Anpassung der Kommunikation an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen

Originale Autorin Robin Tacchetti basierend auf dem Kurs von Marissa Fourie
Top-BeitragendeRobin Tacchetti und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Eine patientenzentrierte Versorgung kann erreicht werden, wenn eine offene Kommunikation zwischen Leistungserbringer im Gesundheitswesen, Patienten und ihren Familien besteht. Dieser Prozess ermutigt und fordert Patienten und ihre Familien auf, sich aktiv an gesundheitsbezogenen Entscheidungen zu beteiligen. Durch eine offene Kommunikation werden die Würde und die Rechte der Patienten geachtet, was zu positiven Ergebnissen bei der Versorgung und einer besseren Wahrnehmung der Versorgungsqualität führt.(1)

Eine wirksame Kommunikation beginnt damit, dass die Leistungserbringer Respekt zeigen und das Vertrauen ihrer Patienten gewinnen. Gegenseitiges Verständnis und Offenheit sind wichtig für den Aufbau einer Beziehung. Es kann sein, dass ein Leistungserbringer seinen Kommunikationsstil im Laufe des Tages ändern muss, da er mit vielen verschiedenen Patientengruppen zu tun hat. Bei einigen Bevölkerungsgruppen kann es erforderlich sein, dass die Leistungserbringer flexibler und geduldiger bei der Interaktion sind:

  • Kinder
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Behinderungen
  • Menschen mit Hörbehinderungen
  • Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
  • Menschen mit psychischen Problemen
  • Menschen, die eine andere Sprache sprechen(2)

Leistungserbringer müssen bei der Arbeit mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Kulturen zeigen, dass sie zu einer kultursensiblen Kommunikation fähig sind. Dies trägt dazu bei, gegenseitigen Respekt und ein Verständnis für die Überzeugungen, Werte, Vorlieben und die Kultur des anderen aufzubauen, um eine kultursensible Versorgung zu fördern. Kliniker müssen die Bedürfnisse eines Patienten durch verbale und nonverbale Kommunikation erkennen. Ohne eine kultursensible Versorgung sind die Patienten und ihre Familien wahrscheinlich weniger zufrieden mit ihrer Betreuung, und es besteht die Gefahr von Kommunikationsfehlern, schlechter Therapietreue und schlechteren Gesundheitsergebnissen.(3)

Damit Leistungserbringer effektiv mit Patienten jeglicher Herkunft kommunizieren können, müssen sie in der Lage sein, Folgendes zu tun:

  1. Ihre Fragestrategien anpassen
  2. Für den Patienten verständlich sein
  3. Patienten in einer würdigen, respektvollen und höflichen Art und Weise zu behandeln, unabhängig davon, wer sie sind und wo sie im Leben stehen(4)

Fragestrategien ( edit | edit source )

Beim ersten Kontakt mit einem Patienten müssen Leistungserbringer oft viele Fragen stellen, um die notwendigen Informationen für eine optimale Versorgung zu erhalten. Fragen können auf unterschiedliche Art gestellt werden:

  1. offene Fragen: erfordern einen Satz als Antwort
  2. geschlossene Fragen: zur Überprüfung einer Information
  3. vertiefende Fragen („Probing“): explizites Hinterfragen; können entweder offen oder geschlossen sein, mit der Absicht, mehr Informationen über ein Thema herauszufinden
  4. Kontrollfragen: dienen dazu, zu überprüfen, ob der Patient verstanden hat, was gesagt wurde(4)

Für die Erfassung von medizinischen Informationen werden offene Fragen dringend empfohlen. Offene Fragen führen zu langen Erzählungen, kurzen Antworten oder Listen. Sie können allein oder zusammen mit geschlossenen Fragen verwendet werden, die eine Ja- oder Nein-Antwort erfordern.(5) Wir sollten jedoch darauf achten, Suggestivfragen zu vermeiden. Suggestivfragen sind so formuliert, dass sie die von uns gewünschte oder erwartete Antwort fördern.(4)

Kliniker können eine Kombination von Fragestrategien anwenden, um Informationen zu erhalten. Fragen lassen sich laut Heritage und Robinson (2006) in fünf Kategorien einteilen:

  1. Allgemeine Fragen (Typ 1): z. B. „Was kann ich heute für Sie tun?“, „Was führt Sie her?“
    • diese Fragen ermöglichen es den Patienten, ihre Sorgen mit ihren eigenen Worten und Begriffen zu beschreiben
  2. Fragen mit einer Anmerkung zur Bestätigung (Typ 2): z. B. „Das klingt so, als ob Sie Schmerzen hätten, oder?“
    • diese sind für eine Ja/Nein-Antwort formatiert, können aber eine weitere Ausführung der Antwort zur Folge haben
  3. Bestätigende (oder überprüfende) Fragen zu Symptomen (Typ 3): z. B. „Seit einer Woche haben Sie also nächtliche Schmerzen?“
    • Bestätigung der konkreten Symptome
  4. „Wie geht es Ihnen“-Fragen (Typ 4): z.B. „Wie geht es Ihnen?“
    • es geht dabei mehr um allgemeine Einschätzungen als um genaue Beschreibungen der Probleme
  5. Anamnesefragen (Typ 5): z. B. „Welche Medikamente nehmen Sie?“
    • geschlossene Fragen; Ja/Nein-, Lückentext-, Multiple-Choice-Fragen(6)(7)

** Allgemeine Fragen (Typ 1) werden in der Praxis am häufigsten verwendet. Diese Fragen führen in der Regel zu längeren Erläuterungen des Problems und verbessern die Patientenzufriedenheit.(6)

Verständlichkeit(edit | edit source)

Nachdem der Leistungserbringer durch seine Fragestrategie Informationen vom Patienten erhalten hat, muss er dem Patienten den Versorgungs- bzw. Behandlungsplan mitteilen. Bei der Erläuterung der Interventionsmöglichkeiten sollte sich der Leistungserbringer an diese drei Regeln halten:

  1. Verwenden Sie keinen Jargon oder Fachbegriffe, da diese den Patienten davon abhalten könnten, Fragen zu stellen, was möglicherweise zu schlechteren Ergebnissen führt.
  2. Erklären Sie klinische Informationen mit Schwerpunkt auf den Erfahrungen der Patienten und weniger auf theoretischen Konzepten.
  3. Verwenden Sie Bilder und/oder Videos, um komplexe Konzepte zu erklären.(4)

** Da jeder Patient einzigartig ist, müssen Leistungserbringer in der Lage sein, ihren Kommunikationsstil anzupassen, wenn sie medizinische Terminologie und Interventionstechniken erläutern.

Sprachliche Barriere ( edit | edit source )

Wenn es eine Sprachbarriere gibt, kann es für den Leistungserbringer und den Patienten sehr schwierig sein, effektiv zu kommunizieren. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit sprachlichen Barrieren einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und schlechtere Gesundheitsergebnisse erzielen. Wenn sie Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, sind sie in der Regel weniger gut über ihre Diagnosen informiert, weniger zufrieden mit ihrer Gesundheitsversorgung und haben mehr Komplikationen im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten.(8)

Wenn es Sprachbarrieren gibt, werden professionelle Dolmetscher/Übersetzer oder Sprachdienste empfohlen. Apps wie „Google Translate“ können bei einfachen Fragen helfen, sind aber nicht zuverlässig, wenn es um Details der Anamnese geht. Am besten vermeiden Sie es, ein Familienmitglied oder einen Freund mit dem Dolmetschen zu beauftragen, da diese die Informationen möglicherweise uminterpretieren oder bearbeiten, um Konflikte zu vermeiden oder Familienmitglieder zu schützen. Außerdem sind die Patienten möglicherweise weniger mitteilsam, wenn ihre Familienangehörigen dolmetschen.(9)(3)

Respekt(edit | edit source)

Der Aufbau von Vertrauen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Kommunikation zwischen Leistungserbringern, Patienten und ihren Familien. Vertrauen entsteht durch einen respektvollen Umgang, der sich flexibel auf die Praktiken, Überzeugungen und Bedürfnisse der Patienten einstellt. Diese Eigenschaften zeigen die Bereitschaft des Leistungserbringer, zu helfen und zu lernen.(3) Als Leistungserbringer ist es wichtig, die emotionalen, spirituellen und kulturellen Bedürfnisse des Patienten/der Familie und deren Einfluss auf die Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.(10) Die interkulturelle Kommunikation kann durch die Anwendung des LEARN-Modells verbessert werden:

  1. Listen – Zuhören: Eine bescheidene und neugierige Haltung kann Verständnis und Vertrauen fördern
  2. Explain – Erläutern: Teilen Sie Ihre Sichtweise des Gesundheitsproblems mit und seien Sie sich bewusst, dass der Patient es aufgrund seiner Kultur oder seines ethnischen Hintergrunds anders verstehen könnte
  3. Acknowledge – Anerkennen: Identifizieren Sie Übereinstimmungen und Unstimmigkeiten und versuchen Sie zu bestimmen, ob die Glaubenssysteme eines Patienten zu einem therapeutischen Dilemma führen könnten
  4. Recommend – Empfehlen: Einen Interventionsplan für den Patienten und die Familie entwerfen/vorschlagen
  5. Negotiate – Aushandeln: gemeinsam mit dem Patienten und der Familie einen Behandlungsplan erstellen, der kulturell relevante Ansätze beinhaltet und die Vorstellungen des Patienten und der Familie von Gesundheit berücksichtigt(9)

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Kwame A, Petrucka PM. A literature-based study of patient-centered care and communication in nurse-patient interactions: barriers, facilitators, and the way forward. BMC nursing. 2021 Dec;20(1):1-0.
  2. Iedema R, Greenhalgh T, Russell J, Alexander J, Amer-Sharif K, Gardner P, Juniper M, Lawton R, Mahajan RP, McGuire P, Roberts C. Spoken communication and patient safety: a new direction for healthcare communication policy, research, education and practice?. BMJ Open Quality. 2019 Sep 1;8(3):e000742.
  3. 3,0 3,1 3,2 Brooks LA, Manias E, Bloomer MJ. Culturally sensitive communication in healthcare: A concept analysis. Collegian. 2019 Jun 1;26(3):383-91.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Fourie, M. Adapting Communication to Different Populations. Plus. 2023
  5. Weller SC, Vickers B, Bernard HR, Blackburn AM, Borgatti S, Gravlee CC, Johnson JC. Open-ended interview questions and saturation. PloS one. 2018 Jun 20;13(6):e0198606.
  6. 6.0 6.1 Abe T, Nishiyama J, Kushida S, Kawashima M, Oishi N, Ueda K. Tailored opening questions to the context of using medical questionnaires: Qualitative analysis in first‐visit consultations. Journal of General and Family Medicine. 2023 Mar;24(2):79-86.
  7. Heritage J, Robinson JD. The structure of patients‘ presenting concerns: physicians‘ opening questions. Health communication. 2006 Mar 1;19(2):89-102.
  8. Al Shamsi H, Almutairi AG, Al Mashrafi S, Al Kalbani T. Implications of language barriers for healthcare: a systematic review. Oman medical journal. 2020 Mar;35(2):e122.
  9. 9.0 9.1 Ladha T, Zubairi M, Hunter A, Audcent T, Johnstone J. Cross-cultural communication: Tools for working with families and children. Paediatrics & Child Health. 2018 Feb 15;23(1):66-9.
  10. Bogetz J, Rosenberg A, Curtis JR, Creutzfeldt CJ. Applying an adaptive communication approach to medical decision making. Journal of Pain and Symptom Management. 2020 Jan 1;59(1):e4-7.


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