfrakturen, um dem Patienten die Rückkehr zu einigen normalen Aktivitäten zu ermöglichen (auch wenn diese eingeschränkt sein können) und das Rückenmark zu schützen.

Mögliche Komplikationen ( edit | edit source )

  • Gefühlsverlust (Haut regelmäßig kontrollieren – Gefahr von Druckstellen)
  • Kompensationen in ipsilateralen oder kontralateralen Extremitäten.
  • Auswirkungen auf die Spastik (nutzt der Patient die Spastik, um bei fehlender Muskelkraft eine gewisse Funktion zu ermöglichen?)
  • Komplikationen des Schienens im falschem Winkel: Fußdeformitäten,(10) verstärkte Kniebeugung in der Standphase,(11) Muskelkontrakturen(11)
  • Verlust des sensorischen Feedbacks und Verlust der Propriozeption
  • Eingeschränktes Bewegungsausmaß
  • Verlust der natürlichen Stoßdämpfung und langfristige Gelenkschäden
  • Das An- und Ablegen von Wirbelsäulenorthesen muss nach den Richtlinien einer Wirbelsäulenfachkraft erfolgen. Je nach Schwere der Verletzung können die Patienten innerhalb bestimmter Grenzen mobilisiert werden. Die Nichteinhaltung der Richtlinien kann zu einer Verletzung des Rückenmarks führen.

Zu berücksichtigen:(edit | edit source)

  • Kosmetik
  • Schuhwerk
  • Gewicht/Steifigkeit
  • Fähigkeit zum An- und Ausziehen
  • Bevorzugte Kompensationen
  • Erforderliche Kompensationen

Referenzen(edit | edit source)

  1. Chapman LS, Redmond AC, Landorf KB, Rome K, Keenan AM, Waxman R, et al. Foot orthoses for people with rheumatoid arthritis: a survey of prescription habits among podiatrists. J Foot Ankle Res. 2019;12:7.
  2. AOPA What is an orthotics? Available:https://www.aopa.org.au/careers/what-are-orthoses-and-prostheses (accessed 4.6.22)
  3. Webster JB, Murphy DP, editors. Atlas of orthoses and assistive devices. Amsterdam, The Netherlands:: Elsevier; 2019.
  4. Jarvis HL, Nester CJ, Bowden PD, Jones RK. Challenging the foundations of the clinical model of foot function: further evidence that the root model assessments fail to appropriately classify foot function. Journal of foot and ankle research. 2017 Dec;10(1):1-1.
  5. Chui KC, Jorge M, Yen SC, Lusardi MM. Orthotics and Prosthetics in Rehabilitation E-Book. Elsevier Health Sciences; 2019 Jul 6.
  6. Mangai S, Ranganathan R, Pugalendhi A, Gokul Raj N, Deepan Raju S, Dharani T, Durga R. Design And Development Of Ankle Foot Orthosis Using Additive Manufacturing Technique. 2020.
  7. Menz HB, Allan JJ, Bonanno DR, Landorf KB, Murley GS. Custom-made foot orthoses: an analysis of prescription characteristics from an Australian commercial orthotic laboratory. Journal of foot and ankle research. 2017 Dec;10(1):1-9.
  8. Nester CJ, Jarvis HL, Jones RK, Bowden PD, Liu A. Movement of the human foot in 100 pain-free individuals aged 18–45: implications for understanding normal foot function. Journal of foot and ankle research. 2014 Dec;7(1):1-0.
  9. Condie & Meadows Report of a consensus conference on the lower limb orthotic management of cerebral palsyInternational Society for Prosthetics and Orthotics(1995) ISBN 9788789809021
  10. Karakas & Hoy (2002)
  11. 11.0 11.1 Owen E. The Effects of Tuning an Ankle-Foot Orthosis Footwear Combination on Kinematics and Kinetics of the Knee Joint of an Adult with Hemiplegia Prosthetics and Orthotics (2014) 34(3): 270-6


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