Ethische Erwägungen im Kinder- und Jugendsport

Ursprüngliche Herausgeberin – Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Bridey-Lee Momberg

Top-BeitragendeWanda van Niekerk und Jess Bell

Einführung(edit | edit source)

Die Betreuung von Kindern und Jugendlichen im Sport bringt einzigartige ethische Dilemmas mit sich. Bei diesen Fragen muss der Sportkliniker eine Vielzahl von Faktoren wie Autonomie, informierte Zustimmung, Kompetenz und Reife des jungen Sportlers sowie die Einbeziehung anderer Beteiligter wie Eltern und Trainer berücksichtigen. Der ethische Rahmen des Klinikers hilft bei der Entscheidungsfindung im Umgang mit Kindern und jugendlichen Sportlern.

Ethische Ansätze ( edit | edit source )

Ethische Ansätze in der Medizin lassen sich in folgende Bereiche einteilen (1):

  • Tugendhaftes Handeln
  • Deontologie
  • Utilitarismus
  • Prinzipienorientierter Ansatz

Es gibt keinen einzigen Ansatz, der eine Lösung für alle ethischen Probleme bietet. In der Sportmedizin sind diese Ansätze jedoch nützlich, um einen Rahmen zu schaffen, der bei der Entscheidungsfindung und der ethischen Praxis hilft.(1)

Tugendhaftes Handeln ( edit | edit source )

Das tugendhafte Handeln umfasst Folgendes:(1)

  • Die Tugendethik legt Wert auf den Charakter des Arztes/des Klinikers (oder des moralisch Handelnden)
  • „Das tugendhafte Handeln vertritt die Auffassung, dass die Moral aus dem Charakter oder der Identität eines Individuums herrührt und nicht ein Spiegelbild der Handlungen des Individuums ist.“(1)
  • Die fünf Tugenden, die für eine medizinische Fachkraft gelten, sind:(2)
    • Vertrauenswürdigkeit
    • Integrität
    • Einsicht
    • Mitgefühl
    • Gewissenhaftigkeit
  • Eine weitere wertvolle Tugend ist Disziplin
  • Gutes Urteilsvermögen kommt von gutem Charakter
  • Im tugendhaften Handeln ist die Motivation des Klinikers von größter Bedeutung
  • Die ethische Entscheidungsfindung beruht auf dem Charakter des Klinikers
  • Die Rolle des tugendhaften Klinikers in der Sportmedizin ist in erster Linie das Wohlergehen des Athleten
  • Die Tugendethik ermöglicht die Anpassung von Entscheidungen an bestimmte Szenarien und die beteiligten Personen
    • Diese Flexibilität fördert das kreative Denken und die Problemlösung.
  • „Eine tugendhafte Person nimmt eine Situation wahr, beurteilt, was richtig ist, und will dann entsprechend handeln, weil es ihre Veranlagung ist, gut zu handeln.“(3)

Deontologie(edit | edit source)

Der deontologische Ansatz lässt sich wie folgt zusammenfassen:(1)

  • Pflichtbasierte Ethik
  • Das Richtige tun, weil es das Richtige ist
  • Wenn Sie entscheiden, was Sie in bestimmten Situationen tun sollten, fragen Sie sich: „Wäre es vertretbar, wenn alle auf diese Art handeln würden?“
  • Klinisches Szenario:(1)
    • Ein Sportler mit Gehirnerschütterung möchte weiterspielen
    • Fragen Sie sich selbst: „Wäre es vertretbar, wenn jeder Sportler mit einer Gehirnerschütterung weiter spielen dürfte?“
    • Die eindeutige Antwort in diesem Szenario lautet Nein, da die Sportler einem unzumutbaren Risiko ausgesetzt würden, was moralisch falsch ist.
  • Der Sportler wird als Ziel und nicht als Mittel gesehen
  • Der Erfolg der Mannschaft ist nie wichtiger als das Wohlergehen des einzelnen Sportlers(1)
  • Die zentrale Lehre der Deontologie besagt, dass Menschen die Pflicht haben, das Richtige zu tun, unabhängig von guten oder schlechten Auswirkungen(1)
    • Daher kann eine Entscheidung oder Handlung nicht gerechtfertigt werden, weil sie ein gutes Ergebnis hatte, oder verurteilt werden, weil sie ein schlechtes Ergebnis hatte.
  • Das Problem mit der Deontologie ist, dass sie absolute Werte liefert und keine Grauzonen bei der Entscheidungsfindung zulässt.(3)

Utilitarismus(edit | edit source)

Der Ansatz des Utilitarismus beinhaltet:(1)

  • Der Grundsatz des Utilitarismus fördert den Konsequentialismus
  • Die Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer Entscheidung oder Handlung wird nach ihren Folgen beurteilt(1)
  • Das Konzept, das Team über den einzelnen Athleten zu stellen, steht im Vordergrund dieses Ansatzes: „Es gibt kein ‚Ich‘ im Team“ („There is no ‚I‘ in TEAM“)
  • Das Ziel ist es, das größte Glück für die größte Anzahl von Individuen zu schaffen (in einem sportlichen Kontext bedeutet dies die Mannschaft)
  • Die Handlung oder Entscheidung kann gerechtfertigt sein, wenn der Nutzen den tatsächlichen oder potenziellen Schaden überwiegt (z. B. wollen Sportorganisationen das tun, was für die Sportorganisation richtig ist).
  • Das Problem bei diesem Ansatz ist, dass er die Interessen und das Wohlergehen des einzelnen Sportlers zugunsten des Mannschaftserfolgs vernachlässigt
  • Dies kann niemals der Ansatz eines Klinikers/einer medizinischen Fachkraft des Teams sein
  • Klinisches Szenario:(1)
    • Es gibt bestimmte Szenarien eines Teamumfelds, in denen ein utilitaristischer Ansatz angemessen sein kann
    • Szenario einer Teamreise – ein Athlet auf Mannschaftsfahrt verletzt sich
    • Der Athlet benötigt die Aufmerksamkeit, Zeit und Ressourcen des Mannschaftsklinikers für eine Behandlung und Rehabilitation, die so anspruchsvoll sind, dass sie sich möglicherweise negativ auf das übrige Team und die für den Rest des Teams verfügbaren medizinischen Leistungen auswirken können.
    • In diesem Szenario kann die Entscheidung getroffen werden, den Athleten zur weiteren Behandlung und Rehabilitation nach Hause zu schicken.

Prinzipienorientierter Ansatz ( edit | edit source )

Zur Prinzipienethik gehören die folgenden:(1)

  • Der bekannteste und nützlichste praktische und ethische Ansatz
  • Gilt als der am besten geeignete Ansatz in medizinisch-ethischen Situationen
  • Die vier Säulen der Prinzipienethik sind:
    • Autonomie
    • Fürsorge
    • Schadensvermeidung
    • Gerechtigkeit

Autonomie(edit | edit source)

  • Ein grundlegendes ethisches Prinzip ist der Respekt vor der Autonomie des Einzelnen(1)
  • Autonomie ist die Fähigkeit einer kompetenten Person, eine informierte, ungezwungene Entscheidung zu treffen(3)
  • Wissen ist ein unabdingbarer Bestandteil der Autonomie und steht im Mittelpunkt der informierten Zustimmung
  • In der Sportmedizin muss ein Sportler mit einer Verletzung, der eine Entscheidung über die Behandlung treffen muss, die Verletzung verstehen, die Risiken und Vorteile aller Behandlungsoptionen kennen und sich der zukünftigen Prognose bewusst sein(1)
  • Auch wenn die Entscheidung nicht nur den Athleten, sondern vielleicht auch die Mannschaft beeinflusst, bleibt die primäre Verpflichtung des Mannschaftsklinikers dem einzelnen Athleten gegenüber bestehen!
  • Andere Faktoren, die die Entscheidungsfindung beeinflussen können, sind:(3)
    • Druck von anderen Beteiligten
    • Ziele des Athleten
    • Finanzielle Auswirkungen
  • Klinisches Szenario(1)
    • Sportler mit einer Meniskusverletzung während der Saison
    • Der Meniskusriss ist reparabel, aber der Sportler hat zwei Möglichkeiten:
      • Option A: Arthroskopische Meniskektomie und schnelle Rückkehr zum Spiel
      • Option B: Meniskusreparatur und möglicher Ausfall für den Rest der Saison
      • Beide Optionen haben kurz- und langfristige Folgen:
        • Kurzfristige Folgen: Bei Option A eine schnellere Rückkehr zum Spiel, während bei Option B eine längere Rehabilitationszeit und möglicherweise das Verpassen der gesamten Saison
        • Langfristige Folgen: Bei Option A besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich später eine Degeneration des Knies entwickelt, während bei Option B das Risiko langfristiger Risiken und einer Degeneration des Knies geringer ist.
      • Nach dem Grundsatz der Autonomie muss der Sportler alle diese Möglichkeiten in ihrer Gesamtheit kennen, die Verletzung, die Risiken und Vorteile aller Behandlungsmöglichkeiten und die Zukunftsprognose verstehen. Nur so kann der Sportler eine informierte, ungezwungene Entscheidung treffen.
      • Lesen Sie mehr: Informierte Zustimmung

Fürsorge(edit | edit source)

  • Dieser Grundsatz besagt, dass eine medizinische Fachkraft/ein Kliniker „Gutes tun“ und das Interesse des Patienten fördern sollte(1)
  • Sportmedizinische Fachräfte können dem Athleten „Gutes tun“, indem sie Verletzungen behandeln und weitere Schäden verhindern.
  • Fürsorge geht Hand in Hand mit Schadensvermeidung

Schadensvermeidung(edit | edit source)

  • Erstens, nicht schaden(1)
  • Im Sport sind sich die Sportler bewusst, dass Verletzungen und Schäden ein Risiko darstellen, aber es bleibt die Aufgabe der sportmedizinischen Fachkräfte, weitere Schäden zu minimieren und zu versuchen, das Risiko so weit wie möglich zu begrenzen(1)
  • Klinisches Szenario:(1)
    • Ein Sportler, der beim Mannschaftsarzt eine Injektion eines Lokalanästhetikums beantragt, damit er weiterspielen oder wieder an Wettkämpfen teilnehmen kann
      • Option A: Der Arzt verabreicht die Injektion und der Sportler kann weitermachen (kurzfristiger Gewinn), riskiert aber möglicherweise weitere Verletzungen und/oder langfristige Risiken und Schäden
      • Option B: Der Arzt verabreicht keine Injektion und der Sportler kann nicht weiterspielen, aber dies ermöglicht eine gründlichere Beurteilung der Verletzung. Dem Athleten bleiben jedoch mögliche sportliche Erfolge verwehrt, und auch die Mannschaft kann in Mitleidenschaft gezogen werden.
      • World Rugby hat eine Anästhesie-Richtlinie, die klarstellt, dass „ein Spieler am Spieltag keine Lokalanästhesie erhalten darf, es sei denn, es handelt sich um das Nähen von blutenden Wunden oder um eine zahnärztliche Behandlung, die von einem entsprechend qualifizierten Arzt oder Zahnarzt durchgeführt wird“.
Fürsorge vs Schadensvermeidung ( edit | edit source )

Sportler zeigen manchmal ein riskantes Verhalten in Bezug auf ihre eigene Karriere und ihr Wohlergehen, was zu schwierigen Situationen führen kann. Wie bereits erwähnt, sind sich die Sportler des Risikos bewusst, und die Aufgabe des Sportklinikers besteht darin, weitere Schäden zu minimieren und zu versuchen, das Risiko zu begrenzen. Der Sportler ist nicht verpflichtet, den Rat oder den empfohlenen Plan des Klinikers zu befolgen, aber er sollte sich des Risikos und der Folgen der von ihm getroffenen Entscheidungen bewusst sein. Der Sportkliniker sollte die Entscheidung des Sportlers auch dann respektieren, wenn sie nicht mit der Meinung des Klinikers übereinstimmt. Sportorganisationen können dabei helfen, indem sie Leitlinien für kontroverse Behandlungen bereitstellen.(1)

Gerechtigkeit(edit | edit source)

Die vierte Säule der Prinzipienethik ist die Gerechtigkeit und umfasst Folgendes:(1)

  • Gerechtigkeit = faires Handeln, wenn die Interessen verschiedener Personen miteinander konkurrieren
  • Drei Kategorien von Verpflichtungen der Gerechtigkeit:
    • Verteilungsgerechtigkeit – die gerechte Verteilung knapper Ressourcen
      • Knappe Ressourcen sollten gleichmäßig und bedarfsorientiert verteilt werden und nicht auf der Grundlage von Starspielern, die bevorzugt behandelt werden
    • Rechte-basierte Gerechtigkeit – Respekt für die Rechte der Menschen
      • Kliniker sollten das Recht eines jeden Athleten auf Behandlung respektieren und dürfen eine Behandlung nicht aufgrund von Voreingenommenheit oder gegenteiligen Überzeugungen unterlassen
    • Regelgerechtigkeit – Respekt für moralisch vertretbare Gesetze
      • Kliniker sollten den von ihnen betreuten Sportlern keinen absichtlichen Schaden zufügen

Ethikkodex ( edit | edit source )

Die International Federation of Sports Medicine (FIMS) hat einen Ethikkodex, den Sie hier nachlesen können.(4)

Die International Federation of Sports Physical Therapists (IFSPT) verfügt ebenfalls über einen Ethikkodex, der auf dem Ethikkodex der International Federation of Sports Medicine (FIMS) und den ethischen Grundsätzen des WCPT basiert. Sie können den IFSPT-Ethikkodex hier lesen.

Einzigartigkeit der Sportmedizin ( edit | edit source )

Einige der besonderen Herausforderungen, denen sich Kliniker bei der Betreuung von Sportlern gegenübersehen, sind:(5)

  • Druck seitens des Trainerstabs, der Mannschaftsleitung und der Athleten selbst, so früh wie physisch möglich in den Sport zurückzukehren
  • Die Athleten stehen unter dem Druck, sich den Respekt ihrer Mannschaftskameraden zu verdienen, und müssen im Falle einer Verletzung auch mit finanziellen Konsequenzen rechnen.
  • Ungenaue Angaben über eine Verletzung und ihre Schwere durch den Sportler aus Angst, Trainings- oder Spielzeit zu verpassen
  • Die Wahrung der Vertraulichkeit von Informationen in der Beziehung zwischen Kliniker und Patient ist häufig eine Trias aus Kliniker, Patient und Trainer, an der Dritte beteiligt sind, z. B. ein Trainer oder Teammanager.
  • Athleten sind ständig bestrebt, ihre Leistung zu verbessern.(6) Bestimmte Hilfsmittel, die Athleten zu diesem Zweck einsetzen, können sein:(6)
    • Nahrungsergänzungsmittel
    • Medikation, z. B. falsche Handhabung oder übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln
    • Doping mit verbotenen Substanzen und leistungssteigernden Mitteln
      • Hier finden Sie die World Anti-Doping Code International Standard Prohibited List 2022
    • Übermäßiges Training von Sportlern, das das Risiko erhöht
  • Lesen Sie weiter: Ethical concerns in sport: when the will to win exceed the spirit of sport(5)

Die Rolle des Klinikers im Sport ( edit | edit source )

  • Die Gesundheit und Sicherheit des einzelnen Sportlers stehen an erster Stelle
  • Die Athleten müssen das Recht haben, ihre eigene informierte Entscheidung zu treffen.
    • Denken Sie daran, dass in einem stark aufgeladenen Spielumfeld eine informierte Zustimmung schwieriger ist
  • Es liegt in der Verantwortung des Arztes, zu entscheiden, ob die Fortsetzung des Trainings oder die Teilnahme des Athleten angemessen ist.
  • Bewahren Sie eine gewisse professionelle Distanz zum Managementteam
  • Kliniker an erster Stelle, Teamkliniker an zweiter Stelle
  • Geben Sie niemals Ihre Verantwortung an den einzelnen Spieler ab

Annäherung an ethische Dilemmas ( edit | edit source )

  • Ethische Ansätze und Grundsätze sind ein Rahmen, der als Referenz für die Entscheidungsfindung dient
  • Im Mittelpunkt der klinischen Entscheidungsfindung steht das professionelle Urteilsvermögen des Klinikers
  • Professionelles Urteilsvermögen sucht immer nach dem Gleichgewicht – dem Gleichgewicht zwischen ethischen Grundsätzen wie der Patientenautonomie, der Schadensvermeidung, der Schaffung von Wohlbefinden und der Bewertung von Risiken und Nutzen – und versucht gleichzeitig, den Bedürfnissen und Interessen anderer Beteiligter wie Trainer, Teamleitung und Mannschaft gerecht zu werden.

Der Prinzipienansatz im Kinder- und Jugendsport ( edit | edit source )

Die Anwendung des Prinzipienansatzes auf ein Kind setzt Kompetenz voraus.(7) Kompetenz ist Teil der Autonomie.

  • Autonomie
    • Die drei Konzepte, die die Anwendung der Autonomie bei Kindern und Jugendlichen im Sport bestimmen, sind:(8)
      • Kompetenz
        • Die Fähigkeit, die für eine Entscheidung erforderlichen Informationen zu verstehen
        • Abhängig von der Rechtsordnung eines Landes
      • Vertraulichkeit
        • Das Recht der kompetenten Person, die Weitergabe von Informationen ohne ihre Zustimmung einzuschränken
      • Informierte Zustimmung
        • Das Recht einer kompetenten Person, Entscheidungen auf der Grundlage von Informationen zu treffen
        • Für eine informierte Zustimmung sind drei Komponenten erforderlich:
          • Entscheidungsfähigkeit, also kompetent
          • Ausführliche Erörterung der Risiken, Vorteile, Ergebnisse und Prognosen aller Behandlungsmöglichkeiten
          • Ausreichendes Verständnis – berücksichtigen Sie die verwendete Sprache, den Umfang der Informationen und die Reife des Athleten
    • Entwicklung der Autonomie

      Die Beurteilung und Entwicklung der Autonomie bei Kindern und Jugendlichen hängt von einigen Faktoren ab. Dazu gehören:(8)

      • Mündigkeit
      • Kognitiver und affektiver Entwicklungsstand des Kindes oder Jugendlichen
      • Die Fähigkeit zu verstehen und zu entscheiden
      • Ausreichende Reife und Intelligenz
      • Verantwortung bei Aktivitäten des täglichen Lebens
    • Es ist schwierig zu entscheiden, wo die Schwelle liegt, die das inkompetente Kind vom kompetenten Erwachsenen trennt. Man sollte die Entscheidung einer kompetenten Person akzeptieren, auch wenn andere glauben, dass die Entscheidung falsch ist. Kinder brauchen Zeit, um diese Fähigkeiten zu entwickeln. Verantwortung und Entscheidungsfindung sollten bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden, und als Kliniker ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die Entwicklung der Autonomie bei Kindern fördern, diese sich entwickelnde Autonomie schützen und auch die zukünftige Autonomie des Kindes respektieren.(3)
  • Erwägungen zur Fürsorge und Schadensvermeidung(7)
    • Kompetente Erwachsene treffen Entscheidungen, von denen sie glauben, dass sie ihnen das Leben erleichtern werden. aber inkompetente Kinder können solche Entscheidungen nicht treffen
    • Was ist das beste Interesse des Kindes oder Jugendlichen und wer entscheidet, nach welchen Maßstäben Entscheidungen getroffen werden sollten?
    • Wenn der Maßstab des besten Interesses zu anspruchsvoll ist, sollte der Schwerpunkt dann eher darauf liegen, nicht gegen das Interesse des Kindes oder Jugendlichen zu handeln?
    • Berücksichtigen Sie die Gesamtbedürfnisse des Kindes oder Jugendlichen und nicht nur die gesundheitlichen Belange
  • Elterliche Sorge(7)
    • Die elterliche Sorge sollte im Interesse des Kindes liegen
    • Sie sollte nicht so weit gehen, dass dem Kind dauerhafter Schaden zugefügt wird.
    • Die Autonomie der Eltern sollte ebenfalls respektiert werden, aber es gibt Grenzen für die elterliche Sorge
    • Der Schwerpunkt sollte immer auf dem Schutz des gesamten Kindes und seinen allgemeinen Interessen liegen.

Klinische Fallstudie ( edit | edit source )

Jeder Fall, mit dem ein Kliniker konfrontiert wird, ist anders und einzigartig, und es gibt kein einheitliches Ergebnis in allen Fällen. Aus diesem Grund ist ein gemeinsamer Entscheidungsfindungsprozess zwischen dem Kind oder jugendlichen Sportler, den Eltern oder der Familie und den beteiligten Klinikern von entscheidender Bedeutung.(9) Kliniker sollten alle Informationen und den aktuellen Wissensstand zu Risiken und Nutzen, möglichen Ergebnissen und Prognosen zur Verfügung stellen.(9)

„Der elfjährige Martin ist ein vielversprechender Spieler der Fußballakademie und hat einen akuten Riss des vorderen Kreuzbandes (VKB). Es sind keine anderen Kniestrukturen betroffen, und es besteht auch keine dynamische Instabilität. Im Allgemeinen geht es Martin gut. Er kann laufen, die Richtung wechseln, kicken und springen, ohne Probleme.“(10)

Zwei Szenarien für die Behandlung von Martins Verletzung:

Eine klinische Fallstudie, vorgestellt von Ardern et al.(10)
Szenario 1 Szenario 2
  • Medizinisches Team rät zur VKB-Rekonstruktion, Eltern stimmen der Operation nicht zu
  • Begründung des medizinischen Teams:
    • Sport mit hoher Kniebelastung
    • Spitzensportler
  • Möglicher Interessenkonflikt:
    • Medizinisches Team arbeitet eng mit dem Verein zusammen
    • Druck von Seiten der Vereinsverwalter
  • Begründung der Eltern, die Operation abzulehnen:
    • Martin ist zu jung
    • Frühere Erfahrungen mit Komplikationen bei einer Operation bei einem anderen Geschwisterkind
  • Das medizinische Team befürwortet eine konservative Behandlung (rät von einer VKB-Rekonstruktion ab), die Eltern sind an einer Operation interessiert und möchten, dass der Verein die Kosten dafür übernimmt
  • Begründung des medizinischen Teams:
    • Isolierter Kreuzbandriss ohne dynamische Instabilität
    • Sie möchten zunächst eine Rehabilitation versuchen
  • Die Eltern wollen eine Operation und investieren möglicherweise in Martins zukünftiges finanzielles Potenzial
  • Es ist nicht bekannt, ob ein Verein jemandem einen Profivertrag anbietet, der sich eine schwere Verletzung zugezogen hat, unabhängig davon, ob diese konservativ oder chirurgisch behandelt wurde.

Entscheidungsfindung in der klinischen Fallstudie ( edit | edit source )

Es werden zwei in der Literatur verfügbare Ansätze angewandt und kombiniert, um die Schritte zu veranschaulichen, die bei der Entscheidung über die Betreuung von Martin (Fallstudie) zu unternehmen sind.(3)

Der von Ardern et al. dargelegte Ansatz(10) bei der Anwendung ethischer Standards als Richtschnur für gemeinsame Entscheidungen mit jugendlichen Sportlern:

  • Zusammenfassen der Informationen(10)
    • Sammeln Sie die relevanten Fakten
      • Fakt 1: Es ist nicht bekannt, ob junge Sportler mit einer VKB-Verletzung, mit oder ohne VKB-Rekonstruktion, eine erfolgreiche Profi-/Elitesportkarriere haben können
      • Fakt 2: Angemessene Behandlungen für Jugendsportler mit VKB-Verletzungen umfassen sowohl eine hochwertige Rehabilitation allein als auch in Kombination mit einer VKB-Rekonstruktion(11)
    • Welche Ungewissheiten gibt es?
      • Ungewissheit 1: Wie stehen Martins Chancen, mit einer nicht-operativen Behandlung das höchste Niveau in seinem Sport zu erreichen?
      • Ungewissheit 2: Kann Martin die nächsten Jahre und den Einstieg in den Profisport mit einem VKB-defekten Knie überstehen, wenn die Operation verschoben wird?
      • Ungewissheit 3: Wird der Verein Martin in der Fußballakademie behalten, wenn er sich einer VKB-Rekonstruktion unterzieht?

Der zweite Ansatz ist die Anwendung eines deliberativen Ansatzes, wie er von Michaud et al. skizziert wurde.(8) Bei diesem Ansatz werden sechs Fragen gestellt, die den Kliniker bei der ethischen Entscheidungsfindung leiten sollen.

Deliberativer Ansatz, wie von Michaud et al. skizziert.(8)
Was? Wer? Was ist das wichtigste ethische Problem?

Wer sind die Beteiligten?

Kompetent Kann das Kind/der Jugendliche als kompetent angesehen werden?
Gesetzliche Lage Von Land zu Land unterschiedlich

Einwilligungsalter?

Alter für die Unterrichtung der Eltern?

Alter für das Recht auf Vertraulichkeit

Medizinische und psychologische Folgen der jeweiligen Behandlung? Kurz- und langfristige Folgen
Andere Beteiligte einbeziehen? Einbeziehung anderer Beteiligter wie Eltern, Trainer, Mannschaft
Abwägen der Vor- und Nachteile einer Entscheidung Unter Berücksichtigung der ethischen Säulen

Bestes Interesse des Kindes/Jugendlichen

Berücksichtigung der Autonomie

Berücksichtigung der möglichen Schwachstellen

In der folgenden Tabelle wird der deliberative Ansatz auf die spezifische Fallstudie von Martin mit der VKB-Verletzung angewendet.

Die Anwendung eines deliberativen Ansatzes auf die Fallstudie von Martin(3)
Was? Wer? Das Hauptproblem besteht darin, das beste Management für Martin zu bestimmen

Eine Rekonstruktion jetzt oder eine konservative Rehabilitation und die Möglichkeit einer späteren Operation?

Martin, Martins Eltern und die Akademie, das Managementteam und der Trainer

Kompetent? Martin ist erst elf, aber was wir nicht wissen, ist:

  • Verfügt er über eine ausreichende Reife?
  • Welche Aufgaben hat er bei den Aktivitäten des täglichen Lebens?
  • Besitzt er die Fähigkeit zu verstehen?
  • Wie sieht seine kognitive und affektive Entwicklung aus?
Gesetzliche Lage Gesetzliches Einwilligungsalter?
Medizinische und psychologische Folgen der einzelnen Behandlungen Szenario 1: Sofortige VKB-Rekonstruktion

  • Geringes Risiko eines gesundheitlichen Schadens?
  • Mögliche Unterbrechung des Wachstums?
  • Abwesenheit vom Fußball – verpasst 9 – 12 Monate
  • Wird er in der Akademie bleiben dürfen?
  • Verbesserung der Chancen auf sportlichen Erfolg im Erwachsenenalter und mögliche zukünftige Verletzungen?
    • Es mangelt an Evidenz, um von diesen Vorteilen überzeugt zu sein
Einbindung anderer Beteiligten Eltern und Vereinsleitung, Trainer, Mannschaft
Abwägen der Vor- und Nachteile einer Entscheidung
  • Autonomie von Kind und Eltern
  • Fakten und Schwachstellen
  • Was ist insgesamt in Martins bestem Interesse?
    • DAS ELTERLICHE ERMESSEN AKZEPTIEREN
    • Konservative Behandlung jetzt; verzögerte Operation

Umgang mit ethischen Dilemmas bei Kindern und Jugendlichen im Sport ( edit | edit source )

Eine Zusammenfassung der Vorgehensweise, die Kliniker beim Management von Kindern und Jugendlichen anwenden sollten:(3)

Umgang mit ethischen Dilemmas bei Kindern und Jugendlichen im Sport

  • Kliniker nutzen ethische Grundsätze als Rahmen für die Entscheidungsfindung
  • Suche nach einem Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen und Interessen des Kindes und Jugendlichen und den Bedürfnissen und Interessen anderer Beteiligter, insbesondere der Eltern
  • Besondere Aufmerksamkeit sollte der Entwicklung der Autonomie des Kindes gewidmet werden, wobei Konzepte wie Kompetenz, informierte Zustimmung und Vertraulichkeit zu beachten sind.
  • Kliniker sollten sich für die Entwicklung von Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sport einsetzen und sich gegen jede Sportart oder körperliche Aktivität aussprechen, die nicht dem Wachstumsstadium, der Entwicklung, dem Allgemeinzustand und der Gesundheit sowie dem Trainingsstand von Kindern und Jugendlichen angemessen ist(12)
  • Kliniker sollten immer im besten Gesamtinteresse des Kindes und des jugendlichen Athleten handeln und die elterliche Sorge und Diskretion berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf das Wohlergehen des inkompetenten Kindes(12)

Ressourcen(edit | edit source)

(13)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 1.19 1.20 Devitt BM. Fundamental ethical principles in sports medicine. Clinics in sports medicine. 2016 Apr 1;35(2):195-204.
  2. Beauchamp T.L., Childress J.F.: Principles of biomedical ethics.7th edition2013.Oxford University PressNew Yorkpp. xvi. 459
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 Momberg, B. Ethical consideration in the Child and Adolescent Athlete Course. Physioplus. 2022
  4. International Federation of Sports Medicine. Code of Ethics.
  5. 5.0 5.1 Vargas-Mendoza N, Fregoso-Aguilar T, Madrigal-Santillán E, Morales-González Á, Morales-González JA. Ethical concerns in sport: when the will to win exceed the spirit of sport. Behavioral Sciences. 2018 Sep;8(9):78.
  6. 6.0 6.1 Silva TT. Ethical issues in the practice of sports medicine in the contemporary world. Revista Bioética. 2019 Feb 21;27:62-6.
  7. 7.0 7.1 7.2 Baines P. Medical ethics for children: applying the four principles to paediatrics. Journal of medical ethics. 2008 Mar 1;34(3):141-5.
  8. 8.0 8.1 8.2 8.3 Michaud PA, Berg-Kelly K, Macfarlane A, Benaroyo L. Ethics and adolescent care: an international perspective. Current opinion in pediatrics. 2010 Aug 1;22(4):418-22.
  9. 9.0 9.1 Ganley TJ. Pediatric Anterior Cruciate Ligament Injury: Advocating for the Next Generation. The American Journal of Sports Medicine. 2020 Jul;48(8):1809-11.
  10. 10.0 10.1 10.2 10.3 Ardern CL, Grindem H, Ekås GR, Seil R, McNamee M. Applying ethical standards to guide shared decision-making with youth athletes. British Journal of Sports Medicine. 2018 Oct 1;52(20):1289-90.
  11. Ardern CL, Ekås GR, Grindem H, Moksnes H, Anderson AF, Chotel F, Cohen M, Forssblad M, Ganley TJ, Feller JA, Karlsson J. 2018 International Olympic Committee consensus statement on prevention, diagnosis and management of paediatric anterior cruciate ligament (ACL) injuries. British Journal of Sports Medicine. 2018 Apr 1;52(7):422-38.
  12. 12.0 12.1 Mountjoy M, Rhind DJ, Tiivas A, Leglise M. Safeguarding the child athlete in sport: a review, a framework and recommendations for the IOC youth athlete development model. British Journal of Sports Medicine. 2015 Jul 1;49(13):883-6.
  13. WiSH – Wits Sport and Health. WiSH Webinar „Ethics in Sport Medicine“. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=P-tFvghXqjw&t=2387s (last accessed 04/05/2022)


Berufliche Entwicklung in Ihrer Sprache

Schließen Sie sich unserer internationalen Gemeinschaft an und nehmen Sie an Online-Kursen für alle Rehabilitationsfachleute teil.

Verfügbare Kurse anzeigen