Assessment und Fragebögen für Kinder mit Schmerzen

Originale Autorin – Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Tracy Prowse

Top-BeitragendeRobin Tacchetti, Naomi O’Reilly, Kim Jackson, Jess Bell und Tarina van der Stockt

Chronischer Schmerz ( edit | edit source )

Schmerzen, die länger als drei Monate andauern, gelten als chronisch. Bei Kindern mit chronischen Schmerzen kann es zu Störungen bei sozialen, schulischen und Freizeitaktivitäten kommen, die funktionelle und emotionale Belastungen verursachen. Als Reaktion auf chronische Schmerzen kann es auch zu Veränderungen im Schlaf, in der Stimmung und im Angstniveau kommen.(1)

Faktoren, die den Schmerz beeinflussen ( edit | edit source )

Die zuverlässigste und genaueste Methode zur Schmerzerfassung bei Kindern ist die Selbstauskunft, die jedoch mit einigen Herausforderungen verbunden ist. Schmerzen werden durch Entwicklungsfaktoren beeinflusst, und die soziokulturellen, psychologischen und biologischen Eigenschaften des Kindes müssen verstanden werden. Die Anwendung des biopsychosozialen Modells hilft den Klinikern, das Schmerzverständnis eines Kindes, die Art, wie es den Schmerz beschreibt und wie es mit seinen Schmerzen umgeht anzuerkennen. Diese Eigenschaften verändern sich ständig und sind nicht statisch, während das Kind wächst und sich entwickelt.(2)

Freund et al.(2) haben vier Faktoren aufgelistet, die bei der Beurteilung der Schmerzäußerung eines Kindes zu berücksichtigen sind:

  1. Stand der kognitiven Entwicklung: Hiervon hängt ab, wie ein Kind die Ursachen und Auswirkungen von Schmerzen wahrnimmt. Sehr junge Kinder können Schmerzen nicht verstehen, aber sie können sie erleben und sich an sie erinnern. Mit zunehmendem Alter reift das Verständnis für Schmerzen.(2)
  2. Angst und frühere schmerzhafte Erfahrungen: Die früheren Schmerzerfahrungen eines Kindes können beeinflussen, wie es auf künftige schmerzhafte bzw. potenziell schmerzhafte Ereignisse reagiert. Erhöhte Angstwerte bei Kindern korrespondieren mit einem höheren Maß an geäußerten Schmerzen, anhaltenden Schmerzen, Ängsten, Vermeidungsverhalten und Behinderungen.(2)
  3. Gesellschaftliche Erwartungen, stereotype Annahmen und familiäre kulturelle Normen: Kinder lernen durch die Beobachtung der Reaktionen ihrer Eltern, wie sie Schmerzen erleben, bewältigen und beschreiben können. Die Reaktionen von Eltern und Betreuern werden von gesellschaftlichen Stereotypen und Erwartungen geleitet.(2)
  4. Verankerungseffekte: Diese treten auf, wenn die „Anker“ (die Extremwerte einer Skala) den Schweregrad der selbstberichteten Schmerzen eines Kindes beeinflussen. Zum Beispiel können Skalen verschiedene Zahlen, Farben, Bilder usw. verwenden, um Zustände wie Schmerz oder kein Schmerz zu beschreiben. Ein Kind kann diese abstrakten Skalen nicht leicht verstehen. Daher neigt es dazu, auf der Grundlage früherer Erfahrungen zu entscheiden, was zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen führen kann.(2) Beispiele hierfür sind:
    1. Fröhliches vs. trauriges Gesicht – ein Kind hat vielleicht Schmerzen, fühlt sich aber glücklich und wählt daher das fröhliche Gesicht; oder das Kind hat vielleicht keine Schmerzen, fühlt sich aber traurig und wählt daher das traurige Gesicht
    2. Hohe Zahl vs. niedrige Zahl – ein Kind könnte seine Lieblingszahl wählen
    3. Eine Farbe, die den Schmerz darstellt, im Vergleich zu einer anderen Farbe, die keinen Schmerz darstellt – das Kind könnte seine Lieblingsfarbe wählen(2)

Assessment(edit | edit source)

Schmerzfragebögen können verwendet werden, um ein ganzheitliches Bild des Kindes zu erhalten und zu verstehen, was es erlebt. Im Idealfall ergibt sich aus der Anamnese des Kindes und der Eltern ein umfassenderes Bild von den Lebenserfahrungen des Kindes.(2) Wirksame Assessmentinstrumente sind notwendig, um eine erfolgreiche Behandlung zu ermöglichen.

Schmerzfragebögen ( edit | edit source )

Fear of Pain Questionnaire Child and Parent (FOPQ-C und FOPQ-P):

  • Die Angst vor Schmerzen erhöht die Schmerzwahrnehmung und vermindert die Funktionsfähigkeit. Andererseits ermöglicht das Ausbleiben von schmerzbedingter Angst dem Kind, seine täglichen Routineaktivitäten fortzusetzen, und verringert die Wahrscheinlichkeit von emotionalen Nebenwirkungen. Mit diesem spezifischen Instrument kann der Kliniker Symptome ermitteln, die mit Vermeidungsverhalten und der Angst vor Schmerzen zusammenhängen könnten.(1)

Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI):

  • Mit diesem Selbstbericht-Fragebogen wird die allgemeine Schlafqualität eines Kindes erfasst. Die Verwendung offener Fragen dient dazu, die möglichen Ursachen von Schlafproblemen zu ermitteln und die Entscheidungsfindung in der Behandlung zu unterstützen.(3)

Central Sensitisation Inventory (CSI):

  • Mit diesem Instrument wird ermittelt, wie empfindlich das Nervensystem ist. Wenn das zentrale Nervensystem in höchster Alarmbereitschaft ist, kann es die Empfindlichkeit eines Kindes gegenüber verschiedenen Dingen des Alltags wie hellem Licht oder starken Gerüchen erhöhen. Mit dem Fragebogen über zentrale Sensibilisierung sollen Bereiche ermittelt werden, in denen das Kind zwar erhöht empfindlich ist, die es aber möglicherweise nicht mit seinen Schmerzen in Verbindung gebracht hat.(4)

Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS):

  • Depressionen folgen oft auf Ängste. Dieser Fragebogen misst Depressionen und Ängste und ist ein schnelles, einfaches und leicht zu verwendendes Instrument.(5)

Revised Child and Anxiety Scale (RCADS):

  • Dieser Selbstbericht-Fragebogen ist ein weiteres Instrument zur Messung von Depressionen und Ängsten bei Kindern und Jugendlichen.

Adverse Childhood Questionnaire:

  • Dies ist ein frei verfügbares Instrument, mit dem festgestellt werden kann, ob ein Trauma oder traumatische Erfahrungen den Schmerz eines Kindes beeinflusst haben.(4)

Resilience Questionnaire:

  • Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Widrigkeiten umzugehen.(6) Dieser Fragebogen befasst sich mit der Resilienz angesichts von Stressoren in verschiedenen Bereichen einschließlich Selbst, Gleichaltrige, Schule, Familie und Gemeinschaft.(7)

Highly Sensitive Child Questionnaire:

  • Wenn das Nervensystem übermäßig beschützend ist, kann es übermäßig sensibel sein. Diese Eigenschaft kann sich positiv auswirken, da sie die Kinder auf die Welt um sie herum einstimmt. Allerdings muss sie im Zaum gehalten werden, damit sie nicht zu einer Überempfindlichkeit gegenüber der Umwelt führt. Dieser Fragebogen enthält Fragen, die dem Kind helfen sollen, herauszufinden, ob es von Natur aus hochsensibel ist.(4)

Körperliche Untersuchung ( edit | edit source )

Nach Durchsicht der Fragebögen und der Anamnese wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der Bewegungsausmaß, Kraft, Sensibilität und funktionelle Mobilität untersucht werden. Darüber hinaus ist es wichtig, zu erfassen, ob es eine zugrunde liegende Erkrankung gibt, die zu den Schmerzen beiträgt, wie z. B. juvenile idiopathische Arthritis, Lupus, benignes Hypermobilitätssyndrom der Gelenke oder jede Art von Spondylarthropathie. Wenn Einschränkungen festgestellt werden, ist es wichtig herauszufinden, zu welchen Aktivitäten das Kind zurückkehren möchte und welche Fähigkeiten oder Tätigkeiten es gerne ausüben würde. Die Verwendung des Wertesystems des Kindes für die Zielsetzung und die Behandlungsplanung trägt dazu bei, die Erfolgswahrscheinlichkeit der Rehabilitation zu erhöhen.(4)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Romariz JA, Nonnemacher C, Abreu M, Segabinazi JD, Bandeira JS, Beltran G, Souza A, Torres IL, Caumo W. The Fear of Pain Questionnaire: psychometric properties of a Brazilian version for adolescents and its relationship with brain-derived neurotrophic factor (BDNF). Journal of pain research. 2019;12:2487.
  2. 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 Freund D, Bolick BN. CE: Assessing a child’s pain. AJN The American Journal of Nursing. 2019 May 1;119(5):34-41.
  3. Faulkner S, Sidey-Gibbons C. Use of the Pittsburgh Sleep Quality Index in people with schizophrenia spectrum disorders: a mixed methods study. Frontiers in psychiatry. 2019 May 9;10:284.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Prowse, T. Assessment and Questionnaire Course. Plus. 2022
  5. Stern AF. The hospital anxiety and depression scale. Occupational medicine. 2014 Jul 1;64(5):393-4.
  6. del Carmen Pérez-Fuentes M, Jurado MD, Martín AB, Rubio IM, Linares JJ. Validation of the Resilience Scale for Adolescents in High School in a Spanish Population. Sustainability. 2020;12(7):1-1.
  7. Gartland D, Bond L, Olsson CA, Buzwell S, Sawyer SM. Development of a multi-dimensional measure of resilience in adolescents: the Adolescent Resilience Questionnaire. BMC medical research methodology. 2011 Dec;11(1):1-0.


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