Krafttraining bei Rückenmarksverletzungen

Originale Autorin Naomi O’Reilly

Top-BeitragendeEwa Jaraczewska, Naomi O’Reilly , Kim Jackson , Admin, Jess Bell und Stacy Schiurring

Einführung(edit | edit source)

Kraftmangel ist die erste Beeinträchtigung bei Rückenmarksverletzungen, die von den meisten Physiotherapeuten erkannt wird, und kann sowohl neural induziert sein als auch bei neural intakten Muskeln auftreten. Motorische Aufgaben werden oft durch die Kraft von gelähmten, teilweise gelähmten oder nicht gelähmten Muskeln eingeschränkt. Kraftmangel kann sich wie folgt darstellen:

  • Verringerung der Kraft in neural intakten Muskeln, insbesondere in der akuten Phase einer Rückenmarksverletzung. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Funktion und tritt in der Regel als Atrophie bei Nichtgebrauch oder als unzureichende Kraft für die Anforderungen neuer funktioneller Aufgaben auf.
  • Paralysen/vollständige Lähmungen (vollständige Unterbrechung der absteigenden motorischen Bahnen) oder teilweise Lähmungen (partielle Unterbrechung der absteigenden motorischen Bahnen) führen zu neural bedingter Schwäche oder Kraftverlust.

Krafttraining ( edit | edit source )

Definition(edit | edit source)

Nach dem Oxford Dictionary of Sport Science and Medicine ist Krafttraining jede Übung, die speziell zur Entwicklung von Kraft durchgeführt wird. Dabei wird mit Gewichten trainiert, wobei progressive Widerstandsübungen mit einer maximalen Wiederholungszahl eingesetzt werden, die eine Überlastung des Muskels gewährleistet.(1)

Vorteile(edit | edit source)

Krafttraining, auch als Widerstandstraining bezeichnet, kann als freiwillige Aktivierung der Muskeln gegen einen Widerstand verstanden werden. Es bezieht sich auf jede Form von Übung, bei der Sie gegen einen Widerstand heben oder ziehen, der in Form von Körpergewicht, freien Gewichten, Gerätewiderstand, Powerbands oder einer anderen externen Form von Widerstand erfolgen kann.

Krafttraining kann zahlreiche positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Einzelnen haben. Diese Vorteile sind die Verbesserung der Kraft und die Erhöhung der Festigkeit und Belastbarkeit von Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern. Infolgedessen kann das Auftreten von Sarkopenie verringert werden. Zu den weiteren Vorteilen gehören: verringertes Osteoporoserisiko und erhöhte Knochendichte, verbesserte Gelenkfunktion, erhöhter Stoffwechsel, verbesserte Fitness,(1) und eine verbesserte Herzfunktion. Krafttraining steht in direktem Zusammenhang mit der Verringerung von Schmerzen, Stress und Depressionen, was häufig zu einer geringeren Verletzungsgefahr führt. Ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde auch durch die Reduzierung des Körperfetts, die Senkung des Blutdrucks, die Verbesserung des Cholesterinprofils und die Verringerung der Belastung des Herzens beim Heben einer bestimmten Last festgestellt. Letztendlich kann sich die Lebensqualität von Menschen mit einer Rückenmarksverletzung verbessern.

Techniken(edit | edit source)

Krafttrainingsprogramme steigern schrittweise die Kraftleistung des Muskels durch progressive Erhöhung des Widerstands/Gewichts. Es sollte immer eine Reihe von Übungen (Drücken, Ziehen, Oberkörper, Unterkörper, Rumpf usw.) und Gerätetypen verwendet werden, um bestimmte Muskeln oder Muskelgruppen anzusprechen. Krafttraining ist in erster Linie eine anaerobe Aktivität, obwohl einige Befürworter es so angepasst haben, dass es durch Zirkeltraining oder hochintensives Intervalltraining die Vorteile eines aeroben Trainings bietet.

Die physiotherapeutische Behandlung richtet sich an neural intakte und teilweise gelähmte Muskeln, da bei einer vollständigen Lähmung die absteigenden motorischen Bahnen unterbrochen sind und sich die willkürliche Kraft nicht verbessern kann.

Beurteilung der Kraft ( edit | edit source )

Eine Beurteilung der Muskelkraft wird in der Regel als Teil der objektiven Untersuchung eines Patienten durchgeführt, um den Physiotherapeuten bei seinem klinischen Denken zu unterstützen und ihm zu ermöglichen, einen geeigneten Zeitpunkt für den Beginn des Kraftwiederaufbaus zu bestimmen.

Es gibt manuelle, funktionelle oder mechanische Methoden zur Testung der Muskelkraft. (2)

Manueller Muskelkrafttest ( edit | edit source )

Der manuelle Muskelkrafttest (MMT) ist eine standardisierte Reihe von Tests zur Messung der Muskelkraft und -funktion anhand spezifischer Kriterien und wird in der klinischen Praxis häufig von Physiotherapeuten eingesetzt, die mit Personen mit einer Rückenmarksverletzung arbeiten. Beim manuellen Muskelkrafttest testet der Untersucher die linke und rechte Körperhälfte. Es gibt mehrere manuelle Muskeltestsysteme. Die am häufigsten verwendeten Tests sind die folgenden:

Obwohl manuelle Muskeltests mit einigen Problemen behaftet sind, sind sie dennoch hilfreich, um neurologische Schwächen grob zu erkennen und deutliche neurologische Verschlechterungen oder Verbesserungen festzustellen. Sie werden besonders für Personen mit einer akuten Rückenmarksverletzung empfohlen, wenn die Auswirkungen von Eingriffen wie chirurgischen Dekompressionen erwartet werden, obwohl sie weniger sensibel bei der Erkennung von Kraftänderungen mit den Graden 3+, 4 und 4+/5 sein können, wo die handgehaltene Myometrie eine höhere Sensitivität aufweist. Die Ergebnisse der manuellen Muskeltests sind für alle, auch für die Patienten, leicht zu interpretieren. Manuelle Muskeltests weisen eine ausgezeichnete Interrater-Reliabilität (ICC = 0,94) und konvergente Validität auf und können leicht in die klinische Tätigkeit bei der Behandlung von Personen mit Rückenmarksverletzungen integriert werden.(3)

Lesen Sie hier über Manuelle Muskeltests für spezifische Gelenke und Bewegungen.

1 Repetition Maximum ( edit | edit source )

Das Einwiederholungsmaximum (One Repetition Maximum, kurz „1RM“) bezieht sich auf das maximale Gewicht, das ein Patient gegen die Schwerkraft über einen gesamten Bewegungsbereich heben kann. Es hilft bei der Bestimmung der Muskelkraft für Muskelgruppen mit dem Grad 4/5 oder höher. Beim Testen des 1RM wird das Gewicht so lange angepasst, bis der Patient es heben kann, aber nicht mehr als einmal, wobei zwischen den einzelnen Versuchen eine ausreichende Pause eingelegt werden muss, um Erschöpfung zu vermeiden. Bei Muskeln mit Kraftgrad 3/5 kann ein „modifiziertes“ 1RM verwendet werden, indem das Gewicht horizontal bewegt wird, anstatt ein Gewicht gegen die Schwerkraft zu heben, wobei die Extremität oft durch Gleitbrettern oder einer Aufhängung unterstützt wird.

Handgehaltenes Myometer ( edit | edit source )

Myometer, vorwiegend kleine, tragbare, handgehaltene Geräte, entweder mechanisch oder elektronisch, können zur Testung der isometrischen Kraft verwendet werden, die ein Maß für die Kraft, jedoch nicht für das Drehmoment darstellt. Sie bieten zwar eine objektive, quantifizierbare Methode zur Messung der Muskelkraft, doch spiegelt diese nicht unbedingt die Funktion wider. Ein Myometer kann dem manuellen Muskeltest überlegen sein, wenn es darum geht, leichte bis mittelschwere Schwächen und Veränderungen der Muskelkraft, insbesondere in den oberen Extremitäten, zu erkennen. Außerdem wird dadurch eine mögliche Voreingenommenheit des Untersuchers für verschiedene Altersgruppen und Geschlechter ausgeschlossen. Untersucher können Schwierigkeiten haben, Muskeln oder Gelenke von starken Personen zu stabilisieren. Obwohl es schwierig sein kann, die Myometrie bei kräftigeren Personen durchzuführen, insbesondere beim Testen der größeren Muskeln der unteren Extremitäten, können Myometer für Krafttests bei Personen, die Bettruhe halten, nützlich sein. Sie werden hauptsächlich bei Krafttests der oberen Extremitäten nach Rückenmarksverletzungen eingesetzt. Es gibt einige Einschränkungen für die Verwendung bei Personen mit einer Rückenmarksverletzung, da es nicht möglich ist, es bei Muskelgraden von weniger als 3/5 zu verwenden.(3)

Die handgehaltene Myometrie hat eine geringe bis hohe Interrater-Reliabilität (ICC=0,21-0,89). Diese Variabilität kann auf die fehlende Standardisierung der Ausgangsposition und der getesteten Muskeln zurückzuführen sein, zumal die Intrarater-Reliabilität hoch ist (ICC=0,93-0,99). Die Validität war gering bis hoch für Personen mit Paraplegie (Spearman’s r=0.26-0.67) und mäßig bis hoch für Personen mit Tetraplegie (Spearman’s r=0.50-0.95).(4)(5)

Isokinetisches Dynamometer ( edit | edit source )

Ein isokinetisches Dynamometer bietet eine Verhältnis-Skala zur Messung. Darüber hinaus ermöglicht es die Berechnung des Drehmoments bei dynamischen (konzentrischen oder exzentrischen) Kontraktionen mit konstanter Winkelgeschwindigkeit. Diese Geräte können in der Anschaffung teuer sein, sind komplizierter einzustellen, wenn mehrere Muskelgruppen getestet werden sollen, und eignen sich nicht für Personen mit ausgeprägter Schwäche oder für Personen, die auf Bettruhe angewiesen sind.

Muskelantwort auf das Krafttraining ( edit | edit source )

Trainingsempfehlungen ( edit | edit source )

Die Grundprinzipien des Krafttrainings umfassen Wiederholungen, Sätze, Tempo, Art der Übungen und Kraft, um durch Überlastung einer Muskelgruppe die gewünschten Veränderungen bei Kraft, Ausdauer oder Größe zu erreichen. Die spezifischen Kombinationen von Wiederholungen, Sätzen, Übungen, Widerstand und Kraft hängen vom Ziel der Person ab, die die Übung durchführt. Um Muskelmasse und Kraft zu gewinnen, sind mehrere (4+) Sätze mit weniger Wiederholungen und mehr Kraft erforderlich. Durch die Anpassung verschiedener Programme lassen sich unterschiedliche Ergebnisse erzielen, aber die klassische Formel, die vom American College of Sports Medicine empfohlen wird, umfasst Overload (Überlast), Häufigkeit, Intensität, Volumen und Spezifität.

Overload (Überlast)(edit | edit source)

Wenn das Ziel darin besteht, die Kraft der Muskeln zu steigern, sollte die Arbeitsbelastung der Person höher sein als die, der sie normalerweise ausgesetzt ist. Wenn sich der Muskel an eine bestimmte Arbeitsbelastung gewöhnt hat, sollte die Person zu einer höheren Belastung übergehen. Dieser Prozess setzt sich bei jeder Muskelanpassung fort, um eine weitere Kraftsteigerung zu stimulieren. Es sollte regelmäßig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass der Muskel nicht zu stark beansprucht wird, was das Risiko von Übertraining und Überlastungsschäden erhöht. Ein Beispiel ist eine Person mit einer Rückenmarksverletzung, die für ihre Mobilität auf die oberen Extremitäten angewiesen ist und weniger Gelegenheit hat, die oberen Extremitäten nach dem Krafttraining auszuruhen.

Frequenz(edit | edit source)

Die Frequenz bezieht sich auf die Anzahl der Trainingseinheiten pro Zeiteinheit, in der Regel über eine Woche. Die geschätzte Erholungszeit nach einer Krafttrainingseinheit scheint durch die Erholungsrate der Muskelzellen begrenzt zu sein, die länger als 24 Stunden dauert. Ein intensives Krafttraining an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für denselben Muskel wird daher nicht empfohlen. Ein Training der Muskeln, bevor sie sich erholt haben, kann das Risiko eines Übertrainings erhöhen, während ein zu seltenes Training zu einem Untertraining führen kann und möglicherweise keine optimale Antwort hervorruft.

Im Einklang mit den neuen Leitlinien für das Training bei Rückenmarksverletzungen (Spinal Cord Injury Exercise Guidelines) sollten Erwachsene mit einer Rückenmarksverletzung zur Verbesserung der Kraft folgendes Training durchführen:

Krafttraining für jede wichtige, funktionsfähige Muskelgruppe 2 Mal pro Woche

Intensität(edit | edit source)

Die Intensität bezieht sich auf die Menge des Widerstands oder der angehobenen Last. Die Borg-RPE-Skala (Ratings of Perceived Exertion Scale) ist eine Skala, die zur Bestimmung der Trainingsintensität verwendet wird. Sie wird zur Überwachung des Fortschritts und der Art des Trainings bei Patienten in der Rehabilitation und beim Ausdauertraining eingesetzt.

Borg-RPE-Skala Borg-CR10-Skala
Skalenwert Anstrengungsgrad Skalenwert Anstrengungsgrad
6 Überhaupt nicht anstrengend 0 Überhaupt nicht anstrengend
7 Extrem leicht 0.5 Sehr, sehr milde
8 1 Sehr milde
9 Sehr leicht 2 Milde
10 3 Mäßig
11 Leicht 4 Etwas schwer
12 5 Schwer
13 Etwas anstrengend 6
14 7 Sehr schwer
15 Anstrengend (Schwer) 8
16 9 Sehr, sehr schwer
17 Sehr anstrengend 10 Maximal
18
19 Extrem anstrengend
20 Maximale Anstrengung

Auf der Borg-RPE-Skala bedeutet:

  • 9 = entspricht einer „sehr leichten“ Anstrengung, wie bei einer gesunden Person das normale Gehen im eigenen Tempo.
  • 13 = „etwas anstrengend“, man kann bei der Belastung aber gut weitermachen.
  • 17 = „sehr anstrengend“. Eine gesunde Person kann die Belastung noch weitermachen, muss sich aber sehr anstrengen und ist bald erschöpft.
  • 19 = für die meisten Personen ist dies eine sehr anstrengende Belastung, die stärkste, die sie jemals erlebt haben.

Die Empfehlungen für die Intensitätsmessung können durch unterschiedliche Widerstände, die Anzahl und Geschwindigkeit der Wiederholungen und die Pausen zwischen den Sätzen geändert werden. Im Einklang mit den neuen Leitlinien für das Training bei Rückenmarksverletzungen (Spinal Cord Injury Exercise Guidelines) sollten Erwachsene mit einer Rückenmarksverletzung zur Verbesserung der Kraft folgendes Training durchführen:

Kraftübungen für jede wichtige, funktionsfähige Muskelgruppe, mit mäßiger bis höherer Intensität

Volumen(edit | edit source)

Das Volumen bezieht sich auf die Gesamtmenge der während einer Krafttrainingseinheit ausgeführten Arbeit.

Das Volumen einer einzelnen Übung wird nach folgender Formel berechnet:

  • Die Anzahl der Wiederholungen x Anzahl der Sätze x Anzahl der Übungen x Last.

Das Trainingsvolumen einer Woche ist definiert als:

  • Die Anzahl der Trainingseinheiten x die Menge der in diesen Einheiten geleisteten Arbeit.

Im Einklang mit den neuen Leitlinien für das Training bei Rückenmarksverletzungen (Spinal Cord Injury Exercise Guidelines) sollten Erwachsene mit einer Rückenmarksverletzung zur Verbesserung der Kraft mindestens folgendes Training durchführen:

3 Sätze Kraftübungen für jede wichtige, funktionsfähige Muskelgruppe, 2 Mal pro Woche

Spezifität(edit | edit source)

Die Anpassungen, die sich aus dem Training ergeben, hängen direkt mit der Art und Form des Trainings zusammen. Sie sind spezifisch für die Art und Weise, wie das Training strukturiert ist. Ein spezifischeres Training führt zu einer besseren Umsetzung in eine Leistungsverbesserung in dem Bereich, den Sie verbessern wollen. Zum Beispiel findet das Krafttraining mit einer Person mit einer Rückenmarksverletzung im Zusammenhang mit Transfers im Rahmen dieser motorischen Aufgabe statt.

Ein Training mit niedriger Wiederholungszahl ( <5 Wiederholungen) mit hohen Lasten führt zu einer signifikanten Zunahme der Kraft, aber nur zu einer minimalen Zunahme der Muskelgröße.

Ein Training mit mittlerer Wiederholungszahl (6 – 15 Wiederholungen) führt zu einer hohen Zunahme der Muskelgröße, aber zu einer geringeren Zunahme der Maximalkraft als bei niedriger Wiederholungszahl.

Ein Training mit hoher Wiederholungszahl (15 – 30 Wiederholungen) führt zu weniger Maximalkraft als ein Training mit niedrigeren Wiederholungen, aber zu größerer muskulärer Ausdauer.

Anpassungen für das Krafttraining ( edit | edit source )

Geräteanpassung ( edit | edit source )

Verschiedene Active-Hands-Hilfsmittel können Personen mit einer Rückenmarksverletzung dabei unterstützen, Übungen im Fitnessstudio an den Geräten durchzuführen. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für Trainingsgeräte und Active-Hands-Hilfsmittel:

  • Freie Gewichte: Active Hands Greifhilfe, Heavyweights Grip Wrap, Daumenschoner
  • Fitnessgeräte:
    • Latzuggerät/Rudergerät im Sitzen: Active Hands Looped Exercise Aids
  • Seil- und Flaschenzugmaschinen: verschiedene Griffe und Aufsätze
    • Solider Griff und flexibles Band
    • Active Hands D-ring Aids
  • TRX-System
    • Punchbag: Greif Wrap mit Kunststoffschlauch, an dem eine Greifhilfe befestigt ist, die als Handschuh verwendet wird

Schauen Sie sich dieses Video an, in dem verschiedene Geräteanpassungen im Fitnessstudio für Personen mit einer Rückenmarksverletzung erklärt werden:

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Tenodese(edit | edit source)

Die Tenodesefunktion tritt auf, wenn das Handgelenk dorsalextendiert ist und die Finger und der Daumen in die Handfläche flektiert werden. Wenn dann das Handgelenk gebeugt wird, öffnen sich die Finger und der Daumen. Diese Funktion dient der Erleichterung des Greifens bei Tetraplegikern, die das Handgelenk gegen die Schwerkraft strecken können, aber keine aktive Fingerfunktion haben (Motorisches Niveau C6). Es ist von entscheidender Bedeutung, eine Tenodesefunktion zu erlangen, um die Aufgabenausführung zu ermöglichen. Mehr über diese Funktion können Sie hier lesen.

Greifhilfen ( edit | edit source )

Sehen Sie sich dieses Video an, in dem die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten von Greifhilfen für Menschen mit Rückenmarksverletzungen vorgestellt werden:

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Vorsichtsmaßnahmen beim Krafttraining ( edit | edit source )

Zu den Vorsichtsmaßnahmen, die Personen mit einer Rückenmarksverletzung beim Training beachten müssen, gehören unter anderem die folgenden:

  • Das Sturzrisiko kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein: körperlich anstrengende Aktivitäten, die zu einem Sturz führen können; Sicherheit von Trainingsgeräten im Fitnessstudio oder im Freien; begrenztes Wissen über Sturzprävention; körperliche Beeinträchtigungen, die zu einem erhöhten Sturzrisiko beitragen, z. B. Fußheberschwäche; Zugänglichkeit des Fitnessstudios.(8)
  • Risiko der Entwicklung von Druckgeschwüren aufgrund der Zeit, die beim Training in sitzender Position verbracht wird.
  • Veränderung des Blutdrucks beim Training. Der Blutdruck kann:
    • Abfallen (orthostatische Hypotonie) als Folge von Übungen, die oberhalb der Herzhöhe durchgeführt werden, da die Muskelkontraktion, die den Blutfluss zum Herzen unterstützt, beeinträchtigt ist und die Aktivität des sympathischen Systems auf einem Niveau, das sich auf das Herz auswirkt, ausbleibt
    • Ansteigen aufgrund einer radikalen Reaktion des sympathischen Nervensystems auf noxische Reize des Körpers. Dies tritt bei Menschen mit einer Wirbelsäulenverletzung im Bereich der Brustwirbelsäule (T6) und darüber auf. Dieses Problem wird als autonome Dysreflexie bezeichnet, und neben Bluthochdruck können die Symptome auch Kopfschmerzen, Bradykardie, Schwitzen und Kribbeln umfassen. Mehr über die Funktion des sympathischen Nervensystems können Sie hier lesen.
  • Überlastungsschäden, die insbesondere die Schultern und Handgelenke betreffen, da Menschen mit einer Rückenmarksverletzung bei ihren täglichen Aktivitäten auf den Oberkörper angewiesen sind
  • Dysregulation der Körpertemperatur mit der Unfähigkeit, die Körpertemperatur während des Trainings zu regulieren

Ressourcen(edit | edit source)

Physical Activity Recall Assessment for People with Spinal Cord Injury (PARA-SCI) ( edit | edit source )

  • Das Physical Activity Recall Assessment for People with Spinal Cord Injury (PARA-SCI) ist eine Selbsteinschätzung über die körperliche Aktivität von Menschen mit Rückenmarksverletzungen. Es zielt darauf ab, Art, Häufigkeit, Dauer und Intensität der körperlichen Aktivität von Personen mit einer Rückenmarksverletzung zu messen, die einen Rollstuhl als primäres Fortbewegungsmittel benutzen. (In englischer Originalsprache)

ProACTIVE SCI Toolkit ( edit | edit source )

  • Das ProACTIVE SCI Toolkit von SCI Action Canada wurde entwickelt, um Physiotherapeuten bei der Arbeit mit Menschen mit Rückenmarksverletzungen zu helfen, damit sie auch außerhalb der Klinik körperlich aktiv sind. Es handelt sich um eine schrittweise Ressource, die drei übergreifende Strategien verwendet, darunter Aufklärung, Überweisung und Verschreibung, um maßgeschneiderte Strategien zu entwickeln, die sowohl für den Physiotherapeuten als auch für die Person mit einer Rückenmarksverletzung funktionieren. (In englischer Originalsprache)

Active Living Leaders ( edit | edit source )

  • Active Living Leaders besteht aus einer Reihe von Peer-Mentor-Schulungsvideos mit dem Ziel, Menschen zu helfen, die das neueste Wissen über körperliche Aktivität, Sportressourcen und transformative Führungsprinzipien nutzen möchten, um Erwachsene, die mit einer Rückenmarksverletzung leben, zu informieren und zu motivieren, ein aktiveres Leben zu führen. (In englischer Originalsprache)

SCI-U Physical Activity Course for Individuals with Spinal Cord Injury ( edit | edit source )

  • Der SCI-U Kurs für Körperliche Aktivität ist eine Sammlung von modularisierten Trainingseinheiten. Er umfasst Module zu den Themen „Ein aktives Leben führen“, „Wege zur Fitness“, „Barrieren überwinden“ und „Dein Ziel erreichen“. (In englischer Originalsprache)

SCI Action Canada Knowledge Mobilization Training Series ( edit | edit source )

  • Die Knowledge Mobilization Training Series (KMTS) von SCI Action Canada ist eine Sammlung von modularisierten Trainingseinheiten mit dem Ziel, das Wissen über körperliche Aktivität und die Teilhabe von Menschen mit Rückenmarksverletzungen zu fördern. (In englischer Originalsprache) Es umfasst Module zu den Leitlinien für körperliche Aktivität und zur Planung von körperlicher Aktivität.

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 Kent M, Kent DM. The Oxford Dictionary of Sports Science and Medicine. New York: Oxford University Press; 2006.
  2. Porter S. Tidy’s Physiotherapy. Edinburgh: Churchill Livingstone, 2013.
  3. 3.0 3.1 Kahn JH, Tappan R, Newman CP, Palma P, Romney W, Tseng Stultz E, Tefertiller C, Weisbach CL. Outcome Measure Recommendations From the Spinal Cord Injury EDGE Task Force. Physical Therapy. 2016 Nov 1;96(11):1832-42.
  4. Chan CW, Miller WC, Querée M, Noonan VK, Wolfe DL, SCIRE Research Team. The Development of an Outcome Measures Toolkit for Spinal Cord Injury Rehabilitation: Création d’une Trousse de Mesures des Résultats pour la Réadaptation des Personnes ayant subi une lésion de la Moelle épinière. Canadian Journal of Occupational Therapy. 2017 Apr;84(2):119-29.
  5. Bolliger M, Blight AR, Field-Fote EC, Musselman K, Rossignol S, Barthélemy D, Bouyer L, Popovic MR, Schwab JM, Boninger ML, Tansey KE, Scivoletto G, Kleitman N, Jones LAT, Gagnon DH, Nadeau S, Haupt D, Awai L, Easthope CS, Zörner B, Rupp R, Lammertse D, Curt A, Steeves J. Lower extremity outcome measures: considerations for clinical trials in spinal cord injury. Spinal Cord. 2018 Jul;56(7):628-642.
  6. Rob Smith.Disability Gym Workout | The Active Hands Company. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=GyFKvKjGNNs (last accessed 29/11/2021)
  7. General Purpose gripping aid | The Active Hands Company. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=zOdskNzPZko (last accessed 29/11/2021)
  8. Musselman KE, Arnold C, Pujol C, Lynd K, Oosman S. Falls, mobility, and physical activity after spinal cord injury: an exploratory study using photo-elicitation interviewing. Spinal cord series and cases. 2018 Apr 27;4(1):1-0.


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