Knochenmarkläsionen

Einleitung(edit | edit source)

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Knochenmarkläsionen (KML) sind schmerzhafte Veränderungen des subchondralen Knochens, die auf eine wiederholte Mikroschädigung der Gelenkoberfläche zurückzuführen sind. KMLs können die Folge von degenerativen, metabolischen, entzündlichen, traumatischen und neoplastischen Prozessen sein.(1)(2)

Knochenmarkläsionen (KML) sind ein Befund im MRT.

  • KMLs können in jedem Knochen des Körpers vorkommen.
  • Sie können bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten.
  • Sie wurden erstmals 1988 beschrieben und zunächst als Knochenmarködem (Bone Marrow Edema – BME) bezeichnet.(3)
  • Der Begriff „Ödem“ wurde verwendet, weil man dachte, dass es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Knochenmark handelt. Später stellte sich heraus, dass es sich histologisch gesehen nicht um ein Ödem, sondern um eine Vielzahl verschiedener Faktoren handelt. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde der Begriff „Knochenmarkläsion“ anstelle des Knochenmarködems verwendet.(4) In der Radiologie wird weiterhin der Begriff „Knochenmarködem“ genutzt, und die beiden Begriffe können austauschbar verwendet werden.

Histopathologie(edit | edit source)

Über die genaue Histopathologie von KMLs gibt es nur wenige Untersuchungen. Bei der Untersuchung von KMLs wurden umgestaltete Trabekel, Knochenmarkfibrosierung, Knochenmarkblutungen, Einwachsen von fibrovaskulärem Gewebe und lymphozytäre Infiltrate festgestellt.(5)(4)

Befunde bei radiologischen Untersuchungen ( edit | edit source )

Typische Befunde einer subchondralen Fraktur: (A) koronale T1-gewichtete Sequenz, (B) koronale T2-gewichtete, fettunterdrückte Sequenz und (C) sagittale T2-gewichtete, fettunterdrückte Sequenz. Ausgedehntes Knochenmarködem, gekennzeichnet durch geringe Signalintensität auf T1-gewichteten und hohe Signalintensität auf T2-gewichteten Magnetresonanzbildern (Sternchen) mit einer linearen Erscheinung mit geringer Signalintensität im subchondralen Bereich (Pfeil). Wiedergegeben aus: Bonadio MB, Ormond Filho AG, Helito CP, Stump XM, Demange MK. Bone marrow lesion: image, clinical presentation, and treatment. Magnetic resonance insights. 2017 Apr

Eine KML ist im MRT zu sehen. Eine KML ist auf einer T1-gewichteten Sequenz als hypodenses (helles) Areal und auf eine T2-gewichteten Sequenz als hyperdenses (dunkles) Areal zu erkennen. Sie haben keine klar definierten Ränder und sind in der Lage, die Grenzen zwischen anatomischen Strukturen zu überschreiten.(4) Fettunterdrückte T2-gewichtete Sequenzen werden oft vorgeschlagen, um KMLs am besten zu identifizieren.(3)

Erkrankungen, die mit KMLs einhergehen ( edit | edit source )

KMLs sind ein Befund im MRT. Um die Ursache der Knochenmarkläsion zu diagnostizieren, müssen die klinische Vorgeschichte und die Symptome des Patienten berücksichtigt werden.(6)

In Eriksens (2015) Artikel über KMLs wird beschrieben, dass KMLs bei den folgenden Erkrankungen auftreten können:(4)

Klinische Bedeutung von KMLS ( edit | edit source )

Die klinische Bedeutung von KMLs ist nicht genau bekannt. In der Literatur wird allmählich ein möglicher Zusammenhang zwischen KMLs, Schmerzen und Funktion aufgezeigt.(6) Studien deuten darauf hin, dass das Vorhandensein von KMLs das Risiko eines Knorpelverlustes sowie die Entwicklung von Knieschmerzen erhöhen kann.(7). Röntgenbefunde wie Osteophyten und der Verlust des Gelenkspalts werden üblicherweise zur Diagnose von Arthrose verwendet. Knochenmarkläsionen sind möglicherweise ein früher klinischer Befund der Arthrose. Es wurde vorgeschlagen, dass Knochenmarkläsionen möglicherweise ein Frühindikator für Arthrose sein könnten und dass gezielte Maßnahmen zur Behandlung der Knochenmarkläsionen zum Erhalt des Gelenkknorpels führen könnten.(6)

Behandlung von KMLs ( edit | edit source )

Die Behandlung der KMLs ist kompliziert, da ihre genaue Ätiologie nicht vollständig geklärt ist. Es gibt kein Konsens über standardisierte Behandlungsprotokolle für KMLs. Die Behandlung richtet sich oft eher nach der Grunderkrankung, den Symptomen und der funktionellen Präsentation.(8) Es wurden zahlreiche Studien durchgeführt, in denen die Wirkung verschiedener Modalitäten auf Knochenmarkläsionen untersucht wurde. Sie haben zumeist gezeigt, dass Interventionen funktionelle und symptomatische Veränderungen bewirken können, aber nicht immer das Erscheinungsbild von KMLs im MRT beeinflussen.(4)

Chirurgische Eingriffe

Chirurgische Verfahren wie die Anbohrung (auch „Core decompression“, Kerndekompression genannt) wurden an der Hüfte mit unterschiedlichen Ergebnissen eingesetzt.(3) (4) Neuere Techniken wie die Subchondroplastie, bei der ein Knochenersatzmaterial aus Kalziumphosphat in die Trabekel injiziert wird, sind vielversprechend, müssen aber noch weiter erforscht werden.(3)

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Es zeigte sich, dass ESWT das Auftreten von KMLs sowohl an der Hüfte als auch am Knie reduzieren kann.(4)(9)

Eine 2018 veröffentlichte RCT hat eine interessante Evidenz dafür erbracht, dass die ESWT möglicherweise eine wirksame Behandlungsstrategie zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bei Menschen mit Kniegelenksarthrose darstellt.(9)

Entlastung

Die Idee hinter dem Ansatz der Entlastung basiert auf der Tatsache, dass KMLs durch wiederholte Mikrotraumata entstehen. Eine Entlastung des Gelenks sollte demnach die Rückbildung der Läsion fördern. Dies wurde in der Literatur bisher jedoch nicht ausreichend belegt. In einer aktuellen Studie wurde die Verwendung eines Gehstocks zur potenziellen Entlastung des Knies bei Patienten mit medialer tibiofemoraler Arthrose untersucht. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Verwendung eines Stocks das KML-Volumen im Vergleich zur Nichtverwendung eines Stocks nicht verringert.(10)

Übungen

Eine Studie untersuchte KMLs und zwei Formen der Übungstherapie bei Kniearthrose. Die Studie kam zu dem Schluss, dass körperliche Aktivität beiden Arten von Patienten zugute kommt, d. h. sowohl Patienten mit als auch ohne KMLs, und dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen gab. Sie stellten jedoch fest, dass Krafttraining bei Patienten mit KML die Schmerzen wirksamer reduzieren kann. Dies könnte bei der Erstellung individueller Behandlungspläne für Patienten hilfreich sein. Die Stichprobengröße war sehr gering, so dass weitere Untersuchungen erforderlich sind.(8)

Medikamentöse Behandlung

Sowohl Bisphosphonate als auch Prostazykline haben sich als geringfügig vorteilhaft erwiesen, wenn es um die Verbesserung der Schmerzen bei KMLs geht. Die Ergebnisse der verschiedenen Studien sind widersprüchlich und zeigen oft mehr Erfolg in frühen Krankheitsstadien. Bislang gibt es keinen Konsens über den Wirkmechanismus dieser Medikamente, und es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Zusätzliche Ressourcen ( edit | edit source )

KML im MRT aufgrund von migratorischer Osteoporose

KML im MRT aufgrund einer Osteochondrosis dissecans

Referenzen(edit | edit source)

  1. Munsch MA, Safran MR, Mai MC, Vasileff WK. Bone marrow lesions: etiology and pathogenesis at the hip. Journal of Hip Preservation Surgery. 2020 Aug;7(3):401-9.
  2. Gobbi A, Dallo I, Frank RM, Bradsell H, Saenz I, Murrel W. A review of bone marrow lesions in the arthritic knee and description of a technique for treatment. Journal of Cartilage & Joint Preservation. 2021 Sep 1;1(3):100021.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 Bonadio MB, Ormond Filho AG, Helito CP, Stump XM, Demange MK. Bone marrow lesion: image, clinical presentation, and treatment. Magnetic resonance insights. 2017 Apr 12;10:1178623X17703382.
  4. 4.0 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 Eriksen EF. Treatment of bone marrow lesions (bone marrow edema). BoneKEy reports. 2015;4.
  5. Xu L, Hayashi D, Roemer FW, Felson DT, Guermazi A. Magnetic resonance imaging of subchondral bone marrow lesions in association with osteoarthritis. InSeminars in arthritis and rheumatism 2012 Oct 1 (Vol. 42, No. 2, pp. 105-118). WB Saunders.
  6. 6.0 6.1 6.2 Marcacci M, Andriolo L, Kon E, Shabshin N, Filardo G. Aetiology and pathogenesis of bone marrow lesions and osteonecrosis of the knee. EFORT open reviews. 2016 May;1(5):219-24.
  7. Alliston T, Hernandez CJ, Findlay DM, Felson DT, Kennedy OD. Bone marrow lesions in osteoarthritis: what lies beneath. Journal of Orthopaedic Research®. 2018 Jul;36(7):1818-25.
  8. 8.0 8.1 Beckwée D, Vaes P, Raeymaeckers S, Shahabpour M, Scheerlinck T, Bautmans I. Exercise in knee osteoarthritis: do treatment outcomes relate to bone marrow lesions? A randomized trial. Disability and rehabilitation. 2017 Aug 28;39(18):1847-55.
  9. 9.0 9.1 Kang S, Gao F, Han J, Mao T, Sun W, Wang B, Guo W, Cheng L, Li Z. Extracorporeal shock wave treatment can normalize painful bone marrow edema in knee osteoarthritis: a comparative historical cohort study. Medicine. 2018 Feb;97(5).
  10. Van Ginckel A, Hinman RS, Wrigley TV, Hunter DJ, Marshall CJ, Duryea J, Melo L, Simic M, Kasza J, Robbins SR, Wallis JA. Effect of cane use on bone marrow lesion volume in people with medial tibiofemoral knee osteoarthritis: randomized clinical trial. Osteoarthritis and cartilage. 2019 May 21.


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