Der zervikogene Kopfschmerz (ZKS) ist eine Form des Kopfschmerzes, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule und den dazugehörigen Strukturen hat und in den Kopf ausstrahlt. Eine ausführliche Erörterung des zervikogenen Kopfschmerzes finden Sie hier. Eine Funktionsstörung der oberen Halswirbelsäule gilt als Ursache für ZKS.(1) Der obere Trapezius (M. trapezius, pars descendens) hat jedoch ein eindeutiges Muster von übertragenen Schmerzen zum Kopfbereich, so dass auch er bei der Befunderhebung und Behandlung von ZKS berücksichtigt werden sollte.(2)
Wie hier erörtert, können sich Schmerzen vom Nacken zum Kopf (und umgekehrt) übertragen, weil Afferenzen des N. trigeminus und der oberen drei zervikalen Spinalnerven zusammenlaufen (Konvergenz).(1)(3)(4) Auf diese Weise können somatosensorische, propriozeptive und nozizeptive Informationen aus dem M. trapezius, dem M. sternocleidomastoideus und anderen zervikalen Muskeln am Nucleus trigeminocervicalis ausgetauscht und schließlich an die trigeminalen sensorischen Bereiche von Kopf und Gesicht weitergeleitet werden.(5)
Häufige Muster von übertragenen Schmerzen aus dem M. trapezius werden im folgenden Video gezeigt.
Der M. trapezius spielt eine wichtige Rolle bei der Bewegung der Scapula.(7) Der M. serratus anterior und der M. trapezius sind die wichtigste Muskelschlinge, die auf das Schulterblatt wirkt. Wenn diese Stabilisatoren schwach sind oder nicht angemessen aktiviert werden, können die Positionierung und die Biomechanik der Scapula beeinträchtigt werden.(7)
Das folgende Video bespricht die wichtigsten Schultermuskeln im Allgemeinen, einschließlich M. trapezius und M. serratus anterior.
Der obere Trapezius (OT), d.h. die Pars descendens des M. trapezius, setzt distal an der Clavicula an, so dass der größte Teil seines Einflusses auf die skapulothorakale Mobilität hier stattfindet. Durch die Kontraktion des oberen Trapezius kommt es zur Elevation und Retraktion der Clavicula.(7)
Patienten, die bei der Elevation des Arms Schulterschmerzen haben, weisen häufig abnorme Schulterbewegungen auf, zusätzlich zu folgenden Merkmalen:(2)(7)
Diese übermäßige Aktivierung des oberen Trapezius steht wahrscheinlich in Zusammenhang mit:(7)
Eine verminderte Aktivierung des unteren Trapezius geht wahrscheinlich mit einer reduzierten Aufwärtsrotation der Scapula einher.(7)
Eine verzögerte Aktivierung des mittleren Trapezius kann mit einer verstärkten Innenrotation der Scapula und einer geringeren Stabilisierung der Scapula auf dem Thorax zusammenhängen.(7)
Der obere Trapezius ist zwar an Schulterschmerzen beteiligt, kann aber auch an zervikalen Dysfunktionen und ZKS beteiligt oder davon betroffen sein.(2)(9)(10) In einer kürzlich durchgeführten Studie von Park und Kollegen wurde ein statistisch signifikanter Unterschied im Tonus und in der Steifigkeit sowohl des oberen Trapezius als auch der subokzipitalen Muskulatur bei Patienten mit zervikogenen Kopfschmerzen im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen festgestellt.(10)
Bei der Beurteilung eines Muskels ist es wichtig zu wissen, was „verspannt“ bedeutet. Der Begriff kann sich sowohl auf die mangelnde Länge eines Muskels beziehen als auch auf einen erhöhten muskulären Tonus:(2)
Mögliche Ursachen für eine Dysfunktion des oberen Trapezius sind:(2)
Bitte klicken Sie auf die Links, um ausführlichere Informationen zur Untersuchung der Halswirbelsäule und der Schulter zu erhalten. Die folgenden Punkte sind besonders relevant für die Überaktivität des oberen Trapezius und ihre Beziehung zu ZKS.
Palpieren Sie den oberen Trapezius in einer belasteten Haltung (z. B. im Sitzen oder Stehen) und beurteilen Sie die Spannung. Normalerweise sollte dieser Muskel in Ruhe entspannt sein, so dass eine Verspannung auf eine Überbeanspruchung des oberen Trapezius hinweisen würde. Bringen Sie den Patienten dann in eine liegende Position und vergleichen Sie das Ausmaß der Spannung des oberen Trapezius. Wenn sich die Spannung gelöst hat, liegt wahrscheinlich ein Tonusproblem vor.(2)
Alternativ können Sie auch eine gekrümmte Sitzhaltung mit einer aufrechten Haltung (d. h. Schultern zurück) vergleichen. Wenn sich der obere Trapezius in aufrechter Position entspannt, deutet dies wiederum auf ein Tonusproblem im Zusammenhang mit der Körperhaltung hin.(2)
Zu den Problemen, die bei der Untersuchung der Muskelkraft oder bei der Durchführung funktioneller Übungen auftreten können, gehören:(2)
Bei der Elevation des Arms müssen alle vier Schultergelenke eine Winkelbewegung ausführen. Die allgemeinen Bewegungsmuster bei der Elevation des Arms wurden wie folgt identifiziert:(11)
Normalerweise dreht sich die Scapula bei der Flexion (Anteversion) und Abduktion der Schulter um etwa 60 Grad aufwärts.(2)
Ein reduziertes Bewegungsausmaß könnte auf Folgendes zurückzuführen sein:(2)
Bei der Rückkehr in die neutrale Position aus der Abduktion oder Flexion (d. h. der exzentrischen Phase der Bewegung) ist es wichtig, ein mögliches „Winging“ der Scapula zu erfassen. Ein Winging der Scapula kann zahlreiche Ursachen haben.(12) Das primäre Winging bezieht sich auf eine Dysfunktion oder eine verminderte Kontrolle der skapulothorakalen Stabilisatoren, einschließlich des M. serratus anterior und des M. trapezius.(2)(12) Ein sekundäres Winging tritt in Verbindung mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. einer subakromialen Bursitis oder Erkrankungen des Glenohumeralgelenks.(12)
Beim sogenannten „shoulder hike“ zieht der obere Trapezius die gesamte Schulter bei Armbewegungen hoch. Dabei handelt es sich in der Regel um eine kompensatorische Bewegung, um das Bewegungsausmaß der Schulter zu vergrößern. Wenn eine Person dieses Bewegungsmuster regelmäßig ausführt, führt dies zu einer Überlastung des oberen Trapezius und verursacht Schmerzen.(2)
Wie bereits erwähnt, sollten der obere Trapezius, der Serratus anterior und der untere Trapezius bei der Elevation des Arms zusammenarbeiten. Bei einem Hochziehen der Schulter ist es daher wichtig, eventuelle Ungleichgewichte in diesen Muskeln zu beheben und das Bewegungsmuster neu zu trainieren.(2)
Beachte: Die tiefen Nackenflexoren spielen eine wichtige Rolle bei der Stabilisation des Atlantookzipitalgelenks und arbeiten auch mit einigen der globalen vorderen Muskeln (z. B. M. sternocleidomastoideus) zusammen. Sie wirken aber auch dem oberen Trapezius entgegen, um zu verhindern, dass während der Elevation des Arms eine Bewegung der Halswirbelsäule stattfindet.(2)
Probleme der Halswirbelsäule, wie Hypomobilität und Radikulopathie,(13) haben auch Auswirkungen auf den oberen Trapezius. Für weitere Informationen über die Untersuchung und Behandlung von ZKS aufgrund einer Dysfunktion der oberen Halswirbelsäule, klicken Sie bitte hier.
Die Zwerchfellatmung kann dazu beitragen, den Tonus im oberen Trapezius zu verringern.(2) Es gibt zwar keine stichhaltige Evidenz für ihre Anwendung, aber es wurde festgestellt, dass psychische Belastungen bei Menschen mit sekundären chronischen Kopfschmerzen, wie ZKS, häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.(14)
Psychische Belastungen (einschließlich Angst und Depression) können durch Entspannungstechniken wie die Zwerchfellatmung gelindert werden.(15)(16) Daher ist es möglich, dass sie auch bei Dysfunktionen des oberen Trapezius helfen können.(2)
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Zu Beginn sollte die Zwerchfellatmung in Positionen wie Rückenlage oder Vierfüßlerstand geübt werden. Die Progression könnte dann Folgendes umfassen:(2)
Ziel ist es, dass der Patient in der Lage ist, ein normales Atemmuster zu erreichen (d. h. Zwerchfellatmung in allen Positionen in Ruhe und bei normalen funktionellen Aktivitäten).
Wenn Patienten einen erhöhten Tonus des oberen Trapezius beim zusammengesunkenen bzw. gekrümmten Sitzen aufweisen, können folgende Strategien nützlich sein:(2)
Die klinischen Praxisleitlinien für Nackenschmerzen weisen darauf hin, dass thorakale Manipulationen bei Patienten mit Nackenschmerzen von Nutzen sein können. Insbesondere zervikothorakale Manipulationen können Patienten mit Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Nackenschmerzen helfen.(17)
Darüber hinaus kann die thorakale Manipulation für Patienten mit Scapuladyskinesie und Dysfunktion des oberen Trapezius besonders nützlich sein, da sie nachweislich die Funktion der Scapula verbessert. In einer Studie von Cleland und Kollegen wurde festgestellt, dass die Kraft des unteren Trapezius nach der thorakalen Manipulation um 14 Prozent zunahm.(18) Somit könnte diese Technik dazu beitragen, den unteren Trapezius zu fördern und die Aktivierung des oberen Trapezius vor der Übungstherapie zu verringern.(2)
Wie bereits erwähnt, weisen Personen mit Schulter- oder HWS-Dysfunktionen in der Regel ein muskuläres Ungleichgewicht auf, einschließlich einer Überaktivität des oberen Trapezius und einer Unteraktivität des mittleren und unteren Trapezius. Eine Studie von Cools und Kollegen untersuchte, welche Übungen am effektivsten sind, um diese Probleme anzugehen. Sie fanden heraus, dass die folgenden vier Übungen die Aktivität des unteren und mittleren Trapezius am wirksamsten fördern, während der obere Trapezius nur minimal aktiviert wird:(20)
Die Studie von Cools et al. (mit Bildern) kann hier abgerufen werden.
Beachte: Keine dieser Übungen wird im Stehen durchgeführt. Wie oben hervorgehoben, verursachen belastete Positionen (wie Stehen, Sitzen) oft einen übermäßigen Tonus des oberen Trapezius. Übungen in Bauch- oder Seitenlage können dazu beitragen, die Schulter zu entlasten und den oberen Trapezmuskel zu entspannen.(2)
Wenn Patienten nicht in der Lage sind, die Scapula ausreichend oder angemessen zu bewegen, können taktile Cues (Berührungen als Hinweis) hilfreich sein.(2)
Bei dem Versuch, die Körperhaltung und die Funktion der Scapula zu verbessern, ist es wichtig, alle Antagonisten einzubeziehen, die zu einer übermäßigen Aktivierung des oberen Trapezius beitragen können (d. h. jede Aktion, die zu einer verstärkten anterioren Bewegung oder Abwärtsrotation der Scapula führt).(2)