Aktivitäten des täglichen Lebens bei Menschen mit Rückenmarksverletzung

Originale Autorin Wendy Oelofse

Top-Beitragende Jess Bell, Ewa Jaraczewska und Kim Jackson

Einleitung(edit | edit source)

Die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADLs) können in persönliche und instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens unterteilt werden. Zu den persönlichen Aktivitäten des täglichen Lebens (PADLs) gehören die Fähigkeiten, die zur Bewältigung der körperlichen Bedürfnisse erforderlich sind, z. B. Körperpflege und -hygiene, Ankleiden, Toilettengang und Kontinenz, Transfer und Gehen sowie Essen.(1) Zu den instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADLs) gehören komplexere Aufgaben, die mit der Fähigkeit verbunden sind, unabhängig in der Gemeinschaft zu leben, z. B. Aufgaben im Haushalt, in der Freizeit, bei der Versorgung eines Kindes, beim Einkaufen sowie bei der Verwaltung von Finanzen und Medikamenten.(2)

Für die Planung der Rehabilitation und die Langzeitpflege von Patienten mit Rückenmarksverletzungen ist es wichtig zu wissen, inwieweit sie in der Lage sind, alltägliche Aktivitäten auszuführen. Die funktionellen Beeinträchtigungen sind bei Menschen mit Rückenmarksverletzungen sehr unterschiedlich und können sich unterschiedlich auf die Lebensqualität auswirken.(2) Einige Studien deuten darauf hin, dass Rückenmarksverletzungen für eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und funktionelle Einschränkungen verantwortlich sind. Weitere Faktoren, die die Lebensqualität beeinflussen, sind die Schmerzintensität, die Verletzungshöhe und der Bildungsstand.(2)(3)

Dieser Artikel enthält zusätzliche Hinweise für den Plus-Kurs von Wendy Oelofse über ADLs, Selbstversorgung und Wohnraumanpassungen für Menschen mit Rückenmarksverletzungen.

Aktivitäten des täglichen Lebens (ADLs) ( edit | edit source )

Verletzungshöhen und ausgewählte ADLs ( edit | edit source )

Freihändiges Trinksystem

Essen und Trinken ( edit | edit source )

C1-4:

  • Volle Unterstützung beim Essen
  • Selbstständig mit Hilfsmitteln beim Trinken
    • Beispiel: Freihändiges Trinksystem

C5:

  • Einrichtung von Hilfsmitteln für das Essen
    • Beispiel: Tetraschlaufe (U-Cuff) und Extensionsschiene für das Handgelenk
  • Selbstständig mit Hilfsmitteln beim Trinken
    • Beispiele: Anbringen von Haken an Trinkflaschen oder -bechern, Hinzufügen eines Strohhalms, wenn die Flasche oder der Becher nicht hoch genug angehoben werden kann

C6 und C7:

  • Selbstständig mit Hilfsmitteln beim Essen:
    • Beispiele: Tenodesegriff, Verwendung einer Tetraschlaufe, kann auch Besteck mit Ringen verwenden und ist möglicherweise in der Lage, das Besteck zwischen den Finger einzuklemmen
  • Selbstständig beim Trinken:
    • Beispiele: Tenodesegriff oder Haken verwenden. Vorsicht ist geboten, um Verbrennungen zu vermeiden, wenn ein heißes Getränk gehalten wird

C8-T1:

  • Selbstständig beim Essen und Trinken
  • Kann mit normalem Besteck auskommen oder benötigt eventuell verstärkte Griffe

Körperpflege(edit | edit source)

C1-4:

  • Vollständige Unterstützung bei der Körperpflege

C5:

  • Mäßige Unterstützung bei einigen Aufgaben der Körperpflege mit Tetraschlaufe und Handgelenksschiene, da keine aktive Dorsalextension am Handgelenk möglich ist

C6-7:

  • Selbstständig bei den meisten Aufgaben der Körperpflege mit Tetraschlaufe oder Einklemmen bzw. Einfädeln der Utensilien zwischen den Fingern
  • Verwenden Sie den Tenodesengriff, um kleine Gegenstände zu halten, während das Handgelenk in Dorsalextension ist; verwenden Sie den Tenodesengriff eher nicht bei schwereren Gegenständen, da er dafür zu schwach ist

C8-T1:

  • Selbstständig bei allen Aufgaben – für einige Aufgaben sind möglicherweise Griffe erforderlich

An- und Auskleiden(edit | edit source)

C1-4:

  • Unterstützung bei allen Aspekten des Ankleidens, aber eine Betreuungsperson kann angewiesen werden, welche Kleidung getragen werden soll

C5:

  • Kann die Arme in die Ärmel stecken, braucht aber im Allgemeinen Unterstützung bei allen anderen Aspekten des Ankleidens

C6:

  • Kann in allen Bereichen des Ankleidens selbständig werden, benötigt aber viel Übung und Anpassungen an einigen der Kleidungsstücke

C7-C8:

  • Selbstständig mit Übung

Duschen(edit | edit source)

C1-4:

  • Unterstützung bei allen Aspekten des Waschens – kann jedoch selbständig Anweisungen geben

C5:

  • Kann einige Körperteile mit Hilfsmitteln waschen und einen angepassten Handbrausekopf halten, um den Körper abzuspülen, benötigt aber im Allgemeinen Unterstützung bei allen anderen Aspekten des Waschens

C6:

  • Kann mit viel Übung, geeigneten Hilfsmitteln und einer Umgebung, die die Selbständigkeit fördert, in allen Bereichen des Waschens selbständig werden

C7-C8:

  • Selbstständig mit Übung

Toilettengang(edit | edit source)

C1-C6/C7:

  • Normalerweise wird ein suprapubischer Katheter verwendet, aber einige Männer mit einer Verletzung auf Höhe C6/7 können lernen, sich selbst zu katheterisieren

Unterhalb von T1:

  • Normalerweise intermittierender Selbstkatheterismus
    • Bitte beachten Sie, dass Frauen für die Selbstkatheterisierung auch ein gutes Gleichgewicht benötigen und dass andere Faktoren wie Spastizität und Körperform ebenfalls ihre Fähigkeit zur Selbstkatheterisierung beeinflussen können.
  • Um den Erfolg des intermittierenden Selbstkatheterismus zu gewährleisten, müssen unter anderem folgende Fertigkeiten geübt werden:
    • Anziehen im Rollstuhl
    • Händewaschen/Praxis der guten Handhygiene

Blasenmanagement:

Die folgenden Probleme müssen gelöst werden:

  1. Harnverhalt – kann den Schließmuskel der Blase nicht kontrollieren, kann also nicht auf Kommando entleeren – es kommt zu unwillkürlichem Harnverlust
  2. Kann nicht spüren, wann entleert werden muss / wann die Blase voll ist

Lösung: Routinemäßiges Entleeren der Blase mit einer geeigneten und sicheren Methode.

Darmmanagement:

In diesem Artikel werden die Leitlinien für die Behandlung von neurogenen Darmstörungen bei Rückenmarksverletzungen vorgestellt.(4)

Sehen Sie sich dieses Video an, um mehr über Hilfsmittel zu erfahren, die Patienten mit Handschwäche helfen, ihr Darmprogramm erfolgreich zu bewältigen.

(5)

Druckmanagement ( edit | edit source )

Repositionierungstechniken: sollten alle 15-30 Minuten durchgeführt werden, wobei eine geeignete Technik anzuwenden ist.

Das Vorwärtslehnen ist die Position, die normalerweise bei der Druckentlastung eingenommen wird, und sie ist die Position, die wir empfehlen.

Das Seitwärtslehnen kann schwierig sein, und die Armlehne kann die Bewegungsfreiheit einschränken, so dass diese Technik in der Regel nur von Personen mit tiefem Querschnitt benutzt wird.

Die Druckentlastung im Push-up (Liegestütz) wird nicht empfohlen, da sie die Schultern beeinträchtigen kann und nicht immer zur Druckentlastung ausreicht.

C1-C5:

  • Unterstützung wird bei der Druckentlastung durch die Technik des Vorwärtslehnens benötigt
  • Ein Kippen des Elektrorollstuhls zur Druckentlastung kann selbständig durchgeführt werden, der Rollstuhl muss aber um mindestens 50 Grad kippbar sein
  • Berücksichtigen Sie den Bereich der Kippfähigkeit bei der Bestellung eines Elektrorollstuhls für einen Patienten mit hoher Tetraplegie
  • Eine Betreuungsperson kann einen Rollstuhl auch manuell nach hinten kippen, um den Druck zu entlasten

Auch die Repositionierung (Umlagern) im Bett ist wichtig, selbst wenn Luftmatratzen verwendet werden. Personen mit Rückenmarksverletzungen sollten alle zwei Stunden repositioniert werden.

Beispiele für Unterlagen mit Druckumverteilung sind:

  • Matratze
  • Rollstuhlkissen
  • gepolsterte Unterlage für die Toilette

Kommunikation(edit | edit source)

C1-4:

  • Einsatz der erhaltenen Funktion von Kopf, Hals, Mund und Stimme sowie von Hilfsmitteln:
    • Beispiele hierfür sind Mundmaus, Mund- oder Kopfstab, Freisprecheinrichtung, Headset, Touchscreen, Befestigungssystem für den Rollstuhl und Krankenhausbett
  • Kann Dokumente unterschreiben, indem ein Stift mit dem Mund gehalten werden. Kann die Seiten mit einem Mundstab umblättern, wenn das Dokument oder Buch auf einem geeigneten Lesepult liegt

C5-7:

  • Nutzt funktionelle Fertigkeiten mit Hilfe von Hilfsmitteln:
    • Beispiele hierfür sind die Verwendung einer Tetraschlaufe und einer Schreibschiene (für eine Person mit einer C6/7-Rückenmarksverletzung), eine Freisprecheinrichtung, große Tasten am Telefon, ein Touchscreen, ein Headset, ein Band (um zu verhindern, dass das Telefon herunterfällt); ein Stift oder eine Fingerschiene zur Verwendung mit dem Touchscreen, ein Haken am Telefon, um das Telefon am Ohr zu befestigen (heutzutage nicht mehr so üblich, da sich die Technologie stark verbessert hat)

C8:

  • Kann im Allgemeinen ohne Hilfsmittel auskommen, benötigt eventuell Verstärkungen an den Schreibgeräten
  • Fähig, einen Computer zu benutzen; eine Anpassung an den Computer ist nicht erforderlich, jedoch können Alternativen zu Maus und Tastatur in Betracht gezogen werden
  • Kann Tipphilfen, Mund- oder Kopfstäbe verwenden
  • Kann eine Diktiersoftware in Betracht ziehen

Instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (IADLs) ( edit | edit source )

Haushaltsaufgaben ( edit | edit source )

C6:

  • Kann selbständig leichte Haushaltsaufgaben durchführen(6)

C7:

  • In der Lage, Haushaltsaufgaben mit wenigen Hilfsmitteln zu erledigen, um ein unabhängiges Leben zu führen(6)

Empfehlen Sie Personen mit Rückenmarksverletzungen für eine bessere Unterstützung bei den Haushaltsaufgaben ggf. folgende Anpassungen:(1)

  • Bei eingeschränkter Handfunktion kann ein Besen/Mopp/Wischmopp mit Hakenöse am Stiel verwendet werden. Darin kann der Daumen eingehakt werden, um den Griff zu erleichtern.
  • Bei eingeschränkter Handfunktion kann bei einer Sprühflasche der Hebel mit der Handfläche gedrückt werden
  • Um das Bad zu reinigen kann ein Scheuerschwamm mit einem Stock verwendet werden
  • Reinigungsmittel können zusammen in einem Korb aufbewahrt werden, der auf den Schoß gestellt werden kann

Alltag mit Kind(edit | edit source)

Um die Aufgaben des Elternseins zu erfüllen, kann eine Person mit einer Rückenmarksverletzung von der folgenden Anleitung profitieren.

Transportieren und Tragen des Kindes ( edit | edit source )

  • Denken Sie an Gleichgewicht, Körperhaltung, Druckveränderungen auf dem Rollstuhlkissen, Sicherheit und Transfers. Achten Sie bei der Verwendung von Babyschalen auf eine Verschlimmerung von Schulter- und Rückenschmerzen
  • Achten Sie bei der Verwendung von Tragehilfen, Tragetüchern und Beckengurten darauf, dass Sie diese öffnen und schließen können
  • Erwägen Sie alternative Methoden des Tragens
  • Achten Sie beim Umsetzen des Babys darauf, dass Sie so nah wie möglich an der Fläche stehen, um die Stabilität und Sicherheit zu erhöhen und das Verletzungsrisiko zu verringern
  • Legen Sie das Kissen auf Ihren Schoß, um ein Kind zu tragen
  • Wenn Sie das Baby auf den Boden absetzen, stützen Sie die Ellbogen auf die Knie. Wenn Sie Ihre Ellenbogen und Knie belasten, entsteht eine Hebelwirkung und mehr proximale Stabilität
  • Verwenden Sie einen Rollstuhlgurt mit Klettverschluss, um das Baby beim Transport zu sichern.

Autositze: Verwenden Sie leichte, drehbare Autositze und ein Werkzeug zum Lösen der Schnallen

Kinderwagen: Erwägen Sie leichte, adaptive, rollstuhlgerechte Kinderwagen

Füttern(edit | edit source)

Flaschennahrung

  • Adaptive Flaschenhalter
  • Spezielle Still-, Arm- oder Fütterungskissen
  • Fläschchenwärmer
  • Überlegungen zum Aufstoßen/Bäuerchen
  • Befestigen Sie einen Flaschenhalter am Rollstuhl

Positionierung beim Stillen

  • Halb liegend, auf der Seite liegend, sitzend
  • Verwendung von Lagerungskissen

Füttern von festen Lebensmitteln

  • Überlegungen zum Kinderstuhl
    • Höhe, Tragbarkeit, Gurte/Sicherungsmöglichkeiten, Möglichkeit, das Kind in einen Kinderstuhl zu setzen
    • Schnallen Sie zum Füttern eine Sitzerhöhung/Kindersitz auf einen Barhocker

Überlegungen zum Aufstoßen/Bäuerchen

  • Es gibt drei Möglichkeiten, ein Baby aufstoßen zu lassen
    • Traditionelles „Bäuerchen“ machen über die Schulter
    • Das Baby sitzt auf dem Schoß der Betreuungsperson und lehnt sich über die Hand der Betreuungsperson
    • Legen Sie Ihr Baby auf Ihren Schoß und klopfen Sie ihm sanft auf den Rücken
    • Je nach den Fähigkeiten der Betreuungsperson kann der Therapeut mit ihr zusammenarbeiten, um herauszufinden, welche Position am besten geeignet ist
    • Diese Positionen werden in dem folgenden Video gezeigt

(7)

Windeln wechseln ( edit | edit source )

  • Berücksichtigen Sie die Wickelfläche und die Wickelauflage
  • Ein Esstisch kann als Wickeltisch genutzt werden

An- und Auskleiden(edit | edit source)

  • Schlaufen an Reißverschlüssen anbringen, Klett- oder Magnetverschlüsse verwenden
  • Ein gepolsterter Platz auf dem Schoß kann bei Aufgaben helfen, die vom Rollstuhl aus erledigt werden können, z. B. beim Anziehen

Baden(edit | edit source)

  • Erwägen Sie die Verwendung der Küchenspüle (falls sicher)

Schlafen(edit | edit source)

  • Bei Stubenwagen und Beistellbetten muss die Betreuungsperson nicht mehr das Bett verlassen, um das Baby zu füttern oder zu trösten
  • Erwägen Sie ein Kinderbett, das sich seitlich öffnen lässt
  • Höhenverstellbares/niedriges Kinderbett

Spielen(edit | edit source)

  • Ein Bett kann eine ebene Spielfläche sein
  • Spielzeug mit Schlaufen, Griffen oder Haken

Sicherheit(edit | edit source)

  • Schaffen Sie physische Grenzen
  • Babygitter müssen breit genug sein, damit ein Rollstuhl hindurchfahren kann, und sollten idealerweise keine Schwelle haben.
  • Ziehen Sie bei eingeschränkter Handfunktion magnetische Schrankschlösser in Betracht

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Oelofse W. ADL, Self-Care, and Home Modifications for People With Spinal Cord Injury. Plus Course 2023
  2. 2.0 2.1 2.2 Tien NLB, Thanh VV, Hanh KTH, Anh PG, Huyen LTM, Tu NT, Mai DTN, Toi PL. Quality of Life and Activities of Daily Living among Patients with Complete Cervical Spinal Cord Injury and Surgical Treatment in Vietnam. Int J Environ Res Public Health. 2021 Sep 15;18(18):9703.
  3. Bhattarai M, Smedema SM, Hoyt WT, Bishop M. The role of mindfulness in quality of life of persons with spinal cord injury: a cross-sectional study. Health Qual Life Outcomes 2022; 20 (148).
  4. Kurze I, Geng V, Böthig R. Guideline for managing neurogenic bowel dysfunction in spinal cord injury/disease. Spinal Cord 2022; 60: 435–443.
  5. Craig Hospital. Bowel Management Tools for People with Spinal Cord Injuries. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=4BkdGF0DB8M (last accessed 18/11/2023)
  6. 6.0 6.1 SPINAL CORD INJURY FUNCTIONAL GOALS. Available from https://www.sci-info-pages.com/spinal-cord-injury-functional-goals/ (last access 18.11.2023).
  7. Eugene Pediatric Associates. Burping your baby. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=uuAXZjUgnog (last accessed 6/12/2023)


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