Top-Beitragende – Stacy Schiurring, Kim Jackson und Jess Bell
Implementierung ist kein Ereignis. Implementierung ist „eine bestimmte Reihe von Aktivitäten, die dazu dienen, eine Aktivität oder ein Programm in die Praxis umzusetzen“. Die Implementierung umfasst eine Vielzahl von Entscheidungen, Maßnahmen und Korrekturen, um die Strukturen und Bedingungen zu ändern, die für die erfolgreiche Implementierung und Aufrechterhaltung (Sustainment) neuer Praktiken und Programme erforderlich sind.(1)
Nicht jeder ist von Veränderungen begeistert. Eine Änderung der Praxis oder die Übernahme einer neuen Intervention in die Praxis ist komplex und braucht Zeit. Die Änderung der Praxis kann eine Herausforderung sein: Nur die Hälfte aller neuen Interventionen wird wie beabsichtigt umgesetzt. Daher ist eine Reihe systematischer Strategien erforderlich, um die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Veränderung der Implementierung zu erhöhen.
Die Implementierungswissenschaft greift evidenzbasierte klinische Innovationen und Teststrategien auf und hilft dabei, sie in die breite Praxis zu übertragen. Bei den Protokollen der Implementierungswissenschaft wird der Kontext nicht ignoriert oder kontrolliert, sondern es wird aktiv versucht, den Kontext der Intervention zu verändern, um ihre Umsetzung zu verbessern. Wenn möglich, können Implementierungswissenschaftler eng mit Führungskräften und Mitarbeitern des Gesundheitswesens zusammenarbeiten, um die Kluft zwischen Forschung und Praxis zu überwinden und die Auswirkungen evidenzbasierter Interventionen auf die öffentliche Gesundheit zu erhöhen.(6)
Implementierungsforscher haben über 70 verschiedene Implementierungsstrategien für das Gesundheitswesen und die Gesundheitsdienste ermittelt.(7) Die Entscheidung, welche Implementierungsstrategie für welchen Zweck ausgewählt werden soll, kann überwältigend sein. Im Idealfall werden Implementierungsstrategien als Reaktion auf die in der Phase der Prä-Implementierung ermittelten Herausforderungen oder Barrieren entwickelt oder auf diese abgestimmt.
Die Unfähigkeit, Interventionen angemessen zu implementieren, kann das Potenzial von Patienten und Gemeinschaften einschränken, von Fortschritten in der Gesundheitsförderung, Medizin und öffentlichen Gesundheit zu profitieren. Eine Studie von Fernandez et al. aus dem Jahr 2019 erörtert die Verwendung des „Intervention Mapping“ als systematischen Prozess zur Planung oder Auswahl von Implementierungsstrategien.(8)
Implementation Mapping umfasst fünf Aufgaben:
- Durchführung einer Bedarfsanalyse für die Implementierung und Identifizierung von „Adopters“ (etwa: „Einführer“) und „Implementers“ (etwa: Implementierer) des Programms
- Festlegung der Ergebnisse und Leistungsziele für die Einführung und Implementierung, Identifizierung der Bestimmungsgrößen und Erstellung von Matrizen für die Veränderungsziele
- Auswahl theoretischer Methoden (Veränderungsmechanismen) und Auswahl oder Entwurf von Implementierungsstrategien
- Erstellung von Implementierungsprotokollen und -materialien
- Evaluation der Implementierungsergebnisse
Um die Implementierungsbemühungen zu unterstützen, wird viel darüber diskutiert, wie diese Strategien zu klassifizieren sind. Eine Methode besteht darin, die Implementierungsstrategien in 3 Stufen zu unterteilen:
- Dienste und Systeme, einschließlich Ressourcen, Fürsprecher und Führung
- Anbieter, einschließlich Schulung, Unterstützungsinstrumente und Kostenerstattung
- Patienten, einschließlich Logistik und Finanzierung
Ein weiterer Ansatz ist die Klassifikation der Implementierungsstrategien nach den treibenden Kräften für die Implementierung (Implementierungskräfte, auf Englisch „Implementation Driver“) oder danach, welche Strategien die erfolgreiche Implementierung einer Intervention vorantreiben können.(9) Es wurden drei verschiedene Gruppen von Implementierungskräften identifiziert, darunter:
Angesichts der Komplexität sowohl der Rehabilitation als auch der Implementierung wird die Ebene, auf die eine Implementierungsstrategie abzielt, eher pragmatisch sein. Es wurden fünf Klassen von Implementierungsstrategien vorgeschlagen (siehe Kasten 9).
In Anbetracht der vielfältigen Herausforderungen bei der Implementierung von Rehabilitationsinterventionen und der zahlreichen Implementierungsstrategien, die zur Unterstützung der Implementierungsbemühungen zur Verfügung stehen, muss man bei der Entwicklung einer Implementierungsstrategie mit Bedacht vorgehen.
Obwohl die Implementierungswissenschaft in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, sind die Erkenntnisse, die sich speziell auf Fachkräfte in der Rehabilitation beziehen, erst im Entstehen begriffen. Implementierungsstrategien wie Fortbildungsveranstaltungen, Audit- und Feedback-Techniken und der Einsatz von klinischen Erinnerungshilfen sind vielversprechend, um die Nutzung von Evidenz durch Fachkräfte in der Rehabilitation zu verbessern. Es gibt jedoch immer noch wenig Anhaltspunkte dafür, wie diese Erkenntnisse in den verschiedenen Rehabilitationsfachbereichen umgesetzt werden können.
Es bedarf weiterer Forschung, um zu ermitteln, welche Implementierungsstrategien für den einzigartigen und oft komplexen Kontext der Rehabilitation am besten geeignet sind. Dies wird zu besseren und aussagekräftigeren Auswirkungen auf die Rehabilitationspraxis und die Patientenergebnisse führen.(11) In Ländern mit unterem mittleren Einkommen gibt es nur wenige derartige Forschungsarbeiten, was wahrscheinlich an der begrenzten Finanzierung liegt.(12)
Optionales Video:
In diesem etwa 17-minütigen Video werden Implementierungsstrategien ausführlich beschrieben.
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