Merkmale und Kategorien des riskanten Spiels

Originale Autorin Andrea Sturm
Top-Beitragende Top-BeitragendeRobin Tacchetti, Jess Bell, Kim Jackson und Aminat Abolade

Riskantes Spiel im Freien ( edit | edit source )

Unter riskantem Spiel (engl.: „risky play“) versteht man aufregende und spannende Spielformen, die ein potenzielles Verletzungsrisiko bergen. Risikobereitschaft ist ein natürliches Phänomen, wenn Kinder spielen, da sie herausfordernde und riskante Formen des körperlichen Spiels suchen und sich darauf einlassen.(1) Sowohl Mehrdeutigkeit als auch Ungewissheit gelten als wichtige Merkmale des riskanten Spiels.(2) Beim riskanten Spiel lassen sich Kinder auf etwas ein, das für sie neu und unbekannt ist, was mit dem Gefühl verbunden ist, an der Grenze der Kontrolle zu stehen, und mit der Möglichkeit, verletzt zu werden. Dies geschieht, obwohl und bis zu einem gewissen Grad auch weil diese Art von Spiel mit Ängsten und Nervenkitzel zu tun hat.(1)(3)

Die Forschung zeigt, dass Kleinkinder in der Lage sind, potenzielle Risiken einzuschätzen und zu bewältigen, wenn sie draußen in einer natürlichen Umgebung spielen. Sogar vier- bis fünfjährige Kinder waren den Berichten zufolge in der Lage, ihre risikobezogenen Entscheidungen zwischen der Bewertung der positiven und negativen Folgen des Spiels abzuwägen. Sie nutzen direkte und indirekte Möglichkeiten zur Bewertung von Risiken und zur Entwicklung ihrer eigenen Fertigkeiten zum Risikomanagement.(2) Die Teilnahme von Kleinkindern am riskanten Spiel fördert auch das Zugehörigkeitsgefühl durch die gemeinsame Teilnahme an Erfahrungen mit riskantem Spiel und durch die Entwicklung einer persönlichen Beziehung zum Ort. Darüber hinaus wird die soziale Zugehörigkeit zur Gruppe deutlich, wenn die Kinder sich umeinander kümmern und sich gegenseitig unterstützen. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn ein gleichaltriges Kind stolpert und stürzt, während es sich in einer schwierigen Umgebung bewegt.(4) Riskantes Spiel wird also durch den soziokulturellen Kontext beeinflusst, der dazu beiträgt, dass Kinder ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln, indem sie auf die Gegebenheiten ihrer Umgebung reagieren und mit ihnen interagieren.(4)

Aktivitäten, die als riskante Spielaktivitäten gelten, finden sich in verschiedenen Arten von Spielen: Konstruktionsspiele, Bewegungsspiele, symbolische Spiele und auch in Spielen mit Regeln. Solche Spielaktivitäten können sowohl drinnen als auch draußen stattfinden, aber vor allem natürliche Umgebungen laden zum freien und riskanten Spielen ein.(5) Die Natur ist ein ideales Umfeld für alle Kinder (unabhängig von ihrem Entwicklungsstand), in dem sie risikoreich spielen können. Auch die Kinder selbst spielen lieber mit natürlichen Materialien und in natürlicher Umgebung.(2) Es gibt individuelle und umweltbedingte Merkmale des riskanten Spiels im Freien. Individuelle Merkmale beschreiben zum Beispiel, wie Kinder das Spiel durchführen (z. B. die gewählte Höhe zum Klettern). Umweltmerkmale können sich darauf beziehen, wie viel Risiko die Spielumgebung bieten würde (z. B. wie steil die „Klippen“ sind).(2) (6) Das Eingehen von Risiken wird von aufregenden Gefühlen begleitet. Kinder können diese Gefühle durch Anzeichen von Freude (z. B. fröhliches Schreien, Lächeln, Kreischen und Enthusiasmus), Angst (z. B. durch ängstliche und besorgte Gesichtsausdrücke, Winseln, Rückzug) und eine Kombination aus beiden Emotionen zum Ausdruck bringen.(2)

Die nachstehende Tabelle der Digital Futures Commission zeigt, welche Aktivitäten Kinder am liebsten mögen.

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(7)

Riskantes Spiel wird in dem unten stehenden Video von Ellen Sandseter definiert:

In diesem zweiten Video demonstriert Ellen Sandseter die Kraft des Spiels: Riskantes Spiel (The Power of Play: Risky Play) https://www.cbc.ca/player/play/1382672451875/

Kategorien des riskanten Spiels im Freien ( edit | edit source )

Riskantes Spiel findet in erster Linie im Freien statt, wenn Kinder sich frei auf abenteuerliche körperliche Aktivitäten einlassen. Oft geht es um das Gefühl, die Kontrolle loszulassen und Ängste zu überwinden, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit oder in großer Höhe spielen. Beispiele für solche Aktivitäten sind Rutschen, Schaukeln, Klettern auf Bäume und Klettertürme, Hochklettern und Herunterspringen von großen Steinen oder kleinen Hängen, Balancieren auf Steinen oder vom Wind umgestürzten Bäumen. Zum riskantem Spiel gehören auch das Schießen mit Pfeil und Bogen, das Schnitzen mit Messern, das Fechten mit Stöcken und das Radfahren bei hoher Geschwindigkeit.(3)

Im Laufe der Jahre haben sich acht Kategorien von riskantem Spiel herauskristallisiert.(2) Sandseter untersuchte verschiedene Arten des riskanten Spiels durch Interviews und Beobachtungen von Vorschulkindern und Betreuern in Norwegen. Ursprünglich identifizierte sie sechs Kategorien von riskantem Spiel (A-F).(3) Im Jahr 2017 ermittelte Rasmus Kleppe, ein Doktorand von Sandseter, zwei weitere Kategorien des riskanten Spiels von Kleinkindern im Alter von 1-3 Jahren (G, H):(6)

Kategorie Risiko Unterkategorien
A: Große Höhen Verletzungsgefahr durch Sturz Klettern; Springen von unbeweglichen oder beweglichen Oberflächen

Balancieren auf hohen Objekten

Hängen/Schwingen in großer Höhe

B: Hohe Geschwindigkeit Unkontrollierte Geschwindigkeit und Tempo, die zu einer Kollision mit etwas (oder jemandem) führen können Schwingen bei hoher Geschwindigkeit; Rutschen und Schlittenfahren bei hoher Geschwindigkeit

Unkontrolliertes Laufen bei hoher Geschwindigkeit

Fahrradfahren bei hoher Geschwindigkeit

Skaten und Skifahren bei hoher Geschwindigkeit

C: Gefährliche Werkzeuge Kann zu Verletzungen und Wunden führen Schneidewerkzeuge: Messer, Sägen, Äxte; Würgewerkzeuge: Seile, etc.
D: Gefährliche Elemente Wo Kinder in oder aus etwas fallen können Klippen/Hänge; Tiefes Wasser oder eisiges Wasser

Feuerstellen

E: Toben und Raufen Wo sich die Kinder gegenseitig verletzen können Ringen; Fechten mit Stöcken, usw.

Kampfspiele

F: Verschwinden/verloren gehen Wo die Kinder sich der Aufsicht der Erwachsenen entziehen können, sich alleine verirren Alleine auf Entdeckungsreise gehen; Alleine in unbekannter Umgebung spielen

Umgebungen

G: Spiel mit Kollisionen Wenn Kinder – entweder sich selbst oder einen Gegenstand – mit etwas zusammenstoßen Sich auf eine Matratze werfen; Mit dem Dreirad gegen einen Zaun fahren
H: Indirektes Risiko Wenn das Risiko nur von den Kindern beobachtet wird Längeres Beobachten des riskanten Spiels anderer Kinder

Einige der ursprünglichen Kategorien wurden sowohl von den Kindern als auch von den Betreuern als riskant empfunden (Kategorie A, B und E); andere wurden entweder nur von den Betreuern als riskant empfunden (Kategorie C und D), oder nur von den Kindern (F).(3)

Riskantes Spiel – schädlich oder förderlich? ( edit | edit source )

Kleine Kinder suchen aktiv nach Nervenkitzel und ängstlichen Situationen, z. B. beim Schaukeln, beim Springen von hohen Plätzen oder von Stein zu Stein in einem Bach. Ein Großteil des Spiels von Kindern hat mit Ängsten zu tun. Die Motivation für riskante Spiele ist die Absicht, Aufregung und Freude zu erleben, wenn sie eine potenziell gefährliche Situation meistern; und der Nervenkitzel, wenn sie sich am Rande der Gefahr befinden und sich der Angst vor den möglichen Folgen, einschließlich Verletzungen, bewusst sind. Kinder bereiten sich auf den Umgang mit realen Gefahren und Risiken vor und wiederholen ihr Spiel manchmal sogar zwanghaft, weil sie eine angenehme Erregung erleben.(3) Daher ist die Einbeziehung von Kindern in riskante Spiele eine der besten Möglichkeiten der Verletzungsprävention, die wir anbieten können, da ihre Erfahrungen zu der Fähigkeit führen, mit Risiken umzugehen.(8)

Was ist ein Risiko? ( edit | edit source )

Im Zusammenhang mit riskantem Spiel wird „Risiko“ als eine Situation verstanden, in der ein Kind eine Herausforderung erkennen und bewerten und sich für eine Handlungsweise und eine Reaktion auf die Herausforderung entscheiden kann. Die negative Auslegung des Begriffs „Risiko“ führte dazu, dass „Risiko“ und „Gefahr“ als gleichbedeutend angesehen wurden.(8) Aus diesem Grund wurde die Verwendung des Begriffs „riskantes Spiel“ als potenziell irreführend kritisiert, und es wurden andere Begriffe wie „neugieriges“ oder „abenteuerliches Spiel“ vorgeschlagen.(5) Ein Risiko ist jedoch nicht unbedingt nur negativ. Man kann es auch als Situation definieren, in der wir zwischen alternativen Handlungsmöglichkeiten wählen müssen, ohne das Ergebnis zu kennen.(8) Kinder eignen sich Bewältigungsmechanismen an, um mit riskanten Situationen umzugehen, indem sie spielerische Methoden zur Bewertung und Bewältigung von Risiken anwenden und sich an Misserfolge und negative Folgen ihrer Entscheidungen anpassen. Dieser Prozess fördert die Resilienz und Selbstständigkeit, da sie Strategien zur Bewältigung und Überwindung riskanter Umstände entwickeln.(9)

Was ist eine Gefahr? ( edit | edit source )

Unter einer „Gefahr“ versteht man eine Gefahrenquelle in der Umgebung, die ein Kind ernsthaft verletzen oder gefährden könnte und die das Kind selbst nicht erkennen kann.(8) Unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes und der körperlichen Fertigkeiten von Kindern, die sich an riskantem Spiel beteiligen, werden Risiken, die eine Gefahr darstellen können, aus der Spielumgebung entfernt, wobei das Alter des Kindes berücksichtigt wird.(8) Es gibt jedoch Situationen, in denen Gefahren nicht ausgeschlossen werden können. In bestimmten Teilen der Welt wachsen Kinder in Kriegsgebieten auf, in denen Landminen eine große Gefahr für ihr Leben darstellen. Ebenso können sie sich in Regionen aufhalten, in denen sie häufig mit wilden oder giftigen Tieren zusammentreffen. Extreme Witterungsbedingungen wie große Hitze oder Kälte, langfristige Gesundheitsrisiken durch Sonneneinstrahlung und Luftverschmutzung können ebenfalls dazu führen, dass ein Kind nicht mehr uneingeschränkt im Freien spielen kann. Darüber hinaus können je nach gesellschaftlichem Kontext ein intensiverer Straßenverkehr oder sogar mehr Gewalt zu einem unsicheren Umfeld beitragen, das die Freiheit der Kinder limitiert, uneingeschränkt im Freien zu spielen.

Aufsicht durch Erwachsene ( edit | edit source )

Erwachsene als Aufsichtspersonen sind beim riskanten Spiel wichtig. Es wird davon ausgegangen, dass ein höheres Maß an Überwachung zu einer geringeren Verletzungsrate führt.(1)(10) Erwachsene können die Rolle von Coaches und Mentoren übernehmen und Kinder in ihren Entscheidungsprozessen unterstützen, wenn sie sich beim Spielen in Grenzbereiche ihrer Ängste wagen. Indem man Kindern die Möglichkeit gibt, Entscheidungen über Handlungen zu treffen, die ein Verletzungsrisiko mit sich bringen, und ihnen gleichzeitig einen fürsorglichen Erwachsenen zur Seite stellt, um die möglichen Folgen zu erkunden, erweitert sich ihr Verständnis für das Funktionieren der Welt. Dies fördert ihre Entwicklung zu unabhängigen und fähigen Entscheidungsträgern.

Die Art und Weise, wie Betreuer und Erwachsene Kinder beaufsichtigen, ist in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich und wird von ihnen beeinflusst. Die Wahrnehmung und Bewertung des Risikos einer Situation durch den beaufsichtigenden Erwachsenen beeinflusst die Risikobereitschaft des Kindes im Spiel.(1)(9) Selbst wenn die Aufsichtsperson die Vorteile des herausfordernden Spiels für die Gesundheit und die Entwicklung des Kindes anerkennt, können die im jeweiligen Land gültigen Rechts- und Gesundheitsvorschriften die Möglichkeit von Kindern behindern, sich an riskantem Spiel zu beteiligen.(9) Die gesetzlichen Vorschriften sind von Land zu Land unterschiedlich und dienen in der Regel dazu, schwere Verletzungen zu vermeiden.(9) Sie können jedoch unterschiedlich ausgelegt und durchgesetzt werden, da sie auch von der lokalen Kultur beeinflusst werden. So wird beispielsweise berichtet, dass Luftverschmutzung, Kindesmissbrauch und Gerichtsverfahren in Skandinavien selten sind und daher mit der liberalen Haltung dieser Länder gegenüber riskantem Spiel im Freien in Verbindung gebracht werden. Die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten und gleichzeitig anregende Aktivitäten zu ermöglichen und ein Umfeld zu schaffen, das die physische und psychische Entwicklung fördert, ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die beaufsichtigenden Erwachsenen, die sich aber lohnt. Das bedeutet, dass die Aufsichtspersonen manchmal auch ihre eigenen Risikogrenzen überschreiten müssen.(1)

Förderliche Umgebungen für riskantes Spiel ( edit | edit source )

Kinder sind körperlich aktiver, wenn sie in eine risikoreiche, spielfördernde Umgebung mit losen Teilen eingeführt wurden.(10) Abenteuerliche Spielplätze im Freien ermöglichen die Verwendung natürlicher Elemente (Bäume, Hecken, Baumstämme, kleine Hügel, Sand, Gras, Erde oder Rindenhäcksel) und loser Teile (Gummireifen, Milchkisten, Kabelspulen, Bretter).(5) Durch den Bau eines Reifenspielplatzes erhöhte sich die Zeit, in der die Kinder aktiv spielten, von 16 % auf 39 %. Es wurde beobachtet, dass Kinder auf Abenteuerspielplätzen deutlich mehr Zeit verbringen (75 Minuten) als auf herkömmlichen Spielplätzen mit vorgefertigten Strukturen (21 Minuten).(10) Die Möglichkeit, Zugang zu herausfordernden, anregenden und abwechslungsreichen Spielumgebungen zu haben, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Kinder sich auf riskantes Spiel einlassen. Wenn Kinder beispielsweise Zugang zu kletterbaren Elementen haben, ist es wahrscheinlich, dass sie die Möglichkeit zum Klettern wahrnehmen und an ihre eigenen Grenzen gehen, um diese zu überwinden.(1) Wenn Kinder an keinen ausreichend herausfordernden Aktivitäten teilnehmen können, suchen sie Berichten zufolge Herausforderungen in anderen Bereichen des physischen Umfelds, was manchmal sogar zu unangemessener Risikobereitschaft führt.(9)

Ethische Herausforderungen des riskanten Spiels ( edit | edit source )

Riskantes Spiel kann für Erwachsene eine ethische Herausforderung darstellen, da sie in der Lage sind, den Umfang der Aktivitäten und des Spiels der Kinder zu beeinflussen. Sie setzen die Grenzen dafür, was Kinder tun dürfen und was nicht. Erwachsene haben eine ethische Verantwortung dafür, dass Kinder sich ausreichend mit sinnvollem und abenteuerlichem Spiel beschäftigen können, aber auch für die möglichen Folgen dieser Aktivitäten.

Die allgemeine ethische Herausforderung besteht darin, ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen dem Loslassen und der Vermeidung von Schaden zu finden. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen zwei ethischen Erwägungen, nämlich Gutes zu tun (Fürsorge) und nicht zu schaden (Schadensvermeidung). Die erste ethische Perspektive zielt darauf ab, in verantwortungsvoller Weise positive und erbauliche Erfahrungen für Kinder zu schaffen, während die zweite darauf abzielt, die Kinder in verantwortungsvoller Weise vor Schaden zu bewahren. Die Beurteilung einer Situation, in der ein riskantes Spiel stattfindet, hängt von einem angemessenen Gleichgewicht zwischen diesen beiden ethischen Perspektiven durch den beaufsichtigenden Erwachsenen ab. Die Ethik des riskanten Spiels umfasst die Aufgabe, Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv mit Risiken vertraut zu machen und daraus zu lernen, allerdings unter einigermaßen sicheren Bedingungen. Bei der ethischen Beurteilung einer riskanten Spielsituation sollte der betreuende Erwachsene die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Schadens und dessen Schweregrad berücksichtigen. Bei der Risikobewertung sollten sowohl der kurzfristige Nutzen und Schaden als auch die langfristigen Folgen berücksichtigt werden. Es könnte sein, dass das Passivhalten von Kindern zwar kurzfristig zu weniger Schäden führt, aber dennoch langfristig schädlich für ihre Entwicklung sein kann: Indem wir systematisches Wissen darüber erlangen, was die Entwicklung von Kindern hemmt und fördert, kann dieses Wissen dazu beitragen, ein informiertes Gleichgewicht zwischen widersprüchlichen ethischen Perspektiven herzustellen, die durch einen Denkprozess darüber, was gesunde und gute Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern sind, in Einklang gebracht werden können.(11)

Der betreuende Erwachsene kann zunächst eine moralische Intuition haben, was die richtige Entscheidung ist, und diese könnte durch eine ethische Analyse überprüft werden. Die erste Reaktion auf eine schwierige Frage – darf das Kind auf den Baum klettern? – beruht manchmal auf dem Bauchgefühl, das bei ethischen Entscheidungsprozessen helfen kann.(12) Ein weiterer Aspekt der ethischen Analyse der Entscheidungsfindung in einer riskanten Situation ist die Abwägung der Vor- und Nachteile und das Nachdenken über mögliche Alternativen. Selbst unter einigermaßen sicheren Bedingungen kann das Spielen von Kindern zu Verletzungen führen – und das Risiko, eine bestimmte Aktivität zuzulassen, könnte dem Kind durchaus akzeptabel erscheinen. Aber aus irgendeinem Grund oder „moralischem Pech“ ging es schief. Infolgedessen kann der betreuende Erwachsene Gefahr laufen, moralischer Kritik und Verurteilung ausgesetzt zu werden. Mitunter kann ein negatives Ergebnis die Bewertung dessen, was eine Person getan oder unterlassen hat, beeinflussen. Das können Situationen sein, in denen die Leitung einer Therapiepraxis, eines Kindergartens oder einer Schule auf eine harte Probe gestellt wird und ihre Mitarbeiter moralisch schützen und unterstützen muss. Praktiker können Diskussionen untereinander und mit Eltern und Erziehungsberechtigten über die Vorteile des riskanten Spiels und ein angemessenes Risikoniveau bei den Aktivitäten, zu denen Kinder ermutigt werden, fördern. Durch ethische Reflexion können wir Missverständnisse ausräumen, genaue Gründe für die Ablehnung anderer Beteiligter ermitteln, unseren Standpunkt argumentativ begründen und Lösungen finden, um eine vielfältige Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen (moralischen) Standpunkten gemeinsam handlungsfähig zu halten.(11)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

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  2. 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 Tangen S, Olsen A, Sandseter EB. A GoPro look on how children aged 17–25 months assess and manage risk during free exploration in a varied natural environment. Education Sciences. 2022 May;12(5):361.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 Sandseter EB. Characteristics of risky play. Journal of Adventure Education & Outdoor Learning. 2009 Jun 24;9(1):3-21.
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  5. 5.0 5.1 5.2 Caprino F. When the risk is worth it: the inclusion of children with disabilities in free risky play. 2018 Feb 20;40–7.
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  7. Digital Future Commision . 2021 Available from: https://digitalfuturescommission.org.uk/wp-content/uploads/2021/11/A-Vision-of-Free-Play-in-a-Digital-World.pdf
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  10. 10.0 10.1 10.2 Brussoni, M., Gibbons, R., Gray, C., Ishikawa, T., Sandseter, E.B.H., Bienenstock, A., Chabot, G., Fuselli, P., Herrington, S., Janssen, I. and Pickett, W., 2015. What is the relationship between risky outdoor play and health in children? A systematic review. International journal of environmental research and public health, 12(6), pp.6423-6454.
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  12. Sturm A, Ager AL, Roth R. Western ideals and global realities–physiotherapists’ views on factors that play a role in ethical decision-making: an international qualitative analysis. European Journal of Physiotherapy. 2022 Dec 13:1-3.


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