Originale Autorin – Tarina van der Stockt
Top-Beitragende – Tarina van der Stockt, Jess Bell, Ewa Jaraczewska und Stacy Schiurring
Städte und Gemeinden werden zunehmend vielfältiger, aber die demografischen Merkmale der Beschäftigten im Gesundheitswesen spiegeln nicht immer die Bevölkerung wider, die sie behandeln.(1) Gesundheitliche Ungleichheiten werden aufrechterhalten, wenn Patienten aus unterrepräsentierten Gruppen die Auswirkungen von impliziten Biases des Gesundheitspersonals erleben, die auf kulturellen Stereotypen beruhen.(1) Zu den unterrepräsentierten Gruppen können Menschen verschiedener Hautfarben, ethnische Bevölkerungsgruppen oder Minderheitengruppen wie Menschen aus der LGBTQIA+-Gemeinschaft oder Menschen mit Behinderungen gehören.(1)
Um eine vorurteilsfreie Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, müssen wir darauf achten, negative Bewertungen von Menschen aus einer bestimmten Gruppe oder von Personen mit bestimmten Merkmalen zu vermeiden.(2) Implizite Biases (aus dem Englischen „implicit biases“, etwa: unbewusste Voreingenommenheiten) sind die Einstellungen und Überzeugungen, die wir auf einer unbewussten Ebene gegenüber bestimmten Personen oder Personengruppen haben.(3) Auch wenn diese Vorurteile unbewusst sind, beeinflussen sie dennoch unsere Urteile, Verhaltensweisen und Entscheidungen.(4)
Implizite Biases beziehen sich also auf eine potenzielle Diskrepanz zwischen dem, was jemand explizit glaubt und tun will, und dem unsichtbaren Einfluss negativer impliziter Assoziationen auf das, was er denkt und wie er sich verhält.(2) Sie beziehen sich auch auf die Stereotypisierung, da implizite Biases einer der Gründe sind, warum Menschen allen Personen, die einer bestimmten Gruppe angehören, bestimmte Merkmale und Eigenschaften zuschreiben.(5)
„Implizite Biases sind Assoziationen außerhalb des Bewusstseins, die zu einer negativen Bewertung einer Person aufgrund irrelevanter Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlecht führen.“(2)
Jeder Mensch hat unbewusste Vorurteile. Das liegt daran, dass unser Gehirn von Natur aus dazu neigt, Informationen zu sichten, zu sortieren und zu kategorisieren, was zu implizitem Bias führen kann.(5)
Die folgenden Tendenzen machen uns anfällig für implizite Biases:(5)(6)
Unser Gehirn neigt dazu, Muster und Assoziationen in der Welt aufzuspüren.
Wir können Vorurteile von den Menschen übernehmen, die uns ausgebildet haben, oder sogar gegenüber unserer eigenen Bevölkerungsgruppe voreingenommen sein.(7)
Die Rolle impliziter Biases in der Gesundheitsversorgung ist in der Sozialpsychologie und den Prozessen der Gesundheitsversorgung gut erforscht.(8)
Die meisten Studien zu diesem Thema wurden an Ärzten und Krankenschwestern durchgeführt.(9) Fast alle Studien in einer systematischen Übersichtsarbeit(2) zeigten unbewusste Voreingenommenheiten bei Ärzten und Krankenschwestern. Folgende Merkmale wurden als Auslöser für implizite Biases genannt: „Hautfarbe/ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, sozioökonomischer Status, Alter, psychische Krankheit, Gewicht, AIDS, hirnverletzte Patienten, Patienten, von denen angenommen wird, dass sie zu ihrer Verletzung beigetragen haben, intravenöser Drogenkonsum, Behinderung und soziale Umstände“.(2)
Physiotherapeuten arbeiten in verschiedenen Bereichen, darunter in Krankenhäusern, Praxen und Heimen, und treffen auf Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Fähigkeiten. Physiotherapeuten haben eine höhere Besuchshäufigkeit als andere Gesundheitsberufe, weshalb eine vertrauensvolle Beziehung zu den Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Der Erfolg des Patienten hängt auch von seiner Adhärenz zum Behandlungsplan ab.(9) Die impliziten Biases eines Physiotherapeuten können sich negativ auf die Patientenversorgung auswirken.(9)
In einer Studie mit 59 Teilnehmern aus dem Bereich der Physiotherapie stellten die Autoren fest, dass die Stichprobe der orthopädischen und pädiatrischen Physiotherapeuten ähnliche Raten impliziter Biases in Bezug auf Hautfarbe und Behinderung aufwies wie die allgemeine Öffentlichkeit und andere Gesundheitsdienstleister.(9)
In einer Studie mit 6113 Ergotherapie- und Physiotherapieassistenten wurden die implizite Biases gegenüber Menschen mit Behinderungen untersucht. Die Autoren stellten fest, dass die Testgruppe eine starke unbewusste Voreingenommenheit aufwies. Diese Voreingenommenheit könnte die Interaktion dieser Therapeuten mit Menschen mit Behinderungen beeinflussen. Die Autoren kamen auch zu dem Schluss, dass die Biases in der klinischen Ausbildung, Praxis und Politik wiedergegeben werden könnten.(10)
Kliniker müssen sich darüber im Klaren sein, dass sich implizite Biases umso mehr einschleichen, je größer die Patientenauslastung, die Überbelegung und die kognitive Arbeitsbelastung sind.(11)
Implizite Biases können Folgendes negativ beeinflussen:
Dies könnte zu Diskriminierung und Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung führen, da Kliniker verschiedene Menschen unterschiedlich versorgen könnten. Dies kann auch das Vertrauen der Patienten beeinflussen.(11)
Eine gefährdete Person im Gesundheitswesen gehört in der Regel zu einer Gruppe, die bereits benachteiligt ist.(2) Implizite Biases von Angehörigen der Gesundheitsberufe können dazu führen, dass Menschen, die ohnehin schon gefährdet sind, eine gerechte Versorgung vorenthalten wird.(2) Jeder kann in einem bestimmten Kontext als gefährdet eingestuft werden, einschließlich:(2)
Implizite Biases sind kein Rassismus, aber sie sind eng damit verbunden und führen zu Diskriminierung und unterschiedlicher Versorgung verschiedener Menschen. Andere Arten der Diskriminierung, die sich aus impliziten Biases ergeben können, sind Sexismus, Altersdiskriminierung, Homophobie und Behindertenfeindlichkeit (Diskriminierung zugunsten einer nicht behinderten Person).(5)
Der implizite Assoziationstest (IAT) wurde 1995 von den Sozialpsychologen Mahzarin Banaji und Tony Greenwald entwickelt. Der Test wurde 1998 in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht.(5) Er ist der derzeitige Goldstandard zur Bewertung impliziter Biases in sozialen Konstrukten. Der Test wird an einem Computer durchgeführt.(9) Das Computerprogramm zeigt der Person verschiedene Bilder und Wörter und ermittelt, wie lange die Person (Testteilnehmer) braucht, um zwischen zwei Bildern oder Wörtern zu wählen.(5) Der Test besteht aus verschiedenen Untertests zur Messung von Einstellungen und Vorurteilen in Bezug auf Hautfarbe, Gewicht, Geschlecht, Behinderung und andere Bereiche.(5)
Ein Beispiel für einen der Tests ist, dass dem Testteilnehmer Bilder von Gesichtern von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zusammen mit einem negativen oder positiven Wort vorgelegt werden. Der Testteilnehmer wird aufgefordert, „auf ein positives Wort zu klicken, wenn er ein Bild einer Person einer bestimmten Hautfarbe sieht, und auf ein negatives Wort zu klicken, wenn er eine Person einer anderen Hautfarbe sieht“.(5)
Klickt ein Testteilnehmer immer dann auf die aufgelisteten negativen Wörter, wenn das Gesicht einer Person einer bestimmten Hautfarbe auf dem Bildschirm erscheint, vermuten die Forscher, dass die Person ein negatives implizites Bias gegenüber Personen dieser Hautfarbe hat.(5) Der IAT kann Ihnen helfen zu erkennen, dass jeder, auch Sie, implizite Biases hat. Wenn Sie diese Voreingenommenheiten als das erkennen, was sie sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie Ihr Verhalten in Zukunft nicht mehr so stark beeinflussen.(6)
Hier ist der Link zu diesem Test (in englischer Originalsprache): Implicit Association Test (IAT)
Wenn Sie sich der möglichen Auswirkungen impliziter sozialer Biases bewusst sind, können Sie dazu beitragen, Diskriminierung, Stereotypen und Vorurteile zu überwinden.(5)
Das Verständnis impliziter Biases ist entscheidend, da positive und negative unbewusste Überzeugungen zu strukturellen und systemischen Ungleichheiten führen können. Da sie jedoch außerhalb unseres Bewusstseins wirken, müssen wir uns ihrer erst bewusst werden, wenn wir sie reduzieren wollen.(6)