Die Behandlung der Lendenwirbelsäule kann komplex sein. Es kann schwierig sein, zu wissen, wann Sie die Ihnen beigebrachten Techniken anwenden und wie Sie Ihren Plan anpassen sollen, wenn das Ergebnis nicht wie vorhergesagt ist. Bei der Strukturierung einer Befunderhebung und Behandlung können die folgenden Prinzipien hilfreich sein:
Alrwaily et al.(2) beschreiben drei Ansätze zur Bestimmung der am besten geeigneten Behandlung bei Kreuzschmerzen: Symptommodulation, Bewegungskontrolle und funktionelle Optimierung. Jeder dieser Ansätze aus dem TBC-System (Treatment-Based Classification) befasst sich mit unterschiedlichen Zeichen und Symptomen, die Sie bei der Befunderhebung feststellen können.
Der Ansatz der Symptommodulation ist für Patienten mit akuten Kreuzschmerzen gedacht. Diese Schmerzen können neu oder wiederkehrend sein, und die Episode von Kreuzschmerzen führt zu „signifikanten symptomatischen Merkmalen“ für die Person. Daher konzentrieren sich die therapeutischen Interventionen auf die Linderung der Symptome. Die Patienten weisen häufig folgende Symptome auf: Vermeidung bestimmter Körperhaltungen, eingeschränktes/schmerzhaftes aktives Bewegungsausmaß, positive neurologische Tests. Übliche Behandlungen sind manuelle Therapie, Übungen zur direktionalen Präferenz, Traktion oder Ruhe.(2)
Der Ansatz der Bewegungskontrolle ist für Patienten mit geringen bis mäßigen Schmerzen und Behinderungen, die jedoch Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens haben. Bei diesen Personen kehren die Schmerzen in der Regel auf den Ausgangswert zurück, sobald eine verschlimmernde bzw. provozierende Bewegung beendet ist. Andere Patienten können asymptomatisch sein, berichten aber über wiederkehrende Episoden von Rückenschmerzen, die oft mit einer plötzlichen / unerwarteten Bewegung einhergehen. Diese Patienten haben in der Regel ein volles aktives Bewegungsausmaß, können aber einige Abweichungen in ihren Bewegungsmustern aufweisen. Die Patienten weisen häufig folgende Symptome auf: Beeinträchtigung der Beweglichkeit, Muskelaktivierung und motorischen Kontrolle. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf Stabilisationsübungen.(2)
Ein Ansatz der funktionellen Optimierung ist für relativ asymptomatische Patienten gedacht, die in der Lage sind, ihre Aktivitäten des täglichen Lebens zu bewältigen, die aber ein höheres Maß an körperlicher Aktivität erreichen wollen/müssen. Dies steht häufig im Zusammenhang mit der Rückkehr zum Sport oder bestimmten beruflichen Anforderungen. Die Schmerzen dieser Menschen werden durch die Ermüdung des Bewegungssystems verstärkt. Die Patienten weisen häufig eine verminderte Ausdauer, Kraft und/oder Leistung ihres Bewegungssystems auf, und eher weniger Defizite in der Flexibilität oder der motorischen Kontrolle. Die therapeutischen Interventionen sollten sich auf die Maximierung der körperlichen Leistungsfähigkeit konzentrieren, um die geforderten körperlichen Aktivitäten auf hohem Niveau zu erreichen (d.h. relevant für den jeweiligen Beruf oder Sport).(2)
Wenn Sie mehr über diese Ansätze erfahren möchten, lesen Sie den Artikel von Alrwaily et al.,(2) der hier verfügbar ist: Treatment-Based Classification System for Low Back Pain: Revision and Update.
Es gibt viele verschiedene Behandlungsansätze für Kreuzschmerzen, und alle können zu positiven Ergebnissen führen. Einige Beispiele sind: das Maitland-Konzept, Mechanische Diagnose und Therapie (MDT) (auch bekannt als McKenzie-Methode), Cognitive Functional Therapy(3) (CFT, Peter O’Sullivan(4)), sowie das Movement System Impairment(5)(6) (MSI, Shirley Sahrmann).
Bei Personen mit Kreuzschmerzen kann die Untersuchung des aktiven Bewegungsausmaßes der Lendenwirbelsäule (LWS) viele Hinweise auf mögliche Beeinträchtigungen und Behandlungsmöglichkeiten liefern. Achten Sie auf die folgenden Punkte:
Weitere Informationen zur Anwendung wiederholter Bewegungen als Intervention finden Sie im Abschnitt „Management“ der McKenzie Methode.
Laut Chatzitheodorou et al,(8) sollten Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen ermutigt werden, 3 Mal pro Woche mindestens 30 Minuten lang aerob zu trainieren.(8)
Die Forschung zeigt, dass Thrust-Manipulationen, die sowohl auf steife als auch auf schmerzhafte Segmente abzielen, bei Kreuzschmerzen hilfreich sind.(9) Da alle manuellen Therapien ähnliche Mechanismen haben, kann dieses Prinzip auch für Mobilisationen angewendet werden.(1) Das folgende Video über den Test für akzessorische Bewegungen beschreibt die Untersuchung von steifen und schmerzhaften Segmenten. Diese sollten mit den gleichen Techniken behandelt werden. Nach der Behandlung sollten die „Sternchen“ (Hauptbefunde bzw. vergleichbare Zeichen) aus der Befunderhebung erneut getestet werden, um zu sehen, ob sich der Patient verbessert hat. Ein Sternchen in Bezug auf manuelle Techniken könnte sein, wie steif oder schmerzhaft sich das Segment mit dieser Technik für den Patienten anfühlt oder wie steif es sich für den Therapeuten anfühlt.(9)
Die lumbale Traktion ist eine manuelle Technik, die von vielen Klinikern häufig angewendet wird. Es gibt zwar gemischte Evidenz für den Einsatz der Traktion an der LWS,(10)(11)(12)(13)(14)(15) aber Nick Rainey merkt an, dass sie in der klinischen Praxis manchmal hilfreich sein kann, um Kreuzschmerzen und radikuläre Symptome zu behandeln. Es ist jedoch wichtig, daran zu denken, dass sie nicht als alleinige Maßnahme angewendet werden sollte.(1)
„Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen nach einer manuellen Traktion weniger Schmerzen bei der Extension haben können. Ich mache das oft, dass ich sie eine Extensionsübung machen lasse und auch eine manuelle Traktion durchführe… Diese Techniken würden wahrscheinlich keinen Unterschied machen, wenn der Patient die Extensionsübungen einfach 6 Wochen lang alleine machen würde. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass er die Übungen zuhause durchführt, wenn er sich bei der ersten Durchführung in der Klinik wohler fühlt.“ – Nick Rainey
IASTM wird in der Regel zur Behandlung von myofaszialen Restriktionen eingesetzt. Es gibt eine Reihe von IASTM-Tools, die darauf ausgelegt sind, „eine mobilisierende Wirkung auf das Weichteilgewebe (…) zu erzielen, um Schmerzen zu verringern und die Beweglichkeit und Funktion zu verbessern.“(16)
„Ist diese Technik (IASTM) für sich allein genommen sehr effektiv? Nein. Aber als Ganzes kann es mir bei meinen anderen Techniken helfen, sie fühlen sich viel besser. Und es hilft ihnen, aktiver zu sein.“(1)
Weitere Informationen über IASTM finden Sie in diesen Artikeln:
Bei der Behandlung von Menschen mit Kreuzschmerzen ist es wichtig, dass Sie die Ergebnisse Ihrer Befunderhebung effektiv vermitteln. Wenn ein Patient eine Red Flag zeigt, ist es wichtig, ihm zu helfen, die Schwere des Problems zu verstehen, damit er die richtigen Notfallmaßnahmen ergreifen kann.
Die Mehrheit der Menschen mit Kreuzschmerzen, selbst diejenigen mit spezifischen Kreuzschmerzen, zeigen jedoch keine Notfallsymptome, so dass wir sorgfältig überlegen müssen, wie wir mit unseren Patienten kommunizieren. Ben Darlows Artikel(18) aus dem Jahr 2003 beschreibt „The enduring impact of what clinicians say to people with low back pain“ – d.h. dass das, was wir als Kliniker sagen, eine große Rolle dabei spielt, was Patienten über Rückenschmerzen glauben. In dem Artikel Easy to Harm Hard to Heal (etwa: „leicht zu verletzen, schwer zu heilen“) gibt es viele Aussagen von Patienten über ihre Überzeugungen bezüglich ihres Rückens.
Wenn Sie über die Behandlung von Menschen mit Rückenschmerzen nachdenken, sollten Sie daher Folgendes bedenken: „Erstens: Wie stelle ich sicher, dass ich jemandem nicht mehr Angst einflöße, als er eigentlich haben müsste? Zweitens: Wie kann ich dazu beitragen, diese Überzeugungen zu korrigieren, wenn mein Patient sie hat?“ – Nick Rainey(1)
Es wird immer noch Zeiten geben, in denen Sie sich unsicher über das beste Vorgehen fühlen, aber bedenken Sie Folgendes:(1)