„Ein Mantra in der Wundversorgung ist es, den GANZEN Patienten zu betrachten, nicht nur die WUNDE des Patienten.“
– Dana Palmer, Physiotherapeutin
Es ist wichtig, daran zu denken, dass Wunden oft durch eine oder mehrere Grunderkrankungen verursacht werden. Diese Erkrankungen wirken sich auf die festgelegten Ziele, den Behandlungsplan, die Prognose und die Patientenedukation aus. Der Kliniker muss beim Wundassessment die anatomische Beschaffenheit des Patienten, seine physiologischen Funktionen und seine Umwelt berücksichtigen.(1)
Es ist wichtig, einen Patienten immer als ganze Person zu beurteilen und alle systemischen Symptome zu beachten, die über die Wunde hinausgehen. Nachfolgend finden Sie eine Liste möglicher Befunde, die eine Rücküberweisung an den Hausarzt oder eine Überweisung an eine Einrichtung der Notfallversorgung erforderlich machen.(1)
Weitere Informationen zu klinischen Red Flags finden Sie auf dieser Seite. Bitte gehen Sie bei Bedarf nochmal das Thema des Flaggensystems durch. um mehr über weitere klinische Flaggen zu erfahren, auf die Sie bei Patientengesprächen achten sollten.
| Subjektive Beschwerden / Zeichen oder Symptome | Potenzielles Risiko |
|---|---|
| Neuauftreten oder Verschlechterung von Fieber und Unwohlsein, insbesondere in Verbindung mit verstärkten Schmerzen, Erythemen, Ödemen oder Geruch | Systemische Infektion oder Sepsis |
| Erythem, das sich mehr als zwei Zentimeter über den Wundrand hinaus ausbreitet bei einem neuropathischen Ulkus
Patienten mit Diabetes weisen oft nicht die typischen Zeichen einer Wundinfektion auf. In diesen Fällen kann es auch zu reichlich serösem Wundsekret kommen. |
Lokale Wundinfektion |
| Mit einer sterilen Sonde kann Knochen in der Wunde ertastet werden („Probe-to-bone“-Test) oder der Knochen ist in einer Wunde sichtbar, insbesondere in Verbindung mit Fieber, Ödemen, Erythem und Wundgeruch oder anderen Anzeichen einer Infektion | Osteomyelitis |
| Erythem, Ödem, tiefe Schmerzen und heiße Haut bei der Palpation, insbesondere bei schneller Ausbreitung
Gegebenenfalls kann Fieber auftreten, aber nicht immer. |
Tiefe Venenthrombose (TVT), Infektion, Zellulitis oder nekrotisierende Fasziitis |
| Schmerzen in der Brust | Angina pectoris oder ein akuter Myokardinfarkt (MI) |
| Kurzatmigkeit mit beidseitigem Ödem der unteren Extremitäten | Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz |
| Ausschlag, Juckreiz, Ödeme und Kurzatmigkeit | Arzneimittelallergie oder medikamentöses Hypersensitivitätssyndrom |
| Blasen und Schmerzen entlang eines Dermatoms | Akuter Ausbruch von Herpes zoster (Gürtelrose) |
| Ein dunkler Leberfleck mit Asymmetrie, ungleichmäßigen Rändern, wechselnder Farbe, einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter, fortschreitend, insbesondere wenn er blutet oder schorfig ist | Melanom |
| Schmerzen in den unteren Extremitäten, die bei Aktivität zunehmen oder den Patienten nachts aufwecken, sowie kühle Extremitäten in der Palpation und fehlender oder schwacher Puls | Mäßige bis schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) |
| Synkope und Schwindelgefühl | Hypotonie, Hypoglykämie |
| Verminderter mentaler Status | Hyperglykämie, zerebrovaskuläres Ereignis (wie beispielsweise eine transitorische ischämische Attacke oder ein zerebrovaskulärer Insult) |
| Blutungen in der Wunde, die sich nicht durch Druck kontrollieren lassen | Arterielle Lecks, eine hohe International Normalized Ratio (INR-Wert) oder eine niedrige Thrombozytenzahl |
| Plötzliches Auftreten von Blutergüssen an einer distalen Extremität | Akuter peripherer Arterienverschluss |
| Erytheme, warme Haut und Schmerzen bei Belastung bei einem Patienten mit Diabetes | Akuter Charcot-Fuß |
Besonderes Thema: Hypoglykämie versus Hyperglykämie
Hyperglykämie (hoher Blutzucker) kann auftreten bei Personen mit Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes sowie schwangeren Personen in Form eines Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Auch Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt sind, aber kürzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben oder an einer schweren Infektion leiden, können davon betroffen sein.
Die Symptome einer Hyperglykämie bei Menschen mit Diabetes entwickeln sich in der Regel langsam über einige Tage oder Wochen. In manchen Fällen treten keine Symptome auf, bis der Blutzuckerspiegel sehr hoch ist.(2)
Zu den Symptomen einer Hyperglykämie gehören:(2)
- erhöhter Durst und trockener Mund
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit
- verschwommenes Sehen
- ungewollter Gewichtsverlust
- wiederkehrende Infektionen, wie Soor, Harnwegs- und Hautinfektionen
Folgende Symptome können ein Anzeichen für eine diabetische Ketoazidose sein und in Verbindung mit einem gemessenen hohen Blutzucker die sofortige Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich machen:(3)
- extremer Durst
- schnelles, tiefes Atmen
- trockene Haut und Mund
- gerötetes Gesicht
- fruchtig riechender Atem
- Kopfschmerzen
- Muskelsteifigkeit oder -schmerzen
- starke Müdigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Magenschmerzen
- Schwierigkeiten, wach zu bleiben
Hypoglykämie (Unterzuckerung) wird am häufigsten mit Diabetes in Verbindung gebracht, kann aber auch bei Personen ohne Diabetes aufgrund von schwerer Unterernährung, übermäßigem Alkoholkonsum oder Erkrankungen wie der Addison-Krankheit auftreten.(4)
Frühwarnzeichen:(4)
- Hunger
- Zittern oder Zittrigkeit
- Schwitzen
Zu den Anzeichen in schwereren Fällen gehören:(4)
- Verwirrung
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Verlust des Bewusstseins
Wenn ein Patient an Unterzuckerung leidet, sollten Sie zunächst seinen Blutzuckerspiegel überprüfen. Nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sollten Sie bei einem Blutzuckermesswert zwischen 55 und 69 mg/dL die 15-15-Regel befolgen: Geben Sie dem Patienten 15 Gramm Kohlenhydrate und kontrollieren Sie den Blutzucker nach 15 Minuten erneut. Wiederholen Sie den Vorgang, wenn der Blutzuckerspiegel des Patienten immer noch unter dem Zielbereich liegt. Liegt der Blutzuckerspiegel unter 55 mg/dL, gilt er als stark erniedrigt und sollte mit injizierbarem Glukagon behandelt werden. Wenn dies nicht möglich ist oder Sie nicht darin geschult sind, diese Injektion zu verabreichen, rufen Sie sofort den Notarzt. Auch nach der Verabreichung von injizierbarem Glukagon sollte auch der Notdienst alarmiert werden, damit der Patient umfassend untersucht werden kann.(5)
Sehen Sie sich das folgende kurze Video an, um zu erfahren, wie Sie die Anzeichen und Symptome eines zerebrovaskulären Insults (Schlaganfall) erkennen können.
Dies ist der Moment, um Informationen vom Patienten zu sammeln und eine Beziehung und Vertrauen aufzubauen, bevor mit dem praktischen Wundassessment begonnen wird. Dies ist zwar für jede Beziehung zwischen Patient und Kliniker wichtig, kann aber noch wichtiger sein, wenn es um Wunden und Gefühle von Angst, Scham und Unsicherheit geht. Die Krankengeschichte wird auch Aufschluss darüber geben, ob eine Überweisung an andere Mitglieder des medizinischen Teams erforderlich ist, z. B. Diätassistenten, Diabetesmanagement, Raucherentwöhnung oder Drogen-/Alkoholberatung.(1)
Nachfolgend finden Sie eine Liste von Beispielfragen für die Erhebung der Krankengeschichte in der Wundversorgung.(1) Eine vollständige Liste der subjektiven Fragen finden Sie im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“ am Ende der Seite. (In englischer Originalsprache)
Sehen Sie sich das folgende kurze Video an, um zu erfahren, wie Sie die Anzeichen einer tiefen Venenthrombose erkennen können, und um ein Beispiel an einem echten Patienten zu sehen. (In englischer Originalsprache)