Talus (Sprungbein)

Originale Autorin Lucinda hampton Top-BeitragendeLucinda hampton, Ewa Jaraczewska, Kim Jackson und Vidya Acharya

Einleitung(edit | edit source)

Nahezu 70 % der Verletzungen des Sprunggelenks können zu mehr oder weniger starken chondralen und osteochondralen Verletzungen des Talus führen.

Der Talus ist der zweitgrößte Knochen im menschlichen Rückfuß. Er ist verantwortlich für die Übertragung des Körpergewichts und der Kräfte, die zwischen Unterschenkel und Fuß wirken.

Talus bone - animation03.gif

Der Talus (Abbildung zeigt einen linken Talus – Klicken Sie auf das Bild, um die Animation zu sehen):

  • ist Bestandteil zahlreicher Gelenke, unter anderem des oberen Sprunggelenks (Art. talocruralis), des Subtalargelenks / hinteres unteres Sprunggelenk (Art. subtalaris) und der Chopart-Gelenklinie (Art. tarsi transversa)
  • hat keine direkten Muskelansätze und ist nur schwach und begrenzt durchblutet
  • ist die Ansatzstelle vieler Bänder, einschließlich der lateralen Bänder des oberen Sprunggelenks und des medialen Bandkomplexes des Lig. deltoideum.

Talusfrakturen machen etwa 1 % aller Fuß- und Sprunggelenkfrakturen aus.

Es ist wichtig, sich des Auftretens von isolierten und assoziierten Verletzungen des Talus sowie des Ausmaßes ihrer klinischen und potenziell langfristigen Auswirkungen bewusst zu sein.(1)

Struktur(edit | edit source)

Talus .png

Der Talus ist ein unglaublicher Knochen: Trotz seiner geringen Größe überträgt er beim normalen Gangzyklus und vor allem bei Stoßbelastungen erhebliche Kräfte.

  • Der Talus hat die Form eines Kegelstumpfes und ist anterior breiter als posterior (er ist ein unregelmäßiger sattelförmiger Knochen).
  • Etwa zwei Drittel seiner Oberfläche sind mit Gelenkknorpel bedeckt, und er ist ähnlich wie das Os scaphoideum der Hand nur schwach durchblutet.
  • Der Talus hat sieben Gelenkflächen und ist unterteilt in Caput (Kopf), Collum (Hals) und Corpus (Körper) sowie zwei Knochenvorsprünge, den Processus posterior tali und den Processus lateralis tali
  • Das Corpus tali weist eine gekrümmte glatte Oberfläche auf, die Trochlea tali (Taluskuppel). Diese ist mit hyalinem Knorpel bedeckt und von anterior nach posterior konvex. Die mediale und die laterale Fläche bilden jeweils mit dem Innenknöchel (Malleolus medialis) der Tibia und dem Außenknöchel (Malleolus lateralis) der Fibula eine gelenkige Verbindung. Die laterale Gelenkfläche ist groß und ragt weiter nach inferior. Der untere Teil der lateralen Fläche bildet einen Knochenvorsprung, den so genannten Processus lateralis tali, der den unteren Teil der lateralen Gelenkfacette stützt. Der posteriore Teil hat einen nach hinten und medial gerichteten Processus posterior tali mit einem Tuberculum laterale und mediale, die durch eine Rille für die Sehne des M. flexor hallucis longus getrennt sind.
  • Das Caput tali ist der Teil, der ein Gelenk mit dem Os naviculare bildet. Auf der Unterseite ist er durchgehend und hat drei Gelenkfacetten, die durch glatte Erhebungen voneinander getrennt sind. Es gibt eine vordere und eine mittlere Facette (Facies articularis anterior und media), die mit den entsprechenden Facetten des Kalkaneus (Os calcaneus) gelenkig verbunden sind. Medial zu den oben genannten Facetten befindet sich eine weitere Facette, die mit dem Pfannenband verbunden ist. Das Caput tali und das Corpus tali sind durch das Collum tali verbunden, das nach distal und medial abwärts geneigt ist.(2)
  • Die Unterseite des Collum tali weist eine tiefe Furche, den Sulcus tali, auf, die schräg nach vorne verläuft und sich von medial nach lateral erweitert. Der Sulcus tali bildet mit dem Sulcus calcaneus des Kalkaneus den Sinus tarsi.(3)
Talus bone - animation01.gif

Gelenke(edit | edit source)

  • superior bildet die Taluskuppel mit der Malleolengabel von Tibia und Fibula das obere Sprunggelenk (Art. talocruralis)
  • inferoposterior bildet eine große, schräge konkave Facette mit dem Kalkaneus das Subtalargelenk (hinteres unteres Sprunggelenk, Art. subtalaris)
  • anteroinferior bilden zwei Facetten mit dem Kalkaneus einen Teil des vorderen unteren Sprunggelenks (Art. talocalcaneonavicularis)
  • das Caput tali (gewölbte Gelenkfläche) bildet mit dem Os naviculare (kreisförmige Vertiefung auf der posterioren Fläche) ein weiteres Gelenk(3)

Muskelansätze ( edit | edit source )

Am Talus befinden sich keine Muskelansätze, was bedeutet, dass der Talus über keine sekundären Quellen für die Blutversorgung verfügt.

  • Wenn der Talus durch traumatische Verletzungen, z. B. bei dislozierten Frakturen, vaskulär beeinträchtigt ist, besteht ein relativ hohes Risiko, eine posttraumatische avaskuläre Nekrose (AVN) zu entwickeln(1)

Bänder(edit | edit source)

  • Lig. talofibulare anterius
  • Figure 3-Ankle ligaments.PNG

    Lig. talofibulare posterius

  • Lig. talocalcaneum interosseum
  • Bandstrukturen im Sinus tarsi
    • Lig.talocalcaneum anterius (Lig. cervicale)
    • Lig. talocalcaneum interosseum
  • Lig. deltoideum
    • Lig. talotibiale anterius
    • oberflächliches Lig. talotibiale posterius
    • tiefes Lig. talotibiale anterius
  • Lig. talonaviculare posterius(3)

Gefäßversorgung ( edit | edit source )

  • A. tibialis posterior in die mediale Seite des Corpus tali und den Sinus tarsi
  • A. tibialis anterior / A. dorsalis pedis in das Caput und Collum tali
  • A. fibularis in die laterale Seite des Corpus tali und in den Sinus tarsi(3)
Anatomy ankle and foot 4.jpg

Innervation(edit | edit source)

  • N. peroneus (fibularis) profundus
  • N. tibialis
  • N. saphenus
  • N. suralis(3)

Klinische Relevanz ( edit | edit source )

Avaskuläre Nekrose (AVN) ( edit | edit source )

Bei Talusfrakturen besteht ein hohes Risiko, dass sich eine avaskuläre Nekrose (AVN) entwickelt, da die Blutversorgung des Talus von Natur aus schwach und begrenzt ist.

  • Talusfrakturen machen 1 % aller Fuß- und Sprunggelenkfrakturen aus, und die häufigsten (etwa 50 %) Talusfrakturen treten am Collum tali auf, dem schwächsten Teil des Talus.(1)
  • Frakturen des Corpus tali machen 20 % aller Talusfrakturen aus. Erstreckt sich eine Fraktur über eine Gelenkfläche des Corpus tali, kann als Folge eine Arthrose auftreten.

Abrissfrakturen des Talus ( edit | edit source )

Laterale Sprunggelenkdistorsionen sind die häufigste Sportverletzung und machen 15 bis 20 % aller Sportverletzungen und 85 % aller Sprunggelenkdistorsionen aus.

  • Aufgrund der Ansätze des Lig. talofibulare anterius (ATFL) und des Lig. talofibulare posterius (PTFL) am Talus kann es zu Abrissfrakturen (Avulsionsfrakturen) kommen, wenn diese Bänder bei lateralen Sprunggelenkdistorsionen verletzt werden.
  • Bei 1 % aller Sprunggelenkdistorsionen kommt es zu Abrissfrakturen des Talus. Daher ist es wichtig, diese bei der Differenzialdiagnose in Betracht zu ziehen, wenn Patienten Symptome einer lateralen Sprunggelenkdistorsion zeigen, vor allem bei erheblicher Schwellung, Hämatomen oder der Unfähigkeit, das Bein zu belasten.
Ankle Post Med View Google.jpg

Tarsaltunnelsyndrom ( edit | edit source )

Das Tarsaltunnelsyndrom tritt an der medialen Seite des Sprunggelenks auf. Der Tarsaltunnel besteht aus einem knöchernen Boden, der sich aus Tibia, Talus und Fibula zusammensetzt, und einem faserigen Dach, das aus dem fibrösen Retinaculum flexorum besteht. Durch den Tarsaltunnel ziehen A. und V. tibialis posterior, der N. tibialis und die Sehnen des M. tibialis posterior, M. flexor digitorum longus und M. flexor hallucis longus. Durch eine Drucksteigerung infolge verschiedener Ursachen kann der N. tibialis in diesem Raum eingeklemmt werden.

  • Gekennzeichnet durch Schmerzen, Parästhesien und Sensibilitätsverlust im Bereich des medialen Fußes und des Sprunggelenks; kann in schweren Fällen auch zu Muskelschwäche und -atrophie führen.
  • Knöcherne Läsionen am Talus, wie z. B. Osteophyten oder ein Osteosarkom, können ebenfalls dazu führen, dass der N. tibialis im Tarsaltunnel komprimiert wird, was zu einem Tarsaltunnelsyndrom führt.

Pes planus (Plattfuß) ( edit | edit source )

Durch das Subtalargelenk hält der Talus das mediale und laterale Längsgewölbe aufrecht. Ein Pes planus entsteht, wenn sich die Morphologie der Gelenkfacetten des Talus und die Biomechanik des Subtalargelenks verändern, was zu einem Plattfuß führen kann. (1)

Os-trigonum-Syndrom ( edit | edit source )

Das Os-trigonum-Syndrom bezieht sich auf Schmerzen hinter dem Sprunggelenk und eine eingeschränkte Plantarflexion, die durch das „Nussknackerphänomen“ verursacht werden. Wenn ein Os trigonum vorhanden ist, können sich dieser akzessorische Knochen und die umgebenden Weichteile zwischen Tibia, Talus und Kalkaneus verkeilen. Dies kann zu einer Entzündung der betroffenen Strukturen führen.(4)(5)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 Khan IA, Varacallo M. Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Foot Talus. (Updated 2023 Aug 8). In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK541086/ (last access 29.10.2023)
  2. Majeed H, McBride DJ. Talar process fractures: An overview and update of the literature. EFORT Open Rev. 2018 Mar 29;3(3):85-92.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 Morgan M, Worsley C, Yu Y, et al. Talus. Reference article, Radiopaedia.org. Available from https://radiopaedia.org/articles/talus (last access 29.10.2023)
  4. Russell JA, Kruse DW, Koutedakis Y, McEwan IM, Wyon MA. Pathoanatomy of posterior ankle impingement in ballet dancers. Clin Anat. 2010 Sep;23(6):613-21.
  5. M. Nyska, G. Mann Unstable Ankle. Leeds: Human Kinetics Publishers, 2002


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