Top-Beitragende – Stacy Schiurring, Kim Jackson und Jess Bell
Die individuelle, organisatorische und systemische Bereitschaft und Fähigkeit zur Veränderung sind anerkannte Vorbedingungen für die erfolgreiche Implementierung komplexer Veränderungen in Rehabilitationseinrichtungen.(1) Wensing et al. warnen vor der erfolgreichen Implementierung langjähriger Interventionen, indem sie darauf hinweisen, dass „die Implementierung Aufmerksamkeit erfordert und dass es niemals ausreicht, Informationen zur Veränderung von Verhalten, Organisationen und Systemen zu produzieren und zu verbreiten“.(2) Während sich die Implementierungswissenschaft hauptsächlich auf die anfängliche Übernahme und Anwendung evidenzbasierter Praktiken konzentriert hat, wurde dem „Sustainment“ (etwa: Aufrechterhaltung) neuer evidenzbasierter Rehabilitationsinterventionen weniger Aufmerksamkeit geschenkt.(1)
Sustainment: die kontinuierliche Nutzung dieser Praktiken, wie sie im Laufe der Zeit im regulären Betrieb vorgesehen ist, was häufig eine Anpassung an dynamische Kontexte beinhaltet.(3)
Dieser Artikel widmet sich der Aufrechterhaltung, Überwachung und Weiterentwicklung der erfolgreichen Implementierung innovativer Rehabilitationsinterventionen auf Systemebene mithilfe der Implementierungswissenschaft, um die Rehabilitation innerhalb der Gesundheitssysteme zu stärken.
Während das Konzept des „Sustainability“ (etwa: Nachhaltigkeit) in der Implementierungswissenschaft noch nicht ganz ausgereift ist, wurde in diesem Bereich in letzter Zeit eine nützliche Unterscheidung zwischen Sustainability und Sustainment getroffen:(1)
- Sustainability bezieht sich im Allgemeinen auf das Ausmaß, in dem eine evidenzbasierte Intervention ihren beabsichtigten Nutzen über einen längeren Zeitraum hinweg erbringen kann, nachdem die externe Unterstützung durch die Geberorganisation eingestellt wurde.
- Sustainment bezieht sich auf die kontinuierliche Inkraftsetzung von Prozessen, Praktiken oder Arbeitsroutinen, die durch eine Intervention vermittelt und erlernt wurden.
Der Begriff „Sustainment“ wird hier verwendet, da er mit dem Ansatz der Implementation Facilitation übereinstimmt.
Die Einführung und Implementierung evidenzbasierter Rehabilitationsinterventionen in Ländern mit unterem mittleren Einkommen (lower-middle income countries – LMICs) ist mit zahlreichen Herausforderungen verbunden; das Sustainment jeglicher Interventionsbemühungen beibt schwierig.(1)
Beispiele für Herausforderungen bei der erfolgreichen Implementierung in LMICs:(1)
Evidenz aus LMICs zeigt auch, dass die Komplexität der Interventionen, die unzureichende Vertrautheit mit dem Programm, begrenzte Personalressourcen und fehlende Unterstützung am Arbeitsplatz für die neuen Interventionen sowie eine hohe Personalfluktuation die wichtigsten Barrieren für das Sustainment sind.(4) Auch die begrenzte Kapazität des Gesundheitssystems, die unzureichende Anwendung evidenzbasierter Interventionen, die unzureichende Einbindung lokaler Implementierungskräfte und die hohe Personalfluktuation werden als Barrieren für den Einsatz von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit genannt.(5)
Es besteht weiterhin eine Wissenslücke zwischen Evidenz und praktischer Anwendung auf allen Ebenen eines Organisationssystems. Mallidou et al. zufolge „kann diese Lücke in dreierlei Hinsicht kostspielig sein: verfrühte Übernahme oder Überbeanspruchung von Behandlungen, Erbringung suboptimaler oder unnötiger Versorgung und Initiierung neuer Studien, die möglicherweise nicht auf den neuesten Forschungsergebnissen beruhen oder den Bedürfnissen der Wissensnutzer nicht in vollem Umfang entsprechen“. Diese Studie ergab, dass die Suche nach wirksamen Strategien für eine sinnvolle Einbindung der Beteiligten entscheidend ist, um dauerhafte Veränderungen in der Praxis und eine verbesserte Patientenversorgung zu erreichen.(6)
Die Überlegungen zum Sustainment müssen bereits in der Planungsphase der Prä-Implementierung ansetzen, d. h. bei der Ermittlung der Bestimmungsgrößen oder Prädiktoren für da Sustainment im Zusammenhang mit organisatorischen und kontextbezogenen Faktoren und Strategien(7) sowie den Sustainment-Ergebnissen der Nutzung der Intervention.(8) Weitere Informationen über die Phase der Prä-Implementierung finden Sie in diesem Artikel.
Während der Sustainment-Phase wird die Intervention in der Organisation verankert, einschließlich einer stabilen Finanzierung und laufender Überwachungs- und/oder Qualitätssicherungsprozesse. Das Sustainment kann durch eine Vielzahl von Kontextfaktoren beeinflusst werden, insbesondere durch innere und äußere Kontextfaktoren, die die Annahme und Implementierung von Interventionen beeinflussen.(1) In Kasten 14 sind einige wichtige Fragen zur Implementation Facilitation aufgeführt, die den inneren und äußeren Kontext des Sustainment betreffen.
Weitere Informationen über den EPIS-Rahmen (Exploration, Preparation, Implementation, Sustainment) finden Sie auf der Website des EPIS Implementation Framework.
Eine wirksame Implementierung von Interventionen erfordert:(1)
Implementation Facilitation, d. h. Wissen und Fertigkeiten, kann, wenn sie in der Implementierungswissenschaft angewandt wird, ein unterstützendes Umfeld für die Implementierung evidenzbasierter Rehabilitationsinterventionen schaffen.(9) Der Aufbau von Kapazitäten zur Implementation Facilitation ist jedoch auch ein Prozess (kein einmaliges Ereignis), der bei Einzelpersonen, Organisationen und Systemen stattfinden muss. In der Praxis ist der Aufbau von Kapazitäten zur Implementation Facilitation ein langfristiger und iterativer Prozess, der sowohl einen organisatorischen Veränderungsprozess als auch den Aufbau technischer Fertigkeiten beinhaltet. Implementierungsbemühungen müssen fortlaufend genehmigt und gefördert werden, wenn die Interventionen erfolgreich in die praktische Routine übernommen, umgesetzt und aufrechterhalten werden sollen.(1)
Die Anerkennung der vielfältigen organisatorischen Bestimmungsgrößen des Kapazitätsaufbaus kann dazu beitragen, eine starke Kultur der Implementierungswissenschaft innerhalb einer Organisation aufzubauen. Evaluatoren und Spezialisten der Implementierungswissenschaft identifizieren drei wichtige Bestimmungsgrößen für den Aufbau von Kapazitäten.
Die drei wichtigsten Bestimmungsgrößen für den Aufbau von Kapazitäten:(1)
Diese Schulung wurde für Fachkräfte in der Rehabilitation entwickelt, die in verschiedenen klinischen und strategischen Führungsbereichen und -rollen der Rehabilitation tätig sind. Ziel ist es, Kenntnisse und Fertigkeiten in der Implementierungswissenschaft aufzubauen, die in verschiedenen Arbeitsumgebungen der Rehabilitation angewendet werden können.(1)
Diese spezifischen Fertigkeiten in der Implementierungswissenschaft befähigen Sie zu Folgendem:
- geeignete Fragen der Implementierungswissenschaft zu formulieren;
- die vorgeschlagene evidenzbasierte Intervention aus der Sicht der Implementierung zu verstehen;
- den Kontext, in dem die neue Intervention umgesetzt werden soll, zu verstehen;
- die wichtigsten Beteiligten („stakeholder“) zu identifizieren und in Ihre Implementierungsbemühungen einzubeziehen;
- geeignete Implementierungsstrategien zu identifizieren;
- geeignete Fragen zur Evaluation von Implementierungsprozessen und -ergebnisse zu identifizieren;
- Ansätze zur Unterstützung des Sustainment Ihrer Bemühungen um die Implementation Facilitation und Interventionen zu identifizieren.
Diese Fertigkeiten in der Implementierungswissenschaft befähigen Sie insgesamt dazu:
- das Design und die Entwicklung der Implementierung zu unterstützen;
- die Ausrichtung der Implementierungsbemühungen auf die Intervention, den Kontext und die Bedürfnisse und Erfahrungen der Beteiligten zu überprüfen;
- die Gestaltung von Prozessen und Aktivitäten zur Implementierung von Rehabilitationsinterventionen zu verbessern;
- die Leistung, den Wert und den Nutzen von Implementierungsbemühungen zu beurteilen.
Die Implementierung ist ein kontinuierlicher Prozess mit vier Schlüsselphasen: Prä-Implementierung, Implementierung, Evaluation und Sustainment.
Der Bereich der Implementierungswissenschaft wächst rasant. Es wäre von Vorteil, sich die vielen zusätzlichen Zeitschriften, Referenzen und Websites anzusehen, die die immer wichtiger werdende Rolle und Fähigkeit der Implementation Facilitation unterstützen können.(1) Im Abschnitt „Ressourcen“ unten finden Sie einige vorgeschlagene Referenzen.
Die Planung für die Sustainment-Phase muss bereits in der Phase der Prä-Implementierung beginnen. Dazu gehört die Ermittlung der Bestimmungsgrößen oder Prädiktoren des Sustainment in Bezug auf organisatorische und kontextuelle Faktoren und Strategien sowie die Sustainment-Ergebnisse der Interventionsnutzung. Da das Sustainment von mehreren Faktoren beeinflusst werden kann, sollten sich die Bemühungen um die Implementation Facilitation auf innere und äußere organisatorische Kontextfaktoren konzentrieren, die die Bemühungen um das Sustainment der Implementierung entweder ermöglichen oder behindern können.
Optionales Video:
Bitte sehen Sie sich dieses etwa 13-minütige Video an, um eine detaillierte Beschreibung der Implementierungswissenschaft zu erhalten.
Online-Zeitschriften:
Zeitschriftenartikel:
Webseiten: