Originale Autorin – Mariam Hashem
Top-Beitragende – Mariam Hashem, Kim Jackson, Jess Bell, Nupur Smit Shah, Ewa Jaraczewska, Tony Lowe, Tarina van der Stockt, Rachael Lowe, Simisola Ajeyalemi, Olajumoke Ogunleye, Robin Tacchetti und Lucinda hampton
Der Tennisellenbogen,auch bekannt als laterale Epikondylitis oder laterale Epikondylopathie, wird beschrieben als Schmerz und Empfindlichkeit über dem Epicondylus lateralis humeri.(1)(2) Der Tennisellenbogen ist die häufigste Ursache für Schmerzen am lateralen Ellenbogen.(1) Er betrifft 1-10 % der Allgemeinbevölkerung. Die Krankheit tritt typischerweise zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf, wobei kein Unterschied zwischen den Geschlechtern berichtet wird. (3)
Rauchen, Übergewicht, manuelle Tätigkeiten, die eine wiederholte Belastung der Handgelenkextensoren erfordern sowie Tennisspielen gelten als Risikofaktoren für einen Tennisellenbogen. (4)
Der Tennisellenbogen hat große Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Teilhabe an Arbeit, Sport und Freizeitaktivitäten. Bei 30 % der Patienten mit Tennisellenbogen sind Fehlzeiten bei der Arbeit dokumentiert. (5)
Obwohl Tennisspieler nur 5-10 % der vertretenen Fälle ausmachen, ist der Begriff „Tennisellenbogen“ unter Physiotherapeuten, Allgemeinärzten und Patienten bekannter als der der lateralen Epikondylitis.(6)
Obwohl bis zu 90 % der Fälle selbstlimitierend sind, erholen sich nicht alle Betroffenen vollständig, und die Schmerzen und Beschwerden können bis zu einem Jahr anhalten. Beim Tennisellenbogen kommt es häufig zu einem Rezidiv, etwa 72 % nach einer Kortikosteroidinjektion, verglichen mit 9 % bei einer „abwartenden“ Behandlung,(7) und etwa 5 % der Fälle müssen operiert werden.(4)
Die laterale Epicondylitis wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren verursacht, darunter mechanische Überlastung und psychosoziale Einflüsse wie Stress und Angst.(8)(9)(10)(11) Forscher haben ein multifaktorielles Modell vorgeschlagen, das zur Entstehung von Schmerzen und Behinderungen beiträgt, wobei psychologische Faktoren, zentrale Sensibilisierung und/oder andere durch das ZNS vermittelte Faktoren eine Rolle bei der Entstehung und Prognose der Erkrankung spielen könnten.(4)
Coombes et al.(12) schlugen ein integratives pathophysiologisches Modell vor, das die Entwicklung des Tennisellenbogens erklärt. Das Modell geht davon aus, dass ein Zusammenspiel von lokaler Sehnenpathologie, Veränderungen im Schmerzsystem und Beeinträchtigungen im motorischen System die Ursache für den Tennisellenbogen sind. Dies könnte sich auf die klinischen Entscheidungen und die Forschung auswirken, um die Eigenschaften der Erkrankung zu verstehen und die Einteilung der Patienten in Subgruppen zu erleichtern.
Aus histologischer Sicht ähneln die erhöhte Zellularität, die Anhäufung von Grundsubstanz, die Desorganisation des Kollagens und die Neovaskularisation bzw. die Einsprosssung von Nerven und Gefäßen tatsächlich jeder anderen (12)
Das Vorhandensein von neurochemischen Schmerzmediatoren ist offensichtlich und wird als einer der Faktoren angesehen, die zu der reduzierten Schmerzschwelle beim Tennisellenbogen beitragen.(12)
Muskelschwäche tritt beim Tennisellenbogen ebenfalls auf. Das schmerzfreie Greifen ist im Vergleich zur nicht betroffenen Seite um etwa 60 % reduziert.(12) In einer anderen Studie wurde eine beidseitige Schwäche festgestellt,(9)(13) und eine weitere Arbeit berichtete über eine Schwäche der gesamten oberen Extremität mit Ausnahme der metakarpophalangealen Muskulatur.(14) Der letzte Befund deutet darauf hin, dass Patienten mit Tennisellenbogen die Kraft der Fingerextensoren beibehalten oder steigern können, um die Schwäche der Handgelenkextensoren zu kompensieren.(12) Tennisspieler mit einem Tennisellenbogen hatten signifikant weniger ECRB-Aktivität während der frühen Beschleunigungsphase, dafür aber mehr beim Ballaufprall im Vergleich zu unverletzten Spielern. Es lag auch eine geringere Aktivität des ECRB bei der isometrischen Extension des Handgelenks und beim Greifen vor, was sich umkehrte, als sich die Symptome verbesserten. Dies lässt auf einen Zusammenhang zwischen neuromuskulärer Aktivität und Symptomen schließen. (15)
„Die zentrale Sensibilisierung ist der Mechanismus, der dem noziplastischen Schmerz zugrunde liegt, und führt zu einer übermäßigen Reaktion auf schmerzhafte Reize (Hyperalgesie) oder zu Schmerzen bei Reizen, die normalerweise keine Schmerzen verursachen (Allodynie).“(16)
Mechanische Hyperalgesie und Kältehyperalgesie sind beim Tennisellenbogen eindeutig.(17) Der Clinical Ice Pain Test (etwa: „klinischer Eisschmerztest“) ist ein einfacher Test, mit dem Kliniker die Schmerzempfindlichkeit untersuchen können. Eine Schmerzintensität von mehr als 5/10 auf der VAS-Skala nach 10 Sekunden Eisanwendung deutet mit 90%iger Wahrscheinlichkeit auf eine Kältehyperalgesie hin. (18)
Eine zentrale Sensibilisierung (CS) kann klinisch festgestellt werden, indem zunächst eine gründliche Anamnese erhoben und die LANSS-Schmerzskala verwendet wird. Es gibt einige Informationen aus der Anamnese, die sich auf das Vorhandensein einer CS beziehen, wie z. B.: Überempfindlichkeit gegen helles Licht, Berührung, Lärm, mechanischen Druck, Medikamente und Temperatur. Manchmal berichten Patienten, dass es ihnen unangenehm ist, ihren Partner zu umarmen, oder dass sie in Gebäuden eine Sonnenbrille tragen, was bei der Erkennung von CS hilfreich sein kann. Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwellungsgefühl (z. B. in den Extremitäten), Kribbeln und Taubheitsgefühl können Hinweise auf eine CS sein, wenn eine nicht vorhandene CS ausgeschlossen wird. Bei Vorliegen eines dieser Symptome können Kliniker die Schmerzschwelle, die Berührungsempfindlichkeit bei der manuellen Palpation, die Vibrationsempfindlichkeit, die Wärmeempfindlichkeit und die Kälteempfindlichkeit an vom symptomatischen Bereich entfernten Stellen weiter untersuchen. Außerdem sollten die Druckschmerzschwellen (Pressure Pain Thresholds, PPTs) während und nach der Übung/Training, das artikuläre Endgefühl und der Provokationstest des Plexus brachialis untersucht werden.( (18)
Provokationstests sind die am häufigsten verwendete Methode zur Diagnose des Tennisellenbogens. Dies kann durch Palpation des lateralen Epikondylus, durch Extension des Handgelenks, des Zeigefingers oder des Mittelfingers gegen Widerstand (Maudsley-Test) und durch die Aufforderung zum Greifen eines Gegenstandes geschehen.(4) Der Mill-Test und der Cozen-Test können ebenfalls in die Untersuchung einbezogen werden.(4)(19)
Das Bewegungsausmaß von Ellenbogen, Handgelenk und Unterarm sollte ebenso untersucht werden wie die akzessorische Bewegung des Radioulnar-, Radiohumeral- und Humeroulnargelenks, um eine zugrundeliegende Steifigkeit oder Einschränkung zu erkennen. Bei der Untersuchung sollte auf Anzeichen einer Ellenbogeninstabilität geachtet werden, wie z. B. Knacken/Klicken, Kontrollverlust und Schwierigkeiten bei der Liegestütze mit supiniertem Unterarm.(4)
Der posterolaterale Schubladentest mit Rotation kann bei Verdacht auf Instabilität eingesetzt werden, die möglicherweise durch Bildgebung weiter untersucht werden muss.(4)
Bei Arm- oder Nackenschmerzen sollten die Hals- und Brustwirbelsäule sowie der Nervus radialis untersucht werden.(4)
Auch die Untersuchung der Körperhaltung und der motorischen Kontrolle sollte in Betracht gezogen werden, um den kinematischen Einfluss zu verstehen und etwaige Anomalien in der Behandlung anzugehen.(4)
Die Ergebnismessungen für den Tenisellenbogen können patientenberichtet oder leistungsbasiert sein.
Der Test der schmerzfreien Griffkraft ist eine leistungsbasierte Ergebnismessung, für die in der Literatur verschiedene Testpositionen beschrieben werden, darunter die Position im Stehen mit vollständig gestrecktem Ellenbogen in neutraler Pronation/Supination. Er ist eine zuverlässige und sensitive Messung zur Überwachung des klinischen Verlaufs.(20) Es ist jedoch zu beachten, dass die maximale Griffkraft beim Tennisellenbogen nicht immer beeinträchtigt ist und der Test die Symptome verschlimmern kann.
Die Patient Rated Tennis Elbow Evaluation (PRTEE) ist eine gute und validierte Ergebnismessung, um Schmerzen und Behinderungen zu kategorisieren und um Verbesserungen zu verfolgen. Sie ist teil eines Core-Outcome-Sets für die laterale Ellenbogentendinopathie.(20)(21)
Die Patientenspezifische Funktionsskala (PSFS) ist eine weitere validierte und zuverlässige Ergebnismessung, mit dem die Behinderung bei funktionellen Aktivitäten im Allgemeinen erfasst werden kann.(4) Der Patient wird gebeten, den aktuellen Schwierigkeitsgrad jeder einzelnen Aktivität auf einer 11-Punkte-Skala zu bewerten. Nach der Intervention wird der Patient erneut gebeten, die zuvor ermittelten Aktivitäten zu bewerten.
Die Diagnose des Tennisellenbogens kann für Kliniker eine Herausforderung darstellen, da er ähnliche klinische Symptome wie andere Pathologien aufweist, z. B. unspezifische Armschmerzen, Arthrose, Radialtunnelsyndrom und Einklemmung des Ramus interosseus posterior des N. radialis. Die Differenzierung zwischen Tennisellenbogen und anderen Erkrankungen ist entscheidend, um die am besten geeigneten Behandlungsmöglichkeiten zu verschreiben oder den Patienten an einen entsprechenden Spezialisten zu überweisen.(4)
In einer Literaturübersicht wurde Folgendes zusammengefasst: (4)