Behandlungsprinzipien für die Lendenwirbelsäule

Originale Autorin Carin Hunter basierend auf dem Kurs von Nick Rainey
Top-BeitragendeCarin Hunter und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Die Behandlung der Lendenwirbelsäule kann komplex sein. Es kann schwierig sein, zu wissen, wann Sie die Ihnen beigebrachten Techniken anwenden und wie Sie Ihren Plan anpassen sollen, wenn das Ergebnis nicht wie vorhergesagt ist. Bei der Strukturierung einer Befunderhebung und Behandlung können die folgenden Prinzipien hilfreich sein:

  • seien Sie bei Ihrer Befunderhebung und Behandlung so spezifisch wie möglich
  • stellen Sie sicher, dass positive Tests reproduzierbar sind und beobachten Sie, wie sich die Ergebnisse dieser Tests im Laufe der Zeit verändern
  • identifizieren Sie immer die Faktoren, die die Genesung einschränken, und überlegen Sie, wie Sie über Schmerzen sprechen – „Worte sind sehr mächtig“.(1)

Treatment-Based Classification System für Kreuzschmerzen ( edit | edit source )

Alrwaily et al.(2) beschreiben drei Ansätze zur Bestimmung der am besten geeigneten Behandlung bei Kreuzschmerzen: Symptommodulation, Bewegungskontrolle und funktionelle Optimierung. Jeder dieser Ansätze aus dem TBC-System (Treatment-Based Classification) befasst sich mit unterschiedlichen Zeichen und Symptomen, die Sie bei der Befunderhebung feststellen können.

1. Ansatz der Symptommodulation ( edit | edit source )

Der Ansatz der Symptommodulation ist für Patienten mit akuten Kreuzschmerzen gedacht. Diese Schmerzen können neu oder wiederkehrend sein, und die Episode von Kreuzschmerzen führt zu „signifikanten symptomatischen Merkmalen“ für die Person. Daher konzentrieren sich die therapeutischen Interventionen auf die Linderung der Symptome. Die Patienten weisen häufig folgende Symptome auf: Vermeidung bestimmter Körperhaltungen, eingeschränktes/schmerzhaftes aktives Bewegungsausmaß, positive neurologische Tests. Übliche Behandlungen sind manuelle Therapie, Übungen zur direktionalen Präferenz, Traktion oder Ruhe.(2)

2. Ansatz der Bewegungskontrolle ( edit | edit source )

Der Ansatz der Bewegungskontrolle ist für Patienten mit geringen bis mäßigen Schmerzen und Behinderungen, die jedoch Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens haben. Bei diesen Personen kehren die Schmerzen in der Regel auf den Ausgangswert zurück, sobald eine verschlimmernde bzw. provozierende Bewegung beendet ist. Andere Patienten können asymptomatisch sein, berichten aber über wiederkehrende Episoden von Rückenschmerzen, die oft mit einer plötzlichen / unerwarteten Bewegung einhergehen. Diese Patienten haben in der Regel ein volles aktives Bewegungsausmaß, können aber einige Abweichungen in ihren Bewegungsmustern aufweisen. Die Patienten weisen häufig folgende Symptome auf: Beeinträchtigung der Beweglichkeit, Muskelaktivierung und motorischen Kontrolle. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf Stabilisationsübungen.(2)

3. Ansatz der funktionellen Optimierung ( edit | edit source )

Ein Ansatz der funktionellen Optimierung ist für relativ asymptomatische Patienten gedacht, die in der Lage sind, ihre Aktivitäten des täglichen Lebens zu bewältigen, die aber ein höheres Maß an körperlicher Aktivität erreichen wollen/müssen. Dies steht häufig im Zusammenhang mit der Rückkehr zum Sport oder bestimmten beruflichen Anforderungen. Die Schmerzen dieser Menschen werden durch die Ermüdung des Bewegungssystems verstärkt. Die Patienten weisen häufig eine verminderte Ausdauer, Kraft und/oder Leistung ihres Bewegungssystems auf, und eher weniger Defizite in der Flexibilität oder der motorischen Kontrolle. Die therapeutischen Interventionen sollten sich auf die Maximierung der körperlichen Leistungsfähigkeit konzentrieren, um die geforderten körperlichen Aktivitäten auf hohem Niveau zu erreichen (d.h. relevant für den jeweiligen Beruf oder Sport).(2)

Wenn Sie mehr über diese Ansätze erfahren möchten, lesen Sie den Artikel von Alrwaily et al.,(2) der hier verfügbar ist: Treatment-Based Classification System for Low Back Pain: Revision and Update.

Behandlung(edit | edit source)

Es gibt viele verschiedene Behandlungsansätze für Kreuzschmerzen, und alle können zu positiven Ergebnissen führen. Einige Beispiele sind: das Maitland-Konzept, Mechanische Diagnose und Therapie (MDT) (auch bekannt als McKenzie-Methode), Cognitive Functional Therapy(3) (CFT, Peter O’Sullivan(4)), sowie das Movement System Impairment(5)(6) (MSI, Shirley Sahrmann).

Aktives Bewegungsausmaß der Lendenwirbelsäule ( edit | edit source )

Bei Personen mit Kreuzschmerzen kann die Untersuchung des aktiven Bewegungsausmaßes der Lendenwirbelsäule (LWS) viele Hinweise auf mögliche Beeinträchtigungen und Behandlungsmöglichkeiten liefern. Achten Sie auf die folgenden Punkte:

  • Bewegungsmuster
    • Kommt es während der Flexion der LWS zu einer Lateralflexion? Dies könnte auf eine Skoliose hindeuten oder darauf, dass der Patient versucht, Schmerzen in einem bestimmten Bewegungsbereich zu vermeiden.
  • Gowers-Zeichen (d.h. das Abstützen auf den Oberschenkeln bei der Rückkehr in den Stand aus einer flektierten Position)(7)
    • Wenn ein Patient seine Hände benutzt, um nach der LWS-Flexion in die neutrale Position zurückzukehren, kann dies auf eine Schwäche der Rumpfmuskulatur hinweisen
  • Achten Sie immer darauf, woher die Bewegung kommt, und überprüfen Sie auch wiederholte Bewegungen

Weitere Informationen zur Anwendung wiederholter Bewegungen als Intervention finden Sie im Abschnitt „Management“ der McKenzie Methode.

Mögliche Behandlungsoptionen ( edit | edit source )

Ausdauertraining ( edit | edit source )

Laut Chatzitheodorou et al,(8) sollten Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen ermutigt werden, 3 Mal pro Woche mindestens 30 Minuten lang aerob zu trainieren.(8)

Manuelle Therapie ( edit | edit source )

Die Forschung zeigt, dass Thrust-Manipulationen, die sowohl auf steife als auch auf schmerzhafte Segmente abzielen, bei Kreuzschmerzen hilfreich sind.(9) Da alle manuellen Therapien ähnliche Mechanismen haben, kann dieses Prinzip auch für Mobilisationen angewendet werden.(1) Das folgende Video über den Test für akzessorische Bewegungen beschreibt die Untersuchung von steifen und schmerzhaften Segmenten. Diese sollten mit den gleichen Techniken behandelt werden. Nach der Behandlung sollten die „Sternchen“ (Hauptbefunde bzw. vergleichbare Zeichen) aus der Befunderhebung erneut getestet werden, um zu sehen, ob sich der Patient verbessert hat. Ein Sternchen in Bezug auf manuelle Techniken könnte sein, wie steif oder schmerzhaft sich das Segment mit dieser Technik für den Patienten anfühlt oder wie steif es sich für den Therapeuten anfühlt.(9)

Die lumbale Traktion ist eine manuelle Technik, die von vielen Klinikern häufig angewendet wird. Es gibt zwar gemischte Evidenz für den Einsatz der Traktion an der LWS,(10)(11)(12)(13)(14)(15) aber Nick Rainey merkt an, dass sie in der klinischen Praxis manchmal hilfreich sein kann, um Kreuzschmerzen und radikuläre Symptome zu behandeln. Es ist jedoch wichtig, daran zu denken, dass sie nicht als alleinige Maßnahme angewendet werden sollte.(1)

„Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen nach einer manuellen Traktion weniger Schmerzen bei der Extension haben können. Ich mache das oft, dass ich sie eine Extensionsübung machen lasse und auch eine manuelle Traktion durchführe… Diese Techniken würden wahrscheinlich keinen Unterschied machen, wenn der Patient die Extensionsübungen einfach 6 Wochen lang alleine machen würde. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass er die Übungen zuhause durchführt, wenn er sich bei der ersten Durchführung in der Klinik wohler fühlt.“ – Nick Rainey

Instrumentengestützte Weichteilmobilisation (IASTM) ( edit | edit source )

IASTM wird in der Regel zur Behandlung von myofaszialen Restriktionen eingesetzt. Es gibt eine Reihe von IASTM-Tools, die darauf ausgelegt sind, „eine mobilisierende Wirkung auf das Weichteilgewebe (…) zu erzielen, um Schmerzen zu verringern und die Beweglichkeit und Funktion zu verbessern.“(16)

„Ist diese Technik (IASTM) für sich allein genommen sehr effektiv? Nein. Aber als Ganzes kann es mir bei meinen anderen Techniken helfen, sie fühlen sich viel besser. Und es hilft ihnen, aktiver zu sein.“(1)

Weitere Informationen über IASTM finden Sie in diesen Artikeln:

Ideen für die Kommunikation ( edit | edit source )

Bei der Behandlung von Menschen mit Kreuzschmerzen ist es wichtig, dass Sie die Ergebnisse Ihrer Befunderhebung effektiv vermitteln. Wenn ein Patient eine Red Flag zeigt, ist es wichtig, ihm zu helfen, die Schwere des Problems zu verstehen, damit er die richtigen Notfallmaßnahmen ergreifen kann.

Die Mehrheit der Menschen mit Kreuzschmerzen, selbst diejenigen mit spezifischen Kreuzschmerzen, zeigen jedoch keine Notfallsymptome, so dass wir sorgfältig überlegen müssen, wie wir mit unseren Patienten kommunizieren. Ben Darlows Artikel(18) aus dem Jahr 2003 beschreibt „The enduring impact of what clinicians say to people with low back pain“ – d.h. dass das, was wir als Kliniker sagen, eine große Rolle dabei spielt, was Patienten über Rückenschmerzen glauben. In dem Artikel Easy to Harm Hard to Heal (etwa: „leicht zu verletzen, schwer zu heilen“) gibt es viele Aussagen von Patienten über ihre Überzeugungen bezüglich ihres Rückens.

Wenn Sie über die Behandlung von Menschen mit Rückenschmerzen nachdenken, sollten Sie daher Folgendes bedenken: „Erstens: Wie stelle ich sicher, dass ich jemandem nicht mehr Angst einflöße, als er eigentlich haben müsste? Zweitens: Wie kann ich dazu beitragen, diese Überzeugungen zu korrigieren, wenn mein Patient sie hat?“ – Nick Rainey(1)

Es wird immer noch Zeiten geben, in denen Sie sich unsicher über das beste Vorgehen fühlen, aber bedenken Sie Folgendes:(1)

  1. Helfen Sie dem Patienten, sich keine Sorgen über seinen Zustand zu machen
  2. Sprechen Sie Fragen des Lebensstils an – Schlaf und Ernährung sind wichtige Themen
  3. Versuchen Sie manuelle Therapie
  4. Wiederholte Bewegungen helfen vielen Menschen
  5. Versuchen Sie spezielle Übungen für den unteren Rücken und den Core
  6. Kraftübungen für die unteren Extremitäten wie Ausfallschritte/Lunges und Kreuzheben können hilfreich sein
  7. Integrieren Sie Ausdauertraining

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 Rainey, N. Treatment of the Lumbar Spine Course. Physiopedia Plus. 2023
  2. 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 Alrwaily M, Timko M, Schneider M, Stevans J, Bise C, Hariharan K, Delitto A. Treatment-based classification system for low back pain: revision and update. Physical therapy. 2016 Jul 1;96(7):1057-66.
  3. Castro J, Correia L, de Sousa Donato B, Arruda B, Agulhari F, Pellegrini MJ, Belache FT, de Souza CP, Fernandez J, Nogueira LA, Reis FJ. Cognitive functional therapy compared with core exercise and manual therapy in patients with chronic low back pain: randomised controlled trial. Pain. 2022 Dec 1;163(12):2430-7.
  4. O’Sullivan PB, Caneiro JP, O’Keeffe M, Smith A, Dankaerts W, Fersum K, O’Sullivan K. Cognitive functional therapy: an integrated behavioral approach for the targeted management of disabling low back pain. Physical therapy. 2018 May 1;98(5):408-23.
  5. Sahrmann S, Azevedo DC, Van Dillen L. Diagnosis and treatment of movement system impairment syndromes. Brazilian journal of physical therapy. 2017 Nov 1;21(6):391-9.
  6. Sahrmann S. Doctors of the movement system–identity by choice or therapists providing treatment–identity by default. International Journal of Sports Physical Therapy. 2022;17(1):1.
  7. Shrestha S, Munakomi S. Gower Sign. (Updated 2022 Feb 17). In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK540973/
  8. 8.0 8.1 Chatzitheodorou D, Kabitsis C, Malliou P, Mougios V. A pilot study of the effects of high-intensity aerobic exercise versus passive interventions on pain, disability, psychological strain, and serum cortisol concentrations in people with chronic low back pain. Physical therapy. 2007 Mar 1;87(3):304-12.
  9. 9.0 9.1 Nim CG, Kawchuk GN, Schiøttz-Christensen B, O’Neill S. The effect on clinical outcomes when targeting spinal manipulation at stiffness or pain sensitivity: a randomized trial. Scientific Reports. 2020 Sep 3;10(1):14615.
  10. Schimmel JJ, De Kleuver M, Horsting PP, Spruit M, Jacobs WC, Van Limbeek J. No effect of traction in patients with low back pain: a single centre, single blind, randomized controlled trial of Intervertebral Differential Dynamics Therapy®. European spine journal. 2009 Dec;18:1843-50.
  11. National Institute for Health and Care Excellence (Great Britain). 2018 Surveillance (exceptional Review) of Low Back Pain and Sciatica in Over 16s: Assessment and Management (NICE Guideline NG59). National Institute for Health and Care Excellence; 2018.
  12. Gudavalli MR, Cambron JA, McGregor M, Jedlicka J, Keenum M, Ghanayem AJ, Patwardhan AG. A randomized clinical trial and subgroup analysis to compare flexion–distraction with active exercise for chronic low back pain. European Spine Journal. 2006 Jul;15:1070-82.
  13. Thackeray A, Fritz JM, Childs JD, Brennan GP. The effectiveness of mechanical traction among subgroups of patients with low back pain and leg pain: a randomized trial. Journal of orthopaedic & sports physical therapy. 2016 Mar;46(3):144-54.
  14. Ozturk B, Gunduz OH, Ozoran K, Bostanoglu S. Effect of continuous lumbar traction on the size of herniated disc material in lumbar disc herniation. Rheumatology international. 2006 May;26:622-6.
  15. Cai C, Pua YH, Lim KC. A clinical prediction rule for classifying patients with low back pain who demonstrate short-term improvement with mechanical lumbar traction. European spine journal. 2009 Apr;18:554-61.
  16. 16.0 16.1 Cheatham SW, Lee M, Cain M, Baker R. The efficacy of instrument assisted soft tissue mobilization: a systematic review. J Can Chiropr Assoc. 2016 Sep;60(3):200-211.
  17. Cheatham SW, Baker R, Kreiswirth E. INSTRUMENT ASSISTED SOFT-TISSUE MOBILIZATION: A COMMENTARY ON CLINICAL PRACTICE GUIDELINES FOR REHABILITATION PROFESSIONALS. Int J Sports Phys Ther. 2019 Jul;14(4):670-82.
  18. Darlow B, Dowell A, Baxter GD, Mathieson F, Perry M, Dean S. The enduring impact of what clinicians say to people with low back pain. The Annals of Family Medicine. 2013 Nov 1;11(6):527-34.


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